Nereida Drei Staffel 2

  • Du lässt deine Leser ganz schon zappeln.

    Freue mich schon darauf, wie es weiter geht.

    Da nun nur noch brandneue Kapitel folgen, bin ich wieder auf meinen alten wöchentlichen Rhythmus zurückgekehrt. Was nicht heißen soll, dass ich den Turnus auch mal ändere.

    Es gibt eine Menge unveröffentlichtes Material von Nereida, allerdings auch Lücken dazwischen. Diese Lücken müssen erst gefüllt werden...


    Aber ich will euch nicht länger auf Kap. 22 warten lassen. Es kommt noch heute. Einsatz für Dr. Lycra!

  • Kapitel 22: Einsatz für Doktor Lai Krah

    Sonntag Nachmittag, Eiscafé Thomsen.

    Ilka und Dietmar bahnten sich einen Weg an den beinahe voll besetzten Tischen vorbei Richtung Ausgang.
    Da rief sie jemand. "Ilka! Dietmar!"
    Sie kannten die Stimme.

    Erstaunt guckten sie sich um.

    Laila, die gerufen hatte, schaute in ihre Richtung und winkte. Ja, dieselbe Laila von der TuFiTa.
    Neben ihr am Tisch saßen noch Nereida, Oksana und Beata.

    Ilka und Dietmar traten heran, betrachteten sie. Laila hatte was besonderes. Verschiedene Blautöne zierten ihre Kleidung. Sie trug türkise Glanzleggings und eine hellblaue Bluse mit Viertelärmel. Das an sich war aber noch nichts Besonderes. Ein Hingucker waren ihre Arme. Aus der Bluse lugten nämlich glänzende Ärmel aus dunkelblauem Tüllstoff hervor, die bis zu ihren Handgelenken reichten.

    Sind das etwas Strasssteine auf ihren Ärmeln? Sie hat doch auch einen Turnanzug unter ihrer Bluse an, wie ich, oder?, dachte Ilka.
    Rattenscharf, Lai Krah, ich bin begeistert.

    "Setzt euch doch zu uns", forderte die große Frau mit den kurzen mittelblonden Haaren sie auf.
    Laila hatte ebenfalls Ilkas hervorlugenden Turnanzug erspäht. Sieh an, gleicher Stil wie ich, sie hat Geschmack, dachte sie.

    "Ja, kommt doch her, zum Plaudern", bat die Turnfee. Beata und Oksana ermunterten die beiden ebenso. Die drei trugen helle luftige Sommerkleider und Ballerinas.

    "Wir können ja noch etwas später zu mir, ich habe Zeit. Du auch?", raunte Ilka Dietmar zu. Er hatte auch Zeit und war einverstanden.

    "Gut, ich stelle dann den leeren Nachbartisch an euren", grinste Dietmar.

    "Sollen wir dir helfen?" fragte Laila hilfsbereit und wollte aufstehen, ihm zu helfen.

    Dietmar wollte nicht, dass man ihm hilft. War es männliche Selbstüberschätzung oder Imponiergehabe? Er glaubte das jedenfalls in wenigen Sekunden selber erledigt zu haben.
    Kurzerhand packte er den großen Tisch, um ihn neben Lailas Tisch zu stellen.

    Als er kraftvoll versuchte, ihn anzuheben, übersah er, dass der Tisch am Untergrund festgeschraubt war.
    Der Tisch blieb regungslos stehen. Dafür durchzog ein stechender Schmerz Dietmars Rücken.
    "Au!" stöhnte er.

    Laila erschrak. Toll, Laila, dachte sie, du warst nicht schnell genug, jetzt hast du den armen Kerl ins Unglück gestürzt.
    Sie erhob sich rasch, ging hin zu ihm. Auch Nereida folgte ihr.

    "Didi, was ist?" fragte Ilka besorgt, fast ängstlich. Teilnahmsvoll berührte sie sacht seinen Rücken.

    "Au! Ich habe mir irgendwas verzogen", jammerte er.
    Erst dann wurde ihm bewusst, wie Ilka ihn eben gerade genannt hatte. Didi?
    Auch Beata, Nereida und Oksana dachten sich ihren Teil. Soso, hat es bei den beiden gefunkt?
    Schnell richtete sich aber wieder ihr Fokus auf Dietmars Rückenschmerzen.

    "Oh nein, das tut mir so leid, Dietmar. Ich wollte nicht, dass du dich überhebst", brachte Laila beschämt hervor.

    "Dich trifft keine Schuld. Oh Mann, das tut weh."
    Dietmar dachte daran, dass er nun einen Arzt brauchte. Am besten einen Orthopäden. Womöglich musste er nach Großtupfingen. Er seufzte.
    "Nur brauche ich jemanden, der mich wieder einrenkt, einen Rückenarzt."

    Laila meinte zuversichtlich: "Ich kenne da jemanden, der das macht."

    "Am Sonntag Nachmittag? Hier in Obertupfingen?"

    "Ja, und Ja. Das kriegen wir hin."

    Sie gab Nereida einen Zehn-Euro-Schein. "Nereida, bezahlst du meinen Anteil? Ich bringe Dietmar zur Behandlung."

    "Klar, mache ich. Brauchst du Hilfe?"

    "Nein, danke."
    Laila verabschiedete sich von Beata, Oksana und Nereida, winkte Dietmar und Ilka heran.
    "Kannst du 400 Meter gehen, Dietmar?" fragte sie ihn.

    Er konnte. Ilka und Laila stützten ihn.
    Er war erstaunt über Lailas souveränes Auftreten. Als wäre das alles keine große Sache. Aber welchen Arzt meinte Laila denn? Einen Notdienst?

    Bevor er fragen konnte, fragte Laila die beiden, ob sie was Originelles gemacht oder erlebt hatten.
    Da berichteten sie von der Geschichte mit dem Nerdbecher.
    Laila ließ sich das in allen Details erzählen. Sie fand das zum Piepen komisch und lachte.
    Die anderen mussten einfach mitlachen.
    Auf diese Art und Weise wurde Dietmar von seinen Schmerzen abgelenkt; auch das war eine Strategie von Laila.

    Sie bogen in eine Zufahrt zu einem zweistöckigem Haus ein.
    Dietmar war es oberflächlich bekannt. Ja stimmt, das war ein Ärztehaus. Nur war es Sonntag und es sah wie erwartet dunkel und verwaist aus. Wer sollte da denn Notdienst schieben?

    Am Hauseingang lasen sie verblüfft das große Schild, welches drei Ärzte benannte.
    Denn auf dem einen Drittel stand:
    "Dr. Laila Krah, Fachärztin für Orthopädie, Osteopathie und Chiropraktik."

    Sie schloss die Tür auf.
    "Willkommen in meiner Praxis. Na gut, ich praktiziere nicht alleine, also willkommen in meiner Ein-Drittel-Praxis."

    Ilka und Dietmar staunten. Laila selber war also Ärztin?

    Gespenstisch wirkte der dunkle Vorraum. Niemand sonst war anwesend. Laila schaltete das Licht ein.
    "Kommt mit in das Behandlungszimmer. Wir gehen dort in Raum 2."

    Sie betraten ein Zimmer mit einer großen Liege in der Mitte.
    Die Ärztin breitete eine Einmal-Folie auf der Liege aus.
    "Zieh dir bitte das Shirt aus und stelle dich hin."

    Als sie seine Unsicherheit bemerkte, erklärte sie:
    "Keine Panik, ich bin jetzt deine Notfall-Ärztin. Ich betrachte dich hier nur mit medizinischen Augen, werde dich gut behandeln. Darf Ilka zuschauen?"

    "Klar."

    Sie desinfizierte ihre Hände.

    Ilka setzte sich auf einen Hocker, beobachtete die beiden.

    Die Ärztin inspizierte mit prüfenden Blick seinen Rücken, tastete den Rücken ab.
    Bei einer Stelle stöhnte er.
    "Lege dich auf die Liege."
    Dietmar befolgte die Anweisung. Sie drückte sacht an verschiedenen Stellen, spürte in seinen Körper hinein.
    Er musste sich nach ihren Anweisungen drehen, verbiegen und hinlegen. Laila hielt ihn dann auf eine bestimmte Weise fest.
    Ilka beobachtete neugierig Lailas Tun, war davon begeistert. Wie sie das konnte!

    "Tief einatmen!" kommandierte die Ärztin. Er tat wie geboten.
    Nach drei weiteren Sekunden: "Ausatmen, alles, restlos! Komm, alles muss raus!"

    Dietmar pustete die Luft aus den Lungen, bis sie leer waren.
    In dem Moment drückte Laila kraftvoll zu. Sie lächelte dabei, fast ein bisschen lüsternd, so erschien es Ilka.
    Dietmar spürte einen Ruck im Rücken, etwas wie ein Knacksen. Er stöhnte kurz.

    "Soeben habe ich deine Blockade gelöst", lächelte die Ärztin.
    Sie ließ ihn langsam auf den Rücken drehen und senkte seinen Körper langsam auf die Liege hinab.
    "Dies eben war eine Stresssituation für deinen Körper, daher bleib noch fünfzehn Minuten liegen, zum Ausruhen."

    "Vielen vielen Dank, Laila."

    "Bitteschön."

    "Ich wusste gar nicht, dass du Ärztin bist. Du hattest davon am Mittwoch in der TuFiTa nichts erzählt."

    Sie lächelte.
    "Ich verrate nicht allzu gerne meinen Beruf vor mehreren fremden Leuten, da dann alle mit ihren Wehwehchen bei mir ankommen und behandelt werden wollen. Ich komme sonst nicht mehr zur Ruhe. Die ist mir aber wichtig. Beata und Nereida von der TuFiTa habe ich es schon in vertrauter Runde erzählt.


    Bei dir war es heute was anderes, du warst in einer Notlage, und außerdem auch noch von mir mit verursacht.
    Da bist du vorhin ausnahmsweise an die Richtige geraten, die dir helfen konnte.
    Ein Einsatz für Dr. Lai Krah. Der für dich heute übrigens kostenlos ist, Dietmar."

