Nereida Drei Staffel 2

  • Vielen Dank für eure Rückmeldungen.
    mein ganzes Nereida-Epos besteht ja aus einem Löwenanteil irdische Fiktion und einem kleinen Bestandteil interstellares Märchen.
    Nereida ist ein tanzbegeistertes Wesen aus einer anderen Welt, das ich auf einer Internetseite einer deutschen Turnartikelfirma gefunden hatte. Dieses galaktisch lächelnde Wesen rührte mich an, bzw. Ingo. Eine Folge war in wenigen Stunden verfasst. Dann dachte ich daran, dass Ingo noch mehr erleben könnte, und entstanden die Fortsetzungen.


    Nereida die galaktische Turnfee war eine Geschichte, die ich für mich selber geschrieben habe. Ich dachte nicht an eine Veröffentlichung. Lange Zeit ruhte die Geschichte in meinem Herzen bzw. auf meiner Festplatte.


    Irgendwann dachte ich, vielleicht interessiert sich ja noch jemand für meine Turnfee.
    Am 18.07.2016 erblickte Nereida das Licht der Welt, oder die Weiten des Internets in der "Lycra Fan Community".
    Einige von euch schrieben mir Kommentare, durchweg positive, wie von Lycwolf, Martin, toby, KunstTurnLover, ValCurasca, sowie Rim und andere.
    Dafür danke ich euch an dieser Stelle einfach mal recht herzlich.


    Nereida zu verfilmen ist ein schöner Gedanke, wobei ich zu bedenken gebe, dass das Zielpublikum für die Turnfee doch recht klein ist. Als da wären Leute, die Lycra mögen. Leute die Turnanzüge mögen. Leute, die Fantasy mögen. Leute, die den Harmoniegedanken mögen. Leute, die Tanz mögen. Also insgesamt doch recht wenig Leute, es ist doch überschaubar.
    Ich habe recht wenig Details zu meinen Charakteren bekannt gegeben. Damit jeder sich eine eigene Vorstellung von Nereida, der TuFiTa und den anderen Figuren entwickeln kann. Ein Film müsste sich da festlegen.
    Staffel 1 hat 62 aktive und 12 passive Charaktere. Staffel 2 stockt da noch weiter auf.
    So viele Darsteller, das kostet eine Menge. Auch wenn es auf Youtube erscheint...
    Auch wenn ihr es mir vielleicht nicht glaubt: Nereida ist ein Hobbyprojekt von mir.
    Es gibt noch ein Leben neben der Turnfee...


    Zum Ertanzen von Sachen. Das Märchenhafte an der Geschichte.
    Da wünschte ich auch gelegentlich, dass Nereida real wäre, dass sie zu mir käme und dass sie mir ein paar Sachen tanzte.
    Tobys Gedankengang mit dem Auflösen von Sachen ist reizvoll... dass jedes Kleidungsstück ein Verfallsdatum hat.
    Aber dafür hat Nereida und ihr Volk ein Verfallsdatum: Jeder Bewohner von R-Wi lebt genau 111 Jahre, dann zerstrahlt er.


    Kapitel 13 und 14 habe ich geschrieben, um Conni näher an die Hauptfäden heranzuführen.
    Dass sie von Sweliana einen Turnanzug getanzt bekommt, habe ich erst in einem späteren Stadium des Schreibens beschlossen.
    Kapitel 15 - 17 drehen sich wieder um Nereida, Beata und die TuFiTa. Ab Mittwoch Abend dann.

  • Was die Verfilmung der Turnfee angeht, ist der Gedanke zwar reizvoll, aber ich halte es für undurchführbar.
    Natürlich ehrt es einen Autoren wenn man sein Schaffen wertschätzt, indem man überlegt es einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.


    Selbst als Fanfiction mit, wie Desi es korrekt einschätzt, geringer Interessentenzahl bräuchte man neben Fähigkeiten und Fertigkeiten auch ein nicht unerhebliches Budget.
    Crowdfunding funktioniert allenfalls für populäre Themen, wie Star Wars oder so.


    Alle anderen Wege mit Kürzung und Reduzierung auf das Wesentliche oder Vereinfachung, würden dem Zauber der Vorlage sowieso nicht gerecht.
    Erfreuen wir uns lieber daran, was wir in regelmäßiger Folge zu lesen bekommen und besuchen unser eigenes Kopfkino.

  • Na gut, vielleicht ein zu großes Projekt zum (Hobby-)Verfilmen....


    aber zum Lesen ein Projekt, was 'gerade noch zeitlich so geht' ... naja.


    denn..
    ich muss sagen, dass ich ENDLICH fertig gelesen habe! Juhu!


    Da ja viele diese Geschichte bis ins Kleinste analysiert haben, was Namensherkunft oder Bedeutungen anging, so hatte ich für mich irgendwie immer den (eigenen) Spaß erlaubt, per Knopfdruck die aktuelle Zeit zu nehmen, um einfach mal zu sehen, welche Zeitspanne ich denn so für welche Kapitel brauchte.


    Nun habe ich die letzten Kapitel (in meinem Fall 100 bis 111 ... die Ultimative Vollendung, hihi!) heute gelesen.
    Gebraucht dafür habe ich etwa 223 Minuten. In Stunden etwa 3,716666666666667 ausgedrückt.
    ... nur falls es jemanden interessiert.


    Schön an dieser Geschichte fand ich die sehr häufigen Wendungen, sei es mit den schon bekannten, aber auch erstmalig neu auftretenden Personen.
    Die liebevoll und wunderbar ausgedrückte Harmonie(n) wie auch Disharmonie(n), die einem in vielen Absätzen nahegebracht wurden.
    Auch manche Verweise auf offenbar eigene Erlebnisse, andere Geschichten und, oh, Personen aus der Realwelt (Ulm ;) ) waren wundervoll eingestreut.


    Gerade auch in den vorletzten Kapiteln, dachte ich erst, 'Oh mein Gott! Es entwickelt sich doch zu einer typischen Horror-SciFi-Geschichte ...!', stimmte aber nicht - Ingo's Gedanken sei Dank .. oder so! :)




    Sehr bald werde ich mich dann an die Staffel 2 begeben.
    Zu sehr hat man da mitgefiebert und gespannt den oder die nächsten Absätze verfolgt.


    Vielleicht gibt es noch einen Tanz, der etwa "Schade, schon vorbei?"-Tanz heißen mag ?

  • Danke euch, freut mich.


    Und nun mal großen Dank an dich KunstTurnLover, für dein Durchhaltevermögen. Gratulation!
    111 Kapitel oder ca. 480 DIN-A4-Seiten zu lesen ist schon eine Leistung.
    Und natürlich auch für deine positive Kritik. Das freut mich sehr.
    Ich hatte ja alles so gedreht, dass es auf den Schluss zustrebt, auf die Ultimative Vereinnahmung.
    Aber nein, Ingo funkt den R-Wi-i dazwischen und erreicht durch seinen Einfluss auf Nereida die Einstellung oder Abschwächung der Vereinnahmung durch die außerirdischen Besucher.
    So wie Staffel 1 begonnen hatte, mit Ingo und Nereida, so endet sie, wieder mit Ingo und Nereida.


    Ich hatte viele Dinge ermöglichen können, weil ich so einen großen Vorlauf hatte, teils waren es 40 Kapitel im Vorlauf.
    (Jetzt bei Staffel 2 sind es "nur" etwa 10 Kapitel...)
    Du kannst ja direkt weiter lesen, denn hinter Kap. 111 St. 1 folgt nahtlos Kap. 1 St. 2.


    Als ich am 9. September 2018 Folge 111 von Staffel 1 online stellte, war ich beides, glücklich und traurig.
    Glücklich, dieses Mammutwerk beendet zu haben, aber traurig, dass es nun vorbei war.
    Der "Schade-schon-vorbei-Tanz" muss es wohl gewesen sein, den Nereida mir vortanzte.
    Frei nach dem Motto: Es ist doch noch nicht alles gesagt.
    Denn in meiner Ideen- bzw. Notizdatei fanden sich noch weitere nicht in den 111 Kapiteln behandelte Einfälle.
    Und im Oktober 2018 bekam ich einen Gedankenimpuls, die Idee einer Fortsetzung in der sehr fernen Zukunft, zugesandt von einem Leser der Turnfee.
    So begann ich wieder zu schreiben. Vorab bekamt ihr im Dezember 2018 Nereidas Weihnachtsgeschichte zu lesen. Und ab März 2019 kam von mir eine unscheinbare Geschichte namens "Der große Moment". Daraus wurde zu eurer Überraschung der Prolog für Nereida Drei Staffel 2.


    Der Zusammensturz des Woltlab-Forums warf mich von Kapitel 17 zurück auf Null. Sind ja "nur" 17 Kapitel.
    (Beim Zusammenbruch der Lycra Fan Community Ende Dez. 2016 ging es von Folge 36 auf Null...)


    So, nun kommt Kapitel 15.
    Beata stellt fest, dass sie sich sehr weit aus dem Fenster herausgelehnt hat.

  • Kapitel 15: Ein kräftiger Sprung nach vorn


    Mittwoch Nachmittag.


