HAHN IM KORB

  • Hey Lycwolf, du haust ja wieder einen großen Stapel Folgen heraus. Mannomann.
    Ein ermittelnder Detektiv.
    Eine wach gewordene Perserin.
    Eine professionelle Licht- und Soundanlage inkl. Betreuung fürn Hunderter mit Selbstbeteiligung.
    Eine hochglänzende Beziehung, mal gleichberechtigt, mal ist sie sehr dominant.
    Ein Ortsname. Hinterbrentschelbach. Ist das der Ort allen Geschehens?

  • Danke Desi.


    Hinterbrentschelbach ist eine Verballhornung der nicht minder ungewöhnlichen Ortsnamen im Pfälzer Hinterland. Es ist nicht der Name des Ortes des Geschehens, sondern soll nur Absurdität in Verbindung mit CSI hervorheben.


    (Genau wie der noch immer fehlende Name der Turngruppe, ließ ich auch den Handlungsort offen. Ob aus Faulheit oder aus gewollter Nichtfestlegung mag der Leser für sich entscheiden).

  • Ich konnte es mir jetzt aber nicht nehmen zu googeln ob es den Ort nicht doch gibt. Das Ortseingangsschild hätte bestimmt extrabreite :lol:
    Das schlimme scheint ja zu sein das es in der Pfalz ähnliche Orte geben muss. :o


    Grüße Rockfire

  • Kapitel 26


    Wer auch immer die Bezeichnung "Kleintransporter" erfunden hatte machte sich damals bestimmt keine Gedanken darüber, welch monströse Auswüchse diese Kastenwagen einmal annehmen würden. Klein war an dem Fahrzeug von Light&Sound allenfalls das begrenzte Gesamtgewicht. Von den Ausmaßen her, war wegen des verlängerten Radstands das nächst größere wohl ein Sattelschlepper.


    "Wär´s nicht besser, du würdest an den anderen Eingang fahren?", fragte Frank seinen Freund und Techniker. Dort ist eine Rollstuhlrampe."


    Es gab zwei direkte Zugänge zur Turnhalle. Der, den Vince im Visier hatte war zwar breiter, hatte aber auch drei Treppenstufen und ein Podest davor.


    "Nein, hier ist´s besser", wiegelte Vince ab als er die hinteren Türen des Transporters öffnete und komplett zu den Fahrzeugseiten hin umklappte. "Sag´ einfach Bescheid, wenn ich etwa dreißig Zentimeter von der Treppe entfernt bin."


    Nun gut, er musste wissen wie er am besten entladen konnte. Frank öffnete beide Flügel der Hallentür und wies den Kastenwagen ein. Dieser war bis unter das hohe Dach vollgepackt und er fragte sich, wozu das ganze Zeug nötig sei. Darauf achtend gut sichtbar in Vince´s Außenspiegel aufzutauchen, winkte er ihn heran. Dann überkreuzte er die Arme und rief laut "Bescheid!", woraufhin der Wagen präzise zum Stehen kam.


    Alke, Kim, Nasrin und Aitana hatten sich mit den restlichen Gymnastinnen abgesprochen den Aufbau zu bestreiten. Zusammen mit ihrer Trainerin und dem einzigen männlichen Mitglied warteten sie gespannt darauf, wie die ganze Ausrüstung in die Turnhalle geschafft werden sollte.


    "Nicht gerade phantasievoll in der Farbgebung", beschrieb Alke das was man durch die offene Heckpartie sehen konnte. Alles war entweder Mattschwarz oder silbrig glänzend.


    "Bei uns geht es nicht darum einen Schönheitspreis zu gewinnen", antwortete Vince der mittlerweile zwischen Transporter und Tür stand. "Alles muss zweckdienlich, transportabel und möglichst unauffällig sein."


    Mit diesen Worten schnappte er sich zwei Handgriffe oberhalb des Nummernschilds und zog einmal kräftig an. Eine Rampe aus strukturiertem Aluminiumblech kam zum Vorschein. Bestimmt vier Meter lang, überbrückte sie die Kluft bis zum Hallenboden. Vince genoss sichtlich die erstaunten Blicke.


    Er trat zu den Turnern in die Halle, sah sich kurz um und erklärte dann wie vorzugehen sei.
    "Ich habe mir das so vorgestellt: Der Hauptbereich ist ja der viereckige Boden. Links und Rechts davon stellt ihr ja verschiedene Geräte auf und hier zur Fensterfront hin habt ihr euer Trampolin. Dass dazwischen das Kletterseil etwas abseits hängt, sollte uns nicht hindern die Hauptrichtung auf die Linie Boden und Trampolin zu legen."


    "So hatten auch wir es uns gedacht", bestätigte Sannah.


    Vince ging zurück zu seinem Equipment. "Ich gebe euch jetzt nacheinander verschiedene Kisten raus und ihr verteilt sie an die entsprechenden Stellen."


    Sofort schob er einen brusthohen Schrank auf großen, blauen Rollen über die Rampe.


    "Das kommt an die Hallenwand unterhalb der Tribüne, seitlich von eurem Bereich", wies er an und die knuddelige Aitana machte sich umgehend damit zur dirigierten Position auf.


    "Diese beiden gehören auch dazu." Zwei etwas niedrigere Rollcases machten sich mit Nasrin und Alke auf den Weg.


    Das Fahrzeug war sehr geschickt in umgekehrter Reihenfolge zu den späteren Einsatzorten beladen, was das Verteilen immer weiterer Rollkisten sehr zügig vonstatten gehen ließ. Immer neue Kästen, mattschwarz mit Firmenlogo, Aluminiumkanten und blauen Gummirollen erschienen auf der Rampe, begleitet von Anweisungen.


    "Passt mit denen ein bisschen auf, die sind verdammt schwer", erklärte Vince als das erste von zwei tiefschwarzen Gebilden fast von alleine die Rampe herab kam.


    Diese waren anders gestaltet als die vorhergegangenen und Frank merkte, dass er etwas mehr Kraft aufbringen musste um sie zu bewegen. Das Teil war, wie auch das folgende welches Sannah in Empfang nahm, fast so breit wie die Rampe. In Länge und Höhe maß es jeweils das Doppelte seiner Breite.


    "Schiebt die erst mal weit weg, denn die werden ziemlich zum Schluss gebraucht", kam Vincents Anordnung.


    Auch die nächsten beiden sollten erst mal an der selben Stelle geparkt werden, obwohl diese wieder mehr wie die Cases vom Anfang aussahen.
    Zwei weitere große Behälter waren für den Turnboden bestimmt und danach folgten noch mehrere Tragekoffer und zweckentfremdete MG-Munitionskisten.


    "Wann hört denn das endlich mal auf?", fragte Kim etwas außer Puste und die Antwort: "Das waren die leichten Sachen. Jetzt kommen wir zu den sperrigen" stellte sie auch nicht gerade zufrieden.


    Vince gab nacheinander mehrere, etwas über zwei Meter lange Stäbe an die Turnerinnen.


    "Und wo sollen diese "Bohnenstangen" hin?", erkundigte sich die kompakte Spanierin und trug sie der folgenden Angabe gemäß zur Fensterseite der Halle. Stange für Stange folgten die anderen Helfer ihrem Beispiel.


    "Beim Molton brauche ich etwas Unterstützung", forderte der stattliche Veranstaltungsprofi, woraufhin Sannah und Nasrin eine von zwei schwarzsamtenen Teppichrollen am Transporter übernahmen. Die dunkle Wurst schien gar kein Ende nehmen zu wollen. Bestimmt über fünf Meter lang. Sie passte gerade so in den Laderaum. Frank und Alke übernahmen das andere Ende und waren froh, dass der Weg zur Fensterfront nicht so weit war.
    Nachdem sie auch die zweite Rolle herbeigeschafft hatten, machten sie eine kurze Verschnaufpause.


    Sannah wandte sich an Vince: "Ich hatte keine Vorstellung davon, wie viel Material du hier auffährst."


    "Was dachtest du, warum das normalerweise so viel Geld kostet?", entgegnete er. "Ich bin da noch ganz andere Größenordnungen gewohnt."
    "Los", trieb er sie schon wieder an. "Noch das Gestänge, dann haben wir alles raus."


    Was er so flapsig als "Das Gestänge" bezeichnete, waren in Wirklichkeit Fachwerkelemente aus Aluminiumrohren, jeweils mit quadratischem Grundriss und knapp drei Meter lang. dazu gehörten noch massive Fußteile, die sie nur mit Rollbrettern transportieren konnten. Zum Schluss folgte noch eine lange Kunststoffröhre, die starke Ähnlichkeit mit einem Rolladenkasten hatte.
    Frank holte mit Vince noch einige Eimer mit Handwerkszeug und schweren Stahlbolzen. Dann schoben sie die Rampe wieder ein und er fuhr den Kastenwagen beiseite.


    Gemäß Angabe ihres Vorarbeiters stellten sie die "Bohnenstangen", die ebenfalls aus Aluminium bestanden und einen schweren Tellerfuß aus Stahl besaßen, im Abstand von jeweils zwei Metern auf. Quer dazu wurden die Teppichrollen gelegt, die Vince als "Molton" bezeichnete.
    An den Stangen befanden sich Haken und das schwarze Tuch hatte ebenfalls im Zweimeter Abstand alle halbe Meter in Metallösen eingefasste Löcher.


    "Jetzt verstehe ich", erkannte Kim. "Das wird der Hintergrund um die Fenster abzudunkeln, Stimmt's?"


    Ein Kopfnicken bestätigte ihre Frage.
    Um die obersten Ösen zu erreichen mussten die Mädels noch auf Kästen steigen. Bei den weiteren ging es bereits bequem im Stehen.


    "Was jetzt?", fragte Alke als an der Hälfte der Stangen etwa zwei Meter hoch der schwarze Stoff hing.


    Vince erklärte ihnen, wie sie mittels der kleinen Handkurbeln auf der Rückseite der Stative die Teleskopstangen höher schrauben konnten. Sie waren genügend Leute um alle Kurbeln ziemlich zeitgleich zu bedienen. Jeden halben Meter klappe ein weiterer Haken aus den Teleskopschienen heraus, in den sich eine weitere Öse hängen ließ.


    "Frank", wandte er sich an seinen Fußballkollegen, "Du musst mir mit der Stromversorgung helfen. Die Mädels kriegen den Backdrop auch ohne dich hin, oder?" rief er den konzentriert arbeitenden Turnerinnen zu.


    "Eis-ho-key", bestätigte Kim mit ihrer üblichen Verballhornung von "Alles Okay".


    Bis zum Treppenhaus konnten sie den Stromverteiler schieben. Hoch zum Flur der Umkleiden war jedoch Muskelkraft gefragt.


    "Jetzt weiß ich auch, warum bei euch überall Rollen dran sind", stöhnte Frank ob des nicht gerade geringen Gewichts.


    Sie hatten vereinbart den Strom aus der Trainerkabine zu holen. Zwar gab es auch im Heizungsraum noch einen Anschluss für Kraftstrom, aber dieser hier hatte direkt den zugehörigen Sicherungskasten. Zudem war er neueren Datums, was weniger Störungen vermuten ließ.
    Vince entfernte die haubenartige Abdeckung der Transportkiste und sowohl Vorn wie auch Hinten kamen unzählige Anschlüsse verschiedener Art zum Vorschein.


    "Zweifache Ausführung", erklärte der Techniker. "Bei Unterbrechung oder Sicherungsauslösung springt sofort ein redundanter Stromverteiler ein."


    Er schob den riesigen, roten 400V Stecker von Unten in die entsprechende Steckdose an der Wand, vergewisserte sich aber zuvor dass sämtliche Sicherungsautomaten am Verteiler ausgeschaltet waren.


    "Ich gehe wieder in die Halle und gebe dir zwei Kabel durchs Fenster, die du dann hier einsteckst."


    Daraufhin verschwand sein Freund und er wurde sich bewusst, dass er wieder alleine an jenem Ort war, wo vor knapp einem viertel Jahr all das seinen Anfang nahm. Ein Klopfen an dem kleinen Fenster zur Turnhalle hin, holte ihn aus seinen sentimentalen Gedanken zurück. Vince reichte ihm mit ausgestrecktem Arm ein weiteres, Gartenschlauchdickes Kabel mit rotem Stecker. Und als er diesen im Stromverteiler arretiert hatte, das Gleiche nochmal.


    Im Flur traf er unerwartet erneut auf Vince, der ein weiteres Bündel Starkstromkabel über der Schulter trug.


    "Angesichts der Heimtücke unseres gemeinsamen "Freunds", sollten wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sein", sagte dieser und so verlegten sie die Zusatzleitung vom Heizungskeller durch einen Versorgungsschacht fast unsichtbar bis zu Vincent´s Schaltzentrale an der Hallenwand.


    Zurück in der Halle hatten die Gymnastinnen den Aufbau der beiden riesigen schwarzen Stoffwände abgeschlossen. Sie reichten von einem halben Meter über dem Linoleumboden bis fast unters Hallendach.
    Die Mädels beschäftigten sich bereits mit den Fachwerkstützen und hatten herausgefunden wie die Ausleger zur Standsicherheit am unteren Ende anzubringen waren. Auf einen fragenden Blick ob es so richtig sei erhielten sie ein bestätigendes Nicken.


    Derweil positionierten die beiden Männer den Vorhang so, dass eine durchgehende schwarze Wand vor der Fensterfront entstand, aber deren äußere 2-Meter-Segmente wie die Schenkel eines U´s zum inneren der Turnhalle wiesen.


    Sannah und Nasrin wies Vince an, die Kabelbrücken von ihrer jetzigen Position am Vorhang bis hin zum Technikplatz auszulegen. Seitlich von der Bodenmatte platzierte er ein T-Förmiges Teil, das den seitlichen Eingang von Kabeln in den Kanal ermöglichte. Dann demonstrierte er ihnen wie das System funktionierte. Die Hartgummielemente waren etwa einen dreiviertel Meter lang und ungefähr halb so breit. Sie konnten mit einem Nut-und-Feder-System aneinander gereiht werden. Dadurch entstand ein niedriger Kanal mit stark abgeflachten Seiten, über die man selbst Rollcontainer bugsieren konnte. Die obere Fläche war gelb gefärbt und klappbar. Beim Öffnen gab sie mehrere Fächer preis, in denen alle Arten von Kabeln stolpersicher gebündelt werden konnten.


    Wieder bei Frank, Aitana, Kim und Alke, koordinierte er das Aufrichten der Traversen.


    "Wenn die Teile richtig aufeinander stehen", zeigte er den Umstehenden, "Wird der Verbindungsbolzen hineingesteckt", er musste kurz mit dem Hammer nachhelfen, "Und zum Schluss ein Sicherungssplint eingeclipst."


    Entsprechend dieser Angaben bauten sie die zweite Stütze auf und auch noch ein weiterer Träger längs dazwischen, der an beiden Enden die Stützen umfasste. Er bestand aus zwei Teilen und war somit ebenfalls etwas über sechs Meter lang.


    "Du hast gesagt, dieses Gitter muss oben zwischen die Stützen", fragte Alke neugierig. "Aber wie kriegen wir das da rauf?" Sie blickte an der Gittersäule empor.


    "Dafür sind die beiden Kurbeln im Innern zuständig." Vince deutete auf den Innenraum der ihnen nächst gelegenen Stütze.


    "Aber da ist ja kein Seil dran, wie bei den anderen Stangen", stellte Kim zusammen mit der Spanierin fest.


    Der Fachmann zog aus dem Wickelkörper der Kurbel ein dünnes Stahlseil heraus und sagte: "Deshalb wollte ich ja dass ihr beim Aufbau mithelft."
    Er reichte das mit einer Öse versehene Ende Kim die am nächsten zu ihm stand.
    "Geübten Turnerinnen wie euch, dürfte es leicht fallen das Seil über die Rolle zu fädeln ...", dabei deutete er auf das obere Ende in fünfeinhalb Metern Höhe, "... damit wir es hier unten einhängen können." Er wies auf einen Bolzen, der aus der Umfassung der Traverse herausragte.


    Die wieselflinke Kim ließ sich das nicht zweimal sagen. Er gab ihr noch zwei Haltebolzen und sie war flugs die Sprossen der Fachwerkstütze hochgeklettert.


    "Was jetzt?", fragte sie als sie das Seil über die Rolle geführt hatte.


    "Du bleibst da oben und schiebst so lange nach, bis wir das Ende hier einhängen können."


