Nereida Drei Staffel 2

  • toby : Na, wie denn auch, wenn es nirgendwo veröffentlicht wurde? (Oder verstehe ich etwas falsch?)


    Desi :
    Mal die Frage, da es ja schon ziemlich vorangeschritten ist. Wieviel Kapitel werden das insgesamt? Wieder etwa 111 Stück?
    Traue mich gar nicht, die neue Staffel anzufangen...
    Hast bestimmt wieder mehrere GB, achwas TB an Speicherplatz voll mit genial-neuen Ideen für Fortsetzungen und neue Staffeln :D ?

  • Danke für Eure Antworten und Fragen.
    Also:
    Ich kam bis zu Kapitel 17 (2). Es wurde im alten Forum veröffentlicht, am 20.6.19
    Am 25.6.19 brach das Forum zusammen.
    Wer auf meine privaten Webseiten schaut, findet dort auch außer Kap 17. auch noch Kap. 18, hochgeladen am 30.6.19.
    Danach habe ich pausiert. Soll heißen ich habe seit Ende Juni sieben Wochen verloren.


    Zur Frage, wieviele Kapitel werden es noch...
    Dann hole ich für euch mal die Glaskugel hervor und schau mal rein.
    Ganz schön milchig und verschwommen. Simple Antwort: Weiß ich nicht.
    Material bzw. Ideen habe ich für insgesamt bummelige 50 Folgen.
    Falls ich weitere Ideen habe, werden es eben mehr.
    Wenn ich den einen geschriebenen Seitenstrang mit einbaue, kommen auf Schlag weitere 15 Folgen dazu.
    Das Schicksal von Dirk Albrecht Wilhelm habe ich bereits beschrieben, und besiegelt.
    Ein Außenstehender der TuFiTa wird es zuerst wissen.
    Die beiden galaktischen Schwestern kriegen auch noch prägende Auftritte.
    Nereida wird etwas Neues lernen.
    Auch Xenia kam bis jetzt viel zu kurz.
    Theo und Conni ebenso. Und die mysteriöse Celine. Wer ist Kessi?
    Gunda sucht ihr Glück.
    Und einige Neue, die in Kap 17 vorgestellt werden, möchte ich auch noch weiter entwickeln.
    Wer den Prolog und Kap. 1 genau gelesen hat, kann sich denken, was auch noch kommt.
    Das letzte Kapitel von Staffel 2 existiert auch schon längst, jaja.
    In der Frühphase des Schreibens hatte ich es niedergeschrieben.
    Wenn ihr jetzt entsetzt aufschreit, entgegne ich euch, dass davor immer noch Lücken für weitere ungedachte Sachen offen sind.


    Tröstet euch, Nereida Drei Staffel 2 ist in weiten Teilen noch eine Baustelle.
    Das war mit Staffel 1 aber auch nicht anders.


    Langsam geht es voran. Was auf jeden Fall feststeht: Kap. 18 ist kurz und handelt von Theo.

  • Kapitel 18: Die Verabredung


    Donnerstag.


    Nun war er wieder einige Tage zuhause, der Alltag hatte ihn längst wieder im Griff.


    Theo stellte im Internet Nachforschungen an.
    Der Auftritt der Turngruppe mit seiner Jugendliebe war aufgezeichnet worden und bei einem viel besuchten Videoportal zu sehen. So konnte er wieder und wieder Kessi tanzen sehen.
    Oh, war sie nicht schön? Vieles drängte ihn, sie und ihre Turngruppe mal zu besuchen. Er verwarf aber den Gedanken.
    Er erkannte nämlich im Video auch Gunda, die beste Freundin seiner Ex-Frau Vanessa, und Gunda würde sein Erscheinen bei Kessi bestimmt brühwarm an seine Ex weiter erzählen.
    Und der eine Mann, der da mittanzte, war das nicht Gundas Freund Ingo? Doch, der war es. Die Welt ist doch klein.


    Theo sah sich auch die anderen Videos vom Turnfest an.
    Was er aber nicht kapierte, wieso dieser Ingo einer fremden Frau namens Lisa einen Antrag machte. Und das im Beisein von Ingos Freundin Gunda? Er war doch mit ihr zusammen, oder nicht? Manches muss man nicht verstehen...


    Die Ansprache von Sweliana, dieser älteren Dame, faszinierte ihn. Ihre Sätze - einfach, aber auf den Punkt gebracht. Eine Philosophie, die dieser Welt gut tun würde, sollte sie danach handeln.
    Harmonie, ja das war ein guter Gedanke, das könnte er in seinem Leben auch dringend brauchen.
    Das könnte man im Auge behalten.


    Und dass diese wohl Siebzigjährige einfach so unbeschwert Leggings und Turnanzug trug, ließen seine Achtung vor ihr noch weiter wachsen. Und er mochte den Klang ihres Namens. Sweliana, darunter stellte er sich eine Königin vor. Ihre Majestät Königin Sweliana I. von Harmonien.
    Nur dass Herrscherinnen natürlich keine Turnanzüge trugen, so seine Vorstellung.


    Seine Gedanken wanderten zu Conni.


    Er tippte eine Textnachricht: "Hey Conni. Hast du heute Abend um 21 Uhr Zeit und Lust zum Telefonieren? Ich möchte dich anrufen. Viele Grüße vom Wandersmann Theo" und schickte sie ab.


    Keine zehn Minuten danach kam bereits eine Antwort: "Gerne. Freue mich auf dich. Bis dann. LG Conni."


    Die Vorstellung, mit Conni, der Lycrafrau, an diesem Abend zu klönen, hob Theos Stimmung deutlich, als er zur vereinbarten Zeit sein Telefon nahm und ihre Nummer wählte.


    Die beiden plauderten lange. Dabei kamen sie auf ein gemeinsames Hobby, das Kochen. Sie hatten dafür ja bereits locker ein Treffen angedacht, als sie sich zu dritt in den Alpen trafen. Nun vereinbarten sie ein Treffen am Samstag bei Conni daheim.

  • " Ihre Majestät Königin Sweliana I. von Harmonien", klasse Adelstitel.
    Bestimmt zählt sie zum Geschlecht derer "von und zu Lycra".


    Gunda scheint das Bindeglied zwischen Theo und der noch immer mysteriösen "Kessi" zu werden.
    Eine aufreibende Beschäftigung zu mutmaßen, wer von der TuFiTa sich letztlich als Kessi herausstellen würde. (Bitte nicht zu früh auflösen).
    Kein Wunder, dass er die geänderten Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Gunda und Ingo nicht kennt, wenn er sie schon ewig nicht mehr getroffen hat.


