• Kapitel 1.10 Der Autor


    Mittlerweile neigten sich die Erklärungen Leonies dem Ende entgegen.


    "Bevor ich euch jetzt eine schöne Reise wünsche, noch einige Worte zur Diskretion. Diejenigen unter euch, die es schaffen ihr Smartphone in der Kajüte zu lassen, haben schon den wichtigsten Schritt getan. Für alle anderen gilt: Achtet beim Fotografieren darauf, dass ihr keine Persönlichkeitsrechte verletzt. Nicht jeder möchte sein Konterfei im Netz wiederfinden. Falls bei Aufnahmen andere deutlich sichtbar sind, fragt bitte ob ihr das Bild löschen sollt. In den Kuschelzonen ist das Fotografieren sowieso nicht gestattet."


    Dabei warf sie einen Blick auf die Sicherheitsleute in den blauen Ganzanzügen.


    "Wir von Lycraworld unsererseits werden ebenfalls Bilder schießen, aber nur wenige. Diese kann jeder bei uns einsehen und bestimmen, was anonymisiert werden soll. Macht bitte von diesem Recht Gebrauch, da diese Fotos auf unserer Website landen."


    Das klang ja ganz vernünftig, dachte der Schreiber. Klar, dass die mit einer solchen Reise Werbung machen würden.


    "Es wäre schön, möglichst viele von euch später auf dem hinteren Sonnendeck zu sehen, wenn wir Gibraltar passieren. Ansonsten: Habt Spaß!"


    Unter Beifall leerte sich das Auditorium und die meisten wollten sich erst einmal zünftig einkleiden.






    Kapitel 1.11 Rainer


    Er gehörte noch zu den ersten, die durch das zwar stark begrenzte, aber immer noch umfangreiche Sortiment an Lycrakleidung stöberten. Hier auf dem unteren Deck reihte sich eine Textilausstellung an die nächste. Sein Freund Tobias hatte ja recht, wie fast immer. Er wollte sich jetzt endlich zu dieser speziellen Neigung bekennen. Und wo könnte er das besser tun, als unter dreihundert anderen "perversen"? Mal sehen ob mit den Frauen an Bord was ging, wenn er sich mal etwas auffälligeres zutraute. Bei Toby funktionierte es ja auch andauernd. Gut, zugegeben, dessen Traumfigur konnte er natürlich nicht das Wasser reichen, aber völlig aufgedunsen war er ja nun auch nicht gerade.


    Normalerweise war er mehr der Kombinierer. Also meist Beinkleid und Oberteil getrennt um flexibler zu sein. Doch jetzt arbeitete er sich durch die Ganzanzüge, und drohte so langsam den Überblick zu verlieren. Nicht nur die Anzahl an Schnitten und Materialien erschwerten seine Wahl. Auch die Farb- und Designvielfalt. Von gleichmäßig einfarbig bis zu den umfangreichsten Mustern, welche man tagelang studieren konnte und immer wieder neues erblickte, war hier alles vertreten. Fast wollte er schon resigniert aufgeben, dann hielt er einen Ärmel in den Händen, dessen feinste Lycrastruktur ihm fast einen Schlag versetzte. Durch das besonders feine Gewebe wirkte der Zentai nochmals glänzender, ohne Wetlook zu sein.


    Die meisten der Stücke hingen in mindestens drei Größen nebeneinander und so griff er gewohnheitsmäßig zunächst nach dem größten. In der Umkleide musste er jedoch schnell erkennen, dass die mit "Groß" auch wirklich "Groß" meinten. Die Nummer kleiner fühlte sich dann schon richtiger an, auch wenn es mehr Anstrengung kostete in die Kunstfaserhülle hinein zu kommen. Als er sich das erste Mal damit im Spiegel betrachtete wurde ihm klar wieviel Erfahrung der Hersteller in seine Erzeugnisse packte. Denn genau an den Stellen, wo sich über vierzig bereits kleine Pölsterchen und "Frühlingsröllchen" ausbildeten, übte der Fullsuit stärkere Kompression aus.

    Er fühlte sich richtig scharf und irgendwie auch auf seltsame Art jünger. Nicht nur wegen der figurformenden Eigenschaften seines ausgewählten Stücks, sondern auch wegen des Designs. Wie ein Bildnis des siebten Kreises der Hölle aus Dante´s Inferno, züngelten Flammen in allen denkbaren Nuancen von Gelb, Orange und Rot über das Gewebe. Angefangen vom Knöchelende die Beine hoch und über den Torso bis zur Brust. Der Rest offenbarte immer mehr von seiner Grundfarbe, einem tiefen Braun welches fast schwarz wirkte.


    Also wenn da die Mädels nicht hinlangen wollten, wusste er auch nicht weiter.

    Die Registrierung und Zuordnung zu seiner Person verlief völlig unbürokratisch. Erst den Barcode des Waschetiketts gescannt, danach das obligatorische Armband, welches alle beim Check-In bekommen hatten, und schon konnte er wieder hinauf. Was wohl sein Kumpel dazu sagen würde?






    Kapitel 1.12 Der Ermittler


    Das hier war eine völlig neue Welt für ihn. Ganz so knallig, wie der Typ der scheinbar in hellen Flammen lodernd gerade an ihm vorbei gegangen war wollte er es nicht haben. Aber ihm war klar, dass falls er doch auf der richtigen Fährte war, er sich in die hiesige Gesellschaft integrieren musste. Ein Widerspruch in sich. Um nicht aufzufallen, musste er sich auffällig kleiden.

    Die Beraterin merkte dass er etwas verloren da stand.


    "Das erste Mal?", fragte sie und ihrem Kennerblick brauchte er nichts vorzumachen.


    "Ja ... äähh ... ich wollte mal was ... anderes ausprobieren." Das war bestimmt die billigste Ausrede die er je von sich gegeben hatte. Wäre seine Zielperson hier, hätte er jetzt genauso gut das Schiff mit dem Rettungsboot wieder verlassen können.


    "Wie wär´s denn für den Anfang mit was klassischem, zum eingewöhnen? Knielange Radler in seidenmattem schwarz und dazu ein ärmelloses Oberteil?"


    Da er sowieso keine Ahnung hatte wovon sie im Detail redete, nickte er einfach zustimmend.

    Die Radler hatte sie schnell bei der Hand aber der Body brauchte ein wenig länger. Immer wieder studierte sie ihn und schien das gesehene im Geist mit den Stücken zu verbinden, die sie jeweils in Händen hielt.

    Das letztlich präsentierte war ein Turnanzug konventionellen Zuschnitts mit nur kurzen Armstummeln und kleinem Stehkragen.


    Er verzog ein bisschen das Gesicht, als könne er sich nicht vorstellen in so etwas femininem herumzulaufen. Andererseits hatte er ja schon genügend Männer ähnlich bekleidet hier gesehen. Mit der Spesenzahlung seines Auftraggebers im Hinterkopf, fügte er sich schließlich in das Ungewohnte.


    "Wie zieht man das an?"


    Die Beraterin war bereits darauf vorbereitet, zeigte auf die Umkleiden und antwortete: "Alles ausziehen, dann zuerst die Radler so hoch bis sie satt sitzen. Dabei kann der Bund fast bis zum Bauchnabel reichen. Darüber dann der Body", dabei öffnete sie den Rückenreißverschluss. "Da steigt man von oben ein und zieht erst mal alles hoch bis zum Schritt. Danach den Rest soweit hochschieben, bis man mit den Armen reinkommt. Ist manchmal ein bisschen Verrenkung, aber keine Angst, das Material dehnt sich. Beim Reißverschluss kann ich dir gerne helfen."


    Noch immer besah er kritisch das Oberteil.


    "Keine Sorge", bestärkte sie ihn. "Bei deiner Statur kannst du das ohne weiteres tragen."


    Der Ermittler fühlte sich nicht wohl in der kleinen Kabine. Natürlich hatte er schon mal Radler angehabt, doch zum einen nie ohne Unterwäsche, und zum anderen zählte er zu denjenigen, die sich gerne über die "Kunststoff-Presswürste" lustig machten.

    Ein seltsam neues Gefühl beschlich ihn, als sich das Standard-Beinkleid eng an seine Oberschenkel anschmiegte. Mehr sogar noch, als der kühle Stoff seine privaten Teile berührte. Ganz hochziehen, hatte sie gesagt. Zuerst empfand er dies unangenehm, aber eher weil es ungewohnt war. Als er sich etwas bewegte und im Spiegel betrachtete, beschlichen ihn neuartige und tatsächlich sehr angenehme Gefühle.


    So positiv überrascht stieg er in den Body, was zugegeben schon etwas schwieriger war. Er fürchtete dass die Wahl der Beraterin zu eng geraten sein könnte, erfuhr dann jedoch etwas gänzlich anderes. Der zusätzliche Druck auf seine unteren Regionen stimulierte ihn ungewöhnlich. Auf einmal waren alle Gedanken an den Job wie weggewischt und er wunderte sich, wie sehr ihm das hier zu gefallen begann. Jetzt noch die Arme durch die Öffnungen. Hoffentlich verzerrte er sich nicht dabei. Das Material wurde heftig gedehnt, bis es schließlich an die vorhergesehenen Stellen glitt.

    Es war das erste Mal dass er einen Gymnastikanzug trug und wider erwarten fand er es Klasse.


    Die Stummelärmel und etwa fünfzehn Zentimeter der seitlichen Flanken bestanden aus gewöhnlichem Lycra, genauso glatt und leicht glänzend wie die Radler. Auch die Beinabschlüsse waren so eingefasst. Die Farbe war allerdings nicht schwarz, sondern ein kräftiger Aubergineton, der erst im Licht richtig zur Geltung kam. Rücken und Vorderteil bestanden jedoch aus dunkelblauem Samt und er konnte sich nur schwer zügeln in einem fort über die verschiedenen Materialien zu streicheln.

    Er gefiel sich. Das hätte er nicht erwartet. Das Zeug saß wie angegossen, engte ihn aber dennoch nicht ein. Mit dem Reißverschluss hatte er jedoch tatsächlich ein wenig Probleme und so trat er hinaus in den Showroom, der mittlerweile von vielen weiteren Gästen bevölkert war.


