Beiträge von Catsuit78

    Nachdem vor dem Rathaus doch nochmal etwas Verwirrung entstanden ist, beschließen wir den Donnerstag. Und es geht weiter mit:



    == Siebtes Kapitel : Freitag ==


    Jenny hatte von den Ereignissen vor dem Rathhaus mitbekommen und wartete am nächsten Morgen ungeduldig unter einer Bahnüberführung. Sie trug nun dunkle high-waist Leggings, die an den Schienbeinen, Knien und der unteren Hälfte der Oberschenkel aus dunkelgrauem, diagonal gestepptem Glattneopren und ansonsten aus schwarz beschichtetem, sehr dünnen Neopren sowie in den Kniekehlen und im Schritt aus schwarzem Lycra bestanden; die Flachnähte, die verschiedenen Bereiche miteinander verbanden, waren dunkelrot. Dazu trug sie ein dunkelrotes enges Rollkragen-Shirt aus glänzendem Lycra, robuste dunkelrote Stiefel und eine kurze schwarze Lederjacke. Es war recht kühl und auch etwas neblig. Sie hatte sich eine dunkelgraue Strickmütze über den Kopf gezogen und sah immer wieder hektisch auf ihre Uhr. Dann stoppte eine schwarze Limousine direkt vor ihr. Jenny öffnete die Tür und stieg ein.


    „Warum müssen wir das immer so kompliziert machen? Ich werde von der Polizei gesucht. Da kann ich nicht einfach minutenlang an einer Straßenecke warten, um aufgegabelt zu werden,“ beschwerte sie sich gegenüber der Frau, die neben ihr auf dem Rücksicht saß. Es war die Anwältin des Syndikats.


    „Der Boss ist nun mal sehr vorsichtig. Auch ich weiß nicht, wo er sich aufhält, auch ich darf nie sehen, wo wir hinfahren. Er empfängt nie mehr als einen Besucher. Niemand kennt seine Identität, und so soll es auch bleiben. Und wenn Sie mich um ein Treffen bitten, wähle ich den Abholort aus. Und natürlich...“ sagte sie und gab Jenny einen schwarzen Stoffbeutel.


    „Ja, schon gut. Ich will ja nur mit ihm sprechen. Der Misserfolg von Projekt Notstand heißt ja nicht, dass ich meine Belohnung nicht bekomme. Ich habe alles gemacht, was ich tun sollte. Ihr habt es versaut!“ sagte Jenny, zog die Wollmütze von ihrer Glatze und den dicken Stoffbeutel über.


    „Das haben wir nicht, Jenny. Das Attentat ist zwar nicht geglückt, aber wir haben wertvolle Informationen gewonnen. Und hätte Lilly sich nicht jeden Abend lieber von Nora verwöhnen lassen anstatt den Plan zu befolgen...“ zischte die Anwältin zurück.


    „Trotzdem! Deal ist Deal. Ich will nur die versprochene Gegenleistung. Ich will Trish. Sie muss nicht einmal formatiert und neu programmiert werden. Das kann ich selber erledigen. Und jetzt setzen Sie sich Ihre Augenbinde auf, damit wir endlich losfahren können,“ grummelte Jenny und ließ ihre Hände voller Vorfreude ihre glatten Oberschenkel entlang fahren.


    „Oh, ich werde nicht mitkommen. Das können Sie selbst mit dem Boss besprechen. Der Fahrer wird Sie wie immer dorthin bringen. Ich habe noch einen anderen Termin,“ sagte die Anwältin ruhig und bedeutete dem Fahrer, sie an der nächsten Ecke aussteigen zu lassen.





    Etwa 15 Minuten später stoppte die Limousine in einer Tiefgarage vor einem Aufzug. Der Fahrer, eine in schwarzes Lycra gekleidete Drohne, half Jenny aus dem Wagen und durchsuchte sie nach Waffen. Dann musste sie ihr Mobiltelefon ausschalten und abgeben. Er führte sie zum Aufzug, entsperrte das Bedienteil mit einem elektronischen Schlüssel (Token) und drückte einen Knopf. Nachdem sich die Türen geschlossen hatten, zog sich Jenny den Beutel vom Kopf, seufzte ungeduldig und setzte sich die Wollmütze wieder auf. Schließlich blieb der Aufzug stehen und die Türen öffneten sich.


    Jenny ging durch einen langen schmalen, schlecht beleuchteten Korridor mit nur einer einzigen Tür am anderen Ende. Auch der Korridor war darauf angelegt, dem Besucher Angst oder zumindest Respekt einzuflößen, schon bevor man dem maskierten Boss unter die Augen trat. Vor der Tür blieb Jenny kurz stehen und atmete tief ein. Dann klopfte sie.


    „Ja!“ hörte sie die heisere tiefe Stimme. Jenny öffnete die Tür, betrat das dunkle Büro und setzte sich in einen Ledersessel vor den großen Schreibtisch.


    „Ich ... ähm,“ stotterte sie. Sie war hier, um ihre Belohnung einzufordern; und das zu Recht, denn sie hatte nichts falsch gemacht. Aber nur zwei Meter vor dem furchteinflößenden und unberechenbaren Mann in dieser dunklen Umgebung zu sitzen, war schon eine Herausforderung.


    „Seien Sie still, Jenny! Ich weiß, dass unser Plan nicht so gelaufen ist, wie wir uns das vorgestellt haben,“ sagte der Mann und beugte sich nach vorn, sodass seine Gummimaske aus dem Halbdunkel ins Licht hervortrat. „Aber Projekt Notstand war auch nur ein Versuchsballon im Kleinen. Wir haben noch andere Projekte, größere Projekte.“


    „Tut mir wirklich leid für das Syndikat. Aber ich...“


    „Ruhe! Ich will Sie nicht auch noch darüber jammern hören. Ich bin Geschäftsmann. Wir haben einen Deal. Und Sie haben Ihren Teil geleistet. Daher sollen Sie auch Ihre Gegenleistung bekommen.“


    „Danke. Haben Sie vielen Da---“ sagte Jenny, aber verstummte sofort, als der Boss wieder seine Hand hob. Sie hielt den Atem an, denn sie waren nun an der Stelle, an der das böse Genie normalerweise versuchte, das Vertrauen des Komplizen zu erlangen, nur um ihn dann plötzlich loszuwerden. Doch der Boss lehnte sich wieder ins Dunkel zurück.


    „Sie wird entführt werden, wird formatiert und dann an Ihren neuen Wohnsitz geschickt, den wir Ihnen auf den Cayman Islands besorgt haben.“


    „Vielen Dank. Dürfte ich Sie eventuell nur um etwas zusätzliche Umprogrammierung bitten ... jetzt, wo wir uns doch einig sind und ich ja meinen Teil wirklich gut erfüllt habe,“ sah Jenny ihre Chance, zog ein Stück Papier aus ihrer Jackentasche und stand auf. „Darf ich herantreten und Ihnen meinen Wunschzettel zeigen? Es ist auch nicht viel.“


    Der Boss nickte nur und Jenny stellte sich vor den Schreibtisch. Sie legte das Stück Papier auf die Platte und schob es zu ihm rüber. Der Boss las sich das Papier durch und nickte: „Sehen Sie es als erledigt an. Aber halten Sie meine Großzügigkeit nicht für Nachsicht. Ich will weder Sie verrücktes Huhn noch diese Nervensäge von Kommissarin jemals wiedersehen. Verstanden?!“


    „Verstanden. Ja,“ nickte Jenny und lächelte demütig.


    „Also ... Wo ist sie jetzt?“ fragte der Boss und griff nach dem Hörer eines Telefons, um Trish entführen zu lassen.


    Augenblicklich verschwand Jennys Lächeln.


    „Genau hier!“ rief sie, sprang nach vorn und versuchte, dem Boss die Maske vom Gesicht zu reißen. Doch er wich aus und sprang auf. Und so schwang sich Jenny über den Schreibtisch und trat nach seinem Brustkorb. Er fiel auf den Boden, aber rappelte sich schnell wieder auf und stürmte durch eine Hintertür aus dem Raum.


    Jenny stieß sich vom Tisch ab, schloss während des ‚Fluges‘ kurz ihre Augen und änderte ihr Aussehen wieder zu Trishs zurück. Vor allem wuchsen ihre dicken dunkelbraunen Locken wieder aus ihrer Kopfhaut, sodass sie die Wollmütze vom Kopf drückten. Trish verfolgte den Boss durch die Hintertür.


    ...

    Ich kann meinen Vorschreibern nur zustimmen.


    Auch bei mir ist die Vorliebe über das Sexuelle entstanden, wurde so von einer optischen Annehmlichkeit zu einer 'Vorliebe plus' (also nicht Fetisch in dem Sinne, dass es nur noch mit Lycra ginge / sein muss). Diese Art der Vorliebe kann ganz ohne das Sexuelle (und wenn es nur gedanklich ist) gar nicht entstehen. Meine Meinung.

    Sicher kann man Lycra auch nur aus Praktikabilitätsgründen (Dehnbarkeit zwecks Anpassung an eine Nicht-Standard-Körperform, Dehnbarkeit zwecks sportlicher Aktivität, ...) oder optischen Gründen (Präsentation des Körpers, Mode, Shaping, ...) tragen, wie es - glücklicherweise - wieder viele tun; allerdings würden diese nicht wirklich auf die Idee kommen, sich darüber in einem reinen Lycraforum auszutauschen (eher in einem Fitnessforum oder Modeforum). Aber wenn es nicht nur ein Kleidungsstück wie jedes andere ist oder nicht nur ein ein besonderes, aber nicht ungewöhnliches Kleidungsstück ist, also man sich auf das Tragen freut, es herbeisehnt, schon das Anziehen genießt und das Tragen dann mit jedem Stück Haut genießt, das von Lycra bedeckt ist ... dann kommt die Motivation - jedenfalls aus meiner Sicht - (auch) aus dem Sexuellen.


    Aber das soll jetzt kein Widerspruch zum Ausgangszitat sein. Im Gegenteil. Was jede/r mit Lycra zu Hause oder sonstwo anstellt, ist grundsätzlich ihre/seine Sache. Jedenfalls hier im Forum soll es aber nur um den Austausch über die Vorliebe zum Material gehen. Dabei darf auch ein erotisches Knistern mitspielen (wie wir es in nahezu allen Geschichten haben). Aber es geht eben jedenfalls in diesem Medium nicht um den "sexuellen Fetisch". Vielleicht kann man es so vergleichen: Es gibt auf der einen Seite diejenigen, die Lycra nur zum Sport oder aus modischen Gründen tragen und sich darüber (abgesehen von Praktikabilität und aktueller Mode oder Optik) keine Gedanken machen. Auf der anderen Seite gibt es die, die Lycra anziehen um darin Sexuelles zu erleben, und die sich über dieses Sexuelle austauschen wollen. Und dieses Forum bzw. sein Inhalt liegt in der Mitte zwischen diesen Positionen (mehr als nur Mode / Fitnessbekleidung und weniger als sexueller Fetisch/Praktiken, Porno).


    Lange Rede, kurzer Sinn... Ich denke, das soll gemeint sein bzw. so sehe ich es.

    In diesem Sinne: Auf einen weiteren erbaulichen und freundlichen Gedankenaustausch zu unserer Vorliebe! :)


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    Ergänzung: Ich sehe gerade, dass ich nur das Eingangszitat von Badeanzugchris (1 Satz) gesehen habe. Der eigentliche Text geht ja noch viel weiter. Insofern seht es mir bitte nach, dass ich so viel geschrieben habe. Hätte ich den ganzen ursprünglichen Text gelesen, hätte ich vielleicht etwas weniger geschrieben. Denn da steht ja im Wesentlichen drin, was ich auch denke.

    Rathaus

    (Gegenwart – Donnerstag Mittag)


    “Ihr habt WAS getan?!” fragte Trish fassungslos.


    “Nora hatte uns einige Teile des Plans des Konsortiums erzählt ... es nennt sich übrigens ‚Syndikat‘. Und daran haben wir uns einfach gehalten und haben Lilly mit den erforderlichen Erinnerungen ausgestattet und als Allys Doppelgängerin hierher geschickt. Denn die echte Ally sollte gemäß Plan dem SK assistieren und Lilly sie hier vertreten. Aber wir haben ein paar Änderungen vorgenommen. Die nicht kontrollierte, echte Ally konnte so den SK beobachten, Beweise sammeln und ihn letztlich von der Erfüllung seiner Aufgabe abhalten,” erklärte der Inspektor.


    “Und zwar?”


    “Naja, der Polizeipräsident wollte die alleinige Befehlsgewalt über die PolBots haben. Wegen der Sicherheitsbeschränkungen, die der Bürgermeister gefordert hatte, brauchte er aber den SK, um das PolBot-System direkt nach der Mandatierung zu manipulieren. Und es musste auch der echte Peer Former sein. Wegen des Netzhaut-Scans. Kein Hybride kann das zu 100% nachbilden. Also musste der echte SK unter Kontrolle gebracht werden.”


    “Ich verstehe. Und der Präsident brauchte dann, weil er selbst ja auch hier vor Ort sein musste, noch jemanden, der dem SK den Zugang zum Terminal im Präsidium ermöglichte. Und deswegen ... meine Güte!” rief Trish und hielt sich die flache Hand vor die Stirn.


    “Ja, daher der ganze Zores mit Jenny. Die haben deine Anwesenheit und dein Versagen bei ihrem Gefangenentransport ganz genau inszeniert, sodass der Chef keine andere Wahl hatte, als einen Ermittler der DA einzuschalten.”


    “Denn die Kollegen der DA haben die höchste Sicherheitsfreigabe und Zugang zu jedem Büro. Jenny und Steph sollten also am Mittwochabend für Lilly Allys DNA extrahieren und dann Ally so manipulieren, dass sie heute den SK in das Präsidentenbüro schmuggelt ... und mich, dass ich den Bürgermeister erschieße und mich als verrückt gewordener Roboter oute,” schnaufte Trish.


    “Genau! Damit er in einem Atemzug dich los wird, Notstandsbürgermeister wird und die volle Kontrolle über die PolBots erhält,” fügte der Inspektor hinzu. “Aber Ally hat alles herausgefunden, hat Lilly gestoppt und Nora befreit. Nora hat dann Lilly programmiert.”


    “Nur warum habt ihr mich einfach machen lassen, auf den Bürgermeister schießen lassen? Ihr hättet doch gleich alles auffliegen lassen können.”


    “Naja, wir hatten eigentlich nur Nora als Zeugin – eine Zeugin, die seit einer Woche eine Gehirnwäsche erhält. Daher brauchten wir zusätzlich dich, um den Chef in die Ecke treiben zu können, für ein Geständnis,” erklärte der Inspektor.


