LYCRAWORLD

  • Um die noch wenig gefüllte Rubrik der Geschichten zu füllen und vor allem um den Upload größerer, zusammenhängender Texte zu testen, hier nochmal der zweite Beitrag den ich damals im Forum geleistet hatte. (Der erste war den später aufgestellten Regeln nicht mehr konform).


    "Lycraworld" erhielt seinerzeit sehr gute Kritiken. Leider fiel er den Wirren um eine Neufassung des damaligen Forums zum Opfer. Nachdem das neue "Lycra Forum" 2017 einigermaßen lief, bot sich eine Wiederveröffentlichung an (Ihr seht, es ist nicht der erste Crash).
    Obwohl die Geschichte abgeschlossen ist und sich letztlich als nicht Real herausstellt, nahm ich in der folgezeit immer wieder Bezug auf das ansprechende Konzept, welches keinen Lycrafan kalt lässt.


    Viel Spaß beim wiederentdecken oder beim ersten Mal lesen.




    LYCRAWORLD


    Fetischstory von lycwolf




    "Willkommen in Lycraworld!"


    Die Stimme, die unsere gemischte Gruppe begrüßte klang einschmeichelnd. Eher leise und doch deutlich und klar verständlich. Sie gehörte zu einer Frau, die mit katzenartiger Eleganz hinter der nüchtern modernen Rezeption hervorkam.


    "Willkommen, zu dem Urlaub von dem ihr immer geträumt habt. Hier befindet ihr euch unter Gleichgesinnten und könnt eure Neigungen ohne Einschränkung ausleben."


    Diese Ansage klang vielversprechend.


    Ihr Erscheinungsbild übrigens auch.
    Von ihrem Körper waren lediglich die Hände und der Kopf zu sehen. Alles weitere war in grünen Lycrastoff gekleidet, der seidig glänzte. Durch die Verhüllung war ihr Alter schwer zu schätzen. Irgendwo Mitte bis Ende Dreißig. Das Gesicht wurde umrahmt von einer Rost-orangenen Lockenpracht und den darunter anschließenden Körper konnte man nur als hervorragend proportioniert beschreiben. Sehr feminin mit deutlichen Kurven, welche einem Automobildesigner die Tränen in die Augen treiben mussten.


    "Falls ihr euch über das "Du" wundert - wir haben die Erfahrung gemacht, dass unsere Gäste sich als eine große Familie verstehen. Spätestens wenn ihr euer geliebtes Lycra tragt sind sämtliche Standesunterschiede verschwunden. Zuvor bekommt ihr eine kurze Tour und die wichtigsten Infos für euren Aufenthalt."


    "Nicht schlecht, was?", fragte meine bessere Hälfte leise als sie sich zu mir herüber neigte.

    "Hmja", antwortete ich.


    Mehr bekam ich zunächst nicht heraus. Schließlich konnte ich es noch gar nicht glauben, dass gerade von ihr der Vorschlag kam unseren Kurzurlaub doch mal hier zu verbringen.
    Für gewöhnlich kann mein Schatz meiner Leidenschaft für Lycrakleidung nämlich kaum etwas abgewinnen. An mir mag sie es nicht sonderlich und selbst trägt sie es nur, wenn ich Tagelang darum bettele. "Ich gefalle mir nicht in den Sachen", heißt es dann immer, "Mir steht sowas nicht, dafür fehlt mir die richtige Figur". Was natürlich ausgemachter Blödsinn ist, denn im Gymnastikbody sieht sie einfach umwerfend aus.


    Aber sei´s drum. Wenn sie sich damit nicht wohlfühlt möchte ich sie auch nicht drängen. Letztlich ist meine Vorliebe für Lycra nur ein untergeordneter Aspekt unserer Beziehung.
    Üblicherweise enden unsere Kurzurlaube deshalb eher beim Wandern im Bayrischen Wald - Ihre Leidenschaft.
    Was sie nur dazu bewog ihre Ansichten über Bord zu werfen und mir meinen geheimen Traum zu erfüllen?


    Während ich noch meinen Gedanken nachhing, setzte sich unsere Gruppe in Bewegung.


    "Ich heiße übrigens Leonie", sagte unsere Führerin als wir eine großzügig geschwungene Rampe hinauf gingen.
    Ihre Bewegungen lösten bemerkenswerte Lichtreflexe auf ihrer hautengen Kleidung aus. Die Wadenmuskeln zeichneten sich deutlich ab. Beim Blick auf ihre Füße konnte man Ballettschläppchen aus Leinenstoff entdecken, welche ebenfalls grün eingefärbt waren und nur durch die typische schmale Sohle beim abrollen erkennbar wurden. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich Fan von Schläppchen jeglicher Art bin?