    "Na, hab´ ich zuviel versprochen?", fragte die Beraterin die schon an seinem Gesichtsausdruck sah, dass hier gerade jemand mit einer neuen Leidenschaft infiziert wurde.


    "Hätte ich nicht geglaubt, ehrlich", gab er kleinlaut zu und wies auf den Rücken. "Nur den Reißverschluss bekomme ich nicht über die ersten Zähne."


    "Das ist, weil der Body noch neu ist", erklärte sie und schob den Zipper nach oben.


    Dabei bemerkte er, wie sich der angenehme Druck der Kleidung auch auf seinen Brustbereich fortsetzte und ihm umgehend zu einer aufrechteren Positur verhalf. Das war alles noch sehr neu für ihn und er musste nun erst mal verarbeiten wie sehr ihn das anmachte.

  • ... und wegen der max. Zeichenzahl, das nächste Kapitel noch mal gesondert ...



    Kapitel 1.13 Der Autor


    Zum Glück wurden nicht noch die Preisträger der Wettbewerbe vorgestellt. Die Menge an Menschen war schon als Zuschauer anstrengend genug. Doch der kurze Aufenthalt im Rückzugsgebiet seiner Einzelkabine hatte ihn schon wieder auf den rechten Weg gebracht. Er erwog sogar an dem geforderten Treffen auf dem Sonnendeck teilzunehmen. Zumindest gab es da viele Möglichkeiten sich in weniger frequentierte Bereiche zurück zu ziehen. Das Hauptsonnendeck mit dem großen Pool am Heck des Schiffs war nämlich über breite Treppen verbunden mit zwei weiteren, jeweils halbmondförmig darüber angeordneten Freiterrassen. Dort befand sich nach den Lageplänen im Flyer auch das kleinere Schwimmbassin.


    Angeregt durch die angenehme Urlaubsstimmung, die so langsam auch seine bärbeißige Spießigkeit etwas abmilderte, beschloss er sich nochmal am heutigen Tag seinen Ängsten zu stellen. Bereits wegen des Entschlusses war er stolz auf sich. Er wählte als passendes Outfit seinen silbergrauen Einteiler, der mit Fußteilen und Fingerschlaufen an den langen Armen stets perfekt saß.


    Beim hineinschlüpfen überlegte er wieder einmal, ob er nicht seine Anziehhilfe für Rückenreißverschlüsse patentieren lassen sollte. Womöglich gab es in dieser Gemeinschaft sogar Interessenten dafür. Nachdem er sich nämlich zum zweiten mal unaufgewärmt und ohne vorher etwas Dehnungsgymnastik zu betreiben, übelst verzerrt hatte, suchte er nach einer Lösung des Problems. Diese fand er in Gestalt einer Greif-Verlängerung. Einer kleineren Ausgabe dessen, womit Straßenkehrer Abfälle aus stehender Position aufhoben. Dieses Ding hingegen war nur etwa dreißig Zentimeter lang und eigentlich eher ein Scherzartikel. Unnützer Tand aus einem Ein-Euro-Laden. An das Griffstück hatte er mit Heißkleber einen winzigen Plastikhaken angebracht, dessen Länge gerade ausreichte um die Griffhälften miteinander zu verklemmen.

    Einer Feststellzange gleich, clipste er das Werkzeug in den Haken des Reißverschlusses ein und hatte nun genügend Material zur Verfügung, um ohne Zerrung den Zipper zu schließen. Danach clipste er die Zange einfach wieder aus. Das war vielfach besser als eine permanente Schnurverlängerung, wie bei Surfanzügen oder ähnlichem.


    Der silberne Anzug hatte jedoch einen Nachteil. Er war bei verschiedenen Beleuchtungen nicht so blickdicht wie dunklere Farben, deshalb zog er darüber noch seine Bordeauxroten Radler. Das sah farblich gut aus und stellte nicht allzu viel zur Schau.


    Als der Autor aus seinem Refugium trat, wurde er fast von einer illustren Truppe über den Haufen gerannt.


    "Sorry!", klang es gedämpft als Entschuldigung als die fünf Passanten im Laufschritt ihren Weg fortsetzten.


    Diese hatten jetzt nicht direkt was mit Lycra zu tun, denn was sie trugen waren flauschige Tierkostüme die aus Comicvorlagen hätten stammen können. Ein Tiger mit unnatürlich orangerotem Fell, wie aus der Reklame eines Mineralölkonzerns, etwas Weißes mit schwarzen, punktförmigen Flecken, was einem Dalmatiner nahe kam und etwas das nach Feldhase aussah. Die beiden vordersten waren nicht zu identifizieren.

    Anscheinend machten sich alle Gäste auf den gleichen Weg. Zum Heck des ruhig durch den Atlantik gleitenden Schiffs. Seit sie abgelegt hatten, war ihm noch kein Passagier aufgefallen, der sich in eindeutiger Haltung über dir Reling hätte beugen müssen.

  • Danke Lycwolf. Die Seereise geht los, und die Phantasie reist mit.

    Ich stelle mir gerade vor, an wen der Ermittler, ein Lycra-Neuling, in seinem ungewohnten Dress gerät...


    Als deine beste Formulierung würde ich diese vorschlagen:

    Angeregt durch die angenehme Urlaubsstimmung, die so langsam auch seine bärbeißige Spießigkeit etwas abmilderte, beschloss er sich nochmal am heutigen Tag seinen Ängsten zu stellen.

    :)

  • Kapitel 1.14 Der Ermittler


    Noch immer war er ein wenig im Zwiespalt der Gefühle. Klar, er selbst hatte sich bereits mit der ungewohnten Lycrakleidung angefreundet. Aber durfte man das? So herumzulaufen?

    Nun, die ungefähr dreihundert versammelten Passagiere gaben darauf eine klare Antwort. Keiner war in Zivilkleidung.

    Und von vielen die ihm auf dem Weg hierher begegneten, erntete er zustimmende Blicke für sein Äußeres. Auch von einer schlanken Schlangenfrau. die die letzten Meter Seite an Seite neben ihm ging. Die sah aus wie aus einem Prospekt für Artistenkleidung.

    Ihr Körper war vollständig verhüllt, einschließlich des Kopfes. Vielleicht gehörte sie auch zum Showprogramm, denn neben dem auffälligen Zentai hatte sie auch die Statur einer biegsamen Schlangenfrau. Die Oberfläche ihres Anzugs war eine wirklich detailgetreue Nachbildung von Reptilschuppen. Je nach Körperregion in unterschiedlicher Größe und sehr organisch im Aussehen, was ihre figürlichen Vorzüge zusätzlich betonte. Nicht nur der charakteristische Glanz der Schlangenhaut war perfekt getroffen. Auch die leicht erhabene Struktur der Schuppen bildete der Komplettanzug naturgetreu nach. Die Farbe schillerte in sämtlichen Schattierungen von Hellgrün bis Dunkelblau, je nach Lichteinfall. Dazu bewegte sie sich auch noch fließend und anmutig. Ihre leisen und leichten Schritte wurden durch ebenso leichtes Schuhwerk unterstützt.


    Ihm waren bereits die Schränke an allen Ausgängen aufgefallen. Oder überall dort, wo sich der Bodenbelag vom üblichen Teppichboden in etwas glatteres oder raueres änderte. Wohl um die empfindlichen Anzüge im Fußbereich zu schützen, gab es immer eine Auswahl an Turnschläppchen in verschiedenen Größen und Farben. Und wenn man dann wieder in Teppichboden Bereiche kam, konnte man diese einfach zurücklegen, wenn man wollte. Viele waren so unterwegs, manche auch wie er in Laufschuhen. Die leisen Schleicher der Schlangenfrau jedenfalls waren dunkelgrün und glänzten wie Kunstleder, recht passend zum Zentai.


    Länger konnte er sie leider nicht betrachten, denn sie steuerte auf anscheinend Bekannte zu. Einer sehr sportlich, womöglich sogar ihr Mann, der andere in einem wirklich scharfen "Flammenanzug".


    Er nahm die andere Richtung zur Backbordseite hin und bedankte sich für einen der dargebotenen, farbenfrohen Fruchtcocktails. Die meisten der Kellner trugen ebenfalls Lycrakleidung und hatten sichtlich Spaß dabei. Überall nur fröhliche Gesichter, das hieß, nur dort wo man überhaupt Gesichter sah. Mehr als die Hälfte der Gäste war vollständig verhüllt, sei es als Teil ihres Kostüms oder mit übergezogenen Lycramasken.

    Der Ermittler dachte schon wieder nicht mehr an seinen Job und genoss es, sich einfach durch die Menge dieser "Verrückten" treiben zu lassen.






    Kapitel 1.15 Der Autor


    Er folgte einfach dem Strom der schimmernden und vielfarbig gekleideten Lycrafans bis dorthin, wo es richtig voll war. Und überraschenderweise machte ihm das weniger aus als befürchtet. Trotzdem suchte er den Weg heraus aus dem Hauptpulk um den Pool herum, hinauf auf die nächste Ebene. Von hier hatte er einen beeindruckenden Ausblick, nicht nur über das hinter Teil des Kreuzfahrtschiffs. Sondern auch auf die Menge der Lycra liebenden Passagiere.

    Mitgliederstatistiken in Internetforen bedeuteten bis Dato abstrakte Zahlen. Nie hätte er sich so etwas mal in der Realität vorstellen können. Hier waren diese ganzen Leute mal live zu sehen. Manche davon vielleicht sogar anzufassen.


    In ihm schien etwas seltsames vorzugehen. Seine Ängstlichkeit vor sozialen Kontakten wich proportional mit der Zunahme von Personen um ihn herum. Als wirke die relative Anonymität unter Gleichgesinnten befreiend.

    Das gefiel ihm.

    Von seiner Position aus konnte er auch auf eine kleine Bühne blicken, auf der sich bereits einige der "Offiziellen", in Grün glänzende Ganzanzüge gehüllte, versammelten.