    “Nora hat mich übrigens programmiert, um Entschuldigung zu bitten dafür, dass sie sich von mir bei ihrem Wiedereinzug hat täuschen lassen und dich so in Gefahr gebracht hat. Denn vor allem das mit PolBot 28 hat sie auf meinen Befehl hin getan,” schob Lilly recht unemotional dazwischen.


    “Ähm, Danke? Also warst du es, die mich eben im Schwitzkasten gehalten hat. Ich hatte mich auch schon gewundert, wie Ally über Nacht so stark werden konnte. Und auch als der Präsident immer wieder Blickkontakt mit dir gesucht hatte, dachte ich, du seist in Wirklichkeit Steph oder eine robotisierte Ally,” schüttelte Trish den Kopf und schaute dann zum Inspektor. “Also steckt Lilly hinter allem?”


    “Warum meinst du?”


    “Naja, der Chef wollte nur mehr Macht – geschenkt! Aber das Syndikat? Warte ... ich sollte doch als mein Motiv verkünden, dass Menschen kontrolliert werden müssen. Das klingt in der Tat nach einem verrückten Roboter ... also Lilly?! Und als ich Laura in ihrem Büro aufgesucht hatte, hatte sie dieses Pflaster im Nacken, angeblich als Sicherheitsmaßnahme. Dann wurde sie wohl auch von Lilly kontrolliert und Lilly hat die TEK-Technologie an Gresslich weitergegeben, da er diese im Untergrund schneller entwicklen konnte.“


    “Möglich. Naja, ich muss zugeben, dass wir noch nicht wissen, wer der Boss des Syndikats ist. Wir hatten uns zunächst auf den Chef und die Verhinderung des Attentats konzentriert. Es könnte Lilly gewesen sein. Es könnte aber auch Dr. Gresslich sein oder gar Laura, die Gresslich und Lilly kontrolliert. Vielleicht auch Nora, die Lilly nur vorgeschoben hat. Oder sonst jemand, den wir noch gar nicht auf dem Schirm haben,” zuckte der Inspektor mit den Schultern. “Das hier ist noch nicht vorbei. Wir sehen noch nicht das ganze Bild. Noch nicht ... Warte!”


    Der Inspektor und Trish gingen zum Präsidenten, der gefesselt neben der ebenfalls gefesselten Steph stand und die beide nun von Personenschützern zu einem Transporter geführt wurden, um sie ins Präsidium zu bringen. Sie wurden eskortiert von fünf PolBots, während die übrigen bereits ihren regulären Dienst im gesamten Stadtgebiet aufgenommen hatten.


    “Frank, es tut mir leid. Ich hatte keine Ahnung, auf was ich mich da einlasse,” versuchte er, die Beamten zu beschwichtigen.


    “Das kann ich Ihnen nicht wirklich abnehmen. Und ich kann Ihnen auch nicht verzeihen, dass Sie es zugelassen haben, dass Trish und ich von PolBot 28 noch schlimmer hätten verletzt werden können. Und dass Sie uns eben erschießen lassen wollten. Doch wir müssen noch immer herausfinden, mit wem Sie gemeinsame Sache gemacht haben. Und Sie wissen, was ich jetzt sagen werde...” hielt der Inspektor den Präsidenten auf.


    “Sie wollen ein volles Geständnis, mit dem ich Ihnen helfe und meine Position vor Gericht verbessere,” seufzte er. “OK, hören Sie zu. Ob Sie mir glauben oder nicht, es tut mir wirklich alles sehr leid. Ich hätte nicht mit diesem Syndikat einen Deal machen sollen.”


    “Einen Deal?! Das hier ist nicht nur ein Deal. Die wollen anscheinend die Menschheit unter ihre Kontrolle bringen!” zischte Trish.


    “Nein. Das sollten Sie nur nach dem Attentat sagen. Nach Übernahme der Verwaltung sollte ich einfach nur weitere Verkaufslizenzen für das ESS und dieses neue Ding, dieses TEK, erteilen. Die wollen einfach nur mehr davon verkaufen. Das ist alles,” fuhr der Präsident fort.


    “Aber auch wenn es so wäre, nähmen die – und Sie – damit ja eine uferlose Versklavung der Menschheit zumindest billigend in Kauf, einfach um mehr Geld zu verdienen,” hakte der Inspektor ein.


    “Mein Gott! Die Wege der Gier sind unergründlich!” regte sich Trish weiter auf.


    “Nein, Trish, die haben mir versichert, dass sie nur ihr Portfolio diversifizieren wollen. Sie schenkten mir die Hausmädchen-Drohne und ich war total erstaunt von ihrer Vielseitigkeit und Effizienz. Und daher habe ich mich auf das Syndikat eingelassen. Aber ich weiß nicht, mit wem ich gesprochen habe. Es war ein Mann, er trug eine Maske und ich hatte verbundene Augen auf dem Weg zu ihm. Aber das ist, was er mir sagte. Dass es nur um Kommerz gehe! Aber ich habe schon zu viel gesagt. Ich möchte jetzt auf meine Anwältin warten. Sie wird gleich hier sein und dann verhandeln wir mein Geständnis.”


    “Anwältin? Sie meinen die Zicke, die Jenny vor Gericht vertreten hat?” spöttelte Trish.


    “Vielleicht ist sie eine Zicke, aber sie ist eine sehr gute Anwältin,” sagte der Polizeipräsident. Doch plötzlich verzog er vor Schmerzen sein Gesicht. Der Inspektor packte ihn an den Schultern und schüttelte ihn. Doch der Präsident reagierte nicht. Er starrte nur geradeaus wie unter Schock. Der Inspektor seufzte schließlich und riss ihm das Pflaster vom Nacken. In dem Moment verlor der Präsident das Bewusstsein.


    Trish und der Inspektor schauten zu Steph/SUE-1, die das Geständnis mitbekommen und an das Syndikat weitergeleitet hatte. Sie grinste nur, nutzte den kurzen Moment allseitiger Überraschung, riss sich aus dem Griff des Personenschützers und warf sich auf den Rücken. Im Fallen verkleinerte sie ihre Füße auf Kindergröße und streifte die Fesseln samt Schuhen von ihren Beinen, um dann ihre Füße wieder anwachsen zu lassen und wegzulaufen. Trish und die PolBots nahmen sofort die Verfolgung auf, während Lilly und der Inspektor beim Präsidenten und den Personenschützern blieben.


    Steph lief über den großen Platz und bog um eine Ecke. Als Trish dort angekommen war, wollte sie es ihr gleich tun. Doch in dem Moment preschten acht schwarze Lieferwagen dicht aneinander gereiht und so eng um die Ecke, dass der erste Trish mit der Stoßstange erfasste und sie gegen die Hauswand schleuderte. Während die PolBots weiter Steph verfolgten, rappelte sich Trish auf und sah den Lieferwagen hinterher. Sie stoppten mit quietschenden Reifen vor dem Polizeitransporter. Eine Grupe schwarz gekleideter Drohen sprang heraus, hielt alle Anwesenden mit Maschinenpistolen in Schach und schnappte sich den immer noch bewusstlosen Polizeipräsidenten.


    „Neeeiiin!“ rief Trish und wollte wieder zurück rennen. Aber irgendwie musste sie sich beim Aufprall ein Fußgelenk beschädigt haben. Zwar humpelte sie so schnell sie konnte, aber die Drohnen hatten bereits den Präsidenten verladen. Zwei Drohnen wollten auch Lilly mitnehmen, aber diese wusste aufgrund ihres gelöschten Speichers bzw. ihrer Umprogrammierung nichts mit der Aktion anzufangen und weigerte sich.


    Als die PolBots mit Steph wieder zurück auf dem Platz erschienen, ließen die Drohnen von Lilly ab, sprangen in die Lieferwagen und fuhren los. Dabei drehten die Lieferwagen zunächst zwei Runden über den Platz und wechselten dabei sowie bei der weiteren Flucht immer wieder die Reihenfolge und bogen schließlich in verschiedene Richtungen ab, sodass niemand nachhalten konnte, in welchem sich der Präsident befand – ein perfekt choreographierter automobiler Hütchenspielertrick.


    Als Trish erleichtert feststellte, dass der Inspektor unverletzt war, trafen auch die PolBots mit Steph am Polizeitransporter ein. Sie warfen Steph direkt in den Transporter und schlossen die auf der Ladefläche installierten Gittertüren. Dann nahmen sie sofort die Verfolgung der Lieferwagen auf.


    „Was sollte das denn jetzt? War das deren Notfallplan ... um den Boss des Syndikats zu befreien?! Also doch der Chef?!“ rief Trish verzweifelt und versuchte, ihr Fußgelenk wieder einzurenken.


    Doch bevor der Inspektor antworten konnte, lachte ihnen Steph ob ihres geglückten Ablenkungsmanöver aus dem Transporter zu. Sie streifte sich die viel zu große Uniform des SK ab, ließ an ihrem Körper den blauen Lack-Anzug erscheinen und gluckste: “Jedenfalls braucht hier keiner mehr einen Anwalt!”

    Genau, lycwolf. Der erste Spot war als Persiflage gemeint. Ich denke (und hoffe), dass vielen hier schon das Original mit der leggingstragenden Joggerin im TV aufgefallen ist. Ich hab's jetzt natürlich ein wenig 'weiterdystopiert', damit es in den Kontext passt. Und der zweite Spot sollte zeigen, dass PRISMA/CACHE nicht nur die Autos mit Kleidung anpreisen, sondern auch den Anzug, auf den Luke reingefallen ist, um an weitere Daten und Opfer zu gelangen.


    Richtig, Ally dreht den Spieß um. Wie es dazu kommt, ist in der Geschichte zur Aufrechterhaltung der Spannung weder beschrieben noch wird es nachträglich mitgeteilt. Ich hatte es mir so gedacht: Der Inspektor hatte im Krankenhaus am Mittwoch von Trishs letzter Aktion (Amoklauf bei CACHE am Vormittag) erfahren und wusste über Tom von den bisherigen Ermittlungsergebnissen und Ereignissen, war also im Bilde. Nach Allys Anruf aus dem Röntgenraum mit der Info, dass sie bei Trish eine Spyware gefunden hatte, hat er sich alles durch den Kopf gehen lassen und war darauf gekommen, dass es irgendwie Nora gewesen sein musste, die die Spyware installiert hat. Aber sie würde es nicht freiwillig getan haben. Und so konnte der Inspektor seine Theorie(n) mit Tom besprechen und ihn beauftragen, für den Notfall das Fake-Pflaster und den EMP zu erstellen, während Ally und Trish im Röntgenraum waren. Als sie wieder bei ihm waren, musste er natürlich gemäß Allys Idee mitspielen und sich für sie verbürgen.

    Durch Allys Reaktion nach Trishs Fenstersprung und durch die ausgezogene Bluse / den darunter liegenden Catsuit (was ja erst in der Rückblende Donnerstag => Mittwoch aufgeklärt wird), wollte ich zuerst am Ende des Mittwochs noch etwas (mehr) Verdacht auf Ally lenken. Aber ihr Auftreten am Mittwochmorgen reichte ja auch schon und ich wollte sie doch schnell als eine von den Guten aufdecken.


    Das mal dazu. Gleich schließen wir den Donnerstag ab und morgen geht es dann mit dem Finale am Freitag weiter ...

    Sehr schön und gefühlvoll geschrieben ... und mit nem Augenzwinkern am Ende. ;)


    (Ich will keinem mit einem Großprojekt hier die Leserschaft streitig machen. Muss es jetzt halt durchziehen, sonst verliert man den Faden. Wir werden aber auch im Laufe dieser Woche zum Ende kommen mit dem Großprojekt.)

    Kein Ding. Die Funktion bringt einen anscheinend immer ans Ende des Threads. Und wenn dann ein Seitenwechsel dazwischen liegt, kann man was übersehen. Werde in Zukunft drauf achten und nen Hinweis am ersten Fortsetzungsbeitrag auf der neuen Seite anbringen (habe jetzt auch einen eingefügt). Ich vermute aber, dass wir zumindest für den Rest dieser Geschichte mit dieser Seite auskommen.

    Hallo, Toby. Und vielen Dank für das Feedback. Schön, dass für euch nun alles zusammen kommt / sich aufklärt.


    Hast Du auch den Teil davor (auf Seite 4) dieses Threads gelesen? Nur wegen Deiner Nachfragen... Denn dort wird erklärt, dass Ally die Neoprenjacke trägt (daher Knopf in ihrer Jacke), und was im Obergeschoss (los) ist und dass sie sich bei Lilly und Nora befindet.

    ;)


    Das mit den Akten... Ja, guter Einwand. Vielleicht müssen so ganz wichtige Sachen immer noch in Papierform gemacht werden. Was mit dem SK passiert, wird morgen erklärt...

    ! Achtung. Hiervor (auf Seite 4) gibt's noch 2 weitere Teile dieses Updates.


    Hauptinspektor Former

    (Donnerstag – 30 Minuten vor der Amtseinführung)


    Hauptinspektor Former betrat das Polizeipräsidium und fuhr mit dem Aufzug zur obersten Etage, auf der auch das Büro des Präsidenten gelegen war. Doch er begab sich nicht direkt zum Büro, vor dem sich auch eine Sicherheitsschleuse und der Schreibtisch seiner Assistentin befanden. Er bog neben dem Aufzug in die Herrentoilette ab und wartete.


    Kurze Zeit später öffnete Ally die Tür und schaute hinein. Sie sagte nichts, sondern nickte dem Hauptinspektor nur zu. Er nickte zurück und verließ die Toilette. Beide entsicherten ihre noch im Holster steckenden Dienstwaffen und gingen zur Sicherheitsschleuse.


    “Guten Morgen,” sagte der junge Polizeibeamte, der hinter einer Theke neben den panzerverglasten Schiebetüren saß.


    “Guten Morgen, Wachtmeister. Der Hauptinspektor und ich sollen ein paar wichtige Akten holen. Für den Präsidenten,” sagte Ally in ihrer ruhigen und etwas frostigen Weise, mit der sie auch erstmals auf Trish getroffen war. Sie hatte zwischenzeitlich wieder eine Bluse, ihren Mantel und ihre Stiefeletten angezogen.


    “Tut mir leid. Der Hauptinspektor darf nur zusammen mit dem Präsidenten oder sonstigem befugten Personal das Büro betreten.”


    “Nun,” seufzte Ally, holte ihre Marke und ihren Dienstausweis hervor und hielt beides dem jungen Beamten hin. “Was sehen Sie hier?”


    “ Hauptkommissarin Chiavetta von der DA?” sagte er zurückhaltend.


    “Genau. Dienstaufsicht! Also bin ich befugt, jedes Büro des Präsidiums zu betreten. Das schließt auch dieses Büro mit ein. Aber falls Sie sich lieber rückversichern möchten, stören Sie doch bitte den Präsidenten während der Amtseinführung. Vielleicht verbringen Sie danach den Rest Ihrer Dienstzeit mit dem Schreddern von Akten im Kellerarchiv. Na los, rufen Sie ihn an. Zeigen Sie Verantwortung!”