    Beata war in der Grundschule Obertupfingen zur beliebtesten und gefragtesten Kollegin aufgestiegen, weil die meisten ihrer Kollegen die Dornbirn-Übertragung gesehen hatten und mehr wissen wollten. Auch viele Kinder waren neugierig.
    Geduldig beantwortete sie die Fragen.
    Und in den Sportstunden brachte sie ihren Schützlingen den UV-Tanz bei. Die Kinder lernten ihn sehr schnell. Beata war glücklich, und am liebsten hätte sie ihnen je einen Nereida-Turnanzug getanzt, aber sie wollte nicht noch mehr Aufsehen erregen.
    Da sie überall Fragen beantworten musste, kam sie mit dem Lehrplan ein wenig in Verzug. Beata seufzte.


    Sie kehrte um 14 Uhr von der Schule und vom Einkaufen zurück, verstaute die Lebensmittel. Sie hatte heute keine Lust, großartig zu kochen, wärmte eine Fertigpizza auf und verzehrte sie. Nun freute sie sich auf ihr Sofa, als ihr Telefon ein Signal gab. Eine Kurznachricht von Annika, der Vereinsvorsitzenden des TSV Obertupfingen.
    Als sie die Zeilen las, traf es sie mittenmang.
    Annika schrieb nämlich:
    "Hey Bea, es ist unglaublich! Am Montag gab es acht, gestern 17 und heute bereits 12 Neuanmeldungen zur TuFiTa! Nur damit du Bescheid weißt. Wollen wir uns deswegen mal vorab treffen? Lieben Gruß, Annika."


    Bei Beata drehte sich alles.
    Klar, damit hätte sie rechnen müssen. Der Auftritt in Dornbirn hatte Spuren hinterlassen. Ebenso die Harmunde am Montag. Beides war eine sehr gute und kostenlose Reklame für die TuFiTa.


    Sie dachte nach.
    Wer gehörte bisher zur ihrer Freizeitturngruppe? Beata zählte im Geiste die Namen auf:
    Nereida, Oksana, Femke, Silvia, Kerstin, Marion, Christina, Ute, Julia, Gunda, Lisa, Ingo und sie selbst. Zusammen gerechnet 13 Personen.
    Xenia, Arnold und Leo waren ja nur aushilfsweise da gewesen und zählten nicht als Vollmitglieder.
    Und wenn nun 37 (!) Neue dazu kämen, wären es 50. Etwa eine Vervierfachung!


    Das wäre viel zuviel, sie konnte sich nicht um so viele gleichzeitig kümmern. Annikas Vorschlag mit dem Treffen war dringend nötig. Sie musste mit ihr sprechen, und mit Christina, ihrer rechten Hand und Co-Trainerin, und zwar noch heute.
    Sie rief beide an und vereinbarte einen Soforttermin.


    -------------


    Zum Glück hatten alle drei Zeit. Um 15 Uhr trafen sich Annika, Christina und Beata in Annikas Büro im Vereinsheim.
    Annika sprach von vier Männern und 33 Frauen, die Interesse zeigten.
    Beata erklärte den beiden ihre Bedenken zu diesem gewaltigen Zuwachs. Für EINE Gruppe zuviel.


    Die drei studierten den Hallenbelegungsplan und kamen überein, am Mittwoch Abend nach der Original-TuFiTa von 18 bis 19 Uhr noch eine TuFiTa II von 19 bis 20 Uhr anzubieten, und die Neuen darauf zu verteilen. Beide Stunden sollten von Beata und Christina geleitet werden. Bea und Christina würden eine zusätzliche Vergütung dafür bekommen.
    Die Ursprungsmitglieder sollten auf jeden Fall das Vorrecht für den 18-Uhr-Termin bekommen, und dazu sollten weitere zehn aufgenommen werden. Sie sprachen auch noch über weitere Dinge, beendeten das Treffen.


    Beata fuhr aufgekratzt nach Hause, legte sich aufs Sofa, dachte an ihre Schwester Nereida und teilte ihr per Gedankenkommunikation die Sachlage mit. Die wiederum erzählte es Oksana, ihrer Geliebten. Somit waren die vier leitenden Kräfte der TuFiTa schon mal vorab informiert.
    Beata bekam von ihrer Schwester Nereida die Zusage vollster Unterstützung. Das päppelte Beata wieder ein wenig auf.


    Sie machte nach einer Viertelstunde Herumliegen ein paar Yoga-Übungen, um wieder aufzutanken.
    Ein Diktat ihrer dritten Klasse war noch zu korrigieren. Beata seufzte und machte sich ans Werk. Nachdem sie die Arbeit durchgesehen und die Schulstunden für den nächsten Tag vorbereitet hatte, fuhr sie um kurz vor 17 Uhr zur Halle, um die Mädchen ihrer Leistungsturnriege zu trainieren.
    Die empfingen sie begeistert, so nach dem Motto: Wir haben jetzt eine berühmte Trainerin! Denn auch ihre Mädchen hatten die Dornbirn-Übertragung gesehen.
    Der zunehmende Rummel um ihre Person behagte ihr irgendwie nicht. Im Stillen hoffte sie, dass um sechs Uhr nicht all zu viele Neue kommen würden. Es kommen in der Regel ja weniger Leute, als sich angemeldet haben.

  • Wer die Werbetrommel erfolgreich rührt, darf sich nicht über massenhaften Zulauf wundern.
    Aber natürlich wird das alles ein bisschen zu viel. Nicht nur für Bea. Alle, die sich bei der TuFiTa engagieren haben ja auch noch einen Beruf und ein Privatleben.
    Jetzt muss halt entschieden werden, wie die Vergrößerung der Gruppe zu managen ist.

  • Tja, Beata. Da musst du jetzt durch, ne? Das wird unsere Cheftrainerin wieder vor Probleme stellen. Aber sie hat ja eine engagierte Turnfee als Schwester sowie kräftige Helferinnen.
    Nun habe ich lange überlegt, wer denn da alles kommen soll. Bei sovielen Leuten kann ich nicht für jeden einen Charakterbogen erstellen. Das habe ich nur für die wichtigsten gemacht.
    Einige der Neuen kennt ihr sogar schon. Andere sind neu. Bunt gemischt. Und natürlich hauteng und glänzend.
    Beata ging/geht ja mit gutem Beispiel voran.


    Danke lycwolf und toby. Wir nähern uns Kap. 17 (bis einschließlich dahin war ich gekommen).
    Jetzt aber erstmal Kap. 16. Ich habe ihm schon wieder einen neuen Titel verpasst:


    Kapitel 16: Der Kollege hauteng

  • Kapitel 16: Der Kollege hauteng


    Mittwoch 17 Uhr


    Aus Ingos Sicht.


    Ich war heute schon kurz vor fünf in der Turnhalle, um meinen Pflichten als Gerätewart nachzukommen.
    Dort traf ich unsere Trainerin Beata in ihrem schicken Turnanzug in den Vereinsfarben weiß-rot an.
    Ihr ernster Gesichtsausdruck machte mich stutzig. Was war denn mit Bea los?


    Sie erklärte mir die veränderte Lage. Zum einen ein Ansturm an neuen Gruppenmitgliedern. Zum anderen - ich hätte von nun an eine Stunde länger da zu sein, spätestens ab nächsten Mittwoch. Und ich sollte doch mal die eine defekte Lampe in der Damenumkleide erneuern.
    Puh. Unser Ruhm hatte uns also eingeholt, alle hatten uns gesehen, viele wollten bei uns mitmachen.
    Beata wandte sich wieder ihren Mädchen zu.


    So schlimm kann es ja nicht werden, wie bei der Harmunde. Es waren zwar um die 280 Leute da, davon waren nur ein Siebtel Einheimische, nächstes Mal wird das schon viel gemütlicher.
    Und dass heute 37 neue Leute kommen, hielt ich für ein Gerücht. Vielleicht 15, höchstens 20.


    Ich befestigte in der einen Männerumkleide zwei lockere Kleiderhaken. Dann sah ich da Müll herumliegen. Was für Blödmänner waren denn da am Werk gewesen, dass die den Müll nicht in den Eimer werfen konnten? Ich stopfte den Müll in einen Plastiksack, holte den Wischlappen und machte den Dreck weg. Ist eigentlich nicht meine Aufgabe, aber man kann das nicht so hinterlassen.


    In der (noch) leeren Damenumkleide ersetzte ich die kaputte Leuchtstoffröhre einer Deckenleuchte mit einer neuen. An die Tür klebte ich einen Hinweis mit den Worten 'TuFiTa' und 'Damenumkleide'.
    Auch dort sammelte ich den Müll in den Plastiksack.


    Meine Gedanken schweiften zu Beata zurück, mein Blick fiel in die zweite Damen-Umkleide, die noch leer war. Das kann ja heiter werden, wenn alle 33 angemeldeten Frauen hier zuzüglich der 11 Stammfrauen in zwanzig Minuten aufkreuzen. Die treten sich ja auf die Füße. Was tun? Müssen sie sich dann in Etappen umziehen? Mir fiel nichts ein. Schon bald müssten sie alle kommen.


    Wie auf Zuruf öffnete sich die Tür. Eine junge Frau mit roten Wangen, rosa Bluse, schwarzer Jeans und dunklem Pferdeschwanz kam herein.
    Zum Glück trug ich mein T-Shirt mit dem Vereinsaufdruck, so dass ich offiziell wirkte.
    "Guten Tag, ist hier nicht die Damenumkleide?" fragte sie verunsichert.


    "Doch, das ist sie, dort links hinein. Ich heiße Ingo, bin TuFiTa-Mitglied und Gerätewart hier im Verein. Gerade bin ich dabei, den Müll weg zu bringen. Es muss ja alles schön und sauber aussehen, wenn die Neuen heute kommen. Ich gehe auch gleich raus."