    Es krächzte kurz aus der Bordsprechanlage, doch das kam nicht von der Bühne. Vielmehr wurden dort einige Kameras mit gelinde gesagt, angeberisch großen Objektiven ausgepackt, welche jetzt noch keine Rolle spielten.

    Auf die überall angebrachten Bildschirme wurde das Antlitz der Gastgeberin übertragen, deren kupferrote Lockenpracht in der Meeresbrise wehte.


    "Hallo zusammen und schön dass ihr euch alle so farbenprächtig eingefunden habt."


    Jubelrufe und Applaus.


    "Ich befinde mich gerade auf einem der Ausleger der Kommandobrücke, zusammen mit unserer Kapitänin Silja Roege. und ich sehe etwas, das ihr dort hinten noch nicht sehen könnt."


    Damit ging sie näher an die Kamera und raunte mit ihrer leisen, dunklen und erregend deutlichen Sprache: "Und ich sage euch, macht euch auf etwas beeindruckendes gefasst."


    "Silja, bitte erkläre was uns in wenigen Minuten erwartet."


    Die blonde Schiffsführerin kam ins Bild.


    "Werte Gäste, die Kommandocrew und der erste Offizier Van Doornen sind gerade hochkonzentriert bei der Arbeit."


    Die Kamera schwenkte in die offene Tür der Brücke und nach dem kurzen Umstellen der Belichtung von Außen auf Innen konnte man Uniformierte vor Computermonitoren und Steuerpulten sehen. Weitere spähten mit Feldstechern voraus. An einigen der Beine waren anstelle regulärer Uniformhosen glänzende Lycra-Substitute zu erkennen.


    Die Kamera kam wieder nach draußen und zeigte den Blick nach Vorn, währen Kapitänin Roege weiter erklärte: "Vor uns liegt die Meerenge von Gibraltar. An der engsten Stelle trennen hier nur etwa dreißig Kilometer Wasser Europa vom afrikanischen Kontinent. Doch nicht die gesamte Breite ist auch befahrbar. Strömungen, Untiefen und vor allem der hohe Schiffsverkehr verlangen gesteigerte Aufmerksamkeit. Die graue Erhebung an Backbord ist bereits der Felsen von Gibraltar. An Steuerbord etwas Abseits und ein wenig im Dunst, erkennt man sein nordafrikanisches Gegenstück."


    Die Kamera schwenkte auch dorthin.


    "Allerdings", fuhr sie fort, "haben wir heute klare Sicht und ruhige See, wie versprochen", Auf dem Achterdeck brandete erneut Jubel los, der die restlichen Worte fast verschluckte, "... so dass wir keine Probleme bei der Passage erwarten."


    Leonie kam wieder ins Bild: "Danke Silja. Das war´s vorerst von mir und der Schiffsführung. Ich mach mich jetzt auf den Weg zu euch. Bis gleich."


    Sie winkte nochmal und danach schaltete die Kamera ab.


    Leichte Unterhaltungsmusik mischte sich unter die Gespräche der Gäste um die Zeit bis zur Ankunft der rassigen in grünem Lycra zu Überbücken. Kein Wunder, dass deren Unternehmung so erfolgreich war. Die verstanden ihr Handwerk die Gäste zu begeistern und brauchten für die Show nicht einmal die klassischen Bordanimateure.


    Auf der Terrasse hinter dem Autor ging etwas vor sich, das ein wenig Aufruhr verursachte. Doch er konnte nicht hinsehen, schloss aber aus dem Verhalten der Passagiere, dass an den seitlichen Enden Freiräume geschaffen wurden.


    "So", sprach nach kurzer Pause eine deutliche Stimme noch etwas außer Atem wieder ins Mikrofon.


    Er drehte sich schnell wieder zur Bühne unter sich um, wo ein kupferroter Haarschopf leicht im Wind wehte.


    "Was wir mit euch vorhaben, während unsere Kapitänin uns ins Mittelmeer bringt, ist folgendes. Von den beiden Seiten über mir", dabei deutete sie ähnlich einer Flugbegleiterin in die Richtungen wo eben Platz geschaffen wurde, "lassen wir gleich zwei Kameradrohnen aufsteigen."


    Gespannte Stille unter den Anwesenden. Leonie hatte sie wieder einmal im Griff.


    "Wir wussten nicht ob es klappen würde, aber der Wind ist ruhig und das Abendlicht phantastisch. Wir wollen aus verschiedenen Perspektiven Bilder machen, die euch Verrückte, unser herrliches Schiff und Gibraltar im Hintergrund zeigen. Dabei wäre es Klasse, wenn ihr der Welt zeigen würdet was für eine phantastische Gemeinschaft die Lycrafans sind. Glaubt ihr das klappt?"


    Johlen und grölen ertönte aus dem Publikum.


    "Ich kann euch nicht hören. Glaubt ihr das klappt?", heizte sie den schimmernd vermummten noch weiter ein und erntete den provozierten Jubelsturm.


    "OK. Unsere Piloten sind soweit. Wenn ich das Kommando gebe, möchte ich genau wie eben alle eure Hände in Richtung der Drohnen sehen. Kriegen wir das hin?"


    Jetzt wurde es aber richtig Laut im Lycrakessel und der Autor war froh etwas höher zu stehen.

    Gleichzeitig stiegen die großen und professionell wirkenden Multikopter auf und postierten sich abseits über dem Achterdeck.


    "An unsere Piloten. Sind wir soweit?"


    Daumensignal von oben.


    "Und an euch alle. seid ihr auch soweit?"


    Jubel wie bei einem Rock-Konzert fegte Leonie fast von der Bühne.


    "Ich hab´ ja nur gefragt ..."

    "OK, ich zähle von drei Rückwärts und dann gebt ihr alles was ihr könnt. Drei ... Zwei ... Eins ... LYCRA!!!"


    Alles hüpfte in die Höhe uns schrie die Aufforderung aus voller Brust mit.


    "Das war nicht schlecht, aber ich glaube das können wir besser. Nochmal. Drei ...Zwei ... Eins ... LYCRA!!!"


    Jetzt hielt es keinen mehr zurück. selbst der schüchterne Autor jubelte wie entfesselt in Richtung der Drohnen.


    "Das war Spitze! und noch ein letztes Mal..."


    Die Meute brauchte keinen weiteren Ansporn mehr. Da mussten selbst die auf der Brücke sich die Ohren zuhalten.


    "Drei ... Zwei ... Eins ... L Y C R A !!!"

  • Danke Lycwolf für deine hinreißenden Schilderungen der illustren Gesellschaft in Lycra auf der "Borealis".

    Besonders gefällt mir, wie du den Ermittler in diese für ihn fremde Welt einführst.

    Mein Zugang zu der Person des Autors ist noch ein wenig geringer als zu den anderen Charakteren. Manchmal komme ich in die Versuchung zu glauben, dass du dich selber dort in deine eigene Geschichte hineingeschmuggelt hast.


    Zu deinem Kommentar: Fühl dich frei, wann immer du möchtest, ein neues Kapitel einzustellen, unabhängig von meiner Geschichte.

  • Danke Desi.

    Sicher scheint der "Autor" dem Schreiber des Textes zu ähneln. Allerdings steckt in ihm weit weniger von mir als in anderen Charakteren aus anderen Geschichten. Natürlich ist das eine oder andere im Wesenszug vorhanden, aber beim "Autor" habe ich all dies sehr verstärkt wiedergegeben.


    Ich werde in den kommen zwei Wochen Urlaub machen, versuche aber weiterhin Kapitel zu veröffentlichen. Kann halt etwas unregelmäßiger werden.

    Trotzdem: Weiterhin Spaß dabei.

  • Kapitel 1.16 Rainer und Tobias


    Die Gruppe um sie herum war noch völlig ausgepowert vom jubelnden Foto-Posing, als die Frau in der Schlangenhaut sich an Rainer wandte: "Hey, da hast du ja doch noch was heißeres zum anziehen gefunden", spielte sie auf sein Flammenoutfit an.


    Erst jetzt begriff er, dass sich unter der Reptilienhülle die mattschwarze Katze von vorhin verbarg. Die ganze Zeit war er abgelenkt von all den hauteng bekleideten Menschen um ihn herum. Und auch von der ungewohnten Aufmerksamkeit, die sein neues Outfit auf sich zog. Ein offensives Design auszuwählen, war wohl die richtige Entscheidung gewesen.


    "Danke, aber dein Dress ist ja auch wie eine 180 Grad Wende, verglichen mit dem einfachen schwarzen."


    "Hat nicht irgendeine Modeschöpferin mal gesagt, mit dem "kleinen Schwarzen" sei man immer passend angezogen?"


    "Ja, das schon. Aber das schillernde Schuppenkleid ist keineswegs zu verachten. Wie fühlt sich das denn an?"


    Er war selbst überrascht von seinen forschen Vorgehen.


    "Willst du mal fühlen?", neckte sie und schob auffordernd ihre Hüfte in Rainers Richtung. Tobias neben ihm war ebenfalls erstaunt über das Auftauen seines besten Freundes.


    "Wenn ich darf?, fragte dieser schüchtern nach.


    "Nur wenn ich auch mal deins fühlen kann."

    Leider konnte man ihr schelmisches Grinsen unter der geschlossenen Kopfhaube nicht sehen.


    Rainer war sich unsicher, wo er sie berühren sollte. An liebsten hätte er seine Hand sofort über ihren drahtigen Leib gleiten lassen, doch er entschied sich erst mal für einen Arm.

    Nicht nur, dass das Schuppenmuster in seiner Größe perfekt auf die Proportionen der Gliedmaßen angepasst war und dadurch einer echten Schlange täuschend nahe kam. Auch das Tastgefühl war identisch mit dem, an das er sich aus seiner Jugend im Zoo erinnern konnte. Glatt mit wenig Widerstand, gleichzeitig aber auch ein wenig uneben. Und genau wie bei einer realen Schlange war die schillernde Glätte keineswegs feucht, sondern angenehm körperwarm.