    Meike´s Zwillingsschwester machte die gleiche Kletterpartie auf der anderen Seite und Frank hing ihre Öse entsprechend ein.


    "So Frank, wir beide kurbeln jetzt möglichst gleichmäßig und ihr da oben haltet euch gut fest."


    Nach etwa einem halben Meter hielten sie an und befestigten den langen Kunststoffbehälter der aussah wie ein Rolladenkasten, mit Klammern an der Unterseite der Traverse. Danach ging das hochziehen weiter. Als der Querträger unter den beiden Turnerinnen angekommen war, stoppten sie erneut. Die beiden mussten eine Sprosse tiefer klettern um den weiteren Weg nicht zu behindern. Nachdem sie den Rest des Wegs hochgekurbelt hatten, steckten die beiden Gymnastikmädels Haltebolzen und Sicherungsstifte ein und konnten wieder herunter kommen. Nur Kim musste nochmal zur Hälfte hoch um einen Anschluss-Stecker am Rolladenkasten einzustecken.


    Die beiden anderen waren ebenfalls fertig mit dem Kabelkanal und gesellten sich wieder zum Rest der Truppe.


    "Na, wie ist die Luft da oben?", fragte Sannah genauso schnippisch wie sie es umgekehrt von Kim zu hören bekommen hätte.


    "Von da oben konnte ich sehen, dass das dritte Bauteil von vorn etwas schief ist", konterte sie kleine Blonde schlagfertig. "Ich fürchte da müsst ihr noch mal ran."


    Vincent rollte eine weitere Kiste herbei, die längliche Bauteile beherbergte. An einer derer Enden war ein Kabel und so wirkten sie fast wie Leuchtstoffröhren.


    "Legt jeweils zwei von denen um die Ecken der Bodenmatte und an den vorderen Rand zwei zusätzlich. Die Kabel so herum, dass alle Leitungen in Richtung des T-Abzweigs am Kabelkanal weisen."


    Sannah schaute ihn noch etwas unsicher an, aber Nasrin hatte bereits verstanden. Es waren tatsächlich Lampengehäuse, aber nicht mit einer Neonröhre. Über die ganze Länge hatte sie zwei Reihen Löcher, etwa von der Größe eines Zwei-Euro-Stücks. Darin waren jeweils drei große LED´s angeordnet. Nasrin hatte den Dreh mit dem Aufstellen und Verlinken schnell raus und zeigte es Sannah.


    Zwischenzeitlich kümmerten sich die anderen um die großen Kästen, die vorhin erst mal aus dem Weg gerollt wurden. Diese wurden nebeneinander in der Mitte des eben aufgebauten Alu-Tores platziert. An den Seiten gab es mehrere Griffschalen an verschiedenen Stellen. Vince arretierte die Bremsen der Laufrollen.


    "Wir müssen die jetzt so kippen, dass sie später flach auf dem Boden liegen"


    Sie fassten auf jeder Seite zu zweit an. Zuerst war es sehr schwer das schwarze Monster nach hinten zu kippen. Da sie aber alle anpackten ließ sich das Ding nach Überwindung seines Schwerpunkts dann doch ganz gut flach legen. Bei der zweiten Kiste verfuhren sie genauso. Danach wurden die Rollbretter entfernt und gaben die Sicht auf grobporigen Schaumstoff frei. Natürlich auch Schwarz, was sonst.


    "Das sind bestimmt die Boxen", stellte Aitana fest.. "Aber warum legen wir die hier auf den Boden? Müssten die nicht seitlich sein?"


    "Da hast du vollkommen Recht", lobte Vince die dunkelhaarige von der iberischen Halbinsel. "Außer dass das hier ...", dabei zog er an einer Ecke den Schaumstoff mit etwas Kraft vom darunterliegenden Klettstreifen ab, "...nur die Bassboxen sind."


    Zum Vorschein kamen hinter einem Lochgitter zwei Lautsprecher im Format von Familienpizzas. Zusammen mit zwei topfgroßen runden Löchern bedeckten sie die komplette Frontfläche der Box. Mit einem Blick in die erstaunten Gesichter drückte er die Schaumfront wieder an ihren Platz.


    "Kommen jetzt diese dran?", erkundigte sich Frank und wollte bereits die ebenfalls abseits gelagerten Rollcontainer herschieben.


    "Moment, zuerst brauchen wir die kürzeren Stative", dabei wies er hinter Kim auf ein Bündel zusammengeklappter Rohre. Diese waren ebenfalls aus Alu, im Gegensatz zu den anderen aber schwarz lackiert. Kim legte eins davon an die linke Seite des Gerüsts und Alke brachte das Andere nach Rechts.


    "Wie geht denn das Ding auf?", fragte sie sichtlich im Kampf mit der Technik.


    "Da gibt es einen einfachen Trick", antwortete Vincent und kam ihr zu Hilfe. "Du fasst das Rohr hier oben", erklärte er, "und achtest darauf, dass eins der eingeklappten Beine von dir weg weist. Dann machst du die Arretierung hier locker", er drehte eine große Rändelschraube einige Umdrehungen zurück. "Und danach ...", dabei streckte er seinen Arm aus schüttelte das Gestänge kurz. Das Dreibein klappte auseinander, wobei zwei der Ausleger links und rechts an ihm verbeisausten. "... Voila! Jetzt musst du nur hier wieder fest drehen."


    Etwas zögerlich probierte Alke das gelernte am anderen Ständer aus. Es funktionierte problemlos, doch sie erschrak trotzdem als der Fuß aufklappte.


    "Jetzt kannst du die Tops holen", wies er Frank an.


    Damit meinte er wohl die beiden Kästen von eben. Diese waren sogenannte "Haubencases", wie Frank erfuhr. Der größte Teil war abnehmbar und übrig bleib nur der Boden mit den Rollen. Darauf befanden sich drei waagrecht liegende Gebilde. Jedes einzelne lief zu seiner Hinterseite trapezförmig zu, so dass die Vorderseiten, die wie die Subwoofer aus Schaumstoff bestanden, eine Art Bogen beschrieben. Die einzelnen Teile waren jeweils kleiner als seine Lautsprecher zu Hause und wirkten im Vergleich zu den Bässen fast zierlich. An den Außenseiten waren die Elemente untereinander mit Blechen verschraubt und an seiner Rückseite steckte das Paket auf einer Stange, ähnlich der des Stativs.


    "Halt´ dich mal an der Seite fest", forderte Vince Frank auf. "Wir heben das Paket so wie es ist heraus und stecken es genauso auf den Ständer. Keine Angst, das ist nicht schwer."


    Wahrscheinlich nicht schwer für einen geübten Veranstaltungstechniker. Zumindest das Heben bis auf Brusthöhe war nichts für zart besaitete.


    Nasrin und Sannah waren fertig mit ihrer Aufgabe und konnten beim Aufpflanzen der anderen Lautsprecher helfen.


    "Sollen wir sie gleich hochkurbeln", erkundigte sich Sannah.


    "Nein, da kommt noch was dazu. ich mach´ das nachdem alles verkabelt ist. Ihr könnt aber schon mal das Case mit der Aufschrift "AMP" neben die Subwoofer rollen und die "Rückpro" dahinter."


    Auch das Ampcase hatte eine Haube, die sie entfernten. In einem inneren Gestell befanden sich vier gleichgroße elektronische Geräte mit Schaumstoff an einer Seite und Steckanschlüssen auf der anderen. Darüber waren zwei flachere Geräte angebracht ebenfalls mit jeder Menge Steckbuchsen.


    Zwischenzeitlich hängte Vince noch je einen weiteren Lautsprecher unter das Dreierpaket. Dieser sah eher nach seinem eigentlichen Verwendungszweck aus.


    "Die sind dafür, dass ihr auch was hört. Die anderen strahlen nämlich so eng ab, dass nur die Tribüne versorgt wird."




    Kapitel 27


    Die letzten beiden Cases waren nicht schwarz oder dunkelbraun wie die meisten, sondern in einem kräftigen Rot lackiert. "VLT" stand mittels einer Schablone gesprüht darauf.


    "Die Wackeleimer kommen rechts und links vor die Lautsprecherständer."


    "Warum "Wackeleimer"?, fragte Nasrin.


    Vince hob die Haube des Transportkastens ab und das Gerät darunter hatte tatsächlich ein zylindrisches Gehäuse. Allerdings bestand das obere Ende aus einem Scheinwerfer der von zwei Metallbügeln gehalten wurde.


    "Die offizielle Bezeichnung lautet "Kopfbewegter Multifunktionsscheinwerfer"."


    Die Iranerin mit dem Punk-Outfit machte ein angewidertes Gesicht, das wieder zu ihrem Äußeren passte.


    "Ja", finde ich auch", stimmte er ihr ob des Beamtendeutschs zu. "Jedenfalls, der Scheinwerfer kann sich um jeder Achse im Raum bewegen und lässt darüber hinaus fast unendliche Lichtkombinationen zu. Mitunter dreht er sich recht schnell vor und zurück, daher der Spitzname."


    "Aber sehr variabel und vielfältig einsetzbar", erkannte Nasrin ungewöhnlich interessiert.


    "Daher auch die englische Bezeichnung "VariLite", jedoch ist das ein geschützter Markenname des Systemerfinders. Meistens werden sie als "Moving Lights" bezeichnet."


    "Wir würden gerne noch unsere restlichen Turngeräte aufbauen", unterbrach Sannah seine Erklärungen. "Brauchst du uns noch?"


    "Zumindest eine helfende Hand wäre von Vorteil. Der Rest ist abkömmlich."


    Nasrin meldete sich zur weiteren technischen Unterstützung, während die Anderen sich um Seitpferd, Kästen und Sprungbretter kümmerten.


    "Du könntest die Leitungen der LED-Bars an der Turnmatte bereits in den Kabelkanal legen", schlug Vince vor. "Am T-Stück hinein."


    "Haben wir bereits gemacht", antwortete Nasrin und erntete erneut ein anerkennendes Kopfnicken.


    "Dann fang doch mit den Lautsprecherkabeln an." Er wies auf die Munitionskästen.


    Noch bevor er weitere Anweisungen geben konnte, schnappte sich die Perserin die erste Kiste und ging zielstrebig zu den Bassboxen. Er sagte nichts denn sie hatte den korrekten Behälter gegriffen, jenen mit der Aufschrift "SUB 218". Er beschloss zunächst mal zu beobachten ob das nur Zufall war, oder ob logisches Denken dahintersteckte, bevor er sich gegebenenfalls einmischte.


    Während die restlichen Turner allerlei Ausrüstung herbeischleppten, ließ Vincent ein Auge auf seiner Helferin ruhen. Die Verkabelung war zwar entsprechend kodiert und annähernd verwechslungssicher, aber es gehörte dennoch etwas Kombinatorik dazu. Und auch etwas Kraft und Geschick, denn die Anschluss-Stecker waren ziemlich massiv. Als er den ersten Scheinwerfer ausgerichtet hatte und zum nächsten wechselte fragte er sie: "Woher wusstest du was wohin gehört?"


    "War das verkehrt?", fragte sie, aber er schüttelte den Kopf. "Es schien mir logisch zu sein. Die größten Boxen, die dicksten Kabel. Außerdem steht sowohl am Verstärker als auch auf der Kabelkiste "SUB"."


    Das überzeugte ihn. "Ich glaube ich kann dich hier alleine weiter machen lassen. Bist ein Naturtalent."


    Sie quittierte dieses Lob ohne weitere Regung, doch er war sich sicher, dass er hier nicht nachkontrollieren musste. Das gab ihm Zeit den Projektor hinter dem Gerüst aufzubauen. Dazu musste er lediglich den Deckel der Transportbox öffnen. Drei große Linsen kamen ans Tageslicht und der halb aufgestellte Deckel entpuppte sich als Spiegel. Die Zuleitungen des Beamers und der beiden Scheinwerfer bündelte er in einer kleinen Schaltbox.


    "Leg´ als nächstes die Signalleitungen von den Controllern, das sind die oberen Geräte im Amprack, zum Technikplatz", wies er Nasrin an. "Und danach noch das Datenkabel von der Switchbox der Scheinwerfer ebenfalls bis rüber."


    Er selbst hing an jede nur entfernt passende Stelle Werbebanner seines Arbeitgebers, Sound & Light auf. Danach begann er die dickeren Stromleitungen zu verlegen.


    Die restlichen Mitglieder der Show-Turn-Gruppe waren gerade dabei den Schwebebalken auf Position zu schieben. Hierbei bewies der professionelle Kabelkanal seine Praxistauglichkeit. Durch seine flachen Außenflanken konnte er von den Rollen des Turngeräts problemlos überfahren werden.


    Vince deckte sämtliche noch freiliegenden Kabel mit schweren Gummimatten ab - Sicherheit geht nun mal vor - dann gesellte er sich zu Nasrin, die am Technikplatz bereits die letzten Leitungsverbindungen herstellte.


    "Geht euch das selbe durch den Kopf wie mir?", fragte Frank seine Kolleginnen als sie sich abmühten das große Trampolin zwischen den Subwoofern und dem Freiraum des Vertikalseils zu platzieren.


    "Ich glaube schon", antwortete die gewohnt schlagfertige Kim in vollem Ernst, "Aber quergestreifte Leggings lassen mich immer etwas dick aussehen."


    Das Trampolin plumpste zu Boden und alle Turner prusteten los über diesen doch sehr flachen Kalauer, der aber anscheinend gerade im richtigen Moment für Aufheiterung sorgte. Vielleicht war an ihr eine Komödiantin verloren gegangen.


    "Nein, im Ernst jetzt", knüpfte Frank an seine Frage von eben an nachdem sie sich alle wieder eingekriegt hatten. Er deutete mit seinem Kinn auf den Technikplatz. "Wann habt ihr Nasrin außer beim Sport zuletzt so aktiv gesehen?"


    "Du meinst...", setzte Aitana an.


    "Wer weiß, könnte doch sein, oder?"


    "Glaube ich nicht", wiegelte seine Freundin ab. "Nasrin ist bei allem was sie interessiert intensiv bei der Sache. Das hat gar nichts zu bedeuten."


    Ein Summen beendete ihren Tratsch, als Oben vom Gerüstende ein großes, helles Tuch herab fuhr..


    "Sorry", hörten sie einen Ruf von der gegenüberliegenden Wand, "Nicht erschrecken."


    Dazu war es jetzt zu spät. Ein Schelm, der Absicht dahinter vermutete.


    Verschoben, unscharf und krumm erschien ein Testbild, das von hinten auf die durchscheinende Leinwand projiziert wurde.


    "Frank, verschieb´ mal den Beamer bis das Bild gleichmäßig ist", erschallte die Anweisung herüber. "Noch ein bisschen drehen ... Nein, andere Richtung ... Ja, genau so ... und jetzt noch ein wenig zurück ... Stop, so ist´s perfekt."


    Perfekt sah das für ihn noch nicht aus. Zumindest nicht von hier. Das Bild war immer noch verzerrt und unscharf. Aber das war nicht seine Baustelle. Er legte zusammen mit Aitana die letzten Sprungbretter aus und betrachtete den Aufbau als beendet.


    "Machst du bitte die Deckenbeleuchtung aus?", wurde er von Vince gefragt als er zusammen mit den anderen nach getaner Arbeit zum Technikplatz kam. "Ich muss erst die Leuchtmittel einrichten und dafür ist es besser wenn´s Dunkel ist.


    Von draußen schien kaum noch Sonnenlicht herein und in ihrer Blickrichtung wurde die Fensterfront von dem schwarzen Backdrop abgedunkelt. Der Bedienplatz hatte sich in eine wahre Schaltzentrale verwandelt. Ein Laptop, zwei Mischpulte, eines davon mit Bildschirm und eine Unmenge weitere Gerätschaften die in verschiedenen Farben blinkten. Der Techniker drehte an einigen Reglern und das Bild auf dem Screen entzerrte sich, wurde klar und scharf. Danach blitzten die Leuchtblöcke rund um die Bodenturnmatte nacheinander auf. Auch an den Boxenstativen hatten sie noch welche dieser Leuchtbänder installiert, die zur Probe sämtliche Farben des Regenbogens durchliefen. Selbst die einfachen Funktionstests waren bereits stimmungsvoll.


    Als nächstes folgten die Multifunktions-Scheinwerfer. Dünne Lichtfinger wanderten durch die Halle, als der komplette Schwenk- und Drehbereich durchlaufen wurde. Danach wechselten sich in schneller Folge verschiedene Farben, Lichtkegel und Fächer ab. Vincent´s Helferin musste den linken "Wackeleimer" noch etwas nachjustieren, damit sich die Strahlen im gleichen Punkt auf der Bodenmatte trafen.