    “Ich ... ich ... ähm,” stotterte er nur und seufzte dann. “Ich denke, das ist in Ordnung. Ihre Sicherheitsfreigabe steht natürlich außer Frage. Bitte...”


    Ally und der Hauptinspektor nickten zufrieden. Der Beamte drückte einen Knopf und die Schiebetüren öffneten sich. Sie gingen hindurch und standen dann vor der dicken hölzernen Doppeltür zum Büro des Präsidenten, die natürlich verschlossen war. Ally holte ihre Keycard hervor, zog sie durch das Lesegerät, drückte ihren Daumen auf einen Scanner, und die Tür sprang auf.


    In dem Büro musste Ally eine weitere Stahltür, die zu einem Wandschrank führte, ebenfalls aufsperren. Dann setzte sich der Hauptinspektor vor den Rechner, der in dem Wandschrank stand. Da ihre Aufgaben erstmal erledigt waren, stellte sich Ally neben ihn und beobachtete, was er tat. Der Hauptinspektor öffnete ein Eingabefenster und tippte mehrere Befehle ein. Dann erschien ein Countdown.


    # Zeit bis zur Mandatierung: 18 Minuten – 49 Sekunden #


    Der Hauptinspektor gab weitere Befehle ein. Der letzte lautete ‘Übertragung der gesamten Kontrolle auf den Polizeipräsidenten, danach Umschaltung auf Spracheingabe’.


    # Bestätigung durch Netzhautscan erforderlich #


    Er klappte ein kleines Gerät neben der Tastatur aus und drückte sein rechtes Auge dagegen. Das Gerät scannte seine Netzhaut und bestätigte seine Identität. Mit einem zusätzlichen Scan seines rechten Zeigefingerabdrucks, wurde ihm schließlich Zugang gewährt. Dann hielt er nur noch seinen rechten Zeigefinger über die Enter-Taste und wartete. Ally sah immer wieder zwischen ihm und dem Countdown hin und her.


    # Zeit bis zur Mandatierung: 11 Minuten – 07 Sekunden #


    Rein gar nichts passierte in den folgenden elf Minuten. Dann endete der Countdown und das System informierte den Hauptinspektor, dass die PolBots nun mandatiert waren, sodass die Befehlsgewalt bzgl. der Einteilung und Grobsteuerung auf das Kontrollzentrum übergegangen war und dass Einzelbefehle allein durch den SK möglich waren. Der Hauptinspektor bewegte dann seinen Zeigefinger auf die Enter-Taste zu, um den zuletzt eingegebenen Befehl umzusetzen.


    Doch bevor seine Fingerspitze die Taste erreichte, griff Ally nach seinem Handgelenk und zog es nach oben. Der Hauptinspektor sah sie verdutzt an. Ally grinste nur lässig und schüttelte ihren Kopf.


    “Böser, böser Junge,” sagte sie und zog ihn vom Rechner weg. Er stolperte mit dem Kopf gegen den Schreibtisch des Präsidenten und versuchte, bei Bewusstsein zu bleiben. Ally drehte sich zum Rechner und gab etwas ein.


    “Nein!” rief der Hauptinspektor und sprang auf Ally zu. Er ergriff sie an den Schultern und schleuderte sie durch den Raum. Sie rollte über die Stühle vor dem großen Schreibtisch. Als sie wieder aufstand, hielt der Hauptinspektor bereits wieder die Tastatur in seiner Hand. Er sah sie an, lachte kurz auf und drückte Enter.


    Ally tat nichts. Sie stand nur auf, zog ihren Mantel und ihren Gürtel zurecht. Dann ging sie am verblüfft drein schauenden SK vorbei zum Telefon und wählte eine Nummer.


    “Nora? Hat alles geklappt?” fragte sie. “Ja, sehr schön. OK, bis gleich. Was? Ja, wir sind ohne Probleme rein gekommen. Anscheinend öffnet die übliche Drohung des Präsidenten, dass man als Schredder im Keller landet, doch so einige Türen.”


    Ally legte auf, ging wieder zum Hauptinspektor und zog ein Paar Handschellen von ihrem Gürtel ab. Als sie vor ihm stand, beugte sie sich vor und riss sein Uniformhemd auf. Sie schnaufte bestätigend durch die Nase, als sie die schwarze Lycra-Unterwäsche sah.


    “Aber ... ich...” stammelte der SK und sah auf den Bildschirm. Er hatte zwar Enter gedrückt, aber Ally hatte zuvor das letzte Kommando geändert:


    # Übertragung der gesamten Kontrolle allein auf das Kontrollzentrum #



    -- -- -- -- -- -- -- --



    Ally

    (wieder am Abend zuvor – Lillys Haus)



    “Sie werden mit Hauptinspektor Former wie ein Uhrwerk zusammen arbeiten. Das ist schon mal sicher. Also kämpfen Sie nicht dagegen an. Lassen Sie es einfach zu. Seien Sie eine gute Drohne...” flüsterte Lilly boshaft.


    “Am Arsch!” zischte Ally ungewohnt vulgär durch die nassen Haarsträhnen vor ihrem Gesicht zurück und zog ihre Knie ruckartig nach oben, sodass sie Lillys Kinn trafen. Dann zog Ally ihre Beine an ihren Oberkörper und trat gegen Lillys Brustkorb. Lilly stolperte rückwärts auf den Couchtisch, ihre Ellbogen zertrümmerten die Glasplatte und Lilly landete in den Scherben. Sie rappelte sich auf, silberne Betriebsflüssigkeit lief aus den Wunden an Armen und Rücken, jedoch verheilten diese innerhalb von Sekunden.


    Lilly sah wütend auf Ally und streckte ihre Arme aus, um sie anzugreifen. Doch Ally kam ihr und Nora zuvor und drückte auf einen Druckknopf im Kragen ihrer Neoprenjacke. Es war ein verstecktes Gerät, das einen hellen Blitz auslöste.


    Dann wurde alles dunkel.


    Stille.


    Der Regen prasselte gegen die Fensterscheiben. Ansonsten war alles ruhig.


    Ally hustete und griff auf dem Fußboden nach ihrer kleinen, uralten Taschenlampe. Sie schaltete sie ein und ging langsam durch den Raum. Der Leuchtkegel fiel auf Lillys latexbekleidete Beine, die bewegungslos vor dem Couchtisch lagen.


    “Oh ... Was? Ich ... Puh!” sagte dann Nora leise in die Dunkelheit.


    “Nora? Alles OK? Haben Sie zufällig eine andere, konventionelle Beleuchtung hier?” fragte Ally.


    “Warten Sie,” sagte Nora und einen Moment später wurde das Wohnzimmer von einer veralteten Notbeleuchtung wieder erhellt. Nora kam zurück zu Ally, sah die am Boden liegende Lilly und schaute dann verblüfft zu Ally: „Ich verstehe nicht ganz.”


    Ally grinste, zog das Pflaster von ihrem Nacken und zeigte Nora dessen Innenleben. Es war leer.


    “Wir hatten bereits vermutet, dass ein Chip gegen Bewusstseinskontrolle auch dafür genutzt werden könnte. Daher werde ich derzeit keine Elektronik mehr an meine Haut lassen,” erklärte Ally und nahm ihr Handy. Es war, natürlich, tot.


    “Und das Ding? Der ... oh, ich verstehe: Ein EMP?” sagte Nora und grinste nun auch. Ally nickte und Nora kam mit ausgestreckter Hand zu ihr rüber. “Ich bin Nora. Tut mir leid wegen der ganzen Sache hier. Und ... und vielen Dank, dass Sie mich gerettet haben.”


    “Keine Ursache. Aber helfen Sie mir bitte mit Lilly. Wir müssen ihren Speicher auslesen, um in Erfahrung zu bringen, was sie geplant hat. Denn sie sagte, ich solle mit dem SK zusammen arbeiten,” sagte Ally und versuchte, Lilly auf das Sofa zu ziehen.


    “Da werden Sie nichts mehr finden. Ihr elektromagnetischer Puls hat nicht nur jegliche Elektronik im Erdgeschoss deaktiviert wie zum Beispiel diesen Anzug, den ich trage. Er hat auch Lillys Speicher gelöscht. Sie ist jetzt nichts anderes als ein Rohling. Naja, wir werden sie schon wieder hinkriegen, aber auslesen können Sie da nichts mehr.”


    “Verdammt!” seufzte Ally und ließ sich neben Lilly aufs Sofa fallen.


    “Aber ICH kann Ihnen alles erzählen, was Sie wissen wollen. Zum Glück kann ein EMP den menschlichen Speicher nicht löschen und hat Lilly den Fehler gemacht, mir meine Erinnerungen zu lassen. Sie wollte, dass ich mich im ununterbrochenen Drohnenmodus, in dem sie mich gehalten hat, so natürlich wie möglich verhalte. Aber dafür habe ich auch alles mitbekommen ... naja, nicht ganz alles. Ich kann nicht sagen, wer letztlich verantwortlich ist, aber ich weiß von der Spyware und dass sie ein Attentat auf den Bürgermeister planen und dass der Polizeipräsident und Lilly etwas damit zu tun haben. Und wenn ich das alles Revue passieren lasse, schulde ich Ihnen und vor allem Trish wohl eine Entschuldigung.”


    “Machen Sie sich keinen Kopf. Das war nicht Ihr Fehler. Aber ein Attentat? Lassen Sie mal ganz schnell hören ... und vielleicht funktioniert ja das Laptop im Schlafzimmer noch,” sagte Ally, legte ihren Zeigefinger über ihre Lippen und die restlichen Finger um ihr Kinn und sah auf die neben ihr liegende Lilly.

    Eigentlich kann man hier sehr gut einen Cliffhanger einbauen. Aber um den Lesefluss nicht zu sehr zu unterbrechen und weil ich Euch schon genug auf die Folter gespannt habe, dachte ich mir, dass man ja noch auf ein anderes altbewährtes und nicht so lange unterbrechendes Cliffhanger-Mittel zurückgreifen kann.


    Daher kommt statt einer Vertröstung auf morgen jetzt, und bevor es direkt weiter geht, ein wenig (nicht ganz ernst gemeinte, aber ins Bild der Geschichte passende) ...


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    Sonnenschein. Ein grüner Stadtpark. Jogger traben über die Wege, Radfahrer rollen langsam durchs Bild. Die Kamera fährt langsam auf eine junge, sehr schlanke, aber trotzdem mit Po und Busen gesegnete Frau mit langen blonden Haaren und einem sehr hübschen, strahlenden Gesicht zu, die sich an einer Parkbank dehnt. Sie trägt hellblaue, faltenfrei sitzende Lauf-Leggings, ein dunkelrotes bauchfreies Lycra-Top und eine dunkelrote dünne Funktionsjacke, die am weißen Zipper geöffnet wurde, um den Blick auf ihren trainierten flachen Bauch freizugehen, die im geschlossenen Zustand den Körper aber sehr eng umhüllt hätte. Diverse Jogger und Radfahrer jeglichen Geschlechts, die an ihr vorbei kommen, lächeln ihr verschmitzt zu.


    Als die Kamera bei ihr angekommen ist, dreht sie sich um und zieht ein Smartphone aus der dafür vorgesehenen Tasche ihrer Leggings. Sie tippt kurz auf dem Smartphone herum und lächelt in die Kamera:


    „Ich nehme gerne Dinge in die Hand. Am liebsten meine Zukunft. Nur bei der Partnersuche, da vertraue ich den Profis.“


    Sie schaut wieder auf ihr Smartphone. Das Bild wird extrem unscharf. Eine Schrift erscheint und eine sonore Männerstimme liest diesen vor:


    ‚Gehen Sie bei der Partnersuche auf Nummer sicher. Vertrauen Sie uns Ihre persönlichen Daten und eine DNA-Probe an und wir suchen ihren perfekten Partner. Melden Sie sich noch heute an und profitieren Sie von der Hochbegabten-Garantie für Ihren potentiellen Nachwuchs. www . verkuppel-mich-jetzt . de‘


    Dann verschwindet der Text (bis auf die Internetadresse) und das Bild wird wieder scharf. Die Joggerin blickt von ihrem Smartphone auf und zwinkert mit ihren strahlend blauen Augen in die Kamera:


    „Die verkuppeln mich jetzt.“


    -- -- -- -- -- -- -- --



    Schnelle, harte Musik. Bilder prasseln wie ein Maschinengewehrfeuer über den Bildschirm. Man sieht in einer weiten staubigen Landschaft auf einer Straße immer wieder den stahlhart trainierten Körper eines Radfahrers in einem schwarzen, in der untergehenden Sonne nur so glänzenden, extrem eng sitzenden Lycra-Catsuit. Er tritt schnell in die Pedale, schießt um eine Kurve, keucht unter seiner verspiegelten Sonnenbrille, seine Oberschnekle fliegen nur so auf und ab, das enge glänzende Material spannt sich über seine harten Pobacken, seine Hände pressen sich um den Lenker ... Dann eine Vollbremsung. Er bleibt im in der Sonne aufsteigenden Staub stehen, sein Brustkorb hebt und senkt sich, Schweiß tropft ihm vom Kinn.


    Dann hebt er seinen linken Unterarm und schaut auf das dort in den Anzug eingearbeitete Display. Dieses zeigt ihm die Schrift ‚Tagesziel erreicht. OK für Belohnung.‘


    Er drückt einen Knopf, sein Körper erzittert vor Erregung, er fährt sich mit den Handschuhen seines Anzugs über die Brust, keucht auf, sieht dann in die Kamera:


    „Vor drei Monaten lag ich noch mit 30 Kilo Übergewicht auf der Couch. Ich musste einfach etwas ändern und kaufte mir diesen Trainingsanzug von PRISMA mit dem innovativen Trainingsassistenten. Anzug an, Schweinehund aus. Lassen Sie sich vom Anzug motivieren und trainieren. Es ist so einfach!“


    Schließlich drückt er auf dem Display, das ihm nun die Frage ‚Weiter?‘ anzeigt, wiederum OK, schaut energisch nach vorn und tritt in die Pedale. Als er sich auf der schnurgeraden Straße entfernt, fährt die Kamera nach oben und zeigt, dass jedenfalls auch in den nächsten 50 km nicht mit Besiedlung zu rechnen sein wird. Dann wird ein einen Lichtstrahl brechendes Prisma eingeblendet, das Firmenlogo des neuen Sportartikelherstellers. Darunter erscheint:

    ‚Jetzt exklusiv bei ATHLETISTOK!‘.


    ######## WERBUNG - ENDE ########

    Ally

    (am Tag zuvor – Mittwoch – im Krankenhaus)


    ...


    Ally eilte zum Fenster und sah, wie Trish sicher auf dem Boden landete und zu ihrem Auto lief.