    Aber zunächst müssen sich Theo und Conni erst mal näher kommen. Ein Schwätzchen? Ein Gläschen? vielleicht etwas zu Essen?...

  • Danke lycwolf und toby.
    Swelianas "adliger" Titel war eine Spontanerfindung.
    Ihr eigentlicher Titel ist ja "Oberste Bewahrerin der Harmonie".
    Richtig erkannt, Gunda ungleich Kessi.
    Ja, das Treffen von Theo bei Conni rückt näher. Da geht einiges.
    Dass Theo Ingos aktuellen Beziehungsstatus nicht kennt, liegt daran, dass er mit Gunda in den letzten Monaten kaum Kontakt hatte.


    Noch ein Nachtrag zu Kap. 17 TuFiTa XXL, das hatte ich vergessen zu veröffentlichen:
    Ein paar Agnetha-izismen erklärt.
    zwanzigacht, 28, ist die wörtliche Übersetzung des schwedischen Wortes tjugoåtta, ausgesprochen ungefähr chügo-otta.
    ursäkta, ausgesprochen ungefähr ühschäkta, bedeutet "Entschuldigung".
    Tack så mycket, ausgesprochen ungefähr takk so mücke (å in så augesprochen wie 'o' in Zoll), wörtlich Danke-so-viel, bedeutet "Vielen Dank"


    Theo kommt zurück, aber zuvor kommt aber noch ein anderes Kapitel dazwischen:
    Kapitel 19: Dietmar findet etwas

  • Kapitel 19: Dietmar findet etwas


    Donnerstag Vormittag (und Mittwoch Spätabend)


    Dietmar und Gunda saßen wieder zusammen in ihrem Büro, arbeiteten gemeinsam an dem Projekt, wie auch schon die Tage zuvor.
    Doch heute war irgendwie der Wurm drin.
    Der Testlauf des Programms klappte nicht.
    Es lag daran, dass Fehler im Programm steckten. Nur sie wurden nicht fündig.


    Gunda war nicht recht bei der Sache, sondern bei dem vorigen Abend.
    Sie hoffte, dass Dietmar sich ihr annähern würde. Aber dann kam ja diese Ilka von der Seite an und hat sich für ihn interessiert.
    Mehrmals versuchte sie sich am vorigen Abend noch bei ihm einzuschmeicheln, aber das wollte nicht so recht klappen.
    Was hatte er bloß an dieser Ilka gefunden?
    Gunda seufzte, fand keine Lösung für dieses Problem. Und auch nicht für den Fehler im Programm.


    Dietmar hatte den Abend genossen, freute sich, dass er Gunda in ihrer Turngruppe überraschen konnte.
    Und er war noch begeisterter von Ilka, jener Turnerin in einem rosa Turnanzug, seiner Lieblingsfarbe.
    Bei den Partnerübungen unterhielten sich die beiden, und bekamen unter anderem heraus, wo der jeweils andere arbeitete.
    Er erfuhr, dass sie in einem kleinen Laden in Obertupfingen arbeitete, wo Kleinkram, Trödel, Tand und alternative Mode verkauft wurde.
    Und da er ihre Anwesenheit als sehr angenehm empfand, wollte er in der Mittagspause mal dahin fahren, um sie zu besuchen.


    Am Ende des Mittwoch-Abends hatte er sogar noch einen weiteren Grund dafür.
    Nachdem die Turnstunde vorbei war, hatte er sich noch lange mit Ingo unterhalten, über Ilka, über Gunda, über den Abend. So kam es, dass die beiden die letzten in der Turnhalle waren.
    Dietmar kam bei Ingos Kontrollgang durch die Halle mit. Auch die Umkleideräume wurden beäugt, ob die Fenster geschlossen waren und alles andere auch in Ordnung war.


    In dem einen Frauenumkleideraum fiel Dietmar schließlich etwas auf, als er sich bückte. Irgendwas lag auf dem Boden.
    Er näherte sich dem Objekt. Es war ein Stück Textil aus Lycra, das hinter die Sitzbank zu Boden gefallen war, von oben nicht sichtbar.
    Als er es aufhob, durchfuhr ihn ein Schaudern. Es war ein Turnanzug!
    Er faltete ihn auseinander. Ein rosa Turnanzug, mit Brustraffung.
    Solch einen konnte nur eine Frau getragen haben.
    Dietmar durchfuhr es heiß und kalt, als es ihm bewusst wurde.
    Das war Ilkas Turnanzug! Er hielt Ilkas Turnanzug in den Händen!


    Sie glaubte wohl, sie hatte ihn in ihre Tasche eingepackt, hatte deswegen nicht unter die Sitzbank geschaut, als sie ging.


    Er strich die Ärmel entlang. Ein tolles Gefühl!
    Als er daran roch, stieg ihm der Körpergeruch von Ilka in die Nase. Herrlich.


    Was damit tun?
    Für Dietmar war die Sache klar: Er persönlich musste den Turnanzug der Eigentümerin zurückbringen, und zwar gleich am nächsten Tag. Damit könnte er sich ein Stückchen mehr ihre Sympathie erwerben.
    Er schaffte es, von Ingo unbemerkt, den Anzug in seine Sporttasche zu schmuggeln, mittels einer extra Tüte.


    Ingo und Dietmar verließen die Halle, verabschieden sich voneinander.


    Dietmar fuhr nach Hause, mit Ilkas Turnanzug im Gepäck.
    Zuhause duschte er sich noch kurz ab, machte sich bettfertig. Er steckte seine schwitzigen Klamotten in den Schmutzwäschekorb.


    Mit dem Inhalt der kleinen Extratüte begab er sich zu Bett.
    Er holte Ilkas Turnanzug heraus, betrachtete ihn von allen Seiten,
    stellte sich die Trägerin in dem Anzug vor, dass sie nun vor ihm stand.


    Sollte er ihn mal anziehen?
    Dietmar dachte paarmal drüber nach.
    Schweren Herzens ließ er davon ab. Er hatte Angst, den Anzug beim Anziehen kaputt zu machen.
    Und er befürchtete, dass sein Körpergeruch sich auf den Anzug übertragen würde, und Ilka alarmiert reagieren würde.
    So beließ er es damit, den Anzug auf sein Kopfkissen zu legen.
    Mit dem herrlichen Gefühl des glatten Stoffes und mit Ilkas angenehmen Körpergeruch in der Nase schlief er schließlich ein.


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    Am Donnerstag Morgen steckte er Ilkas Turnanzug, der zum Glück immer noch nach ihr roch, in eine Tüte, verstaute sie gut und tief unten in seiner Arbeitstasche und ging gut gelaunt zur Arbeit. Dort dachte er fast die ganze Zeit an Ilka.