    Den letzten Test bildeten diverse Messtöne, die durch das Lautsprechersystem geschickt wurden. Vince nahm noch kleinere Feineinstellungen am Rechner vor, dann schnappte er sich sein Tablet und machte den Eindruck als wolle er die Turnhalle verlassen.


    "Wie jetzt?", fragte Kim. "War das alles? Kein Durchlauf? Keine Lichter? Keine Musik?"


    "Doch", entgegnete er amüsiert. "Ist ja alles schon vorprogrammiert. Aber eure Zuschauer werden ja von der Empore aus zusehen, und nicht von hier unten. Deshalb stelle ich die Korrekturen von dort oben ein."


    Damit begab er sich die Treppe hinauf und alle anderen folgten, erstaunt darüber dass man das ganze Material auch fernbedienen konnte.


    "Ich komme mir richtig blöd vor", gestand die quirlige Blonde kleinlaut. "Dabei ist es doch eigentlich logisch, dass man die Wirkung vom Zuschauerraum aus kontrolliert."


    Auf der Tribüne angekommen, nahm der technische Leiter der Veranstaltung einen, wie er meinte "repräsentativen" Platz leicht abseits von Mittelfeld ein und die Turngruppe verteilte sich gespannt auf den Plätzen drum herum.


    "Bereit?", fragte Vince, den Finger am "Abzug".


    "Ähh..", meldete sich Frank zu Wort. "Ich hätte da noch eine Idee. Hoffe, es ist noch nicht zu spät dafür."


    Alle warteten sehnsüchtig auf die Show und so ruhten deren Augen jetzt anklagend auf ihm.


    "Könnte man musikalisch nicht so etwas wie einen "Countdown" einbauen?"


    Sannah erkannte sofort worauf er hinaus wollte und ergänzte: "So was wie der Pausengong im Theater. Damit die Leute merken, dass es bald los geht und sie ihre Plätze einnehmen sollen."


    "Ja genau", übernahm Frank wieder. "Nur irgendwie "hochwertiger".


    "Also, eine herunterlaufende Zeitanzeige auf dem Screen hatte ich sowieso vor, nur noch nicht programmiert. Was stellst du dir akustisch vor?"


    "Etwas leises, eher unterbewusstes. Die Leute sollen sich nicht sicher sein, ob sie Musik hören der ob sie sich getäuscht haben. eher unterschwellig", erklärte Frank der wohl schon genaue Vorstellungen davon hatte.


    Vincents Gesichtsausdruck zeugte vom Verstehen und zeitgleich mit Frank sprach er die Lösung aus: "Long Ambients von Moby."


    "Woher kennst du diese minimalistischen Klangsphären?", fragte er erstaunt.


    Frank räusperte sich. "Na, ein bisschen Ahnung von Musik solltest du mir schon zugestehen."


    Natürlich wollte er seinem Freund nicht offenbaren, wie er wirklich zu dieser Musik kam, die doch eher untypisch für den Künstler mit dem Namen von Melvilles weißem Wal war. Tatsächlich erfuhr er von den kostenfrei downloadbaren Klanggeweben ausgerechnet durch die Erwähnung in einer Geschichte die von Lycrafans handelte. Er war in einem einschlägigen Forum, welches sich mit seiner speziellen Neigung befasste darauf gestoßen. Der Autor ließ es durch eine seiner handelnden Figuren erzählen und er hatte sich diese langen, hypnotisch dahin gleitenden Stücke sofort heruntergeladen. Leider konnte er damals die Fortsetzungsgeschichte nicht weiter verfolgen, weil das Forum in den Tiefen des www verschwand.


    "Gute Idee, werde ich heute Abend noch einbauen. Jetzt aber los. Showtime!"


    Als hätte das Video nicht schon alle umgehauen. Doch was jetzt passierte ging durch Auge und Ohr direkt ins Gehirn. Die Hosenbeine flatterten als ihnen der Sound mit mächtig viel Druck um die Ohren gehauen wurde. Die Lightshow tat ihr übriges. Kaum zu glauben, dass die wenigen Lampen derart vielseitig Stimmung erzeugen konnten. Vince regelte hier, korrigierte da, aber das waren kaum merkliche Feinheiten. Seine Programmierung war bereits perfekt. Und so umfangreich, wie man es selbst im Fernsehen selten zu sehen bekam.


    "Da wird das Turnen ja fast zur Nebensache", verschaffte sich die kleine Spanierin mir erhobener Stimme Gehör.


    Projektionen von fast psychedelischem Charakter wechselten sich ab mit flächigen Lichtstimmungen durch die LED-Riegel. Dies wurde wiederum abgelöst von stroboskopartigen Akzenten und die beweglichen Scheinwerfer erzeugten mehr Muster und Farben als es noch vor Jahren in den besten Diskotheken möglich war. Breite Lichtfluten, punktgenau bewegte Spots im Takt der Musik und sogar an Laser erinnernde Lichtfächer gab es zu bestaunen.


    Lediglich die Sequenz mit dem Schleuderseil erforderte größere Anpassungen. Hier mussten die Scheinwerfer individuell ausgerichtet werden, da der Fokus nicht mehr symmetrisch dazwischen lag, sondern etwas Abseits davon. Auch die Musik schob er im tonalen Panorama etwas zur entsprechenden Seite, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer unterbewusst dorthin zu lenken. Er verstand sein Geschäft.


    Sie alle waren gebannt von der optischen Vielfalt und konnten sich bereits ihre Darbietungen dazu vorstellen. Die Übertragung der Töne war derart sauber und unverzerrt, dass es die hohe Lautstärke vergessen machte. Erst das finale Glissando, gefolgt von einem Ohrenbetäubenden Knall und allen Leuchten auf voller Stärke, brachte sie in die Realität zurück. Mit dem letzten Schlag verlöschten sämtliche Lichtquellen für einige Sekunden. Danach fuhren alle Lampen auf halbe Leistung hoch und bildeten eine ruhige Schlussbeleuchtung.


    "Und das", erklärte Vince voller Stolz in Sannah´s Richtung, "Ist der Unterschied zwischen kleckern und klotzen. Wenn euer Publikum am Samstag nur halb so verdattert aus der Wäsche guckt wie ihr gerade, dann habt ihr sie in der Tasche."


    Die Mädels und ihr Hahn im Korb applaudierten frenetisch. Der Jubel dauerte noch eine ganze Weile an und selbst als sie alle wieder auf dem Weg nach unten waren, hielt die Hochstimmung an.
    Alke und Nasrin machten sich auf, die Hauptscheinwerfer und den Beamer wieder zu verschließen. Die Leinwand fuhr ebenfalls wieder nach oben in ihre Schutzhülle


    "Dann scheint alles bestens für die Generalprobe morgen zu sein", stellte Sannah zufrieden fest.


    "Nur noch eine Kleinigkeit aufzubauen", unterbrach Vince und holte hinter dem Technikplatz ein filigranes Stativ hervor. "Ihr wisst ja, dass nicht jeder eurer Unternehmung wohlgesonnen ist."


    "Ja, einer insbesondere", ergänzte Frank.


    Das Ufo-artige Gebilde, das auf die Stativstange aufgesetzt wurde, stellte sich als Kamerasystem heraus.
    "Mit Bewegungssensoren und Temperaturfühlern wird der gesamte Aufbau überwacht. Die Kameras zeichnen jede Störung auf und übermitteln alles drahtlos an den Rechner dort drüben", erklärte Vince während er einen repräsentativen Standort dafür auswählte und die Sensoren auf über drei Meter Höhe hievte.


    "Und wenn er die Kameras einfach umschubst?"


    "Bei größeren Erschütterungen geht ein schmerzhafter Alarm los und ich bekomme eine Nachricht auf mein Tablet. Glaub´ mir, wenn Marc sich an dem Zeug hier vergreift kommt er diesmal nicht nur mit einer gebrochenen Nase davon. Dann hat er nämlich seinen letzten Furz gelassen."


    Nachdem alle gefährdeten Teile verstaut und abgeschlossen waren und die Helferinnen sich verabschiedet hatten, gingen Frank, Sannah und Vincent noch alle Räume durch und schlossen alles mit dem Gruppenschlüssel ab.


    "So", sagte Frank als sie die letzte Tür hinter sich verriegelten., "Das dürfte bis morgen sicher sein."




    Kapitel 28


    Generalprobe


    Frank war einer der letzten, als er die Turnhalle betrat. Alle kamen so früh sie konnten, teils aus Aufregung, teils weil jede wusste, dass bestimmt noch einiges zu tun war. Auch andere Vereinsabteilungen bereiteten ihren Auftritt vor und auch das Foyer wurde bereits geschmückt. Infostände wurden Aufgebaut und die Sitzgarnituren zumindest schon herangekarrt.
    In der Turnhalle hatte das Tischtennis-Team gerade ihr Sondertraining beendet und ihre Platten beiseite geräumt. Als nächstes übte die Turnjugend nochmal ihre Vorstellung.


    Alle Mitglieder der Show-Turn-Gruppe versammelten sich um Vince an seinem Technikplatz. Er hatte darauf bestanden, dass die Generalprobe in vollem Ornat, also in ihren Showanzügen abgehalten wird. Er wollte sehen, ob wegen der Farbgebung und des Reflexionsverhaltens ihrer Lycrasuits noch Korrekturen bei der Beleuchtung nötig wären.


    Momentan jedoch kniete er hinter einem seiner Gestellschränke und die anderen gruppierten sich interessiert um ihn herum.


    "Alles in Ordnung?", erkundigte sich Frank, wobei es eher den gegenteiligen Eindruck vermittelte.


    "Komm her, die anderen sind schon eingeweiht."


    "Was ist passiert?"


    "Im Grunde ist alles in Ordnung", mischte sich die hochgewachsene Mia ein. "Dein Freund hier, hat einen Hinweis darauf dass Marc wieder was angestellt hat. Er hat´s auf Video. Nichts ernstes, aber wir tun so als hätten wir Probleme. Marc spitzt nämlich von dort hinten durch die Fensterfront. Er will wohl sehen, ob er erfolgreich war. Nicht umdrehen. Wir wollen ihn in Sicherheit wiegen."


    Das alles ohne Luft zu holen. Frank blickte zu Vince.


    "Dem habe ich nichts mehr hinzu zu fügen." Auch er fühlte sich von der redseligen Giraffe regelrecht überrollt.


    "Und was war genau?", richtete Sannah, die als letzte erschien ihre Frage an den Techniker.


    "Um 22:15 hat die Überwachung aufgezeichnet wie er sich in der Halle umgesehen hatte."


    "Wie ist er hereingekommen? Wir hatten doch alles abgeschlossen."


    "Du vergisst wie eng seine Familie mit dem Verein verbunden ist", erwiderte Vince, "Da ist bestimmt noch ein Schlüssel im Umlauf."


    "Hat er denn was an dem Zeug hier kaputtgemacht?", erkundigte sich Meike.


    "Trotz seiner langen Leitung hat er die Überwachungsanlage bemerkt und eingesehen, dass er hier nicht unerkannt etwas sabotieren konnte. In der Trainerkabine hatte er etwas mehr Glück."


    "Woher weißt du das?", wollte Frank wissen.


    "Erinnerst du dich an die Zigarettenschachtel, die ich auf den Trainerspind gelegt hatte nachdem der Stromverteiler installiert war?", fragte Vincent.


    "Nein, hab´ ich nicht mitbekommen. Außerdem rauchst du doch gar nicht."


    Der Techniker ging zu seinem Laptop und startete die Wiedergabe. "Da drin steckt eine kleine Actioncam. Leider macht die einzelne Infrarot-LED nicht ausreichend hell, deshalb ist das Bild etwas verrauscht."


    Auf dem Video war zu erkennen wie sich jemand am Stromverteiler zu schaffen macht. Stecker rausziehen war selbst ihm zu profan. Man konnte direkt sehen wie er überlegte und einen Weg suchte etwas so zu beschädigen, dass es nicht sofort auffiel. Zu seinem Pech waren sämtliche kritischen Bauelemente hinter Lochgittern geschützt.


    "Hier sieht man, wie er mit einem dünnen Schraubendreher durch das Lochblech sticht", kommentierte er die Aufnahme. "Allerdings hat er dabei nur den zusätzlichen Sicherungsautomaten erwischt. Das konnte ich vorhin leicht beheben, aber ich möchte ihm seinen Triumph gönnen."


    "Und was haben wir davon?"


    "Dass er sich sicher fühlt und es nochmal probiert. Dabei wird er womöglich unvorsichtig und wir können ihn auf frischer Tat ertappen. Glaub´ mir, ich weiß wie er tickt."


    "Hoffentlich hast du Recht", meinte Sannah nachdenklich.


    "Lass das mal meine Sorge sein", sagte Vince von sich überzeugt. "Ihr solltet beginnen euch aufzuwärmen. Tut einfach so, als wäre es bereits morgen Abend, eine halbe Stunde vor der Show. Wir machen einfach einen Eins zu Eins Durchlauf um zu sehen wo´s noch klemmt. Und an die von euch, die gestern nicht dabei waren: Es kann sein dass ihr durch laute Musik und blinkende Lichter irritiert werdet. Nicht immer ist alles so ausgeleuchtet wie ihr es gewohnt seid, passt also etwas auf und erschreckt nicht"


    "Stimmt", bestätigte Sannah wieder ganz die Chefin. "Ihr wisst was zu tun ist. Los!"


    "Sieht aus, als ´ättet ihr jede Menge aufbauen müssen", bemerkte die französische Primaballerina beim Strecken und Dehnen der Muskulatur. "Sogar aufwändiger als am Theater."


    "Ja", antwortete Alke auch mit Blick auf ihre Schwester. "Was Vincent gesagt hat, wegen Ablenkung und so ist auf jeden Fall richtig. Die Show kann einen schon aus dem Tritt bringen."


    "Isch bin das gewöhnt", erklärte Aurelie selbstsicher. "Beim Ballet gibt es auch Musique und Licht. Man muss sisch ausschließlisch auf seine Bewegungen konzentrieren, sonst geht es Schief."


    Als die Truppe mit der isometrischen Gymnastik begann, schaltete Vincent einige der Scheinwerfer ein. Die Hauptbeleuchtung konnte gelöscht werden, da die Moving-Lights weißes Licht über die Decke reflektiert auf die Tribüne fluteten.


    "Sieh´ mal", wies die rothaarige Annalena auf die Leinwand, während sie mit Meike im leichten Trab umher lief.


    Auf dem Screen erschien das Wappen des Sportvereins auf schwarzem Hintergrund.


    "Woher hast du das?", rief Sannah fragend zur Technik rüber.


    "Hab´ ich von einem alten Plakat gescannt. Ihr habt ja kein eigenes Logo."


    Die Idee war nicht schlecht, dachte sie und eine "Corporate Identity" mit einem treffenden Namen wäre sicher auch nicht verkehrt.


    Man konnte leise Töne hören, die nur gelegentlich aus den Umgebungsgeräuschen heraustraten und erst nach einiger Zeit als "Ambient-Music" wahrgenommen werden konnten. Gleichzeitig erschien eine abwärts zählende digitale Zeitanzeige unter dem Vereinsemblem. 20:00. Minuten und Sekunden tickten herunter.


    "Genau so habe ich mir das vorgestellt", rief Frank erfreut und machte sich mit Sprüngen auf der Stelle bereit für seine Aufgabe.


    Die Ballettmädels nutzten die fast im Dunkeln liegende Sprossenwand für ihre tänzerische Vorbereitung. Die Zwillinge und Mia machten Bocksprünge über ihre gegenseitigen Rücken. Die Hochbeinige Gazelle musste dabei immer etwas in die Hocke gehen, damit sich die beiden anderen nicht jetzt schon verausgabten.


    Auf der Empore ging es unruhig zu. Die Turnmäuse von eben hatten sich umgezogen und wollten jetzt alle sehen, was sich sonst noch in der Halle tat. Ihre Trainerin versuchte ihr aufgeregtes Geschnatter etwas im Zaum zu halten.


    "Schau mal Vince", rief Frank dem Mann am Regler zu und deutete auf die Ränge, "für eine möglichst exakte Simulation haben wir sogar Zuschauer."