    Er kam sich wie ein kleiner Junge vor, der ein völlig neues Gefühl entdeckt.


    "Wow", war alles was er dazu äußern konnte.


    Doch dann erschrak er, als die Schlangenfrau ihrerseits die Finger auf Wanderschaft schickte. Sie zögerte nicht und tastete mit einigem Druck seinen flammenden Bauch- und Brustbereich ab. erstaunlich wie geschickt ihre kleinen Finger sich an jedwede anatomische Form anschmiegten.

    Er hoffte inständig, dass sein Geist noch eine Weile Herr über seinen Körper blieb. Hier inmitten von immer noch gut hundert Gäste konnte das sonst peinlich werden.


    Doch bevor es zu weit ging, meldete sich wieder seine verschämte Schüchternheit und er schaffte es einfach nicht weiter zu gehen. Kühl hielt er sich zurück und die Schlangenfrau schien schon fast ein wenig sauer. Doch sie akzeptierte seine Distanz und verabschiedete sich mit: "Vielleicht ein andermal?"


    "Ja, vielleicht", antwortete Rainer und hätte sich gerne selbst geohrfeigt, eine solche Möglichkeit ungenutzt vorübergehen zu lassen.


    Er brauchte Toby gar nicht anzusehen um zu wissen, wie verständnislos der mit den Augen rollte.


    "Du bist wirklich ein hoffnungsloser Fall", seufzte sein Kumpel schließlich. "Da interessiert sich die schärfste Schlange weit und breit für dich und du kneifst. Dir ist wirklich nicht mehr zu helfen." Mit einem Kopfschütteln machte auch er sich auf den Weg die Passagiere nach Gleichgesinnten für sich abzuchecken.


    Als Rainer vorhin hier erschienen war, mochte Tobias seinen Augen kaum trauen. Der große Heimlichtuer kam plötzlich in einem Anzug, der eher zu ihm selbst gepasst hätte. Und um ehrlich zu sein, sah er damit auch plötzlich vielfach attraktiver aus. Was ja auch sofort Wirkung zeigte, obwohl dieser sich nicht traute etwas daraus zu machen.

    Und eigentlich, hätte sogar er ihn am liebsten selbst auf eine Kuschelinsel gezogen.


    Rainer indes blieb niedergeschlagen zurück und fragte sich, was wohl mit ihm nicht stimmte.






    Kapitel 1.17 Der Ermittler


    Der große Andrang löste sich zunehmend auf und die Passagiere verteilten sich auf allen fünf Decks an der Reling um die Aussicht auf Gibraltar auf der einen Seite, oder das entfernte Tanger auf der anderen Seite zu genießen. Jetzt konnte er sich wieder auf seinen Auftrag konzentrieren. Mal langsam alles erkunden und nach einer möglichen Verdächtigen fahnden.

    Doch wie sollte das gehen? Er hatte doch keinerlei Anhaltspunkte und war hauptsächlich einem Instinkt folgend auf dem Schiff. Sein Resümee darüber, was er alles an neuen Spuren hatte war schnell gezogen. Eine Kaugummiverpackung und ein Zettel mit der Telefonnummer einer lokalen Autovermietung.

    Dünn, dachte er, mehr als dünn für eine Spur. Und überhaupt, was sagte ihm das? Und wonach sollte er suchen?

    Jemand alleinstehendes? Natürlich - aber so jemanden schien es hier außer ihm nicht zu geben. Im Gegenteil, traten diese Lycraträger nicht nur paarweise, sondern häufig sogar in Gruppen auf. Da passte niemand so recht in dieses Suchschema. Sogar eine mit Schlangenhaut-Anzug ging dermaßen an die Leute ran, dass sie unmöglich eine Fremde sein mochte.

    Klar, vorhin meinte er kurz eine Verdächtige erspäht zu haben, die aus dem Veranstaltungssaal nach draußen ging. Doch konnte er überhaupt jemand verdächtigen, nur weil sie einen der typischen schwarzen Einbrecheranzüge trug? Hier, wo jede zweite so gekleidet war?


    Oder er suchte nach Leuten, die nicht dem Kleidungsschema entsprachen. Außer Teilen der Besatzung war diese Gruppe sehr überschaubar, und eigentlich fielen im da momentan nur der Dicke ein, der die Tonprobleme beseitigt hatte, und seine Partnerin, diese Punkerin. Und das eigentlich auch nur, weil er die beiden gerade hinter dem zugedeckten, kleinen Pool auf dem zweiten Deck sah. Sie standen mit einer Gruppe in lustigen Tierkostümen zusammen.


    Nein, dachte er. Hier seine Gesuchte zu finden erforderte schon mehr als eine Riesenportion Glück. Beim weiter schlendern die geschwungene Treppe hinunter, dachte er zum ersten Mal wieder darüber nach aufzuhören. Nicht nur mit diesem Auftrag, sondern generell. Das hatte er schon im Sinn noch bevor er sich diesem Phantom widmete. Doch das Angebot dieses Topmanagers war einfach zu lukrativ, als dass er es ausschlagen wollte. Schließlich hatte er damit bisher mehr verdient als in den zwei Jahren zuvor. Doch mal ehrlich, was sollte das noch? Er war überzeugt, das erste Mal daneben zu liegen. Und das gründlich. Wegen eines vagen Gefühls war er auf einem Schiff voller Kleidungsfetischisten gelandet.


    Die Umstehenden mochten aus seinem Gelächter allenfalls schließen, dass da jemand eine wirklich gute Zeit verlebte. Doch nur er kannte die bittere Ironie dahinter.






    Kapitel 1.18 Der Autor


    Der Autor genoss die letzten direkten Sonnenstrahlen auf seinem silbernen Lycrasuit. Irgendwie fühlte er sich besser denn seit langem. Seine Angst vor Menschenmengen hielt sich in Grenzen, vor allem jetzt wo sich die Massen auflösten und homogen auf dem Schiff verteilten. Die Seeluft machte anscheinend Appetit, aber allzu eilig hatte er es dennoch nicht zum Buffet zu kommen. Drüben, auf der Steuerbordseite gab es noch Abendsonne. Diese fünf Minuten konnte er noch mitnehmen.


    Nebenan standen die "Furries", die ihn vorhin fast umgerannt hatten im Halbkreis. die großen Tierköpfe hatten sie abgesetzt und man erkannte ziemlich verschwitzte junge Männer, die offenbar Lycra als Unteranzüge gewählt hatten. Damit beantwortete sich also die Frage, wie die zu den Lycrafans passten.


    "... machst den Eindruck, als verstündest du was von Veranstaltungen ...", konnte er Fragmente der Konversation des "Dalmatiners" mit seinem Vordermann aus der Check-In Schlange mithören.


    "... wollen Übermorgen ´ne Kleinigkeit aufführen, nur so zum Jux ... aber wir wissen nicht wie ... das am besten angehen..."


    Der Autor erinnerte sich an den Programmablauf. Der Tag nach dem Landgang in Mallorca gab interessierten Gästen die Möglichkeit, auf den diversen Bühnen des Schiffs etwas von sich zum Besten zu geben. Ob Akrobatik oder Zaubershow, ob Karaoke oder Theaterimprovisation. Alles war möglich. Man musste sich nur in eine Liste eintragen, damit die Veranstalter den Ablauf planen konnten.


    Was im Einzelnen die jetzt vorhatten, konnte er gar nicht so genau mitbekommen. Er rückte etwas näher an die Gruppe heran (natürlich nur um noch genügend Sonne abzubekommen, nicht aus Neugierde). Aber anscheinend hatten sie bereits alles ausgehandelt, denn sie schickten sich an, sich zu verabschieden.


    "Also dann, wie besprochen", meinte der Dalmatiner. "Und danke, dass du das machst."


    "Kein Thema", knurrte der kräftig gebaute. "Ich passe ja sowieso nicht so richtig zu dieser Fetischklientel."


    OK, sagte sich der Autor, da musste er also noch abwarten was die Aufführen wollten.

    Jetzt wurde es auch für ihn Zeit, mal das Restaurant aufzusuchen.

  • .... und wieder die Begrenzung der maximalen Zeichenzahl ...


    Kapitel 1.19 Die Katzenfrau


    Immer noch etwas eingeschnappt von der recht offenen Ablehnung des Flammenanzugträgers, streifte sie recht Ziellos durch verschiedene Sektionen des Schiffs. Bei seinem Kumpel konnte sie es ja verstehen, dass er mit ihr nicht zu den selben Intimitäten bereit war, wie sie von dutzenden anderen Gästen seit dem Auslaufen praktiziert wurden. Eigentlich war es nicht ihre Art sofort in die Vollen zu gehen, doch wollte sie sich bestmöglich eingliedern. Und irgendwie hatte sie das allgegenwärtige Fummeln und vor allem ihre Kleidung mit dem Fühl- und Streichelvirus angesteckt. Doch mit diesen beiden hatte sie einfach kein Glück.


    Was soll´s, dachte sie. Endlich mal ein bisschen Entspannung. Kein andauerndes Umblicken ob man verfolgt wird. Sie grinste verächtlich unter ihrer Vollhaube im Schlangendesign. Mittlerweile müsste der Vollarsch von Bankmanager gemerkt haben, dass er nur noch das besitzt was sich an physischen Wertgegenständen um ihn herum befand. Diesmal hatte sie ihn nicht nur an seinem Skrotum gepackt. Diesmal hatte sie auch mit aller Kraft zugedrückt. Vermutlich würde er darauf reagieren, indem er ihr noch mehr Schnüffler nachschickt. Oder falls ihr "Schatten" tatsächlich noch hinter ihr her war, bekäme dieser Hinweise auf Portugal. Das heißt, wenn sich der miese Betrüger überhaupt noch einen Ermittler leisten konnte.

    Jedenfalls fühlte sie sich vollkommen sicher. Und wenn überhaupt, hätte sie mindestens einen Tag Vorsprung und auf diese Passage hier würde eh´ niemand kommen. Schließlich konnte sie sich das bis Gestern selbst noch nicht vorstellen.