    "Wie ihr sicher bereits bemerkt habt, sind die meisten Bereiche mit Teppichboden ausgelegt. Dadurch ist es möglich sich ohne Schuhe, also Barfuß, bzw. bestrumpft zu bewegen. Ansonsten kann ich auch Gymnastikschläppchen und Ballettschuhe empfehlen. Festere Schuhe sind in Lycraworld eher hinderlich."


    Als hätte sie meine Gedanken erfasst. Erstaunlich.


    "Das ist doch genau dein Ding", bestätigte Claudia deren Gesinnungswandel mir immer noch Rätsel aufgab.


    Oben angekommen erwartete uns eine ausladende Empore, von der aus man das Herzstück der Anlage überblicken konnte. Verschiedentlich war ein deutliches Ausatmen zu vernehmen. Unvorbereiteten verschlug die Aussicht fast den Atem.
    Eine riesige Halle mit Kuppeldach, am weit entfernten Ende verglast, breitete sich vor uns aus. Die schiere Größe wurde um so deutlicher, als man anderthalb Stockwerke tiefer ein Gewusel unzähliger bunter Punkte wahrnahm. Das alles waren Menschen, die meisten komplett in alle erdenklichen Farben und Glanzgrade des Lycrastoffs gehüllt. Die Szenerie präsentierte sich fast schon surreal. Eine Insel gelebten Fetischismus. Fernab vom alltäglichen, und dennoch bequem zu erreichen (Nein, ich bin kein Werbetexter).


    "Es gibt hier keinen Dresscode", holte uns Leonie in die Wirklichkeit zurück. "Niemand sollte sich gezwungen fühlen das alles mitzumachen. Doch die Erfahrung zeigt, dass selbst anfangs zögerliche Gäste sich nach kurzer Zeit in wahre Lycra-Fans wandeln und gar nicht genug von der anschmiegsamen Kleidung bekommen können.
    Bevor wir weitergehen noch einige Worte zur Historie."


    "Lycraworld", begann sie, vermied es aber in die für Fremdenführer typische Leier zu verfallen, "wurde ursprünglich kurz vor der Jahrtausendwende als Shop für Lycrakleidung, sowie auch als Online-Vertrieb gegründet."


    Jahrtausendwende.
    Ich blickte zu meiner Liebsten und wir mussten beide schmunzeln.
    Obwohl wir uns bereits weit jenseits des Jahrs 2000 befanden, klang diese Redewendung noch immer ungewohnt.


    "Von Anfang an", sprach unsere Führerin weiter, "verstand sich Lycraworld neben dem klassischen Verkauf von Sportkleidung, auch als Ausstatter von Fetischisten. Sogar mit abgetrennter Boutique zur Anprobe, mit diskretem Eingang und auch mit neutralem Versand. Kein Wunder, dass die Umsatzzahlen stetig zunahmen. Wir produzieren das Meiste in Deutschland und bei einem Partnerbetrieb in Tschechien. Lediglich Basicwear importieren wir aus Fernost. Bei Lycraworld bekommt man einheimische Qualität zum erschwinglichen Preis."


    Das klang jetzt doch ein bisschen nach Marktwerbung.
    Doch ein zustimmendes Murmeln kam aus unseren Reihen. Auch ich hatte einige Teile dort bestellt und war sehr zufrieden. Leider kann ich sie viel zu selten anziehen.


    "Als vor fünf Jahren der Stammsitz in Rheinland-Pfalz aus allen Nähten zu platzen drohte, kam dem Geschäftsführer ein Zufall zur Hilfe. Er entschied sich nicht nur dazu das Handelsgeschäft zu vergrößern, sondern ging noch einen deutlichen Schritt weiter. Er übernahm dieses Anwesen von einem insolventen Indoor-Park-Betreiber und verwirklichte seine Vision eines Lycra-Urlaubsparadieses.
    Zusätzlich zu den umfangreichen Erweiterungen entstand hier auch ein Logistikzentrum für den Online-Handel und weitere Lycra-Shops. Mittlerweile beschäftigt Lycraworld an seinen verschiedenen Standorten 200 Mitarbeiter, 100 davon alleine hier im Urlaubspark."


    Das nötigte einigen Respekt ab.


    "Mir war gar nicht klar, dass das Geschäft mit Turnkleidung derart lukrativ ist", konstatierte meine Partnerin.


    "Diese Ausmaße sind selbst mir neu", antwortete ich, "und ich gehöre immerhin zu den Fans dieses Zeugs."