    Sie lächelte.
    Ah ja. Danke, Ingo. Ich wollte dich nicht vertreiben. Ich bin übrigens Ilka."


    "Herzlich willkommen Ilka. Keine Bange, du vertreibst mich nicht. Viel Spaß heute Abend."
    Sie lächelte und begab sich in den noch leeren Raum.
    Damit verließ ich den Damentrakt und trat ins Freie. An die Außentür brachte ich auch einen Hinweis 'TuFiTa Damenumkleide' an.


    Eine weitere neue Frau, blond und recht groß, kam auf mich zu. Die kannte ich doch von irgendwoher, oder?
    "Hallo Ingo, das ist schön zu treffen dich wieder", sprach sie mich an. Ihr gebrochenes Deutsch war von einem starkem Akzent geprägt.


    Ich sah sie mir genauer an, ihre lustig blitzenden Augen, die Sommersprossen, die blonden Haare. Ich hörte ihre Stimme und hatte den Klang ihres schwedischen Akzents im Ohr. Da fiel der Groschen.
    "Hej Agnetha!"


    Wir umarmten einander.


    "Ja Ingo", lachte sie, "ich will doch auch mitmachen bei euch. Ich mache ein Praktikum für kurze Zeit in Deutschland. Meine Wohnung ist nicht weit hiervon, 20 Minuten mit dem Auto. Ich wollte davon erzählen in Dornbirn, aber wir kamen ab."


    "Agnetha, ich freue mich, dass du bei uns mitmachen willst. Stimmt, damals in Dornbirn hatten wir leider nicht allzu viel Zeit zum Plaudern. Aber ich finde es gut, dass du heute hier bist. Habe viel Spaß in der TuFiTa!"


    Sie dankte mir und ging in die Umkleide. Toll, wie das Schicksal einem die interessanten Menschen zuführte.


    Von weitem sah ich Kerstin und Christina kommen. Ich begrüßte sie und wollte Kerstin über die Lage informieren, was aber nicht nötig war, denn Christina hatte ihr schon alles im Voraus erzählt.
    Ich nahm nun die Rolle als Türsteher an und begrüßte alle, die kamen.
    Und so viele Namen hörte ich, viele davon neu. Ilka, Agnetha, Laila, Franziska, Emma, danach gab ich es auf, sie mir zu merken.


    Was mich besonders freute: Die Schwestern Fiona und Sandra kamen auch! Sandra war meine Arbeitskollegin und Ehefrau meines Skatbruders Torsten. Beide waren neugierig auf den Abend. Die rundliche Sandra bedauerte, dass sie ihren Mann Torsten nicht motivieren konnte, mitzukommen. Aber der war ja ein eingefleischter Stubenhocker und Sportvermeider. Und er hätte Sport echt nötig.


    Ab und zu kamen mal welche von den Stammfrauen.
    Als das Pärchen Oksana und Nereida sich näherte, tanzte ich ein paar Schritte des R-Wi-Begrüßungstanzes.
    Was Nereida sofort zum Anlass nahm, mitzutanzen. Das war typisch für sie, für die galaktische Turnfee! Auch Oksana machte mit.


    Tatsächlich kam auch ein neuer Mann. Ich glaubte fast zu träumen. Dann auch noch jemand aus meiner Firma! Das war ja Dietmar, mein Arbeitskollege. Er fing damals mit Gunda gemeinsam in der Firma an.
    Nach einer herzlichen Begrüßung schickte ich ihn in die noch leere Herrenumkleide.


    Ein weiterer Mann, etwas kleiner als Dietmar, aber mit einem Lächeln, war auch neugierig auf die TuFiTa. Was mir imponierte, er trug als Straßenhosen dunkelblaue Leggings. Er stellte sich als Fabian vor. Auch ihm zeigte ich den Weg zur Herrenumkleide.


    Was für ein Unterschied: Gerade mal zwei Personen in der Herrenumkleide mit mega viel Platz und mittlerweile 30 in der Damenumkleide, die sich da drängelten.
    Und es kamen immer noch weitere Frauen, die ich nicht kannte. 33 neue Frauen, das könnte sich tatsächlich bewahrheiten, oh je...


    Und tatsächlich, es kam noch ein Mann, etwa Mitte 40. Der dritte männliche Neuling. Hochgewachsen, nobel gekleidet, teure Uhr am Handgelenk, Schuhe blitzblank poliert.
    "He Sie, wo kann man sich hier ver-TuFiTa-en?"


    Hä? Was ist das denn für einer?
    Zuerst dachte ich, er versuchte, witzig zu sein, aber er verzog keine Miene.


    Ich wies ihm den Weg zur Umkleide. Er vermied es irgendwie, mich direkt anzusehen, als sei ich ein niederer Angestellter hier.
    Vielleicht lag es wohl daran, dass ich den Müllsack neben mir noch nicht in den Container entsorgt hatte.


    Sofort machte er sich auf den Weg, um nicht noch mehr mit mir sprechen zu müssen. Am Eingang hielt er an.
    "Der Türgriff und die Tür ist aber dreckig, hätten Sie mal putzen sollen", meckerte er.


    Ich ignorierte ihn. Das kann ja heiter werden...
    Flugs lief ich zum großen Container, beförderte den Müllsack hinein und kehrte zum Eingang zurück.


    Als nächste erreichten Silvia, Ute und Marion die Halle, sahen mich, lächelten und grüßten, betraten die Damenumkleide.


    Etwa 10 Sekunden später kamen sie wieder raus, mit verärgerten Gesichtern traten sie zu mir.
    "Ingo, was ist denn da drin los? Ganze Heerscharen von Frauen! Was wollen die hier?"


    "Ich weiß. Es haben sich hier seit dem Dornbirn-Auftritt 37 Neue angemeldet. Die wollen alle in unsere Gruppe. Bea hatte es mir vorhin erzählt."


    Den dreien fiel die Kinnlade herunter.
    "Siebenunddreißig Neue?!? Das geht nicht! Ist nicht!" protestierte Silvia lautstark.


    "Die haben sogar schon den 2. Umkleideraum besetzt!", schimpfte Ute.


    "Und der ja eigentlich von Beas Leistungsturnriege genutzt wird", rief Marion entsetzt.


    Silvia dachte mit ärgerlichem Blick: Schauerlich! Das ist nicht mehr meine Gruppe, da komme ich mir total fremd vor.
    Sie blieben einfach draußen stehen.


    Fünf vor Sieben. Lisa, Femke, Julia und Gunda kamen. Sie fragten uns, warum wir vier noch draußen standen. Ich informierte sie kurz über das Gedränge in der Damenumkleide. Sie gingen gar nicht erst rein, auch sie hatten was gegen die übervolle Kammer. Allerdings wussten sie nicht, wie man dieses Problem lösen konnte.


    Da fiel mir was ein. Ich schlug ihnen die zweite Männerumkleide vor, die komplett leer war.
    Und gesäubert von mir, was für ein Glück, dachte ich.
    Nachdem Ute, Silvia und Marion mit mir den Raum inspiziert und für akzeptabel erklärt hatten, ließen sich die anderen Frauen auch dazu überreden und die sieben Frauen begaben sich dorthin. Fünfzehn Leute passten bequem in einen Umkleideraum. Davon gab es je zwei bei den Frauen und bei den Männern.


    Ich beendete meine Gerätewarttätigkeiten und ging als TuFiTa-Mitglied in den anderen Umkleideraum der Männer. Dort fand ich Dietmar in einer Diskussion mit dem hochnäsigen Typen.
    Fabian saß für sich alleine. Er trug nun ein weißes T-Shirt, eine dunkelrote Leggings und wartete. Seine Kleidung gefiel mir.
    Der vierte angemeldete Mann schien nicht gekommen zu sein.


    Neben Dietmars Jacke hing ich meine auf, begann mich umzuziehen. Meine Anwesenheit schien Dietmar ein wenig von der Anspannung zu nehmen, die ich beim Hereinkommen in seinem Gesicht erkannte. Er hatte gerade ein weißes T-Shirt angezogen.


    Der andere sprach, nein, er dozierte eher. Als ich herein kam, ließ er sich breit aus über Oberklasse-PKW. Dass er die S-Klasse Modell 221 S 300 fahre, mit 170 kW, und was die alles für Schickimickikram eingebaut habe. Ich merkte, wie er Dietmar damit langweilte, welcher verstohlen und heimlich gähnte. Dietmar besaß einen Kleinwagen mit einem Drittel der Leistung. Er überlegte noch, ob er ihm auf die Nase binden sollte, dass sein eigener Wagen nur zwischen 4 und 5 Liter auf 100 km verbrauchte, gerade mal halb so viel wie die S-Klasse, wollte aber keinen Stress und schwieg.


    Aha. Nicht nur ein Naserümpfer, sondern auch noch ein Angeber, dachte ich. Sogar ein Oberklasse-Angeber. Was hat er für Leggings an? Das Logo bestand aus zwei umgekehrt und gespiegelt geschriebenen Buchstaben 'F', also Fendi.
    Das war doch dieses italienische Luxusmodeunternehmen, für das der Modeschöpfer Karl L. gearbeitet hatte.
    Designersachen also. Auch sein Shirt trug dasselbe Logo. Oh Luxusboy ...


    Ich entkleidete mich, hatte meinen bordeaux-roten Turnanzug schon zuhause angezogen. Darüber zog ich die violette Leggings von Flohmarkt an, dann die Turnschuhe. Ich merkte die Blicke der anderen.