    Das war tatsächlich gar nicht so verkehrt. Schließlich würde es morgen Abend auch nicht beschaulicher zugehen. Auf diese Art wusste er, dass er die Lautstärke der Hintergrundbeschallung ruhig etwas höher einstellen konnte.


    Die Uhr war bei knapp Fünf Minuten angelangt. Alle Turner kamen zusammen und Sannah ließ nochmal die Motivationstrainerin ´raushängen. Eine gewisse Nervosität war allen anzumerken. Frank wollte sich mit einem schweifenden Blick über die attraktiven Lycra-Leiber ablenken, wie er es schon einmal bei der ersten Probe gemacht hatte. Doch hier unten in der Halle war es zu dunkel um sich am Anblick der glänzenden Anzüge zu ergötzen. Obwohl der Blaue Lycrastoff selbst hier verführerische Lichtreflexe zeigte.


    "Alles klar bei euch?", fragte Vince in die auffallend stille Runde. "Zwei Minuten noch."


    Das zeigte auch der Timer auf der Leinwand. Das unterschwellige Musikstück ging seinem Ende entgegen.


    Eine Minute.


    Das Wappen des Vereins verblasste zunehmend und die Scheinwerfer wurden langsam gedimmt.


    Dreißig Sekunden


    Jetzt war nur noch die Uhr zu sehen. Die Moving Lights waren völlig dunkel und auch die beiden LED-Bars fuhren ihre Leuchtkraft herunter.


    00:08, 00:07, 00:06, 00:05, 00:04


    Die Ziffern stellten nun die einzig verbliebene Beleuchtung dar.


    00:03, 00:02, 00:01


    Die Zeitanzeige blendete sanft über in das Wort "Showtime" und gleichzeitig ertönte dieses Wort auch in einer tiefen Männerstimme aus den Lautsprechern. gesampelt von einem Alien eines Science-Fiction Films von Luc Besson.


    Doch jetzt gab es keine Gelegenheit mehr länger nachzudenken. Der Hallenboden bebte von den tieffrequenten Wellen des Gewitters, das von Stroboskopeffekten aus allen Scheinwerfern unterstützt wurde. Selbst diejenigen unter ihnen die bereits gesehen hatten was da auf sie zukommt, waren überrascht und mussten erst wieder ihren Einsatz finden. Nur gut, dass der Beginn von Vorn herein als Chaos geplant war. Selbst die Theater-erprobte Aurelie strauchelte etwas.


    Dann aber fanden alle zu ihrer gewohnten Form zurück. Konzentriert auf die bereits verinnerlichte Musikabfolge, spulte die Truppe ihre intensiv geprobten Übungen ab. Wie ein Uhrwerk griff ein Rädchen ins andere, als sich die Turnerinnen mit Hechtsprüngen und Flic-Flacs überkreuzten. Das sich drehende Dreigestirn aus Frank und den Zwillingen Meike und Alke wurde in gleißendes Licht gehüllt, während die restlichen Gymnastinnen geheimnisvoll von unten her illuminiert wurden.


    Bei jedem Programmpunkt wurden die Hauptakteure durch gezielte Beleuchtung hervorgehoben. Der phänomenale Sound setzte entsprechende Akzente. Mal erstrahlten die Darsteller in hellem, klaren Licht, welches die optischen Vorzüge ihrer Kleidung herausarbeitete, mal dienten ihre Lycra-Anzüge als Reflexionsfläche für Farbexplosionen ungeahnter Vielfalt. Der Screen zeigte dazu passend mystische Hintergrundbilder und stimmungsvolle Filmsequenzen aus vermengenden Farben und Formen.


    Alle Mitglieder turnten ihre Parts in Hochform. Nicht der geringste Fehler war auszumachen. Das ganze Drumherum trieb sie eher an, als dass es sie ablenkte.


    Wäre die Lautstärke geringer gewesen, hätte man aus den Mündern des noch sehr jugendlichen Publikums ängstliches Einatmen vernehmen können, als Lena und Kim das Kletterseil empor stiegen. Frank schleuderte das dicke Tau synchron zur Musik durch den Raum und die fliegenden Gymnastinnen durchquerten abwechselnd bunte Lichtkegel und intermittierende Blitze, die ihre Nummer noch dynamischer erscheinen ließen.


    Auch hierfür ernteten sie spontanen Applaus, wie schon zuvor für die Pferdsprünge, die rhythmische Bodenkür oder die Übungen auf dem Schwebebalken.


    Die Zeit verging wie im Flug und das letzte Highlight stand an. Die drückenden Bass-Schläge der riesigen Subwoofer die direkt hinter ihm standen, gaben Frank jedesmal einen Extraschub. Das Trampolin brachte ihn höher hinaus als zuvor und jede seiner Figuren in der Luft wurde von den Scheinwerfern in Szene gesetzt. Das sonst zu vernehmende, dumpfe Geräusch der Sprungbretter die seinen Mitstreiterinnen Schwung verliehen, wurden diesmal vom Klangteppich völlig überdeckt. Auch das quietschen der altersschwachen Sprungfedern war unhörbar.
    Die vorüberfliegenden Akrobatinnen wurden abwechselnd in ihrer Folge hell und farbig ausgeleuchtet. Ohne Akteure war dieser Wahnsinnseffekt gestern nur zu erahnen gewesen.


    Als Abschluss zeigte Frank sogar noch einen Salto vorwärts, den er bisher aus Vorsicht ausließ.
    Die Turnjugend auf der Empore war völlig aus dem Häuschen und ihr Jubel übertönte selbst die Musik.


    Noch einige letzte Sequenzen und die Truppe reihte sich wieder über die Diagonale der Bodenmatte der Größe nach auf. Die Leuchten rund um den Boden ließen ihre Ganzanzüge glänzen wie flüssige Farbe. Perlende Musik markierte den Startpunkt für die "La Ola"-artige Verbeugung, bei der auch das Licht eine gleichartige Abfolge durchlief. Beim abschließenden Donnerknall blitzten sämtliche Leuchtmittel nochmal kurz in blendender Stärke auf. Dann folgten zwei Sekunden absolute Dunkelheit.


    Stille


    Der Jugend hatte es die Sprache verschlagen. Die Lampen fuhren langsam wieder auf ein mittleres Niveau hoch und auf dem Screen wurde wieder das Vereinswappen eingeblendet. Jetzt hielt die Kids nichts mehr zurück. Ein tosender Jubel brandete los und die verschwitzten Gesichter der Gymnastinnen begegneten sich in tiefer Zufriedenheit.


    "Mon dieux. Also das ´ätte isch jetzt doch nischt erwartet", gestand die erfahrene Theatertänzerin. "Das war ja wie ein Rockkonzert."


    "Ja, nicht?", bezeugte Mia deren flacher, schlanker Körper in dem Blau-Orangenen Ganzanzug wirkte wie ein frisch lackiertes Surfbrett. "Gar nicht so einfach den Einstieg zu finden. Und sich zu orientieren, wenn´s dauernd blitz und blinkt. Oder wenn es dunkel ist und die Musik überraschend laut wird ..."


    Ihre Bekundungen gingen noch eine ganze Weile so weiter, aber ihre Kolleginnen waren alle noch zu sehr außer Puste um ihr das Wort abzuschneiden.


    Frank trat zu seiner Freundin und deutete auf die Empore: "Denen hat´s zumindest gefallen."


    Die Kleinen mussten sich jetzt schnell auf den Heimweg machen. Hoffentlich hatte ihre Trainerin bei den Eltern Bescheid gegeben dass es etwas später wird..


    "Was meinst du", fragte Vince, "Sollten wir zum Ausklang noch ´ne Weile leise Musik laufen lassen?"


    "Damit die Gäste nicht das Gefühl bekommen wir wollten sie loswerden?", kommentierte Sannah. "Ja, das macht Sinn. Ich würde gerne auch noch einiges sagen, kannst du ein Mikrofon mitbringen?"


    "Du meinst für Danksagungen, Werbung und sowas?"


    Die Trainerin nickte. und Vincent notierte es sich auf seinem Tablet.


    "Oh Schei ... benhonig", fluchte Kim als sie das Tablet sah. "Wusste ich doch, dass ich was vergessen hatte. Ich wollte doch noch eine Aufnahme machen. Mist, gerade wo alles so gut geklappt hat."


    "Bei den stark wechselnden Lichtverhältnissen wär das mit einem Mobilgerät eh´ nichts geworden", beruhigte der kräftige Techniker. "Aber wenn du deine entzündeten Äuglein mal dort oben aufs Geländer richten möchtest." Er wies auf ein Kamerastativ an der Seite der Tribüne. "Ich hab´ dran gedacht. Sogar in HD."


    Die zierliche Blonde fiel ihm um den Hals, was eher wirkte wie ein Vater mit seiner Tochter.


    "Kriegen wir dann alle Kopien?", kam die eigentlich überflüssige Frage der rot gelockten Annalena.


    Für einen kurzen Moment bedachte die persische Tänzerin ihre quirlige Kollegin mit einem scharfen, missgünstigen Blick. Bevor aber andere aus der Truppe etwas bemerken konnten, wich der anfängliche Zorn ihrer üblichen Zurückhaltung.


    Dafür blickte jetzt die Französin etwas bedrückt drein.


    "Was ist?"


    "Ach, im Theater ist man sehr abergläubisch. Man sagt, wenn die Generalprobe glatt läuft, geht bestimmt was bei der Premiere schief. Isch ´abe Angst, das könnte sisch bewahr´eiten."


    Selbstredend taten die Anderen ihr bestes um ihrer Freundin diese Furcht zu nehmen und hüpften ausgelassen johlend um sie herum.


    Sannah sah sich das Treiben etwas Abseits an. Auch sie lachte und es wirkte, als wäre eine große Last von ihr abgefallen.


    "Na, zufrieden?", fragte ihr Freund.


    "Mehr als das. Aber ich bin jetzt auch ein bisschen kaputt", stöhnte sie.


    "Dann muss ich wohl zusehen, wie ich dich wieder aufmuntere." Mit diesen Worten gab er ihr einen langen und gefühlvollen Kuss. Die beiden lösten sich erst voneinander, als das erste gekünstelte Räuspern zu hören war.


    "Schon gut, schon gut", entschuldigte sie sich. "Die Performance jeder einzelnen von euch hat mich schwer beeindruckt", lobte sie. "Nicht minder die professionelle Show die, und ich glaube da sind wir uns alle einig, unsere Qualität mindestens verdoppelt."
    Ihre letzten Worte: "Wir sehen uns dann spätestens morgen Nachmittag in alter Frische" gingen im Beifall unter. Nach einer Weile schickten sich alle an zu den Umkleiden zu verschwinden.


    Auch Vince hatte alles wieder sicher verstaut und ging hinter den letzten Mädels die Treppe hoch. Er fing das Handtuch auf das vor ihm von Nasrins Schulter gerutscht war.


    "Hier, hast du fallen lassen."


    Der Griff der Iranerin als sie ihr Handtuch wieder an sich nahm war eine Spur zu lang und ihr Lächeln etwas zu freundlich für ihre Verhältnisse. Ob es ihr zufällig runterfiel?



    "Zu dir oder zu mir?", fragte Frank knapp als er nach Sannah die Turnhalle abschloss. Sie grinste nur.

  • danke für die nächsten Folgen... Hast du da noch was modifiziert (weil das Forum seinen Geist aufgibt) oder war das damals auch grad schon so?
    PS: "Gartenschlauchdickes Kabel" => schon mal geschaut, das gibts: Adapterkabel 1/2" G******(bekannter Name eines Schlauchanschlussherstellers) auf 32A-Stecker ;)

  • Sehr viel Technik. Sehr schon beschrieben. Hoffen wir, dass alles hält.
    Und auch Moby mit seinen langen Ambient-Stücken kam zu Ehren.
    Aurelie meint, Generalprobe läuft glatt, was ist mit der Hauptaufführung?
    Es bleibt spannend.

  • Danke an euch für die netten Kommentare.


    toby :
    Dies ist die Variante aus dem Story-Sammelband, aber im Grunde unverändert zur Erstveröffentlichung.
    Lediglich in wenigen Punkten, die mehr mit dem Lesefluss zu tun hatten, ist die Geschichte verändert.
    Vor allem in den Schlusskapiteln gibt es das eine oder andere Wort mehr, aber nicht in nennenswertem Maß.

  • Kapitel 29


    Anstelle ihres Rennrads hatte Sannah heute wieder ihr Auto mit und als sie nicht in Richtung Franks Apartment abbog beantwortete sich seine Frage:


    Zu ihr also.


    Seit sie zusammen waren, sah er nun zum ersten Mal ihr zu Hause. Bisher hielten sie sich immer nur bei ihm auf. Es war eine Einliegerwohnung in Souterrain eines Zweifamilienhauses, nahe des Feldes zum Nachbarort. Obwohl sie sich nicht grundlegend von anderen Wohnungen unterschied, merkte man dennoch sofort dass sie von einer Frau bewohnt wurde. Der Anteil an Pflanzen, Duftkerzen, Dekostoffen und anderem Schnickschnack war deutlich höher als in seiner Junggesellenbude.


    "Gib mir deinen Anzug", forderte sie ihn auf, ihren eigenen bereits in Händen haltend. "Ich wasche sie kurz durch, dann sind sie morgen wieder trocken."


    Der Vorschlag war nicht schlecht, denn heute Abend war doch einiges an Schweiß geflossen.


    "Im Kühlschrank findest du was zu trinken", reif sie aus dem Bad. "Schenk mir bitte ein Glas von dem angebrochenen Weißwein ein. Gläser sind im Hängeschrank über der Spüle."


    Diesem Wunsch schloss er sich an und stellte kurz darauf die beiden Weingläser auf dem Wohnzimmertisch ab. Er blickte sich um und betrachtete die Fotos, die kunstvoll wie eine Collage an eine der Wände drapiert waren. Bestimmt Familienmitglieder und Freunde. Auch einige Bilder auf denen Sie zu sehen war.


    "Hast du Haustiere?", fragte er in ihre Richtung als er die Bilder einer Katze mit schwarzweißem Fell sah.


    "Nicht mehr. Seit mein Kater vor zwei Jahren überfahren wurde, wollte ich keine mehr."


    Sannah war fertig im Bad und kam zu ihm ins Wohnzimmer, wo gerade etwas an der gegenüberliegenden Wand seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte.


    "Ich wusste nicht, dass du auch mal getanzt hast", stellte er fest als er das Foto seiner noch jüngeren Partnerin sah, welches sie bei einer Ballettaufführung zeigte. Daneben hingen ein Paar Spitzenschuhe aus rosa Satin.


    "Ja, ich gehörte früher auch zu den Tanzmäusen", erklärte sie und trat an ihn heran. Sie umfasste seine Taille und betrachtete das Bild zusammen mit ihm. "Meine Lehrerin meinte aber ich sei zu wenig grazil, nicht elegant genug und damit hatte sie nicht mal unrecht. Dann habe ich mich dem Turnen zugewandt und die Ballettschuhe sprichwörtlich "An den Nagel" gehängt."


    Er drehte sich ihr zu, umarmte sie locker mit den Händen auf ihrem Hintern und küsste sie auf die Nase. "Du warst bestimmt ein süßer Schwan, meine kleine Hupfdohle."


    Sie lachte und begann ihn zur Strafe zu kitzeln, weshalb auch er ausgelassen lachen musste. Wie frisch verliebt alberten sie herum bis sie sich auf die Couch fallen ließen.


    "Zum Wohl", prostete er ihr zu, das Weinglas in der Hand.


    Der kühle Schluck tat gut. Danach lehnte er sich gemütlich zurück und sie kuschelte sich an ihn. Mit der Fernbedienung stellte sie leise Musik an und begann etwas gedankenverloren über seine Schenkel zu streicheln.


    "Was hast du im Sinn?", fragte er mit geheuchelter Unschuld.


    "Nichts was dir nicht gefallen würde."


    "Ähhm ... Ich habe morgen ein wichtiges Spiel und der Trainer hat gesagt: Kein Sex vor dem Spiel"


    "Sex ist überhaupt nicht meine Intention", murmelte sie beschwörend und rückte noch näher. "Jedenfalls nicht auf gewöhnliche Art."


    "Und ... und außerdem", stotterte er gekünstelt schüchtern, "Habe ich keine Wäsche zum wechseln mit."


    Seine Verführerin stand daraufhin langsam auf und meinte: "Dafür weiß ich eine Lösung." Auf dem Weg in ihr Schlafzimmer dimmte sie die Deckenlampe des Wohnzimmers.