    Dietmar und Gunda saßen nun zusammen und versuchten den Fehler im Programm zu finden, was nicht klappen wollte.
    Gunda überlegte, ob sie ihm Vorwürfe machen sollte, dachte dann aber daran, dass sie die Farbe seiner Leggings gestern Abend nicht mochte und ihm das auch deutlich sagte, wodurch er sich bestimmt und zu Recht abgeschreckt fühlte.
    Aber ein wenig Hoffnung hatte sie sich schon gemacht. Er sollte auf jeden Fall nicht ohne Schuldgefühle aus der Nummer kommen.
    "Dietmar?"


    "Ja?"


    Sie druckste ein wenig herum.
    "Ich hatte mir gestern gewünscht, dass du auch mit mir mal zusammen turnen würdest", brachte sie schließlich ihren Kummer hervor.


    Da fiel es Dietmar erst auf, warum Gunda heute so anders war als noch die Tage zuvor. Gundas Plan ging auf, es tat ihm leid.
    "Entschuldige bitte, dass ich daran nicht gedacht hatte. Als du meine rosa Leggings kritisiert hattest, dachte ich, du möchtest nicht mit mir zusammen turnen."


    Kleinlaut erwiderte sie: "Doch. Und du hast mir gesagt, dass du meinen blauen Turnanzug magst. Darüber habe ich mich gefreut."
    Sie blickte ihn aus ihren großen Augen an.


    Er erkannte nun, dass seine Arbeitskollegin sich Hoffnung auf ihn gemacht und er sie stehen gelassen hatte.
    Dass er ihren blauen Turnanzug mochte, hatte er eher aus Höflichkeit gesagt. Er wollte es sich aber nicht mit ihr verscherzen, da sie ja tagtäglich miteinander auskommen mussten.
    Der Umgang mit ihr war nicht immer einfach. Er kannte sie ja schon einige Wochen lang. Sie hatte auch ihre Macken.
    Aber mehr für Gunda empfinden? Dietmar musste sich eingestehen, dass da nichts war.


    Wenn er aber an Ilka dachte, fühlte er für sie mehr als für Gunda.
    Allerdings wusste er nicht, wie Ilka sich im Alltag verhalten würde. Bei Gunda wusste er es ja.


    Ein wenig tat Gunda ihm auch leid. Schwierige Nummer, dachte er.
    "Ich turne nächsten Mittwoch auch mit dir, ja?" versuchte er sie aufzumuntern.


    Ihre Laune schien sich ein wenig zu bessern. Aber nur ein wenig. Sie schien ihm wohl nicht recht zu glauben.


    ----------------------


    Trotzdem wollte bzw. musste er heute zu Ilkas Laden. Er konnte es kaum abwarten.


    Um halb eins kam Ingo und holte Gunda zur Kantine ab. Als sie außer Sichtweite waren, zog Dietmar mit der Tüte von dannen.
    Ziel: Der kleine Laden 'Bei Tanja'.


    Mit klopfenden Herzen betrat Dietmar den Laden.
    Viele Kleinodien und Nippes-Sachen breiteten sich vor ihm aus.
    Bunte Wäschestücke lagen nett drapiert in Regalen.
    Es roch ein wenig nach orientalischen Gewürzen, welche ebenfalls feilgeboten wurden.
    Dutzende leere kleine Gefäße warteten auf Käufer.
    Es gab ein Regal mit kleinen sitzenden Buddha-Figuren, die meisten lächelten. Ihm gefiel am besten der mollige grinsende Buddha.
    Ein paar Windspiele klimperten leise vor sich hin, als sich ihm eine orientalisch anmutende Frau in einem Gewand aus leuchtenden Farben näherte, was man eher in Indien als in Deutschland vermutete. Sie sah aus wie aus einem Bollywood-Film entsprungen.
    Sie legte ihre Handflächen in Brusthöhe zusammen, beugte ihren Kopf zum Gruß leicht vor und sprach mit leichtem Akzent: "Namasté, kann ich Ihnen helfen?"


    "Guten Tag. Ich möchte mit Ilka sprechen."


    "Sie arbeitet hinten im Büro. Wen darf ich melden?"


    "Dietmar."


    "Bitte nehmen Sie Platz." Sie wies auf einen bequemen Sessel am Rand. "Kleinen Augenblick bitte."
    So verschwand die Frau nach hinten, er hörte ein kurzes Gespräch zweier Frauen, ohne den Inhalt zu verstehen.
    Er überlegte noch, sich zu setzen. Der Sessel hatte etwas einladendes.
    Zu einer Entscheidung kam es nicht mehr, denn dann kam sie. Ilka.


    Gewandet in einer - wie könnte es anders sein - rosa-blauen Bluse über rosa Leggings.
    Sein Herz schlug höher.


    "Dietmar!"
    Ihre Augen leuchteten. Sie umarmte ihn kurz, man sah ihr sichtlich an, dass sie sich über sein Kommen freute. Und ihm gefiel ihre lockere Art und der Duft ihrer Kleidung.


    "Hallo Ilka! Ich wollte dich doch mal besuchen, jetzt in meiner Mittagspause."


    "Oh wie schön! Freut mich, dass du da bist! War doch nett gestern."


    "Fand ich auch. Hat mir sehr gefallen."


    "Mir auch."


    "Kommst du nächsten Mittwoch wieder?"


    "Ja, klar. Allerdings ist mir gestern spätabends was Blödes passiert, das muss ich dir erzählen."


    "Was denn?"


    "Ich muss irgendwo zwischen der Sportstunde und zuhause meinen rosa Turnanzug verloren haben.
    Ich wollte vor fünf Minuten noch beim Verein anrufen, ob sie ihn dort gefunden haben. In dem Moment kam Saraswati zu mir."


    "Saraswati?"


    "Das ist meine indische Kollegin. Du hast eben mit ihr gesprochen, sie teilte mir mit, dass du da bist."


    "Achso."


    Fast wie gerufen kam Saraswati aus dem Hinterbüro mit einem Karton. Dietmar wandte ihr den Blick zu.
    Sie lächelte, packte die Ware aus und legte sie sachte und vorsichtig in ein Regal. Ihre Bewegungen hatten etwas Leichtes, Graziles.


    Dietmar staunte, kam wieder auf Ilka zurück.
    "Zu deinem anderen Problem mit dem Turnanzug, da glaube ich, dass ich dir helfen kann."


    Sie schaute ungläubig. "Wie das denn?"


