Nereida Drei Staffel 2

  • Die galaktische Turnfee Nereida Drei
    Staffel 2


    - eine Geschichte mit Sci-Fi-Fantasy-Anteilen, von Desi -


    Als das (alte) Lycra-Forum im Juni 2019 zusammenbrach, verschwand auch meine Geschichte "Die galaktische Turnfee Nereida Drei", Staffel 1 , sowie die Folgen 1 bis 17 von Staffel 2.
    Ob die 111 Folgen der Staffel 1 (entsprechen etwa 450 DIN-A4-Seiten) noch mal veröffentlicht werden, ist ungewiss.


    Da ich nun die zweite Staffel (wieder-)veröffentlichen möchte und einige nicht wissen, was davor passiert ist, gebe ich mal eine Kurzzusammenfassung der ersten Staffel von den wesentlichen Geschehnissen.
    Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.


    Vorsicht Lesewarnung:
    Der nächste Beitrag gibt eine (nicht unbedingt korrekt chronologische) Inhaltsangabe von Staffel 1 wieder.
    Wer sie ausführlich lesen möchte: In Teilen ist Staffel 1 auch auf desi.tervara.de veröffentlicht.

  • Staffel 1 - Zusammenfassung


    Die galaktische Turnfee Nereida Drei ist eine von mir selbst ersonnene Geschichte mit ein paar wenigen Sci-Fi-Fantasy-Anteilen, eine Geschichte mit viel Harmonie, aber auch Disharmonie; über eine lockere Vereinsturngruppe, Beziehungen, Ängste, Verwandte, Freunde, Freude, Tanzen, Turnen, Turnanzüge, Leggings, Lycra und natürlich über Nereida und ihre Welt.
    Die Geschichte habe ich beginnend im Jahr 2016 geschrieben, darum beziehen sich Altersangaben und Jahreszahlen auf 2016.


    Die Vereinsturngruppe ist die TuFiTa (= Turnen, Fitness, Tanz) und gehört zum Turn- und Sportverein Obertupfingen, ein erfundener Ort irgendwo im deutschsprachigen Raum.
    Die TuFiTa besteht aus den Trainerinnen Tabea/Beata Drey und Christina Auberg sowie den Teilnehmerinnen Oksana, Femke, Silvia, Kerstin, Marion, Christina, Ute und Julia. Alle sind zwischen 35 und 45 Jahre alt.
    Im Laufe von Staffel 1 stoßen Ingo (der Gerätewart des Vereins), Lisa (Ingos spätere Freundin), Gunda und die Turnfee Nereida hinzu.
    Ingo erweist der TuFiTa einen Gefallen, neue Turnmatten. Als Dank darf er mal mitturnen. Da er kein Sportzeug da hat, kommt Tabea auf die Idee, er könne ja einen Turnanzug anziehen. Dies ist genau in seinem Interesse, denn er ist ein heimlicher Turnanzug-Fan. Julia schenkt ihm einen von ihren Turnanzügen. Als Gegenleistung verlangt sie, dass er künftig immer bei der TuFiTa mitmacht.


    Nereida Drei, R-Wi-a, d.h. weibliche Bewohnerin der Welt R-Wi, reist auf die Erde, wenn Menschen in Not sie rufen. Sie baut diejenigen wieder seelisch auf.
    Als Zeichen der intergalaktischen Freundschaft schenkt sie jedem Hilfsbedürftigen einen schwarzen langärmligen Turnanzug, ihr Markenzeichen (für Ingo, Lisa, Gunda, Oksana). Ihre Mission ist die Tanzfreude und die Harmonie auf der Erde zu verbreiten.


    Sie ist in der Lage, beim Tanzen durch Erwecken und Steuern der Tanzenergie Gegenstände (wie zum Beispiel einen Turnanzug) herzustellen oder zu vernichten. Weiterhin kann sie sich und andere Personen und Dinge mittels Tanz an einen anderen Ort verschieben, mittels Verschiebetanz. Sie und alle anderen Bewohner von R-Wi, die R-Wi-i, kommunizieren mittels Sprache oder Gedankenübertragung. Nereida versteht und spricht auf der Erde die Sprache des Landes, wo sie auftaucht.
    Auf unserem blauen Planeten sieht sie wie eine hübsche, sportliche mitteleuropäische Frau von 30 Jahren aus.


    Nereida ist liebenswert, sanftmütig, harmoniebedürftig, neugierig und lebenslustig, ähnlich wie ihre Schwester Beata.
    Sie hat für Tänze aller Art eine sehr gute Auffassungsgabe, kann sie in kürzester Zeit perfekt lernen.
    Da sie das Leben und manche Gewohnheiten der Menschen auf der Erde nicht kennt, erscheint sie den anderen gelegentlich naiv, weltfremd und eigenartig.
    Nur wenige von der Erde wie Julia, Ingo, Lisa, Gunda und Oksana kennen ihre wahre Herkunft.
    Nereida hat Höhenangst und fürchtet sich sehr vor Gewitter. Als angegurtete Beifahrerin in einem Auto bekommt sie Platzangst.


    Sie trägt mit Vorliebe hautenge glänzende Kleidung wie Turnanzüge und Leggings.


    Anfangs kommt sie nur zu kurzen Besuchen (zu Lisa, Ingo, Gunda) auf die Erde.
    Irgendwann bekommt sie ein Signal von dem Amulett ihrer seit 24 Jahren verschwundenen Schwester. Es führt sie auf die Erde nach Obertupfingen auf den Marktplatz. Weder Amulett noch Schwester ist dort, als sie den Platz erreicht. Nur ein gewaltiges Gewitter. In Panik läuft sie los, zufällig auf das Haus von Oksana (von der TuFiTa) zu. Oksana die Balletttänzerin nimmt sie auf, die beiden schließen Freundschaft, verlieben sich ineinander. Das Pärchen Ingo und Lisa kann Nereida weitere Hinweise geben. Schließlich findet sie ihre Schwester Beata wieder, die als Grundschullehrerin Tabea Drey auf der Erde lebt.
    Beata hatte seinerzeit in einer sehr geheimen Mission das Leben samt Erinnerungen und Fähigkeiten der im Sterben liegenden 16-jährigen Tabea übernommen, alarmiert durch das Wehklagen von Tabeas Eltern, dessen Gedanken bis nach R-Wi drang.
    Als nun Nereida sie wiederfindet und mit ihr tanzt, erinnert sie sich wieder an ihr altes Wesen, an die Person, die sie in Wirklichkeit war.


    Beata und Nereida reisen nach R-Wi, wo sich alle riesig freuen. Die Präsidentin Altidantsa von R-Wi ernennt die Schwestern zu Sondergesandten für die Erde und bittet sie, dass sie Oksana, Lisa und Ingo nach R-Wi bringen, damit sie sie ehren kann.
    Dies geschieht auch. Die drei Erdenbewohner lernen eine ganz andere Welt und ein paar der Bewohner kennen (Lorinda, Kollato) und schließen Freundschaften. Eine Welt, wo alle in Turnanzügen und Leggings oder in Ganzanzügen unterwegs sind. Eine Welt mit sowohl schönen wie auch schaurigen Eigenschaften. Zum Beispiel das allgegenwärtige Plastik, was die Natur ersetzt.
    Besonders bei Lisa kam ein altes Trauma aus ihrer Kindheit wieder hoch, das Alleingelassenwerden. Versehentlich wird sie in Nereidas Haus zurück gelassen. Als die anderen rasch zurückkehren, verlangt sie, sofort zur Erde zurückgebracht zu werden, was ihr und den anderen auch sofort erfüllt wird.


    Nereida integriert sich in das Leben auf der Erde, von Präsidentin Altidantsa von R-Wi ermächtigt. Von Oksana angelernt, kann sie nach kurzer Zeit schon Ballett tanzen. Beide finden Arbeit in der Ballettkompanie im Stadttheater sder Kreisstadt Großtupfingen.
    Ein Turnfest bringt die rundliche Gunda zur TuFiTa. Sie ist die ehemalige Freundin von Ingo. Ihre Mutter gesteht ihr und Ingo nach langer Zeit, dass sie beide Halbgeschwister sind. Beide haben denselben Vater. Dies führt zu starken Verwerfungen in der Mutter-Tochter-Beziehung, die aber durch Nereidas Eingreifen geheilt werden.


    Bei dem Turnfest in Obertupfingen lernt Lisas rothaarige und frech-burschikose rothaarige Schwester Xenia Bernd kennen, Ingos Skatbruder und ehemaliger Schulkamerad. Die beiden treffen sich in Xenias Heimatstadt wieder. Dort bringt sie ihn dazu, im Badeanzug mit ihr zu schwimmen. Zufällig treffen sie da auf Xenias Bruder Arnold, der ebenfalls sein erstes Mal im Badeanzug im Bad verbringt.
    Bernd vergisst bei der Heimreise seinen Badeanzug. Xenia reist ihm hinterher, überrascht ihn bei Ingo. Die Freude ist groß!
    Die beiden fahren mit Rädern zu Bernds Haus ins Nachbardorf Untertupfingen, als sie auf halber Strecke auf einen entflohenen Straftäter mit liegen gebliebenen Fluchtauto treffen. Der überfällt sie, will ein Rad rauben. Xenia, in Selbstverteidigung bestens geübt, stellt den Mann, der schließlich von der Polizei abgeholt wird. Xenia nimmt das ganze recht mit, und Bernd begleitet sie nach Hause.


    Nereida lernt das Schwimmen, im Freibad von Obertupfingen, mit Hilfe von Ute, Ingo und Oksana. Wegen ein paar Widrigkeiten aus ihrem eigenen Leben und einigen Naivitäten ihrer Schwester ist Beata wütend auf ihre Schwester. Ingo schafft es, dass Beata und Nereida sich wieder vertragen.


    Bernd und Ingo versuchen, ihren dritten Skatbruder Torsten das Schwimmen im Badeanzug schmackhaft zu machen. Der hält nichts davon.
    Als Torsten den Geburtstag seiner Ehefrau Sandra, Ingos Arbeitskollegin, vergisst, bringt Ingo Sandra dazu, dass Torsten als Wiedergutmachung im Badeanzug baden soll. Der Plan wird umgesetzt, im Gegenwart von Bernd, Ingo, Sandra, ihrer Schwester Fiona, Torstens Schwester Ornella. Torsten gibt seine Vorbehalte auf, aber so ganz überzeugt ist er immer noch nicht.


    Gunda gelingt es, mit Ingos und Lisas Hilfe eine neue Arbeit zu bekommen und kurzfristig mangels Wohnung auch bei ihrem geliebten Bruder in sein Haus einzuziehen. Sie darf Nereida, Beata, Ingo, Lisa und Oksana nach R-Wi begleiten. Es gibt ein Wiedersehen mit Kollato und Lorinda. Sie besuchen Beatas und Nereidas Eltern Dorisanda und Moritselekto.
    In einem großen Kunstpark lernen sie Rosalanja und Daliana kennen. Mit deren Hilfe lernen die Erdenbewohner, Plastik-Gegenstände zu ertanzen. Beata und Lisa ertanzen eine Plastik-Sonnenblume. Pflanzen sind auf R-Wi unbekannt, und das Werk erregt großes Aufsehen.
    Nach der Rückkehr zur Erde bekennt Gunda ihre absolute Begeisterung für diesen Ausflug, wie auch die anderen.


    Bei der TuFiTa versucht Ingo, Femkes hochglänzenden Turnanzug zu leihen. Sie möchte von ihm, dass sie dafür seinen Turnanzug bekommt und sie beide die Turnanzüge des Anderen während der Turnstunde tragen. Das missversteht er aber, denn er wollte ihren Anzug heimlich zuhause anziehen. So wird Femke wütend und straft ihn mithilfe der Gruppe schweigend ab. Er kann das aber wieder gerade biegen. Er gesteht, dass er Turnanzüge mag. Die Frauen nehmen es wohlwollend auf.
    Die TuFiTa bekommt eine Einladung nach Dornbirn zur Teilnahme bei der Turngala Gymnaestrada. Beata ist hellauf begeistert.
    Bei der nächsten TuFiTa kommt Ute auf die Idee, dass alle mal untereinander die Turnanzüge tauschen. So wird es auch umgesetzt.