    Während ihrer Gedanken kam sie an einer der vielen, über fast alle Decks verteilten Kuschelinseln vorbei. Hier saßen oder lagen Leute in den abwechslungsreichsten Lycrasuits und tauschten sich aus. Nicht nur verbal. Viele trugen verschiedenfarbige Armbinden, die offenbar anzeigten zu welchen Interaktionen der Träger bereit war. Sie verstand sehr gut, dass dieses Material Berührungen geradezu herausfordert. In ihrem mattschwarzen Catsuit sah sie immer nur die unauffällige Arbeitskleidung für Tätigkeiten jenseits von Gesetz und Moral. Doch vom Schlangenanzug konnte sie schon während der Anprobe kaum die Finger lassen. Das Material schien eine Veränderung zu bewirken. Nicht nur bei ihr. Alle um sie herum waren größtenteils sanft und harmonisch gestimmt.

    Und so war es kaum verwunderlich, dass hier zum einen recht Unschuldig angefasst wurde, zum anderen aber auch heftiger gestreichelt und intensive Ganzkörperberührungen praktiziert wurden.


    Sie konnte sich gar nicht satt sehen, an den vielen unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten von Turn-, Tanz- und Badebekleidungen, als sie angesprochen wurde.

  • hallo Lycwolf.
    Rainer tut mir leid. Nicht besonders mutig wie er hätte ich es genauso vermasselt.
    Der Ermittler irgendwie auch. Wobei ich immer noch an seine Spürnase glaube. Seine Zeit wird kommen.
    Was die Tierfellträger wollen, darauf warte ich gespannt.
    Und was die Schlangenfrau angestellt hat.
    Gucken, Berühren und Anfassen, das hast du bei allem sehr anschaulich beschrieben. Freut mich deine spannende Reisegeschichte zu lesen.

  • toby

    also ich gebe zu, diesmal war es wirklich ein geplanter Cliffhanger. Bei den meisten "Veröffentlichungsportionen" ist es ja mehr Zufall.


    Desi

    Daran, dass "Furries" in der Geschichte vorkommen, siehst du wie lange die ersten Ideen zu der Story bereits her sind. Ich kann selbst nicht mehr genau sagen, wann wir hier ein Mitglied im Tigerfell hatten, aber das war die Inspiration hierfür.

  • Kapitel 1.20 Rainer


    Toby hatte sich anscheinend mit einem der vielen Badeanzugträger angefreundet. Jedenfalls saßen die beiden entspannt an der mittlerweile nicht mehr so überfüllten Bar des Sonnendecks und unterhielten sich.

    Rainer war sauer auf sich. Statt Trübsal zu blasen, sollte er sich lieber etwas amüsieren. Genau wie Tobias ihm geraten hatte.

    Ach sch... drauf, dachte er. Er würde jetzt seinen Mut zusammen nehmen und auch einfach jemanden ansprechen.


    Und es war auch gar nicht schwierig. In der großen Lounge des Zwischendecks stieß er auf eine Gruppe Ballerinen. Über den kleinen Spruch, ob sie nicht lieber die Reling draußen als Ersatz für die Ballettstange nehmen wollten, kam er mit ihnen ins Gespräch. Die vier deckten eine Gewisse Altersspanne von vielleicht Mitte zwanzig bis Mitte dreißig ab, schienen aber alle auch sonst zusammen zu gehören.

    Sie tauschten sich mit ihm über die Outfits aus und sofort war da so etwas freundschaftlich vertrautes. Ohne dass er es direkt darauf angelegt hätte, sendete die Älteste deutliche Signale in seine Richtung. Gleichzeitig zeigte sich, dass zumindest eine der Damen gar keine war. Jedoch erschien diese männliche Tänzerin derart feminin, dass man es selbst beim zweiten Mal hinsehen nicht gleich bemerkte.


    Die Kleidung der vier war Einheitlich und mit Ausnahme des fehlenden TuTu´s an klassische Ballettkleidung angelehnt. Weiße, blickdichte Strumpfhosen, darüber ein himmelblauer Kurzarm-Body, allerdings nicht matt sondern regulär glänzend. Und genau dieses Schimmern der Lichtreflexe, welche die anatomischen Vorzüge heraus arbeiteten waren es, was ihn magisch anzog. Auch die Fußbekleidung war klassisch. Schläppchen aus golden schimmerndem Satin, mittels langen Bändern um die Knöchel gebunden, angelehnt an das Aussehen von Spitzenschuhen.


    Recht schnell folgte auch hier wieder das gegenseitige Befühlen der Kleidung. Rainer war noch nie unter so vielen Gleichgesinnten und dies schien ein durchaus akzeptiertes Begrüßungsritual zu sein.

    Und bei derjenigen, die bereits mehr als ein Auge auf ihn geworfen hatte, sollte es dabei auch nicht bleiben.


    "Warum suchen wir uns nicht eine Kuschelinsel und vertiefen das hier noch etwas?", hauchte sie lüstern.


    Ob nun gespielt oder nicht, er errötete bei ihrem Angebot. Doch sie nahm ihm die Entscheidung ab und zog ihn einfach mit sich mit.


    Der Rest der kleinen Gruppe sah den beiden nach, mit einer Mischung aus Vergnügen und Verwunderung.


    Die süße Ballerina bahnte sie sich den Weg zu einer der großen Polsterflächen. Mit ihrer neuen Eroberung im Schlepptau. Natürlich war das neu für ihn, einfach mit einer ihm Fremden ein ungestörtes Plätzchen für Nahkampfspiele aufzusuchen.

    Aber he, das machten doch alle hier. Außerdem war es Zeit mal aus sich heraus zu gehen. Sein Kumpel hatte sowieso kein Verständnis dafür, dass er nicht gleich mit der Schlangenfrau mitgegangen war.


    Als sie an einer Spiegelwand vorbeikamen und er sich an ihrer Hand betrachten konnte, sah er zum ersten Mal wie Rattenscharf er eigentlich in diesem Dress aussah. Auch die neidvollen Blicke von manch anderen Gästen entgingen ihm nicht.

    Er hatte das Gefühl, dass die Tänzerin ohne den Anzug überhaupt keine Notiz von ihm genommen hätte. Kaum zu glauben, aber selbst hier machen Kleider Leute. Jedenfalls fanden sie sich umgehend auf einer weitläufigen Matratzenlandschaft wieder, auf der in einigen der verwinkelten Ecken bereits Pärchen und Gruppen zu Gange waren.


    "Ähh, ich muss gestehen, dass ich nicht so viel Erfahrung damit habe", wollte Rainer noch los werden, bevor beide in die weichen Polster sanken.


    "Also wenn ich mich so umsehe", entgegnete sie recht abgebrüht darauf, "braucht man da nicht viel Erfahrung zu. Meinst du nicht auch?"


    Für ihn war es trotzdem irgendwie schwierig, mit einer Fremden einfach so auf Intimitäten zuzusteuern.

    Sie legten sich nebeneinander und die Fremde begann sofort ihre Hand auf Entdeckungsreise zu schicken.


    "Wie heißt du eigentlich?", wollte er wissen. Und wurde sich umgehend darüber bewusst, dass dies eigentlich ein unpassender Moment war.


    "Was sind schon Namen?", wich sie aus und begann sanft seine herrlich glatte Lycrabrust zu kraulen.


    "Also ich bin Rainer."


    "Wenn es dir dann besser geht, nenn´ mich Ilka."


    Ein wenig genervt schien sie schon, doch wollte sie wohl mehr von seinem herrlich glatten Lycrakörper. Auch er taute langsam auf und umfasste ihre Taille. Der himmelblaue Gymnastikanzug gab seine Berührungen offenbar intensiviert weiter, denn sie erschauerte kurz und brummte: "Hmm, wer sagt´s denn. Geht doch."


    Ilka rückte näher, was ihm nicht unangenehm erschien, denn er verflocht seine seidigen Beine mit ihren weiß bestrumpften und ihr Körper lag jetzt halb auf seinem. Noch beschränkten sich beider Aktionen auf den jugendfreien Bereich. Und es war unvergleichlich schön. Zärtliches streicheln, so liebevoll wie bei frisch verliebten. Sie genoss es ihren Kopf in seine Armbeuge zu schmiegen und sanft den Rücken gestreichelt zu bekommen. Langsam. Auf und ab.


    Man konnte ihm nicht vorwerfen ungeschickt zu ein und seine Mischung aus Zurückhaltung und gelegentlich intensiverem Knuddeln ließ auch seine Fummelpartnerin nicht kalt. Sie fasste um seine Hüfte herum, bis sich ihre Finger in seine strammen Hinterbacken vergruben. Diese zweite Haut machte sie offensichtlich unheimlich an und auch Rainer gab wohlige Laute von sich.


    Die folgenden Minuten waren geprägt von zirpenden Geräuschen ihrer Kleidung, während beide bemüht waren stets möglichst viel Körperkontakt zu halten. Das ging weit über eine intensive Umarmung hinaus und sie ließen nur gelegentlich voneinander ab, wenn er sich mit den festen, runden Ausprägungen ihrer Weiblichkeit befassen wollte. Die Unschuld der hellblauen Farbe schien ihn zu faszinieren, denn immer wieder umrundeten seine Hände die straff umspannte Oberweite.


    Dann kam der Moment, da ihre verschlungenen Schenkel immer fordernder gegen den jeweils anderen Intimbereich drängten.

    Rainer zuckte zusammen, als Ilka ertastete welche Restriktion sein privater Bereich in der engen Lycrahülle erfuhr. Die Flammen seines Anzuges hatten sich wohl auch auf seinen Körper übertragen. Er spürte ihre Hand an seiner warme Beule und mit geschickten Manipulationen sorgte sie dafür, dass er sich in einer weniger beengten Lage entspannen konnte. Das brachte ihr eine dankbare und sehr heftige Umarmung ein.