    „Ich hoffe, sie verhält sich wie befohlen,“ sagte Ally leise zu sich selbst, setzte dann ein leichtes Lächeln auf und drehte sich zum Inspektor um.


    “Ich denke schon, Ally,” sagte der Inspektor, während Ally ihren Mantel wieder aufknöpfte, und legte seinen Zeigefinger über seine Lippen und die anderen Finger um sein Kinn, was immer ein Zeichen dafür war, dass er einer neuen Idee nachging. “Du hast also Spionagesoftware bei Trish gefunden. Nora ist die einzige, die sie dort installiert haben kann. Aber Nora hätte dazu auch vom Chef oder Hauptinspektor befohlen worden sein können, denn Letzterer wurde entführt und könnte unter dem Einfluss des Konsortiums stehen.”


    “Den Hauptinspektor würde ich ausblenden, denn Nora hat die Änderungen ja schon am Samstag installiert, zwei Tage bevor der SK verschwand. Also Nora. Denkst du, dass sie mit diesem Konsortium unter einer Decke steckt?”


    “Hmmm, jedenfalls hoffe ich, dass es nicht so ist. Wir sollten vorsichtig sein, denn wir haben sie vor einem halben Jahr schon einmal zu Unrecht verdächtigt. Andererseits ist sie unser einziger Anhaltspunkt. Ich habe auch seit deinem Anruf eine Theorie entwickelt, aber die Ärzte lassen mich erst morgen zur Amtseinführung, die wir auch besonders im Auge behalten müssen, hier raus. Von daher...” sah der Inspektor Ally in ihren schwarzen Lederimitat-Leggings und ihrem zugeknöpften Mantel auffordernd an.


    Er grinste im Gedanken an die Zeit, als sie beide Partner gewesen waren. Er hatte sich nun in Trish verliebt, aber er mochte Ally immer noch, und zwar vor allem dafür, dass sie eine reifere Version seiner impulsiven Freundin war – auch wenn ihre Beziehung zueinander nicht frei von Problemen gewesen war. Doch vielleicht hatte er auch einfach nur eine Vorliebe für impulsive Frauen und sah seine ‘Aufgabe’ darin, ihre ungestüme Energie in produktive Bahnen zu leiten.


    “Verstehe. Klar, ich werde sehen, was ich über Nora herausfinden kann. Sie wohnt ja jetzt bei dieser Lilly. Ich werde da mal vorbei schauen,” sagte Ally und lächelte noch etwas mehr. Endlich war sie wieder als richtige Ermittlerin unterwegs.


    “Danke, Ally. Aber bitte schau vorher kurz im Präsidium vorbei und bitte Tom, dir etwas für deine Sicherheit mitzugeben.”


    “Meinst du diese Nackenpflaster? Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Aber wenn du meinst, dass sie etwas bringen...”


    “Tom wird wissen, was er zu tun hat. Und bitte halte mich auf dem Laufenden, OK?”


    “Na klar, mache ich,” sagte Ally und tätschelte sanft seine Hand.


    “Ach, Ally... warum...?” fragte der Inspektor und zeigte auf Allys Bluse, die sie nun in ihrer Hand trug.


    “Nur etwas Überzeugungsarbeit,” lächelte Ally und verschwand zügig aus dem Zimmer.



    -- -- -- -- -- -- -- --



    Etwa zwei Stunden später erreichte Ally das Anwesen, das jetzt Laura gehörte und auf dem Lilly und Nora das Gästehaus bewohnten. Es fing bereits an, dunkel zu werden, da dicke Wolken aufgezogen waren, die ab und zu Regen brachten. Ally hatte ihre langen blonden Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden und sich eine schwarze Baseballkappe aufgesetzt. Sie stieg aus ihrem Auto und tauschte ihren dicken Mantel und ihre Stiefel gegen eine kurze schwarze Neoprenjacke und schwarze Sneaker.


    Dann schloss sie den Reißverschluss der Jacke und ging über die Straße zum Anwesen. Sie klingelte nicht am Haupttor, sondern spazierte am zwei Meter hohen Zaun entlang. Als sie einen unbeleuchteten Bereich erreichte, vergewisserte sie sich, allein zu sein, und kletterte über den Zaun.


    “Heimliches Eindringen ohne Durchsuchungsbeschluss ... schon wieder,” murmelte sie zu sich selbst, während sie von Gebüsch zu Gebüsch schlich. Schließlich erreichte sie das Gästehaus, versteckte sich hinter einem Baum und versuchte, durch das Fenster hinein zu sehen. Das Wohnzimmer und das oben gelegene Schlafzimmer waren erleuchtet, aber im Erdgeschoss war niemand.


    Sie holte ihr Handy aus ihrer Jackentasche, verband es mit einem kleinen Gerät und Ohrstöpseln. Sie steckte sich die Stöpsel in die Ohren und hielt das Handy mit dem weiteren Gerät Richtung Schlafzimmerfenster. Sie hörte ein surrendes Geräusch von dort und rollte mit den Augen: “Und jetzt auch noch verdecktes Abhören ohne gerichtlichen Beschluss...”


    Dann wählte sie die Nummer des Inspektors und kletterte den Baum hoch. Zum Glück hatte sie die Neoprenjacke und die Kunstleder-Leggings an, die den Regen ein wenig abhielten, aber sie sorgte sich auch darum, dass ihre Leggings wegen des Glanzes auffallen könnten.


    “Ally?” hörte sie die Stimme des Inspektors in den Ohrstöpseln, als sie sich auf einen dicken Ast hockte.


    “Ja, ich bin’s. Ich bin vor dem Gästehaus. Lilly und Nora befinden sich im Schlafzimmer. Und Nora ... ach du meine Güte,” keuchte Ally und verstummte.


    “Was ist?”


    “Nora sitzt auf einem Spinning-Rad. Sie trägt einen weißen Lycra-Catsuit mit grünen Seitenstreifen. Ich ... ich habe so einen Anzug schon mal gesehen. In den Akten eures letzten Mordfalles. Aber dieser Anzug ist anders. Der hat keine Kopfhaube und Arme und Beine sind kürzer.”


    “Natürlich. Um nicht unter einer Polizeiuniform oder einem Rollkragenshirt gesehen zu werden. Das könnte dafür sprechen, dass Nora die Spionagesoftware nicht von sich aus installiert hat.”


    “Und zum Nacken des Anzuges verläuft ein Kabel. Es kommt aus einem Laptop. Und hinter dem Laptop auf dem Bett sitzt Lilly. Sie trägt weiße Latex-Leggings und einen grünen Kapuzenpulli. Mein Gott, Lilly verändert am Laptop immer wieder die Geschwindigkeit, mit der Nora in die Pedale tritt.”


    “Also wird Nora von Lilly kontrolliert. Und ... warte mal ... als wir Nora vor ein paar Monaten befragten, erzählte sie uns von ihrer letzten Begegnung mit Lilly vor ihrer Umwandlung. Sie erzählte von einem Streit und dass Lilly dann zu ihrem Trainingsrad ins Schlafzimmer gegangen sei und dann...” versuchte sich der Inspektor zu erinnern.


    “Lilly hat gerade einen Knopf gedrückt, Nora hört mit dem Trampeln auf, steigt vom Rad runter,” unterbrach Ally den Inspektor. “Sie geht zu Lilly, kniet sich vor ihr auf das Bett. Lilly lehnt sich zurück, spreizt ihre Beine. Was soll das? Nora kniet einfach nur da und schaut Lilly an, mit ihren Händen auf ihren Oberschenkeln. Sie wartet einfach nur ... wie ein Hund, der auf ein Kommando wartet.”


    “Ich denke Lilly spielt die letzte Nacht vor ihrer Umwandlung mit Nora nach ... nur etwas heftiger und mit vertauschten Rollen,” seufzte der Inspektor. “Ein ganz schön nachtragender Roboter.”


    “Das kannst du laut sagen. Und ich denke, das macht sie nicht zum ersten Mal. Oh, Lilly hat genickt. Nora befeuchtet ihre Lippen und beugt sich nach vorn, presst ihr Gesicht auf Lillys ... oh, Frank, sie ... Nora ... ahmm,” stöhnte Ally leicht auf und streichelte unbewusst über ihre glänzend-eng verpackten und mit Regentropfen benetzten Oberschenkel.


    “Ähm, wir ... wir sollten...” murmelte der Inspektor und hörte gebannt weiter zu.


    “Wow. Lilly krallt ihre Hände in die Decke und stöhnt laut auf, hmm ... während Nora weiter ... naja,” berichtete Ally und rieb ihre Schenkel aneinander.


    “OK, Ally! Auch wenn es für dich recht anregend zugehen mag, solltest du diesen Moment nutzen. Geh’ da rein!”


    “Ich komme!” stöhnte nun Ally laut auf und räusperte sich dann. “Also ich mache ja schon. Nein, warte. Die beiden scheinen fertig zu sein. Jetzt steht Nora auf und geht Richtung Bad und ... Mist!”


    “Ally, was ist los?”


    “Ich denke, sie hat mich gesehen. Sie ist stehen geblieben und sieht ... Was?! Ah, der Ast! Argh!” rief Ally plötzlich. Der Inspektor hörte ein lautes Knacken und einen dumpfen Aufschlag. Dann wurde die Verbindung unterbrochen.





    Als Ally ihre Augen wieder öffnete, saß sie auf dem Sofa im Wohnzimmer des Gästehauses. Ihr Rücken schmerzte und ihre nassen Haare klebten im Gesicht. Sie blinzelte mehrfach, um sich an das helle Licht zu gewöhnen und öffnete den Zipper ihrer engen Neoprenjacke.


    “Zielperson 2 ist hier bei mir. Ich werde mich selbst um sie kümmern. Machen Sie mit Ihren Aufgaben bei Zielperson 1 weiter und befehlen Sie SUE-1, sich für morgen vorzubereiten,” sagte die dunkle, heisere Stimme des Anführers des Syndikats zu jemandem.


    Ally runzelte die Stirn, öffnete den Rest ihres Pferdeschwanzes, wischte sich Haare aus dem Gesicht und versuchte sich zu orientieren. Man hatte sie auf das Sofa geworfen und den Inhalt ihrer Taschen (Smartphone, kleine Taschenlampe, Polizeimarke) auf den Couchtisch vor ihr gelegt. Sie versuchte, einen Blick auf die sprechende Person zu erhaschen. Als ihre Augen sich endlich angepasst hatten, blickte sie vor sich auf lange Beine, die in weißen Latex-Leggings mit einer versteckten Schrittöffnung steckten, sowie auf einen dunkelgrünen Latex-Kapuzenpulli, lose am Bauch, aber eng um ein Paar großer Brüste.


    Ally schüttelte ihren Kopf, da sie die gehörte Stimme nicht der Optik zuordnen konnte. Aber die brünette Frau sprach tatsächlich mit einer heiseren tiefen Männerstimme in ihr Handy. Es war Lilly. Diese legte nun das Handy zur Seite und sah sich Allys Ausweis und Marke an.


    “Hauptkommissarin Allyson Chiavetta. Schön, Sie endlich persönlich kennenzulernen,” sagte Lilly nun wieder mit ihrer Stimme und warf die Marke zurück auf den Glastisch. “Bis jetzt kenne ich Sie ja nur von Trishs Aufzeichnungen.”


    “Sie stecken also dahinter, Lilly!? Sie kontrollieren Nora und haben sie gezwungen, die Spyware bei Trish zu installieren?!” stöhnte Ally auf und wollte aufstehen, doch ihr Rücken schmerzte noch immer.


    In dem Moment betrat Nora wieder das Gästehaus. Sie trug noch immer den weißen Lycra-Anzug und weiße knöchelhohe Chucks und ging zu Lilly, pustete ihren langen blonden Pony ihrer Bob-Frisur aus dem Gesicht und berichtete, dass sonst niemand draußen sei. Lilly lächelte und streichelte Noras Wange. Nora nahm dies als Belohnung auf, strich mit den Händen über ihren vom Regen leicht feuchten, lycrabedeckten Körper und grinste erregt zurück.


    “Danke, meine Liebe. Du machst das sehr gut. Liebe dich,” sagte Lilly, doch als sie sich wieder Ally zu wandte, verstarb ihr Lächeln abrupt. “Oh ja, Nora wird von mir kontrolliert. Vielleicht etwas intensiver als sie mich – heimlich – vor meiner Umwandlung kontrolliert hat. Naja, ihre Entscheidung bei der Polizei anzufangen, war natürlich Wasser auf meine Mühlen. Ich musste Nora nur überreden, ein Mal den Anzug anzuziehen, als sie hier wieder einzog. So konnte ich nicht nur täglich meine Rache ausleben, sondern hatte ohne weiteren Aufwand einen ersten Maulwurf im Präsidium.”


    “Wie nachher auch den Polizeipräsidenten?”


    “Der Präsident ist nur ein geschätzter Geschäftspartner. Jeder, der mit uns zusammen arbeitet, soll von Projekt Notstand profitieren.”


    “Projekt Notstand? Haben Sie keine Angst, mir den Namen zu verraten? Denken Sie nur an Goldfinger, 1964. Bond wusste da zuerst auch nur den Projektnamen, sonst nichts!”


    “Neeeiiin, Frau Chiavetta. Ich habe gar keine Angst. Erstmal sind Sie kein fiktiver Geheimagent und in wenigen Augenblicken werden Sie nur eine weitere unserer loyalen Drohnen sein,” lachte Lilly und schaute dann zu Nora rüber, die sich bereits hinter dem Sofa positioniert hatte. “Halt sie fest!”


    Nora nickte, umgriff Allys Hals und hielt sie im Schwitzkasten. Ally schnappte nach Luft. Ihr mit glänzendem schwarzen Lycra umspannter Oberkörper drückte sich nach oben. Sie sah zu Lilly, die nun mit einem kleinen Gerät in ihrer Hand auf sie zu kam.


    “Ich sehe, dass Sie bereits eines unserer Nackenpflaster bekommen haben. Wie dumm von Ihnen! Das ist keine Sicherheitsvorkehrung. Im Gegenteil. Das ist eine Hintertür zu Ihrem Verstand,” gluckste Lilly und drückte auf einen Knopf auf dem Gerät.


    Ally riss die Augen auf. Sie wollte schreien, aber ihr Körper zuckte nur zusammen und sie verdrehte die Augen. Sie versuchte, nach Lilly zu treten, schnappte nach Luft und kämpfte gegen Noras festen Griff. Doch Lilly beugte sich nur ruhig zu ihr runter und streichelte Allys Wange.


    “Sie werden mit Hauptinspektor Former wie ein Uhrwerk zusammen arbeiten. Das ist schon mal sicher. Also kämpfen Sie nicht dagegen an. Lassen Sie es einfach zu. Seien Sie eine gute Drohne...” flüsterte Lilly boshaft.


    ...