    Er nahm seine Tüte, hob sie hoch, öffnete sie. "Schau mal hinein."


    Ihre Augen wurden immer größer:
    "Das ist ja mein Turnanzug! Du hast ihn mir mitgebracht!"


    "Auch darum bin ich gekommen."


    Ilka strahlte. "Oh, du bist ein Schatz! Lass dich mal umarmen."
    Sie umarmte den verblüfften Dietmar und gab ihm ein kleines Küsschen auf die Stirn.


    "Aber woher hast du denn meinen Turnanzug? Wo war er?"


    Er erzählte von der Runde mit Ingo am Abend, und wo er ihn fand.
    Ilka freute sich sehr über seinen Besuch und ihren wiedergefundenen Turnanzug. Beide plauderten noch ein wenig.
    Sie musste aber recht bald wieder an ihren Schreibtisch, und auch Dietmars Mittagspause war fast vorbei.


    Beide vereinbarten ein Treffen am Sonntag im Eiscafé Thomsen.

  • Als Lycra-Fan kennt man das. Findet man etwas aus seinem Lieblingsmaterial, ist man stets in Versuchung es anziehen zu wollen. Als könnte man dadurch dasselbe fühlen wie die vorherige Trägerin.
    Ob Ilkas Anzug zufällig liegenblieb, oder etwa gewollt? Bei letzterem wäre aber nicht sicherzustellen gewesen, dass Dietmar der Finder ist.


    Gunda ist schon wieder zu spät dran. Sie hat ein schlechtes Timing (Oder schlechtes Karma - vielleicht sollte sie sich mal von Saraswati beraten lassen?). Jedenfalls ist sie endlich soweit sich für Dietmar zu interessieren, der aber mittlerweile Gefallen an Ilka gefunden hat.


    Das gibt bestimmt noch Verwicklungen.

  • Tja Gunda. Aber es gehören halt immer zwei dazu :roll: Und so direkt unter Kollegen würde ich ja Gunda auch davon abraten...
    Ich glaube übrigens, Ilka hat den Anzug nicht absichtlich liegengelassen.
    Freu mich schon auf die nächste Folge, bin gespannt...

  • Ihr beide habt schon Recht. Ilka hat den Anzug nicht absichtlich liegen lassen.
    Gunda hat das Nachsehen. Sich in einen Kollegen zu verlieben ist auch keine gute Idee.
    Irgendwas anderes wird schon passieren.
    Bevor Dietmar und Ilka auftreten, ist erst mal wieder Theo dran.
    Kap. 20 wird höchstwahrscheinlich heißen: Die Lasagne.


    Da jetzt ganz neue, unveröffentlichte Folgen anstehen, werden die Intervalle der Veröffentlichung wieder deutlich größer werden.

  • Kapitel 20: Die Lasagne


    Samstag Mittag.


    Theo freute sich. Er würde heute Conni wiedersehen. Da nahm er in Kauf, dass Celine ebenfalls mit dabei war.


    Gut gelaunt zog er los, fuhr im Cabrio über die Autobahn und Landstraßen, hin nach Leckingsruh, einer Kleinstadt in einem weiten Tal.


    Conni wohnte in einem Reihenhaus in einem ruhigen Viertel abseits der Innenstadt.


    Sie begrüßte Theo herzlich, als er kam. Auch Celine lächelte.


    Die drei setzten sich erst mal hin und plauderten ein wenig über die vergangenen Tage, zum Beispiel über Theos restliche Wandertour.
    Die Erlebnisse in der Harmunde von Kassel ließ Conni aus.


    Die drei begaben sich in die Küche, wo sie mit den Vorbereitungen für ihr Kochen begannen.
    Es sollte Lasagne geben.


    Da geschah Celine ein Missgeschick:
    Als sie sich umdrehte, stieß sie unabsichtlich mit ihrem Ellenbogen die geöffnete Packung mit den Lasagne-Blättern vom Tisch. Den Aufprall auf dem Boden überlebten die noch starren Blätter nicht, alle zerbrachen sie.
    "Oh nein, wie ungeschickt von mir", rief sie betroffen, "die können wir nicht mehr benutzen!"
    Kleinlaut kam sie bei Conni an:
    "Liebe Conni, hast du zufällig noch eine weitere Packung Blätter da?"


    "Leider nicht. Dann müssen wir eben was anderes kochen."


    "Ach nein. Ich bin schuld. Ich habe es eingebrockt. Ich leiste dir Ersatz."


    "Was willst du tun?"


    "Ich fahre zum Supermarkt und kaufe neue."


    "Willst du das echt tun? Du müsstest aber in den Nachbarort Inköbingen fahren, hier gibt es sie nicht."


    "Das mache ich", sagte Celine bestimmt, "Ich kaufe auch Tomaten und Milch. Davon haben wir auch nicht mehr genug. Wenn was fehlt, schreibt mir eine Textnachricht oder ruft mich an."


    "Danke Celine."


    Damit machte sie sich auf, zog ihre Jacke an und verließ Connis Haus. Die beiden hörten wenig später Celines Wagen wegfahren.


    Theo und Conni waren allein.


    Sie begann: "Stell dir vor, ich habe in Kassel vier von den Dornbirner Tänzern getroffen!"


    Er war wie elektrisiert. Womöglich war eine davon Kessi?
    Nein, Kessi war nicht darunter.
    Sie erzählte kurz von Sweliana, Xenia, Leo und Arnold, wie sie sie in der Innenstadt hatte tanzen sehen. Und abends von der Harmunde.


    "Und dann hat mir Sweliana einen Turnanzug und Leggings geschenkt!"
    Conni verschwieg die Umstände, wie sie zu den neuen Kleidungsstücken kam. Sie hätte es ihm nicht erklären können.
    Erstens wieso Sweliana überhaupt darauf kam, und zweitens, auf welche Art und Weise sie es durchführte.
    Conni hielt Sweliana für eine Menschenkennerin, gar eine Art Magierin oder Illusionskünstlerin, die ihre Tricks nicht verriet.


    "Das hat sie getan? Kann ich die Sachen mal sehen?"


    "Das hat sie. Klar, komm mit, ich zeige sie dir."


    Beide gingen in Connis Schlafzimmer ein Stockwerk höher. Sie öffnete eine Schublade, nahm ein rotes und ein schwarzes Stück Stoff heraus, entfaltete sie.
    Theos Augen wurden groß. Er befühlte die Sachen, weich und anschmiegsam glitten sie durch seine Hände.
    "Ein tolles Gefühl! Ziehe sie doch mal an, Conni."