    Nun traute auch er sich weiter vor. Auf unvergleichliche Weise reizte er die Innenseiten ihrer, von der weißen Strumpfhose überzogenen Schenkel mit seinen Fingerspitzen, so dass sich ihr Atem beschleunigte. Sehr sanft, aber dennoch zielstrebig näherte er sich der straffen Hülle über ihrem inneren Heiligtum. schon bald konnte sie sich unter dem Kraulen seiner Fingernägel kaum noch zurück halten.


    Doch auf einmal schossen ihm wieder alle möglichen Gedanken durch den Kopf, die vor allem für dieses Vorhaben äußerst kontraproduktiv waren. Auf einen Schlag änderte das sein ganzes Tun umfassend. Er musste das beenden.


    "Was ist los?", fragte sie aufgeregt in der Annahme, ihm könnte etwas zugestoßen sein.


    Der Typ, der eben noch in seinem feurigen Anzug eine ebenso feurige Kür hingelegt hatte, war in sich zusammengesunken wie ein Häufchen Elend. Sie befürchtete womöglich eine Herzattacke oder ähnliches.


    "Nu sag schon, brauchst du einen Arzt?"


    "Nein, nein", wehrte er ab. Entschuldige ... ich ... es ..."


    Er schien sehr durcheinander und in seinen Augen standen Tränen.


    "Es tut mir leid", entschuldigte er sich erneut bei ihr. "Ich weiß nicht ... schaff das einfach nicht."


    "Habe ich was falsch gemacht?", wollte sie wissen.


    "Nein, nein. Es liegt nicht an dir. Wirklich nicht."


    Sie setzte sich neben ihm auf und strich tröstend über seinen schimmernden Oberschenkel.


    Er blickte in das verständnislose Gesicht der Ballettmaus und wusste, dass er es vergeigt hatte. "Jetzt habe ich dir den ganzen Abend versaut", knurrte er niedergeschlagen.


    So langsam mischte sich etwas Ärger in ihr noch immer erregtes Antlitz.


    "Aber Rainer, sag´ schon. Was ist los?"


    "Ich glaube ich bin noch nicht so weit."


    Was könnte er damit meinen?, drückte ihre Mine aus.


    "Ich sollte gar nicht hier sein, aber das ganze Drumherum ... und die Stimmung ... und das Lycra ... Vielleicht sind es noch die Nachwirkungen der Scheidung, oder ich grübele zuviel. Jedenfalls tut es mir unendlich leid, dass ich dir damit den Abend versaut habe."


    Puuhh! Jetzt musste sie erst mal durchschnaufen. Sie zog die Beine in der Hocke an und umfasste diese mit den Armen. Ihre Füße in den zarten Ballettschühchen standen appetitlich nebeneinander auf dem Polster. Natürlich drückte sie Verständnis für ihn aus, denn offensichtlich hatte er in letzter Zeit einiges durchgemacht. Dass sie aber sauer darüber war, so kurz vor der Ziellinie zu Fall gebracht zu werden, konnte sie nicht verbergen. Psychokram. Das hatte sie sich bestimmt anders vorgestellt. Er hing noch in Eheproblemen fest - Und sie wollte eigentlich nur Spaß haben.


    Er fasste sie an der Schulter an und sagte leise: "Ilka, du hast allen Grund sauer zu sein. Ich hätte mich nicht darauf einlassen dürfen. Es tut mir wirklich leid."


    "Ach", nahm sie seine Hand in ihre, "ich werd´ schon darüber weg kommen, aber verstehe bitte auch du, dass ich andere Ziele verfolge."


    Sie rappelte sich auf und balancierte ihrer Kleidung entsprechend von dem Mattenlager herunter.


    "Mach´s gut. Ich wünsche dir, dass du bald mit dir ins Reine kommst."


    Damit ließ sie ihn zurück.

    Er machte sich die größten Vorwürfe und die Attribute mit denen er sich selbst belegte, waren allesamt nicht Jugendfrei.













  • Kapitel 1.21 Die Katzenfrau


    "Na du geschlängeltes Tierchen, möchtest du dich zum Klang meiner Flöte hin und her winden?", lallte ihr eine deutliche Alkoholfahne von hinten ins Ohr. Das versaute ihre Stimmung. Gerade jetzt, wo sie sich gerne etwas weiter in die Fetischgemeinschaft integriert hätte.


    Es waren drei recht jugendliche Typen, die offensichtlich mit den Freigetränken über´s Ziel hinaus geschossen waren. Sie kreisten sie regelrecht ein und diese Nähe war ihr deutlich unangenehm.


    "Jungs, bleibt locker", versuchte sie es in relaxtem Ton, bemüht sich ihr Ungemach nicht anmerken zu lassen. "Ihr habt heute schon genug erlebt, da solltet ihr mal einen Gang runterschalten."


    Dann versuchte sie in Richtung der nächsten Schmuselandschaft zu entkommen, doch Batman, Spiderman und selbst Superman verhielten sich keineswegs ihrer Heldenrolle gerecht.


    "Du kannst ja beim runterschalten helfen. Ich zeige dir meinen Schalthebel ...", bot ihr der Held vom Planeten Krypton ungehörig an.


    "Jetzt hab´ dich doch nicht so", vernahm sie erneut den hochprozentig geschwängerten Atem des Dark Knight. "Wir sind coole Typen und du kannst jede Menge Spaß mit uns haben."


    "Sorry Leute, aber ich will das wirklich nicht. Lasst es jetzt gut sein."


    Wieder umringten sie die drei. Dichter als es die Etikette im allgemeinen gebot.

    Die Frau in dem schimmernden Schlangenkostüm hoffte, dass sich die Situation entspannen würde ohne Aufsehen zu erregen. Verstohlen blickte sie sich um, doch es dauerte eine Weile bis sie Blickkontakt mit einem der Sicherheitsleute in den Blauen Ganzanzügen mit der orangenen Schärpe hergestellt hatte. Dieser war jedoch gerade ganz am anderen Ende des Decks und bis er sich endlich in Bewegung setzte, hatte bereits einer der Superhelden die Hand auf ihrem Allerwertesten.

    Sie begann unter ihrer Kopfhaube zu schwitzen und rief sich grundlegende Selbstverteidigungsregeln ins Gedächtnis. Andererseits wollte sie hier um keinen Preis auffallen. Just in dem Moment, da sie sich bereit machte ihr Knie zielgerichtet nach oben zu ziehen, spürte sie eine weitere Hand sehr sanft auf ihrem Arm.


    "Da bist du ja, Schatz. Ich habe dich schon überall gesucht", sagte ein kultiviert wirkender Mann in schwarzen Radlerhosen und einem Kurzarmbody aus teilweise auberginefarbenem Lycra und dunkelblauem Samt.

    Sie spielte das Spiel mit und schmiegte sich an den Schauspieler, da dies die erhoffte Rettung versprach.


    Die Superhelden glotzten etwas verdutzt aus der Wäsche und wussten erst mal nicht wie ihnen geschah.

    Gleichzeitig trat auch der Blaue von der Security hinzu: "Kann ich euch helfen?", sagte er zuvorkommend, aber in einem Tonfall der keinerlei Zweifel an seiner Autorität aufkommen ließ.


    "Ja", meinte der neu hinzugekommene in der eleganten Lycrakombination. "Die Herren suchen nach der nächsten Möglichkeit einen starken Kaffee zu bekommen."


    Ein strenger Blick des Wächters genügte und die Superhelden trollten sich immer noch völlig überrascht ihres Wegs.


    "Alles OK?", sprach der offizielle die Schlangenfrau an.


    Die beiden Gegenüber sahen einander an, dann meinte der Mann: "Danke, ich glaube wir kommen klar."


    Der Sicherheitsmann nickte und setzte seinen Rundgang fort.






    Kapitel 1.22 Der Ermittler und die Katzenfrau


    Noch immer etwas durch den Wind, musste sie erst einmal durchatmen. Sie öffnete die Kapuze und ließ Luft an ihr erhitztes Gesicht.


    "Wirklich alles in Ordnung?", erkundigte er sich Gentlemanlike. "Haben sie, Verzeihung, hast du dir weh gemacht?", fragte er besorgt weil sie kurz strauchelte.


    "Nein, geht schon", antwortete sie kurz angebunden.


    "Na du wirkst ganz schön durcheinander, ist wirklich alles OK?"


    "Ja", sie musste kurz kichern bei so viel Fürsorge. "Vielleicht etwas dehydriert. Ich denke ich gehe zum Abendessen."


    "Das trifft sich gut, da wollte ich auch gerade hin. Darf ich dir Gesellschaft leisten?"


    Sie hielt kurz inne. Nach diesem Beinahe-Fiasko von eben hatte sie eigentlich gerade keinen Nerv für Herrenbekanntschaft.


    Er bemerkte ihr Zögern und hielt entschuldigend beide Hände in die Höhe: "Nur gutes Essen und gute Unterhaltung. Großes Pfadfinder-Ehrenwort."


    Sie lachte, immer noch teilweise versteckt unter ihrer Schlangenhülle und dachte sich, warum eigentlich nicht? Besser als alleine zu essen. Und eigentlich sieht der Typ doch ganz manierlich aus. Schwarze Radler und einen Samtbody bei dessen Anblick ihr bereits wieder die Finger juckten. Dazu hatte er höfliche Umgangsformen und schien auch recht witzig.


    "Ja", willigte sie schließlich ein, "warum eigentlich nicht?"

  • Ich denke ähnlich wie toby.
    Die Hemmungen gänzlich fallen zu lassen ist wahrlich nicht jedermanns Ding.

    "Na du geschlängeltes Tierchen, möchtest du dich zum Klang meiner Flöte hin und herwinden?"

    Musste über diesen Anmachespruch grinsen.

    Zum Glück für sie musste sie den Klang seiner 'Flöte' nicht erleben...


    Nun sind wir auf ihren Retter gespannt, und was da abgeht.

  • Sorry, dass der Nachschub derzeit etwas stockend ist.

    Ich bin auswärts und die genussvolle Einsamkeit geht leider einher mit kaum vorhandener Netzanbindung.

    Deshalb versuche ich auf einen Schlag einige Kapitel mehr einzustellen, da ich nicht sicher bin ob ich Zugang habe.