    "Laila, danke nochmal. Ich weiß es zu schätzen."

    "Und auch von mir", meldete sich Ilka. Sie war ebenfalls hellauf begeistert.

    "Ist schon gut, ihr zwei."
    Laila startete eine CD mit Meditationsmusik zum Entspannen. "So Dietmar, nun entspann dich mit den sanften Klängen. Immer schön dabei atmen."

    Er lauschte den ruhigen Klängen. "Oh ja, ist ja fast wie Wellnessurlaub. Danke Dr. Lycra."
    Er schaute sie an, ihre Blicke trafen sich. Beide lächelten vergnügt.

    Lycra, das war das Stichwort. Lailas glänzende Ärmel zogen Ilka wieder in den Bann. Schließlich fragte sie die Ärztin:
    "Du Laila, sag mal, trägst du jetzt einen Turnanzug unter deiner Bluse? Diese glänzenden Ärmel, und die Strasssteine darauf lassen mich das vermuten."

    Die Angesprochene nickte.
    "Du hast vollkommen Recht, Ilka. Ich trage einen Turnanzug darunter. So wie du auch."

    Ilka errötete etwas, Laila hatte es also auch bemerkt! Laila grinste.

    "Wieso machst du das denn?" fragte Dietmar.

    "Es ist eine Marotte von mir. Ich mag es, wenn mich der Stoff eng umschließt. Ich tue es nicht, wenn ich im gewöhnlichen Dienst bin, aber in der Freizeit eigentlich recht oft. Dass du mich hier in der Praxis so siehst, liegt daran, dass du ein Notfall bist", erklärte sie.

    "Jetzt verstehe ich, warum du eben sagtest: Einsatz für Doktor Lai Krah", grinste Dietmar.

    "Richtig. Lycra und Lai Krah sind ein fast unzertrennliches Doppel."

    "Und wegen der Wärme trägst du Tüllärmel?" fragte Ilka.

    "Genau. Wären die aus Lack, würde ich zu sehr schwitzen und überhitzen. Der Tüllstoff leitet die Körperwärme prima nach draußen."

    Ilka nickte. Sie dachte daran, dass ihr roter langärmliger Turnanzug im Sommer doch recht wärmte.

  • Anstelle von Laila hatte ich fast schon Gunda erwartet, aber das wäre zu vorhersehbar gewesen. Gut gemacht.

    Laila hat in meiner Phantasie was exotisches. Und ihr Kleidungsstil aus Referenzen zu ihrer Kultur, kombiniert mit Lycra geht in diese Richtung.


    Ja, ja, erst den Mädels imponieren wollen und sich dann übernehmen - nur gut dass sich Laila als Chiropraktikerin herausstellt. Übrigens auch sehr plausibel geschildert, die Behandlung.


    Laila bringt das, was Lyrafans an ihrer Kleidung so lieben auf den Punkt. Das eng umschlossene Gefühl, was aber nicht einengt, sondern wie eine körperweite Umarmung wirkt.


    Schönes Kapitel. Hat sich gelohnt darauf zu warten.

  • Nein, nein, Gunda funkt da nicht dazwischen. Die weiß ja gar nichts davon.
    Die Laila in meiner Vorstellung ist gar nicht so exotisch. Wobei du, Lycwolf, Recht haben könntest, denn der Name ist ein arabisches und jüdisches Wort, beides bedeutet 'Nacht' oder 'Tochter der Nacht'.
    Ich beschreibe meine Charaktere nicht minutiös, nur sporadisch, da kann sich jeder was darunter vorstellen.

    'Einsatz für Dr. Lai Krah', diese Zeile bohrte sich in meinen Schädel.
    Ich spielte sogar mit dem Gedanken, daraus eine komplett eigenständige Geschichte, abgespalten von Nereida, zu erstellen.
    Über eine Ärztin, die lycraverrückt ist, und diverse Notfälle bekommt.
    Nur ließ meine Kreativität in derlei Hinsicht zu wünschen übrig, und Lai Krah tritt 'nur' in der Turnfee auf.

    Dass ich Lailas ärztlichen Eingriff bei Dietmar so detailliert schildern konnte, liegt daran, dass ich selber von derlei geschultem Personal schon mal wieder eingerenkt wurde...

    Ich hatte mal im Kap. 17 TuFiTa XXL erwähnt, dass sie dort einen blauen Turnanzug trug, den Innis-3 von Ervy. Ein wenig älter als die abgebildete Frau ist meine Laila:
    https://www.ervy.de/Turnanzueg…ttkampfdress-INNIS-3.aspx
    Im Eiscafé und in der Praxis trägt sie allerdings einen anderen Anzug.

    Das folgende Kapitel 23 war eine Spontanerfindung von mir. Ich hatte nicht geplant, dass das stattfindet. Die Existenz von Kap. 23 stellte (und stellt) natürlich auch mich selber vor Probleme. Welche, das erfahrt ihr demnächst.

  • Kapitel 23: Das Nebenzimmer

    Sonntag Nachmittag. In Lailas Praxis.

    Ilka hatte noch was auf dem Herzen.
    "Sag mal Laila, eine Bitte: Deine Ärmel haben mich so neugierig gemacht, wie sieht dein Turnanzug eigentlich ganz aus?"

    "Der Rumpf besteht aus blauem Lycrastoff, mit Strassreihen und silbernen Streifen, das Dekolleté ist aus Tüll."

    "Ah ja. Du, ich kann es mir noch nicht richtig vorstellen, ich würde es gerne mal in echt sehen. Beste Laila, darf ich den Anzug bitte mal sehen?"

    Die Ärztin zögerte.
    "Wenn ihr das, was hier passieren wird und das, was ihr sehen werdet, nicht weiter erzählt, ziehe ich meine Bluse aus und zeige den Anzug. Ich tue es nur für euch zwei, weil ich weiß, dass ihr Turnanzüge mögt. Versprochen?"

    "Ich verspreche es", antwortete Dietmar unverzüglich.

    "Ich verspreche es auch", kam es von Ilka ein wenig später.

    "Gut."
    Laila zog sich ihre Bluse über den Kopf, richtete ein wenig ihre Haare, lächelte die beiden an.

    Zum Vorschein kam ein Turnanzug, zu dem einem nichts mehr einfiel, einfach ein Traum in Blau.
    Der vordere Rumpf ging von einem Marineblau bei den Beinlöchern stufenlos zu einem Türkisblau im Dekolleté-Bereich über.
    Darüber folgte der tintenblaue Netzteil bis an den runden Halsausschnitt, welcher mit einem silberglänzenden Saum abgegrenzt wurde.
    Ein weiterer silberner zentimeterbreiter Streifen umspielte ihre wohl geformten oberen Rundungen, anmutend wie eine fliegende stilisierte Möwe von vorne. Parallel dazu verliefen drei Reihen Strasssteine. Seitlich zogen sich je zwei parallele silberne Streifen von der Hüfte aufwärts. Die Ärmel bestanden aus dem ja vorher schon sichtbaren tintenblauem Tüllstoff, mit blinkenden Strasssteinen verziert.

    Sie drehte sich einmal um.

    Ihr Turnanzug verlief im Rücken ähnlich wie auf der Vorderseite. Die Grenze zwischen dem Tüllteil und dem blauen Lycrastoff verlief jedoch tiefer als auf der Vorderseite, wurde aber auch mit drei Reihen Strasssteinen hervorgehoben.

    Kurze Zeit später drehte sie ihre Vorderseite wieder zu uns, stellte sich dann in Positur.
    "Und, was sagt ihr dazu?"

    Dietmar hob anerkennend die Augenbrauen. "Dein Turnanzug sieht gut aus. Er steht dir. Das Blau macht was her."

    Laila freute sich. "Danke. Und wie gefällt er dir, Ilka?"

    Ilka starrte sie wortlos an, ihr Mund stand offen.

    "Ilka?"

    Die war fast weggetreten, als sie Laila sah und ihren Turnanzug über der Leggings.
    Dieser Glanz. Diese kraftvollen Farben. Gut, es war kein Rosa, aber dennoch sehr wirkungsvoll.
    Und die Figur, die Laila darin machte, einmalig. Eine gewaltige Ausstrahlung schien von ihr auszugehen.

    Erst etwas später wurde es Ilka bewusst, dass sie um Antwort gebeten wurde. Hastig antwortete sie:
    "Äh, ja, Laila, du siehst darin einmalig schön aus, er gefällt mir, ja wunderbar. Zieh ihn doch zur nächsten TuFiTa an."

    Was für eine tolle Frau, was für ein hammergeiles Teil, dachte sie.
    Sie bewunderte Laila dafür. Sie hätte sie gerne berührt.
    Ilka wurde von dieser Ärztin einfach angezogen.
    Lailas Turnanzug und Leggings. Das war es aber nicht allein. Ihre ganze Art, so zielstrebig, so souverän, so entwaffnend. Vergangenen Mittwoch bei der TuFiTa, und auch heute wieder. Ilkas Gedanken liefen auf Hochtouren, in rasender Geschwindigkeit. Beata und Nereida hätten arge Probleme gehabt, ihr zu folgen.

    "Das freut mich, ich mag den Anzug auch gerne tragen."
    Laila griff zu ihrer Bluse, wollte sie wieder überziehen.

    Da hörte sie von Ilka ein schnelles "Warte bitte."
    Und: "Bitte Laila, hast du ein Glas Wasser für mich?"

    "Ja, im Nebenzimmer."

    Laila ging in den Raum nebenan, Ilka folgte ihr, knöpfte dabei ihre Bluse auf.
    Die Ärztin füllte dort einen Becher mit Leitungswasser, gab ihn ihr.
    Ilka dankte ihr, trank davon.

    Sie stellte den Becher weg, wandte sich an die Medizinerin in ihrer Glanzkleidung.
    Ilka war sich nicht sicher, wie sie sich ausdrücken sollte. Jetzt oder nie.
    "Laila... ich möchte ... darf ich bitte... darf ich dich bitte mal anfassen?"