    "Soll ich? Und wenn Celine wiederkommt?"


    Theo überlegte kurz.
    "Sie braucht mindestens 30 Minuten, und ist nun 15 Minuten weg. Ich trickse sie aus, warte mal. Dann haben wir genug Zeit für deine Neuerwerbungen. Lass mich mal machen."


    Conni war neugierig, was er vorhatte.
    Er nahm sein Mobiltelefon, wählte Celines Nummer, stellte auf große Lautstärke, damit Conni mithören konnte.
    "Hallo Celine, wir brauchen noch was."


    "Da hast du aber Glück gehabt, ich sitze im Auto, habe alles gekauft und wollte gerade den Motor anlassen. Bin hier in Inköbingen beim Kedea-Markt. Was brauchst du denn?"


    "Rinderhack, 250 Gramm."


    "Hatten wir nicht welches da?"


    "Es ist leider schlecht geworden, wir mussten es wegkippen", log Theo, "das war vorhin nicht sichtbar."


    "Gut, dass du es gemerkt hast. Ich gehe noch mal in den Laden. Es kann aber dauern, da an der Fleischtheke viel los ist. Schätze nochmal weitere 15 Minuten dazu."


    "In Ordnung, wir warten dann. Tschüss Celine."


    "Tschüss Theo."
    Sie legten auf.


    Theo grinste. "Conni, wir haben weitere 15 Minuten! Sie ist beim Kedea-Markt, wollte gerade losfahren, ich habe sie noch mal in den Laden geschickt. Unser Hack- ist 'leider' schlecht geworden."


    "Du sollst nicht lügen, Theo", imitierte Conni Celines Prediger-Stimme, um dann zu lachen, "du bist mir ja einer. Eine Notlüge ist aber erlaubt. Danke!"


    Er grinste.


    Hellauf begeistert meinte sie:
    "Gut. Dann ziehe ich die Sachen mal geschwind an. Würdest du draußen warten?"


    "Ja."
    Theo verließ Connis Schlafzimmer, schloss die Tür. Er ging kurz in die Küche, um das taufrische unverdorbene Hack in einen Gefrierbeutel zu stecken und in Connis Gefrierschrank unter alle anderen Beutel zu verstecken. Ein wenig vom Hack streute er als Tarnung in den Mülleimer, der schon mit anderen Unrat gut gefüllt war. Schnell kehrte er zurück.


    Conni zog sich rasch um, öffnete nach 2 Minuten die Tür, bat ihn herein. "Schau mal. Wie gefällt dir meine neuen Sahnestücke?"


    Er betrat das Schlafzimmer, betrachtete sie genau. Ein Prachtmädel, die Conni! Seine Faszination stieg von Sekunde zu Sekunde.
    Die roten Leggings und der schwarze Turnanzug folgten wie fließend ihren Kurven. Nirgends eine Falte zu sehen. Diese Sweliana muss ein gutes Augenmaß haben, und echt die richtige Größe ausgesucht haben. Aber wo war denn die Naht? Das gibt's doch nicht, keine Naht zu sehen. Wie geht das denn? Egal.
    "Conni, du siehst darin fabelhaft aus. Dreh dich mal."


    Sie tat wie geheißen. Sie deutete eine Gymnastikübung an, lächelte ihn an.


    Er war restlos begeistert.
    "Einmalig! Darf ich dich berühren?"


    Sie nickte nur, setzte sich auf ihr Bett. Er kniete vor ihr, fuhr mit seiner rechten Hand ihre glänzende Leggings entlang, vom Knöchel die Außenseite hoch. Sie atmete schneller.


    "Ja!", hauchte sie.


    "Fühlt sich stark an", bekannte er. Sie nickte.


    Seine Hand fuhr über ihre Hüfte, auf ihren Bauch.
    Er zögerte.
    "Weiter, höher", forderte sie.


    Theo hielt ihren vorderseitigen Oberkörper noch für eine Tabuzone. Er umschiffte ihren Oberkörper, als seine Hand auf ihren Rücken glitt. Er spürte dort den Tüllbereich und die Strasssteine, arbeitete sich nach oben hoch, bis seine rechte Hand ihre linke Schulter erreichte.
    Mit seiner linken Hand fuhr er sachte an ihrem rechten Arm hoch.
    Schauder durchfuhren Conni, sie lächelte verzückt. Sie ließ sich von ihm verwöhnen. Es kribbelte so schön!


    Seine linke Hand erreichte ihre Schulter. Er stand auf, sie tat es ihm nach.
    Theo drückte sie schließlich sanft an sich, gab ihr ein kleines Küsschen auf die Stirn.


    Conni fühlte sich geborgen. Sie merkte Theos Hände auf ihrem Rücken, wie sie ihren Turnanzug berührten und seufzte wohlig.


    Schließlich ließ er von ihr ab, blickte sie erfreut an.
    "Du fühlst dich sehr gut an. Einzigartiges Material", bekannte Theo.


    Sie nickte. "Davon bin ich auch restlos begeistert. Schade, dass du kein Lycra anhast. Dann hätten wir noch mehr Spaß gehabt."


    "Wohl wahr. Ich ahnte ja nicht, dass wir alleine sein würden. Ich dachte, Celine wäre immer um uns herum. Aber ich traute mich eben nicht, noch weiter zu gehen. Ich hielt es für anständig, erst mal einen Bogen um die, wie soll ich sagen, heiklen Teile zu machen."


    Conni seufzte. "Ich habe es gemerkt. Einerseits habe ich es mir gewünscht, dass du ALLE meine Bereiche berührst."
    Ein wenig erleichtert fuhr sie fort: "Andererseits merkte auch ich, dass ich noch nicht soweit bin, und war über deine Zurückhaltung doch froh."


    "Dann bist du ab jetzt aber meine Lycrafreundin."


    Conni lachte. "Klar, das bin ich. Nicht Geliebte, aber Lycrafreundin."


    Beide umarmten einander, fühlten den glänzenden Stoff von Connis Leggings und Turnanzug.


    "Unsere Lebensmittellieferantin müsste bald kommen", bemerkte Theo plötzlich.


    Conni geriet in Eile. "Oh ja, du hast Recht, ich ziehe mich schnell wieder um!"


    Theo ging in die Küche und stellte die Zutaten für die Bechamelsauce zusammen. Aber die Milch fehlte noch.
    Conni folgte ein wenig später, holte das Olivenöl für die Auflaufform, bereitete die Zwiebeln und Möhren für die Sauce vor.


    Gerade rechtzeitig, denn soeben fuhr Celines Auto die Auffahrt hoch.