    Aber dann passierte etwas Unerwartetes: Dietmar zog aus seiner Sporttasche ein Kleidungsstück, womit er mich komplett in seinen Bann zog. Der Luxusboy redete zwar ununterbrochen weiter, ich sah seine Lippen sich bewegen, aber seine Worte erreichten mich nicht mehr. Sie traten in den Hintergrund. Als hätte sich eine gläserne schalldichte Tür zwischen uns geschlossen.
    Mein Kollege hielt eine Leggings in den Händen und begann sie anzuziehen.
    Sie war, ich glaube es kaum ... in Rosa! Und richtig kräftig glänzend!
    Fertig angezogen stand Dietmar da, und grinste. Fabian und ich grinsten zurück, anerkennend.


    Erst als der Luxusboy meine und Dietmars Kleidung sah, drehte er sich angewidert um. Immerhin versiegte sein Redefluss, was ja auch schon mal löblich war. Ohne Worte marschierte er in die Halle. Noch besser.


    "Endlich ist er weg, fürs erste", stöhnte Dietmar. Fabian und ich bekamen es mit und lachten.


    "Ein komischer Kauz, dieser Wichtigtuer", bekannte Fabian. Wir stimmten ihm zu.


    Er grinste, verließ den Umkleideraum, machte die Tür zu und ging in die Halle. Dietmar und ich blieben im Umkleideraum zurück.


    "Hey Dietmar, das hätte ich nie gedacht, solch eine markante Farbe. Tolle Leggings. Ich bin beeindruckt! Gefällt mir gut!"


    "Danke Ingo fürs Lob! Tja, nun ist es raus. Erinnerst du dich an meinen ersten Arbeitstag? Wo Paul Gunda und mich auf dem Kennenlern-Rundgang in dein Büro führte?"


    "Ich weiß zwar, dass du damals mit Gunda in mein Büro kamst, aber nicht mehr, was da gesagt wurde. Erzähl mal."


    "Du witzeltest, dass du keinen rosa Rechner für Gunda mehr bekommen hattest. Sie lehnte das dankend ab, ich weiß, sie verabscheut Rosa. Ich sagte, ich hätte den rosa Rechner an ihrer Statt genommen. Darauf meinte Gunda im Spaß, ich müsste dazu noch eine rosa Perücke und rosa Leggings tragen. Damals lehnte ich ab. Für die Perücke gilt das auch heute noch. Aber rosa Leggings habe ich damals schon gerne angezogen. Ich habe ein Faible für diese Farbe."


    "Das hatte ich jetzt echt nicht erwartet. Ich bin aber positiv überrascht, Dietmar."


    "So ist das nun mal. Ich wollte damals noch nicht zugeben, dass ich auf rosa Glanzkleidung stehe. Man schiebt mich dann doch schnell in die Schublade 'schwul', was ich aber nicht bin. Wollte auch nicht meine Probezeit damit belasten. Übrigens, auch dein Turnanzug und die Leggings haben was."


    "Danke fürs Lob! Den Anzug hatte ich mal von Julia, eine von den TuFiTa-Frauen, geschenkt bekommen, und die Leggings hat mir meine Verlobte Lisa geschenkt. Beide sind heute auch da."


    Dietmar nickte anerkennend.
    "Übrigens, Ingo", flüsterte er, als wenn er sich sorgte, dass irgendwer mithörte, "ich weiß, dass Gunda hier zur Gruppe kommt. Ich habe ihr aber nicht erzählt, dass ich heute Abend kommen werde."


    "Das wird ja für eine Überraschung sorgen. Ich habe sie übrigens schon gesehen, sie ist auch hier im Gebäude."


    Dietmar lächelte.


    Draußen im Gang hörte ich die sieben Frauen zusammen plaudernd in die Halle gehen. Ich wartete, bis ihre Stimmen leiser wurden.


    "Lasst uns nun in die Halle gehen, es ist schon sieben", meinte ich.


    "Gut. Ich bin gespannt auf die anderen. Und auf Gundas Gesicht", schmunzelte er.


    Ich dachte an Dietmar und Gunda, die beiden Bürokollegen.
    Wenn Gunda wüsste, dass Dietmar Rosa mag und sie das gleich zu Gesicht bekommen würde...
    Auch ich war gespannt.

  • Als Gerätewart hat man natürlich neben den gymnastischen Vergnügungen auch noch die beruflichen Pflichten zu erfüllen. Nicht immer einfach bei dem Menschenauflauf (... ist das eigentlich die Leibspeise von Kannibalen? :) )


    Der "Luxusboy" wird noch für Aufruhr sorgen, so viel ist gewiss. Mal sehen was sein eigentlicher Hintergrund war, bei der TuFiTa teilzunehmen.


    Und dass bei Gunda und Dietmar was schief läuft, ist vorauszusehen. Hoffentlich kriegt sie irgendwann mal die Kurve und muss nicht jedem hinterher hecheln, nur weil sie anspruchsvoll und zögerlich ist.

  • Hallo lycwolf, toby.


    Ja, der Luxusboy... der eckt an. Einen kleinen Störenfried braucht jede Geschichte.
    Dietmar und Gunda, das ist eine schwierige Beziehung.
    Und nun treffen die beiden in der Halle aufeinander. Da passiert einiges.


    Den Gefällt-mir-Schalter habe ich übrigens auch noch nicht entdeckt.


    Kapitel 17 ist so lang, ich teile es in zwei Hälften.
    Ich habe es ein wenig überarbeitet. Hier kommt für euch das neue Kap. 17 (1)

  • Kapitel 17: TuFiTa XXL (1)


    Aus Ingos Sicht.


    Als ich die Halle betrat und es bislang gewöhnt war, Mittwoch abends nur zwölf Frauen zu sehen, musste ich diesmal doch arg schlucken. Nach grobem Überfliegen aller waren wirklich gut an die 40 Frauen anwesend, zuzüglich des Luxusboys. Beata hatte Recht gehabt.
    Ein großes Durcheinandergeschnatter erfüllte die Halle.


    Ich besah mir die anderen neuen Frauen. Etwa ein Drittel davon trugen einen Turnanzug. Unter anderem Ilka, die Frau mit den roten Wangen und dem Pferdeschwanz. Die als Erste heute da war. Und Agnetha, die groß gewachsene Blondine aus Schweden mit den Sommersprossen. Ihr Turnanzug war blau, mit gelben Streifen. Sehr nationalbewusst. Blau-Gelb waren ja die schwedischen Nationalfarben. Der glänzte richtig toll. Vielleicht dürfte ich ja mal ihren Turnanzug ausleihen, von der Größe her müsste er mir passen... hm, wenn ich aber an das Abenteuer mit Femkes poppigen Turnanzug zurück denke... ich müsste Agnetha mal fragen... ist wohl jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür.


    Eine Frau mit mittelblondem Haar, die mir imponierte, trug einen karibikblauen Turnanzug von Ervy in Lackoptik ohne Leggings. Das war Laila, ach ja. Sie stellte sich gerade einer anderen Frau vor, daher brauchte ich sie nicht nach ihren Namen zu fragen. Bei späteren Recherchen im Internet erkannte ich, dass ihr Anzug der Innis-3 von Ervy war. Auch ein Modell, das ich gerne mal anprobieren würde...
    Ein paar weitere hatten auch noch Turnanzüge an, mit Leggings kombiniert. Von denen waren drei mit ärmellosen Turnanzügen bekleidet. Der Rest trug Leggings oder Caprileggings kombiniert mit T-Shirt.


    Ein kurzer Jubel, und Beata umarmte eine brünette Frau in einem purpurfarbenen Turnanzug und schwarzen Leggings. Ich meinte, sie hieß Emma. Kannten sie einander?


    Der Luxusboy versuchte überall Eindruck zu schinden, aber es gelang ihm nicht so recht, obwohl er ja recht lässig auftrat. Allerdings waren drei Frauen darunter, die sich für ihn interessanten oder auf sein Gelaber hereinfielen.
    Ich möchte mal wissen, was diesen Typen in unsere Gruppe verschlagen hat. Der passt irgendwie hier nicht her.


    Dietmar und ich wurden mehr beachtet und wohlwollend gemustert. Ich konnte förmlich die Blicke auf meinem Körper spüren.
    Lisa im schwarzen Samtgym mit den Ärmeln im rosa-lila-Glitzermuster kam auf mich zu und küsste mich zur Begrüßung auf den Mund. Wohl auch, um allen Frauen von vornherein klar zu machen, dass ich nicht mehr solo bin.


    Gewöhnlicherweise hätte jetzt Gunda irgendetwas unternommen, um in meine Nähe zu kommen und eine Liebkosung von mir zu erhaschen, auf die sie glaubte einen Anspruch zu haben.
    Heute Abend war es jedoch anders. Sie nahm Lisas Kuss für mich gar nicht wahr.


    In dem Moment, wo sie Dietmar sah, blieb sie wie angewurzelt stehen. Ihr Mund stand offen.
    Ich wusste ja, dass sie die Farbe Rosa verabscheute, war aber gespannt, was nun kommen würde.


    "Oh, Dietmar, du hast ja wirklich ..."
    Weiter kam sie nicht. Sie schaute die ganze Zeit auf Dietmars Leggings.


    Er sah sie verharren, grinste.
    "Tja Gunda, ich mache keine leeren Versprechungen. Und du hast ja einen schicken blauen Turnanzug an. Der gefällt mir an dir."