    Laila war verwundert. Sie stand aufrecht vor einer Behandlungsliege.
    Sie zögerte, sagte dann: "Nur ganz vorsichtig."

    Ilka stellte sich direkt vor ihr. Sie lächelte Laila an, streckte ihre rechte Hand aus, berührte wortlos Lailas Turnanzug sanft am linken Unterarm.
    Sachte glitt sie mit ihren Fingern am Arm aufwärts. Ihr Blick folgte nun ihrer rechten Hand.
    Ilkas Puls beschleunigte. Sie war echt von dem Stoff angetan. Und das war erst bloß der Tüllstoff.
    Langsam, aber unbeirrbar glitt ihre Hand an Lailas Turnanzug-bedecktem Arm hinauf.

    Auch Laila registrierte ein Gefühl des Wohlbefindens, des Angenehm-Berührt-Seins.
    Etwas, was sie vor wenigen Augenblicken noch für undenkbar gehalten hatte, trat ein.
    Auch ihr Herz schlug schneller.
    Diese Ilka war dabei, etwas in ihr anzurühren. Wie weit würde sie gehen? Was hatte sie vor?
    Sie musste sich eingestehen, es machte sie irgendwie an. Auch merkte sie, dass Ilka ihre Bluse geöffnet hatte und darunter ein glänzender rosa Turnanzug hervorlugte. Sie erkannte den Anzug vom Mittwoch wieder, mochte den Glanz, hielt still. Ihre Neugier war größer als ihre Bedenken.
    Ab und zu wurde ein Strasssteinchen von Ilka berührt und sachte überfahren. Es schnellte dann jedesmal ein Impuls durch ihren Körper, regte sie weiter an.

    Ilka lächelte freudig, ihre Hand hatte nun Lailas Schulter erreicht.
    Wie gut sich der Stoff anfühlte. Und keine äußeren Anzeichen von Unwohlsein bei Laila. Im Gegenteil, sie erkannte, dass Laila ihr Spiel mitspielte.
    Wellen der Entzückung durchzogen ihren eigenen Körper.
    Ilka machte weiter. Ganz vorsichtig, wie es von ihr verlangt wurde.

    Laila fühlte sich angenehm berührt.
    Sie spürte Ilkas Fingerspitzen nun ihren Rücken langsam hinab wandern, über das Schulterblatt gleiten, wo der Tüll- in den Lycrabereich überging. Die drei Reihen Strasssteine hatten Ilkas Fingerspitzen überquert, sie berührte nun den glänzenden türkisen Lycrastoff. Es kribbelte ungemein! Dasselbe empfand auch Ilka.
    Laila zwang ihre Bedenken zu schweigen, wollte, dass ihre Verführerin weitermachte. Es musste so sein. Ob sie auch Ilka anfassen dürfte?

    Beide Frauen spürten eine Erregung, beide blieben stumm.
    Ilka lächelte verzückt, Laila zeigte nun ebenfalls deutlich Erregung.

    Ilkas Fingerspitzen glitten tiefer, über Lailas Taille. Sie legte die ganze Hand auf, machte weiter.

    Laila stöhnte leise. Sie versuchte ihre Erregung herunterzuspielen, spürte nun Ilkas ganze Hand auf ihrer Pobacke.
    Wie gern würde sie dieses Spiel weiterspielen, wäre da nicht ihr Patient im Zimmer daneben. Entfernt hörte sie die Entspannungsmusik.
    Ihr Gesäß wurde nun wohlig massiert.
    Sie dachte: Ich kann nicht mehr, so leid es mir tut, es muss aufhören. Ich werde gerade von einer Frau verführt, deren Partner nebenan wartet. Aber... es so schön... nicht aufhören... Ilka, bitte mach weiter...
    Sie kämpfte mit diesen widersprüchlichen Gefühlen, und es gab lange Zeit keinen Sieger.

    Da merkte sie auf einmal, dass Ilkas Gesicht dem ihrigen recht nah gekommen war, nur noch eine Elle entfernt.
    Ihre Ohren erreichten drei Worte, gehaucht voller Verlangen:
    "Nimm mich, Lai!"

    Wie gern würde sie das tun!
    Laila streckte ihre rechte Hand aus, tastete nach Ilkas Rücken, ihre Hand suchte sich einen Weg unter Ilkas Bluse, bis sie mit ihren Fingerspitzen deren rosa Turnanzug berührte. Sie strich sachte an Ilkas Rücken entlang, die sichtlich angetan leise stöhnte.

    Illi, komm näher, dachte sie. Wie von Zauberhand verringerte sich der Abstand zwischen beiden noch weiter.
    Laila zuckte rhythmisch, atmete ruckartig, wisperte leise und stoßweise: "Illi... Illi... nimm du... nimm du... auch mich!"

    Ilkas Augen leuchteten verzückt, sie nahm das als vollste Zustimmung. Sie strich mit der anderen, linken Hand sachte an Lailas Taille entlang, langsam aufwärts.
    Ihre rechte Hand fasste nun fest Lailas Po an, krallte sich fast hinein, ihr Gesicht näherte sich weiter Lailas.
    Ich muss sie küssen, es geht nicht anders. Wer nicht wagt, gewinnt nicht, dachte sie.
    "Lai, küss mich!"
    Sie spitzte ihre Lippen.

    Als ihre Lippen schließlich einander berührten, gerieten sie endgültig in Ekstase. Ihre Zungen spielten heftig miteinander.
    Laila und Ilka fühlten eine tiefe Verbundenheit.
    Ihre Körper pressten aneinander, wie wild befühlten sie einander ihre Turnanzüge!
    Sie wanden sich wie Schlangen, hechelten, stöhnten, atmeten schnell und stoßweise.
    Ilka schob Laila rücklings auf die Behandlungsliege, so dass Laila zum Liegen kam, entledigte sich in einer Blitzaktion ihrer Bluse, stieg hinauf,

    setzte sich so hin, dass sie auf der Liege kniete, in deren Mitte Lailas Beine eingeklemmt wurden, und senkte sich hinab auf Laila,

    die mit ihren Händen Ilkas beide sich deutlich unter dem Turnanzug abzeichnenden Wölbungen massierte,

    was die mit einem wohligen Stöhnen quittierte: "Lai... Lai... Lai...so schön!"
    Ilka revanchierte sich, indem sie Lailas durch deren Turnanzug verhüllten Oberkörper verwöhnte, diesen massierte und stimulierte. Laila fühlte den Himmel auf Erden.
    Auch wanderte Ilkas Hand zu Lailas unteren Bereichen und sorgte dort für nicht mehr ganz trockene Glücksgefühle unter ihrem Turnanzug.
    "Illi... Illi... mehr!" stöhnte die, was Ilka gerne tat.
    Bis die beiden dann wieder einander innigen Kusskontakt hatten.

    Gerade wollten sie eine weitere Offensive unternehmen, da wurden sie gestört!
    "Laila? Ilka?" kam auf einmal ein lauter Ruf aus dem Nebenzimmer.

    Die Gerufenen schreckten auf. Ihre Erregung sackte zusammen, verpuffte augenblicklich.
    Vollbremsung, von Hundert auf Null in einer Sekunde.
    Och, nicht jetzt, Dietmar, dachte Ilka leicht verärgert. Laila ging es ähnlich.

    Sie ließ prompt von Laila ab, stieg von der Liege. "Kleinen Augenblick!" rief sie laut.
    Laila ergänzte: "Wir kommen gleich rüber, Dietmar!"

    "In Ordnung", schallte es aus dem Nebenzimmer.

    Lailas aufgeheizter Körper bemühte sich, rasch wieder auf Normalbetrieb umzuschalten.
    Sie stieg von der Liege herunter, zog sich ihre Bluse wieder an.
    Auch Ilka, genauso schwitzig, zog sich ihre Bluse wieder an, versuchte ebenfalls wieder herunterzufahren nach all der Anregung. Sie trank in einem Zug das Wasser aus, was Laila ihr vorhin gab. Beide tupften mit Tüchern ihre Stirne trocken.

    Laila lächelte Ilka an und fragte sie leise:
    "Ach so, übrigens, wie fühlt sich mein Turnanzug an, Illi?"

    "Lai, er ist wunderschön, fühlt sich toll an, vielleicht bestelle ich ihn mir auch mal."

    "Du wirst es nicht bereuen. Den kannst du auch in Rosatönen ordern, wenn du magst. Er trägt sich echt gut. Oder ich leihe ihn dir mal aus."

    Ilka lächelte.
    "Übrigens Lai, ich habe hier was für dich."
    Sie nahm einen Zettel, schrieb darauf ihre Mobilnummer und den Namen 'Rosilla81'.
    "Hier hast du meine Nummer. Falls du mal wieder Lust hast."

    Laila freute sich, nahm die Karte. "Ich komme gern auf dich zurück. Werktags ab 19 Uhr passt es am besten. Aber was heißt Rosilla81?"

    Ilka lächelte: "Ist mein Nickname in einem Internetchat. Ich stehe auf Rosa. Ich bin Ilka. Geboren '81."
    Sie nannte Laila auch den Namen des Chats.

    "Ach so. Klingt gut! Ich bin eher der blau-türkise Typ. Bin übrigens auch eine 81er. Und was für ein Zufall, deinen Chat kenne ich auch!"

    Laila schrieb auf einen Notizzettel den Namen 'drlycra' und eine Telefonnummer, gab ihn Ilka, und sprach leise:
    "Dann habe ich auch was für dich. Es kommt zwar extrem selten vor, aber ich führe in sehr wichtigen Fällen auch Hausbesuche durch. Oder Patienten kommen zu mir nach Hause. Auf der Karte findest du meine private Mobilnummer. Und meinen Namen im Chat. Unsere Behandlung wurde leider abrupt abgebrochen, denn wir waren nicht allein. Ich würde mich aber freuen, wenn sie mal fortgesetzt würde. Wie wär's, Illi?"

    "Klar, Lai. Ich freue mich schon auf deine Spezialbehandlung."