    Celine hatte alle Zutaten bekommen, lächelte zufrieden.
    Conni und Theo lächelten auch. Es blieb aber ihr Geheimnis, warum.


    Celine kümmerte sich um die Bolognesesauce, sie briet das Hack an, gab Möhren, Zwiebeln dazu.
    Theo ergänzte das Tomatenmark und die Tomaten. Das Ganze köchelte vor sich hin.
    Als die Soße vom Feuer geholt wurde, würzte Celine sie mit frischem Basilikum und ein wenig Oregano.


    Conni stellte die Bechamelsauce her. Sie zerließ Butter in einem Topf, gab Mehl hinzu, rührte stetig darin. Theo gab langsam die Milch hinzu, während Conni am Rühren war. Allmählich kochte die Sauce auf und wurde dicklich. Ein wenig Salz hinzu - perfekt.


    Gemeinsam schichteten sie abwechselnd die Lasagneblätter, die Bolognesesauce und Bechamelsauce in der Auflaufform aufeinander.
    Auf die oberste Schicht (Bechamelsauce) gaben sie frisch geriebenen Käse hinzu.


    Die Auflaufform verschwand für eine halbe Stunde im 180°C heißen Ofen.


    Zeit zum Plaudern.
    Theo fragte Celine, woher sie so versiert im Kochen war.


    Celine lächelte und meinte, den Grundstock hatte ihre Mutter gelegt, bei der sie sich viel abgeguckt hatte.
    Sie lernte Hotelfachfrau im Hotel 'Zur Tupfe' in Obertupfingen, wo sie sich weitere Kenntnisse aneignete; zog später fort, wechselte zweimal die Arbeitsstelle. Auch da lernte sie hinzu.
    Und privat informierte sie sich auch bei diversen Kochseiten im Internet. Sie redete munter weiter, bis der Ofen ein Signal gab.


    Die Lasagne war gelungen! Sie schmeckte vortrefflich.
    Alle bekannten, wie gut die Zusammenarbeit war.


    Conni kam auf die Idee, mal zusammen schwimmen zu gehen.
    Theo war sehr aufgeschlossen, beide vereinbarten ein Treffen an einem bestimmten Samstag 11 Uhr im Freibad in Uminghausen. Celine wollte nicht dabei sein. Denn sie mag sich nicht hauteng bekleidet zeigen.


    Alleine mit Conni, was für ein Glück, dachte er.

  • Heiß! - Und das nicht nur vom kochen.


    Eine Schande, dass Celine zu früh zurück kam (Aber bestimmt haben die Beiden noch ein andermal Gelegenheit).
    ist der schwarze Turnanzug ein Modell nach dem Namen der Turnfee?
    Da Theo und Conni ihren Appetit aufeinander noch nicht stillen konnten, mussten sie halt mit Lasagne vorlieb nehmen. Nicht die schlechteste Alternative.


    "Nein, Kessi war nicht darunter." - Da bin ich mir noch nicht so sicher. Alle Anderen müssen ja nicht zwangsläufig den Kosenamen kennen. (Es bleibt spannend)


    So wie ich dich kenne, gibt es wohl die Orte wirklich. Wobei "Leckingsruh" fast schon ein wenig anstößig erscheint. :D


    Da fällt mir gerade ein, ich glaub ich muss heute auch noch in den "Kedea"-Markt zum Einkaufen. ;)

  • Danke lycwolf und toby für eure Rückmeldungen.
    Naja, ich habe ja Celine das Missgeschick passieren lassen, damit Theo und Conni sich näher (kommend) kennenlernen.
    Und Theo hat ja durch seinen Anruf weitere Zeit gewonnen.
    Die beiden werden noch mehr Zeit füreinander haben. Siehe den letzten Absatz von Kap. 20.


    Ja, Connis schwarzer Turnanzug ist der Nereida-3, siehe Kap. 14.


    Für die Lasagne habe ich Kochseiten durchstöbert und meine bessere Hälfte konsultiert. Das Kapitel ist also auch kulinarisch wertvoll.


    Zum Thema Namen:
    Die Namen der Supermärkte Kedea und Ladi sind ja bloß Anagramme, habt ihr ja leicht entschlüsselt.
    Die Ortsnamen sind erfunden. Ich habe vorsichtshalber selber im Internet danach gesucht.
    Beim Namen Leckingsruh habe ich noch nicht mal an anstößige Dinge gedacht.
    Der erste Bestandteil ist doch bloß der nun geläufige, ein wenig verfremdete Ausdruck für eng anliegende glänzende Gymnastikhose.
    Und Inköbingen... ja, ich als Kind des Nordens teile euch mit, dass 'inköpen' (plattdt.) nur 'einkaufen' bedeutet.
    Das ist ja das, was Celine dort auch tut. Der Ort hat sonst keine Bedeutung.


    Mit Theo, Conni und Celine ist jetzt erst mal wieder Pause. Der Fokus geht zurück nach Obertupfingen, Wochentag Sonntag. Ein Treffen wurde anberaumt.

  • Kapitel 21: Der Nerdbecher


    Sonntag Nachmittag.


    Dietmar freute sich schon die letzten drei Tage auf das Treffen mit Ilka. Seiner Kollegin Gunda erzählte er nichts davon. Die musste das nicht wissen.
    Er war guter Laune, fand sogar noch am Donnerstag Nachmittag den Programmfehler in Gundas Programmcode. Obwohl er dauernd an den Sonntag dachte.


    Er stellte sich immer wieder mal vor, wie Ilka wohl aussehen, wie sie gewandet sein würde.
    Hoffentlich hat sie was in Rosa an.
    Er selber trug eine dunkelblaue Leggings und ein rosa Lycrashirt.
    Das Shirt bekam er in keiner Boutique, und er musste es im Internet bestellen, für die passende Farbe und Größe.


    Er fuhr mit seinem Wagen bis vors Eiscafé Thomsen, wo er sogar auch direkt vorm Lokal einen Parkplatz bekam. Er hatte damit nicht gerechnet, das war war nicht selbstverständlich an einem sonnigen Sonntag Nachmittag. Das brachte ihm nun zehn Minuten Vorsprung ein.
    Zuerst ließ er seinen Blick über die ganzen Tische schweifen.
    Sie waren zu gut drei Viertel gefüllt. Das Thomsen war ein angesagter Ort für Jung und Alt, lag malerisch gelegen direkt am Fluß Tupfe.
    Einmal ging er durchs ganze Café, aber keine Ilka war zu erspähen.
    Als er wieder beim Eingang angelangt war, bog ein rosa Schatten um die Ecke und lachte.