    Die Gruppe trifft sich am Samstag in der Diskothek des Ortes. Es läuft eine 80er-Jahre-Party, und alle tragen hautenge glänzende Mode aus der Zeit. Beata und Nereida tanzen den UV-Tanz, passend zur Beleuchtung.
    Dort flirtet ein Fremder mit Nereida, bestellt ihr einen Longdrink. Beata weiß in letzter Sekunde zu verhindern, dass Nereida davon trinkt, denn R-Wi-i vertragen überhaupt keinen Alkohol.


    Die Geschwister Lisa, Xenia und Arnold besuchen in einer anderen Stadt ihren Vater Leo und ihre Tante Svea zu ihrem Geburtstag. Die Tante hat sich recht rar gemacht und die drei haben sie sehr lange nicht gesehen.
    Die Seniorin trägt eine Bluse und an den Beinen eine rote Leggings, und tanzt noch sehr flott.
    Es kommt schließlich heraus, dass Leo und Svea von R-Wi stammen, und Svea ist Altidantsa.
    Die erstaunten drei Geschwister erleben die Wirkung des Verschiebetanzes. So kommt es zu einem spontanen Treffen mit Nereida, Beata und Ingo.
    Altidantsa gibt Nereida und Beata den Auftrag, der TuFiTa den Begrüßungstanz und den UV-Tanz beizubringen, den sie mit der Gruppe bei der Gymnaestrada aufführen sollen.


    Der Tag ist gekommen, die Gruppe reist nach Dornbirn. Alle sind gut gelaunt. Sie lernen viele Leute kennen, bewundern die Auftritte der anderen Gruppen.
    Dann sind sie selber dran. Alle Welt guckt auf sie, die Zuschauer im Stadion und diejenigen zuhause an den Bildschirmen.
    Nachdem die Generalprobe noch holprig lief, klappte die Vorführung nun allerbest.
    Die Zuschauer geraten in Ekstase, machen fast willenlos mit.
    Das gehört zu Altidantsas Plan. Die R-Wi-i haben großen Unfrieden, Hass, Lieblosigkeit, Machtmissbrauch und Gier auf der Erde
    festgestellt. Und sie wollen das alles nun mit ihrer Harmonie ersetzen.
    Ihr UV-Tanz, so gesteht Nereida es Ingo, bewirkt all das. UV bedeutet nämlich 'Ultimative Vereinnahmung'.
    Ingo interveniert, und es gelingt ihm, dass die R-Wi-i die Zuschauer im Stadion und an den Bildschirmen nicht zwangsharmonisieren oder hypnotisieren. Es bleibt bei der Tanzbegeisterung der Massen.
    Altidantsa hält eine beeindruckende Rede und fordert die Zuschauer zur Harmonie, zum friedlichen Miteinander und zum Tanzen auf.
    Und nebenbei fordert sie die Menschheit auf, beim Tanzen und Turnen hautenge Sachen anzuziehen.


    ----


    Hiermit endet die Staffel 1 (im alten Forum im September 2018 beendet). Nahtlos daran schließt Staffel 2 an.

  • Danke dass du dich dazu entschlossen hast, die zweite Staffel wieder zu veröffentlichen.
    Die Zusammenfassung bringt interessierte Leser auf den Stand, die Fortsetzung verstehen zu können.
    Wer natürlich tiefer in die Materie einsteigen möchte, dem sei der Ausflug auf deine Homepage empfohlen, wo er sich die erste Staffel komplett durchlesen kann. (Allerdings wird der geneigte Leser damit eine Weile beschäftigt sein)

  • Vielen Dank lycwolf und Martin.


    Bevor ich beginne, kommt hier noch mal eine Charaktereliste, damit ihr wisst, wer wer ist.


    Lasst euch bitte nicht abschrecken,
    ich werde die Charaktere in Staffel 2 noch mal vorstellen, wenn sie auftauchen.
    Diese Liste soll eher ein Nachschlagewerk sein.


    Altidantsa Sweliana... R­-Wi­-a, Präsidentin von R-­Wi
    Annika... Vereinsvorstandsmitglied vom TSV Obertupfingen
    Arnold Ellbrede... Lisas und Xenias Bruder
    Barbara Schönfeld... Lisas Chefin, Heilpraktikerin
    Beata Tinaxana "Bea"... R-­Wi­-a, Nereidas Schwester, Dorisandas und Moritselektos ältere Tochter
    Bernd Uhlmann... Ingos Skatkumpel, Kerstins Arbeitskollege, Xenias Freund, Außenhandelsvertreter
    Brigitta Drey... Tabeas Mutter, Rentnerin
    Christina Auberg... TuFiTa-­Mitglied, stellvertretende Leiterin der TuFiTa
    Celine Tomme... Ingos Schwester
    Dagmar "Daggi"... Lisas und Xenias Tante, Yvonnes Mutter, Reginas Schwester, Rentnerin
    Daliana Lavina... R­-Wi­-a, Kollegin von Lorinda und Rosalanja
    Dietmar... Arbeitskollege von Ingo, Gunda, Paul, Sandra
    Dorisanda Erikania... R-­Wi-­a, Nereidas und Beatas Mutter, Moritselektos Frau
    Egon Fabendeich... Utes Ehemann
    Elke... Xenias, Gesches, Katrinas Arbeitskollegin, Modeschneidermeisterin
    Eugen... Julias Bruder, Sohn von Adele und Adolf
    Femke "Doorgaan" Maier... TuFiTa­Mitglied, Niederländerin
    Fiona... Sandras Schwester, Torstens Schwägerin
    Gabriele "Gabi"... Giselas Schwester, Torstens und Ornellas Tante, Rentnerin
    Gesche... Xenias, Elkes, Katrinas Arbeitskollegin, Modeschneiderin
    Gisela "Gisa" Monza... Torstens, Ornellas Mutter, Luigis Ehefrau, Gabrieles Schwester, Rentnerin
    Gunda "Gundi" Nagel... Ingos Halbschwester, Hedwigs und Walters Tochter, Softwareentwicklerin, TuFiTa-Mitglied
    Hans Drey... Tabeas Vater, Rentner
    Hedwig Nagel... Gundas Mutter, Rentnerin
    Ingo Tomme... TuFiTa­-Mitglied, Lisas Geliebter, Gundas Halbbruder, Veras und Walters Sohn,
    Systemadministrator, Arbeitskollege von Paul, Sandra, Dietmar, Gunda
    Irina "Irischa" Druschbanowa... Oksanas Freundin, Ukrainerin, Ballerina
    Josephine Ellbrede... Arnolds und Ullas Tochter, Lisas, Xenias Nichte
    Julia... TuFiTa-­Mitglied
    Katrina... Xenias, Elkes, Gesches Arbeitskollegin, Modeschneiderin
    Kollato Folsomio... R-­Wi­-o, Nereidas und Perendas Arbeitskollege, Ursibos Bruder
    Kerstin... TuFiTa­-Mitglied, Bernds Arbeitskollegin
    Leo Tardo... Lisas, Xenias, Arnolds Vater; Sveas Bruder, Reginas Ex­-Mann
    Leonie... Standartenträgerin, Mitarbeiterin im Organisationsteam der Gymnaestrada
    Lisa "Lissi" Ellbrede... TuFiTa­-Mitglied, Ingos Geliebte, Xenias und Arnolds Schwester, Reginas und LeosTochter, Heilpraktikerin
    Lorinda Dantsamona... R­-Wi­-a, Beatas Freundin, Rosalanjas Freundin und Arbeitskollegin
    Luigi Monza... Torstens und Ornellas Vater, Giselas Ehemann, Koch
    Marion... TuFiTa­-Mitglied
    Margit... Arnolds Schwägerin, Ullas Schwester
    Moritselekto Palidelo... R-­Wi­-o, Nereidas und Beatas Vater, Dorisandas Mann
    Natascha Sacharowa... Ballerina, Arbeitskollegin von Irina, Oksana, Nereida, Sergej
    Nereida Scherata... R-­Wi­-a, Beatas Schwester, Dorisandas und Moritselektos jüngere Tochter, Oksanas Geliebte, Galaktische Turnfee
    Oksana Krasiwija... TuFiTa-­Mitglied, Nereidas Geliebte, Ukrainerin, Ballerina, Irinas Freundin
    Ornella Monza... Torstens Schwester, Giselas und Luigis Tochter, Gabrieles Nichte, Wirtin
    Paul... Ingos, Gundas, Dietmars, Sandras Arbeitskollege, Leiter der IT
    Perenda Iviria... R-­Wi-­a, Nereidas und Kollatos Arbeitskollegin und Freundin, Tallennas Tochter
    Regina "Gini" Ellbrede... Lisas, Xenias und Arnolds Mutter, Leos Ex­-Frau, Dagmars Schwester
    Resi... Mitarbeiterin im Organisationsteam der Gymnaestrada
    Roland... Katrinas Bruder, Anwalt
    Rosalanja Smukapia... R­-Wi-­a, Beatas Freundin, Dalianas und Lorindas Freundin und Arbeitskollegin
    Sandra... Ingos Arbeitskollegin, Torstens Frau, Sachbearbeiterin
    Sergej Moshnow... Oksanas, Irinas, Nereidas, Nataschas Arbeitskollege, Ballettchef
    Silvia... TuFiTa­-Mitglied
    Svea Ellbrede... Lisas, Xenias, Arnolds Tante; Leos Schwester
    Tabea "Bea" Drey... TuFiTa-­Mitglied, Leiterin der TuFiTa, Tochter von Hans und Brigitta, Grundschullehrerin
    Tallenna Nimella... R­-Wi-­a, Perendas Mutter, Dorisandas Arbeitskollegin
    Torsten Monza... Ingos Skatkumpel, Ornellas Bruder, Giselas und Luigis Sohn, Abteilungsleiter
    Ulla Ellbrede... Arnolds Ehefrau, Josephines Mutter, Lisas und Xenias Schwägerin
    Ursibo Ensoforto... R-Wi­-o, Kollatos Bruder
    Ute Fabendeich... TuFiTa­-Mitglied, Egons Ehefrau, Floristin
    Vanessa... Gundas Freundin
    Vera Tomme... Ingos Mutter, Rentnerin
    Walter Tomme... Ingos und Gundas Vater
    Xenia "Xeni" Ellbrede... Reginas und Leos Tochter, Lisas und Arnolds Schwester, Modeschneiderin
    Yvonne "Yvi"... Dagmars Tochter, Lisas, Xenias und Arnolds Kusine


    Die wichtigsten Persönlichkeiten habe ich mal in einer Grafik zusammengestellt.

  • Diese Grafik hattest du zwar schon einmal veröffentlicht, aber ich muss zugeben dass ich sie verschlampt habe.
    Jetzt habe auch ich wieder einen einfacheren Überblick bei den vielen Namen.
    Danke.

  • Prolog: Der große Moment


    Der große Moment war gekommen. Endlich! Auf den ich schon seit Monaten hin gefiebert hatte.
    Ich hörte den Geistlichen feierlich verkünden: "Hiermit erkläre ich euch zu Mann und Frau."


    Nach dem Aufsetzen der Eheringe und der Erklärung des Geistlichen drehte sich rechts von mir meine frisch Angetraute in ihrer ganzen Schönheit zu mir hin. Ihr Gesicht hinter dem weißen durchsichtigen Schleier lächelte mich an, sie spitzte ihre roten Lippen, die sich den meinen näherten. Ich schob ihren Schleier beiseite, spürte ihre Lippen deutlich, als sie meine umschlossen. So muss sich der Himmel anfühlen, dachte ich. Ein tiefer Friede überkam mich, eine ungekannte Leichtigkeit. Mir war, als drehte sich alles. Sphären schienen sich zu ändern. Irgendwie war nun alles anders.


    Wir lösten den Kuss, strahlten einander an. Sie war so glücklich, ich war es auch!
    Meine Lisa sah bezaubernd aus in ihrem weißen Spitzenbody, den sie über einer modisch gemusterten ebenfalls weißen Strumpfhose trug. Ihre Füße steckten in Ballerinas. Ganz in Weiß, dachte ich.
    Aber wo war ihr Hochzeitskleid, das sie vor fünf Minuten noch trug?