    "Ich freue mich ebenso, Illi."

    "Hey super, Lai, dann bis zum nächsten Mal, oder im Chat, oder bis zur TuFiTa."

    Die beiden Frauen umarmten einander, richteten ihre Frisuren und gingen ins Nebenzimmer, wo Dietmar immer noch gewissenhaft auf der Liege wartete.

    Wieder voll Medizinerin, kommandierte Laila: "So, die Praxis Lai Krah schließt gleich. Dietmar, du darfst wieder aufstehen. Rechnung geht aufs Haus. Ich hoffe, ich konnte euch beiden helfen."

    Dietmar stand auf, spürte in seinen Körper, freute sich.
    "Aber klar doch. Du, meine Rückenschmerzen sind weg, toll gemacht. Danke Laila!"

    "Gern geschehen, Dietmar."
    Er lächelte.

    Auch Ilka bedankte sich herzlich. "Du warst ganz große Klasse, Lai. Das vergesse ich dir nicht."

    Die Ärztin nickte. "War mir ein Vergnügen, Illi."
    "Tschüss ihr zwei, viel Spaß noch."

    Ilka nahm Dietmar bei der Hand. Sie verabschiedeten sich von Laila und verließen die Praxis.

    Laila schaute ihnen nach, wie die beiden Hand in Hand davonzogen. geriet ins Grübeln.
    Bin ich nur ein kurzes Abenteuer für Ilka? Aber dann hätte sie mir nicht ihre Nummer gegeben.
    Ist sie überhaupt mit Dietmar zusammen? Einiges spricht dafür.
    Aber welches Spiel spielt Ilka?

  • Desi, du Schlingel.

    So scharf hat mich das lesen schon lange nicht mehr gemacht.

    Zuerst dachte ich noch, ob Ilka die Geister die sie rief verkraften würde? Aber es zeigte sich, wie sehr der Anblick eines Körpers in appetitlichem Lycra alles über den Haufen werfen kann.

    Jetzt hat diese Handlungsstrang viele Entfaltungsmöglichkeiten.


    Aber unter uns, du hast das so packend geschildert, dass auch ich alle Hemmungen hätte fallen lassen und Laila hätte spüren wollen.

    Grandios!

  • hallo Lycwolf, toby,
    danke für eure begeisterten Zeilen! Danke für euer großes Lob!
    dieses Kapitel 23 mit dem unscheinbaren Namen Das Nebenzimmer war eine Spontanerfindung, ein Experiment.
    Dass ich so weit gehen würde in der Formulierung, hätte ich auch nicht gedacht.
    Geplant war eigentlich, dass Ilka mal für paar Sekunden Laila anfasst, das toll findet und gut so.
    Dass daraus mehr würde, dachte ich anfangs nicht.
    Ilka wurde von Laila als Ganzes angetörnt, nicht nur von dem Turnanzug allein.
    Ich habe die Ilka-Laila-Szene öfter bearbeitet und glatt geschliffen.
    Auch ich lese diese Passage gerne und war neugierig, wie es auf euch wirken würde.
    Aber das Experiment scheint mir ja gelungen zu sein.
    Lailas Turnanzug habe ich übrigens beschrieben nach dem Vorbild des Tenoba-1 von Ervy:
    http://www.ervy.de/Turnanzuege…tkampfanzug-Tenoba-1.aspx

    Eine Frage lasse ich unbeantwortet. Eine Frage, dessen Antwort nach Formulierung von Kap. 23 auch für mich undeutlich war: Welches Spiel spielt Ilka?

  • Kapitel 24: Bei Ilka

    Sonntag Nachmittag.

    Dietmar ging gut gelaunt neben Ilka die Straße entlang.
    "Ha, ein schönes Gefühl, dass es meinem Rücken wieder besser geht. Laila hat es gut hinbekommen."

    "Freut mich genauso. Sie ist eine echt tolle Frau."

    Dietmar stimmte ihr zu.
    "Sie ist wirklich sehr zupackend. Und sieht auch noch gut aus."

    Ilka nickte nur, dachte sich ihren Teil.

    Dietmar bemerkte:
    "Sie hatte auch einen hübschen Turnanzug an, mit den Tüllärmeln und dem blauen Rumpf."

    "Mir gefiel er ebenso. Der war deutlich raffinierter als meiner."

    "Aber er war nicht rosa."

    "Weißt du, wenn das Gesamtbild stimmt, finde ich auch die anderen Farben in Ordnung, außer vielleicht schreiendes Neongelbgrün.

    Ein hübsches Muster oder Strasssteine dazu mag ich ebenso.
    Wäre der Anzug bloß einfarbig türkis oder blau gewesen, hätte es auf mich nicht gewirkt. In Rosa wäre es aber wieder anders.
    Aber ihr interessant gemusterter Turnanzug hatte was. Und sie selber obendrein."

    "Ja, stimmt. Ihr habt euch wohl gut unterhalten."

    Wir mussten nicht viel Worte machen, dachte Ilka.
    Laut sagte sie:
    "Kann man so sagen. Was Frauen halt so tun, wenn sie unter sich sind."
    Wenn er das genauer wüsste, dachte sie und schmunzelte.
    "Wo gehen wir eigentlich hin?"

    "Zurück zum Eiscafé Thomsen."

    "Willste noch einen Nerdbecher?"

    Dietmar lachte.
    "Um den Kellner noch mal zu ärgern? Armer Kerl. Nein nein, dort parkt mein Wagen."

    "Ah ja. Ob Nereida und die anderen noch im Café sind?"

    "Wir können ja mal nachgucken."

    Die beiden betraten das Café.
    An dem Tisch, wo vorhin noch Nereida und Beata saßen, schlemmten nun fremde Leute an ihren Eisbechern.

    Dietmar dachte laut nach.
    "Hm, wir waren jetzt eine Stunde weg, die sind nicht mehr da."

    "Schade, vielleicht hätte man noch etwas quatschen können. Die beiden Schwestern finde ich sympathisch. Das, was wir vorhin spontan ja vorhatten."

    "Stimmt. Nur sind sie nicht mehr da. Du Ilka, steht dein Angebot noch, dass wir zu dir fahren?"

    "Aber immer doch! Lasst uns das machen. Das hatten wir ja sowieso vor."

    "Ich fahre uns in meinem Wagen zu dir."

    "Dann schenken wir uns sogar den Bus. Hey super, Dietmar."

    Sie umarmte ihn dafür, er auch sie.
    Er merkte aber noch etwas. "Na, du bist ja schwitzig."

    "Ja, das muss wohl die Hitze machen", entgegnete sie.

    "In Lailas Praxis war es doch angenehm kühl."

    Sie dachte an ihr heißes Abenteuer mit der Ärztin, wovon es herrührte, und überlegte, wie man das vertuschen könnte.
    "Aber hier draußen ist es wieder heiß."

    "Stimmt. Und ich war schon fast daran zu glauben, dass du mit Laila ... wie drücke ich mich aus ... herumgemacht hattest."

    "Wie kommst du denn auf so was?"

    "Ich meinte irgendwelche unerklärlichen Geräusche zu hören. Aber die schienen von der Entspannungsmusik zu kommen.

    Ilka überlegte fieberhaft, ob sie es ihm gestehen sollte. Der CD-Player stand bei der Tür zum Nebenraum. Auch sie hatte die ganze Zeit nebenher die leise Musik mitgehört und hoffte, dass die Musik lauter als sie selber und Laila war.

    "Aber du hast Recht, es ist ganz schön heiß draußen", kam er einem Erklärungsversuch ihrerseits zuvor. Zum Glück glaubte er ihr, und ein zweites Mal zum Glück stand Dietmars Auto im Schatten.
    Nach kurzen fünf Minuten Fahrt standen sie vor einem dreistöckigen, breiten Mietshaus.
    Eine von den 70er-Jahre-Mietsbauten, dachte Dietmar, womit er Recht hatte.

    Sie gelangten über eine Zufahrt zur Rückseite, wo der Eingang war. Dietmar schaute nach oben. Es war die Sonnenseite, auf der mehrere Balkone nebeneinander sichtbar waren.
    "Dort wohne ich", meinte Ilka, deutete nach oben.

    "Ist es zufällig die Wohnung bei dem Balkon mit der rosa Markise?"

    Sie kicherte. "Volltreffer, du weißt Bescheid."

    Sie stiegen die Treppenstufen hinauf. Als er Ilkas Wohnung betrat, dachte er, er wäre wieder in dem Laden 'Bei Tanja'.
    Krimskrams überall. Nur waren die Wände in Rosa getüncht. Sanfte Gerüche von orientalischen Gewürzen lagen in der Luft.
    Und ihm fiel auf, dass es recht warm in ihrer Wohnung war. Wohnung unterm Dach, warmer Tag und die Fensterrollläden nicht geschlossen.

    "Ich finde, es ist immer noch heiß. Jetzt ein Eis", schlug Dietmar vor.

    "Wir hatten doch erst eins, ich habe leider keinen Nerdbecher hier."

    Er lachte.
    "Hast du denn Vanilleeis?"

    "Doch, das habe ich."

    "Und O-Saft?"

    "Den auch."

    "Dann mixen wir uns daraus einen Sanften Engel."

    Ilka hatte das Wort noch nicht gehört und war neugierig. Sie zogen in Ilkas Küche.
    "Ist das auch eine Spontanerfindung von dir?"

    "Nein, das ist es nicht, sei unbesorgt. Das Rezept stammt nicht von mir."
    Ilka stellte zwei Gläser auf den Tisch und holte Eis und O-Saft hervor.
    Dietmar füllte das Eis und den Saft in die Gläser hinein. Zwei lange Löffel dazu - fertig.

    Sie probierte davon, ihr Gesicht drückte Begeisterung aus.
    "Das ist ja klasse! Schmeckt gut! Und so simpel, also auch für mich bekennende Dessertlegasthenikerin geeignet.
    Übrigens, ich kenne einen netten Ort hier."