    Vielen Dank schon mal für euer Feedback.


    Ja, der Donnerstag ist recht komplex. Ich lasse daher die Charaktere nach der Rückrückblende in die Gegenwart meist nochmal alles kurz zusammenfassen, damit man nicht den Faden verliert.


    Trauen sollte man hier niemandem. Das ist tatsächlich das grundlegende Thema... ;-)


    Würde euch normalerweise auch nicht so lange hängen lassen, aber ich komme erst heute Abend wieder an meinen PC. Aber als Ausgleich dafür wird dann im nächsten Update recht viel erklärt werden. :-)

    ... uuuuund wieder zurück zum Rathaus:



    Rathaus

    (Gegenwart – Donnerstag Mittag)



    Die Nadeln des Tazers trafen den Hauptinspektor, der direkt zu Boden ging.


    Doch als er das Bewusstsein verlor und auf den Stufen der großen Rathaustreppe zitternd liegen blieb, veränderte sich sein Körper und einige Sekunden später lag dort Steph/SUE-1 in der viel zu großen Uniform. Ihre CPU wurde wegen des Stromschlages vorsichtshalber heruntergefahren.


    “Was soll das denn jetzt?!” schrie der Polizeipräsident und schnaufte vor Wut. “OK! Es ist mir völlig egal, wer ein Doppelgänger ist oder wer von irgendwem kontrolliert wird. Trish hat den Bürgermeister erschossen und sie oder ein Komplize hat anscheinend Peer Former entführt. Frau Vorsitzende, der Stadtrat muss sofort den Notstand ausrufen! Dieses Durcheinander verlangt eine schnelle Reaktion.”


    “Nein, bitte. Ähm, Frau Vorsitzende, ich weise Sie – mit allem Respekt – darauf hin, dass es ein Fehler wäre, jetzt den Notstand auszurufen,” ging der Inspektor dazwischen.


    “Nun, so schockiert wir auch sind ... es scheint, als müssten wir. Das bedeutet, dass der Polizeipräsident die Verwaltung leiten wird bis ein neuer Bürgermeister gewählt ist,” sagte die Vorsitzende nachdenklich.


    “Dann tun Sie es und ich werde Recht und Ordnung einziehen lassen!” forderte sie der Präsident erneut auf und wandte sich dann an den Inspektor: “Kommen Sie, Frank. Lassen Sie den Stadtrat seine Pflicht tun. Wie man es auch dreht und wendet, der Bürgermeister ist tot und ich bin nun mal im Notstandsfall sein Stellvertreter.”


    “Das denke ich nicht!” ertönte eine Stimme aus dem Hintergrund. Es war der Bürgermeister. Sein Hemd war aufgerissen worden und drei Projektile steckten in der kugelsicheren Weste, die er darunter trug. “Ich lebe noch. Der Inspektor war so freundlich, mir heute früh alles zu erklären.”


    “Was?!” riefen der Polizeipräsident und die Vorsitzende gleichzeitig, jedoch der Präsident eher aus Überraschung, die Vorsitzende aus Erleichterung.


    “Nun, der Inspektor glaubt, dass der Polizeipräsident einer derjenigen ist, die hinter diesem Anschlagsversuch stecken,” sagte der Bürgermeister und hielt sich die schmerzende Brust.


    “Frank? Bitte sagen Sie mir, dass sie nicht auch verrückt geworden sind... wie Trish! OK, ich war vielleicht etwas grob zu ihr ... aber nur, um sie zu motivieren. Das ist doch kein Grund, mir sowas unterzuschieben,” protestierte der Polizeipräsident.


    “Oh nein, Sie sind der, der versucht hat, Trish etwas unterzuschieben. Sie haben immer mehr Druck auf sie ausgeübt, sie haben ihr vor Ally als Zeugin vorgeworfen, dass sie ein nicht anpassungsfähiger Roboter sei, eine tickende Zeitbombe. Alles nur, um sie dazu zu drängen, immer mehr Fehler zu machen, um sie verzweifeln zu lassen, um ihr die Ermordung des Bürgermeisters in die Schuhe schieben zu können,” erklärte der Inspektor.


    “Und Sie wollten, dass mir diese Limitierungen installiert werden, damit Sie – nachdem Jenny mit dem Besuchswunsch sichergestellt hatte, dass ich vor Ort war – PolBot 28 nutzen konnten, um Jenny zu befreien und mir nachher vorzuwerfen, ich hätte meine angebliche alte Liebe entkommen lassen. Und dann beauftragten Sie Jenny damit, auf meine Kollegen zu schießen, um mich noch mehr aus der Fassung zu bringen! Und Sie waren es, der alles im voraus wusste ... nicht nur, weil die Fälle und Ermittlungsergebnisse über unsere Tablets im System hinterlegt werden. Denken Sie mal nur an meine spontane Entscheidung gestern, sofort zu CACHE zu fahren und nicht erst am Nachmittag,” fügte Trish hinzu.


    “Nicht wahr! Das ist nicht wahr! Und das wissen Sie. Ich habe niemals diese Jenny mit irgendetwas beauftragt, insbesondere nicht, andere Beamte zu gefährden! Und CACHE: Sie meinen wohl Ihren Hausfriedensbruch?! Davon haben Sie mir im Vorfeld gar nichts erzählt. Wie sollte ich davon denn wissen? Wenn Ally mich nicht informiert hätte, hätte ich kaum vor Ort Ihren Gummiarsch retten können!” bellte der Präsident zurück.


    “Gut, das stimmt allerdings ... in Ihrem Arbeitszimmer hatte ich keine Gelegenheit, Ihnen was zu CACHE zu sagen. Ich dachte zuerst noch, es sei die Hausmädchendrohne im Arbeitszimmer, die Sie ausspioniert. Aber die hatten Sie ja abgeschaltet...” grübelte Trish unsicher.


    “Na also! Ich habe Recht, sie nicht. Glauben Sie ihr kein Wort!” sah sich der Präsident nickend und nach Zustimmung suchend um.


    “Aber ... auch ich habe Sie nicht informiert,“ meldete sich nun Ally zu Wort. „Und wir waren bei CACHE noch keine zehn Minuten vor Ort, da sind Sie schon aufgetaucht. Denn Sie wussten genau, was Trish vorhatte. Durch die Spyware, die Sie Nora bei Trish haben installieren lassen! Ich habe sie in Trishs CPU gefunden und dann unseren Streit im Krankenhaus inszeniert, damit unsere Entdeckung nicht auffällt.”


    “Echt?” fragte Trish, da sie sich daran nicht erinnern konnte.


    “Was? Warum sagen Sie das, Ally? Ich dachte, wir wären auf der gleichen Seite?” runzelte der Präsident die Stirn, hielt inne und seufzte laut. “Gut, gut ... ich gebe es zu. Ich wollte sehen, was Trish anstellt. Aber nur, weil ich mich um sie sorgte. Ich wollte da sein, wenn irgendetwas schief ging. Deswegen die Spyware.”


    “So’n Quatsch!” rief nun Trish wieder. “Bei Ihnen zu Hause sagten Sie, dass ein falscher PolBot Jenny befreit hätte und dass die Verstärkung berichtet hätte, dass ich sie entkommen ließ, obwohl ich es hätte verhindern können. Aber erstens kamen die Kollegen am Unfallort erst an, als der PolBot bereits weg war. Und zweitens: Wenn Sie über die Spyware alles mitbekommen haben, dann haben Sie auch gesehen, dass es ein echter PolBot war, nämlich Nummer 28!”


    “Und drittens: Wenn Sie so besorgt um Trish waren, warum hat die Spyware die Aufzeichnungen nicht nur an Sie, sondern auch an einen externen Server weitergeleitet?” fügte Ally hinzu, obwohl der Präsident ihr bedeutete, den Mund zu halten.


    “Ja, stimmt! Gestern Nachmittag wurde nämlich Ally von Jenny bei mir erwartet, denn sie wusste, dass Ally mir überall hin folgen sollte. Und diesen Befehl hatten Sie Ally gegeben, gestern Vormittag bei CACHE, und nur Ally und ich waren dabei,” fügte Trish hinzu und schaute dann verwirrt zu Ally rüber, als ihr einfiel, dass Jenny und Konsorten ja beabsichtigt hatten, Ally auch eine Gehirnwäsche zu verpassen. Und ihr war auch aufgefallen, dass der Präsident immer wieder versuchte, Blickkontakt mit Ally herzustellen. Doch bevor sie ihren Argwohn in Worte kleiden konnte, wurden sie schon vom Präsidenten angeschrien.


    “WAS?! Nicht belegbare Indizien und weit hergeholte Vermutungen! Frank, Trish, Ally ... Sie sind doch eigentlich bessere Ermittler. Das ist alles nichts, und das wissen Sie!”


    ”Na dann verraten Sie uns doch mal, warum Sie sie gerade eben, bevor sie von Ally getazert wurde, ‘Steph’ genannt haben?” fragte der Inspektor und zeigte auf Steph/SUE-1, die sich wieder aktiviert hatte, der aber bereits schwere Hand- und Fußschellen angelegt worden waren. “Denn nur Frau Mutaras Freunde und Follower ihres Social Media Profils wissen, dass sie es hasst, bei ihrem vollen Vornamen genannt zu werden.”


    “Zufall! Steph ist eine sehr gebräuchliche Abkürzung!” rief der Polizeipräsident und trat einen Schritt zurück.


    “Und Sie sagten eben, dass Frank an mir keine silbernen Leggings finden würde! Wie konnten Sie wissen, dass die silbern waren? Bis jetzt haben PRISMA und CACHE lediglich schwarze Kleidung mit silbernem Innenfutter benutzt und Lauras Unternehmen im Wesentlichen weißes Lycra. Also woher wissen Sie, dass Jenny mich in silberne Leggings gezwängt hatte?” löste Trish ihre Aufmerksamkeit von Ally und ging auf den Präsidenten zu.


    “Aber warum sollte ich all das tun? Nur, um für ein paar Tage Chef der Verwaltung zu sein? Und wie sollte ich das alles planen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen?” fragte der Präsident verteidigend und wich noch etwas zurück.


    “Wir müssen zugeben, dass Sie nicht der einzige sind, der dahinter steckt. Sie arbeiten für dieses Konsortium, dem der PRISMA-Markenverbund und CACHE gehören. Als Chef der Verwaltung und der Polizei hätten Sie sich natürlich zuerst die erträumten zusätzlichen PolBots bewilligt,” erklärte der Inspektor.


    “Verdammt! Ich hätte mich zuerst um Sie beide kümmern sollen!” rief der Präsident schließlich und zeigte auf Trish und den Inspektor. Er stand nun direkt vor einer Reihe von PolBots, die den Ort des Geschehens sicherten. “Aber Sie vergessen dabei eine Sache: Den Notstand ausrufen zu lassen, ist nur ein Teil des Plans. Das Syndikat hat noch mehr vor. Die PolBots sind schon seit ihrer Mandatierung unter meiner Kontrolle! Und ein Anschlagsversuch ist immer noch ein Verbrechen. Und Sie drei arbeiten zusammen, Sie sind Verschwörer! Das ist zumindest das, was die Leute gesehen haben und was die Presse berichten wird. Denn leider werden der Bürgermeister und der Stadtrat im Kugelhagel umkommen, und das obwohl ich dem Bürgermeister heute morgen noch die kugelsichere Weste gegeben habe. Das sind die Fakten, die die Leute erfahren werden! Also ... PolBots! Erschießt die Verschwörer!”


    Während ein Teil der PolBots weiterhin das Umfeld sicherte, drehten sich andere um und richteten ihre automatischen Waffen nach vorn. Doch sie schossen weder auf die drei Beamten noch wild um sich. Stattdessen zielten sie auf den Polizeipräsidenten.


    “Was soll das denn jetzt? Kann ich mich nicht einmal auf euch Blecheimer verlassen?!” schoss dem Polizeipräsidenten Panik ins Gesicht. Dann sah er zu Ally rüber: “Und warum unterstützen auch Sie mich nicht wie geplant?”


    “Die PolBots sind unter unserer Kontrolle. Es war nicht schwer, das vorherzusehen. Wir mussten uns nur fragen, warum Sie dieses Märchen über einen falschen PolBot und Trishs Verantwortlichkeit am Unglücksort erzählt haben. Nämlich um die DA einschalten zu müssen. Und wir mussten uns fragen, warum jemand den Hauptinspektor entführen wollte, nur um ihn einen Tag später wieder zurück kommen zu lassen,” führte der Inspektor seelenruhig aus, während dem Präsidenten Handschellen angelegt wurden.


    “Ein Glück, dass das endlich vorbei ist,” keuchte Trish und sah dann zu Ally. “Machen Sie sich keine Vorwürfe, dass Sie ihn nicht wie mit ihm abgesprochen unterstützt haben. Auch wenn er der Chef der Polizei ist, sind Sie von der DA und am Ende mussten Sie einfach das Richtige tun.”


    “Naja, es ist nicht ganz so, wie du denkst, Trish,” umarmte der Inspektor seine Partnerin und streichelte über ihren Rücken.


    “Was denn? Weil Steph Ally eigentlich abfangen und einer Gehirnwäsche unterziehen sollte? Aber wo sie ja jetzt dem Chef nicht beigesprungen ist, dachte ich ... dass die Ally doch nicht in ihre Hände bekommen haben ... und auch, wenn sie auf Anordnung des Chefs ... ähm, sorry, Frank. Ich versteh’s nicht.”


    In dem Moment veränderten sich Allys Gesicht und Körper. Trishs Kinnlade klappte auf und einige Sekunden später sah sie Lilly in Allys für sie etwas zu engen Uniform vor sich stehen.


    “Nein! Oh nein ... NEIN!” schrie Trish verzweifelt und drückte sich an den Inspektor.


    ...


    [So, da muss ich Euch erstmal etwas hängen lassen. Das nächste, ausführliche Update gibt es erst am Sonntag. Aber auch wenn ein Teil der Katze nun aus dem Sack ist, ist die Geschichte lange noch nicht zu Ende. Bin gespannt auf Eure Kommentare zum Verlauf bis hierher, insbesondere was das heutige Update angeht.]

    Steph / Hauptinspektor Former

    (am Tag zuvor – Mittwoch – Trishs Sabotage)



    Steph/SUE-1 wartete – bis auf die Kleidung vollständig wie Trish aussehend – stehend in der Küche. Sie hatte zuvor mit einem Küchentuch den Regen von ihrem Lackanzug gewischt und aus Trishs Fundus passende Sportschuhe angezogen, um nicht aufzufallen. Nun stand sie regungs- und emotionslos in der Küche und starrte geradeaus. Als die Wohnungstür aufging, setzte sie schlagartig ein freundliches Lächeln auf und positionierte ihren in enges dunkelblaues Vinyl verpackten Körper im Durchgang zum Flur.