    Er grinste zurück.
    "Hey Ilka, schön, dass du gekommen bist!"


    "Ich freue mich auch, Dietmar."


    Die beiden umarmten einander kurz.


    "Schick siehst du aus."
    Sie trug eine weiße weite Hose und eine rosa Bluse mit Viertelärmeln, hatte ihre Haare wieder zum Pferdeschwanz gebunden. Etwas verdächtig eng anliegendes glänzend rosa Schimmerndes bedeckte ihre Arme.


    "Danke, Dietmar. Dein Shirt gefällt mir aber auch."


    Beide grinsten.


    Er zeigte zum Fluss. "Dahinten direkt an der Tupfe ist noch ein Tisch frei, wollen wir dahin?"


    Sie nickte. Beide nahmen Platz. Gerade noch rechtzeitig, denn nur wenig später zogen weitere Gäste vorbei, auf der Suche nach einem der begehrten Plätze am Fluss.


    Ilka und Dietmar betrachteten das Treiben auf der Tupfe. Ein paar Kanufahrer paddelten vorbei. Sie trugen rot-weiße Shirts, gehörten zur Wassersportgruppe des TSV Obertupfingen.
    "Der da im Kanu kommt mir bekannt vor", grübelte sie, deutete in die Richtung des einen Sportlers.
    Dietmar schaute angestrengt hin, dann kam ihm die Erkenntnis: "Das ist Fabian! Er war doch auch am Mittwoch bei der TuFiTa dabei."


    "Daher kenne ich ihn", fiel bei Ilka der Groschen.
    Und laut: "Hey, Fabian!"


    Der Angesprochene bemerkte die beiden, erkannte sie, rief: "Hallo Ilka, Dietmar! Geht's gut?"


    "Klar", riefen beide, "wir machen uns einen schönen Nachmittag. Und wie geht's dir?"


    "Auch wunderbar. Genießt den schönen Sonntag!"


    "Danke, gleichfalls!"
    Fabian winkte noch mal, dann zog ihn die Strömung weiter. Sie schauten ihm ein wenig hinterher, dann trafen sich wieder ihre beiden Blicke.


    "Lust auf einen Eisbecher? Ich lade dich ein, Ilka."


    "Au ja, danke! Was empfiehlst du denn?"


    "Ich nehme heute mal einen Eisbecher mit drei Kugeln, und zwar Erdbeere, Pfirsich und Marzipan; dazu frische Himbeeren, Schlagsahne und Schokosoße, garniert mit einer kleinen Waffel und mit einem kleinen rosa Schirmchen darauf."


    "Klingt sehr originell, seltsam und außergewöhnlich, hat der Becher einen Namen?"


    Er wollte sie ein wenig necken und erfand kurzerhand einen Namen: "Das ist ein Nerdbecher."
    Er spielte auf den manchmal seltsamen Geschmack eines Programmierers an und glaubte, dass sie ihn durchschauen würde.


    Just in dem Moment kam ein Kellner vorbei und fragte nach ihren Bestellwünschen.
    Ilka strahlte und rief unverzüglich: "Zwei Nerdbecher bitte."
    Sie hatte es ihm tatsächlich abgenommen...


    "Wie bitte?" fragte der Kellner verdutzt. Ilka war auch erstaunt.


    Dietmar wollte Ilka nicht dumm da stehen lassen. Er verzog keine Miene, antwortete ganz cool, als hätte der Kellner das wissen müssen, in einem belehrenden Ton: "Das ist ein Eisbecher mit drei Kugeln, und zwar Erdbeere, Pfirsich und Marzipan, darauf Himbeeren, Schlagsahne und Schokosoße, mit einer kleinen Waffel und einem kleinen rosa Schirm. Diesen Becher bitte zweimal."


    Der Kellner notierte den Wunsch. "Sehr wohl."
    Als er verschwunden war, fragte sie irritiert: "Wieso kannte er keinen Nerdbecher?"


    Dietmar beugte sich vor, Ilka auch. Er flüsterte ihr zu: "Weil es ihn nicht gibt."


    "Echt?"


    "Ja. Die Zusammensetzung habe ich eben erfunden, aus Dingen, die mir gerade so einfielen."


    Ilka lachte. "Ha ha ha, du bist mir ja ein Schelm!"


    Dietmar schmunzelte.
    "Ja, genauer gesagt, ein Programmierer. Die sind manchmal ein wenig verrückt. Ich muss es wissen, ich bin selber einer."


    "Dann weißt du nicht, wie der Nerdbecher schmeckt?"


    "Genau. Es soll aber nicht zu deinem Schaden sein, ich bezahle die beiden Becher."


    Sie lachte. "Wer weiß, ob er nicht doch schmeckt?"


    "Auch das ist möglich. Aber auf jeden Fall ist er auch rosa."


    "Jaaa, das ist wichtig. Ich finde das echt toll, dass du auch diese Farbe magst."


    Er nickte.
    "Na klar. Sag mal, Ilka, was mir vorhin schon auffiel, ich bin mal neugierig: Trägst du gerade deinen rosa Turnanzug unter der Bluse?"


    Sie strahlte. "Ja! Du hast ihn erkannt, finde ich toll von dir! Übrigens danke nochmal, dass du ihn mir wiedergebracht hattest. Das fand ich so süß von dir!"


    "Das war doch Ehrensache. Ich mag deinen Turnanzug. Tolles Material. Fühlt sich bestimmt gut an. Darf ich mal anfassen?"


    "Ja, bitte."


    Dietmar strich einmal kurz drüber hinweg.


    Sie sprach leiser, seufzte wohlig, war davon angetan.
    "Oh ja, ich stehe darauf, es macht mich voll an."


    "Ilka, mich macht es auch an."
    Sie lächelte keck.


    Dietmar dachte laut.
    "Wir müssten mal..."
    Weiter kam er nicht.


    "Zwei Eisbecher, bitte sehr. Ich wünsche einen guten Appetit."
    Der Kellner sah aber so aus, als glaubte er selber nicht daran.


    "Danke, den werden wir haben", konstatierte Dietmar bestimmt, als sei ein Nerdbecher etwas ganz Normales, Alltägliches.


    Neugierig probierten beide davon.
    "Hey, das schmeckt ja tatsächlich!" meinte sie. Er war auch überrascht.


    Am Nachbartisch hatte ein anderes Paar Platz genommen. Die sahen Ilka und Dietmar beim Eis essen.
    Interessiert fragten sie, was das denn für ein Eisbecher sei. Ilkas Antwort: "Ein Nerdbecher."
    Dietmar grinste, als Ilka sprach.