    "Noch ein Wort zur Kleidung. Im Normalfall tragen unsere Gäste zunächst ihre mitgebrachten Sachen. Oft ist es ihre erste Gelegenheit dies ungezwungen zu tun. Das ist auch vollkommen in Ordnung so. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass ihr "All inclusive" gebucht habt. Und damit meinen wir auch alles!
    Während des gesamten Aufenthalts steht euch unser komplettes Sortiment leihweise zur Verfügung."


    "Wie ist das genau zu verstehen?", kam eine unsichere Rückfrage.


    "Nun", fuhr das grüne Lycrawesen fort, "In unserem Shop könnt ihr nach Belieben alles anprobieren was euch gefällt. Den Eingang seht ihr übrigens dort unten links, wo die vielen Gäste aus und ein gehen. Sobald ihr was passendes habt, wird das Stück eurer Zimmernummer zugeordnet und ihr tragt es solange ihr Lust habt."


    "Oder bis die Sachen gewaschen werden müssen", kam ein Einwurf der zunächst Gelächter hervorrief, bei näherem Nachdenken aber berechtigt schien.


    Auch dies konnte Leonie beantworten. "In euren Unterkünften findet ihr Wäschesäcke die ebenfalls eurem Zimmer zugeordnet sind. Unsere Wäscherei arbeitet über Nacht und morgens bekommt ihr die Sachen frisch gereinigt zurück. Und macht euch keine Gedanken wegen der Art der Flecken. Die ähneln sich größtenteils und niemand fällt deswegen ein Werturteil. Schließlich sollt ihr unvergessenen Spaß haben."


    Diese Offenheit schockierte mich für einen kurzen Moment, aber schnell begriff ich dass hier alles viel liberaler ist.


    "Was ist mir Beschädigungen, oder so?", wollte jemand aus der Gruppe wissen.


    "Kleinere Fehler werden selbstverständlich ebenfalls über Nacht repariert. Bei größeren Mängeln bekommt ihr entsprechenden Ersatz. Alles inbegriffen. Nur bei offensichtlich mutwillig herbeigeführten Schäden müsstet ihr zuzahlen, kommt aber eher selten vor."


    Insgesamt paradiesische Aussichten.


    "Wie rechnet sich das alles?", erkundigte ich mich, "Ich meine, das sind ja schon einige Kosten die da zusammenkommen. Und was wird aus den Sachen wenn die Gäste wieder abreisen?"


    "Generell haben die Urlauber die Möglichkeit Kleidungsstücke die ihnen gefallen haben zum Gebrauchtpreis zu erwerben. Das ist fast die Regel. Stell dir das Ganze als ausgedehnte Shopping-Tour vor, bei der du zig Sachen anprobierst und was dir gefällt zum Vorzugspreis mitnimmst. Dinge die keinen Abnehmer finden, werden nach ihrer Reinigung als Gebrauchtware im Shop verkauft. Glaub´ mir, selten bleibt was über."


    "Aber genug der Erklärungen", sagte die Rothaarige im schimmernden Lycragewand, "Lasst uns mit unserem Rundgang fortfahren."


    Ein breiter Balkon führte entlang der Hallenwand, so dass wir eine voyeuristischen Aussicht auf das Treiben unter uns genossen. Es war eine Art Spielwiese.
    Auf der großen, unregelmäßigen Fläche räkelten sich unzählige Lycrawesen spielerisch miteinander, übereinander, beieinander und in sich verschlungen. Eine massive Ansammlung von Farben, Glanz und offensichtlichen Berührungen. Auch erotischer Natur.


    "Das ist eine unserer Kuschelinseln. Spandextragen geht ja hauptsächlich einher mit sehen, zeigen und fühlen. In diesen Bereichen kann jeder der will diese Erfahrung anonym in einer großen Gruppe machen."


    "Massenfummeln", lautete ein Kommentar aus dem Hintergrund.


    "Gibt es da keine Probleme wenn ...jemand will und ...der andere nicht?", fragte eine Frau etwas schüchtern.


    "Dafür haben wir Regeln und spezielle Erkennungszeichen", führte Leonie aus. Die Bereiche die für Körperkontakt in Gruppen vorgesehen sind, haben beispielsweise eine Markierung aus Regenbogenfarben. Zusätzlich gibt es Armbänder im gleichen Design. Andere Bereiche haben andere Erkennungsfarben".


    Sie zauberte unter ihrem Haarschopf ein bisher verborgenes Stoffband hervor, das in abwechselnden Diagonalstreifen mit allen erdenklichen Farben bedruckt war. Als sie es so überstreifte, dass es am Oberarm zum liegen kam fuhr sie fort "Wer diese trägt signalisiert seiner Umwelt Anfassen erwünscht. Im Intimbereich jedoch nur unter ausdrücklicher Aufforderung oder Zustimmung".