    Frank nahm einen weiteren Schluck während er gespannt auf ihre "Lösung" wartete. Er knipste die beiden Lava-Lampen links und rechts des Sofas an.


    "Ah, du hast also die Intimbeleuchtung gefunden. Dann kann ich das Hauptlicht ja ganz löschen." Sie warf ihm ein dünnes Stoffbündel zu. "Hier, schlüpf in deinen Schlafanzug", lachte sie als sie nochmal im Schlafzimmer verschwand.


    Neugierig faltete er den Lycra-Fetzen auseinander und hatte bereits eine Ahnung womit sie ihm eine Freude bereiten wollte.


    "Genier dich nicht", rief sie, den Kopf durch den Türspalt gesteckt. "Ich weiß doch was du am Sonntag gedacht hast."


    Tatsächlich, es war ihr Badeanzug. Der mit dem bläulich, weißlichen Farbschema den er an ihr so bewundert hatte. Sie konnte ihn schon sehr gut einschätzen. Er hatte wirklich davon geträumt so etwas mal zu tragen.
    Mit schnellen Bewegungen entledigte er sich seiner überschüssigen Kleidung, zögerte dann aber als müsste er planen wie er in den Anzug kommt. Blödsinn, dachte er. Ist auch nicht anders als ein Gymnastikbody, und stieg durch die weite Hals/Rückenöffnung ein.
    Wie jedes Kleidungsstück aus Lycra fühlte sich der Badeanzug herrlich kühl und einschmeichelnd auf seiner Haut an. Er war jedoch sehr knapp, deshalb musste er einige Male daran herum zupfen bis alles richtig an seinem Platz war. Frank atmete zufrieden aus als er seine Hände vom Brustbereich aus nach Unten über seinen verhüllten Körper streifen ließ. Obwohl er dieses schwer zu beschreibend angenehme Gefühl zur Genüge kannte, war es diesmal leicht anders. Er konnte nicht ausmachen was ihn diesmal mehr erregte. War es der geringere Stoffanteil verglichen mit einem Turnanzug? Oder die spezielle Situation? Oder weil der anschmiegsame Stoff schon die Haut seines Schatzes liebkost hatte?
    Womöglich von alledem etwas.


    "Na, gefällt dir dein "Spielanzug"?, fragte Sannah verführerisch als sie wieder zu ihm trat. Sie wirkte wie ein Abbild seiner selbst. Auch sie trug einen Badeanzug. Das gleiche Modell mit der selben Struktur, jedoch anderen Farben. Bei ihrem Body dominierten warme Rot und Orange Töne mit Schwarz. Durchwebt von einigen weißen Sprengseln. Sie war das wärmende Feuer und er das kühlende Eis. So wie hierbei alles zusammenpasste, hauchte das der abgenutzten Phrase "Partnerlook" völlig neues Leben ein.


    Sie schmiegte sich an ihn und fragte leise: "Na, musst du immer noch nach Hause?"


    Die beiden glitten zurück auf die bequeme Couch. Ihr Lycragewand rieb zirpend über seinen seidigen Stoff und ums Versehen entstand ein Wirrwarr von Händen und Mündern. Beide genossen das Prickeln, das die sanften Berührungen mit den Fingerspitzen auslösten. Je zärtlicher, desto elektrisierender.


    "Hast du da deine Socken drin verstaut, oder freust du dich mich zu sehen", raunte sie in sein Ohr während ihre Hand seine Südpolar-Region erkundete. "Ich hoffe nicht, das das Zucken bei dir schon auf Parkinson zurückzuführen ist, oder?", fuhr sie fort ihn zu necken. Doch sie musste einsehen, ihre Tastarbeit für eine Weile besser in andere Regionen zu lenken, wollte sie noch länger Freude haben.


    Er ließ ihr ihren Spaß und fuhr sanft über das Gewebe, das ihre Rippenbögen bedeckte. Diese Berührung ließ sie erschauern und sofort verflocht sich ihre Zunge wieder mit seiner. Frank´s Hand glitt über ihre straff verpackte Oberweite und folgte anschließend dem immer dünner werdenden Träger bis zu ihrem Genick. Er liebte es die Nackenhaare eines Mädchens zu kraulen. Dass diese Idee nicht die schlechteste war, verriet ihm das wohlige Brummen seines Gegenübers, das wie das Schnurren einer Katze wirkte.


    Aus den Lautsprechern ertönte eine Powerballade aus vergangenen Tagen. Ein Stück aus der schöpferischen Hochphase einer Kalifornischen Sleaze-Rock-Band. Damals bezeichneten die Jungs solche Lieder, bei denen ihre Mädels willig dahinschmolzen abfällig als "Dosenöffner".
    Erstaunlich, dass dieses Musikstück ihn erneut an den Internet-Treffpunkt für Lycra-Freunde erinnerte. Eine weitere dort veröffentlichte Geschichte über Lycra-Liebhaber trug den selben Titel. "November Rain".


    Mittlerweile hatte seine Partnerin ihre Finger über seinen Rücken wandern lassen, wo sie sich unter den strammen Lycra-Bändern einhakten und diese neckisch schnalzen ließ.


    "Ganz schön Eng, deine zweite Haut, was?"


    "Eng ja, aber auch schön", antwortete er und massierte dabei ihre straffe Sitzfläche, neidisch nicht auch so perfekt gerundet zu sein. Sie betastete derweil das glatte Gewebe über seinem Stahlharten Brustkasten.
    Frank zeichnete mit dem Finger eine Linie nach, beginnend von Sannah´s Halsausschnitt zwischen den beiden Wölbungen des Glücks hindurch über ihr festes Bäuchlein und die Grube ihres Nabels bis hin zu dem kleinen Hügelchen mit der Furche südlich ihres Äquators, welche durch den körpergenauen Stoff erregend in Szene gesetzt wurde. Kurzzeitig sog seine Partnerin die Luft schneller ein, als er sie an ihrer privaten Stelle berührte, entspannte sich aber sofort wieder und wartete auf mehr.


    So einfach würde er es ihr nicht machen. Seine Finger verließen den Badeanzug über den Beinausschnitt und besuchten die Innenseiten ihrer unbekleideten Schenkel. Tatsächlich nahm er feinste Vibrationen ihrer Haut wahr, was ihm zeigte dass sie ihn bestimmt steinigen würde, sollte er jetzt von ihr ablassen. Er ließ seine Finger zurückwandern und tastete dabei präzise die Erhebungen seitlich ihres Vergnügungsgrabens ab. Ihre Atmung beschleunigte sich wieder und fies wie er nun mal war, lenkte er seinen Griff wieder davon weg. Diesmal zum anderen Schenkel.


    "Du gemeiner Schuft", bemerkte sie leise und fasste ihm dabei zwischen seine Beine. Sie drehte den Spieß um und ließ ihre Fingernägel hauchzart um sein beladenes Beutelchen kreisen. Dementsprechend setzte nun bei Frank die Schnappatmung ein.


    "Oh", stellte sie mit gespieltem Erstaunen fest, "Da wächst aber jemand ganz schön über sich hinaus."


    Sannah´s Finger glitten weiter über die glatte Kunstfaser, umspielten sein primäres Geschlechtsmerkmal, das glücklicherweise Platz fand sich nach oben zum Bauchnabel hin zu dehnen.
    Obwohl er saß, spürte er seine Knie weich werden. Um seine Freundin zum Weitermachen zu animieren, ergriff auch er wieder das Lycragewebe über ihrer Schmuckschatulle. Ihre Lippen begegneten sich erneut und ihre Zungen führten einen weitläufigen Pas de deux auf.


    Immer mehr verschwamm seine bewusste Wahrnehmung der Welt. Er hörte keine Musik mehr, nur noch das Rauschen des Blutes in seinen Ohren. Wusste nicht mehr wo er sich befand. Fühlte sich frei im Weltall schwebend.


    Entweder war Sannah ein Naturtalent, oder sie hatte bereits viel Erfahrung mit anderen Männern gesammelt. Ihre feinmotorischen Manipulationen in seinem Schritt jedenfalls jagten ihn von einer Erregung zur nächsten. Sie stellte Dinge mit ihm an, die er noch nicht mal selbst fertig brachte. Am liebsten hätte er sich diesen Wallungen hingegeben, aber das wäre ihr gegenüber ungerecht gewesen.


    Sanft drückte seine Hand wie zum prüfen einer reifen Frucht auf ihren Schoß. Die Feuchte im Schritt von Sannah´s Lycrabody nahm stetig zu und ihre Beine verkrampften sich ab und an, obwohl er sie nur sehr zart und oberflächlich berührte. Nochmals glitten seine Finger nacheinander sanft durch die nasse Kerbe, während seine andere Hand von einer ihrer Flanken über den Nabel bis zur anderen Körperseite wanderte. Kein Stöhnen, eher ein Wimmern war von ihr zu vernehmen. Ein letztes Mal drückte und rieb auch sie bis er ebenfalls wimmerte.


    In dem Moment da Frank schubweise spürte, dass der Badeanzug ein "Bad" dringend nötig haben würde, klammerte sich ihr Lycraleib fest an seinen und unter dem stoßweisen Abklingen seines eigenen Wohlgefühls spürte er ihr kraftvolles Aufbäumen, gefolgt von einem schwächer werdenden Zucken.


    Seine Sinne kehrten nach geraumer Zeit von ihrer Fernreise zurück, aber Sannah hielt ihn noch immer krampfhaft umklammert. Von ihrer Wange fühlte er die Nässe einer Träne, die auf seinen Hals tropfte. Die strenge und hartgesottene Übungsleiterin war zu einem schutzbedürftigen kleinen Mädchen geworden. Auch in seinen eigenen Pupillen machte sich salzige Flüssigkeit breit.


    "Schhh", fuhr er ihr zärtlich über das Haar. "Ich hab´ dich auch lieb."





    Kapitel 30


    Vereinsfest


    Nach einer aufwühlend gefühlsbetonten Nacht verlief das Aufstehen relativ wortkarg. Nicht dass sie sich nichts zu sagen hätten. Vielmehr waren sie sich so nahe gekommen, dass Worte zur Kommunikation nur selten nötig waren. Frank hatte sich in Sannah´s Küche nützlich gemacht und ein üppiges Frühstück vorbereitet, das ihr ein Lächeln abrang als sie an den Esstisch trat.


    "Morgen", grüßte sie ihn und schmiegte sich nochmal liebevoll an ihn um ihn zu küssen. "Du warst ja schon ganz schön fleißig."


    "Gewöhn´ dich nicht zu sehr daran", relativierte er umgehend. "Normalerweise bin ich stinkfaul, aber nach dieser Nacht hast du eine Belohnung verdient."


    Das verliebte Paar ließ sich gemütlich Zeit mit dem Frühstück und plauderte zwanglos über dies und jenes und wann sie sich zu den Sportstätten aufmachen wollten. Die ersten Darbietungen sollten ab 11:00 Uhr stattfinden und Sannah wollte nicht viel später dort sein, obwohl der Auftritt der Turner erst gegen 19:00 Uhr geplant war.


    Nachdem sie beide geduscht hatten - einzeln, sonst wären sie ja gar nicht mehr aus dem Haus gekommen - schnappten sie sich ihre Sportsachen, frische Handtücher und die mittlerweile getrockneten Ganzanzüge. Da Frank sein Bike nicht mit hatte, nahmen sie wieder das Auto, wenngleich eine Radtour bei dem schönen Wetter angenehmer gewesen wäre. Beide blieben der Lycraneigung lediglich mit ihren Tights treu. Ansonsten trugen sie normale T-Shirts.


    Auf dem Sportplatz fanden schon die ersten Leichtathletik-Wettkämpfe statt. Dass auch nicht Vereinsangehörige teilnehmen konnten, lockte bereits viele interessierte Teilnehmer und Zuschauer an. Die Getränkestände, sowohl im Freien als auch im Foyer hatten recht gut zu tun.


    Lena und Kim waren ebenfalls so früh schon da.


    "Na ihr beiden", fragte Annalena, ihre rostroten Locken zu einer "Ananasfrisur" hochgesteckt, "Konntet ihr auch nicht ausschlafen?"


    "Och...", setzte Frank zur Beantwortung an, wurde aber von der zierlichen, blonden Kim forsch unterbrochen: "Die beiden waren zwar im Bett, aber das heißt noch lange nicht dass sie auch geschlafen haben."


    Jeder weitere Kommentar erübrigte sich.


    Zusammen gingen sie zur Turnhalle um nach dem Rechten zu sehen. Schließlich waren die meisten Räumlichkeiten seit einigen Stunden frei zugänglich. Durch das Foyer, welches mit Girlanden geschmückt und komplett bestuhlt war erreichten sie die Zuschauerplätze oberhalb der großen Turnhalle.


    "Sieht alles OK aus", meinte Sannah, "Zumindest auf den ersten Blick."


    "Vincent kommt am frühen Nachmittag", erklärte Frank. "Das gibt ihm genügend Zeit alles zu überprüfen."


    "Dein Kumpel hat´s echt drauf", sprach Kim voll des Lobes. "Was der auf die Beine gestellt hat, obwohl er ja zunächst nur ein Video gesehen hatte, ist erste Sahne."


    "Ja", pflichtete die Gruppenleiterin bei. "Ich mache mir nur Gedanken wie es dann weiter geht, sollten wir entsprechend erfolgreich sein."


    "Na daran gibt´s ja wohl kein Zweifel, oder?", entrüstete sich Lena.


    "Ich meine, falls wir unsere Show woanders in der Umgebung aufführen wollen, werden wir ja am heutigen Auftritt gemessen. Über die sportliche Seite mache ich mir da keine Gedanken. Doch wer weiß, ob wir uns auch nur annähernd solche Technik leisten können, auch wenn wir Sponsorengelder oder gar Gage dafür bekommen."


    "Wie hat mal eine sehr praktisch veranlagte Frau letztens zu mir gesagt", beruhigte Frank seine nachdenkliche Freundin, "Lass uns erst mal auf Heute konzentrieren. Über das Morgen können wir uns morgen noch Gedanken machen."


    Sie checkten ebenfalls die Trainerkabine, die aber noch verschlossen und beim Blick hinein keine Sachbeschädigung auffällig war. Alles in bester Ordnung. Beruhigt gingen die Vier wieder nach draußen, wo sie an der Weitsprunggrube auf Aitana und die Schwestern Alke und Meike trafen.


    "Hier ist ja schon eine Menge los", bemerkte die schwarzhaarige mit der kurvigen Figur. Und sie hatte Recht. Auf dem Rasen wurde gegenläufig Hammer- und Speerwurf praktiziert und vor ihnen sorgte das Übertreten beim Dreisprung für einige Erheiterung wenn die Teilnehmer die Sandgrube umpflügten.


    "Das ist aber Zufall und nicht abgesprochen", deutete Lena auf die Haartracht der Spanierin. Tatsächlich hatte auch sie die Haare mittig nach Oben gebunden, was auch ihrem Kopf die Anmutung einer Ananas bescherte. Darüber hinaus war das Beinkleid der Wahl bei beiden schwarze Leggings. Bei Aitana allerdings noch mit dem für sie typischen Seitenstreifen, diesmal in Hellgrau.


    Sannah verabschiedete sich um mit den anderen Abteilungsleitern über Einzelheiten im Ablauf zu sprechen.


    "Wo hast du denn deinen italienischen Hengst gelassen?", spielte Frank auf Meike´s Freund an.


    "Der hat noch zu tun und kann erst heute Abend kommen. Und nenn ihn nicht immer so, ich finde das unpassend."


    "Scusi, scusi", entschuldigte er sich, seinen Kollegen imitierend, was Meike dann doch wieder ein Lächeln auf die Lippen zauberte.


    "Ist schon fast Eins", bemerkte Meike´s Zwillingsschwester Alke während sich die Sportler auf der Aschenbahn bei Laufwettbewerben maßen. "Wollen wir mal was trinken gehen?"


    Dieser guten Idee folgten alle nur zu gerne, denn an diesem schönen Spätsommertag bekam man auch ohne Anstrengung Durst. Die Plätze im Freien waren schon alle belegt, aber drinnen im Foyer war noch Platz. Und außerdem war es auch kühler. Ganz der Gentleman, übernahm Frank die Versorgung seiner Mitstreiterinnen mit Getränken.


    "Habt ihr schon was von Vince gehört?", fragte er in die Runde. "Ich meine die Videoaufnahme von gestern Abend?"