    "Ja ... danke ... aber .." war das einzige, was sie äußern konnte.
    Lange her, dass irgendwer sie mal so aus der Bahn geworfen hatte.


    "Du hast heute in der Firma aber nichts davon gesagt, dass du abends kommst. Und dass du SO kommst", brachte sie endlich hervor.


    "Ich habe geschwiegen, denn es sollte eine Überraschung werden."


    "Aber volle Kante gelungen, Dietmar! Aber diese Farbe..."
    Gunda machte ihm durchaus klar, dass sie die Farbe seiner Leggings nicht mochte. Andererseits bewunderte sie ihn heimlich dafür, dass er überhaupt eine glänzende Leggings trug. Und dafür, dass er ihren blauen Turnanzug mochte. Dietmar wurde interessanter für sie. Er stieg in ihrem Ansehen.


    "Also ich finde das klasse, Dietmar. Ich bin beeindruckt. Deine Leggings und die Farbe mag ich sehr", kam es auf einmal von der Seite.


    Wir drehten uns um und sahen eine schlanke Frau, die einen langärmeligen rosa Turnanzug mit Brustraffung über weißen blickdichten Strumpfhosen mit rosa Stulpen trug. Ihre Füße steckten in braunen Gymnastikschuhen. Ihren Pferdeschwanz hatte sie, wie konnte es anders sein - mit einem Haargummi in Rosa gebunden. Sie schien wohl auch eine Vorliebe für diese Farbe zu haben.


    "Übrigens, ich bin Ilka", stellte sie sich vor und streckte ihre Hand zum Gruß aus.


    Dietmar sah sie und musste erst mal schlucken. So viel Rosa. Ohh. Was für eine Frau! Er nahm ihre Hand und lächelte schließlich.
    "Danke. Hallo Ilka, ich bin Dietmar. Ich freue mich, dich kennen zu lernen."


    "Freue mich auch. Heißes Dress, ich bin begeistert! Deinen Namen kenne ich doch, von deiner Kollegin."


    "Deine Kleidung mag ich auch, Ilka. Echt tolle Farben. Besonders das Rosa."


    Sie lächelte ihn an. Auch jemand ohne ausgeprägte Beziehungsantenne wie ich bekam durchaus mit, dass die zwei einander mochten.


    Gunda machte große Augen und stutzte.
    Wer wer diese Ilka überhaupt, dass sie sich so an Dietmar heranmachte? An IHREN Dietmar?


    Ich musste schmunzeln. War meine Schwester etwa eifersüchtig?
    Bei der Gelegenheit machte ich Ilka mit Gunda, mir und Lisa bekannt. Und auch, um vorzubeugen, dass von Gunda irgendwelche unbedachten Worte kommen.


    Die anderen redeten auch alle miteinander. Es war zehn nach sechs, eine große Geräuschkulisse waberte durch unsere Turnhalle.
    Nun sprach der Luxusboy mit Kerstin, die einen halbwegs interessierten Eindruck machte. Hat sie bei ihm etwa angebissen? Alles, nur das nicht!


    Beata wollte dann anfangen zu sprechen und die Gruppe begrüßen, kam aber gegen das Gebrabbel nicht an.
    Nereida wusste Rat, sprach kurz mit ihrer Schwester, beide kicherten.


    Nereida begann zu tanzen, lief dann wie ein Wirbelwind durch die Halle, schlug ein Rad nach dem anderen, tanzte wieder. Dabei jubelte sie laut ein paar Worte in R-Wi, die ich aber wegen des Gebrabbels nicht verstand. Beata tat es ihr nach.
    Das wirkte Wunder! Alle, auch der Luxusboy, verstummten und schauten den beiden nach. Was passierte da?


    Ich dachte an sie: Nereida, Nereida, was wird das, was du da machst, zusammen mit Beata?


    Trotz ihrer atemberaubenden Vorstellung fand sie Zeit, sich mit mir zu beschäftigen:
    Ingo, das ist der 'Liebe Anwesenden, seid doch so gut und beachtet uns, wir wollen euch was mitteilen'-Tanz.


    Danke, Nereida! dachte ich zurück. Sie lächelte, zirkelte dann weiter um die versammelten Leute.


    Die R-Wi-i haben wohl für alles einen Tanz, dachte ich verblüfft.


    Beide tanzten vor die versammelte staunende Zuschauerschaft, hielten abrupt an, riefen laut "R-Wi-alo!" und rissen dabei die Arme in die Höhe.


    Alle applaudierten begeistert.


    Die galaktischen Schwestern strahlten.
    Beata, gekleidet in ihrem schicken glänzenden Turnanzug in den Vereinsfarben Weiß-Rot, ergriff das Wort:


    "Danke, danke! Liebe TuFiTas, liebe Gäste, herzlich willkommen!
    Ich freue mich, dass so viele neue Gesichter heute zu sehen sind! Stellt euch doch bitte mal alle im großen Halbkreis auf."


    Die Anwesenden formierten sich wie gewünscht. Ich stand zwischen Lisa und Gunda, der Luxusboy neben Kerstin, Dietmar stand neben Ilka. Nereida zählte die Anwesenden. Alle zusammen 47 Personen! Ein Mann und zwei Frauen waren nicht gekommen.
    Beata gab Christina und Oksana ein Zeichen zu kommen, die beiden gesellten sich zu ihr und Nereida.


    "Damit ihr wisst, mit wem ihr es zu tun habt, möchte ich erst mal mein Leitungsteam und mich vorstellen. Mein Name ist Tabea Drey, nennt mich einfach Tabea, Beata oder kurz Bea.
    Ich bin die Trainerin der TuFiTa, seit über 20 Jahren schon im Verein. Neben mir steht die Co-Trainerin Christina Auberg, auch ein langjähriges Mitglied. Wir beide kümmern uns bei der TuFiTa hauptsächlich um Turnen und Fitness."


    Christina in ihrem auberginefarbenen Samtanzug mit Glitzerärmeln verbeugte sich kurz und lächelte: "Herzlich willkommen."
    Die Menge applaudierte.


    Die Turnfee in ihrem hinreißenden schwarzen Nereida-3-Turnanzug fuhr fort: "Ich heiße Nereida Drey, bin Beas Schwester, und neben mir steht meine Lebenspartnerin Oksana Krasiwija. Wir beide sind Balletttänzerinnen, und in der TuFiTa für das Tanzen zuständig."
    Die beiden deuteten ein paar kurze Ballettschritte an.


    Keine Ahnung warum, aber ich bekam mit, dass der Luxusboy leise sprach: "Ein weiteres Vorurteil bestätigt: Beim Ballett sind alle schwul oder lesbisch. Widerlich sowas. Kein Anstand mehr..."
    Den Rest verstand ich nicht. Nur die Tatsache, dass ich keinen Ärger wollte, ließ mich schweigen. Mann, war ich sauer auf den Typen!
    Hoffentlich haben die anderen alle das überhört...


    "Aber keine Bange, die TuFiTa wird nicht zum Ballettkurs werden, unsere Tänze sind universell", beruhigte Oksana die Anwesenden. Die Ballerina sah hinreißend aus, in ihrem dunkelroten RSG-Gym mit Tüll und Fingerschlaufen.
    Ein warmer Applaus folgte.
    "Und auch intergalaktisch!" fügte Nereida strahlend hinzu.
    Die Menge lachte.
    Was war daran denn witzig?, dachte Nereida verdutzt.


    Beata fuhr fort:
    "Danke. Aber erst mal etwas Wichtiges vorweg. Besonders an die Frauen unter euch. Ihr habt erstens sicher die angespannte Situation im Umkleideraum bemerkt."


    Zustimmendes Gemurmel folgte.


    "Und zweitens, für mich als Trainerin ist es bei so vielen, wie wir hier gerade sind, sehr schwierig, sich um alle gut zu kümmern. Das ist aber mein Anspruch. Niemand soll hier anonym sein, niemand soll sich unbeachtet oder vernachlässigt fühlen. Daher werde ich uns Anwesende in zwei Gruppen aufteilen, beide am Mittwoch Abend. Die eine Gruppenstunde wird von 18 bis 19 und die andere von 19 bis 20 Uhr stattfinden. Dies ist zusammen mit dem Vereinsvorstand vereinbart und beschlossen worden. Das entlastet erstens mich und mein Team, und zweitens die Situation in der Umkleide.
    Bitte tragt euch in diese beiden Listen ein, wann ihr ab nächsten Mittwoch kommen wollt. Nicht mehr als 25 Teilnehmer pro Stunde bitte."


    Silvia und Marion waren kurz davor, zu Beas Liste zu sprinten, um sich einzutragen, als Christina für Beata weitersprach:
    "Alle TuFiTa-Mitglieder, die in Dornbirn mit dabei waren, haben wir vorrangig in die 18-Uhr-Gruppe eingetragen."
    Der entsetzte Blick von Silvia und Marion wich einem erleichterten Lächeln, als sie erkannten, dass es keinen Kampf um die Plätze der ersten Gruppe geben würde. Auch dass die neue TuFiTa I max. 25 Teilnehmer haben sollte statt 50 stimmte sie ein wenig versöhnlicher.


    "Aber heute werden wir ausnahmsweise alle in der sehr großen Gruppe zusammen bleiben", fügte Oksana hinzu.