    “Oh, da ist mein Babysitter. Hör zu, Ally, es tut mir sehr leid, dass ich...” schnurrte sie los, um Allys Vertrauen zu gewinnen, doch stoppte sofort, als sie sah, dass ‚nur‘ Trish und Jenny die Wohnung betreten hatten. Ihr Lächeln verschwand ebenfalls sofort. Sie ging zu Trish rüber. Beide Frauen standen sich nun wie eineiige Zwillinge gegenüber, nur dass die eine den dunkelblauen Lackanzug mit den grauen Seitenstreifen trug und die andere oben in dunkelblaues Latex und unten in silbernes Lycra gekleidet war.


    “Wow! Was für ein Anblick! Aber, ähm, alles der Reihe nach. SUE-2, würdest du dich bitte für die Zusatzprogrammierung bereit machen, damit wir dir wieder die silbernen Leggings ausziehen können?” sagte Jenny und biss sich wieder auf die Unterlippe, während sie noch einen Moment den Anblick der beiden Trishs genoss.


    “Ja, Jenny. Kopiere Basisprogrammierung in den Arbeitsspeicher zwecks Umprogrammierung,” sagte Trish, stellte sich gerade vor Jenny auf, blinzelte zweimal und sah sie an. Nun klang ihre Stimme wieder abgehackt-mechanisch: “SUE-2.be-reit.für.Zusatz-Pro-gram-mierung. Er-bitte.In-put. SUE-2.wird.gehorchen.”


    “Perfekt! Zwei Spezialeinheiten zu meiner Verfügung. Ähm, SUE-2, nimm diese Änderungen vor,” sagte Jenny, zog ihr Handy aus ihrer Kunstlederhose und hielt es vor Trishs Körper. Diese öffnete ihre Schnittstelle und Jenny steckte ohne zu zögern das Handy in eine Aufnahme.


    “Em-pfange.und.implemen-tiere.Än-derungen,” stellte Trish fest und nach ein paar Momenten entfernte Jenny das Handy wieder.


    “Än.derungen.ge-speichert. Aus-führung.der.modi-fizierten.Basis-Pro-grammierung.über.Arbeits-speicher,” sagte Trish und schloss ihre Augen. Als sie sie wieder öffnete, entspannte sich ihr Körper und sie lächelte Jenny zu.


    “Sehr schön. Danke, SUE-2 ... ähm, Trish. Oh, könntest du jetzt die Leggings ausziehen und einmal kurz diese Chamäleon-Nummer abziehen und dich genau so kleiden wie Steph?” fragte Jenny und ein paar Sekunden später standen zwei (abgesehen von den Schuhen) wirklich völlig identische Trishs vor ihr. Jenny sprang wie ein kleines Kind auf und gab beiden jeweils einen langen Kuss.


    “Grandios! Was ist besser als meine Trish? Zwei davon! OK, ähm ... ich denke, wir haben noch etwas Zeit. Da könnten wir doch zu dritt noch etwas Spaß haben, oder?” lachte Jenny. Doch Trish-Trish hob den rechten Zeigefinger, um zu protestieren. Bevor sie etwas bemerken konnte, klingelte jedoch Jennys Handy.


    “Ja? Ja ... OK ... Ich verstehe, Boss. Selbstverständlich,” sagte Jenny nur, legte auf und grinste beide Trishs an. “Die Hauptkommissarin wird nicht mehr hierher kommen. Sie ist woanders und dort werden sich unsere Leute um sie kümmern.”


    Dann sah Jenny Steph-Trish an: “Doch du wirst du woanders benötigt. Der Boss will, dass du deinen nächsten Posten einnimmst und alles für die Amtseinführung vorbereitest.”


    Steph-Trish schloss kurz ihre Augen und verwandelte sich wieder in Carla, die attraktive Handwerkerin. Da sie keine Carla-Sachen dabei hatte, ließ sie den Lackanzug an, schlüpfte wieder in ihre robusten Stiefel und verließ die Wohnung.


    “Also, wo waren wir? Ach ja, lass uns mal sehen, ob du deine Befehle richtig erhalten hast. Und danach wirst du Steph ... Carla ... ähm, also SUE-1 halt per Telefon unterweisen. Und dann haben zumindest wir zwei etwas Spaß,” gluckste Jenny und streichelte Trishs latex-umhüllten Körper.


    “Tut mir leid, Jenny. Ich muss allein bleiben heute Nacht. Ich bin immer noch sauer auf Frank und Ally, weil sie mir nicht glauben wollen. Ich werde bis zur Amtseinführung kein Wort mit ihnen reden. Sie sind so menschlich, so unzulänglich, so fehlerhaft. Ich weiß, dass sie Unrecht haben. Und daher müssen sie kontrolliert werden. Alle Menschen müssen kontrolliert werden, müssen effizienter gemacht werden. Und das Syndikat wird ihnen dabei helfen, indem es sie kontrolliert, indem es sie perfektioniert. Jeder Widerstand dagegen muss vernichtet werden,” gab Trish ihre Zusatzprogrammierung wieder.


    “Und wie willst du das sicherstellen?”


    “Ich werde morgen Mittag den Bürgermeister erschießen, wenn er mich auszeichnet. Damit wird Projekt Notstand ins Rollen gebracht. Danach werde ich meine Beweggründe allen Anwesenden mitteilen,” sagte Trish und ließ ihre ‘Kleidung’ verschwinden.


    “Sehr schön, mein Püppchen. Du hast sehr gut verstanden. Da kann ich auch noch etwas auf dich warten. Denn ich werde dich befreien, wenn sich die Wogen geglättet haben, und wird werden zusammen sein ... für immer,” grinste Jenny und gab Trish einen Kuss.



    -- -- -- -- -- -- -- --



    Etwa eine Stunde später setzte sich Hauptinspektor Former wieder auf seine Couch. Er nahm seine Krawatte ab und sah auf die geöffnete Flasche Bier auf seinem Wohnzimmertisch. Es war wie ein Déjà-vu. Er erinnerte sich daran, wie er drei Tage zuvor nach einem harten Arbeitstag genau das gleiche getan hatte. Er knöpfte sein Hemd auf und schmunzelte, als er die schwarze Lycra-Unterwäsche erblickte.


    Er erinnerte sich daran, was mit Carla, dieser frechen Handwerkerin, in seinem Schlafzimmer passiert war. Doch danach? Filmriss! Ihm fehlte ein ganzer Tag. Das Letzte, woran er sich erinnern konnte, war, dass er diesen Morgen neben Carla in ihrem Bett aufgewacht war. Sie hatte ihm was von Sex, Drogen und Alkohol erzählt, und als er aufstehen wollte, trug er einen ärmellosen, kurzbeinigen Lycra-Anzug mit einem Rundhalsausschnitt und einem Schrittreißverschluss.


    “Ach Carla,” musste er lachen, als er sich daran erinnerte, dass sie ihm erzählt hatte, dass sie einen Fetisch für solche Klamotten an Männern hatte, dass sie ihn in den Anzug eingenäht hatte und das ziemlich kinky fand. Sie überredete ihn, den Anzug bis zu ihrem nächsten Date anzubehalten. Bereitwillig stimmte er zu, denn er musste sie unbedingt wiedersehen, und der Anzug schien ihn ihr gegenüber begehrenswerter zu machen, erregte ihn selbst auch und hatte einfach sein ansonsten so karrierebezogenes Leben aufgepeppt.


    Wegen des Schrittreißverschlusses und des breiten Rundhalsausschnittes konnte er den Anzug auch problemlos anbehalten, er konnte sogar darin duschen. Natürlich hatte er niemandem von Carla oder dem Anzug erzählt, als er sich heute früh wieder zum Dienst gemeldet hatte. Dies war sein Privatleben. Und endlich hatte er wieder eines.


    Der Hauptinspektor zog dann sein Hemd aus und ließ eine Hand über seine muskulöse Brust und seinen flachen Bauch streichen. Die Berührung des Materials ließ sofort sein Blut in die Körpermitte schießen und dort sein hydraulisches Werk verrichten. Er verstand nun Carlas Begeisterung für dieses Material und wollte es weiter auskosten. Doch als er den Zipper des Reißverschlusses ergriff, um ihn zu öffnen, klingelte es an der Tür.


    “Verdammt!” zischte er, holte tief Luft und stand auf. Als er die Tür öffnete, besserte sich seine Laune jedoch schlagartig. Denn ihm gegenüber stand Carla, gehüllt in einen langen Mantel.


    “Hi, Süßer!” sagte sie nur und trat ein.


    “Hallo, Carla. Ich habe gerade an dich gedacht,” summte er und folgte ihr lächelnd ins Wohnzimmer.


    “Oh ja, das sehe ich,” grinste ihn diese nur an und legte ihre Hand in seinen Schritt. Dann massierte sie seinen lycrabedeckten Oberkörper. “Scheinst den Anzug ja echt zu mögen. Find’ ich echt cool von dir!”


    Dann öffnete sie ihren langen Mantel. Darunter trug sie die Uniform des Hauptinspektors, die sie zwei Tage zuvor mitgenommen hatte. Sie war ihr natürlich, obwohl sie sie gemäß Trishs telefonischer Instruktionen angezogen hatte, viel zu groß. Doch bevor der Hauptinspektor reagieren konnte, hatte Carla bzw. SUE-1 auch schon eine Verbindung zu seinem Lycra-Anzug hergestellt, der natürlich mit einem silbernen Innenfutter ausgestattet war. Sie aktivierte den Anzug.


    Sofort nahm der Hauptinspektor Haltung an und kümmerte sich nicht mehr um Carlas Outfit. Auch wunderte er sich nicht, als sich Carla konzentrierte und auch noch ihren Körper veränderte. Sie wurde größer, muskulöser, männlicher. Schließlich standen sich zwei Hauptinspektoren gegenüber.


    “Bereite alles für morgen vor!” befahl der falsche dem echten.

    Rathaus

    (Gegenwart – Donnerstag Mittag)



    Die Personenschützer des Bürgermeisters hasteten zum Rednerpult. Zwei von ihnen schnappten sich den Bürgermeister und zogen ihn hinter eine der massiven Steinsäulen, während Ally sich um Trish kümmerte. Sie schlug ihr die Waffe aus der Hand und nahm sie in den Schwitzkasten. Trish versuchte vergeblich, sich aus Allys überraschend festen Griff zu befreien. Die anderen Personenschützer zogen ihre Waffen und legten auf Trish an. Auch marschierten die PolBots automatisch die Treppe runter und riegelten alles um die Gruppe auf der Treppe ab.


    “Bitte bewahren Sie Ruhe. Wir haben alles unter Kontrolle!” rief der Polizeipräsident und stellte sich zwischen Trish und den Stadtrat. “Trish! Wie konnten Sie mich nur so enttäuschen? Wie konnten Sie auch den kleinen Rest meines Vertrauens missbrauchen?! Ich verlange eine Erklärung!”


    “Lassen Sie sie, Chef. Alles, was sie sagt und tut, geschieht nicht in Trishs Sinn,” bemerkte der Inspektor und stellte sich vor den Präsidenten.


    “Denken Sie etwa, das sei nicht Trish? Wieder eine Doppelgängerin ... wie vor ein paar Monaten am Flughafen?”


    “Nein, es ist Trish. Sie war nur unter der Kontrolle der Lycra-Spezialfaser, die uns die letzten Tage ziemlich beschäftigt hat.”


    “Ich glaube nicht, dass sie kontrolliert wird, Frank. Sicherheitspflaster wurden vorgestern verteilt. Ein Polizeibeamter kann von diesen Klamotten nicht mehr reingelegt werden,” verwies der Präsident auf das Pflaster in seinem Nacken.


    “Trish, Ally und ich tragen die aber nicht. Wir werden bis auf weiteres auch keine Elektronik oder unbekannte Gewebe an unsere Haut lassen,” sagte der Inspektor ruhig und ging zu Trish rüber, die sich immer noch vergeblich gegen Allys Griff wehrte.


    “Ich denke, Trish ist einfach nur ausgerastet. Sie hat erkannt, dass sie doch nur eine Maschine ist. Und als solche kommt sie nicht mehr mit den menschlichen Regeln und Einschränkungen klar. Und daher hat sie den Mann getötet, der die Anti-Roboter-Gesetze verteidigen wollte und der mich dabei unterstützten wollte, diesen unberechenbar gewordenen Blecheimer aus dem Verkehr zu ziehen,” zeigte der Präsident auf Trish. “Geben Sie es zu, Trish!”


    “Ja, ich gestehe! Sie haben Recht. Ich habe schließlich herausgefunden, wer ... was ich bin. Ich bin eine Maschine. Ich bin perfekt. Und ihr alle seid es nicht! Menschen verletzten ständig einander, sie lügen, sie zerstören diesen Planeten, sie vereiteln Gerechtigkeit ... Menschen sind einfach so fehlerhaft. SIE gehören kontrolliert, zum Wohl aller! Nicht ich!” rief Trish so laut sie konnte und dass es auch die von den PolBots auf Distanz gehaltene Presse mitbekam.


    “Sehen Sie, Frank?! Also bitte, nur zu. Schauen Sie nach, ob sie kontrolliert wird von dieser Spezialfaser. Machen Sie sich ruhig zum Idioten. Sie werden keinen Anzug und keine silbernen Leggings finden,” sagte der Präsident und machte eine abwinkende Handbewegung.


    Der Inspektor knöpfte Trishs Uniformhose auf und zog sie herunter. Trishs Beine waren jedoch nackt.


    “Ich hab’s Ihnen gesagt, Frank. Sie wird offensichtlich nicht von der Spezialfaser kontrolliert. Aber mir ist auch egal, ob es sich bei ihr um eine Roboter-Doppelgängerin handelt oder ob sie Trish ist. Sie hat den Bürgermeister erschossen und hat uns gerade erklärt, warum. Also nehmen Sie sie fest!” befahlt der Präsident den Personenschützern.


    “Nur eine Sekunde. Ich sagte, sie war unter der Kontrolle der silbernen Spezialfaser. Jetzt ist sie zwar immer noch unter fremder Kontrolle, aber ohne Lycra zu tragen. Denn ... ähm, ich hoffe, ich erkläre das richtig, denn mir wurde das auch erst heute früh erklärt...” intervenierte der Inspektor und bedeutete den Personenschützern, Abstand zu halten.


    “Also... wenn man einen Roboter bzw. Hybriden mit der Spezialfaser unter Kontrolle bringen will, muss er diese nicht die ganze Zeit über tragen. Wenn die Faser einmal die CPU infiziert hat, können sie die Programmierung des Roboters direkt ändern. Und danach braucht man die Faser nicht ja mehr, sie ist nur so etwas wie ... ähm ... ein Türöffner. Ein Mensch hingegen muss die Faser die ganze Zeit über tragen, denn das menschliche Bewusstsein kann von der Faser nur überlagert, aber nicht geändert werden und übernimmt sofort wieder die Kontrolle, wenn die Faser keinen Kontakt mehr zur Haut hat,” erklärte er, knöpfte dann auch Trishs Uniformhemd auf und legte mit einem Druck auf ihren Bauchnabel ihre Schnittstelle frei. “Hier, ich beweise es Ihnen. Es ist Trish und sie steht unter fremder Kontrolle.”