    "Was gehört ist gut", spöttelte Kim. "Mein Postfach ist fast übergelaufen, so groß ist der Clip."


    "Na ja, er hatte ja erwähnt dass es hochauflösend ist."


    "Ja, klar, aber ich hätte es gerne auf dem Tablet mitgebracht, aber um es abzuspielen braucht da alte Ding erst mal ein Update."


    "Hast du es dir angesehen, also auf dem Rechner?", hakte Frank nach.


    "Mein lieber Schwan, das ist noch um einiges heftiger als der erste Zusammenschnitt", schwärmte sie begeistert. "Obwohl nur eine Kameraeinstellung, ist es durch die Lichteffekte viel fetziger. Und die Farben kriegt man gar nicht so mit, wenn man selbst im Mittelpunkt steht"


    "Stimmt", pflichtete Alke bei, "ich hab´s auch schon angesehen."


    Annalena schaute etwas nachdenklich. "Hoffentlich läuft´s heute Abend genauso gut."


    "Aber klar doch, du alte Pessimistin", motivierte Kim ihre Kollegin mit einer Bestimmtheit die Zweifel gar nicht erst aufkommen ließ.


    Sannah trat durch die weit aufgestellten Außentüren ins Foyer der Halle und entdeckte ihre Mitglieder.


    "Na", fragte ihr Freund, "Wie ist´s gelaufen?"


    "Noch gar nicht. Von den Tischtennisleuten ist noch niemand da. Die haben heute ein Turnier und kommen erst später, aber mit ihrem Trainer hatte ich klar gemacht dass wir als letzte in der Halle auftreten. Wollte nur noch mal sicher gehen."


    "Setz´ dich doch", forderte Aitana sie auf.


    "Nein", erwiderte diese, "Ich bräuchte mal zwei von euch oder mehr zur Unterstützung. Es geht um die Turnjugend. Ihrer Trainerin ist jetzt erst eingefallen, dass sie mit ihren vielen Fotos und Zeitungsausschnitten ebenfalls einen Infostand aufmachen könnte. Und für die Stellwände müsste halt mal jemand mit anpacken."


    Alle am Tisch waren sich einig, dass sie alle zusammen helfen würden. Vor allem, wo es doch um den Nachwuchs ging. Außerdem hatten sie ja sowieso nicht besseres zu tun.



    "Das ist nett von euch", sagte die Leiterin der Jugendgruppe dankbar, als Frank und Lena die Pinnwände um den Tisch herum aufstellten, den die Zwillinge zuvor aufgebaut hatten. Auch bei der Dekoration wirkten sie mit.


    "Ihr habt wirklich viele Fotos", fiel Aitana auf. Auch zig Zeitungsberichte gehörten dazu.


    "Nun, die Digitaltechnik sorgt heutzutage für genügend Bildmaterial", gestand die Jugendtrainerin.


    "Ja schon, aber meistens druckt niemand so viel davon aus. Noch dazu so großformatig."


    "Ach, ich dachte mir dass ich die irgendwann mal bei einer Ausstellung gebrauchen könnte. Nur hatte ich das in der Aufregung um den heutigen Tag ganz vergessen. Danke nochmal."


    Die Showturner zogen weiter. Seitlich des mit großen Sonnenschirmen überspannten Platzes vor der Turnhalle wurde gerade eine Hüpfburg aufgebaut, vor der viele der Kinder bereits ungeduldig warteten.


    "Sieh´ mal, dein neues Trainingsgerät.", lästerte Kim auf seine Trampolin-Aufgabe anspielend.


    "Im Gegenteil zu dir, dürfen Menschen größer als Eins fünfzig dort nicht drauf", konterte Frank geschickt und hielt damit die Stimmung hoch.


    Zwischenzeitlich waren auch die noch fehlenden Abteilungsleiter eingetroffen und Sannah machte sich gleich daran den Zeitablauf in der Halle endgültig zu koordinieren.


    Derweil sahen die anderen etwas beim "Jedermann-Fußballturnier der Jugendmannschaft zu. Das Spielfeld war zweigeteilt und wurde von zwei kleinen Mannschaften gleichzeitig bespielt. Je Fünf Spieler kämpften gegeneinander auf einem Feld halb so groß wie üblich auf kleine Übungstore. Die Spiele dauerten nur jeweils zwanzig Minuten. Unter den Jugendlichen gab es erwartungsgemäß viel Zuspruch dafür und so fand die Ausscheidung unter acht Mannschaften statt.


    Sannah hielt einen Zettel in der Hand als sie zufrieden von ihrer Unterredung zurück kam.
    "So, jetzt ist es offiziell. Um 15:30 sind die Jugendturner dran. Sie sind wie geplant in der zweiten Hallenhälfte.16:30 folgt Taekwondo auf der Bodenmatte in unserem Teil. 17:45 Tischtennis, wieder auf der anderen Seite und wir sollen spätestens 19:00Uhr starten. Dazwischen gibt´s noch Boule und Zumba-Fitness auf dem Freigelände."


    "Boule?", fragte Alke mit einiger Verwunderung.


    "So habe ich eben auch gefragt, aber anscheinend ist das tatsächlich ein Mannschaftssport mit eigener Liga", klärte Sannah auf. "Ich mach ein paar Kopien davon und verteile sie an die jeweiligen Gruppen.


    Gegen 15:00 Uhr fuhr der "Kleintransporter" von Sound&Light auf den freien Platz am unteren Ausgang der Turnhalle. Frank sah ihn schon von weitem und begrüßte seinen Freund beim Aussteigen. Sogleich machten sie sich auf den Weg zur Trainerkabine.


    "Also oberflächlich konnte ich nichts ungewöhnliches feststellen, auch nicht in der Halle", berichtete Frank.


    Vince nahm die Stromversorgung in Betrieb und vergewisserte sich, dass alles in Ordnung war. In der Turnhalle halfen Sannah, Kim und Annalena dabei die technischen Geräte Startklar zu machen.


    Gleichzeitig wärmten sich die kleinsten der Turner auf der anderen Seite für ihre Vorführung auf. Die entsprechende Hälfte der Tribüne füllte sich bereits. Vornehmlich Eltern und Großeltern der Turnmäuse.


    "Du-huu, dicker Ma-hann...?", zupfte etwas an Vincents Hosenbein, während er die Anlage hochfuhr.




    Kapitel 31


    Er drehte sich um, musste aber nach Unten schauen um das kleine Mädchen zu entdecken. Es war bestimmt die jüngste der Turnriege, denn sie passte gerade so in den Vereinsanzug der kleinsten Größe.


    "Kannst du für uns auch etwas Musik spielen?"


    Er blickte in große, fragende Kinderaugen.


    "Leonie", hörte er den zornigen Ausruf ihrer Trainerin von weiter weg. "Ich hab´ dir doch gesagt du sollst den Mann nicht belästigen."


    Mit schnellen Schritten lief diese zu ihnen.


    "Wieso denn nicht", erwiderte die Kleine trotzig. "Mit Musik ist´s doch viel besser."


    "Entschuldigung, wenn dich die Kleine gestört hat. Seit die Kids gestern Abend eure Probe gesehen haben, reden sie von nichts anderem mehr."


    Aber Vince winkte bereits ab und ging in die Hocke, um mit dem mutigen Turnmädel von Angesicht zu Angesicht zu sprechen.


    "Siehst du Leonie, es ist so", begann er der kleinen Gewalt möglichst verständlich die Verhältnisse zu erklären. "Du musstest doch sicher oft trainieren bis du die Übungen konntest, die du heute turnst."


    Das Mädchen nickte




    "Genauso ist es auch mit dem Musik spielen. Ich muss auch dafür üben, dass alles so gut klappt. Und für euch kann ich nicht üben, weil ihr ja schon gleich anfangt."


    Die Nachwuchsturnerin verzog trotzig das Gesicht. Sie hatte verstanden warum es für sie keine Musik geben würde. Gleichzeitig wollte sie sich aber damit überhaupt nicht zufrieden geben.


    "Dann warten wir halt noch zehn Minuten", lautete ihre Lösung des Problems, während ihre Trainerin sie bereits am Arm wegziehen wollte. Aber sie wand sich los und setzte nach: "Du kannst das doch gut und dann langt auch die Zeit."


    Derart entwaffnender Naivität war nichts entgegen zu setzen. Die Kleine wusste schon sehr genau, wie man Erwachsene um den Finger wickelt. Sie würde es sicher noch weit bringen in ihrem Leben.


    "Ich werd´ sehen was ich machen kann", seufzte Vince und gab sich geschlagen.


    Sofort kehrte der Sonnenschein zurück auf Leonies Gesicht und vergnügt hüpfte sie zu ihren Freundinnen zurück. Ihre Übungsleiterin schüttelte den Kopf.


    "Sie ist die jüngste. Aber sie ist zielstrebig und regelrecht starrsinnig, wenn sie sich was in den Sinn gesetzt hat."


    "Das habe ich eben am eigenen Leib erfahren. Ist aber schon klar, dass ich auf die Schnelle nur ein wenig einfache Untermalung hervorzaubern kann? Ich kenne euren Ablauf nicht."


    "Nein, schon klar", verstand die Trainerin. "So eine Show kostet ja sicher eine Menge Geld."


    "Ganz umsonst ist das alles jedenfalls nicht zu bekommen", sagte er und deutete dabei auf die allgegenwärtige Technik. "Ich verbuche euren Auftrag unter "Funktionstest". Lasst mir noch fünf Minuten und gebt mir dann ein Zeichen."





    "Glaubst du nicht, deine neue Freundin ist etwas zu jung für dich?", stichelte Frank als er mit den anderen zurückkam.


    "Hör bloß auf", wiegelte Vince ab. "Das war gerade die härteste Verhandlung die ich je führen musste. Dreh´ bitte die rechten Tops zur anderen Hallenseite. So dass die Tribüne gerade so angestrahlt wird. Ich schau derweil mal nach, was ich so an Musik für die Kleinen dabei habe."


    Da nur eine Seite zur Beschallung herangezogen werden konnte, schaltete er die Anlage auf Mono. Auf diese Weise war der Sound ausgeglichener und nicht so dünn. Tiefe Bässe kamen sowieso ungerichtet und raumfüllend aus den Subwoofern. Lediglich die Lautstärkebalance musste angeglichen werden.


    Mit ein paar Minuten Verspätung startete die Präsentation der Turnjugend. Vince hatte auf die schnelle seinen *.mp3-Player mit dem Mischpult verbunden und improvisierte etwas mit eigenen Remixes von Clubmusik. Den Anfang machte ein Stück der Kalkbrenner-Brüder, das seinen zweiten Frühling erlebte als ein Energiekonzern es für seine Werbung nutzte. So ein Vier-viertel Takt passt auf alles und da es nicht allzu laut war wurde es eher als unterschwellige Abrundung, denn als Bestandteil der Darbietung aufgefasst. Da sein eigener Mix länger als das Original und zudem der Vocal-Part rausgeschnitten war, hatte er genügend Zeit um was für den Anschluss zu suchen.


    Die Show-Turner verfolgten, genau wie auch die Zuschauer oben gebannt die Vorführungen des Nachwuchses. Die professionelle Abgeklärtheit mit der die Kleinen ihr Programm abspulten machte fast neidisch. Einige der zusehenden wurden an ihre eigene Kindheit und turnerische Vergangenheit erinnert. Die Kids turnten sauber und hatten sogar schon anspruchsvollere Übungen im Repertoire.


    Als nächstes legte Vince auf wozu er immer griff wenn ihm gerade nichts besseres einfiel. Sein Faithless Megamix, oder wie er es nannte, Die Faithless-Platte die es nie gab, die aber alle hören wollten. Es war nichts weiter als ein Zusammenschnitt der Instrumentalparts der wenigen Hitsingles der britischen Band. Dieser wies ebenfalls eine gewisse Länge auf und damit kam er bis zu den letzten fünf Minuten der Turndarbietung.


    Den Schluss beschallte er mit einem eher untypischen Stück der deutschen Elektronik-Pioniere, die als Begründer der "Berliner Schule" galten und deren Oberhaupt erst kürzlich dem Krebs erlag. "Dominion", vor etlichen Jahren live in London mitgeschnitten bildete mit seiner beschwingten Unbekümmertheit den idealen Abschluss.


    Die Mamas Papas, und Großeltern auf der Empore applaudierten lautstark, sofern sie ihre Sprösslinge nicht mit den Mobiltelefonen verewigen mussten. Auch aus der Halle wurde der Jugend Anerkennung gezollt.


    Aufgeregt und außer Atem stürmten Mia und Nasrin aus der Tür zum Treppenhaus.


    "Wir hörten Musik und dachten ihr hättet den Termin verschoben und ohne uns angefangen", schnaubte die langbeinige Gymnastin und Tänzerin. "Aber es hieß ja 19:00 Uhr aber da waren wir uns nicht mehr so sicher."


    "Nein, nein", beruhigte Sannah, "Vincent hat bloß der Jugendgruppe etwas unter die Arme gegriffen."


    Der Techniker richtete alles wieder auf die Ausgangspositionen ein und schloss den "Funktionstest" zufrieden ab.




    Nun hieß es warten.


    Ihren Hallenteil mussten sie für die Martial-Arts Vorführung räumen. Die Taekwondo-Kämpfer nutzten die Bodenturnmatte für ihre nicht minder beeindruckende Präsentation. Schade nur, dass sie nicht mehr Zuschauer anlocken konnten als die wenigen, die sich zu den Gymnastinnen auf der Tribüne einfanden.


    Das Wetter draußen war einfach zu gut. Zwar nicht kühler als hier drinnen, aber nicht ganz so stickig. Das veranlasste Frank und seine Freundin sämtliche Zugangstüren zum Gebäude zu öffnen um zumindest ein wenig Zirkulation zu erzielen. Aus Vincent´s Fundus hatten sie Rot-Weiß-gestreiftes Absperrband vor die Öffnungen gespannt, damit niemand einfach so herein lief.


    Von den Akteuren fehlte nur noch Aurelie. Die Französin erschien gerade als die Tischtennis-Abteilung klackernd ihre Künste am kleinen Ball vortrug. Die Primaballerina kam nicht alleine. Sie hatte Sabine vom Gymnastikshop mitgebracht. Obwohl die Textilhändlerin einige Jahre älter war, wirkten die beiden fast wie ein Liebespaar. Zwar hielten sie nicht Händchen, doch mit etwas Einfühlungsvermögen musste jeder bemerken, dass die beiden etwas besonderes verband. Frank fiel das nicht schwer, hatte er sie doch unabsichtlich beim Austausch von Intimitäten gesehen.


    "Na, ´abt ihr eusch gut vorbereitet?", fragte der bekannte französische Akzent.


    Die Turnerinnen machte noch etwas Small-Talk, dann begaben sich alle Akteure zur Umkleide.
    Es war fast 18:00Uhr. In einer Stunde würde es Ernst werden.


    Als einziger Mann musste Frank sich alleine umziehen. Er prüfte den Sitz seines "Susi" und genoss dann die kühlende Gefühlssensation des glatten Ganzanzugs auf seiner Haut. Trotz der Anspannung war eine gewisse erotische Erregung nicht von der Hand zu weisen. Jedoch verhinderte das Suspensorium eine zu starke Ausprägung. Noch in die Wettkampfschläppchen schlüpfen, dann war er bereit.


    Die ersten, denen er umgekleidet im Flur begegnete waren die Zwillinge.


    "Na?", fragte Alke, "Bereit zu allen Schandtaten?"


    "Gestiefelt und gespornt", erwiderte er schmunzelnd.


    Jemand kam hastig die Treppe herab. Es war Alessandro, dem seine Freundin Meike unverzüglich um den Hals fiel.


    "Ganz schön stürmisch", bemerkte Aitana, die mit den Anderen ebenfalls aus der Kabine gekommen war. Und Kim meinte lüstern: "Geben wir dem jungen Glück noch ein paar Minuten."


    Alle gingen nach und nach zur Treppe und dann in die Halle. Frank bildete das Schlusslicht.


    "Hey Sandro", unterbrach er seinen Fußballkollegen und grinste sich eins. "Erinnere dich ans Fußballtraining. Kein Sex vor dem Spiel."




    Er konnte gerade noch so dem nicht ernst gemeinten Tritt des Italieners ausweichen.


    "Wenn ihr fertig seid, kannst du ja mit in die Halle kommen. Vince hat sicher noch ein Plätzchen frei."


    Die Tischtennis-Abteilung hatte ihre Demonstration bereits beendet. Das Publikum war sehr angetan von den halsbrecherischen Trickschlägen die sie zum Schluss zeigten.