    Ein paar Frauen von der Freizeitturngruppe TuFiTa, in der Lisa und ich Mitglieder waren, formierten sich neben dem Altar. Sie begannen, ein Lied zu singen, das Lisa und ich uns gewünscht hatten. So schön, so gut. Aber als ich sie genauer anblickte, wurde mir gewahr, dass alle nur mit rot-weißen Turnanzügen, Glanzstrumpfhosen in Hautfarbe und schwarzen Ghillies bekleidet waren! Keine Spur von hellroten Kleidern, wie es mir noch heimlich zugetragen wurde.
    Von unserer Turngruppenleiterin Beata dirigiert, intonierten sie beschwingt das Lied "Ganz in Weiß" eines in früheren Zeiten populären Schlagersängers aus dem Jahre 1966 namens König Schwarz oder so ähnlich, aber in einer erheblich peppigeren Version!


    Nachdem im Liedtext vom "Hand reichen" die Rede war, hieß der Geistliche uns aufstehen und ließ uns einander die Hände reichen. Er trug nun zu meiner Verblüffung einen schneeweißen Zentai mit Gesichtsöffnung! Auf einmal erkannte ich ihn, es war Ursibo von R-Wi! Das, was von seiner vorherigen Amtskleidung übrig blieb, war seine reich bestickte und verzierte Stola, die über seinen Schultern lose herab hing.


    Lisas Trauzeugin Nereida und mein Trauzeuge Bernd, die neben uns saßen, standen auf, tänzelten erst ein wenig, bis sie dann nach dem zweiten Mal "Hand reichen" einen kleinen Tanz extra für uns darboten, unterstützt von der TuFiTa. Auch die beiden trugen lediglich einen langärmeligen Turnanzug mit Leggings und Schläppchen!
    Nereidas Anzug war gelb, mit drei roten Streifen an den Seiten, und Bernds Anzug grün-blau gemustert. Die Leggings der beiden passten farblich zu den Anzügen.
    Nereida trug eine hübsche gelb-rote Schleife in ihren Haaren, lächelte bezaubernd, gab uns ein Zeichen.


    Angesteckt von der Fröhlichkeit Nereidas erhob sich die ganze Festgemeinde.
    Als ich mich umdrehte und in die tänzelnde Menge blickte, sah ich die Verwandten, Freunde, Bekannten und Arbeitskollegen genauso in hautenger Kleidung tänzeln. Sogar meine Mutter Vera und Lisas Eltern Regina und Leo, alle weit über 60, trugen Bodys und Strumpfhosen. Ich war verblüfft! Saßen sie vorher doch alle in gesetzter feierlicher Kleidung da!


    Die Glocken begannen zu läuten. Ursibo ging voran, Lisa und ich folgten ihm leichtfüßig tänzelnd den Mittelgang entlang, hinter uns die Trauzeugen, die singende TuFiTa und alle Besucher.


    Draußen auf der großen Freitreppe hieß uns Ursibo der Geistliche anhalten, die Anwesenden scharten sich um uns. Mein Arbeitskollege Paul im blauen Zentai mit Gesichtsöffnung baute sich vor uns auf, einen professionellen Fotoapparat auf einem Stativ vor ihm stehend, und lichtete die ganze Hochzeitsgesellschaft ab.


    Großer Jubel erhob sich, alle riefen: "Sie leben hoch, sie leben hoch! Lisa! Ingo! Lisa! Ingo! ..."


    Olaf, ein weiterer Arbeitskollege, ebenfalls im blauen Zentai, stellte einen großen Spiegel auf. Das erste, was ich darin sah, war meine Schwägerin Xenia in ihrem knallroten hochglänzenden Ganzanzug, die schräg hinter mir stand, mir eine Grimasse schnitt und lachte. Neben ihr stand Silvia in ihrem typischen altbekannten grünen Samtturnanzug, die auch lachte und sich wie Xenia über mich lustig machte.


    Dann erkannte ich endlich mich, bekleidet mit nur einem schwarz-rot-gemusterten Body über der violetten Leggings, die ich einst auf einem Flohmarkt bekam. Wo war denn mein Anzug... also mein Hochzeitsanzug? Was war denn das überhaupt für eine Trauungszeremonie? Was war hier eigentlich passiert?


    Die Anwesenden riefen weiterhin fröhlich:
    "Ingo! Ingo!"


    Moment. Das klang nicht nach einer Vielzahl von Leuten. Das war nur eine Stimme.
    Ich drehte mich um.
    Da bemerkte ich, dass ich in meinem Bett lag, und wer da gerufen hatte, war meine Schwester Gunda!


    "Ingo, steh auf, sonst kommst du zu spät! Der große Tag ist da!" rief sie.


    Ich musste erst mal richtig wach werden. Es war nur ein Traum!

  • Kapitel 1: Der Antrag


    Altidantsa Sweliana, die Präsidentin der Welt R-Wi, hatte vor kurzem ihre begeistert aufgenommene Rede gehalten, welche auch im Fernsehen und ins Internet übertragen wurde.
    Danach gaben wir von der TuFiTa noch bestimmt weitere fünfzehn Minuten den UV-Tanz zum besten, die Ultimative Vereinnahmung. Er übertrug unsere positiven Schwingungen auf die Zuschauer und animierte sie erstens zum Mitmachen, verankerte zweitens die Gedanken von Swelianas Rede in ihnen.
    Wir trugen dabei rote Leggings, von Xenia geschneidert, und darüber den schwarzen langärmeligen Turnanzug mit dem Tülleinsatz und den Strasssteinen, den Nereida-III.


    Ebenso ausgelassen tanzten auch die drei R-Wi-i Altidantsa Sweliana, Tallenna Nimella und Dorisanda Erikania auf dem Podium. Sie waren ebenso wie wir gekleidet!
    Leo tanzte vorm Podium, führte etliche Varianten des Tanzes vor.
    Dass die vier alle weit über sechzig Jahre alt waren, tat der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil, es brachte auch die älteren Zuschauer dazu, sich tänzelnd zu bewegen.


    Die Zuschauer waren aus dem Häuschen. Ich hatte noch nie solch motivierte Leute gesehen. Für einen Moment dachte ich, würden alle Leute auf der Erde tanzen, gäbe es keine Unruhen mehr. Ein Stückchen Himmel auf unserem Erdboden.
    Beim Thema Himmel musste ich auf einmal an meine Schwester Celine denken. Könnte sie das doch auch mit ansehen und sich daran erfreuen...


    Aber alles hat ein Ende, besonders unsere Puste. Sweliana, Tallenna, Dorisanda und Leo hatten ein Einsehen mit uns und beendeten den Tanz. Wir verbeugten uns dann tief vor allen.


    "Danke Dornbirn! Danke liebe Zuschauer, liebe Turnschwestern und Turnbrüder! Danke liebe TuFiTa! Ihr seid unglaublich!" rief Sweliana ausgelassen ins Mikrofon.


    Frenetischer Applaus schallte uns entgegen.
    Mehrmals verbeugten wir uns, atemlos, aber glücklich.


    Nun sollte das passieren, was ich vor dem Auftritt heimlich mit Sweliana und Xenia unter sechs Augen besprochen hatte.
    Die altehrwürdige R-Wi-a Sweliana, die Oberste Bewahrerin der Harmonie (so ihr offizieller Titel), gab Xenia und mir verstohlen ein Zeichen.


    Xenia schnappte sich ihre Schwester Lisa und ging mit ihr ein paar Meter vom Podium weg, drehte sie mit dem Rücken zu uns, so dass Lisa nichts hinter sich mitbekam. Sie tänzelte mit Lisa zusammen. Lisa dachte, das gehörte zum Auftritt dazu.


    Ich lief unterdessen zum Podium, während die drei R-Wi-i von dort herunter stiegen. Auch Nereida kam dorthin.
    Die TuFiTa bildete ein Spalier zwischen Xenia und Lisa einerseits und dem Podium andererseits. Tallenna und Dorisanda holten ein paar Gegenstände aus einer versteckten Schublade des Podiums heraus, verteilten die an die TuFiTa und kehrten zum Podium zurück.


    Sweliana gab mir das Mikrofon, lächelte mir zu. Sie drückte mir ein großes rot bedrucktes Herz in die andere Hand. Ich stieg aufs Podium.
    Ich sah, wie Nereida mit dem zweiten Mikrofon und dem zweiten Herz zu Xenia lief und ihr von Lisa unbemerkt die Sachen in die Hand drückte.


    Der große Moment war gekommen.
    Xenia drückte Lisa ebenfalls ein großes rot bedrucktes Herz in die eine Hand und ein Mikrofon in die andere.


    Sweliana nickte mir freundlich zu. Meine Knie zitterten, aber nun musste es passieren. Ich begann zu sprechen, ein wenig aufgeregt.
    "Liebe Lisa, dreh dich bitte um zum Podium."


    Laut hallte meine Stimme durchs Stadion. Ich zuckte selber davon zusammen. Genauso Lisa.


    Als Lisa sich ungläubig umdrehte, rätselnd ob sie denn gemeint war, sah sie ein Spalier der TuFiTa. Jeder von der TuFiTa hielt ein großes rotes Herz aus Pappe in ihre Richtung und lächelte Lisa an.


    Sie sah mich auf dem Podium stehen, mit dem roten Herz mit der großen Aufschrift 'LISA'.


    Ich atmete ein, begann feierlich ins Mikrofon zu sprechen:
    "Liebe Lisa, ich habe lange auf diesen großen besonderen Moment gewartet. Ich freue mich sehr darauf. Ich möchte mit dir gemeinsam durchs Leben gehen. Du bist die Richtige für mich. Ich liebe Dich."


    Mit jedem weiteren Wort bekam ich mit, wie Lisa mehr zitterte und ihre Augen feuchter wurden.
    Ich ging vom Podium herunter, langsam in ihre Richtung, und stellte eine letzte Frage:


    "Liebe Lisa, willst du meine Frau werden?"


    Sie sah ihr Herz mit der Aufschrift 'INGO', hörte meine Worte.
    Da war es um sie geschehen.
    Sie rief ins Mikrofon: "Ja, Ingo, ich will!" und begann mir entgegen zu laufen.


    Unter dem Jubel der TuFiTa und der Zuschauer im Stadion kam sie auf mich zu, umarmte und küsste mich.
    Ich fühlte mich wie im Rausch, Lisa genauso. Ich bekam gar nicht mehr mit, was wir alles in dieser Euphorie von uns gaben. Wir waren nur noch wir. Ich fühlte meine Lisa, ihre Lippen, ihren schwarzen Turnanzug, ihre Leggings und war im Himmel.
    Dass die Leute um uns herum klatschten, die Mikrofone uns abgenommen worden, dass die Zuschauer unseren großen Moment in Großaufnahme auf den Videoleinwänden und im Internetstream sehen konnten, musste man uns beiden später erzählen.


    Ich hörte irgendwann Swelianas Stimme aus den Lautsprechern:
    "Herzlichen Glückwunsch zur Verlobung, liebe Lisa, lieber Ingo!
    Liebe Turnschwestern und Turnbrüder, Applaus für Lisa Ellbrede und Ingo Tomme!"


    Großer Jubel erklang.


    Lisa und ich wurden von den Frauen der TuFiTa und den R-Wi-i herzlich beglückwünscht,
    Wir mussten erst mal wieder herunterkommen. Lisa war total fertig. Im Gegensatz zu mir wusste sie ja nichts davon. Ich hielt sie liebevoll im Arm. Sie schluchzte ergriffen.


    Resi vom Gymnaestrada-Organisationsteam trat zu Sweliana aufs Podium.


    Die Präsidentin von R-Wi nutzte die letzte Gelegenheit:
    "Ich übergebe gleich das Mikrofon zurück an Resi von der Gymnaestrada. Liebe Zuschauer, bleibt beim Turnen und Tanzen, verbreitet die Harmonie und die Tanzfreude! Vielen Dank sagt euch - Eure Sweliana Ellbrede!"


    Applaus brandete auf, während sie das Mikrofon an Resi übergab und sich anschließend verneigte.


    Resi strahlte. "Danke liebe Sweliana, danke an euch, die TuFiTa vom TSV Obertupfingen, ihr wart einsame Spitze! Und alles Gute für Euch beiden, Lisa und Ingo!"


    Sie lud alle im Stadion und an den Bildschirmen ein, das große Finale mitzuerleben.