    Dann holte er den USB-Stick aus der Tasche, den sie am Samstag von Nora erhalten hatten, und steckte ihn in die Schnittstelle. Der Polizeipräsident runzelte die Stirn und sah dann zu Ally rüber, um ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen.


    Trish Körper zuckte sofort zusammen. Ally ließ sie los und trat einen Schritt zurück. Trish stand halbnackt in der Mitte des abgeriegelten Bereichs. Ihr Körper erstarrte und begann dann, sich unter der Uniform zu verändern. Er wurde metallic-goldfarben, ihre Brüste wuchsen und schoben sich aus dem geöffneten Hemd nach vorn, ihre Haare veränderten Länge und Farbe. Die Schnittstelle warf den USB-Stick aus und verschloss sich wieder. Einige Sekunden später stand sie als golden glänzende Vergnügungsdrohne vor allen und wurde ungläubig angestarrt (außer von den PolBots).


    „Manuelle Steuerung erfolgreich implementiert, Außenhülle erfolgreich angepasst, Modus Vergnügungsdrohne ausgeführt!“ erklärte Trish völlig gelassen und ihr Körper bewegte sich wieder. Sie zog Hemd und Hose aus, ließ ihre goldenen Latexfinger über ihren glitzernden Körper streichen, stemmte die Hände in die Hüfte und warf ihren roten Pferdeschwanz nach hinten: „Hallo! Ich bin Ihre Vergnügungsdrohne. Alle Systeme einsatzbereit. Bitte benutzen Sie mich.“


    “Was zum Teufel, Frank?! Jetzt wird sie anscheinend von Ihnen kontrolliert!” rief der Polizeipräsident und sah vorwurfsvoll zu Ally rüber, die seinen Blick aber nicht erwiderte. Nun drängte sich auch die Vorsitzende des Stadtrates nach vorn und sah sich die wohlgeformte Vergnügungsdrohne genauer an.


    “Ich wollte ihr und uns allen das eigentlich ersparen, Frau Vorsitzende. Aber es geht nicht anders, Trish aus der Fremdkontrolle zu befreien. Darf ich mal eben?” führte der Inspektor aus und bat die Vorsitzende, zur Seite zu treten. Dann sprach er zu Trish: “Willst du mir Freude bereiten, egal wie?”


    “Positiv. Bitte benutzen Sie mich,” wiederholte Trish und sah den Inspektor unentwegt an.


    “Dann möchte ich Folgendes: Erregungsaufnahme auf 100%, manuelle Vergnügungssequenz mit schnellstmöglicher Zielerreichung!” flüsterte er ihr zu.


    “Positiv,” sagte Trish nur kurz und rollte bereits mit den Augen, als ihre Erregungsaufnahme voll aufgedreht wurde und die erste Welle der Lust durch ihren Körper schoss. Sie krümmte sich vor Erregung, beugte leicht die Knie und ihre Beine zitterten. Sie legte die Hände auf ihre Oberschenkel, schnappte nach Luft und stöhnte laut auf. Ihr Becken zuckte auf und ihr ganzer Körper erzitterte in der Mittagssonne. Doch auf einmal verlor ihre Haut die goldene Metallic-Farbe, alles veränderte sich wieder in den Ausgangszustand. Als Trish wieder wie sie selbst aussah, holte sie nochmals tief Luft und fiel erschöpft und nackt zu Boden. Vor Erstaunen hielten alle den Atem an.


    “Argh! Frank! Frank, bitte ... Jenny hat mir das angetan. Sie wollte, dass ich schieße. Ich ... ich würde doch nie...” schrie sie auf. Als sie merkte, dass sie nackt war, riss sie erschrocken die Augen auf und ließ ihre Haut sofort den dunkelblauen Polizei-Catsuit-Look annehmen und intime körperliche Merkmale verschwinden.


    “Ich glaube dir, Trish. Alles wird gut,” beruhigte sie der Inspektor, kniete sich neben sie und nahm sie fest in den Arm.


    “Aber Inspektor, sie könnte ja auch eine Doppelgängerin sein und gerade so tun, als sei sie vorher kontrolliert worden, damit Sie nur denken, sie sei ihre Partnerin,” bemerkte die Vorsitzende des Stadtrates nachdenklich in die Stille hinein.


    “Sehr guter Gedanke, Frau Vorsitzende. Aber die Programmierung der Vergnügungsdrohne hat jede externe Programmierung in Trishs Arbeitsspeicher überlagert und gelöscht. Und um die originäre Grundprogrammierung wieder in Betrieb zu nehmen, musste sie einen Höhepunkt erleben, denn ... naja, also... ähm,” errötete nun der Inspektor.


    “Wir hatten letztes Wochenende herausgefunden, dass es anscheinend einen Fehler in meiner Programmierung gibt, der mich im Vergnügungsdrohnenmodus sofort in den Ausgangszustand zurücksetzt. Bei einem anderen Roboter oder Hybriden hätte es entweder gar nicht funktioniert oder er hätte sich in seinen, nicht meinem Körper entsprechenden Originalzustand zurückversetzt,” führte Trish den Gedanken fort, stand auf und küsste den Inspektor. “Danke, mein Schatz, dass du mich gerettet hast und dass du mir endlich glaubst.”


    “Ich hatte dir die ganze Zeit geglaubt, meine Liebe. Aber das klären wir später.”


    “Sehr erfreulich, dass am Ende doch die Emotionen über die Technik siegen...” sinnierte die Vorsitzende zunächst, aber hakte dann nach: “Trotzdem, Inspektor, wie konnten Sie sich so sicher sein, dass es wirklich die Oberkommissarin sein würde, bevor Sie sie zurücksetzten?”


    “Nun, es gibt nur drei vollständig robotisierte Personen, die in der Lage sind, ihr Erscheinungsbild nach der Aufnahme fremder DNA entsprechend zu verändern. Die PolBots können es nicht, Trish und Lilly können es definitiv. Stephanie Mutara hatten wir bereits in Verdacht, da sie zunächst vermisst wurde, dann aber wieder auftauchte und dabei definitiv keine Kleidung mit einem silbernen Innenfutter trug. Und dieser Verdacht wurde gestern Abend bestätigt.”


    “Aber das schließt nicht aus, dass der ehrenwerte Hauptinspektor Former auch robotisiert wurde. Und völlig unabhängig davon hätten ja auch Lilly und Steph – definitiv Hybriden – Trish nachgeahmt haben können,” warf nun der Polizeipräsident ein.


    “Nein, hätten sie nicht. Und der Hauptinspektor ist auch kein Hybride – im Gegenteil!”


    “Und warum?” hakte die Vorsitzende nach.


    “Weil alle drei Hybriden gerade hier sind und einer von ihnen den Hauptinspektor nachahmt,” antwortete der Inspektor und nickte zu Ally rüber. Diese zog ihren Tazer, richtete ihn auf Hauptinspektor Former und feuerte...

    Besten Dank, lycwolf. Beastie Boys - völlig richtig. Ich fand das Lied irgendwie passend. 8)


    Zwischen Trish und Jenny musste es einfach irgendwie eskalieren. Und bei Ally hatte ich lange nachgedacht, wie ich es anstelle. Sie sollte am Anfang reserviert wirken, sollte die Erkenntnisse immer melden wollen, sollte als Maulwurf verdächtigt werden. (Oder ist sie es - vielleicht auch unbewusst - immer noch???) ;)

    Ich hätte sie dann zur Auflösung im Röntgenraum auch einfach nur sagen lassen können "Ja klar, ich wusste von Anfang an, was los war und habe mich so reserviert verhalten, damit die Bösen keinen Verdacht schöpfen, denn ich wusste, dass wir ständig beobachtet werden.", aber das wäre zu einfach gewesen. Und so war es eher Allys Unsicherheit (wegen ihrer bisherigen bedauerlichen Dienstbiographie) und ihr Wille, keine Fehler machen zu wollen, die sie am Anfang haben reserviert auftreten lassen ... und was später dann von der Vorahnung abgelöst wurde, dass Trish unbewusst Informationen sammeln würde. So ist es besser erklärt und der Leser empfindet Ally zügiger als sympathisch (ist sie eigentlich auch) oder fühlt vielleicht sogar mit ihr.


    Naja, so viel dazu. Jetzt geht es auch schon weiter. Wir sind wieder zurück in der Gegenwart (Donnerstag) vor dem Rathaus. Trish hat gerade dreimal auf den Bürgermeister geschossen...

    ...

    Nach ihrer Flucht aus dem Krankenhaus fuhr Trish direkt nach Hause. Als sie ihr Auto vor dem Haus abstellte, sah sie die Müllabfuhr auf der anderen Straßenseite. Es hatte zu regnen begonnen, aber die Müllwerker-Drohnen trugen grün-neongelbe Latex-Anzüge mit reflektierenden Streifen, die sie gegen Dreck und Regen schützten. Auf perfekt orchestrierten, vorgegebenen Laufwegen holten sie die Mülltonnen aus den Hinterhöfen und entleerten sie in das unbemannte Sammelfahrzeug, das langsam die Straße entlang kroch. Am Ende der Straße würde der Trupp umdrehen und Trishs Straßenseite bearbeiten. Trish blieb kurz neben ihrem Auto stehen, denn sie merkte, dass eine Drohne ein stärkeres Signal aussendete als die anderen. Sie schaute noch kurz zu ihnen rüber, konnte aber nichts Ungewöhnliches feststellen.


    “Jetzt nicht paranoid werden, Trish!” sagte sie zu sich selbst, zuckte mit den Schultern und ging klitschnass und tropfend zu ihrer Wohnung. Sie begab sich direkt ins Schlafzimmer und war immer noch ziemlich wütend wegen der Geschehnisse im Krankenhaus. Sie zog ihren ruinierten Lieblingspulli und ihre Gummistiefel aus, konzentrierte sich kurz und ließ ihre simulierten dunkelroten Latex-Leggings verschwinden, sodass ihre Marke und ihre Waffe einfach auf den Boden fielen. Dann legte sie sich nackt auf das Bett und starrte an die Zimmerdecke.


    Was passierte nur mit ihr? Sie war völlig durcheinander. Es kam ihr vor, als hätten sich alle gegen sie verschworen. Der Polizeipräsident glaubte ihr sowieso nicht, aber nun taten es auch Ally und vor allem Frank ebenfalls nicht. Und es war ohnehin nur eine Frage von Minuten bis Ally – die Maulwurf-Drohne – hier erscheinen würde, um sie weiter zu beobachten. Daher entschied Trish, sich etwas auszuruhen und Dampf abzulassen.


    Doch das klappte nicht. Trish fing bei dem Gedanken, dass ihr nun auch noch der Inspektor als Partner entzogen wurde, wieder zu weinen an. Sie liebte Frank trotz der Sache im Krankenhaus noch immer und wollte unbedingt mit ihm zusammen arbeiten. Tränen liefen ihre Wangen entlang. Wie konnte der Präsident sie nur als einen Roboter ansehen, als eine Maschine, als eine Sache? Sachen haben keine Angst, Sachen lieben nicht, Sachen weinen nicht!


    Nach ein paar Minuten, als sie sich wieder etwas beruhigt hatte, hörte sie durch das Geprassel des Regens das Geräusch der wieder herannahenden Müllabfuhr. Doch da war auch noch ein weiteres Geräusch. Das eines Motorrades. Sie verglich das Geräusch mit dem, das sie von Jennys Motorrad aufgezeichnet hatte, und es passte. Trish sprang hoch und sah, immer noch völlig nackt, aus dem Fenster. Es war tatsächlich Jenny, die im Hinterhof von ihrem Motorrad abstieg und zur Feuertreppe ging, um sich vermutlich in Trishs Wohnung zu schleichen. Es schien, als habe sie den Lärm der Müllabfuhr gezielt genutzt, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.


    “Na warte!” flüsterte Trish, zog ihre Polizeistiefel an, konzentrierte sich eine Sekunde und sprang dann nackt aus dem Fenster. Doch mit jedem Meter, den sie fiel, veränderte sich ihre Haut und bildete wieder den dunkelblauen Latex-Overall nach, in dem sie auch die PolBots trainiert hatte. Sie landete sicher auf dem Boden und sah, wie Jenny immer wieder hochsprang, um die unterste Stufe der Feuerleiter zu erwischen, um diese dann nach unten ziehen zu können. Doch wegen des starken Regens war die Leiter so rutschig, dass Jenny sie nicht richtig zu fassen bekam.


    Trish sprintete auf Jenny zu und erreichte sie zu ihrer eigenen Überraschung gefühlt innerhalb eines Augenblickes. Anscheinend war ihr Körper nicht mehr auf menschliche Maßstäbe limitiert. Sie packte Jenny und warf sie durch die Luft. Jenny landete mitten im Hinterhof auf dem harten Betonboden. Zwar verhinderte ihr Motorradhelm, dass sie sich verletzte, allerdings brach er in der Mitte durch, sodass er beim Aufstehen von selbst von Jennys kahlem Kopf glitt.


    “Verdammt! Wie ist das möglich? Die haben mir gesagt, dass Du im Dienst nicht solche Kräfte hast,” stöhnte Jenny und dehnte ihren Nacken, sodass ein knackendes Geräusch zu hören war.


    “Die? Wer ist das? Gresslich? Dieses Konsortium? Wer steckt dahinter?!”


    “Keine Ahnung! Die Treffen sind geheim und werden von meiner Rechtsanwältin organisiert. Aber auch wenn ich es wüsste, würde ich es dir nicht sagen! Ich soll dich einfach nur finden und festsetzen!” bellte Jenny und ballte ihre Fäuste.


    “Nein, Jenny! Das ist mein Job! Und jetzt habe ich dich endlich,” rief Trish völlig außer sich und ging auf Jenny zu. Zur gleichen Zeit kamen auch die Müllwerker-Drohnen in den Hinterhof, zogen stoisch die Mülltonnen zur Straße und kümmerten sich nicht um die schreienden Frauen, die nun gegenseitig zum Angriff übergingen.


    Jenny sprang mit ausgestrecktem Bein auf Trish zu und traf sie mittig auf der Brust. Trish hustete laut und fiel auf den Rücken. Doch im Fallen gelang es ihr noch, Jennys Fuß festzuhalten, sie herumzuwirbeln und in einen Schuppen zu schleudern, in dem Kartons gestapelt waren.