    Ungefähr 45 Minuten bis zu ihrem Auftritt. Vince prüfte noch mal alle Verbindungen.


    "Warum so ein nachdenkliches Gesicht", wollte Sannah von ihm wissen.


    "Es ist kurz vor knapp und immer noch nichts von Marc. Das passt nicht zu ihm."


    "Ach, vielleicht hat er es einfach aufgegeben, weil er nicht den gewünschten Erfolg verbuchen konnte."


    Vincents Blick verriet dass er daran nicht glauben mochte. Und wenn sie ehrlich war, glaubte sie selbst nicht so recht daran. Doch jetzt mussten sie sich alle auf wichtigeres konzentrieren.


    Die Zuschauer strömten herbei, alle noch ins Gespräch vertieft. Doch hatte es sich herumgesprochen, dass die Show-Truppe heute was spezielles zeigen würde.


    Sandro, der mit Meike als letzter durch die Tür trat, gesellte sich zur Technik. Aurelie winkte noch mal Sabine zu, die es sich auf der Empore mit einem kühlen Getränk bequem gemacht hatte. Ihr sah man ihren Beruf direkt an. Silbern schimmernde Tights unter einem leichten Tüllrock und den Oberkörper in einen halbärmligen Gymnastikbody aus Bordeauxrotem Samt gehüllt. Das alles ließ sie um vieles jünger aussehen.


    Vince fuhr die indirekte Beleuchtung hoch und Alessandro schaltete das Hallenlicht aus. Draußen war es noch ein wenig heller als gestern, aber ihre Verdunkelung in dieser Hälfte des Gebäudes funktionierte ganz gut.



    Die Mitglieder der Truppe begannen mit Dehn- und Aufwärmübungen und die unterschwellige Ambient-Music ließ die Gäste aufhorchen. Die Projektion des Vereinsemblems zog die Aufmerksamkeit an. Der Countdown begann.


    "Ist bestimmt sehr kompliziert, das ganze Zeug hier zu bedienen?", erkundigte sich Sandro.


    "Eigentlich gar nicht", erwiderte Vince. "Kompliziert ist es das alles zu programmieren. Danach muss nur noch ein Knopf gedrückt werden und alles geht automatisch. Ich muss nur eingreifen wenn was schief läuft."


    Wie auf Bestellung flackerten kaum wahrnehmbar die Scheinwerfer und es knackste kurz aus dem Boxen. Vincents Blick wurde ernst.


    "Was war das?", fragte der Deutsch-Italiener.


    "Die Stromversorgung hat selbsttätig auf den zweiten Kreis umgeschaltet. Vielleicht nur eine Sicherung."


    "Was schlimmes?"


    "Nein, wir haben noch zwei weitere Stromquellen in Reserve."



    10:00, 09:59, 09:58,...


    Die Zeit lief herunter und von Oben war nur noch leises Gemurmel zu hören. Der Timer erfüllte seinen Zweck. Das Publikum war fokussiert und gespannt was kommen würde.


    Die Turner schüttelten sich noch mal gründlich aus. Jetzt standen auch sie unter Strom. Frank, der den winzigen Aussetzer vorhin mitbekommen hatte ging zum Mischpult.


    "Was war eben?"


    "Stromausfall, aber das Havarie-Netzteil ist eingesprungen. Könnte unser Freund gewesen sein, ich habe nämlich Sebastian da oben auf den Rängen gesehen und Idioten treten normal immer Paarweise auf."


    "So eine Scheiße. Hoffentlich geht alles gut."


    "Konzentrier du dich aufs Turnen", beruhigte ihn sein Freund. " der Rest ist ein Job für uns beide." dabei deutete er auf Alessandro.


    02:00


    Wieder flackerte das Licht, diesmal deutlicher. Vince legte einen Schalter um und alles lief wieder normal. Mit Sorgenfalten und komplett angespannt, nahm er sich Frank noch mal zur Seite. "Einmal ist Zufall, zweimal nicht. Wir machen uns auf und sehen nach. Wenn die dritte Stromversorgung ebenfalls ausfällt ist nämlich Feierabend. Mach dir keine Sorgen um die Show, die läuft automatisch. Was auch immer passiert - zieht einfach euer Ding durch."


    Mit diesen nicht gerade aufmunternden Worten verließen die beiden die Halle und ließen Frank verdutzt zurück. Vielleicht besser, dass ihm die Zeit fehlte weiter darüber nachzudenken.


    00:03, 00:02, 00:01, SHOWTIME




    Kapitel 32


    Während drinnen die Vorführung begann, hasteten Vince und Sandro erst mal zur Trainerkabine.


    "Vielleicht hat er nur wieder die Sicherungen gekillt. Hat er schon mal versucht. Wenn du ihn siehst, versuch ihn fest zu halten."


    Die Tür war nur angelehnt und es roch nach verschmorter Isolation. Die Kontroll-Leuchten am Stromverteiler waren dunkel, aber die eine Tür des vor kurzem erst neu installierten Sicherungsschranks stand offen. Ein beißender Geruch drang heraus. Eine Schutzabdeckung war gebrochen und zwischen den Hauptzuleitungen steckte ein Stück Dachlatte, das die dicken Adern zu einem massiven Kurzschluss führte.


    "Der ist ja gemeingefährlich", fluchte Vince. "Dieser Irre ist absolut lebensmüde. Bei dieser Aktion hätte er draufgehen können."


    Die pulsenden Bässe aus der Halle nebenan verrieten ihm, dass alles noch wie geplant lief.


    "Wenn Marc aber merkt, dass die Show durch das hier nicht gestoppt wurde, sucht er doch bestimmt weiter", stellte Sandro bestürzt fest.


    "Bestimmt", wiederholte Vince ernst und stürmte hinaus, schneller als seiner Körpermasse zuzutrauen war.


    Sandro folgte ohne genau zu wissen, wohin sie überhaupt liefen. Von der Tribüne war Jubel zu vernehmen. Womöglich gerade einer der vielen Höhepunkte.


    Der Seitengang, der hinter der Treppe vorbei noch ein Stück weiter führte war unbeleuchtet. Mit erhobener Hand bedeutete Vince seinem Helfer anzuhalten. Vom Heizungsraum her waren leise Geräusche zu hören, immer wenn die Musik in der Halle ruhiger wurde.


    "Er hat die dritte Stromversorgung gefunden", flüsterte Vince. Wir müssen ihn überwältigen und es muss schnell gehen. Er darf keine Zeit zum reagieren haben."


    Die beiden schlichen sich an die angelehnte Tür. Als neuerlicher Jubel aus der Turnhalle die Geräusche überdeckte, gab Vince ein Zeichen. Er zog die Tür auf und Alessandro sprang ohne Zögern hinein.
    Gerade rechtzeitig.
    Marc hatte sich das Starkstromkabel auf einem Kantholz zurechtgelegt und bereits mit einer Axt ausgeholt. Den Stecker zu ziehen war ihm nicht genug, denn den hätte man ihn ja einfach wieder reinstecken können.


    Der Italiener stockte einen Moment als er die erhobene Axt sah. Dieser kurze Augenblick genügte Marc um an ihm vorbei zu flüchten. Allerdings knallte er gleich darauf an etwas, das ihm den weiteren Weg versperrte. Die Wucht riss beide um, drückte jedoch vor allem Marc die Luft aus den Lungen. Vincent bekam das Beil zu fassen und schleuderte es den Flur hinunter.


    "Als ob man gegen eine hundertjährige Eiche läuft, was?", spottete Vince, während Sandro sich aus seiner Schockstarre gelöst hatte und Marc festhielt.


    Die folgenden Flüche und Verwünschungen Marc´s während des Handgemenges verstießen allesamt gegen den guten Geschmack. Meist titulierte er seine Häscher als Masturbatoren oder forderte sie lautstark auf sexuelle Interaktionen mit sich selbst einzugehen.


    Er war stark und wehrte sich nach Leibeskräften, hatte aber gegen die beiden zusammen keine Chance.


    "In die Putzkammer", presste Vince hervor, der Marc im Schwitzkasten hielt.


    Die Stahltür lag schräg gegenüber. Gemeinsam bugsierten sie ihn dort hinein. Während Sandro sich umsah, ob auch keine Gegenstände hier drin waren mit denen er Unheil anrichten konnte, versuchte Marc wieder die Oberhand zu gewinnen. Er versetzte Vince einen Leberhaken, der auch für den kräftig gebauten schmerzhaft war. Jetzt wurde es Vince zu bunt. Er bekam Marc´s Nase zu fassen, drückte die Flügel zusammen und drehte das gerade verheilte Riechorgan zur Seite. Der Saboteur jaulte auf und ließ sofort von ihm ab. Weinend hielt er sich das Gesicht und die beiden Anderen schafften es aus der Besenkammer heraus Sie schlossen Marc sorgsam ein und lehnten danach schnaufend mit dem Rücken gegen die Tür.


    Aus der Halle drückte nach wie vor der Sound und immer wieder war Applaus und Johlen von der Empore hörbar.


    "Gut gemacht", klatschten die beiden in Fußballmanier ab und rafften sich auf wieder zum Technikplatz zu kommen.


    Fragende Blicke von den Turnern, die gerade auf ihre Schlussnummer hin arbeiteten, beruhigten die Beiden mit erhobenen Daumen. Das gab den Akteuren noch mal extra Schub.
    Besonders beim Anblick seiner Freundin blieb Sandro die Spucke weg. Er sah zum ersten Mal live, wie sie in irrwitzigem Tempo über einen Kasten hechtete und punktgenau im Netz des Trampolins landete, während drei Meter über ihr Frank einen Grätschsprung ausführte. Der Schwung katapultierte sie mit einem Handstand-Überschlag über einen weiteren Bock zurück in den Stand. Die Farben, die sich auf ihrem glänzenden Lycra-Anzug spiegelten wirkten phänomenal.


    "Wahnsinn. Schade nur, dass ich das Meiste verpasst habe", schrie Sandro in das Ohr des Technikers.


    Das Publikum tobte und jubelte gegen die Lautstärke der Musik an. Das Feuerwerk aus Akrobatik und Lichteffekten versetzte die Zuschauer in Verzückung. Bei diesem sportlichen, wie dramaturgischen Höhepunkt hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. Zum Finale zeigte der "Hahn im Korb" wieder einen Salto, diesmal sogar rückwärts.


    Alle auf der Empore waren aufgestanden und betrachteten wie die Truppe sich zum letzten Mal auf der Bodenmatte versammelte. Die gebündelte Menge nass glänzender Lycrasuits wirkte Überirdisch.
    Der finale Blitz, gekoppelt an den letzten "Rumms" ließ auch dieses Publikum einen Moment sprachlos zurück. Doch noch bevor die Szenerie erneut illuminiert war, brauste ein Rauschen aus applaudierenden Händen über die Truppe herein.. Kaum einer von ihnen, der keine feuchten Augen hatte. Und das nicht nur vom Schweiß den die Anstrengung hervorbrachte.


    Da die Zuschauer weiterhin keine Ruhe gaben, verbeugten sich alle nochmals artig und winkten erleichtert hinauf, während sie alle stoßweise ihre Lungen füllten. Sannah holte sich bei Vince ein Funkmikrofon ab und trat damit wieder in den Kreis der ihren.


    "Danke,... vielen Dank". Es pfiff kurz als sich eine Rückkopplung anbahnte, die der Techniker aber umgehend unterdrückte. "Danke an alle Gäste und Sport treibenden. Auch im Namen des Vereins und aller Mitwirkenden dieses Tages."


    Erneut Applaus und Jubel. Sannah wartete einen Moment ab und blickte kurz auf das Vereinswappen, welches hinter ihr überlebensgroß auf der Leinwand thronte.


    "Ich denke", meldete sie sich wieder zu Wort, "dass der heutige Tag die Vielseitigkeit unseres Sportangebots vorgestellt hat."


    Wieder eine kurze Pause.


    "Bei einigen Abteilungen konntet ihr euch über die praktischen Vorführungen hinaus auch noch an Infoständen überzeugen, dass Vereinssport vielfältig ist und vor allem Spaß macht. Wir alle begrüßen gerne neue Mitglieder. Je zahlreicher, desto besser."


    Sie hoffte, dass die anderen Abteilungsleiter auch daran gedacht hatten mit Aufnahmeformularen parat zu stehen. Das klang zwar berechnend, aber schließlich musste man die gute Stimmung direkt ausnutzen.


    "Wir alle freuen uns auch eine Werbeplattform für das Sponsoring Gewerbetreibender zu bieten."


    Selbst während ihrer Ansprache musste sie noch etwas nach Luft schnappen. Sie trat etwas zur Seite um den Blick auf die Turner freizugeben, die sich wieder im Spalier aufgestellt hatten.


    "Ein großes Dankeschön auch an die Mitglieder der Show-Turn-Gruppe. Bitte würdigt deren Leistung mit einem riesigen Applaus", heizte sie das Publikum nochmals an, indem sie mit erhobenen Händen klatschte. "Eine grandiose Show, trotz aller Hindernisse die uns in den Weg gelegt wurden, findet ihr nicht?"


    Das "fishing for compliments" trug Früchte und erneut wurden sie stürmisch gefeiert.


    Sannah´s Stimme wurde brüchig, denn jetzt war auch sie überwältigt.


    "Ein besonderer Dank...", sie musste sich räuspern. "Ein besonderer Dank geht an die Firma Sound&Light für die großzügige Unterstützung."


    Erneuter Applaus.


    "Nicht zu vergessen, die unermüdliche technische Betreuung, die vieles erst möglich machte, auch ohne Bezahlung." Dabei wies sie auf Vince am Mischpult.


    Während des folgenden Jubels nahm Frank seiner Freundin das Mikro aus der Hand. Sie wusste nicht was er, die anderen Turnerinnen und Vince insgeheim ausgemacht hatten. Sie bildeten einen Halbkreis um ihre verblüffte Trainerin.


    "Hinter jeder spektakulären Show", begann er, "Hinter jeder erfolgreichen Mannschaft und hinter jeder eingeschworenen Gemeinschaft steht jemand, dessen Vision, Engagement und Durchhaltevermögen derartige Leistungen erst ermöglicht."


    Sannah wurde verlegen, doch die Spots, die Vince auf ihr Gesicht legte überdeckten ihre Schamesröte.


    "Bitte leibe Freunde und Gäste .... Einen herzlichen Applaus ...", dabei gingen alle Turner auf ein Knie und deuteten mit ausgestrecktem Arm in ihre Mitte, "... Ein riesen Dankeschön ... an unsere ... Trainerin!"


    Nach dem finalen Jubel fassten sie sich alle nochmals an der Schulter und verbeugten sich gemeinsam. Danach löste sich die Gruppe auf und auch die Zuschauer strebten ob der immer noch hohen Temperaturen in der Halle dem Außengelände zu. An der Gestik der Gäste war jedoch zu erkennen, dass sie sich immer noch angeregt über einzelne Höhepunkte der Aufführung unterhielten. Der Getränkestand konnte sich schon mal auf einen ziemlichen Ansturm gefasst machen.


    "Bella mia, Belissima", rief Sandro seiner besseren Hälfte Meike zu und hob sie überschwänglich in die Luft, bevor sie sich wieder in die Arme fielen. Auch Sabine war zu ihnen gestoßen und ein allgemeines Drücken und Herzen begann. Auch Vincent bleib davon nicht verschont. Dass sich die Turnbekleidungs-Händlerin etwas intensiver mit Aurelie austauschte fiel dabei kaum aus dem Rahmen.


    "Denkst du, du kannst die Sachen aufbereiten?", fragte Sannah Vincent leise in einem konspirativen Tonfall.


    Frank hatte nicht die geringste Ahnung worum es gehen könnte. Bevor er seine Freundin dazu befragen konnte, verabschiedete sie sich um sich zur Schlussbesprechung mit dem Vorstand und den anderen Abteilungsleitern zu treffen.
    Während zum Ausklang leise Musik lief, war der Techniker schon wieder versunken in seinen Laptop, auf dem er anscheinend irgendwas programmierte.


    "Gab´s vorhin tatsächlich Stress mit Marc?", wollte Frank von Alessandro wissen nachdem dieser von Meike abließ. Sein Freund hatte zumindest am Unterarm und im Gesicht blaue Flecke, die vorhin noch nicht zu sehen waren.


    "Ja", bestätigte der Italiener, "aber gemeinsam konnten wir ihm das Handwerk legen...."