    Alle Akteure des Tages schritten noch mal winkend an den Zuschauern vorbei, um sich von ihnen zu verabschieden, zum Schluss dann wir von der TuFiTa.
    Lisa und ich gingen eng umschlungen, wir wurden umtanzt, alle waren bestens drauf.
    Beata und Nereida waren so aus dem Häuschen, dass sie die ganze Runde über tanzten.


    Anschließend verteilten wir Akteure uns alle auf dem Rasen und bewegten uns locker zu der Abschlussmusik.


    Bis Nereida auf die Idee kam, den UV-Tanz nochmal zu tanzen.
    Wir sahen sie tanzen und machten spontan mit.
    Und was uns noch mehr freute, dass auch die anderen Gruppen mitmachten!
    Sie guckten es uns ab, und da der Tanz nicht schwierig war, gelang es den anderen schon recht schnell.
    Ein erhebendes Gefühl!


    Als die Musik stoppte, nahmen wir alle dankbar den Applaus der Massen entgegen und zogen glücklich aus dem Stadion aus.
    Die Gymnaestrada war zu Ende!


    Naja, zu Ende war nur der offizielle Teil.
    Insgeheim waren wir alle noch in Hochstimmung und tanzten, zumindest in Gedanken, weiter.
    Alle hatten wir das Gefühl, etwas unbeschreiblich Tolles heute erlebt zu haben.


    Wir feierten den Tag und unsere Verlobung noch ausgelassen, der Sekt floss in Strömen. Da die R-Wi-i keinen Alkohol vertrugen, bekamen sie Zitronenlimonade. Ein völlig neues Gefühl, urteilten Tallenna und Dorisanda über das prickelnde Getränk.
    Sweliana lobte uns alle für unseren schwungvollen und mitreißenden Einsatz.
    Wir freuten uns alle sehr darüber, besonders Nereida und Beata.


    Ein wenig mulmig wurde mir später, als mir richtig bewusst wurde, dass ja alle Zuschauer im Stadion, an den Fernsehern und im Internet meinen Heiratsantrag mitbekommen hatten.
    Wer weiß denn jetzt alles von unseren Hochzeitsplänen? Hoffentlich nur angenehme Leute?!?
    Nicht, dass die am Tag unserer Hochzeit alle vor der Tür stehen...

  • Die beiden ersten Veröffentlichung der neuen Staffel knüpfen an das bisherige an. Einmal als harmonische Phantasie und das andere mal als Bindeglied, um den großen Hintergrund nicht aus dem Blick zu verlieren.


    Schon im alten Forum hatte mich die Fortsetzung gefreut.
    Da die "alten" Stamm-Mitglieder" vor dem Forumscrash schon einige Kapitel zu lesen bekamen, möchte ich den neuen Lesern nur mitteilen, dass es noch besser kommt. (Und breit angelegt ist).

  • Danke Lycwolf.
    Ich kam im alten Forum bis einschließlich Kapitel 17, und auf meiner Homepage bis Kap. 18.
    Bis ich besagte Kapitel erreicht habe, werde ich sie hier schneller wiederveröffentlichen.


    Der Prolog gibt einen Ausblick auf einen Höhepunkt von Staffel 2, und Kapitel 1 legt den Grundstock dazu.


    Die nächste Veröffentlichung lenkt den Blick auf eine neue Figur, auf Theo den Bergwanderer.
    Was er mit der TuFiTa zu tun hat, erfahrt ihr in den Kapiteln 2 und 3.
    Viel Spaß.

  • Kapitel 2: Theo, der Bergwanderer


    Samstag Nachmittag.


    Während die TuFiTa in Dornbirn auftrat, wurden sehr viele Menschen angelockt, die sich die Darbietung im Fernsehen oder Internet anschauten.
    Auch einen Mann Anfang Vierzig erreichte die Übertragung der Gymnaestrada über soziale Medien.


    Er befand sich gerade auf einer mehrtägigen Wanderung durch die Tiroler Alpen. Aufgebrochen war er vor zwei Tagen von Kufstein-Sparchen ostwärts in das Kaisergebirge. Heute am Samstag, dem dritten Tag, startete er in der Frühe vom Stripsenjochhaus, von dem er aus die Überquerung des Kaisergebirges südwärts in Angriff nahm. Die schwierigste Etappe seiner Wanderung. Denn die sogenannte Steinerne Rinne war zu bezwingen, ein anspruchsvoller Aufstieg; und der Jubiläumssteig, ein steiler Abhang.
    Er hatte in der Vergangenheit schon mehrere Bergtouren mit Kletteranteilen unternommen, und so schien auch diese Etappe nicht schwierig zu werden.
    Er war locker gekleidet, mit schwarzen Lauftights und warmen Oberteil. Für Eventualitäten hatte er auch wetterfeste Kleidung im Rucksack. Was anscheinend nicht nötig war, denn die Sonne lachte am Himmel.
    Nur wenige Alpinisten begegneten ihm. Er ließ sich Zeit, genoss den Aufstieg.
    Wobei er bei einigen Passagen doch höchste Konzentration walten lassen musste, um nicht abzugleiten. Die Steinerne Rinne war nichts für Gelegenheitswanderer, sondern verlangte stetige Aufmerksamkeit.


    Mittags, nach fünf Stunden, passierte er das Ellmauer Tor, einen Bergsattel, von wo aus er bei immer noch bestem Wetter einen weiten Ausblick auf die Kitzbüheler Alpen und die Dreitausender der Hohen Tauern hatte.
    Zufrieden blickte er in die Ferne. Dort rastete er, nahm eine Mahlzeit ein. Herrlich, so allein zu sein, ohne Störfaktoren.
    Das mochte er, das hatte er sich ersehnt, vor allem nach den Turbulenzen des vergangenen Jahres.
    Er strich sich über seine Laufhose, mochte das Gefühl, wenn sie ihn hauteng eingepackt hatte.


    Der Mann schaute auf die Karte, die geplante Almhütte war etwa vier Stunden bergabwärts entfernt, wo er die nächste Nacht verbringen wollte. Das war gut zu schaffen, bevor die Dämmerung hereinbrechen würde.


    Da gab sein Smartphone ein Signal.
    Widerwillig nahm er es in die Hand. Eigentlich wollte er es tagsüber während der Tour abstellen, also damit er im wahrsten Sinne des Wortes komplett abschalten konnte. Er bereute, dass er es vergessen hatte, und schaute seufzend auf den Bildschirm.
    Eine Nachricht kam soeben von Sebastian, einem seiner Freunde: "Hey Theo, das ist unglaublich, diesen Livestream musst du dir unbedingt ansehen. Ich bin hin und weg."
    Theodor, so der vollständige Name des Mannes, folgte eher mürrisch Sebastians Link.
    Er war fest entschlossen, nur die ersten Sekunden anzuschauen, da der Batteriebalken seines Telefons schon gegen Null ging. Die Ersatzakkus, Powerbanks rausholen? Ach nein, erst gucken. Seine Neugier war größer.


    Die Aversion gegen Sebastian und seine Nachricht schwand aber in Sekunden.
    Der Livestream zeigte eine Turngruppe im etwa 200 Kilometer entfernten Dornbirn. Er war zunehmend begeistert von den fröhlichen Turnerinnen. Fünfzehn Frauen zählte er. Schön anzusehen, wie sie sich gleichmäßig und mit vollem Einsatz bewegten. Fast ekstatisch! Er war fasziniert von ihrem Einsatz und ihrer glänzenden Kleidung. Von letzterer sogar noch mehr.
    Doch irgendwas stimmte nicht! Als er genauer hinschaute, bemerkte er, dass zwei davon keine Frauen waren. Er hatte sich ablenken lassen von der Sportkleidung, die bei allen identisch war. Weiße Sportschuhe, rote Glanzleggings und darüber einen schwarzen langärmeligen Turnanzug mit Tülleinsatz und Strasssteinen. Und sie trugen ein Stirnband, dessen Aufschrift er nicht entziffern konnte.


    Er war erstaunt, dass auch Männer dort öffentlich Turnanzüge trugen. Das hätte er auch gerne mal getan.


    Allerdings wurde er sehr schnell von einer anderen Tatsache umgehauen, nämlich als die Kamera die einzelnen Akteure nacheinander im Großaufnahme zeigte.
    Dass auf den Stirnbändern "TuFiTa" stand, war es nicht. Mit diesem Begriff konnte er nichts anfangen.


    Als eine der Frauen bildschirmfüllend gezeigt wurde, begann sein Herz schneller zu schlagen. War das etwa ... sie?


    Schon schwenkte die Kamera zur nächsten Turnerin. Und zur nächsten.
    Er glaubte in der nächsten eine Freundin seiner Ex-Frau zu erkennen. Aber diese hier war dünner und sportlicher, wird wohl nicht die Freundin der Ex-Frau sein. Ist jetzt aber unwichtig.


    Er wartete ungeduldig die ganze Zeit, bis endlich wieder ... sie ... gezeigt wurde.


    Und tatsächlich, eine von den 15 Akteuren, das war sie, unverkennbar, Irrtum ausgeschlossen.


    Sie war es tatsächlich.


    Seine Jugendliebe.


    Hier, mutterseelenallein und etwa zweitausend Meter über dem Meeresspiegel, mitten im Tiroler Kaisergebirge, holte ihn seine Vergangenheit wieder ein.


    Seine Freundin aus der Jugendzeit tanzte nun vor seiner Nase auf dem kleinen Bildschirm.


    Er dachte daran, wie sie sich einst geliebt hatten. Und wie ihre Liebe dann zugrunde ging.


    Völlig vereinnahmt schaute er weiter. Er zitterte. Ihre geschmeidigen Bewegungen. Ihr Lächeln. Ihre hochglänzende Kleidung.
    Sie war natürlich älter geworden, aber alles andere erschien ihm genau wie damals.
    Theo stand auf, begann auf der Stelle zu tänzeln. Er konnte die Augen nicht von ihr lassen.
    Nun sah man wieder alle Akteure gleichzeitig. Theo tanzte auf der Stelle, starrte wie gebannt auf die Tänzerinnen und die Tänzer.


    Endlich nahm er das Blinken des Energiebalkens wahr, die Bedeutung drang zu ihm durch.
    Und kurz darauf poppte eine Meldung auf:
    "Dieses Gerät wird sich in 30 Sekunden wegen Energiemangels abschalten."


    "Mist, gerade jetzt! Schnell her mit meinen Ersatzakkus. Bleib! Ich muss weiter gucken!
    Aber warte mal, da war doch noch eine zweite Meldung."


    Die zweite Textnachricht stammte vom dem leutseligen Wirt des Stripsenjochhauses, wo er die vorige Nacht verbracht hatte.
    Theo konnte gerade noch die Nachricht lesen:
    "Du hast bei uns deine Ersatzakkus vergessen mitzunehmen, die du hier aufgeladen hast. Wir bewahren sie für dich auf."


    Dann schaltete sich sein Smartphone ab. Der Bildschirm wurde schwarz.


    "Nein!" rief er entsetzt.


    Er durchwühlte seinen Rucksack. "Wo sind die Akkus? Keine Ersatzakkus da! Der Wirt hatte Recht, so'n Mist!"
    Zwar hielt er das zweite Ladekabel für sein Smartphone in seinen Händen, aber es gab hier keine Möglichkeiten zum Laden.


    "Mist! Bitte geh nicht weg! Nicht noch mal!" rief er laut. "Kessi!"


    Er bekam Antwort, allerdings nur vom Echo. "Kessi... essi ... ssi ... si ... i ..."
    Es klang irgendwie gespenstisch.


    Betrübt sah er zu Boden. Die nächste Steckdose war vier Gehstunden entfernt, und wenn er sie erreichte, wäre die Übertragung längst vorbei.
    Der Link zum Livestream war nun wertlos für ihn.


    Er hatte seine Jugendliebe Kessi zum zweiten Mal verloren, wie es schien.

  • Kapitel 3: Das Wilde Schloss


    Samstag Nachmittag, in den Tiroler Alpen.


    Was nun tun? Theo dachte nach.
    Nordwärts zurück zum Stripsenjochhaus, oder ohne Ersatzakkus zur geplanten Hütte weiterziehen?
    Der Wetterbericht hatte für den nächsten Tag vereinzelt Böen und Wetterumschwünge vorausgesagt.
    Unter solchen Umständen wollte er die gefährliche Kletterei der vergangenen fünf Stunden am nächsten Morgen nicht noch mal antreten. Und der Jubiläumssteig, der noch vor ihm lag, war nicht minder gefährlich.