    Sie bahnten sich einen Weg zum Wohnzimmer. Freundliche helle Farben sorgten für eine lockere Stimmung.
    In einigen Setzkästen ruhten Kleinodien, die glitzerten, wenn man genau hinschaute.
    Ein bequem aussehendes Sofa mit - wie könnte es anders sein - rosa Bezug lud zum Verweilen ein.

    "Nun wollen wir es uns gemütlich machen", lächelte sie.
    Ilka merkte auch, dass es sehr warm war, und sie zog sich ihre Bluse aus.
    Ihr rosa Turnanzug mit der Brustraffung kam zum Vorschein. Dietmar freute sich über den Anblick.

    Die beiden ließen sich auf dem Sofa nieder.

    Das Kribbeln erfasste Ilka, als sie ihn da sitzen sah, mit dem rosa Shirt. Nun wurde ihr erst recht warm.

    Beim Plaudern fuchtelte sie gestenreich mit ihren Armen herum, kam öfter mal mit ihrer Hand auf seinem Lycrashirt zu liegen.
    Es mochte zufällig so aussehen, aber sie steuerte es recht bewusst.

    Wie ein Junkie, der seinen "Stoff" braucht, hier im wortwörtlichen Sinne gemeint, was das Lycra betrifft...

    Ilka erzählte, wie sie auf die TuFiTa aufmerksam wurde. Sie hatte auch die Übertragung von Dornbirn mitverfolgt, war begeistert von den Tänzerinnen und Tänzern, suchte im Internet nach der Gruppe; war voll erfreut, dass sie ausgerechnet in ihrer Stadt beheimatet war.
    "...und dann hatte ich beschlossen, mal die TuFiTa zu besuchen, und dort sah ich dich, Didi, und es hatte mich erwischt."

    "Das ging mir auch so, als ich dich erblickte. Ich konnte dich sofort leiden. Sag mal Ilka, du hattest mich vorhin Didi genannt und jetzt wieder."

    Sie druckste ein wenig herum.
    "Ach, weißt du, Didi, ich finde dich einfach sympathisch und anziehend. Dann denke ich mir solche Namen aus."

    "Ach so. Ich mag dich auch, Ilka. Fühle mich wohl bei dir."

    Ilka strahlte.

    "Darf ich mir dann auch einen Namen für dich ausdenken?" fragte er.

    "Solange du mir kein 'M' vor meinen Namen hängst, gern."

    "Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Nein, das mache ich nicht. Aber woran erinnert mich das, mit dem 'M' davor?"
    Er dachte kurz nach.
    "Ilka? Die zarteste Versuchung? Seit es rosa Kleidung gibt?"

    Ilka errötete wegen Dietmars charmanter Umformulierung des Werbespruchs.
    "Didi, du bist ja süß!"
    Sie umarmte ihn dafür noch mal feste, gab ihm ein Küsschen auf die Wange.
    "Ist ja putzig, dass du das mit diesem Markennamen assoziierst.
    Ich befürchte sonst eigentlich immer, mit einem lila Rindvieh in Verbindung gebracht zu werden."

    "Würde ich nie tun! Wie wäre es mit 'Illi'? Ich meinte, das sagte sogar schon Laila."

    Sie musste grinsen. Laila hatte tatsächlich denselben Spitznamen verwendet, Dietmar hatte es gehört.
    "Illi ist gut."

    Er betrachtete sie interessiert.
    "Weißt du Illi, ich würde doch gerne mal deinen Turnanzug berühren."

    Sie grinste breit.
    "Hast du doch schon. Eine ganze Nacht lang. Hattest du mir ja so erzählt."

    "Das stimmt. Aber da war leider keine Illi drin."

    Sie musste lachen, er ebenso.
    Ilka rückte näher an ihn heran.
    "Na dann, tu es, berühre den Turnanzug mit Illi inklusive. Sieh, was dann passiert, Didi."
    Sie lächelte geheimnisvoll.

    Er näherte seine Hand ihrem Turnanzug, ihrer Taille. Sie zeigte keine Anstalten von Unbehagen.
    Kontakt!
    Ilka schauderte. Es durchzog ihren ganzen Körper!
    Nun berührte er mit der ganzen Hand ihre Taille. Sie seufzte wohlig. "Schööön."

    "Oh Illi, du bist so schön warm. Und ein wenig feucht."

    Sie errötete. "Es ist wirklich heiß hier. Ich hätte lüften sollen."

    "Nee nee, Illi. Du warst schon vorher so. Du bist eine ganz Heiße."

    Sie erschauderte. Hatte er sie etwa durchschaut?
    Ilka tat unwissend. Sie versuchte vom Thema abzulenken. "Was soll ich tun?"

    "Gegen Schwitzen hilft duschen. Nicht heiß, nicht kalt, sondern lauwarm."

    "Und das soll ich jetzt machen? Und was machst du derzeit?"

    Dietmar lächelte verwegen. "Ich werde dir behilflich sein."

    Ilka sprang auf, ein Feuer glomm in ihren Augen, eine Idee kam ihr in den Sinn. "Komm mit!"

    Er folgte ihr ins Bad. Sie legte zwei frische Handtücher auf die Ablage neben der Dusche. Er wunderte sich.

    Langsam entledigte sie sich ihrer Hose, und gab somit den Blick auf ihre langen Beine frei. Nun stand sie nur noch im Turnanzug da. In ihrem rosa Turnanzug. Wohlproportioniert, fraulich, attraktiv.
    "Illi, du bist ein Anblick für die Götter."

    Sie blickte ihn keck an.
    "Dankeschön! Nun hilf mir aus dem Turnanzug."

    Sie drehte ihm den Rücken zu. Er begann, ihre Schultern zu massieren, überlegte währenddessen kurz, wie man einen Turnanzug denn auszieht, analysierte das Problem.

    Sie schnurrte wohlig wie eine Katze. "Oh ja, eine Massage ist auch ein Genuss. Aber nun befreie mich bitte von dem Turnanzug", bettelte sie.

    In dem Moment hatte er eine Lösung gefunden und schob den Anzug von ihrem Schultern. Sie leistete keine Gegenwehr.
    "Ja, befreie meine Arme, Didi."

    "Aber nur, weil du es bist."

    Sie kicherte. Er half ihr, ihre Arme aus den Ärmeln zu ziehen. Sie genoss es mit einem wohligen "Ja!"

    "Und nun hinab mit dem Turnanzug."

    "Ich helfe dir gerne, Illi."
    Er strich ihr an der Seite entlang, schob den Anzug nach unten.

    "Oh, du bist ja fast Profi!"
    Sie ließ den Anzug zu Boden fallen, zog ihren Schlüpfer aus und stieg dann allein in die Dusche, zog den Vorhang zu.

    Dietmar hob den Anzug auf. Er konnte ihn nicht einfach irgendwo ablegen, ohne vorher über den glänzenden Stoff gestrichen und daran geschnuppert zu haben.
    Er hörte das Pladdern des Wassers, was nach nicht mal einer halben Minute erstarb. Dafür hörte er ihre Stimme.
    "Mist, das Duschgel ist alle. Didi, hol bitte mal aus dem weißen Schrank eine neue Flasche."

    "Kommt sofort, Illi."
    Er machte sich prompt daran, fand auch gleich eine. Als er ihr die Flasche geben wollte, hielt er inne, überlegte es sich anders.
    Er weigerte sich, worauf sie ungeduldig wurde.

    "Hey Didi, gib mir die Flasche!" Sie lugte hinterm Vorhang hervor, ihre nassen Haare klebten am Körper.

    Sie wollte gerade anfangen zu drängeln, als sie mit ansah, dass er etwas von dem Inhalt auf seine Hand rinnen ließ und auf sie zukam.
    Eben noch ein wenig schmollend, wandelte sich ihr Gesichtsausdruck in Erstaunen.

    Dietmar grinste.
    "Illi, lass dich von mir einseifen."

    Vor der Duschkabine stehend, glitten seine Hände bedächtig und gefühlvoll auf Ilkas pitschnassen Körper entlang.
    Sie seufzte wohlig.
    Weißer Schaum aus tausenden kleinen Bläschen bedeckte ihren Körper. Ein angenehmer, wohlriechender Duft breitete sich im Raum aus.
    Dietmar arbeitete sich langsam vor. Ihre 'heiklen' Stellen sparte er aber aus.
    Ilka wünschte sich insgeheim, dass er bei ihr alles einriebe.

    "Herrlich! Didi, du bist ein echt Süßer!"

    Irgendwann komplett schaumbedeckt schlang sie von ihm unerwartet ihre Arme um ihn und zog ihn so an sich, dass sein Shirt auch rundum eingeseift wurde.
    "Sei MEIN Süßer!" frohlockte sie und küsste ihn auf seine Stirn.

    Er konnte ihrem Wunsch in diesem Augenblick irgendwie nicht nachkommen.
    "Hey Illi, was soll das? Ich bin voller Seife!"

    Sie kicherte, nahm den Brausenkopf in die Hand und drehte das Warmwasser wieder an.

    "Didi, ich mag dich! Das war eine liebevolle Umarmung für dein Einseifen.

    Aber warte, ich weiß Rat, wie man den Seifenschaum entfernt. Ich könnte es abspülen."


    Bevor er reagieren konnte, richtete sie prompt für zwei Sekunden lang die Duschbrause auf sein Shirt.
    Nicht zu lang, wollte sie doch nicht ihr ganzes Badezimmer unter Wasser setzen.

    "Du, jetzt bin ich auch noch nass!"

    "Ach Didi, dann komm doch einfach mit rein."

    Sie spielte ein Spiel mit ihm, das wurde ihm nun klar. Aber vielleicht wartete sie nur auf ihn. Wollte sie mehr? Sein Zorn verrauchte. Seine Abenteuerlust erwachte.
    "Aber ohne Leggings."

    Sie nickte. Ohne die blaue, trocken gebliebene Leggings und der Unterbüx trat er in ihre Duschkabine.
    Dank ihrer tatkräftigen Hilfe war sein Shirt wieder seifenfrei. Aber dafür total durchnässt.
    Das war ihm dann sowieso egal. Er zog es aus und machte sich daran, seine Duschpartnerin abzubrausen, die das liebend gern auskostete.