    Noch während wir weiter über Rücksichtnahme und Diskretion informiert wurden, näherte sich ein illustres Trio auf unserem Weg. Es waren Frauen, komplett inklusive Gesicht von Zentais eingehüllt. Wie einstudiert gingen sie nebeneinander, der Größe nach gestaffelt.
    Eine wandelnde Nationalflagge, schoss es mir durch den Kopf, denn genauso waren die Farben. Die größte trug klassisch seidenmattes Schwarz, die mittlere leuchtendes Rot und die kleinste reflektierendes Gold-Metallic.


    Der rote Flaggenteil löste sich aus der Formation und trat zu unserer Führerin. Ganz ungeniert begannen ihre roten Finger über den grünen Anzug zu streicheln.


    "Das Regenbogenband", erklärte Leonie ohne Ablenkung durch den kleinen Überfall, "Gilt wie ihr sehen könnt auch außerhalb der Kuschelzonen."


    Ohne Hast, denn so abgeneigt schien sie nicht zu sein, streifte sie sich ihr Armband unter den fremden Berührungen wieder ab, was das rote Mädel mit einem bedauernden Knurren quittierte und von ihr abließ. Erst jetzt bemerkte ich, dass auch sie das Erkennungszeichen trug. Sie trollte sich daraufhin mit ihren Partnerinnen unter leisem Gekicher.


    "He Frank, Augen zu mir", ertönte es zornig an meiner Seite.


    Ich kam mir vor wie ein Cartoon-Hund, dem die wässrige Zunge heraushing. Natürlich schmunzelten die anderen jetzt über mich, aber wenigstens die anderen Männer strahlten Mitgefühl aus.
    Wir setzten unseren Weg in Richtung der Glasfassade am Ende der Halle fort.


    "Hier in der mittleren Zone des Hauptgebäudes befinden sich verschiedene Restaurants und Bars, sogar ein Musik-Club. Es ist unsere Flaniermeile", wurde uns erklärt während wir über die Brüstung schauten, immer noch erstaunt dass wir überall nur Leute in schimmernden Zentais, glänzenden Trikots, bunten Bodies, Leggings und Strumpfhosen sahen. Es herrschte reger Personenverkehr.


    "Der breite Durchgang dort drüben führt, wie ein weiterer auf dieser Seite direkt unter uns, zu den Wohn- und Ruhebereichen. Dort gibt es auch kleinere Spielwiesen und Séparées um auch alleine zu spielen. Für speziellere Vorlieben haben wir ein Stockwerk tiefer Räumlichkeiten mit jeder erdenklichen Ausstattung."


    Bei dem letzten Satz verzog meine Claudia etwas das Gesicht.

    "Müssen wir ja nicht machen", beeilte ich mich sie zu beschwichtigen.


    Unsere Führerin hatte das am Rande mitbekommen und rekapitulierte was sie vorhin über Toleranz und Rücksichtname ausführte. "Alles hier geschieht ausschließlich in gegenseitigem Einvernehmen. Nichts muss und dem Wort NEIN ist unbedingt Folge zu leisten."


    Das schien meinen Schatz zu beruhigen.


    "Ihr werdet es noch nicht bemerkt haben, aber wenn ihr genau hinseht entdeckt ihr immer wieder Leute in dunkelblauen Anzügen mit Orangefarbenen Streifen. Das sind unsere Sicherheitsleute, die wenn nötig eingreifen."


    "Kommt das oft vor?", fragte ich lauter als ich eigentlich wollte.


    "Nein", erwiderte Leonie, "eigentlich sehr selten, aber die Präsenz der Security empfinden viele als angenehm.
    Und weil wir gerade dabei sind. Hier gibt es sogar medizinisches Personal. Bis zu kleineren Operationen können wir sämtliche Verletzungen behandeln."


    "Sämtliche?", fragte ein Teilnehmer herausfordernd. Worauf er anspielte war allen klar, aber auch das brachte unsere Führerin nicht in Verlegenheit.


    "Gerade für diese Dinge ist unser Ärzteteam besonders qualifiziert. Und keine Scheu - Auch das sind alles Gleichgesinnte."


    Klang nach Rundum-Sorglos-Paket.