    Noch bevor Sandro Details berichten konnte, gab Vince ein Zeichen, welches hauptsächlich Sannah galt.
    Von der Empore tönten heftige verbale Auseinandersetzungen. Vornehmlich mit Marc´s Verwandtschaft, die sich ziemlich alkoholisiert negativ über die Turner, die Aufführung und die Vereinsführung im allgemeinen ausließen.


    "Was sollte das heißen, "Trotz der Hindernisse?" erboste sich Marc´s Onkel, der ehemalige Fußballtrainer. "Als hätte euch jemand Steine in den Weg gelegt. Ihr habt doch den Unfrieden reingebracht, als ihr unsere Spieler abgeworben habt."


    Sannah blieb keine Gelegenheit zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, da auch Marc´s Vater, der ehemalige Leiter der Fußballabteilung in die Beschimpfungen einstieg: "Genau, und ihr habt andere aufgestachelt. Der da unten", dabei zeigte er zornig auf Vince, "hat meinem Jungen die Nase gebrochen."


    Die Turngruppe unten lauschte dem immer lauter werdenden Streitgespräch und auch einige der im Foyer verbliebenen Zuschauer kamen Interessiert herbei.


    Marc`s Onkel übernahm wieder: "Und da behauptet ihr, man hätte euch Steine in den Weg gelegt?"


    "Wenn ich mal kurz um Aufmerksamkeit bitten darf." Die Mikrofonstimme von Vincent brachte die Kontrahenten zum verstummen.


    Sannah ergriff die Gelegenheit sich und ihre Truppe zu verteidigen. "Wir wurden systematisch sabotiert. Ihr feiner Sohn unternahm alles, damit unsere Vorführung zum Desaster wird."


    "Üble Nachrede", echauffierte sich der angesprochene, aber Sannah fuhr unbeirrt fort.


    "Durch Manipulation am Trampolin wurde eins unserer Mitglieder schwer verletzt und hätte fast heute nicht teilnehmen können."


    Auf der Leinwand erschien das Video der Probe als das Trampolin zusammenkrachte. Zunächst gab es von den Umstehenden erstaunten Tumult über diese unerwartete Präsentation. Immer mehr Zuschauer kamen zurück auf die Tribüne.


    "Das war doch eher Altersschwäche", war das Gegenargument und auch die anderen Gremiumsmitglieder, die den Unfall live miterlebt hatten sahen es ähnlich.


    Als nächstes folgten Frank´s Fotos des angesägten Rohres und der sonstigen Gegenstände, wie zum Beispiel des Sägeblatts. Dies brachte zumindest einige der Offiziellen dazu Sannah´s Beschuldigungen in Betracht zu ziehen.


    "Das beweist gar nichts. Ich werde euch wegen Verleumdung anzeigen."


    Jetzt folgten die interessanten Aufnahmen. Mit Datum und Uhrzeit zeigten sie Marc erkennbar bei seinem Versuch die Gerätschaften zu manipulieren. Die anderen Abteilungsleiter flüsterten einander erklärend zu.
    Deutlich sichtbar, wenn auch etwas dunkel, war das Beschädigen der Sicherung am Stromverteiler.


    "Doch dabei beließ er es nicht", fuhr Sannah fort, nachdem sie jetzt die ungeteilte Aufmerksamkeit hatte. "Beim Start unserer Show versuchte Marc die Stromversorgung lahmzulegen und nur der Voraussicht unseres Technikers ist es zu verdanken, dass unser Auftritt dennoch stattfinden konnte."


    Auf den Screen erschien ein Foto des teilweise verschmorten Sicherungskastens.


    "Davon abgesehen, dass dieser Vandalismus zu einer Katastrophe hätte führen können, werden Gemeindeverwaltung und Schule wohl Schadenersatzansprüche stellen."


    Empörung machte sich unter den Anwesenden breit. Nur Marc´s Erzeuger und dessen Bruder waren schlagartig wieder nüchtern und sehr, sehr still.


    "Als Vertreter von Sound&Light", klang die kräftige Stimme durchs Mikrofon, "Behalte ich mir ebenfalls Regressforderungen vor."


    "Wisst ihr, wo sich der Verursacher aufhält?", wollte der Vorstand wissen,


    "Tja...", überlegte Vince wie er es am besten formulieren sollte. "Nachdem wir den Lebensmüden davon abbringen konnten eine Starkstromleitung mit der Axt zu kappen, ist er "gestolpert" und "zufällig" in die Reinigungskammer gefallen. Da wir uns weiter um den Auftritt kümmern mussten, habe ich zu seiner eigenen Sicherheit die Tür abgeschlossen. Womöglich hätte er sonst noch einmal etwas unüberlegtes gemacht."


    Es folgte ein aufgeregtes Stimmengewirr diskutierender Meinungen.


    "Wir kümmern uns darum.", rief der Vorstand und zog zusammen mit seinem Stellvertreter davon.


    Kurz darauf war nochmals lautstarkes Streiten und auch scheppern, als ginge etwas zu Bruch, aus den Katakomben zu vernehmen. offenbar wurde Marc in der Putzkammer zur Rede gestellt und unternahm sinnlose Versuche seinen Hals doch noch aus der Schlinge zu ziehen.


    "Manche lernen halt nie, wann es Zeit ist sich geschlagen zu geben", murmelte Frank nachdenklich mit dem Blick in Richtung der Geräusche.


    "Sollen wir hingehen?", fragte seine Freundin an seiner Seite.


    Er überlegte einen Moment, meinte dann aber: "nein, wir haben für Heute genug getan. Der wird von Anderen zur Verantwortung gezogen. Ich bin jetzt müde."


    Die Beiden umarmten sich sanft während die letzte Beleuchtung ausgeschaltet wurde.





    Obwohl das Vereinsfest draußen noch weiter in den lauen Abend ging, begannen die Turner, nachdem sie wieder zivil gekleidet waren mit dem Abbau. Da nicht alle Gäste die Bloßstellung mitbekommen hatten, rumorte bereits die Gerüchteküche.
    Die Gymnastinnen und ihr "Hahn im Korb" blieben davon unbeeindruckt. Sie hatten auch so noch genügend zu tun. Lediglich ihre Chefin musste sich bereits ersten Gesprächen mit potentiellen Sponsoren stellen.


    Ein aufwühlender Tag ging dem Ende zu.
    Mit der Erfahrung vom Aufbau ging der Abbau zügig von statten. Vincent brauchte nur zu delegieren und sein Fahrzeug wieder so geschickt zu beladen wie er am Donnerstag angekommen war. Er staunte erneut über Nasrin. Ohne ihr vieles Metall im Gesicht kam sie ihm fast fremd vor. Doch die Logik, mit der sie beim "abnabeln" der technischen Komponenten vorging, verriet dass sie doch die selbe war. Die Sorgfalt mit der sie sämtliche Kabel ausdrehte und zugfrei zusammenlegte anstatt sie gefühllos über den Ellbogen zu winden, ließ den Fachmann staunen.


    Alle anderen agierten etwas weniger beholfen, doch durch die schiere Anzahl an helfenden Händen war das Zusammenräumen schnell bewältigt.
    Nachdem sich die Türen des wieder bis unters Dach gefüllten Transporters schlossen, machten sich auch die Helferinnen auf um noch etwas zu feiern.


    Alle bis auf Nasrin.
    "Ich fahr´ mit Vince", meldete sie sich bei Sannah ab.
    Die Chefin der Truppe und ihr Freund blickten der Iranerin nach, als sie wie selbstverständlich und ohne viel Gerede mit ihrer Sporttasche in das große Fahrzeug einstieg.


    "Scheint als hätte dieser Topf auch seinen Deckel gefunden", kommentierte Sannah während die beiden davon fuhren.


    "Nur wer von beiden ist der Topf?", fragte Frank mit nachdenklicher Ironie.


    Sannah musste lachen. Dann blickte sie ihm verheißungsvoll in die Augen und umfasste seine Hüfte.


    "Was hat dir dein Trainer bezüglich Intimität nach dem Spiel gesagt?"


    Natürlich wusste er worauf sie anspielte.
    Dennoch geisterte in seinem Kopf das Sprichwort "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel" herum und er musste sich zurückhalten es nicht herauszuprusten. Doch er entschied es bleiben zu lassen.


    Es könnte ja zu seinem Nachteil sein.







    Epilog


    Das Vereinsfest war ein Erfolg auf der ganzen Linie. Nicht zuletzt der umwerfenden Turnshow geschuldet.
    Viele neue Mitglieder konnte angeworben werden. Vor allem aber hatte sich das Interesse eines überregionalen Autohändlers in einem Sponsorvertrag niedergeschlagen. Als Erstes finanzierte er der Turnriege ein neues Trampolin. Dafür musste die Truppe bei jedem Autohaus der Region Neuvorstellungen oder Betriebsjubiläen sportlich untermalen. Auch verschiedene Vereine buchten die Show für eigene Veranstaltungen. Die Einnahmen glichen die Miete für das technische Equipment aus und Vince kümmerte sich jeweils um die Vorbereitungen. Bei den Auftritten musste er kaum noch dabei sein, denn Nasrin hing fast regelmäßig mit ihm ab und hatte sich bereits fundiertes Fachwissen angeeignet um die Technik zu betreuen. Wie genau ihre Beziehung zueinander war wussten wohl nur die beiden selbst. Wie alles an ihnen, war auch das sicher unkonventionell.


    Die ehemaligen Fußballchefs wurden ihrer Ämter enthoben. Nicht unerwartet, wurde durch umfassenden Schadenersatz und zusätzlicher großzügiger Zahlungen von Straf- und Zivilrechtlichen Schritten abgesehen.
    Unter neuer Leitung wurde in der Fußballabteilung die Jugendarbeit verstärkt. Durch Neuzugänge konnte auch wieder eine komplette Erste Mannschaft gestellt werden, die sich allerdings erst wieder durch sämtliche Kreisklassen hocharbeiten musste.


    Die Show-Turn-Gruppe, auf einen Namen hatten sie sich noch immer nicht einigen können, hatte derweil einen Abgang zu beklagen. Durch den Erfolg am hiesigen Theater erhielt Aurelie ein Engagement beim Ballett der nächsten Großstadt. Sie war zwar schon alleine wegen ihrer Beziehung zu Sabine öfter "im Land" und stand auch gelegentlich zur Verfügung wenn "Not an der Frau" war. Ansonsten war sie aber ausgeschieden um sich ihrer Karriere zu widmen.


    Jedoch wurde der Platz der Französin gleich zweifach aufgefüllt. Bereits am Vereinsfest wechselte die "älteste" der Jugendgruppe zu ihnen und brachte auch noch eine gleichaltrige Freundin mit. Die beiden drückten das Durchschnittsalter deutlich nach unten und bei den anzüglichen Lästereien mussten sich die anderen etwas zurücknehmen.
    Zu Frank´s Leidwesen fand sich kein weiterer männlicher Interessent und so würde er weiterhin der "Hahn im Korb" sein.




    Vier Wochen nach dem Fest.


    Die Truppe traf sich zum Training in der Turnhalle. Die meisten waren bereits anwesend, weil sie heute eine neue Choreografie erarbeiten wollten. Alle Anwesenden waren mit Dehnen und Aufwärmen beschäftigt. An der Holzbeschlagenen Zugangstür war für einen kurzem Moment Meike zu sehen, die aber sofort wieder wegging.


    Einen Augenblick später tauchte sie wieder auf und rief: "Hört mal alle her."


    Die Aufmerksamkeit der Anderen war geweckt und sie strebten der Tür zu. Hinter sich her zog sie jemanden, der offensichtlich nur widerwillig eintrat. Ein durchtrainierter Körper mit schwarzem Haar kam zum Vorschein. Er steckte in einem Gymnastikanzug klassischen Zuschnitts. Schüchtern trat er neben Meike, so dass alle ihn sehen konnten. Auffällig war die Farbgebung des Anzugs. Dreigeteilt in Rot, Weiß und Grün, der italienischen Tricolore. Selbst die Gymnastikschläppchen waren in nationalpatriotischem Ferrari-Rot gehalten.


    "Darf ich euch unser neuestes Mitglied vorstellen?"



    ENDE

  • Ich weiß gar nicht ob ich mich wiederhole. Und wenn ist es mir auch egal. Ich möchte gar nicht wissen wie lange du an der Ausarbeitung der Geschichte, an der Korrektur und an der Verbesserung gesessen hast, bis die Geschichte soweit fertig war. Was schätzt du wie viele Stunden Arbeit in so einer Geschichte steckt? Für mich ist die Geschichte immer schnell gelesen und man überhaupt nicht einschätzen wie viel Zeit du darin investiert hast.
    Wenn ich das mal vergleiche, wenn ich ein Video schneide, brauche ich bei aufwändigeren Videos mit vielen Schnitte eine Stunde Arbeitszeit für eine Minute Video.
    Die Geschichte hat mir in der Vielschichtigkeit und dem nicht übertriebenen Lycra Thema extrem gut gefallen. Alleine die ganze Ausarbeitung um das Technik Thema. Wie detailliert und plastisch du die ganzen Teile beschrieben hast. Da ich jetzt schon, ich denke die meisten, deiner Geschichten gelesen habe, kann ich sagen das diese meine liebste Geschichte ist.
    Ganz knapp vor der zweiten Chance.


    Top! Viele Dank dafür.
    Rockfire

  • Ich finde den "Hahn im Korb" eine der besten Geschichten überhaupt. Meinen vorzüglichsten Dank an dich, Lycwolf! Viele Einzelheiten und Details sind zu bewundern, wie toby schon schrieb. Glänzender Stoff (doppelt gesehen).
    Im letzten Kapitel überschlagen sich die Ereignisse. Die Szenen hinter den Kulissen sind teils spannender als die eigentliche Action von Sannahs Truppe. Aber sie haben es geschafft, super!
    Auch wie die Sabotageakte dem Vereinsvorstand präsentiert wurden, hast du elegant hinbekommen.
    Mein einziger, bloß winziger Kritikpunkt am "Hahn im Korb": Die Saboteure sind zu mir milde davongekommen...


    Den Faithless Megamix, gibt es den wirklich?
    Musste mir Tangerine Dreams "Dominion" mal wieder anhören... Passt gut für die Turnmäuse.
    Apopos Turnmaus: Die kleine Leonie ist aber nicht identisch mit der Leonie von Lycraworld (15 Jahre später)?

  • Zunächst mal Danke an alle, denen die Geschichte auch als Wiederveröffentlichung gefallen hat. Vor allem auch denen, die sich auch mal dazu äußern was ihnen gefällt und was nicht. (Manchmal braucht man kleine Streicheleinheiten).


    Rockfire
    Genaue Zeitangaben sind schwer, da manche Stunden der Arbeit in Sackgassen münden und wieder überarbeitet werden müssen. (Etwas das Profis wahrscheinlich nicht so oft passiert.) Man kann sagen, dass etwa anderthalb mal so viel geschrieben wird als letztlich veröffentlicht. Normalerweise schreibe ich den ersten Prosatextentwurf während meiner täglichen Pendelstrecke, mind. 2x1 Stunde pro Tag. das dürfte für die Rohfassung zwischen fünf und sechs Wochen gedauert haben. Dazu muss man noch die Zeiten zählen, in denen ich mir die Handlung im Kopf zusammenreime (Lange Wanderungen mit anregender oder nicht ablenkender Musik auf den Ohren - Danke an Desi für den Tipp mit den "Long Ambients").
    Danach folgen mehrere Wochen mit Korrekturen, sowohl Inhaltlich als auch handwerklich.


    Du siehst, der Aufwand ist ungleich höher als das lesen des fertigen Produkts.
    Aber das kennst du ja ähnlich von deinem erwähnten Videoschnitt. Genauso ist es auch mit Audiobearbeitung. An einem Fünf Minuten Stück, sitze ich auch oft eine dreiviertel Stunde bis es meinen Ansprüchen genügt.



    Desi
    Was die kleine Leonie angeht muss ich zugeben, dass ich mit diesem Gedanken spielte. Jedoch habe ich es nicht weiter verfolgt weil mir die zeitliche Zuordnung zu kompliziert war. Ja, kann sein dass die kleine damals mit dem Lycra-Virus infiziert wurde und später in der Branche berufliche Erfüllung fand.


    Den Faithless-Megamix gibt es wirklich. Ich muss nur mal rumkramen wo er ist, dann schicke ich ihn dir als *.mp3 per Mail.