    "Ach, bevor wir anfangen, eine Frage an euch, die ich geklärt haben muss: Leidet irgendjemand von euch an Schmerzen oder Bluthochdruck, ist jemand kürzlich operiert worden, hat wer von euch arge Rücken- oder Knieprobleme?" fragte Beata in die Runde. Alle verneinten. Laila grinste. Beata hatte die richtigen Fragen gestellt, dachte sie.


    "Gut, dann gehen wir nun alle mal auf der Stelle und bewegen die Arme wie beim Jogging."


    Die Menge begann sich zu bewegen.


    Der Luxusboy meldete sich.
    "Ähem, Frau Drey, eine Frage!"


    Auch Nereida fühlte sich angesprochen, ihre Schwester kam ihr aber zuvor.
    "Ja, bitte?"
    Bea blickte ihn an, wunderte sich mehr über sein Siezen als über die Zwischenfrage.


    "Man muss sich doch vorher dehnen, bevor man sowas macht, oder?"


    "Nein. Die Muskulatur muss ja erst mal vorsichtig gewärmt werden, bevor man an ihr herumzerrt."


    Er war nicht überzeugt.
    "Ich habe aber darüber was im Internet gelesen."


    Die Tabea in Bea meldete sich wieder. Kühl antwortete sie:
    "Man muss bzw. man darf nicht alles glauben, was im Internet steht."


    "Aber das stammt von Professor Dr. Olaf Kaltenzuber, der muss das wissen."


    Sie seufzte.
    "Prüfen Sie nach, ob es solch einen Menschen überhaupt gibt. Wo hat er studiert, promoviert, habilitiert? Und selbst wenn, ist er denn Mediziner oder Sportwissenschaftler, also Spezialist in diesem Gebiet, oder etwas Artfremdes wie Germanist oder ähnliches?
    Und übrigens, wie ich die TuFiTa führe, lassen Sie das meine Sorge sein."


    Beata lächelte, ließ ihn dann damit sprachlos stehen. Ihr Blick schweifte über ihre Schützlinge.
    "Ja, schön gleichmäßig, und auch das regelmäßige Atmen nicht vergessen. Wir werden heute ein paar einfache Übungen zusammen turnen und ein wenig tanzen. Aber zuvor möchten wir vom Team euch alle kennen lernen."


    Sie lächelte zufrieden.
    "Und damit wir uns besser kennenlernen, bitte ich euch alle mal, euch nacheinander vorzustellen. Sagt euren Namen, etwas über euch und was ihr in der TuFiTa vorhabt zu machen."


    Als hätte er auf dieses Signal nur gewartet, trat der Luxusboy schnell vor:
    "Mein Name ist Dirk Albrecht Wilhelm von Wolkenheim-Butterfeld aus Dallenburg/Winne. Ich beabsichtige bei Ihnen meine Fitness zu verbessern."


    Viele grinsten wegen dieses langen Namens. Ein Adliger! Oder ein Möchtegern-Adliger...
    Silvia, Ute, Femke und Marion verzogen ihr Gesicht.
    Dirk Albrecht Wilhelm, also D.A.W., heißt in Wahrheit 'Du Alter Wichtigtuer', dachte Silvia. Sie flüsterte es zu Marion, beide kicherten leise.


    "Willkommen Dirkiboy, werde fit bei uns", alberte Femke herum, laut genug für alle zu hören.
    "Jo Dirki, das kriegen wir hin", spottete Ute.
    "Volle Kanne, Dirki-Albi-Willi", amüsierte sich Silvia.
    Viele grinsten, einige lachten.


    "Ich muss doch sehr bitten, junge Frauen!", gab er pikiert zurück.


    "Hallo Dirk, willkommen, wir duzen uns hier. Und EIN Vorname reicht uns aus", stellte Beata klar.


    "Das muss hier auch ein Dirk Albrecht Wilhelm von Wolkenheim-Butterfeld anerkennen", grinste Femke.


    Der Luxusboy war baff, dass Femke seinen kompletten Namen richtig behalten hatte.
    "Und wie ist ... dein ... Name?" Duzen war irgendwie nicht sein Ding.


    "Mevrouw Femke Geertruida Doorgaan van Groter-Geldrop, ik ben op de leeftijd van acht-en-dertig", antwortete diese, betonte genüsslich ihren Namen mit den typisch niederländischen Rachenlauten für jedes 'G'. Sie drehte sich einmal um sich, in ihrem silbrig-lilafarbenen Turnanzug, grinste ihn an.


    Dem Luxusboy fiel die Kinnlade herunter.
    Die Frauen der Stamm-TuFiTa grinsten sich eins. Wussten sie doch, dass ihre niederländische Turnschwester einfach Femke Maier hieß, ihren zweiten Vornamen Geertruida nur sehr selten erwähnte und ursprünglich aus dem Vorort Geldrop bei Eindhoven stammte.
    Ihr Satz lautete also übersetzt: 'Frau Femke Gertrud Weitermachen von Groß-Geldrop und ich bin 38.'


    Von Niederländisch hatte Dirk aber keine Ahnung. Die hatte es ihm aber gegeben!


    Femke winkte ab.
    "Das war doch nur Spaß! Nennt mich einfach Femke. Es ist die niederländische Version für den deutschen Vornamen Wiebke. Ich bin 38, Niederländerin, schon gut 10 Jahre in der Gruppe und finde die Gemeinschaft und die Übungen toll. Und wenn es mal nicht so hinhaut, egal, aufstehen, weitermachen, Hauptsache mitmachen. Es klappt schon. Paar Kilos mehr? kein Problem. Ich habe Spaß hier."


    Wir lachten. Beata meinte grinsend: "Es soll ja auch Spaß machen, wie Femke sagt. Wir sind ja eine Freizeitturngruppe und keine Leistungsturnriege.


    Die nächste in einem rosa Turnanzug meldete sich zu Wort.
    "Hallo, ich heiße Ilka, bin 42 Jahre, wohne in Obertupfingen, und möchte gern bei euch mitmachen, meine Gelenkigkeit verbessern, mehr Ausdauer erwerben. Besonders eure Tänze in Dornbirn haben mir imponiert."


    Oksana strahlte. "Liebe Ilka, dazu wirst du hier viel Gelegenheit haben. Wir bringen es dir bei."


    Dietmars Augen ruhten auf Ilka. Seit sie ihm Anfang der Stunde über den Weg lief, hatte er nur noch Augen für sie und ihren rosa Turnanzug. Und das Ganze beruhte auch auf Gegenseitigkeit. Sie fand ebenso Gefallen an ihm. Gunda bemerkte es mit Argwohn.


    Ilka kam zurück, flüsterte ihm zu: "Du bist!" und er trat in den Ring.
    "Ich bin Dietmar, 43, Programmierer, auch aus Obertupfingen, und sitze berufshalber viel am Schreibtisch. Hier möchte ich mich bewegen und möglichst wenig sitzen."


    Christina grinste. "Auch dir kann geholfen werden. Sitzen werden wir hier selten, nur mal zu Bodenübungen. Du findest hier dein neues Bewegungs-Programm, was wir für dich programmieren."


    Dietmar der Programmierer grinste.


    Die brünette Frau in den schwarzen Leggings und dem purpurfarbenen Turnanzug betrat das Feld: "Ich heiße Emma, bin 35 und eine Arbeitskollegin von Bea. Ich bin Lehrerin für Sport, Musik und Kunst. Ich möchte hier Spaß haben, mich stärken und einfach nur Teilnehmerin sein. Bea hatte mir von der TuFiTa erzählt und mich neugierig gemacht."


    Beata trat hervor, umarmte sie: "Hallo liebe Emma, freut mich, dass du in die TuFiTa gefunden hast. Aber ich hatte gehofft, du unterstützt mich."


    Die winkte ab: "Nee, nee, Bea, hier und jetzt möchte ich mal nicht die Verantwortung für eine Klasse oder eine Gruppe haben."


    Wir lachten, Emma ging zurück in den Halbkreis.

  • Haha, ja der Von-Wolkenheim-Butterfeld ;-) Der Name erinnert mich ein wenig an Dr. Wolkenfuß ("Wie erziehe ich meine Eltern"). Der Schauspieler der diesen spielt könnte das sicher auch gut rüberbringen... (also falls die Story verfilmt werden sollte: Heinrich Schafmeister)

  • Ich scheue mich davor die zweite Staffel zu starten bevor ich die erste gelesen habe. Gibt es die Möglichkeit die erst Staffel irgendwo noch komplett nachzulesen? Selbst auf deiner HP Desi, sind ja auch nur teile nachzulesen.


    Danke & Gruß Rockfire

  • " D.A.W., heißt in Wahrheit 'Du Alter Wichtigtuer'"


    Damit ist es irgendwie perfekt auf den Punkt gebracht.


    (Gut, es gibt natürlich auch noch andere Bedeutungen von DAW, allen voran die Digital-Audio-Work-Station, aber das hat natürlich nichts mit der Story zu tun)

    ... am liebsten glatt und glänzend

    Einmal editiert, zuletzt von lycwolf ()

  • Danke euch dreien.


    Gut, ich habe eine Menge neue Leute vorgestellt, und in Teil 2 von Kap. 17 kommen noch welche. Natürlich erwähne ich nicht alle die Neuen, nur die Wichtigsten. Als da wären eine blonde Schwedin, Ingo (der zu viel denkt), Lisa, Gunda, und natürlich Lycra.
    Ich habe übrigens Kapitel 17 (1) und (2) ein wenig erweitert und aufgemotzt im Vergleich zur Juni-Version. Lesen lohnt sich.


    lycwolf : Für DAW meinst du wohl die Digital-Audio-Workstation...