    Viel Spaß beim lesen.

  • Kapitel 1.23 Tobias


    Tobias entschloss sich zu einer Runde außen um das Schiff herum. Das Schwätzchen mit dem Badeanzugträger an der Bar war kurzweilig, aber nicht weiter einträglich. Im letzten Zwielicht genoss er das Rauschen des Wassers und die salzige Seeluft. Er hatte sich nach potentiellen Partnern umgesehen. Aus langer Erfahrung erkannte seinesgleichen, auch wenn andere das nicht vermochten. Selbst bei den Paaren sah er sofort wer nur eine Alibi-Ehe führte. Viele davon würden nie zu ihrem wahren Ich finden. Auch heute noch, haftete speziell der männlichen Homosexualität ein Makel an. Nicht zuletzt über Jahrhunderte von der Kirche aufrecht erhalten. Bitterkeit steig bei dem Gedanken in ihm auf. Er war ein sehr friedliebender Mensch, aber gegenüber Vertretern des Klerus musste er schon sehr an sich halten um nicht zum gewaltbereiten Hooligan zu mutieren.


    Tief in diesen Gedanken hätte er fast das schlaffe Handtuch, das dort über der Reling hing übersehen. Sein bester Freund, der aussah als hätte ihm jemand sämtliche Knochen im Leib zu Gummi verwandelt. Von der stattlichen Erscheinung im lodernden Ganzanzug welche selbst ihn vorhin nicht kalt gelassen hatte, war jedenfalls nicht mehr viel übrig geblieben.


    "Hat sie dich die Tanzmaus so fertig gemacht, dass du nicht mehr weißt ob du Männlein oder Weiblein bist? Als ich dich mit den Ballettratten gesehen hatte, dachte ich mir noch, wenn er nur vorsichtig ist. Über vierzig steckt man so eine durchtrainierte Ballerina nicht mehr so einfach weg", frotzelte er.

    Rainer hob abgeschlafft den Kopf.


    "Von wegen", lamentierte er. "Ich hab´s versiebt. Kräftig Anlauf genommen und gezielt daneben gesprungen."


    So matt hatte er seinen Kumpel in letzter Zeit häufiger erlebt und er wusste, dass das nicht übertrieben oder gespielt war. Gleichzeitig war sich Toby aber auch sicher, dass es nicht nur mit Trennung und Weltschmerz, sowie allgemeiner Sinnkriese zu erklären war. Das steckte mehr dahinter. Etwas, worüber er bisher nur vage Vermutungen angestellt hatte und wovon er selbst noch nicht völlig überzeugt war.


    Er trat zu seinem Freund und legte den Arm um ihn. Brüderlich. Oder vielleicht auch mit etwas mehr Gefühl?

    Jedenfalls schien es den anderen wieder etwas aufzubauen.


    "Schau mal", sagte Tobias. "Das ist doch erst der Anfang der Reise, und auch wenn es jetzt mal nicht so läuft, so gibt es doch bestimmt noch vieles weiteres zu erleben."


    Rainer zeigte wenigstens den Ansatz eines Lächelns. Dann legte auch er gleichermaßen den Arm um Toby.


    "Wird schon wieder", ermunterte ihn dieser. "Außerdem sind wir auf einer Kreuzfahrt im Mittelmeer, bei schönem Wetter und können so viel Lycra tragen wie wir wollen."


    Das zauberte nun endgültig ein Lächeln auf Rainers Gesicht.


    "Ich mach´ dir ´nen Vorschlag: Wir werfen uns ´nen Happen zu Essen rein und sehen dann mal nach was sonst noch so läuft."


    Wieder besser gelaunt, nickte sein Freund zustimmend und bemerkte nicht ganz ernst gemeint: "Ich hab´s schon mal gesagt. Ich hätte dich heiraten sollen."






    Kapitel 1.24 Der Autor


    "Ihr wart also schon in Lycraworld?", stellte er die Frage zwischen zwei Bissen an das Ehepaar, mit dem er an einem gemeinsamen Tisch des geräumigen Hauptrestaurants saß.


    "Ja", antwortete der weibliche Teil der beiden. "Eigentlich planen wir bereits unseren zweiten Aufenthalt."

    "Aber wir sind uns noch nicht einig wann", ergänzte ihr Partner.

    "Das letzte Mal waren wir im Sommer", fuhr sie wieder fort. "Aber da war es uns fast schon ein wenig zu warm. Man hat ja doch meist mehr an, als man zu Hause im Sommer tragen würde."


    "Dann also Winter?", zog der Autor einen gewagten Schluss.


    "Nicht unbedingt. Obwohl es dort bestimmt auch im Winter reizvoll ist, stelle ich mir das im Freigelände weniger berauschend vor. Ich meine, im Schnee ja, das hätte was. Aber in Matsch und Regen?"


    "Aber ist das Ressort nicht hauptsächlich eine Halle?", erkundigte sich der Autor.


    "Schon, aber es gibt auch einen noch größeren Außenbereich. Wir beide sind halt auch Outdoor-Fans und brauchen immer ein bisschen Auslauf." Dabei lachte der Mann.

    "Deshalb überlegen wir welche der anderen Jahreszeiten in Frage kämen. Ich bin für den Herbst, aber meine Chefin hier", dabei sah er seine bessere Hälfte an, "besteht auf Frühling."


    Und so wie er die beiden einschätzte, würde sich wohl am ehesten Sie durchsetzen.


    Das am Buffet gebotene war so schmackhaft und abwechslungsreich, dass er aufpassen musste seinen Silberanzug nicht über Gebühr zu strapazieren. Deshalb beließ er es beim Nachtisch mit etwas frischem Obstsalat und einer Kugel Straciatella-Eis.


    "Ja, auf solchen Reisen muss man jede Menge trainieren", bemerkte der Mann des Paares, "um nicht völlig aus dem Leim zu gehen."


    "Aber dafür seid ihr beide ja am besten ausgerüstet", antwortete der Autor in Hinblick auf deren Kleidung während des gemeinsamen Wegs zurück zum Tisch.


    "Stimmt. Ich war schon immer Fan von Turnkleidung und meine Frau hat sich mit der Zeit angepasst."


    "Am Anfang war mir das suspekt", erklärte die Frau, "Doch mit der Zeit lernte ich seine Macke lieben und jetzt mag ich selbst nicht mehr anders rumlaufen."


    Sie glich in ihrem Outfit einer Sportgymnastin und obwohl sie bestimmt auch schon Mitte Fünfzig war, hatte sie immer noch die passende Figur dazu. Die hautfarbene, dichte, aber zugleich höchstglänzende Strumpfhose passte zwar mehr zum Gardetanz, aber der weiße Gymnastikanzug mit den verschiedenfarbigen Einfassungen an den kurzen Ärmeln und Beinauslässen wirkte regelrecht klassisch. Auch das dezente Muster aus Strass-Steinchen um die Hals- und Brustpartie fügte sich in dieses Schema. Die langen braunen Haare trug sie zu einem Dutt verknotet, wie es in der Rhythmischen Gymnastik Usus war. Dazu passten auch die RSG-Kappen an ihren Füßen. Halbschläppchen, die lediglich den Vorfuß umschlossen und mit Gummibändern um die Ferse gehalten wurden.


    Er hingegen, war mehr der klassische Kunstturner. Ein Roter Body, der den Armen viel Bewegungsfreiheit ließ und darüber die typische. cremeweiße Helanca-Hose, die mittels Fußschlaufen stets straff saß. Dazu die obligatorischen Kunstturnschläppchen eines der führenden Hersteller. In weiß, mit geteilter Sohle, langem Ristgummi und roten Seitenstreifen.


    "Das freut mich für euch, dass ihr so gut zueinander passt. Bestimmt sehen wir uns dann in einem der Gymnastikräume oder beim Freiluftsport an Deck", sagte er als er sich gesättigt vom Tisch verabschiedete. "Das gute Essen muss ja wieder abtrainiert werden", dabei tätschelte er seinen silbernen Lycrabauch was den beiden anderen ein schmunzeln abrang.



    Er wollte sich noch Umziehen, bevor er ein bisschen umherstreifen würde um die Abendunterhaltung abzuchecken.

    Doch in seiner sehr gemütlichen Einzelkabine angekommen, überlegte er genauer ob er noch mal raus wollte. Hier war es ruhig und er war gesättigt und rundum zufrieden. Außerdem spürte er langsam die Erschöpfung, denn heute hatte er mehr und intensiveren Menschenkontakt wie schon lange nicht. Das sollte jetzt eigentlich genügen.


    Er öffnete die Schiebetür zu seinen kleinen Balkon, von dem aus er weit über das ruhige Mittelmeer blicken konnte. Das heißt, jetzt im Dunklen sah er natürlich nicht mehr so viel. Jedoch ging seine Aussicht auch auf des offene Meer hinaus. Von der anderen Schiffsseite waren womöglich Lichter von der nicht allzu fernen Südküste Spaniens zu erahnen.

    Eigentlich fühlte er sich weit weniger schlecht als befürchtet. Dadurch, dass alle um ihn herum primär Lycraträger und erst danach Mitmenschen mit ihren üblichen abstoßenden Eigenschaften waren, hatte er weniger Schwierigkeiten. Sollte er damit vielleicht einen Ausweg aus seiner Sozialphobie gefunden haben?


    Darüber hinaus hatte ihm dieser Tag jede Menge Inspiration für neue Geschichten geliefert. Wenn er es genauer betrachtete, sogar mehr als er direkt verarbeiten konnte.

    Bislang fand er diesen Ausflug sehr gelungen.


    Erst jetzt merkte er wie müde ihn das alles gemacht hatte, deshalb beschloss er hier zu bleiben. Vielleicht zappte er sich noch durch das Bordprogramm. Auf jeden Fall würde er früh zu Bett gehen um morgen früh die Sportmöglichkeiten anzutesten.

  • Kapitel 1.25 Der Ermittler und die Katzenfrau


    "Oah, das war genau was mir gefehlt hat", sagte sie offensichtlich gesättigt beim Schlucken des letzten Bissens. "Jetzt ist mir wieder wohler.