    Unter unserem weiteren Weg breitete sich jetzt ein dichter Palmenwald aus. Dieser teilte den größten Teil der Halle zum Rest hin ab. Ein riesiger, Lagunenartiger Pool, der die Wirklichkeit perfekt imitierte. Auch hier sah alles zunächst aus wie in jeder anderen Badelandschaft auch. Bis einem auffiel, dass es kaum unbekleidete Menschen gab. Alle die sich auf den Liegen am künstlichen Strand, oder im Wasser und auf den verschiedenen Badeattraktionen befanden waren komplett in eng anliegende Kunstfaserstoffe gehüllt. Die Nässe machte aus dem Lycra ein noch größerer Blickfang.


    Meiner Begleiterin blieb meine Erregung beim Anblick dieses Paradieses nicht verborgen, und so flüsterte sie "Ich kann es gar nicht erwarten mich mit dir so in die Fluten zu stürzen."


    Das war zwar exakt die Aussage die ich mir erhofft hatte, aber ich war immer noch über den ungewohnten Zuspruch von Claudia erstaunt.


    Jetzt, da sich unsere Gruppe unter der Glaskuppel befand, stiegen die Temperaturen in unangenehme Regionen. Zumindest für jemanden in kompletter Alltagskleidung. So war es eine Wohltat, als wir das Ende des Balkons an der Hallenwand erreichten. Von hier führet eine große Doppeltür ins Freie, wo sich die Empore rund um das Glasgewölbe außen herum fortsetzte und einen fantastischen Blick auf das Freigelände gewährte.
    Von diesem äußersten Punkt führten sowohl eine langgezogene, geschwungene Rampe, als auch eine Treppe hinunter zu den ausgedehnten Rasenflächen.


    "Das Freigelände umfasst über 200.000 Quadratmeter", erklärte unser Tourguide mit gewohnt einschmeichelnder Stimme, "Genügend Platz um sich auszutoben."

    Es bot sich ein vergleichbares Bild zu drinnen. Unzählige Lycrawesen wie von einem anderen Stern tummelten sich auf den ausgedehnten Rasenflächen unter der Sonne bei den unterschiedlichsten Aktivitäten. Sportanlagen für Tennis, Volleyball und ähnliches, sogar ein Fußballfeld mit Mannschaften in einheitlichen Bodies waren zu sehen.


    "Im Freien gibt es insgesamt acht Kilometer Spazierwege", erklärte Leonie weiter, "Dort vorne links ist ein Getränkekiosk und natürlich findet ihr auch hier draußen die obligatorischen Kuschelflächen."

    Diese waren auch nicht zu übersehen. Dort war der meiste Betrieb.

    "Die Konzertmuschel neben dem Kiosk", fuhr sie fort, "beherbergt eine kleine Bühne, auf der Gäste Varieté-Vorführungen darbieten. Vor allem aus den Bereichen, die mit unserer Kleidungsvorliebe verbunden sind, also Artistik, Zirkusakrobatik, Rhythmische Gymnastik und Ballett. Man darf sich nicht in der Qualität der Auftritte täuschen, das Niveau ist ziemlich hoch"


    Bestimmt interessant zum zusehen, aber selbst Inkognito würde ich mich da nicht zur Schau stellen wollen.


    Noch während dieses Gedankens passierte uns ein dutzend "irischer" Tänzerinnen. auf ihrem Weg zur Bühne. Klassisch gekleidet mit Lockenperücke und Röckchen. Die weichen, ledernen Ghillies eng an ihre schwarz bestrumpften Füße geschnürt.


    "Speziell die Spazierwege sollten nicht ausschließlich bestrumpft begangen werden. Die Kleidung wäre schnell ruiniert. Für alle die keine Schläppchen bei sich haben und sich spontan entschließen nach draußen zu gehen, gibt es unten am Ausgang des Bads eine Ausgabestelle."


    Wie bereits gewohnt, war auch hier alles gut organisiert und auf die Bedürfnisse der Gäste zugeschnitten.


    Auf der Rampe näherte sich ein illustres Paar. Beide vollkommen in feucht glänzenden Stoff gekleidet. Beim Näherkommen zeigte sich, dass die kleinere Gestalt sich auf allen Vieren bewegte und von der größeren an Halsband und Leine geführt wurde. Je näher sie kamen, desto mehr Details waren zu entdecken. Leicht sichtbar handelte sich bei beiden Teilen des bizarren Gespanns um Männer. Der "Hund" trug eine Gummimaske in Form eines Hundekopfs vorm Gesicht und Handschuhe, die wie Pfoten geformt waren. An seinen Knien befanden sich Gummipads, ähnlich denen von Fliesenlegern. Von seinem Hintern ging eine Schwanzartige Rute aus, von der nicht vollends klar wurde ob sie am Anzug oder im Anus befestigt war. Jedenfalls schwang sie lebensecht hin und her.


    "Na", begrüßte Leonie die beiden, "Wart ihr schön Gassi?"