    Also trabte Theo langsam in Südrichtung bergabwärts.
    Die Schönheit der Alpen, die klare Luft, der Sonnenschein, die Ruhe, die Weite, all das, was er vor zehn Minuten noch geschätzt hatte, war für ihn nur noch zweitrangig.
    Gewiss, er nahm es noch wahr und freute sich daran. Aber diese vier Minuten des Dornbirn-Videos drängten sich immer wieder in den Vordergrund, beschäftigten ihn den ganzen Abstieg über.


    Als wäre seine kürzlich vollzogene Scheidung von Vanessa vor gerade mal drei Wochen nicht genug, schob sich nun seine Jugendliebe Kessi ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit.
    Dabei wollte er doch nur alleine sein, an keine Beziehung mehr denken, wieder zu sich finden, hier in den Tiroler Bergen.


    Aber er sah im Geiste nur Kessi, wie sie da tanzte und strahlte.
    Diesen schwarzen glänzenden Turnanzug, diese roten Leggings, ihre eleganten Tanzschritte.
    Theo geriet ins Grübeln.
    Er erinnerte sich an die Schulzeit, wo sie im Sportunterricht auch meist einen markanten Turnanzug trug, und er sie dafür bewunderte.
    Sie hatte im Gegensatz zu den anderen Klassenkameradinnen einen glänzenden statt einen mattschwarzen Anzug an und fand viele Bewunderer bei den Jungs und Neider unter den Mädchen. Ballsportarten waren nicht so ihr Ding, aber beim Turnen glänzte sie, sowohl vom Können her als auch von ihrer Hochglanzkleidung.
    Ihre Eleganz und ihr Können zogen ihn in ihren Bann. Sie mochte ihn auch, weil er nicht so angeberisch und aufdringlich war wie viele andere gleichaltrige Jungs. Dabei war sie nicht auf den Mund gefallen und teils auch recht kess, was ihr ihren Spitznamen einbrachte.
    Wovon sie mehrere hatte, da waren die anderen einfallsreich.


    Theo konnte Gitarre spielen und er verstand es, mit vier Bällen zu jonglieren, was wiederum ihr imponierte; und die beiden verbrachten viele Abende miteinander. Meistens bei ihm zuhause, da Kessis Vater nicht viel vom Freund seiner Tochter hielt. Musiker und Künstler, so etwas Unsolides sollte seine Tochter nicht bekommen. Wenn dieser Vater damals schon gewusst hätte, was aus ihm, Theo, nun beruflich geworden ist...


    Nicht Kessis Vater, sondern ihre beruflichen Entwicklungen trennten schließlich Theo von Kessi, was beide bedauerten. In verschiedene Städte gezwungen, begannen sie ihre Ausbildungen. Dort lernte Theo Vanessa kennen, war von ihr begeistert und sie verliebten sich ineinander. Das junge Paar heiratete und zog zwei Kinder auf. Kessi spielte in seinem Leben keine Rolle mehr.
    Unschöne Dinge führten jedoch zwanzig Jahre später zur Trennung und Scheidung von Vanessa. Da waren beide Kinder gerade aus dem Haus.


    "Ich will nicht mehr daran denken!" rief er laut, mit Betonung auf "denken".


    "Denken... Enken... nken .. ken ... en ... n" bekam er zur Antwort.


    "Danke, ihr Berge", lachte Theo.


    Auf dem Weg zur Almhütte erreichte er nach zwei Stunden Abstieg durch den Kübelkar den Jubiläumssteig, der das "Wilde Schloss" nahezu horizontal durchquerte. Theo machte seine Kletterausrüstung wieder klar und stieg hinein. Ein teils sehr steil abfallender, wild zerklüfteter Bereich erwartete ihn, und jeder, der ihn durchklettern wollte, musste schwindelfrei und trittsicher sein. Dieser Ort wurde das "Wilde Schloss" genannt, wegen seiner vielen zinnenartigen Höcker und Spitzen. Ein Ort, wo der Sage nach eine verwunschene Prinzessin leben sollte, in Gestalt einer Gams, die die Kletterer ablenkte. Aber Theo gab nichts auf solche Märchengeschichten.


    Theo hakte die eine Sicherungsleine in die nächste Öse ein. Ein echt tückisches Terrain, dieser Jubiläumssteig, dachte er.
    Er verschnaufte. Seine Gedanken schweiften ab. Er dachte an die Prinzessin und an Kessi.


    "Hier!"


    Was war das? Wer rief da?
    Theo schaute sich um, blickte nach oben. Ein Licht strahlte von oben, blendete ihn.
    "Kessi?"
    Er trat zurück, verlor den Halt.


    ------------------------------


    "Aaah!" stöhnte Theo, als er gegen die Felswand prallte.
    Er war nur knapp einen Meter tief herunter gefallen. Seine straff gespannte Sicherungsleine hielt ihn etwa 150 Meter über dem Abgrund in der Schwebe.


    Der Kletterer betastete seinen Körper. Nichts gebrochen zum Glück, wie es schien. Nur ein paar Abschürfungen. Und ein recht großer Riss in dem einen Hosenbein.
    Der Schreck saß ihm aber gehörig in den Gliedern.


    Ruhig durchatmen. Alles ist unter Kontrolle. Es gibt keine Kessi und keine Prinzessin hier. Dein Gehirn hat dir einen Streich gespielt, dachte er.


    Nach drei Minuten Pause gelang es ihm, von einer hervorstehenden Felsnase wieder auf den Klettersteig zurück zu kehren.
    Theo spürte die Anspannung an diesem gefährlichen Ort.


    Er stoppte, hielt sich fest mit beiden Händen am Handlauf fest und guckte sich um, wer denn da gerufen hatte. Weder eine Gams noch eine Prinzessin weit und breit zu sehen. Erst recht keine Kessi.


    Er manövrierte vorsichtig weiter auf dem regulären Steig.
    Zwei Bergsteiger Anfang 50 kamen ihm entgegen. "Bist du verletzt? Wir haben dich schreien hören."


    "Es ist alles in Ordnung. Ich hatte einen Ruf gehört und ein Licht gesehen, bin dann abgerutscht. Meine Sicherungsleine hielt mich."


    Einer der beiden Bergsteiger grinste: "Glück gehabt! Hat es die Prinzessin also mal wieder versucht?"


    "Anscheinend. Obwohl ich nichts von solchen Sagen halte. Ich habe keine Prinzessin gesehen."


    Der andere Bergsteiger meinte: "Dann war es eine Einbildung. Ist halt tückisch hier. Man darf sich nicht ablenken lassen. Der Berg verzeiht nichts."


    "Das habe ich mir auch gesagt. Ruhe bewahren."


    "Korrekt gehandelt. Andere verfallen erst recht in Panik, was ihre Probleme verschlimmert. Lasst uns gemeinsam zur Hütte gehen."


    Die drei überquerten die letzten 200 Meter souverän das unsichere Gebiet. Die Sonne stand schon tief.


    Der eine Bergsteiger zeigte auf Theos ramponierte Lauftights und stellte fest: "Die ist wohl hinüber."


    "Das habe ich auch schon bemerkt, so'n Mist."


    "Geh zur Greta, der Wirtin der Gruttenhütte, sag ihr einen schönen Gruß von mir, vom Greitner-Alois, die gibt dir eine Ersatzhose aus ihrem Fundus."


    "Danke."


    Die beiden Bergsteiger verabschiedeten sich von ihm.


    Etwa 500 Meter unterhalb der Spitze des steil emporragenden Kaiserkopfes und der Ellmauer Halt wartete auf Theo die Gruttenhütte, sein Nachtlager.


    Er grinste. Der Name "Hütte" suggerierte ihm ein kleines Holzhaus in den Bergen mit ungefähr zwanzig Schlafsack-Übernachtungsplätzen dicht an dicht. Die Gruttenhütte aber bot aber hundert Matratzenlager und fünfzig Betten an und bestand aus drei steinernen Gebäuden. Viele andere Bergsteiger hatten sich ebenfalls dort eingefunden.


    Er schloss, so flott es ging, sein Telefon an das Stromnetz der Alpenhütte an.
    Erwartungsgemäß funktionierte der Link zum Livestream nicht mehr, die Übertragung war vorbei. Außerdem war der Empfang recht mau hier.
    Er seufzte. Von hier aus könnte er sowieso nichts mehr machen.
    Zuhause würde er Nachforschungen anstellen. Jetzt war erst mal Brotzeit angesagt.
    Um die Hose wollte er sich den nächsten Tag kümmern. Fürs erste zog er seine Ersatzhose an. Genau das Richtige bei der einsetzenden Kühle des Abends. Er setzte sich draußen an einen Tisch auf der Terrasse.
    Theo genoss nach dem deftigen Essen die von der Hüttenwirtin Greta selbstgemachten Strudel. Mmmh, köstlich!


    Und der Ausblick erst!
    Einen Sonnenuntergang in den Bergen erleben zu dürfen gehörte zu den grandiosesten Dingen überhaupt.
    Was für eine Fülle an Farben!
    Theo dachte wieder an Kessi. Er hätte sie jetzt gerne neben sich sitzen gehabt, um mit ihr gemeinsam den Anblick genießen zu können.


    Sie ahnte aber nichts von alledem, nach so einem turbulenten Tag in Dornbirn.

  • Wie bereits im alten Forum kommentiert, bilden die "Berg"-Kapitel um den neuen Charakter Theo einen starken Einstieg.
    Sie schüren das Interesse an mehr, führen neue Personen ein und halten die Spannung aufrecht, wenn die nächste Handlungsebene angelegt wird.

  • Von Theo wird noch öfter zu hören sein.
    In Kap. 4, 5 und 6 wird aber wieder der Hauptfaden beleuchtet.


    Zur Kessi-Frage.
    Ich habe länger überlegt, ob ich den Lesern vorab offenbare, wer dahinter steckt.
    Damit die Spannung erhalten bleibt, soll Kessis richtiger Name nun erst offenbart werden, wenn es zu einem Zusammentreffen der beiden kommt.
    Und ja, dazu kommt es. Es dauert aber...


    Schwenken wir wieder zurück zur TuFiTa in Dornbirn.

  • Kapitel 4: Heimkehr


    Samstag Spätnachmittag in Dornbirn.


    Aus Ingos Sicht.


    Wir waren in aller Munde. Viele wollten mit uns plaudern. Mir schien, als hätte sich die Ultimative Vereinnahmung nun umgekehrt. Wir waren es nun, die vereinnahmt wurden. Denn wir und unsere Freunde aus R-Wi - Sweliana, Leo, Tallenna, Dorisanda, Beata und Nereida - wurden noch etliche Male aufgehalten, von Resi, von anderen Gruppen und natürlich von der Presse. Interviews fanden statt.
    Unsere Gruppe baute sich anschließend medienwirksam auf, zusammen mit Sweliana, Leo, Dorisanda und Tallenna.
    Eine Armada von Fotografen knipsten, was das Zeug hielt.
    Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnten, war, dass eines dieser Fotos später einmal wegweisend für eine neue Epoche genannt werden sollte.
    Es sollte aber nicht das Foto sein, wo Xenia und Silvia mit mir Schabernack spielten, zum Glück...


    Trotz aller Aufregung gelang es uns irgendwie, die Öffentlichkeit hinter uns zu lassen und fast unbemerkt in unseren Umkleideraum zu gelangen, uns der durchgeschwitzten Turnsachen zu entledigen, zu duschen und neue Sachen anzuziehen. Nun sahen wir wieder bunt aus, wie in einer Turnstunde. Fast alle trugen Leggings, Xenia hatte einige Paare Ersatzleggings mitgenommen, und die fanden erfreute Abnehmer.
    Als Oberbekleidung trugen wir wieder die T-Shirts mit dem Aufdruck 'TuFiTa' vorne und 'TSV Obertupfingen' hinten.


    Leo hatte einen großen Raum in einem Lokal reserviert, wo wir zu neunzehnt essen konnten, netterweise in Bahnhofsnähe. Auf dem Weg dahin wurden wir auch wieder von vielen begeisterten Passanten angesprochen.