    Auch Flüssigkeit musste ihr gefehlt haben, denn die große Karaffe Wasser hatte sie komplett alleine geleert. Doch ihr Tischpartner hatte ohne großen Aufhebens einfach eine Weitere besorgt.

    Jetzt aber war ihr sogar etwas zu warm und sie lupfte immer wieder die herunter gerollte Schlangenmaske um ihren Hals.


    Sie empfand seine Gesellschaft wirklich angenehm. Seine bedächtige Ruhe wirkte sich auch entschleunigend auf sie aus und sie stellte fest, dass dieser Tag es in sich hatte, mit dem was alles so passiert war.


    Ihre Tischkonversation beinhaltete keinerlei persönliches, was ihr entgegen kam. Doch flach und belanglos war es trotzdem nicht. Er hatte augenscheinlich einen ordentlichen Bildungsstand ohne gleich akademisch zu wirken, was ihnen ziemlich viele Gesprächsthemen eröffnete.

    Sie tippte auf Vertreter, da vieles von dem er berichtete ein großes Maß an Mobilität voraussetzte. Aber sie war nicht neugierig, sondern genoss seine sanfte und einschmeichelnde Stimme. Einschmeichelnd - genau das war es was ihn ausmachte. Er hatte untadelige Umgangsformen. Nicht dass sie gesteigerten Wert auf Etikette legte, aber dennoch machte sein Benehmen Eindruck auf sie. Er war zuvorkommend, fragte sie nicht aus, fiel ihr nicht ins Wort und wollte auch nicht gleich mit ihr in die Kiste hüpfen.

    Das war entspannend.


    "Was machen wir noch mit dem angebrochenen Abend?", fragte er ohne dass es aufdringlich geklungen hätte. "Im großen Saal ist für heute Abend Livemusik angesetzt. Ich bin zwar kein großer Tänzer, aber ein bisschen Führen traue ich mir schon zu."


    Sie lächelte und war sich bereits sicher diese Einladung anzunehmen.


    "Warum nicht?", antwortete sie. "Etwas Bewegung zur Verdauung schadet nicht. Und gegen ein gediegenes Gläschen hätte ich auch nichts einzuwenden. Vorher würde ich mich aber gerne noch frisch machen und in etwas weniger auffälliges schlüpfen."


    "Nicht dass du es nötig hättest unauffälliger zu sein ...", ließ er seinen Charme spielen.

    Bei einem anderen hätte es aufgesetzt gewirkt, aber ihm kam es ganz natürlich von den Lippen.

    "Was die Garderobe angeht, so muss ich dich jedoch enttäuschen. Momentan habe ich nichts anderes als das."


    Mit diesen Worten streckte er kaum merklich seinen blausamtenen Bach vor und eigentlich hätte sie am liebsten schon wieder zugelangt. Doch sie hielt sich im Zaum und meinte stattdessen: "Ich habe auch noch nichts anderes zum anziehen. Begleite mich doch auf´s Unterdeck. Da werden wir bestimmt noch was finden. Allerdings...", dabei sah sie ihn sich nochmal genau an, "...brauchst du eigentlich nur was für die Beine. dein Oberteil gefällt mir gut."






    Kapitel 1.26 Der Ermittler


    Durch das angenehme Abendessen in Gegenwart dieser hinreißend hübschen und vor allem auch nicht auf den Kopf gefallenen Schlangenfrau, hatte er völlig vergessen welchem Zweck sein Hiersein eigentlich diente. Und im Grunde wollte er auch gar nicht darüber nachdenken. Viel zu sehr hatte die Urlaubsstimmung von ihm Besitz ergriffen und er fand Gefallen an der extravaganten Kleidung. Er wollte nur einen ungestörten Abend mit ihr verbringen. Nichts intensives oder gar intimes. Einfach nur angenehmer Zeitvertreib zu beiderseitigem Gefallen.


    Wäre da nicht sein Mobiltelefon gewesen, dessen Vibrationsalarm in der obligatorischen Gürteltasche zur Revolution aufrief. Er konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Gerät mit gesteigerter Aggressivität auf sich aufmerksam machte, sobald Brand-Köhlmeyer am anderen Ende war.


    "Entschuldige mich kurz", sagte er zu seiner Begleiterin und zog sich in eine Nische neben der Treppe zurück.


    "Ich geh´ schon mal vor", erwiderte diese und tauchte ein in die Räumlichkeiten der Kleiderausgabe.


    Der Anrufer wirkte genervt und angespannt: "Gibt´s erfreuliche Nachrichten?"


    "Leider nein. Ich habe zwar eine vage Spur, aber noch immer nichts konkretes."


    "Hören Sie", brauste es am anderen Ende der Leitung auf, "ich bezahle sie seit über zwei Jahren für vage Spuren und undeutliche Hinweise. Liefern Sie mir endlich Ergebnisse."


    Zwar war Brand-Köhlmeyer generell ein selbstherrliches Arschloch, wie viele seines Berufsstandes, aber so deutlich hatte er bislang noch nie die Contenance verloren. In seiner Stimme schwang etwas mit, als stünde ihm das Wasser bis zum Hals.


    "Es gab neue Entwicklungen, die weitaus schwerer wiegen als das bisherige. Dieser Angriff auf meine persönliche Dateien hat ernsthafte Folgen. Sie müssen dieses Luder endlich Dingfest machen. Ende!"


    Der war richtig in Fahrt. Es schien ihm heiß unterm Hintern zu werden.

    Und er hatte keine Ahnung davon, dass sein Detektiv absolut gar nichts vorweisen konnte und momentan noch weniger an seinem Auftrag interessiert war.



    In Gedanken folgte er seiner Begleiterin und versuchte wieder in Stimmung zu kommen.

    Trotz vorgerückter Stunde tummelten sich noch viele der Gäste in den diversen Räumen, welche Lycrakleidung En Masse feilboten.


    "Hier", trat die Schlangenfrau an ihn heran und wedelte mit einem dunklen Stoff-Fetzen in der Hand. "Hab dir schon was rausgesucht."


    OK, dann hatte er das schon mal gespart.


    "Ich seh´ mich mal nach was anderem um", sagte sie knapp und verschwand im angrenzenden Raum.


    Er steuerte unterdessen die Umkleide an, musste aber noch einen Moment warten, da sämtliche Kabinen belegt waren. Offenbar suchten viele Passagiere noch was für den Abend.

    Als er schließlich an der Reihe war, schälte er sich zunächst aus dem samtenen Body, den er auf ihren Wunsch später wieder tragen würde. Bei den Radlerhosen hatten die Nähte an den Oberschenkeln Abdrücke hinterlassen. Nicht tief, aber doch sichtbar. Die waren auch mächtig eng.

    Mal sehen was seine Begleiterin ausgesucht hatte. Leggings mit Fußsteg in Schwarz. Wirklich nichts besonderes. Außer dass es Kindergröße zu sein schien, denn es kostete einige Mühe hinein zu schlüpfen. Erst als sie in ihrer endgültigen Position saßen, wandelte sich das Gefühl der Enge in angenehme Kompression.

    Jetzt am Körper konnte er auch sehen, dass die Steghosen nicht einfach nur schwarz waren. Über die gesamte Oberfläche verteilt, zeigten sich kleine, etwa zwei Zentimeter große ovale Punkte. Ähnlich Wasserflecken auf einer frisch lackierten Oberfläche, die eingetrocknet leicht durchschienen ohne direkt ins Auge zu fallen. Eine recht elegante Struktur, bestens geeignet für einen abendlichen Barbesuch. Zumindest bei dieser Themenkreuzfahrt.


    Von seiner Begleitung war nichts zu sehen. Bestimmt befand sie noch in der Kabine. Er brachte derweil seine Radler des Tages zur Wäscheannahme.


    "Möchtest du sie zur Kabine gebracht bekommen, oder morgen hier wieder abholen?", fragte die etwas ältere, aber immer noch gut aussehende Mitarbeiterin in ihrem mattroten Gymnastikanzug.


    "Ich schätze, ich muss morgen sowieso wieder vorbeikommen um meine Garderobe aufzustocken, da kann ich sie auch hier abholen."


    Noch ein kurzer Scan und einen Eintrag in die Arbeitsmaske des Touchpads, dann waren alle Formalitäten erledigt.


    Aus einem der anderen Räume kam die Frau, die bis vor kurzem noch reptiloid gekleidet war. Deutlich verwandelt, aber keineswegs weniger aufreizend.


    "Hey, ich hätte dich fast nicht wieder erkannt", komplimentierte der Gentleman.


    Die hauptsächliche Verwandlung war, dass ihr Kopf weder verhüllt, noch durch eine zusammengerollte Vollmaske um den Hals teilweise verdeckt wurde. Ein Body mit großem Halsausschnitt setzte ihr fein gezeichnetes Gesicht besser in Szene als die etwas deplatziert wirkende "Halskrause" während des Abendessens.

    Sie drehte sich demonstrativ und wirkte sehr jugendlich dabei.


    "Na, wie sehe ich aus?"


    "Sogar noch besser als vorhin, obwohl ich das nicht für möglich gehalten hatte."


    Sie schmunzelte über seine Schmeicheleien.


    Der erwähnte Turnbody war recht hell. In seiner Grundfarbe weiß, aber bereits am Brustansatz entwickelte sich ein gleichmäßiger Farbverlauf bis hinab zum Beinabschluss. Die Verlaufsfarbe war Blau, aber insgesamt immer noch so hell, dass selbst die dunkelste Stelle allenfalls mittlere Farbstärke aufwies. Diesen Übergang setzten die ebenfalls nur seidenmatten Leggings fort. An deren Bund begann ein mittleres Blau, aber ein wenig dunkler als das des Tops. An den Knöcheln schließlich, ging das dort dunkle Blau in ein Nachtschwarz über. Eine sehr geschmackvolle Kombination.


    "Wollen wir?", meinte sie und er bot ihr
    umgehend den Arm zum einhängen