    DAW-Books ist auch ein amerikanischer Bücherverlag für Science-Fiction-Fantasy-Literatur. Das ist aber Zufall und ich habe es heute erst erfahren ;-)


    Rockfire : Du hast Post.

  • Kapitel 17: TuFiTa XXL (2)


    Die blonde Schwedin im blaugelben Turnanzug trat hervor.
    "Hej! Ich heiße Anjeta, geschrieben Ag-Ne-Tha, ich bin zwanzigacht und ich kommer från Sverige ... ühschäkta, Entschuldigung ... ich komme aus Sweden, aus Stockholm. Ich tanze dort bei die Gruppe Stockholms flickorna.
    Ich beginne hier ein Praktikum und Sprachkursus in Deutschland.
    Ich will gerne besser lernen deutsch, und ... wie sagt man auf deutsch ... Jag skulle vilja dansa här."


    Ich meldete mich zu Wort: "Agnetha, das bedeutet auf Deutsch: Ich möchte hier tanzen."


    "Tack Ingo. Ja. Ich möchte hier tanzen!"


    Nereidas Augen leuchteten. "Liebe Agnetha, du bist hier richtig. Du wirst hier tanzen, wie du vorher noch nie getanzt hast."


    Agnetha strahlte. "Tack så mycket Nereida och Ingo."
    Vielen Dank Nereida und Ingo, sagte sie.


    Sie kam auf mich zu, zog mich nach vorn und verkündete laut: "Leute, dies ist Ingo von TuFiTa!"


    Die anderen applaudierten, die meisten 'alten' TuFiTa-Frauen kicherten.
    Ihr hakeliges Deutsch beförderte mich unfreiwillig in den Adelsstand, Ingo von TuFiTa...


    So aufgefordert, trat ich ein wenig erhaben in den Ring. "Hallo allesamt, meinen Namen kennt ihr jetzt bestimmt schon."
    Marion und Silvia schüttelten unwissend tuend die Köpfe. Ich ging zu ihnen hin, gab ihnen die Hand und sagte: "Gestatten, Ingo. Ingo von TuFiTa."
    Beide taten sehr erfreut. Alle anderen kicherten.


    An alle gewandt:
    "Ich bin 45, Gerätewart im Verein, vor etwa einem halben Jahr in die TuFiTa gekommen und war der erste männliche Teilnehmer hier in der Gruppe."


    Die Frauen musterten mich neugierig. Sie schauten wohl auch genau auf meine Leggings und meinen Turnanzug; eine Mode, die an einem Mann bislang nur selten zu sehen war.


    "Das nette Miteinander in der Gruppe gefällt mir, und meiner Verlobten Lisa."


    Als ich dann aber 'meine Verlobte Lisa' erwähnte, schien es, als wäre ich für einige uninteressant geworden. Auf eine Art zwar schade, aber auch gut, dass das alle mitkriegen.


    "Ich turne und tanze gerne hier in der Gruppe."
    Die Anwesenden applaudierten.


    Und ich trage besonders gerne Turnanzüge, dachte ich. Zu spät wurde mir klar, dass mein gedanklicher Nachsatz volle Kanne in Richtung von Nereida und Beata ging.
    Die beiden galaktischen Schwestern, die vorher nur lächelten, grinsten nun über beide Ohren.
    Ich trat die Flucht nach vorn an:
    Tut mir leid, ihr zwei R-Wi-a, ich vergesse immer wieder, dass ihr mich 'hören' könnt. Aber es ist wahr.


    Keine Bange, Ingo. Turnanzüge tragen ist doch was Schönes, das mache ich auch gern, dachte Nereida hocherfreut.


    Finde ich auch. Nichts für ungut. Du kannst ja mal Lisa vorstellen, dachte Beata grinsend.


    Gute Idee. Ich wandte mich um, ging zu Lisa.
    "Lisa, sag mal was über dich."


    Meine Verlobte trat vor, in ihrem schwarzen Samtgym mit den Ärmeln im rosa-lila-Glitzermuster. Ein wenig schüchtern begann sie:
    "Ich heiße Lisa, bin 42, seit ein paar Monaten hier in Obertupfingen und freue mich jedes Mal über das Tanzen und Turnen in der Gruppe. Es sind nette Leute hier, und es macht Spaß. Und hier habe ich Ingo kennen gelernt."


    Es gab Applaus für Lisa. Wir freuten uns.
    "Wer die Dornbirn-Übertragung gesehen hat, hat mich gesehen, und meine Geschwister Xenia und Arnold, die aber nur kurz in der Gruppe waren, für den Auftritt bei der Gymnaestrada. Dabei war auch Gunda, das neueste Mitglied der TuFiTa vor dem Dornbirn-Auftritt."


    Lisa drehte sich zu Gunda um und winkte ihr zu. Sie ging zurück, Gunda kam hervor.
    "Danke Lisa. Ja, das stimmt. Ich bin Gunda, 43, Schwester von Ingo und demnächst Schwägerin von Lisa.
    Nereida die Turnfee hatte mich eingeladen, mitzumachen. Und so bin ich hier."


    Beim Wort 'Turnfee' dachten sich Silvia und Marion ihren Teil und stöhnten. Zum Glück waren Nereidas und Beatas 'Antennen' nicht auf sie gerichtet.


    Nereida strahlte. "Das war mir eine Ehre, Gunda. Freut mich, dass du gekommen bist, und geblieben bist."


    Gunda lächelte. Sie schaute alle an, dann kurz auf Sandra:
    "Ja, ich mache hier mit, selbst wenn ich nicht gerade schlank bin. Das ist übrigens kein Hindernis, liebe Kollegin Sandra, zur Aufmunterung auch an dich gerichtet. Und übrigens, ich bin Programmiererin, und auch Dietmar hier ist mein Arbeitskollege."
    Im letzten Halbsatz betonte sie 'auch Dietmar hier'. Das musste ja mal gesagt werden, damit man sie nicht vergisst, dachte ich.
    Dietmar lächelte ihr zu und nickte. Sandra nickte auch. Ilka schaute sie verständnislos an, so wie es schien.
    Was die beiden dachten, blieb ihr Geheimnis, da die galaktischen Schwestern gerade Gunda zuhörten...



    Eine schlanke Frau mit blonden Haaren war die Nächste. Sie trug blaue Leggings und einen schwarzen ärmellosen Turnbody und schwarze Turnschuhe.
    "Mein Name ist Fiona, bin 43, ich schwimme gerne in meiner Freizeit und hatte früher mit Begeisterung geturnt und ich möchte hier mit euch turnen. Vieles habe ich verlernt, und ich hoffe, ich kann es wieder aufwärmen."


    Beata schmunzelte. Sie kannte Fiona bereits, von der Harmunde. "Hallo Fiona, keine Bange, wir wecken deine schlafenden Fähigkeiten und unterstützen dich nach Kräften beim Turnen."


    "Ich heiße Sandra, bin 45, Bürokauffrau, und Fionas Schwester. Ich will weg vom Sofa, ihr seht es an meiner Körperfülle. Ich hoffe, ihr nehmt auf die langsamen und üppigen Leute Rücksicht. So wie auch bei Gunda."
    Sandra trug keinen Turnanzug, dafür eine Trainingshose und ein buntes T-Shirt mit der Aufschrift 'Pfundsmädel'.


    "Natürlich tun wir das, liebe Sandra. Du hast dich heute für uns entschieden, ein weiser Entschluss, wir danken dir. Auch darum bevorzugen wir kleinere Gruppen, damit jede von euch ihren Fähigkeiten gemäß gefördert wird", erklärte Christina.


    Eine blonde junge Frau mit blauer Caprileggings und weinrotem langärmeligen Turnanzug stellte sich vor: "Mein Name ist Franziska, ich bin 25 und war vorgestern hier bei der Harmunde, wo ich auf euch neugierig geworden bin. Ursprünglich wollte ich Gymnastiklehrerin werden, so ähnlich wie Bea und Emma, bin aber nun Bäckereifachverkäuferin geworden. Tanzen und Gymnastik sind meine Hobbys, das möchte ich hier mit euch ausüben."


    Oksana lächelte. "Schön, dass du da bist, Franziska. Wir helfen dir, deinen Wunsch können wir dir erfüllen.


    Beata fügte grinsend hinzu: "Das tun wir. Wir machen dich nämlich zur Gymnastiklehrerin. Es ist noch nicht zu spät."


    Emma meinte lachend: "Klar, Franziska, das werden Bea und ich schon deichseln. Wir kriegen das gebacken."


    Alle lachten, Franziska fühlte sich geehrt. "Ihr kriegt es gebacken? Wunderbar. Dabei bin doch ich die Bäckerin."
    Wir lachten noch mehr über den Wortwitz.


    "Übrigens, wer von euch Neuen war vorgestern auch bei der Harmunde und ist dort auf uns aufmerksam geworden?" fragte Beata neugierig.


    Es meldeten sich 10 Teilnehmer.


    "So viele, wir sind begeistert!" entfuhr es Nereida.


    Auch Beata war erfreut. "Das freut uns sehr, danke sehr! Die nächste, bitte."