    Die Szene wirkte befremdlich, aber sie war wohl entschlossen denjenigen an der Leine in der Rolle zu akzeptieren die er verkörperte. Eben als Hund. Sie beugte sich zu ihm hinunter als er soweit es die Leine zuließ auf sie zu kroch. Zuerst schnüffelte er etwas um ihre Füße und begann sich dann mit der Schulter an ihrem schimmernden Bein zu reiben während sie ihn seinen Lycrarücken tätschelte. Er ging komplett in seinem Spiel auf.
    Ein kurzes Rucken am Halsband beendete jäh sein Vergnügen.


    "Er wollte gerade eine Beißerei mit einem anderen Rüden anfangen", erklärte das Herrchen. "Er braucht wohl noch einige Lektionen in der Hundeschule."


    Die beiden entfernten sich und wir mussten ziemlich verdutzt aus der Wäsche geblickt haben, denn sofort folgte die Erklärung.


    "Wir tolerieren hier jede Spielart, solange sie nicht gegen Gesetze oder engere moralische Werte verstößt.
    Übrigens sind meistens einige Hunde anwesend. Auch Pferdchen werden regelmäßig trainiert. Dort hinten am Waldrand seht ihr den Stall."


    Erstaunlich was es alles in Verbindung mit Lycra gibt.


    Bevor wir weitergehen konnten, mussten wir noch einen Moment warten. Eine Gruppe Cosplayer posierte vor der Glasfassade für ein Erinnerungsfoto.
    Ich kenne mich mit dem Manga-Zeugs nicht gut aus, aber die Kostüme wirkten ungemein perfekt. Die Darstellung solcher Phantasiegestalten passt zweifellos zum Lycrafetisch. Zudem bestand die Fußbekleidung ausnahmslos aus Schläppchen.


    Anknüpfend an die Erklärung von eben fragte ein Gast "Welche Dinge wären denn nicht adäquat im öffentlichen Teil der Anlage? Oder direkter gefragt, sind sexuelle Vergnügungen zugelassen?"


    "Also generell ist das problemlos, da wir nur volljährige Gäste beherbergen. Heftiges Petting und Oralvergnügen bei ungeöffneter Kleidung ist überall erlaubt. Für offenen Geschlechtsverkehr jeglicher Art gibt es im öffentlichen Raum abgeteilte Bezirke, die nicht direkt einsehbar sind. Diese sind rot markiert und für diejenigen, die swingen möchten gibt es auch entsprechende Armbänder."

    "Und nein", ergänzte sie grinsend, "Diese Armbänder führe ich jetzt nicht vor, denn sonst besteht die Gefahr dass jemand über mich herfällt."

    Auch die bisher reserviert gebliebenen Damen unserer Gruppe konnten das Lachen nicht zurückhalten.


    "Aber abschließend zu deiner Frage", wandte sie sich an den Gast, "Was besondere sexuelle Spielarten angeht, so sollten diese in den dafür vorgesehenen Räumlichkeiten im Untergeschoss stattfinden. Keine Sorge, da gibt es mehr als ihr euch vorstellen könnt. Die meisten Séparées sind mit verschiedensten Spielsachen ausgestattet und jederzeit zugänglich. Lediglich bei den Film- und Fotostudios, den Klinikräumen und natürlich den Folterkammern solltet ihr ein bis zwei Tage im Voraus reservieren."


    Das Wort "Folterkammer" löste sichtlich konträre Empfindungen bei den umstehenden aus. Die einen wirkten ablehnend, während andere den Besuch dort anscheinend kaum erwarten konnten.


    Auf dem Rückweg zur gegenüberliegenden Tür mussten wir einigen Gymnastinnen ausweichen, die im vollen Lauf nach draußen stürmten.
    "Excuse me", riefen einige von ihnen und verdeutlichten damit, dass es sich, obwohl ihre Optik mit Turntrikots, Glanzstrumpfhosen und RSG-Kappen perfekt war, um lauter Männer handelte. Umgehend waren sie, Keulen und Reifen schwingend wieder entschwunden.
    Zurück im Inneren des Hauptgebäudes erkundigte ich mich nach den verschiedenen Nationalitäten, denn offensichtlich waren das eben keine Deutschen gewesen.


    "Unsere Lage hier im Dreiländereck von Thüringen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, fast in der Mitte der Republik, begünstigt nicht nur die Anreise der Gäste aus Deutschland. Auch aus den umliegenden Staaten nutzen Fetischbegeisterte unser Angebot. Insgesamt machen die Nicht - Deutschen etwa dreißig Prozent aus, deshalb sind alle Infotafeln zusätzlich in Englisch bedruckt. Darüber hinaus gibt es bei Verständigungsschwierigkeiten unter verschiedenen Nationalitäten auch immer einige in unserem Team die entsprechend übersetzen können."