    Nach dem Abdrehen des Wassers sagte er gespielt ernst:
    "So Ilka, nun bekommst du deine verdiente Abreibung."

    Erst schaute sie sparsam. Ihr zögernder Blick ging aber in ein Lachen über, als er zu dem einen Handtuch griff und fortfuhr:
    "Ich reibe dich ab, mit dem Handtuch, Illi."

    "Und ich dich dem zweiten Handtuch", grinste sie.

    "Daher also das zweite Handtuch. Du hast das also von vornherein geplant. Illi, Illi."

    "Ja Didi, ich gestehe, ich habe ein wenig nachgeholfen, du hast mich durchschaut."

    Er nahm es ihr nicht krumm, grinste breit.

    Sie griff blind das zweite Handtuch, zog es von der Ablage, ohne genauer hin zu sehen.
    Dummerweise rutschte dadurch seine trockene Leggings mitsamt Unterbüx herab, fiel zu Boden, genau in die Pfütze neben der Duschwanne, die durch ihr leidenschaftliches Spritzen mit Wasser entstand.

    Sie merkten das beide nicht, rubbelten einander trocken. Als sie beide aus der Duschwanne heraustraten, erkannte Dietmar, dass nun auch seine übrige Kleidung nass war.

    "Hey Illi, sieh doch, was du gemacht hast. Alles ist durchnässt."

    "Oh Didi, tut mir leid, das habe ich aber wirklich nicht absichtlich gemacht."

    "Ich habe ja keine Wechselklamotten hier."

    "Das kriegen wir hin."

    Er wunderte sich. Ilka öffnete einen Schrank. Sie entnahm einen rosa-rot-blau-gemusterten Badeanzug und zog ihn an. Hauteng umspielte er ihre deutlichen Kurven. Dietmar musste sich eingestehen, dass ihn ihr lycraverhüllter Oberkörper mehr anmachte als unverhüllt.
    "Wir lassen die nassen Sachen auf dem Balkon trocknen. Bei dem warmen Wetter geht es schnell."

    "Und in der Zwischenzeit?"

    Sie überlegte, grinste schelmisch: "Ich habe noch ein paar Badeanzüge hier, trag doch einen davon, während deine Sachen trocknen."

    Erst wollte er widersprechen, überlegte es sich doch schnell anders.
    Einen Badeanzug zu tragen hatte er auch schon mal vorgehabt, es ergab sich aber nie. Nun war die Chance da.
    "Welche Badeanzüge hast du denn da, Illi?"

    "Diese hier."
    Sie holte drei Badeanzüge heraus, allesamt Sportbadeanzüge. Einen einfarbig rosa gefärbten, einen schwarzen mit Rosa-Blumenmuster und einen, welcher stufenlos von Dunkelblau an den Beinlöchern bis Rosa am Dekolleté überging und im Rücken als X-Träger-Form geschnitten war.

    "Ich glaube, ich nehme den Anzug mit dem stufenlos gefärbten Übergang."

    "Gute Wahl."

    "Geht der nicht kaputt, wenn ich breiter Kerl den anziehe?"

    "Nö, Badeanzüge sind recht dehnbar. Und nein, Didi, du bist nicht viel breiter als ich. Er müsste dir passen."

    "Na gut. Hilfst du mir?"

    "Klar."
    Neugierig steckte er seine Beine nacheinander durch die Beinlöcher des Anzugs. Er zog ihn am Körper hoch, unterstützt von Ilka. Sie entwirrte und richtete die Träger gerade. Was für ein Gefühl, hauteng am Oberkörper umschlossen zu sein!
    "So Didi, fertig. Toll siehst du aus! Guck in den Spiegel."

    Auch der visuelle Eindruck gefiel ihm.
    "Danke, Illi, für diese tolle Erfahrung."

    Sie strahlte. "Bitteschön! Er gefällt mir auch. Lass uns auf den Balkon gehen, den Tag gemütlich ausklingen."

    "Aber nur mit einem eisgekühlten Drink."

    "Logo."

    Beide mixten sich noch für jeden einen sanften Engel.
    Auf einem Wäscheständer auf dem Balkon hängte Ilka die nassen Sachen auf. Es war immer noch sehr warm, und die Sachen trockneten schnell.

    Sie machten es sich auf dem Balkon bequem und plauderten den Abend lang.

    Irgendwann ergab sich eine Gesprächspause. Sie schauten hinab auf den Park von Obertupfingen und schwiegen.
    Ilka schmiegte sich an Dietmars Schulter. Ein wohliges Gefühl durchfuhr beide, als ihre Badeanzüge aneinander rieben.

    Er legte liebevoll seinen Arm um sie, die andere Hand streichelte sanft ihren Bauch.
    "Illi meine Süße", flüsterte er ihr zu, küsste sie an ihre Stirn.

    Es ging ihr durch und durch. Illi, meine Süße, hatte er gesagt. Sie fragte sich schon länger, wie es wohl mit ihr und ihm weitergehen würde. Und mit ihr und Laila.
    War es nur ein Spiel zwischen zwei rosaverrückten Lycrafans? Ein Spiel zwischen zwei Turnanzug-verrückten Frauen?
    Oder war da mehr dahinter? Wer sollte ihre ganze Aufmerksamkeit erhalten?
    Didi? Lai? Beide? Oder aber keiner von ihnen? Ilka konnte bislang keine endgültige Entscheidung fällen.

    "Oh Didi mein Süßer", stieß sie zufrieden-lüsternd hervor und ließ sich weiter streicheln.
    Angenehm berührt gab sie nun Didi den Vorzug und dachte: Ich bin gerne deine zarteste Versuchung.
    Obwohl - jetzt ein wenig Schokolade, wäre auch nicht schlecht.

  • Jetzt hast du ja schon wieder für "Hitze" zwischen Lycrafans gesorgt, du Schlingel.


    Aber der Reihe nach: "Was Frauen halt so tun, wenn sie unter sich sind." - wenn das so wäre, dann möchte ich nur noch Frauen zusehen, "wenn sie unter sich sind" :P

    Da hatte Ilka schon zu tun, sich nicht zu verraten. Andererseits könnte ich mir irgendwann sogar eine zufällige "Dreisamkeit" von Ilka, Laila und Dietmar vorstellen (Wunschdenken?)


    ...bekennende Dessertlegasthenikerin... - Wie kommst du nur auf solch klasse Ausdrücke?


    "... Die zarteste Versuchung? Seit es rosa Kleidung gibt?" - Die Assoziation mit einer Schokoladenmarke lag zwar auf der Hand, wurde aber perfekt gelöst.:thumbup:


    Ansonsten hätte die Körperreinigung gerne auch gemeinsam noch in der Lieblingskleidung starten können. Jedenfalls durfte Dietmar durch die "zufällig" nass gewordene Kleidung Sachen von Ilka tragen. Deren Duft hatte ihn ja bereits "ohne Inhalt" fasziniert und nun muss es wohl der Himmel auf Erden für ihn sein.


    Ich denke, die beiden bringt so schnell nichts mehr auseinander, obwohl Ilkas alternatives Interesse zusätzliche Glücksmomente schaffen kann.

  • Danke euch!
    Jaja, da hatte Ilka einen reichlich anregenden Sonntag gehabt. Ich hatte viel Spaß beim Schreiben. Wem sie sich zuwenden wird, keinem, einen von ihnen oder gar beiden wird noch erst mal vertagt. Wobei ihre (augenblickliche) Sympathie bei Dietmar liegt.
    Was Frauen tun, wenn sie unter sich sind, weiß ich auch nicht. Aber Ilka.
    Der Ausdruck mit angehängtem -legastheniker stammt von einem ehemaligen Kumpel von mir (z.B. "Tanzlegastheniker").
    Es bedeutet, dass derjenige eben eine Sache (überhaupt) nicht kann oder können will.
    Hier bedeutet es, dass Ilka keine Desserts zubereiten kann, da sie keine Ahnung davon hat, und das bekennt, zugibt.
    Den Werbespruch von M (mit) ILKA ist ja entdeckt worden. Auch das mit der zartesten Versuchung.

    Danke KunstTurnLover für deinen Kommentar. Freut mich.

    Das nächste Kapitel wendet sich zwei anderen Personen aus der TuFiTa zu.
    Aus erholungstechnischen Gründen des Autors aber erst zum Monatsende.

  • Oh, ich habe mich ein wenig verspätet, musste mit einigen Widrigkeiten kämpfen, aber noch heute gibt es was Neues aus Staffel 2.


    Die Kapitel Nerdbecher, Dr Lycra, Nebenzimmer und Bei Ilka spielen alle am Sonntag.

    Das folgende Kapitel 25, Fabians Nachricht, ebenso.


    Viel Spaß damit.

  • Kapitel 25: Fabians Nachricht

    Sonntag Nachmittag

    Gunda fuhr mit dem Rad spazieren.
    Sie tat es nicht freiwillig, wurde dazu von Ingo und Lisa aufgefordert. Die legten ihr nahe, mal die Stube zu verlassen, um auf andere Gedanken zu kommen. Was sie Gunda nicht verrieten war, dass sie auf Gundas Gejammere zeitweise auch keine Lust mehr hatten.

    Zum Radfahren trug Gunda den dunkelblauen Turnanzug, den ihr Nereida mal getanzt hatte. Der war weich und anschmiegsam, das, was sie gern mochte. Sie hatte Gefallen daran gefunden, den Turnanzug zu tragen; etwas, was noch vor einem halben Jahr für sie undenkbar schien.


    Darüber hatte sie eine schwarze Leggings an, am Kopf das rot-weiße TuFiTa-Stirnband. Sie sah eigentlich recht sportlich aus, allerdings könnte man sie anhand ihrer Kleidung eher einer Gymnastikgruppe zuordnen als dem Radsport.
    Wobei - ihre zusätzlichen Pfunde konnte man schon gut erkennen, dem Turnanzug sei Dank. Sie hatte aber damit gelernt umzugehen, wurde in der TuFiTa freundlich aufgenommen. Nicht mal Silvia lästerte über sie. Nun war auch noch Sandra, ihre Arbeitskollegin, mit in die Gruppe gekommen, die noch stärker bei schick war.