    Laila trat hervor. Ihr langärmeliger Turnanzug war ein echter Hingucker, ein Farbenspiel aus Dunkelblau und Türkis mit dünnen geschwungenen schwarzen Kurvenlinien, besetzt mit Strasssteinen.
    "Ich bin Lycra thirty-five", sagte sie mit einem Lächeln, sprach dabei das Wort 'Lycra' englisch aus (laikra).


    Alle staunten über ihren rätselhaften Namen und wunderten sich. Besonders Ilka machte große Augen.
    "Du heißt Lycra 35?" fragte Ilka verblüfft.


    Laila lachte verschmitzt. "Ja. Mit vollem Namen heiße ich Laila Krah, das kürze ich gerne ab zu Lai Krah. Lycra. Nennt mich, wie ihr wollt, ich höre auf Laila, Lai oder Lycra. Die 35 steht für mein Alter. Ich möchte gerne turnen und tanzen."


    Alle lachten über dieses originelle Wortspiel. Es führte dazu, dass sich alle sofort Laila und ihren Namen merken konnten.


    "Herzlich willkommen, liebe Laila. Du wirst bei uns auf jeden Fall auf deine Kosten kommen", lächelte Christina.


    "Und ich sehe, du bist nicht nur Lai Krah, sondern trägst auch Lycra", ergänzte Ilka mit Interesse.
    Laila nickte. Sie dachte: Eine gern gepflegte Vorliebe von mir. So ähnlich wohl wie bei dir.

    Nereida freute sich über Laila und ihre Gedanken.


    Der Luxusboy starrte die ganze Zeit auf die sich vorstellenden Frauen. Das war nicht bloß gucken, sondern schon starren. Sucht der hier jemanden? dachte ich. Man müsste die Frauen mal warnen.


    So ging es weiter, alle stellten sich vor, die 'Neuen' und die 'Alten'. Die beiden galaktischen Schwestern prägten sich die Namen, Gesichter und die Geschichten der Gäste ein. Sie kannten dank Tallenna, der Mutter von Nereidas besten Freundin Perenda, eine Methode, um sich die Neuen dauerhaft zu merken. Was Beata in der Schule auch gut gebrauchen konnte. Das versetzte sie in die Lage, sich am ersten Schultag von allen Kindern einer neuen Klasse mit 20 Schülern deren Namen, Eigenarten, Kleidung und Frisuren zu merken. Auch mit den gut 30 Neuen an diesem Abend hatten Beata und Nereida keine Probleme.


    Während der ganzen Vorstellungsrunde waren alle immer in Bewegung. Die vier vom Leitungsteam turnten oder tanzten die Übungen vor, die TuFiTa machte sie nach. Es waren einfache Übungen, die man schnell begreifen konnte.


    Zwischendurch ließ Beata alle 47 im großen Kreis laufen, die Untrainierten weiter innen, die Ausdauernden außen.


    Es gab auch Partnerübungen, wo ich mit Lisa zusammen übte, Dietmar mit Ilka und Gunda mit Fabian. Wobei Fabian für Gunda eigentlich Luft war. Sie beachtete ihn gar nicht, sondern schielte oft zu ihrem Arbeitskollegen Dietmar. Der umgarnte nämlich Ilka, und umgekehrt. Der Luxusboy übte mit Kerstin zusammen. Die war, ähnlich wie Gunda, auch nicht besonders glücklich.
    Ich konnte mich auch täuschen, aber mir war so, als wenn Fabian das Turnen mit Gunda genoss.


    Beata hielt Wort, wir tanzten auch noch zusammen.
    Und da er recht einfach war, brachten wir Mitglieder der Stamm-TuFiTa den Neulingen den UV-Tanz, also die Ultimative Vereinnahmung, bei.
    Auch hier war Dietmar wieder an Ilkas Seite; und Gunda hatte das Nachsehen.


    Ich hatte den Eindruck, dass die TuFiTa XXL bei allen Anklang fand. Es war niemand schlecht gelaunt, mal von Gunda abgesehen. Und ich zog meinen Hut vor Beata und ihrem Team, dass sie die Stunde mit der vierfachen Anzahl von Teilnehmern so souverän geleitet hatten.


    Im Großen und Ganzen fand ich die Neuen ganz in Ordnung. Nur dieser Dirk Albrecht Wilhelm war recht anstrengend. Was waren seine Absichten? Anzugeben? Den dicken Max zu markieren? Auf Frauenjagd zu gehen? Es war die einzige Person, die ich unerklärlich fand. Damit traf ich auch die Meinung der Stamm-TuFiTa.


    Beata war heilfroh, nicht dauerhaft eine Massenturngruppe unterrichten zu müssen. 20 bis 25 pro Gruppe waren schon reichlich viel. Sie hoffte, dass künftig nicht noch mehr kämen. Zwar war es gut für den Verein und die Einnahmen, doch das Familiäre würde der TuFiTa verloren gehen. Das vertraute Miteinander, das war etwas, was Beata recht angenehm fand. Die TuFiTa, das war für sie eine große Familie. Nereida war derselben Meinung. Die beiden Schwestern dachten daran, mal was mit der Stamm-TuFiTa außerhalb der mittwochlichen Sportstunde zu unternehmen, damit die urspünglichen Mitglieder sich nicht übergangen fühlten.


    Manchmal springen ja welche ab nach dem ersten Mal, vielleicht reduziert sich das noch.
    Am Ende der TuFiTa am nächsten Mittwoch würde sie die Eintrittsformulare für die Neuen verteilen. Danach werden wohl auch welche fortbleiben, dachte Beata.


    Hätte man Silvia gefragt, würde sie geantwortet haben: 47 Teilnehmer fand sie viel zu viel, 25 Teilnehmer waren wohl gerade für sie noch akzeptabel. Sie hatte aber die nächste Zeit daran noch zu knabbern.


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    Ute, Marion, Femke und Silvia verließen die Herrenumkleide Raum 2, wo sie sich mangels Platz bei den Damen umziehen mussten. Die Vier gingen an den Parkplätzen vorbei zum Fahrradstand, wo sie noch miteinander plauderten.


    Auf dem Weg dahin sahen sie einen silberfarbenen Nobelwagen, der von seinem Fahrer egoistisch schief zwei Parkplätze blockierend geparkt war.


    "Hat der Benzfahrer da bei der Prüfung niemals einparken müssen oder wie?" regte sich Marion auf.


    "Anscheinend. Der hat wohl den Führerschein im Lotto gewonnen, oder?" vermutete Ute.


    Femke stimmte ihr zu. "Bestimmt."


    "Und den Benz von seinem reichen Vater, Onkel oder so", lästerte Silvia.
    Die anderen lachten.


    "Was ist das denn für ein Kennzeichen: DAW-WB 45. Wo kommt der denn her?" fragte Femke.


    "Kreis Dallenburg an der Winne. Etwa 150 Kilometer entfernt", erklärte Marion.


    Silvia horchte auf: "Wartet mal. Der Dirkiboy sagte doch, er sei aus Dallenburg."


    Für Marion war alles klar. "Aha. Wer sich so arrogant und egoistisch benimmt, parkt auch so."


    Femke schaute verärgert. "Blödmann."


    Ute kombinierte: "Hey Mädels, D.A.W., das sind doch seine gesammelten Vornamen. Und WB seine Nachnamen."


    Die anderen kicherten. "Du hast recht, Ute!"


    "Ja. Und 45 ist wohl sein Alter oder?"


    "Mag sein, Ute. Oh! Psst, ich glaube er kommt! Alle hintern Busch!" mahnte Silvia.


    Die vier Frauen verbargen sich unerkannt hinter einer Hecke in der Nähe.


    Tatsächlich kam Dirk an, entriegelte den Benz und stieg ein.
    Er startete den Motor und mit quietschenden Reifen verließ er das Parkplatzgelände.


    "So ein Idiot", schimpfte Marion, "den konnte ich von Anfang an nicht leiden."


    "Ich auch nicht", stimmte Femke ihr zu.


    "Was für ein Angeber und Lackaffe. Der gehört nicht in unsere Gruppe, finde ich", war Silvia zu vernehmen.


    Ute, geschäftig: "Genau. Wir müssen den irgendwie loswerden. Zumal der Depp sich auch noch für die 18-Uhr-Gruppe eingetragen hat."


    "Auf jeden Fall gehört er expediert", meinte Marion altklug.


    Femke kannte das Wort nicht. "Häh?"


    "Na, er gehört entlassen, weggeschickt, herausgeschmissen, ausrangiert."


    "Gut gesagt. Nur wie?" rätselte Ute.


    Die vier verfielen ins Grübeln. Ihnen fiel aber nichts Sinnvolles ein.
    "Denken wir zuhause drüber nach. Sprechen wir später drüber", schloss Silvia die Runde.


    So verließen die vier radelnd das Vereinsgelände.

  • Die Erweiterungen verstärken die Charakterzeichnung und obwohl dadurch die Geschichte noch länger wird, halte ich die Zusätze für wichtig. Bestimmt kommt das dem Verständnis der weiteren Story zu Gute.


    Noch eine Anmerkung zu Dirks Einparkfähigkeiten. Exakt gleiches konnte ich gerade am Sonntag wieder beobachten. In einer Reihe von Parkbuchten, winklig zum Straßenverlauf, schaffte es wieder einer diagonal auf zwei Plätzen zu stehen. Und wieder prangte ein Stern als Emblem auf der Kühlerhaube. Es mag ungerecht und sogar falsch sein, aber mir bestätigt sich immer wieder der Eindruck, dass überdurchschnittlich viele Fahrer dieser Marke sehr egoistisch auftreten.