    "Welche Landsleute sind am meisten vertreten?", wollte ich wissen.


    "Eigentlich ist es ziemlich ausgeglichen. Gemessen an der jeweiligen Bevölkerungszahl dürften sich die Anteile kaum unterscheiden. Lediglich aus den skandinavischen Ländern gab es in den letzten Jahren einen stetigen Zuwachs. Das Gleiche gilt auch für die Schweiz, interessanterweise nur für den französischsprachigen Teil."


    "Die haben halt mehr Interesse an einen so gefühlsbetonten Fetisch", kommentierte eine Frau hinter mir.


    Wir hatten gerade eine Wendeltreppe zur Lagune passiert, die von einem Paar hastig erklommen wurde. Sichtlich vergnügt spielten sie Fangen. Immer noch pitschnass quietschten die Gummisohlen ihrer Gymnastikschläppchen auf dem feuchten Belag. Beide trugen Kombinationen aus Spandexbodies und Leggings, deren Glanzgrad durch die Nässe ins unermessliche gesteigert wurde. Köpfe und Hände waren unbedeckt. Herumalbernd verzogen sie sich in eine helle Nische im diesseitigen Anbau.


    "Dort ist eine von mehreren Sonnenterrassen", erklärte unsere grüne Dame, "Wird gerne nach dem Schwimmen zum trocknen genutzt. Daneben befindet sich auch unsere Saunalandschaft. Ein Saunagang im Ganzkörperanzug ist ein echtes Erlebnis"


    Überhaupt war das angrenzende Gebäude auf dieser Seite höher und so kamen wir auf unserem gesamten Rückweg an verschiedenen Räumen vorbei, in denen Lycragäste mit verschiedensten Tätigkeiten zugange waren.
    Besonders beeindruckte ein Quartett das komplett von Zentais verhüllt war. Auch ihre Gesichter. Sie praktizierten eine Art Tai-Chi, allerdings mit gegenseitigen Berührungen. Ihre synchronen Bewegungen liefen wie in Zeitlupe ab. Es war eine richtige Choreografie wie sich die vier Körper auf unterschiedlichste Art berührten und auch wieder voneinander abließen. Sie zeigten hervorragende Körperbeherrschung. Der Anblick war mehr als erregend, was mir wieder einen Stoß in die Rippen einbrachte.


    Nachdem wir uns, zumindest teilweise, an den überwältigenden Anblick der Halle gewöhnt hatten, konnten wir uns sogar auf einzelne Personen dort unten und natürlich auch auf deren Kleidung konzentrieren. Gut die Hälfte bestand aus Zentais, von denen jedoch ein großer Teil eine Gesichtsoffene Kopfhaube besaß. Ist wohl auf Dauer praktischer. Die Anzahl verschiedener Farbtöne und Nuancen, wie auch die Glanzgrade der Materialien versetzte mich immer noch in Erstaunen. Hier gab es tatsächlich mehr als ich mir bislang vorstellen konnte.
    Meine Ungeduld mich endlich hier zu integrieren wuchs stetig und trotzdem kam es mir immer noch unwirklich vor, dass ausgerechnet meine Partnerin diesen Urlaub vorschlug. Gemessen am Glanz in ihren Augen schien aber auch sie immer mehr Gefallen daran zu finden.


    Der Blick in eine der letzten Nischen war nichts für Arachnophobe Gemüter. Ein gutes Dutzend Spidermen, alle in sehr ähnlichen Spandexkostümen, gingen ihrem Vergnügen nach. Entgegen der literarischen Vorlage gab es hier auch Spiderwomen. Einige der Spinnen waren recht intim miteinander. In der realen Welt birgt sowas für die männlichen Spinnen Lebensgefahr.


    Kurz bevor wir wieder den Empfang erreichten, trippelte eine mehrköpfige Ballett-Truppe an uns vorüber. Das Maß an Grazie war zwar sehr unterschiedlich, aber offenbar hatten sie riesigen Spaß. Erstaunlicherweise waren es zwei Männer, welche in TuTu und Spitzenschuhen größere Eleganz an den Tag legten als die weiblichen Ballerinen. Sie nutzten das Geländer als Ballettstange und führten einen respektablen Spitzentanz vor, mit dem sie berechtigten Applaus von uns ernteten.


    "Bei den Ballett- und Schläppchenfans verzeichnen wir ebenfalls kontinuierlichen Zuwachs", erklärte unsere grün "beschläppte" Führerin. "Mittlerweile beschäftigen wir zwei ausgebildete Ballettpädagoginnen. Eine davon im SM-Bereich".