    Das ganze Training in der TuFiTa aber machte aus Gunda noch lange keine Top-Athletin.
    Keuchend mühte sie sich ab. Obertupfingen war alles andere als eine ebene Stadt am Meer; dort gab es viele Hügel, wo sie außer Puste kam. Gruntenhausen, wo sie früher wohnte, lag in einem sehr breiten Tal mit kaum Steigungen.

    Sie fuhr hinab zur Tupfe, konnte sich ein wenig erholen, während sie bergab rollte. Am Fluss lag ein Bootshaus des TSV Obertupfingen und es befanden sich dort ein paar Kanufahrer, die ihre rot-weiß-lackierten Boote an Land zogen. Rot-Weiß waren die Vereinsfarben des TSV.
    Auch Fabian befand sich unter den Sportlern.

    Neugierig näherte sie sich den Aktiven.
    Da wurde sie von Fabian lächelnd erkannt, als er gerade mit einem Kameraden sein Kanu an Land gezogen hatte.
    "Hey Gunda, schön dich zu sehen, wie geht's dir?"

    "Hallo Fabian. Mir geht es gut", beschönigte sie ihr aktuelles Wohlbefinden. Wobei sie sich eingestehen musste, dass das Radfahren die düsteren Gedanken für längere Zeit verdrängt hatten, und ihre Antwort doch ein wenig die Wahrheit einfing.

    Er gesellte sich zu ihr, in seinen schwarzen Leggings, die ein wenig wie Laufhosen aussahen.
    "Freut mich. Du bist ja auch aktiv."

    "Ja, ich bin mit dem Rad unterwegs, um mich fit zu halten", log sie.

    Sie hatte nicht viel für Radfahren übrig, fuhr nur selten im hügeligen Obertupfingen. Dass Ingo und Lisa dahinter standen, verschwieg sie.

    Ebenso ihre verringerte Ausdauer. Ohne das Turnen bei der TuFiTa, dachte sie, würde sie wohl noch viel schneller schlapp machen.

    "Das freut mich zu hören. Komm doch auch mal zu uns, Paddeln macht Spaß und hält auch fit."

    "Och nö, ich komme höchstens 100 Meter weit, dann sind meine Arme lahm."

    "Das ist alles Übungssache. Anfangs paddelst du ja auch langsamer. Außerdem bist du ja nicht allein im Kanu.

    Wir paddeln fast immer zu zweit, ein anderer ist also stets dabei und hilft dir."

    Gunda wollte es nicht, suchte weiter nach Ausreden.
    "Ich weiß nicht, wo Backbord und Steuerbord ist, kann es mir nicht merken."

    Fabian lachte. "Das musst du fürs Kanufahren auch nicht unbedingt wissen. Wir sind hier ja nicht beim Segeln.

    Wenn du es dir aber merken willst, versuche es mal mit dieser Eselsbrücke:

    Steuerbord ist rechts. Das Wort Steuer endet auf den Buchstaben 'r', 'r' wie rechts."

    Fabians Worte 'r' wie rechts hallten in ihr wider. 'R-Wi rechts' verstand Gunda und musste kurz grinsen.
    Sie hatte aber weiterhin keine Lust zum Paddeln. Es fielen ihr jedoch keine guten Argumente mehr ein.
    "Ich glaube, ich bleibe lieber auf dem Festland. Da kann man nicht im Wasser ertrinken."

    Fabian merkte, dass Gunda keine Lust hatte, musste aber grinsen.

    "Ach Gunda. Dann solltest du lieber nie wieder Rad fahren, das ist extrem gefährlich, weißt du das?

    Denn da kannst du ja stürzen oder sogar überfahren werden!"

    Gunda merkte, dass er erfolgreich ihre Argumentation ad absurdum führte.
    "Ja, ja, du hast ja Recht."

    Fabian versuchte sie zu motivieren.
    "Du scheinst einen kraftvollen Körper zu haben. Deine Kraft muss nur geweckt werden."

    "Ich bin nicht kräftig. Woran glaubst du das zu sehen?"

    "An deinem blauen eng anliegenden Turnanzug, der deinen Körper umhüllt. Du machst keinen untrainierten Eindruck."

    Sie zog erstaunt die Augenbrauen hoch. "Echt?"

    "Ja. Ich habe dich bei der TuFiTa gesehen, und du hast bei den Übungen nicht schlapp gemacht.

    Übrigens, dein blauer Turnanzug gefällt mir. Du hattest ihn ja bei der TuFiTa schon angehabt."

    Sie war ein wenig irritiert. Er wusste noch von ihrem Turnanzug?!
    "Danke! Das weißt du noch?"

    "Ja klar. Ich habe doch mit dir zusammen geturnt und dich dabei angesehen. Weißt du das nicht mehr?"

    Sie dachte nach. Erst nach einiger Zeit erinnerte sie sich an ihn. Ja, das stimmte sogar! Sie turnte zwar mit Fabian zusammen, hatte auch ihren blauen Turnanzug an, aber sie sah nur zu Dietmar. Ihren Turnpartner hatte sie komplett ausgeblendet. Oder einfach drüber hinweggesehen. Fabian war ja kleiner als sie.
    "Doch, doch. Das stimmt", gab sie zu.

    "Du bist kräftig, und ich finde, du solltest mal mit uns mitpaddeln. Gib dir mal einen Ruck."

    "Aber das ist doch langweilig. Immer nur uninteressante Bäume und Büsche am Ufer."

    "Da irrst du. Obertupfingen hat auch schöne Ecken, vom Wasser aus betrachtet. Die Mühle, die Beethovenbrücke, der Friedensplatz und die Kirche, nebenan das Eiscafé Thomsen mit seinem großen Biergarten mit den vielen Leuten, direkt am Fluss. Einmaliger Ausblick."

    "Und hast du denn da heute irgendetwas besonderes gesehen?" fragte sie eher lustlos.

    "Ja, am Eiscafé Thomsen. Sogar zwei Leute, die du kennst."

    "Wen denn?"

    "Dietmar und Ilka, von der TuFiTa."

    Als Fabian diese Namen erwähnte, dachte Gunda, sie träfe ein heftiger Schlag.
    Ihre schlechte Laune meldete sich prompt wieder. Emotionslos, aber neugierig fragte sie:
    "Was haben die gemacht?"

    "Die beiden hatten mich gesehen und winkten. Wir haben dann miteinander aus der Ferne gesprochen, ganz kurz allerdings.

    Beide saßen im Eiscafé zusammen an einem Tisch. Sie sagten, sie wollten sich einen schönen Nachmittag machen.

    Ich konnte noch zum Abschied sagen, genießt den schönen Sonntag, dann war ich mit den anderen Paddlern auch schon vorbei gefahren."

    Dietmar, also ihr Dietmar, und diese blöde Ilka saßen zusammen an einem Tisch! Und dann wollten die sich auch noch einen schönen Nachmittag machen?!
    Gunda war entsetzt. Gut, dass sie da nicht anwesend war. Auf diese Begegnung hätte sie liebend gern verzichten können. Also noch ein weiterer Grund, nicht zu paddeln.

    "Na gut, dann will ich mal wieder weiter. Tschüss", beendete sie kurzerhand das Gespräch.

    "Ja, tschüss Gunda, machs gut. Bis zum nächsten Mittwoch in der TuFiTa. Vielleicht kommst du eines Tages ja mal mit zum Paddeln."

    Sie erwiderte nichts, dachte nur 'Bloß nicht', drehte sich um und fuhr geladen davon.
    Ihr Gesicht lag in Zornesfalten. Na warte Dietmar, wenn ich dich morgen in der Firma sehe, dann garantiere ich für nichts mehr!

    Fabian sah ihr hinterher.
    Sie muss wohl nicht gut auf die zwei zu sprechen sein. Vielleicht Eifersucht?, kombinierte er richtig.

    Ach Gunda. Wenn er an sie dachte, fühlte er sich ein wenig zu ihr hinzugezogen; ihm wurde erneut klar, dass er sie mochte. Dasselbe Gefühl hatte er schon am Mittwoch Abend in der TuFiTa gehabt. Und ihr blauer Turnanzug fühlte sich auch gut an.

    Sein Versuch, sie heute zu überreden, mal mit ihm und den anderen zusammen Kanu zu fahren, war leider gescheitert.
    Oder lag es im Endeffekt vielleicht daran, dass er fast zehn Zentimeter kleiner als Gunda war, und alle seine guten Argumente wegen seiner geringeren Körpergröße an Gunda abprallten?
    Dass er ihr einfach zu klein war, um bemerkt oder für voll genommen zu werden?

    Schade eigentlich, dass sie so ist, wie sie ist, seufzte er.
    Naja, irgendwann finde ich meine Richtige, und Gunda ihren Richtigen, dachte er, und wandte sich wieder seinen Kameraden zu.

  • ... und Gunda, dieses Schaf, merkt es schon wieder nicht, wenn sich einer offensichtlich für sie interessiert. Sie ist immer so vernarrt in andere Personen, dass sie ganz den Überblick dafür verliert, was noch so alles um sie herum passiert. Und letzten Endes steht sie wieder mit gar nichts da.

    Tja, Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mir Eifer sucht was Leiden schafft.


    Leider ist es im richtigen Leben oft so, dass man sich auf einen möglichen Partner versteift und dabei völlig Blind anderen gegenüber wird.

    Hätte ich Gunda in den Gymnastiksachen auf dem Rad gesehen, hätte ich alles daran gesetzt sie anzusprechen. Aber momentan ist sie etwas stark auf Dietmar fixiert.


    Liest sich flüssig und außerdem wurde es mal wieder Zeit was Neues von den Obertupfingern zu lesen.