    Wir teilten uns den Saal mit zwei anderen Gruppen. Zum ersten mit den "Mädchen Stockholms", so der übersetzte Name der schwedischen Frauengymnastikgruppe, die wir am Nachmittag schon vor der Gala kennengelernt hatten. Sie trugen auch alle Glanzleggings, aber in Schwarz.
    Hauptsächlich sprachen wir auf Englisch miteinander, einige wenige konnten etwas Deutsch und nur eine war darunter, die recht gut Deutsch konnte.
    Sie hieß Agnetha, sprach ihren Namen aber 'A-nje-ta' aus, war blond und recht groß, und sie hatte Sommersprossen im Gesicht. Sie sah aus, wie man sich eine typische Schwedin vorstellte, war sehr aufgeschlossen und sie fragte mich über unsere Gruppe, die Turnkleidung und einiges mehr aus. Sehr sympathische Frau.


    Zum zweiten saßen mit uns Susannah und ihre Turnriege im Saal. Eine ebenfalls sehr aufgeschlossene Truppe, bis auf die eine Orientalin, die meinst schweigend da saß und zuhörte.
    Ich hörte, wie Susannah mit Beata sprach und ihr erzählte, dass sie mit ihrer Truppe mit vereinten Kräften von der einst geschmähten zur hochgelobten Sparte ihres Vereins aufgestiegen war und sie nun durch Auftritte nicht unwesentliche Mittel für den Verein einfuhren.
    Und Beata berichtete Susannah von der unerwarteten Nachnominierung zur Gymnaestrada und wie sie der TuFiTa in gut drei Wochen die beiden Tänze beibrachten.
    Mit Oksana und Aurelie hatten sich zwei Balletttänzerinnen gefunden, die über ihre Passion fachsimpelten.


    Ich kam mit dem Trampolinspringer Frank ins Gespräch, der mir seine fast unglaubliche Geschichte erzählte, wie er zu Susannahs Akrobatikgruppe kam. Mein lieber Schwan, da fiel mir auch nichts mehr zu ein. Und wie er meinen Antrag an Lisa vor X-tausend Zuschauern fand, Hut ab, sagte er mehrmals. Er flüsterte mir zu, dass er vorhatte, seiner Susannah ebenfalls einen Antrag zu machen...
    Natürlich war auch die Passion für Turnanzüge und Leggings ein Gesprächsthema.


    Wir feierten mit Susannahs und Agnethas Gruppe zusammen den gelungenen Tag, Lisas und meine Verlobung und tauschten Ideen, Gedanken und Adressen aus.
    Dabei hatten wir eigentlich nicht viel Zeit. Wir mussten wieder zeitig abreisen, da in der Region um Dornbirn keine Unterkunft für neunzehn Personen mehr frei war. Alles restlos ausgebucht, wegen des Turnfestes. Wir hatten ja erst drei Wochen vor dem Fest erfahren, dass wir daran teilnehmen sollten.
    Utes Einfall, einen doch recht baufälligen Schuppen, der an einen Heustadl erinnerte, auf dem Weg zum Bahnhof als Nachtlager für die TuFiTa zu nutzen, brachte ihr zwar Gelächter, aber keine Zustimmung ein.
    Auch auf den letzten hundert Metern waren wir noch gefragte Gäste.
    Es grenzte schon an ein Wunder, dass wir von der TuFiTa den Zug nach Haus überhaupt noch erwischt hatten.


    Die Zugfahrt verging so schnell, da wir mit etlichen anderen Gruppen von der Gymnaestrada gemeinsam reisten und miteinander plauderten. Ehe wir uns versahen, mussten wir bereits umsteigen.
    Oder unser Lokführer Walter Schmidt ist mit uns eine Abkürzung durch eine Lücke im Raum-Zeit-Gefüge gefahren. Aber nein, Ingo, lass sein, du denkst mal wieder zuviel...


    Im Zug nach Großtupfingen merkte man, dass die Anstrengungen, die dauernde Bewegungen an diesem ereignisreichen Tag ihren Tribut forderten. So schlummerten Gunda und Femke Kopf an Kopf nebeneinander. Auch Kerstin, Marion, Christina und Silvia dösten vor sich hin.
    Ich saß neben Lisa, sie war noch so aufgekratzt vom Abend. Letztendlich schlief sie aber wie ein kleines Mädchen in meinen Armen und auf einem Sammelsurium aus Jacken und Gepäck ein.


    Nereida, die anderen R-Wi-i sowie Arnold und Xenia sah ich in ein Abteil verschwinden. Hatte keine Lust, ihnen zu folgen. Außerdem wollte ich meine Lisa nicht wecken.


    Gegen 23 Uhr kamen wir in Großtupfingen an. Zehn Minuten vorher weckte ich die anderen. Wir mussten schnell aus dem Zug raus, da er nur fünf Minuten Aufenthalt hatte und dann weiterfahren sollte.
    Auf dem Bahnsteig war zu der Zeit nicht mehr viel los, bis auf die ca. 30 Reisenden, die in unseren Zug einsteigen wollten. Der einzige, der wirklich auf uns gewartet hatte, war Bernd.
    Was natürlich seine Freundin Xenia wieder putzmunter machte.
    Ihr begeistertes "Börni!" richte kurzfristig alle Aufmerksamkeit auf sie. Der ganze Bahnsteig starrte sie an. Es focht sie aber nicht an, sie sprang auf ihn zu und knuddelte ihn ab. Was für eine Leidenschaft sie entwickeln konnte!
    Wir freuten uns mit den beiden.
    "Kommt mit zum Bahnhofsvorplatz", meinte er gut gelaunt, als Xenia ihn los ließ.
    Er grinste geheimnisvoll.
    "Hier lang!"


    Als wir den Bahnhof verließen und Richtung Parkplatz gingen, glaubten wir zu träumen:
    Im letzten Tageslicht, fast im Dunkeln war eine Fläche zehn mal zehn Meter von kleinen Lampen umrahmt.
    Innerhalb der Fläche waren Nereidas und Oksanas Ballettkolleginnen zu sehen!
    Da der Abend schon für eine gewisse Kühle sorgte, waren die Tänzerinnen in weißen Ballettstrumpfhosen und langärmeligen roten Samtanzügen gekleidet. Sie trugen allerdings Turnschuhe, wegen der steinernen Gehwegplatten vor dem Bahnhof.


    Die Ballerinen führten für uns den Begrüßungstanz auf! Sergej, der Ballettmeister, klatschte im Rhythmus dazu.
    Daneben stand Egon mit einem Schild: "Herzlich willkommen liebe TuFiTa zurück in der Heimat!" und Torsten mit einem zweiten Schild "Ihr wart spitze!"
    Wir waren gerührt.
    Nereida wollte schon mittanzen, wurde aber von Oksana zurückgehalten.
    "Warte, liebe Zauberfee", flüsterte sie, "diesmal tanzen die anderen zu unseren Ehren."
    Nereida blieb stehen, auch wenn es ihr schwer fiel.


    Nach drei Minuten hielten die Tänzerinnen an, verneigten sich. Bernd rief "Alles klar?"
    Die Ballerinen antworteten: "TuFiTa!"


    Wir applaudierten begeistert. Irina, Natascha und die anderen strahlten.


    Lisa und ich mussten uns in die Mitte stellen, das Ballett tanzte um uns herum, blieb auf einmal stehen und sie reckten ihre Arme mit einem Lächeln in die Höhe.
    Bernd machte in diesem Moment ein Foto, die TuFiTa klatschte.
    "Alles Gute zur Verlobung!" riefen Irina und ihre Kolleginnen.


    Nun ging es an die letzte Etappe.
    Nereida und Oksana fuhren mit ihrer Ballettkollegin Irina in deren geräumiges Haus. Auch Dorisanda und Tallenna fanden dort Unterschlupf.


    Wir machten uns alle auf den restlichen Weg, in den Autos von Egon, Bernd und Torsten.
    Natürlich wurden die drei Autofahrer von uns bestens informiert über den Tag.


    Lisa brachte ihre Geschwister bei sich unter, Bernd durfte die Nacht über wieder mit Xenia in Lisas breitem Bett verbringen, was diese (Xeni) in Hochstimmung versetzte.


    Gunda und ich beherbergten Leo und Sweliana bei mir zuhause.


    Als wir wieder in Obertupfingen ankommen, ereilte auch den fittesten unter uns die Müdigkeit, und zufrieden und glücklich fielen wir in unsere Betten. Doch halt. Wir mussten erst mal unsere Betten machen...

  • Kapitel 5: Bettgeschwister


    Samstag spät abends in Obertupfingen.


    Aus Ingos Sicht.


    Ich hatte Lisas Vater Leo und seine Schwester Sweliana spät abends bei der Ankunft in meinem Haus gefragt, ob sie in dem Ehebett schlafen wollten, wo einst meine Eltern schliefen, aber sie hatten abgelehnt.
    Dann fiel es mir glühend heiß ein, Ingo, du hattest doch glatt einem Geschwisterpaar angeboten, in EINEM Bett zu schlafen. Das geht ja natürlich nicht, das mussten sie ablehnen.


    Dann hatte sich Gunda selbstlos (haha!) angeboten, neben mir im Ehebett zu übernachten, und sie bot Sweliana großmütig ihr Bett an. Und wo soll Leo pennen? Sie grinste mich dabei groß an.
    Na super. Oh Schwester Gunda, du versuchst es immer wieder, in meine Nähe zu kommen... Naja, vielleicht hatte sie es nicht ernst gemeint. War mir aber nicht sicher.


    Auch Gundas Angebot haben Leo und Sweliana abgelehnt. Was für ein Glück auch. Sie meinten, sie wissen sich zu helfen. Mein Wohnzimmer wäre ja groß genug.


    Ich dachte nicht über den letzten Satz nach, Gunda und ich machten uns nachtfertig und meinten, aus dem Wohnzimmer Tanzgeräusche zu hören und das fröhliche Lachen der beiden.


    Gunda und ich gingen ins Wohnzimmer, um den beiden zu helfen, die Wohnzimmercouch auszuziehen, die dann als Bett für einen von ihnen fungieren konnte. Die andere Couch dann für den zweiten. Wir staunten, als wir ein komplett neues breites schwarz lackiertes Bett dort sahen! Wo kam das denn her? Die Couch stand unausgezogen und unberührt daneben.
    Die zwei R-Wi-i hatten Ganzanzüge mit Gesichtsöffnung an, Swelianas war aus dunkelrotem Samt und Leos aus dunkelgrünem Samt. Ein hinreißender Anblick! Sie saßen auf dem neuen Bett und lächelten.


    "Schöne Anzüge" war das einzige, was mir in dieser Situation einfiel. Die beiden bedankten sich.


    "Was ist das denn für ein schwarzes Bett?" fragte Gunda erstaunt.


    "Liebe Gunda, das Bett ist doch nicht schwarz", widersprach Sweliana.


    "Nicht? Aber ich sehe es schwarz."


    "Es ist in ofovio. Das ist eine Farbe, die nur R-Wi-i sehen können", klärte Leo Gunda auf.


    "Ach so. Aber wo kommt es denn her?"


    "Wir haben es ertanzt. Wir R-Wi-i können Gegenstände durch Tanz herstellen, Gunda-ke-re-da-da", erklärte Sweliana.


    "Ach ja, ihr könnt das ja, ich vergaß. Und wieso habt ihr nicht zwei einzelne Betten getanzt?"


    "Das hängt mit unserer Gewohnheit und Tradition zusammen. Auf R-Wi schläft jede Familie immer in einem einzigen großen Bett, die Eltern und die Kinder zusammen", erläuterte Leo.


    "Aber ihr seid doch schon längst erwachsen. Und ihr seid Geschwister, keine Eheleute."


    "Das macht nichts. Wenn bei uns auf R-Wi Geschwister zusammen in einem Haus übernachten, dann immer in einem großen Bett zusammen. Egal ob sie 10, 40, 70 oder 100 Jahre alt sind", meinte Sweliana.


    Gunda geriet ins Grübeln.


    "Aber wenn ihr beide sowieso in einem Bett schlaft, warum denn nicht in dem Ehebett, was ich euch vorhin angeboten hatte?" fragte ich.


    "Wir wollten keine Umstände machen", antwortete Leo.


    "Und ehrlich gesagt, die irdischen Betten sind für uns viel zu weich. Alle Betten auf R-Wi sind hart", fügte Sweliana hinzu. "Wenn wir denn schlafen. Es gibt viele Nächte auf R-Wi, wo wir gar nicht schlafen und durchtanzen."