    Etwas später kam derselbe Kellner von eben zum Nachbartisch. Er glaubte seinen Ohren nicht zu trauen, als er die Bestellung vernahm: "Zwei Nerdbecher, bitte."
    Mit aller Würde, die er aufbringen konnte, antwortete er: "Wie Sie möchten", und verschwand.


    Dietmar und Ilka kicherten, aßen weiter.
    Irgendwann aber verzog sie doch ihren Mund.
    "Du Dietmar, Pfirsich und Marzipan schmecken aber ein wenig seltsam zusammen."


    "Ist mir auch schon aufgefallen. Du musst wissen, nicht jedes Rezept, soll heißen nicht jedes Programm, was von mir stammt, klappt auf Anhieb. Es hat immer irgendwo ein paar Macken und seltsame Funktionen. Schließlich stehe ich auf Rosa."


    "Das Gefühl kenne ich. Aber das mit dem Rosa ist keine Macke, sondern ein Vorzug. Ein vorzüglicher Charakterzug, den ich mag."


    Er nickte. "So geht es mir auch. Ich muss dir übrigens was gestehen. Weißt du, Ilka, in dem Moment, als ich dich Mittwoch im rosa Turnanzug sah, war es um mich geschehen."


    "Ich dachte ähnlich, als ich deine rosa Leggings sah. Und nun dein rosa Shirt. Ich bin genauso rosaverrückt."


    "Dann sind wir ja schon mal zwei. Weißt du, es war so schön, dich bei den Übungen anzufassen. Und als ich dann spät abends deinen Turnanzug fand, war ich selig. Ich hatte nie vor, ihn zu behalten, aber weißt du, was ich gemacht habe?"


    "Nein, erzähle doch mal."


    "Ich legte ihn auf mein Kopfkissen und bettete meinen Kopf darauf. Mit deinem Geruch einzuschlafen hatte was von Geborgenheit."


    Ilka war begeistert. "Oh, du bist ja so süß! Dann müsste ich nächstes Mal absichtlich meinen Turnanzug vor deinen Augen 'vergessen'. Und du bringst ihn mir am Folgetag in den Laden. Oder zu mir nach Haus."


    "Ja. Ich finde das Gefühl so schön. Er fühlt sich so gut an."


    "Das kann ich sehr gut nachvollziehen, Dietmar. Ich empfinde das genauso."


    "Dann lasst uns doch irgendwann mal was zusammen tun, mit unseren Sachen."


    Gespielt entrüstet meinte sie: "Wieso irgendwann? Warum nicht einfach gleich sofort? Ich wohne nicht allzuweit weg. Ich habe noch mehr rosa Sachen."


    "Meinst du?"


    "Ja. Komm doch mit. Du wirst auf deine Kosten kommen."


    "Gern."


    In dem Moment kam der Kellner vorbei.
    Dietmar erhob seine Stimme: "Herr Ober, wir möchten zahlen. Zusammen."


    "Sie hatten... zwei ..."
    Der Ober mochte irgendwie das Wort nicht aussprechen, tat so, als überlegte er.


    Dietmar erlöste ihn.
    "...zwei Nerdbecher."


    Er rechnete zusammen. "Ja, das wars. Das macht 13 Euro."


    Dietmar steckte ihm einen Zehner und Fünfer hin. "Stimmt so."


    "Danke. Einen schönen Tag noch!"


    So standen die beiden auf. Ilka umarmte ihn und freute sich.


    Dietmar war guter Dinge. Er würde nun zu Ilka nach Hause gehen, mit ihr zusammen ihr rosa Lycra sichten und damit dann... ja.
    Das hätte er sich nie träumen lassen.
    Ebenso war sie gespannt, wie dieser schöne Tag mit ihm weitergehen würde.
    Voller Tatendrang nahm sie ihn an der Hand und zog ihn vorwärts.

  • Auch wir Leser sind gespannt, wie der Tag weiter geht, der so malerisch in Obertupfingen an der Tupfe begonnen hat.
    Übrigens sehr bildhaft geschildert mit dem Eiscafé´ am Flüsschen und den Kanuten.


    Ich mag ja fast jede Sorte Speiseeis, aber bei "Marzipan" stellen sich mir die Nackenhaare auf. Diese Zufallszusammenstellung ist wohl wirklich nur was für Nerds, auch wenn der "Nerdbecher" offenbar auf die Eiskarte aufgenommen werden muss.


    Keine Frage, dass jeder gerne "anfassen" möchte, wenn das Gegenüber einen Turnanzug unter der Kleidung trägt. Leider vereitelte der flinke Kellner mehr.
    Zum Glück empfindet Ilka Dietmars "Beziehung" zu ihrem Turnanzug als Süß und nicht als abstoßend. Da tut sich noch was.

  • Bei der Zusammenstellung des Nerdbechers dachte ich an eine andere Ilka, und zwar die Komikerin mit dem Nachnamen Bessin, und ihre Kunstfigur, verächtlich Cindi aus Marzipan genannt. Und im Nerdbecher mussten Sorten enthalten sein, die bestimmt nicht zueinander passen, Marzipan und Pfirsich hielt ich für solch eine zweifelhafte Mischung. Das musste 'meine' Ilka dann auch feststellen.
    Natürlich hat der Nerdbecher auch reichlich Rosa-Bezug. Er ist aber bislang nur ein Fantasieprodukt, ich habe nie solch ein Eis gegessen.
    Übrigens - Kellner tauchen in meiner 'Turnfee' öfter mal auf. In letzter Zeit stören sie aber eher... Auch Xenia und Bernd wollten sich in einem Lokal näher kommen, bis dann solch ein Mann aufkreuzte (Staffel 1, Kapitel 74).

    Ja, Ilka mag Dietmar, und umgekehrt. Ähnlich so wie Theo Conni mag.

    Nun soll es zu Ilka nach Hause gehen, ihr könnt ja schon mal nachdenken, ob es auch wirklich passiert.
    Oder was sonst passieren könnte. In KW 35 kommt dann irgendwann die Fortsetzung, Kap. 22.

  • Naja, sich zu mögen heißt ja noch nicht einander zu lieben.

    Und ja, Gunda gibt es auch noch. Es bleibt spannend. Einiges dreht sich.

    In Kap. 22 geht es weiter mit Ilka und Dietmar. Und es tauchen noch andere (bekannte) Charaktere auf.

    Eines kann ich euch dazu schon vorab sagen:

    Die Überschrift von Kap. 22 stand schon fest, bevor auch nur ein einziges Wort geschrieben war.

    Das nächste Kap. erscheint voraussichtlich am Donnerstag Abend...