    Vor meinem geistigen Auge sah ich bereits eine verängstigte Ballettklasse, die mit Hilfe von Peitsche und Gerte Trainiert wird.


    "Deshalb", fuhr sie fort, "Haben wir unsere Angebotspalette an Ballettkleidung erweitert. Ein gesondertes Schläppchenstudio mit ergänztem Angebot ist gerade in der Testphase."


    Umgehend hatte sie die Aufmerksamkeit eines Schläppchenfetis wie mir.

    "Kunden und Gäste fragen immer häufiger nach mehr als nur "Standard Schläppchen". In Zukunft wollen wir auch eigene Kreationen vermarkten. Nicht nur um mehr Vielfalt in Größen und Farben bieten zu können, sondern auch ausgefallene Materialien".


    "Als da wären...?" konnte ich meine Frage nicht zurückhalten.


    "Neben den Klassischen Werkstoffen, wie Leinen, Leder und Satin haben wir mittlerweile Prototypen in Latex, PVC und verschiedene andere Kunststoffe".


    Ein Gefühl beschlich mich, als würde Wasser aus meinen Mundwinkeln rinnen.
    "Du kannst dich gerne als Produkttester melden", grinste sie mir beim weitergehen zu. "Der Schläppchenladen ist direkt neben dem Lycra-Shop. Alles was du probierst und bewertest, kannst du bei Gefallen umsonst behalten."


    Auch wenn ich von meiner Partnerin wieder verächtliche Blicke erntete, befand ich mich gerade in einem Hochgefühl welches eigentlich unter das Betäubungsmittelgesetz fallen müsste.


    Zurück an der Rezeption schloss Leonie ihre Führung.


    "Soviel zum ersten Rundgang. Ihr seid sicher schon ungeduldig eure Quartiere zu sehen und endlich in euer geliebtes Lycra zu schlüpfen. Mehr Infos findet ihr in Form von Flyern. Wer das nicht alles lesen möchte fragt sich einfach durch. Ich gebe euch jetzt nacheinander eure Keycards und wünsche jetzt schon einen angenehmen Aufenthalt."


    Sie war ein echter Blickfang in ihrem schimmernden Ganzanzug und ich musste mich zwingen den Blick von ihr zu nehmen während ich zusammen mit Claudia wartete bis wir an der Reihe waren. Meine bessere Hälfte trug noch nie einen Ganzanzug. Wie sie wohl darin aussehen würde? Mal abwarten. Vielleicht konnte ich sie ja dazu überreden. Und erst das Schläppchen-Studio.



    Während ich so meinen Gedanken nachhing hörte ich sie meinen Namen rufen.

    "Frank!"


    Warum ist sie denn jetzt schon wieder so ungeduldig, wir sind doch noch gar nicht dran.


    "Fraa-haank!"


    Irgendwie hatte ich die Rezeption anders in Erinnerung. Nicht so - wie soll ich sagen - "Rustikal" war der Ausdruck der sich mir aufdrängte.


    "Mach jetzt, wir sind an der Reihe", fauchte mein Schatz und mir war noch nicht klar warum sie auf einmal wieder so ungemütlich war.


    "Los, du Träumer", dabei schubste sie mich leicht und auf einmal hatte ich das Gefühl im falschen Film zu sein.


    Die Mittfünfzigerin hinter der wuchtigen Eichentheke hatte so gar keine Ähnlichkeit mehr mit Leonie. Sie hatte vielmehr etwas mütterliches in ihrem traditionellen Dirndl.


    "Grüß Gott und herzlich wuikumma im Boarischen Woid. I bin die Taudl und zeig eich eier Zimmer".



    Die Rückkehr in die Realität ist nie angenehm.

  • Fantastisch! :D


    Der Traum eines jeden Lycra-Liebhabers. Storytechnisch schön, wie es sich am Ende auflöst - in der Sache leider schade, denn wenn es LYCRAWORLD real gäbe, würde ich sofort einen Aufenthalt buchen.


    Wäre schön, wenn Frank mal wieder in einen Tagtraum abdriften würde ... ;)

  • Hallo Lycwolf,
    eine so hinreißend glänzend erzählte Geschichte, dass man am liebsten sofort dort hinreisen möchte.


    Zweimal In meiner Turnfee-Nereida-Geschichte habe ich Lycraworld zu deinen Ehren erwähnt - bei Nereidas Erstkontakt in einem Bahnhof (Container), und Leonies Auftritt als fahnentragendes Lycramädchen für die TuFiTa bei der Dornbirner Gymnaestrada.