    "Aber auf diesem harten Bett hier können wir beide prima übernachten, Sweliana und ich."


    "Als Bruder und Schwester?"


    Die R-Wi-i nickten.


    Gunda kam eine Idee.
    "Ich bin dafür, dass wir das auf der Erde auch einführen sollten! Geschwister schlafen zusammen in einem Bett!"


    Mir schwante was. Jedenfalls nichts Gutes.


    Gunda schaute mich begeistert an: "Ingo! Wollen wir das auch mal so machen? Ganz modern? Auf R-Wi-Art?"


    Bitte nicht, dachte ich.
    "Hier auf der Erde schlafen keine erwachsenen Geschwister miteinander im Bett", sagte ich. "Das ist hier Tradition."
    Ich dachte: Leo! Sweliana! Tut was! Ich bitte euch! Gunda soll in ihrem eigenen Bett schlafen!


    Leo hatte meine Gedanken vernommen. Er wusste um die irdischen Sitten. "Ich merke, dass Ingo das nicht möchte, Gunda. Auch wenn es schwerfällt. Das musst du respektieren."


    Gundas Eifer war verpufft. Sie schaute traurig drein.


    Sweliana tat Gunda leid. Sie spürte deutlich die Unharmonie. "Das finde ich schade. Die Harmonie unter Geschwistern zählt auf R-Wi wohl viel mehr als auf der Erde. Ich kenne leider zu wenig von den irdischen Sitten. Die mir aber nicht alle gefallen, zugegebenerweise."
    Sie wandte sich an Gunda und lächelte sie an.
    "Komm doch mal her, Gunda-Modina-ke-re-da-da."


    Gunda trottete verhalten zu Sweliana. Die blickte sie aus ihren gütigen Augen liebevoll an.
    "Gunda, ich biete dir an, die Nacht bei mir zu verbringen, hier auf diesem Bett. Einfach nur zusammen liegen, nichts weiter. Du bist für mich meine da-da, also meine Tochter, meine Nichte, mein Liebling."


    Ich dachte zuerst, dass Gunda ablehnen, dann Gute Nacht sagen und maulig zurück in ihr Zimmer gehen würde.
    Stattdessen nahm sie von der Couch die große Decke, entfaltete sie, ging zu Sweliana, drehte sich um und sagte zu mir, fast ein wenig trotzig:
    "Gute Nacht Ingo. Du kannst ja jetzt alleine schlafen. Das hast du nun davon. Ich jedoch lege mich neben meine Tante, die hat mich jedenfalls lieb. Denn tief in mir drin bin ich auch eine R-Wi-a."
    Sweliana lächelte, empfing sie mit offenen Armen.
    "Ich tanze dir auch einen Samtganzanzug, damit dir nachts nicht kalt wird, Gunda-ke-re-da-da."


    "Au ja, Tante Sweliana! Trägst du das immer zur Nacht?"


    "Ja klar. Auch das ist bei uns Tradition."
    Gunda drehte mir eine lange Nase, wandte sich frohgemut dann Sweliana zu.


    Jetzt auch noch eine Schuldnummer von Gunda zu kassieren und mit anzusehen, wie Sweliana für Gunda einen Ganzanzug tanzt, darauf hatte ich echt keine Lust mehr. Ich verließ unverzüglich nach einem allgemeinen Gute-Nacht-Gruß das Zimmer, ließ mich in mein Bett fallen. Ob Gunda wirklich neben Sweliana die Nacht verbracht hatte, womöglich in einem Ganzanzug, bekam ich nicht mehr mit, da ich nach den Aufregungen und Anstrengungen dieses Tages sofort einschlief.

  • Triumphale Rückkehr nach Obertupfingen (bzw. zunächst nach Großtupfingen) und Zusammenführung mit den zurück gebliebenen. Wenn einer eine Reise tut... - Es gab sicher jede Menge zu erzählen.


    Das nächste Kapitel taucht dann wieder mehr in das Umfeld und die Lebensart der R-Wi ein. Sehr interessant auch für neue Leser. Trotzdem auch eine Vorbereitung auf weitere Handlungsbögen.


    Gefällt! (immer noch, auch wenn ich es schon zum zweiten Mal lese)

  • Danke Lycwolf für deine Antwort. Gefällt mir auch.
    Ich habe in Kap. 5 ja Leo und Sweliana erwähnt und deren R-Wi-sche Tradition, als Geschwister zusammen in einem Bett zu übernachten, ohne dass da 'was' passiert. Das war einer von meinen Zwischendurch-Einfällen zum Thema: Was ist auf R-Wi anders als auf der Erde. Gunda nimmt diese Sitte von R-Wi erfreut auf, will das mit Ingo ausprobieren. Als das nicht klappt, macht Sweliana ihr ein Angebot.
    Was daraus wird, beantwortet Kapitel 6. Eigentlich ein Kapitel über ein Familienfest, eine Verlobungsfeier, und scheinbar nicht allzu wichtig. Bis deutlich wird, dass es noch einen zweiten bedeutsamen Grund zum Feiern gibt.
    Ich habe es genannt: Regina und Leo, nach den Eltern von Lisa, Xenia und Arnold.
    Es könnte auch "Das Geheimnis des schwarzen Ganzanzuges" heißen. Vielleicht ist das ein interessanterer Titel.
    Es geht tiefer in die Seele der Gunda Nagel. Und Kap. 6 ist etwa so lang wie Kap. 4 und 5 zusammen.
    Viel Spaß.

  • Kapitel 6: Regina und Leo oder Das Geheimnis des schwarzen Ganzanzuges


    Sonntag Vormittag.


    Aus Ingos Sicht.


    Als ich gegen 8 Uhr aufwachte, hörte ich schon Aktivitäten. Im Obergeschoss rauschte das Wasser. Gunda war wohl am Duschen.
    Und im Wohnzimmer hörte ich Sweliana und Leo tanzen. Ich ging hin, grüßte sie. Das große ofovio-farbene Bett von gestern Abend war nicht mehr da. Beide trugen rote Leggings. Leo hatte ein blaues Lycrashirt an, und Sweliana die Bluse, die ihr Xenia zum 70. Geburtstag geschenkt hatte.
    Es stand ihnen gut. Ohne Frage, dass Lycra nicht nur von jungen Leuten, sondern auch von Senioren getragen werden konnte!
    Eine Sache wollte ich doch noch wissen.
    "Sag mal, hat Gunda wirklich bei euch übernachtet?"


    Die beiden R-Wi-i schmunzelten nur.
    "Das wird dir Gunda selber erzählen", meinte Leo.
    "Denn wir dürfen das nicht", schob Sweliana hinterher mit ihrem 'Ich-kann-dir-leider-nicht-helfen'-Gesicht.


    Aussichtslos, das Ganze. Wie sollte ich das herauskriegen? Gunda wird mir eben nichts erzählen. Sie kann gut schmollen. Ich drehte mich um, ging ins Bad. Gunda war nicht mehr drin.


    Bevor die Gäste kommen würden, wollte ich noch schnell die Waschmaschine bestücken und starten. Als ich den Schmutzwäschekorb öffnete, um die dreckige Wäsche in die Trommel zu stecken, sah ich ein schwarzes Kleidungsstück darunter, was ich nicht kannte. Ich faltete es auseinander und staunte sehr, denn es handelte sich dabei um einen langärmeligen Ganzanzug aus Samt! Seidig angenehm glitt er durch meine Hände. Aber wem gehörte er? Mir auf keinen Fall. Auch hatte Lisa nicht einen solchen Anzug. Und es war weder der von Sweliana - ihrer war dunkelrot - noch von Leo - seiner war dunkelgrün.
    Da - ein Haar. Es war weder rot - wie die von Sweliana - noch schwarz - wie die von Leo oder Lisa. Sondern blond. Kombiniere:
    Gunda.
    Ich roch an den Anzug. Er war schwitzig und auf jeden Fall getragen.
    Gunda.
    Das war ihr Geruch. Unverkennbar.
    Meines Wissens hatte sie aber keinen Ganzanzug besessen. Sollten eventuell die beiden galaktischen Besucher ihre Hand im Spiel haben?
    Eine andere Erklärung fiel mir nicht ein. Der Anzug hatte kein Etikett. Noch ein weiteres Indiz. Und er hatte keine Nähte. Alles deutete darauf hin, dass der von R-Wi stammte...


    Ich packte alle Sachen in die Waschmaschine, startete sie.


    Nach dem Duschen und Ankleiden ging ich zu Leo ins Wohnzimmer.
    "Lasst uns den Tisch für die Gäste an die richtige Stelle verrücken", forderte ich ihn auf.


    Wir zerrten an dem schweren Möbelstück, bis er an der richtigen Stelle stand.


    "Ist der Tisch nun richtig verrückt?" fragte mich Leo arglos.


    Ich musste mich echt zusammen reißen, um nicht laut los zu lachen.


    "Das ist er. Verrückt, aber nicht wahnsinnig."


    Leo brauchte eine Weile, um das Wortspiel zu kapieren. Dann lachten wir uns beide eins.


    "Ama Sweliana und ich fahren zum Bäcker!" rief Gunda.


    "Ist gut, danke!" antwortete ich.


    Gunda fuhr mit Sweliana also los, um frische und leckere Köstlichkeiten einzukaufen. Die beiden verstanden sich erstaunlicherweise sehr gut. Gunda nannte sie Ama, also 'Mama' oder 'Tante' auf R-Wi. War da etwa doch nachts was passiert? Hatte der schwarze Ganzanzug etwas damit zu tun? Nun, den Ganzanzug musste sie wohl wirklich getragen haben, aber ob sie die Nacht bei Lisas Vater und Tante verbracht hatte, war nicht mehr festzustellen. Das Bett, worauf Haare von ihr zu finden sein könnten, war nicht mehr da.


    Zuknallende Autotüren lenkten mich ab. Bernd kam und brachte Lisa, Xenia und Arnold mit. Alle in roten Leggings, nur Bernds waren schwarz. Sie kamen gerade rechtzeitig, um bei den Vorbereitungen mitzuhelfen.


    Lisa und ich belegten Serviertabletts mit Aufschnitt, Käse und stellten Marmeladen bereit, kochten Eier. Arnold war für die Heißgetränke zuständig. Xenia und Bernd kümmerten sich um die Tischdekoration und um den Transport der Lebensmittel ins Wohnzimmer.
    Gut, dass ich zwei Tage vor der Gymnaestrada mit Gunda einkaufen war. Unser Vorratsschrank war voll.
    Lisa als Vegetarierin hatte aus ihrem Kühlschrank Brotaufstriche und Tofu mitgebracht.


    Wir deckten für dreizehn Personen.
    Im Stillen war ich dafür dankbar, dass ich das reichlich vorhandene Geschirr meiner Eltern immer noch nicht weggegeben hatte.


    Bernd und Xenia fuhren los, um Xenias Mutter, Tante und Kusine abzuholen.


    Gunda und Sweliana kehrten mit den Brötchen zurück. Sie wurden in der Backstube aufgehalten, da eine der beiden Verkäuferinnen namens Franziska ebenfalls die Übertragung von Dornbirn mitbekommen hatte, und Sweliana wieder erkannte. Franziska wollte gerne mehr wissen und fragte Sweliana aus. Zwei Kundinnen in der Backstube erkannten daraufhin ebenfalls die beiden Frauen in ihren roten Leggings, und ein längeres Gespräch begann. So dauerte es ein wenig länger.


    Natürlich war Xenia hellauf begeistert, dass ihre Tante die Bluse trug, die sie ihr geschneidert hatte.


    Zeitgleich kamen mit dem Taxi Gundas und meine Mutter an. Hedwig und Vera gratulierten Lisa und mir recht herzlich zur Verlobung.


    Da fiel Leo auf, dass da keine Kümmelstangen unter den Brötchen waren, seine favorisierte Sorte. Weil er nicht genau wusste, wo der Bäcker war, bat er Gunda, nochmal zu fahren, die sofort zustimmte und ihn mitnahm. Sweliana war auch wieder von der Partie. Eine verdächtige Harmonie zwischen Gunda und Sweliana und Leo, fand ich.


    Im Gegensatz zu Nereida hatten die beiden R-Wi-Senioren nichts gegen das Autofahren.
    Die Verkäuferin Franziska war über das Wiedersehen hoch erfreut, plauderte mit den dreien. Sweliana gab ihr einen Tipp.
    Beim Blumenhändler nebenan schauten Sweliana, Leo und Gunda auch noch herein.