  • Kapitel 26: Gunda bei Nereida

    Gunda dachte schon längst nicht mehr an Fabian, als sie auf dem Weg war. Aber seine Nachricht von Dietmar und Ilka kreiste ständig in ihrem Schädel.

    Sie fuhr einfach weg. Weg von der Tupfe. Weg von dem Ort dieser Nachricht.
    Am liebsten irgendwohin hin und sich verkriechen. Schade, dass Altidantsa Sweliana nicht mehr da war. Die hätte sie bestimmt unter ihre Fittiche genommen.
    Irgendwann erreichte sie den Marktplatz. Da kamen ihr Nereida und Oksana in den Sinn. Die waren doch auch immer verständnisvoll. Vielleicht hören die ihr ja zu und stellen sich auf ihre Seite. Sie brauchte einfach ein paar Verbündete.
    So stellte sie ihr Fahrrad vor deren Haus ab und drückte den Klingelknopf.
    Hoffentlich sind sie da, dachte Gunda traurig.

    "Wer ist da?" hörte sie die blechern klingende Stimme von Nereida aus der Sprechanlage.

    "Gunda."

    "Oh Gundi, komm herauf", hörte sie.

    Gunda öffnete nach dem Summen die Tür, ging die Treppe hoch, Nereida öffnete ihr. Oksana war nicht da, wollte noch etwas besorgen.

    "Hey Gundi, schön, dass du da bist!"
    Die Turnfee tänzelte ein wenig, so wie es ihre Art der Begrüßung war.

    "Hallo Nereida", kam es kraftlos von Gunda.

    "Was ist denn mit dir los, du siehst ja aus wie ein Häuflein Elend."
    Diese für uns wohlbekannte Redewendung hatte sie erst vor ein paar Stunden von Oksana gelernt und nun zum ersten Mal angewendet.
    Nereida verstand zwar die deutsche Sprache, aber mit Redewendungen stand sie regelmäßig auf dem Schlauch.

    "Es geht mir nicht gut, Nereida. Hilf mir bitte. Du bist doch meine R-Wi-Patin, meine Ama."

    Nereida musste innerlich der verzweifelten Person zustimmen. Eine Patin auf R-Wi ist, wie auf der Erde, eine Ersatzmutter oder -vater. Nur wurde das auf R-Wi viel intensiver praktiziert als auf der Erde. Nereidas Beschützerinstinkt wurde geweckt. Sie schaute ihre da-da, also ihr Patenkind an und zog sie in die Wohnung, hin ins Wohnzimmer.
    "Komm mit, Gundi-ke-re-da-da; lasst dich erstmal umarmen."

    Gunda ließ es geschehen. Tränen kullerten ihre Wangen hinab.
    Sie sank auf das Sofa, Nereida setzte sich neben sie.
    Die Turnfee sagte nichts, dachte nichts. Sie umarmte erneut ihre traurige Besucherin und konzentrierte sich auf deren Gedanken.
    So konnte sie Gundas Gefühlslage anhand der Gedanken entschlüsseln, ohne dass ein Wort gesagt wurde.

    "Magst du erzählen, was dich bedrückt?" fragte sie dennoch.

    "Nereida, er hat mich betrogen. Dieser hinterträchtige unharmonische Schuft!"

    "Schuft?"
    Nereida kannte das Wort nicht. Ihre schnelle Nachfrage war ihr im Nachhinein ein wenig unangenehm. Es müsste ein negatives Wort sein.
    Gunda sah drüber hinweg.
    "Na, dieser Übeltäter! Fiesling! Kaltherziger Unharmonisator! Der hat mich betrogen!"

    "Wen meinst du?"

    "Dietmar, mein Arbeitskollege! Mit dieser ... rosa Ilka."
    Gunda fiel es schwer, die zwei nicht wüst zu beschimpfen. Den Namen 'Ilka' sprach sie aber so aus, als ob es was total Ekliges wäre.

    Nereida las fortwährend Gundas Gedanken, nahm sie zur Kenntnis, kommentierte sie jedoch nicht.
    "Woher weißt du das, dass er dich betrogen hat?"

    So langsam taute Gunda auf. Sie erzählte schweren Herzens, was Fabian ihr berichtet hatte.

    Nereida wies sie darauf hin, dass es allerdings sehr wenig Informationen waren, wie dann auch Gunda eingestehen musste.
    Dietmar und Ilka sollen laut Fabian gesagt haben, sie wollten sich einen schönen Nachmittag machen.
    Mehr hatte er nicht von den beiden gehört.

    Nereida klärte Gunda auf, dass das, was dann passiert war, als unsicher zu betrachten sein musste, und Vermutungen sind reine Spekulation.

    In diesem speziellen Fall wusste Nereida aber schon viel mehr, als Gundas Sätze und Gedanken ihr an Informationen vermittelten. Saß sie doch selber vor drei Stunden mit Beata, Oksana und Laila im Eiscafé, als Ilka und Dietmar zu ihrem Tisch kamen. Ihre Beziehungsantenne hatte ihr unmissverständlich mitgeteilt, dass die beiden einander doch recht sympathisch waren. Nereida freute sich sogar darüber.
    Sie behielt das aber für sich, damit Gunda sich nicht noch mehr ärgerte.

    Gunda sah ein, dass sie so nicht weiterkam. Ihr kam ein anderer Vorschlag in den Sinn.
    "Nereida, kannst du denn mal bitte Dietmar so umstimmen, dass er diese Ilka fallen lässt und mich begehrt?"

    Nereidas Lächeln wich kurzzeitig einem Entsetzen. Auf R-Wi wäre Gundas Forderung mit größtem Befremden aufgenommen wurden. Diese Bitte um Manipulation war ein krasser Verstoß gegen die Harmonielehre.
    Nereida war zwar in der Lage, anderen Personen im sichtbaren Umkreis ihre Gedanken per Gedankenübertragung einzuflüstern (das wusste Gunda nicht), durfte das aber offiziell nur, um die Harmonie der betreffenden Person zu stärken. Wenn gleichzeitig anderer Leute Harmonien damit gestört würden, wäre es ihr untersagt.
    Sie fing sich wieder, sah Gunda freundlich, aber bestimmt an und antwortete:
    "Liebe Gunda, was du da von mir verlangst, ist - diplomatisch ausgedrückt - äußerst unharmonisch gegenüber den beiden. Das tue ich einfach nicht, es widerstrebt dem Gedanken der Harmonie zutiefst."

    "Mir gegenüber ist sein Verhalten aber ebenso total unharmonisch! Was soll ich denn tun?"

    Nereida strich sanft über Gundas Schulter. Sie fühlte zweierlei - Gundas Schmerz und Gundas weichen Turnanzug, ließ sich von zweiterem aber nicht ablenken.
    "Ich spüre deine Enttäuschung und es tut mir auch leid für dich. Aber lasse deinen Frust doch nicht an Dietmar oder Ilka aus. Halte dein Herz offen für jemand anderes. Und habe Geduld mit dir. Liebe kann man nicht erzwingen.

    Du bist übrigens nicht allein damit. Ich war auch jahrelang ohne einen Geliebten oder einer Geliebten. Tinaxana Beata zum Beispiel ist immer noch allein. Und in der TuFiTa gibt es noch etliche andere Frauen ohne Partner oder Partnerin."

    "Wirklich? Woher weißt du das?"

    "Ja, ich weiß es, denn ich bin eine R-Wi-a. Oder eine Fee, wie ihr Menschen sagt. Eine Tanzfee und Turnfee."

    Nereida merkte, dass Gunda noch nicht überzeugt war und versuchte sie aufzumuntern.
    "Gundi, die Liebe kommt zu dir, wenn du es am wenigsten erwartest."

    "Und in der Zwischenzeit, was soll ich da machen, ke-re-ama?"

    Nereida lächelte und streckte einladend ihre Hand aus. "Tanze ein wenig mit mir. Deinen schönen Turnanzug hast du ja schon an. Komm Gundi-ke-re-da-da."

    Ihr entwaffnendes Lächeln brachte Gunda dazu, aufzustehen.
    Gemeinsam tanzte sie mit der Turnfee. Nereida hatte es geschafft, sie aufzuheitern.

    Gunda dankte ihr für ihre Anteilnahme, fuhr eine halbe Stunde später zurück nach Hause, mit Nereidas Zusage, wenn es Gunda wieder schlecht ginge, würde sie ihr wieder Beistand geben.

    Danke Nereida, du bist eine echte Fee, dachte sie beim Abschied.

    Die Turnfee vernahm es und zwinkerte aufmunternd mit den Augen.

  • Mal wieder ein klassisches Turnfee-Kapitel mit allem, was Nereida ausmacht. Gunda hat momentan ein bisschen den Anschluss an das reale Leben verloren und wünscht sich fast trotzig wie ein Kind eine Beziehung. Doch zumindest ein wenig, konnte Nereida sie mit ihren Harmoniefähigkeiten wieder aufrichten.


    Die Schilderung der "vermeintlich" betrogenen (vermeintlich, weil Gundi und Dietmar ja keine Beziehung haben, sondern nur einseitiges Anschmachten) ist sehr wirklichkeitsgetreu. Es zeigt deutlich die falsche Sichtweise, die für die Betroffene zur Realität wird. ("Unharmonisator" :thumbup:).


    Die Kernaussage steckt jedoch in Nereidas tröstenden Worten "... die Liebe kommt zu dir, wenn du es am wenigsten erwartest."

    Und wie ich dich Desi kenne, hast du bereits im Hinterkopf wie sich diese Aussage in etwa dreißig Kapiteln bewahrheitet. ;)

  • Ja, es ist von dir richtig beschrieben, Gundas kindlicher Trotz. Also möchte die Patin Nereida (30) ihr Patenkind Gunda (43) auf den richtigen Weg führen.
    "Die Liebe kommt zu dir, wenn du es am wenigsten erwartest" ist ein Satz, der mir mal über den Weg lief und sich auch für mich bewahrheitete.
    Im nächsten Kapitel ist es Montag, Bürotag, wo alle wieder arbeiten müssen. Da sehen wir weiter.