    Kurz nach deren Abfahrt kamen Xenia und Bernd mit Regina, Dagmar und Yvonne.


    "Mama, Tante Daggi, herzlich willkommen, kommt rein!" rief Lisa.


    Die beiden Seniorinnen und Yvonne beglückwünschten Lisa und mich herzlich.


    "Und was ist mit Yvi, Börni und mir, Lissi?" fragte Xenia gespielt vorwurfsvoll.


    "Oh liebste Schwester, Kusine und Schwager, seid allerherzlichst willkommen in meiner bescheidenen Hütte!" übertrieb es Lisa.


    "Danke beste Lissi, du siehst bezaubernd aus", flötete Xenia.


    "Ja, so unwiderstehlich verlobt", grinste Yvonne.


    Wir mussten alle lachen.
    "Meine Bluse und meine Leggings hat übrigens Xenia geschneidert, ganz toll", bemerkte Lisa.


    Daraufhin wurde Lisa von ihrer Mutter, Kusine und Tante noch mal genauer betrachtet, bewundert, und Xenia gelobt.


    Xenia nahm es dankend an, es ging ihr runter wie Öl.


    Regina und Dagmar betraten das Wohnzimmer und strahlten.
    "Das habt ihr fein gemacht!"


    Auch die drei versahen uns mit einem Haufen Glückwünsche zur Verlobung. Wir bekamen eine Glückwunschkarte, und einen Strauß Blumen.


    Der gedeckte Tisch lud uns ein, Platz zu nehmen. Drei Plätze blieben noch leer, davon einer neben Regina. Allerdings wurde verschwiegen (außer Gunda), wer noch kommen würde. Die Seniorinnen Hedwig, Vera, Dagmar und Regina kamen ins Plaudern.


    Die Türklingel ertönte!


    Lisa erhob sich. "Mama, die besonderen Gäste sind da!"


    "Hui, wer kann das sein?" rätselte Regina.


    Xenia war schneller, öffnete die Tür, freute sich über die Ankömmlinge.


    Gunda kam zuerst hinein. "Lisa, komm mal! Der Brötchenmann ist da", grinste sie.


    Xenia rief laut von der Tür: "...und hey, hey, Frau Fleurop kommt auch noch!"
    Wir mussten lachen.
    Lisa sprang auf, ging zur Tür.
    Die beiden Gäste überreichten ihr einen Blumenstrauß, worüber sie sich sehr freute.


    Hinter Gunda traten Svea und Leo, um die es sich dabei handelte, mit einem zweiten Blumenstrauß ins Wohnzimmer, wünschten einen guten Morgen und lächelten.


    Als Regina die beiden erblickte, wurden ihre Augen blass. Vor Ergriffenheit begann sie zu weinen.


    Hatte sie sich doch vor zehn Jahren von Leo scheiden lassen, wollte Freiheit, Ungebundenheit, Selbstbestimmung, Individualität anstelle von jedem Tag Harmonie und Tanz. Das bekam sie zwar, aber ihr Leben nahm leider einen ganz anderen Kurs, sie begann zu kränkeln, ihre Gesundheit nahm ab. Nur war sie lange zu stolz, um sich das einzugestehen.
    Als sie am Vortag im Fernsehen ihre Kinder und dahinter ihren Ex-Mann und seine Schwester in Dornbirn tanzen sah, bereute sie alles zutiefst. Sie wünschte sich so sehr, das alles rückgängig zu machen. Sie wollte, dass er wieder kommt.


    Nun war er zurückgekommen! Und er brachte ihr Blumen mit!


    "Leo? Svea?"


    "Ja, wir sind es, liebe Regina!" strahlte Sweliana.


    "Ich habe deinen Wunsch vernommen, deine Sehnsucht gespürt, ich bin wieder da, meine Liebste", lächelte Leo und reichte Regina seine Hand.


    Lisas Mutter stand auf, nahm seine.
    Sie drückten sich aneinander.


    "Oh Leo, es tut mir alles so leid! Alle meine Extratouren, Flippigkeiten waren für die Katz, weil ich das Wertvollste dafür aufgegeben hatte - dich. Verzeih mir bitte!"


    "Ohne Frage verzeihe ich dir. Lasst uns wieder ein Paar sein. Lasst uns gemeinsam in die Zukunft schauen."


    "Ja", hauchte sie.


    Sweliana war lange Zeit betrübt gewesen, da ihr Bruder durch so eine schwere Zeit ging.
    Nun war sie auch wieder froh. Sie umarmte Regina und verkündete strahlend: "Was freue ich mich! Wir feiern heute nicht nur die Verlobung von Lisa und Ingo, sondern auch die Wiedervereinigung von Regina und Leo!"


    "Mam, Pap, total phänomentastisch von euch, juchu!" rief Xenia ergriffen und umarmte ihre Eltern. Arnold folgte ihr.


    Alle applaudierten begeistert, viele hatten Tränen in den Augen.
    Die Gäste jubelten dem Paar zu, welches von allen umarmt wurde.


    "Was für ein schönes Geschenk auch für mich! Meine Eltern kommen endlich wieder zusammen, an meiner Verlobungsfeier", bekannte Lisa unter Tränen.
    Ich nahm sie in den Arm, sie schluchzte leise.
    Xenia schmiegte sich an Bernd, und Arnold nahm, da Ehefrau Ulla nicht greifbar war, einfach mal Gunda in den Arm, die sich doch sehr wunderte. Ihr wurde doch anders.
    Auch Yvonne und ihre Mutter standen dichter beisammen als sonst.


    "Wir danken euch für eure Warmherzigkeit", freute sich Leo, "lasst uns nun gemeinsam frühstücken."
    Wir folgten gerne seinen Worten.


    Leo ergriff das Glas. "Lasst uns alle die Gläser erheben. Auf Lisa und Ingo."
    "Auf Leo und Regina", ergänzte Sweliana.


    "Zum Wohl!"
    "Wohl bekomm's!"
    "Prost!"
    Wir prosteten uns zu.
    Bernd antwortete mit "Möge es nützen", und auf unsere fragenden Gesichter erklärte er, dass 'Prost' vom lateinischen Wort 'prosit' kommt und genau das bedeutete, was er soeben sagte. Xenia war hoch beeindruckt von ihrem klugen Freund.


    Der üppig gedeckte Tisch lockte, und wir ließen es uns schmecken.
    Natürlich wurde auch über das Dornbirn-Fest gesprochen und uns Tänzern die Bewunderung ausgesprochen. Und Sweliana wurde von allen für ihre Dornbirner Ansprache gelobt, was diese sehr freute.


    Ich dachte kurz daran, jetzt zur Verlobungsfeier waren wir ja vollzählig, alle da.
    Ach nein, Celine fehlt. Meine Vollschwester. Gunda war ja 'nur' meine Halbschwester.
    Naja, ist auch ganz gut so. Celine kann ganz schön schwierig sein.
    Zur Hochzeit müsste ich sie ja einladen. Ingo, nicht daran denken, Problem weit weg schieben...


    Anschließend zogen wir alle in den Garten.
    Bernd machte von uns ein paar Fotos.


    Die beiden R-Wi-i unter uns begannen zu tanzen, extra für Lisa und mich, den Tanz der Verlobung.
    Wir jungen Leute fielen mit ein, und die älteren tänzelten dazu.
    Lisa und ich probierten einen Walzer, und es klappte sogar. Ein wenig hölzern, aber der Applaus der Gäste war uns sicher.
    Leo und Regina wagten auch einen Tanz, den ich nicht kannte. Wir unterstützen sie mit rhythmischem Klatschen.


    Leo gestand uns noch, dass er schon dabei war, nach Grundstücken mit Häusern in und um Obertupfingen zu suchen, die zum Verkauf standen, und sein Hamburger Haus zu verkaufen. Da er Freiberufler war, und in ganz Deutschland seine Kunden hatte, war die Wohnsitzfrage bei ihm kein großes Problem.
    Lisa, Gunda und ich versprachen auch, die Augen und Ohren offen zu halten.


    Arnold und Xenia brachen um die Mittagszeit auf. Sie nahmen ihren Vater Leo und Tante Sweliana mit.
    Schweren Herzens musste Xenia ihren Börni zurücklassen.


    Bernd fuhr Regina, Dagmar und Yvonne nach Hause, kehrte zurück und nahm dann Vera und Hedwig mit nach Untertupfingen, wo die beiden Mütter in einem Alterswohnheim lebten, und er ein Haus besaß.


    Zurück blieben nur noch Lisa, Gunda und ich. Wir räumten das Wohnzimmer auf.
    Die beiden Frauen klarten die Küche auf.
    Die Waschmaschine war fertig. Ich lud die feuchte Wäsche in einen Korb, schleppte ihn nach draußen zu den Wäscheleinen, hängte die ersten Stücke auf.
    Da fiel mir wieder dieser schwarze Ganzanzug in die Hände. Er hatte eine Kopfhaube mit Gesichtsöffnung, sowie Öffnungen für Füße und Hände.
    So ein Teil hatte ich noch nie in Händen gehabt. Oder gar angehabt. Sollte ich es mal anprobieren?
    Aber nein, er ist ja noch feucht, würde festkleben. Ich müsste ihn erst mal irgendwie trocknen. Wo könnte ich es tun?


    Aber diese Heimlichtuerei, damit bin ich mit Femkes Turnanzug schon mal auf die Nase gefallen. Ich sollte lieber die Besitzerin fragen. Alle Indizien sprachen für Gunda. Ich werde sie mal rufen. Und Lisa dazu.


    Die beiden kamen heraus, ich stand vor dem Ganzanzug auf der Leine, so dass sie ihn nicht sehen konnten.
    Dann fragte ich beide:
    "Wem gehört eigentlich dieser tolle Ganzanzug?"
    und ging zur Seite.
    Lisa meinte: "Hey Ingo, der sieht ja stark aus! Und - nein, mir gehört er nicht."


    Gunda wurde knallrot. Lisa und ich bekamen es mit.
    Ich schwieg, überließ es Lisa: "Hey Gundi, woher hast du denn diesen Ganzanzug?"


    Die Angesprochene traute sich anfangs kaum zu sprechen, in meiner Gegenwart, sagte leise, aber nicht leise genug:
    "Von deiner Tante."


    "Ach, von Tante Svea. Das ist ja nett von ihr. Einfach so?"


    Gunda musste Farbe bekennen. Sie gestand uns, dass Sweliana ihr den Anzug tanzte, nachdem ich zu Bett gegangen war. Und sie hatte sogar tatsächlich in dem Bett zusammen mit Lisas Tante und Vater übernachtet.
    So so, sie hat es also wirklich getan!


    "Ist da in der Nacht denn was passiert?"
    Lisa konnte manchmal ganz schön neugierig sein - und durchaus auch mit Nachdruck.


    Gunda schaute unsicher. Sie machte uns aber klar, dass da sexuell überhaupt nichts lief.
    Im Gegenteil. Sie fühlte sich von den beiden beschützt und lieb gehabt, wie ein kleines Mädchen, das bei seinen Eltern übernachten durfe.
    Sie gestand uns, dass sie das bei ihren Eltern nie durfte. Sie kannte ja zum einen ihren Vater gar nicht. Und ihre Mutter hat sie schon immer allein in ihrem eigenen Bett schlafen lassen.
    Sie erzählte mit nachdenklichem Gesicht, dass sie sich auch sehr über Arnold freute, der sie vorhin einfach mal so in den Arm genommen hatte.


    Lisa und mir wurde klar, dass Gunda eine tiefe Sehnsucht nach Zweisamkeit und Schutz hatte.
    Ihr kam es nicht auf das Liebesspiel oder gar die 'Vereinigung' an, sondern sie suchte Geborgenheit. Sie wollte nicht alleine sein.


    Wir kamen zu dem Schluss: Gunda brauchte jemanden, der sie beschützt und lieb hat, möglichst bald, ansonsten würden wir alle weiterhin unter ihrem Gefühlswirrwarr leiden.


    Vielleicht weiß ja Nereida Rat. Wozu hat man denn eine Fee?
    Aber auch sie wird keinen Beschützer für Gunda aus dem Hut zaubern beziehungsweise ertanzen können...