    Als Trish wieder auf beiden Beinen stand, kletterte Jenny aus den umgefallenen Kartons und deren verschütteten Inhalt und zog die Kunstlederjacke ihrer Motorradkombi aus. Darunter trug sie einen ärmellosen schwarzen Latex-Body. Der Bund ihrer Kunstlederhose und der darüber liegende Teil des Bodys waren von einem ledernen Nierengurt bedeckt, der so eng und fest war, dass er schon fast als Korsett bzw. Hieb- und Stichschutz durchging. Jenny ballte abermals die Fäuste, spannte ihre Armmuskulatur an und holte tief Luft, sodass ihre runden Brüste sich fest gegen das Latex pressten. Sie hatte anscheinend während der Untersuchungshaft nicht gerade wenig Work-Out betrieben.


    Trish drehte sich zu ihr um. Regentropfen rollten über ihre blaue Latexhaut und nasse Haare klebten in ihrem Gesicht. Dann erblickte sie das Ende eines stillgelegten Stromkabels, das aus dem Betonboden ragte. Sie griff danach und zog etwa drei Meter davon aus dem Schacht, bevor es abriss. Als Jenny auf sie losstürmte, benutzte sie es wie eine Peitsche, um die Angreiferin abzuwehren. Dabei traf sie Jenny an der Brust, sodass der Latexbody waagerecht aufplatzte und die unteren Hälften von Jennys Brüsten preisgab.


    “Ist das deine Art, Danke zu sagen, Trish? Denk doch nur mal an die schönen Momente, die wir hatten!” protestierte Jenny und sprang erneut auf Trish zu.


    Sie trat auf das Kabel, bevor Trish es erneut einsetzen konnte, umgriff es fest mit beiden behandschuhten Händen, zog sich und Trish auf einander zu und boxte Trish schließlich in ihre Magenkuhle. Doch Trish verzog keine Miene, hielt Jennys Hände fest und drückte sich mit den Beinen nach vorn ab, sodass beide Frauen auf dem Betonboden landeten. Jenny lag auf ihrem Rücken und strampelte wie wild, während Trish auf ihr zum Liegen kam und nun das Kabel dafür nutzte, Jennys Hände zu fesseln.


    “Schöne Momente? Ja, am Anfang. Aber dann hast du mich hintergangen. Du hast mich benutzt! Anscheinend die ganze Zeit! Und du hast dieses Ding aus mir gemacht! Und jetzt ... jetzt wirst du weggesperrt bis zu deinem letzten Atemzug, weil du zweimal versucht hast, mich umzubringen! Keine Umerziehung, Jenny! Keine Bewährung!” schrie Trish sie an, während der Regen von ihren Haaren und ihrem Gesicht tropfte und die Müllwerker-Drohnen die Mülltonnen wieder seelenruhig zurückbrachten.


    “Dich töten? Nein, Trish ... wie ich vorgestern schon sagte, ich will nur dich! Ich will doch nur, dass du meine liebe Latexpuppe bist. Und ich kann es nicht leiden, wenn andere Frauen und Männer deine Gesellschaft genießen. OK, ich sollte auf deine Kollegen schießen, um dich in weitere Ausraster und Fehler zu treiben. Aber ich habe nur auf deine Kollegen gezielt. Die verdienen dich nicht. Du gehörst zu mir!” schrie Jenny zurück.


    Trish runzelte für einen Augenblick die Stirn. Jenny würde für sie sogar töten? Sie sah Jenny an, wie sie in ihren engen schwarzen Klamotten unter ihr lag, mit dem teilweise entblößten Busen, mit dem abperlenden Regen. Ja klar, Jenny hatte sich in sie verliebt und sie hatte damals auch Gefühle für Jenny gehabt ... und dann war da diese grandiose Nacht, die sie zusammen hatten.


    “Tut mir leid, Jenny. Ich mag dich immer noch als Person. Aber du bist verantwortlich für das, was du getan hast. Und daher werde ich dich jetzt festnehmen,” keuchte Trish und strich, sich an den Tag erinnernd, an dem sie sich in dem Café getroffen hatten, sanft über Jennys Wange.


    “Ich verstehe das, Trish. Aber ... du solltest ... du solltest,” stotterte Jenny ziemlich leise, sodass Trish sich nach vorn lehnte, um sie besser zu verstehen. Doch dann grinste Jenny nur breit: “Du solltest einer Verrückten wie mir nicht vertrauen. Bist schon wieder in meine Falle getappt!”


    Trish schrak auf, doch dann spürte sie wieder das bekannte Eindringen von Tazernadeln in ihre Latexhaut. Jemand hatte sich von hinten an sie herangeschlichen, während Jenny sie abgelenkt hatte. Trish rollte mit den Augen ob ihrer Unaufmerksamkeit und fühlte sodann den Stromstoß. Als sie von Jenny herab rutschte, erblickte sie eine der Müllwerker-Drohnen neben ihnen. Bevor Trishs CPU sich wegen des elektrischen Schocks aus Sicherheitsgründen kurz abschaltete, sah sie, wie sich das Erscheinungsbild der männlichen Drohne veränderte.


    Sie sah auf in nachtblaues Lack gekleidete Beine mit einem eingeprägten groben Ornamentmuster. Solche Beine hatte sie diese Woche schon einmal gesehen, nur dieses Mal war der ganze Körper in einen nachtblauen Lack-Catsuit gehüllt, der zudem noch breite Seitenstreifen aus dunkelgrauen Mesh-Einsätzen hatte. Es war Stephanie Mutara, die sich zu Trish runter beugte und sie am Hals packte.




    ‚Listen all y'all, it's a sabotage ... listen all y'all, it's a sabotage,‘ hörte Trish den Refrain eines Liedes eines ehemaligen, sonst eher auf Sprechgesang fixierten Trios aus dem Jahr 1994, als sie wieder ihre Augen öffnete.


    Sie versuchte sich zu orientieren, versuchte sich zu bewegen. Während Letzteres nicht von Erfolg gekrönt war, erkannt sie, dass sie im Laderaum eines schwarzen Lieferwagens lag. Ihre Handgelenke und Knöchel waren mit festen Metallkrampen an das Bodenblech geschraubt worden, sodass trotz ihrer Roboterkräfte eine Flucht außer Frage stand. Sie spürte ein Kribbeln an ihren Knöcheln und hob ihren Kopf, um nachzusehen. Irgendein glänzender Stoff war um ihre Unterschenkel gewickelt worden, bevor man sie an die Ladefläche geschraubt hatte.


    „Ah, endlich!“ hörte sie Jennys Stimme über ein kleines Fenster aus dem abgetrennten Fahrerhaus. Jenny schaltete das Radio aus, beide Türen wurden geöffnet und geschlossen. Dann ging neben Trish die Schiebtür auf und Jenny und Steph betraten den Laderaum. Jenny wischte sich den Regen von ihrem kahlen Kopf. Vielleicht war es wegen ihrer engen Lederhose oder dem schwarzen Latexbody mit dem waagerechten Brustschlitz, aber irgendwie sah sie sogar ohne Haare recht attraktiv aus. Das gleiche galt für Steph. Der Lack-Catsuit schmeichelte ihrem 48-jährigen Körper.


    “Wo ist deine neue Partnerin, meine Liebe? Dieses Püppchen von der Dienstaufsicht? Sie sollte doch mit dir hier sein, dich überall hin begleiten?” fragte Jenny. “Denn wir sollen uns um euch beide kümmern.”


    “Wir hatten einen Streit. Ich bin weggelaufen und sie wird nicht hierher kommen. Also vergesst sie! Außerdem wisst ihr über sie doch eh, was los ist!”


    Doch Jenny seufzte nur genervt ob dieses plumpen Versuchs, Ally zu schützen, und befahl Steph, in die Wohnung zu gehen und dort auf Ally zu warten. Steph nickte, kniete sich neben Trish, hielt ihren Kopf fest und küsste sie. Trish wusste, dass dieser Kuss nicht zum Vergnügen bestimmt war, sondern um an ihre DNA zu gelangen. Sie war zwar ein Hybrid, ihr Körper war grundsätzlich ein Roboter, aber wie ihr Geist war auch ihre Haut zu einem gewissen Anteil noch menschlich und hatte DNA.


    Einen Moment später hatte sich Steph in eine exakte Kopie von Trish verwandelt. Zuerst bewunderte Trish ihren eigenen Körper in dem dunkelblauen Lack-Anzug. Doch dann protestierte sie und zerrte an ihren Fesseln. Doch Steph-Trish verließ den Lieferwagen völlig unbeeindruckt.


    “Ich wusste von Anfang an, dass an deiner Freundin etwas merkwürdig ist. Sie wird nicht nur kontrolliert und gesteuert. Sie wurde nicht nur zu einer Drohne gemacht!”


    “Robotisiert! Genau wie du. Sie ist nun auch eine Hybride, SUE-1, eine Spezial-Undercover-Einheit. Und sie ist sehr gut in dem, was sie tut. Kannst deinen Inspektor Former mal fragen,” lachte Jenny nur.


    “Ich wusste es! Also bin ich doch nicht verrückt. Dann verrate mir mal ... Was habt ihr vor?!” zischte Trish Jenny zu, die sich nun neben Trish kniete.


    “Nee, nee, nee ... Ich verrate dir sicher nicht ihren Plan. Zu viele Bösewichte machen immer den gleichen Fehler: Sie verraten ihren Plan, dann entwischt der Held und kann alles verhindern. Aber nicht mit mir! Und nebenbei...” grinste Jenny und ließ ihre linke Hand über Trishs dunkelblaue Latexhaut streichen, “möchte ich auch nicht die Spannung aus dieser Geschichte nehmen.”


    “Also gibt es einen Plan. Und du arbeitest mal wieder für jemand anderen? Zumindest gibst du zu, einer der Bösewichte zu sein.”


    “Jepp! Bösewichte sind doch eh sexier als die Helden, die immer unter Identitätsproblemen und Was-weiß-ich leiden. Und ja, ich habe mal wieder einen Deal ausgehandelt. Ich schreibe dir Liebesbriefe aus der U-Haft, nehme bei Gericht die Schuld auf mich, sehe dich als meine letzte Besucherin, die befreien mich, ich treibe dich in den Wahnsinn und dann schnappe ich dich. Bislang läuft alles perfekt. Und wenn alles vorbei ist, dann kriege ... ich ... dich! Als meine Freundin, meine Puppe, meinen Roboter. Egal. Du wirst umprogrammiert und mir überlassen,” flüsterte Jenny in Trishs Ohr und liebkoste ihre gummierte Brust.


    Trish schloss die Augen und genoss für einen Moment Jennys zärtliche Berührungen. Und auch als Jenny sie innig küsste, wehrte sie sich nicht. Es war verrückt: Nachdem zwei Tage lang alle Breitseiten gegen Trish abgefeuert hatten, war diese durchgeknallte Gaunerin die erste, die sich wirklich für sie interessierte. Doch dann gab Jenny ihr einen zärtlichen Klapps auf den Bauch und stand auf: “Aber alles der Reihe nach!”


    “Du bist echt verrückt! OK, du hattest deinen Spaß. Lass mich gehen und ich werde dich nur so zurück bringen und nichts von den Schüssen auf Ally und mich erwähnen.”


    “Und schon wieder! Duplizität der Ereignisse. Eben bist du mir schon wieder in die Falle getappt. Und jetzt bist du gefesselt vor mir und bettelst. Schon wieder. Schöne Erinnerungen kommen da hoch, aber jetzt müssen wir echt weitermachen,” gluckste Jenny und kniete sich zwischen Trishs Füße. Sie nahm den glänzenden Stoff, der um ihre Knöchel gewickelt war und schob ihn ihre Beine entlang. Das Kribbeln breitete sich aus und Trish wusste sofort, worauf Jenny aus war.


    “Bitte Jenny, bitte hör damit auf!” rief Trish und versuchte erneut, gegen die Fesseln anzukämpfen. Aber Jenny machte weiter und zog die silbernen Leggings an Trishs Beinen hoch. Sie machte es langsam, Stück für Stück, als würde sie es sogar genießen.


    “Ich habe mich zuerst gefragt, warum ich das überhaupt machen soll. Denn deine Haut ist nur marginal menschlich, hauptsächlich besteht sie ja nun aus Latex ... also Gummi. Und Gummi ist nicht leitfähig,” murmelte Jenny.


    “Is’ mir egal! Hör damit auf! Jetzt!”


    “Naja, sie haben mir erklärt, dass deine Haut natürlich auch Sensoren, unter anderem Temperatursensoren, enthält. Und die Spezialfaser nimmt mit diesen Kontakt auf und darüber dann mit deiner CPU. Du bist also nicht immun gegen dieses wunderbare Kleidungsstück,” gluckste sie weiter und zog die silbernen Leggings nun ganz hoch. Sie stand auf und betrachtete Trish, wie sie sich auf dem Boden wand.


    “Bitte nicht ... Nein! Jenny ... Bitte,” zuckte Trish zusammen, als das Kribbeln in ihren Körper eindrang und ihre Schaltkreise infizierte. Plötzlich verstummte sie und starrte nur gegen das Dach des Lieferwagens. Für einen Moment fühlte sie nur absolute Erregung und Glückseligkeit.


    “Erzähl mir ... erzähl mir, was mit dir passiert!” befahl ihr Jenny und biss sich vor Erregung auf die Unterlippe.


    “Unterdrücke Widerstand ... unterdrücke Willenskraft ... führe Initialbefehle aus,” skandierte Trish. Dann blinzelte sie und sah zu Jenny rüber.


    “Perfekt! Du wirst tun, was ich dir sage. Zuerst gehen wir nach oben und dort erhältst du Instruktionen zum weiteren Vorgehen,” sagte Jenny und schraubte die Krampen ab, die Trish am Boden hielten. Dann öffnete sie die Schiebetür: “Und du wirst SUE-1 den morgigen Ablauf erklären und wie man eine Polizeiuniform ordnungsgemäß anzieht. Denn wir wollen nicht, dass sie vor dem Rathaus irgendwie auffällt, oder?”


    “Ja, Jenny. Das werde ich. Denn wir wollen, dass sie sich morgen perfekt verhält,” sagte Trish ruhig, zog ihre Stiefel wieder an und stieg mit Jenny aus dem Lieferwagen.

    Trish

    (am Tag zuvor – Mittwoch – im Krankenhaus)



    „Kommen Sie mit mir. Jetzt!“ sagte Ally und öffnete die Tür.


    -- -- -- -- -- -- -- --


    Kurze Zeit später betraten sie die Röntgenabteilung des Krankenhauses. Ally hielt Ausschau nach einem alten Röntgenraum, zog Trish hinter sich her und schloss die Tür.


    „Ich verstehe immer noch nicht, Ally. Was soll das? Was wollen wir hier?“ protestierte Trish entnervt. Doch bevor Ally antworten konnte, griff Trish sie auch schon an der Schulter, schleuderte sie herum, packte ihre Bluse mit beiden Händen und verdrehte diese, sodass die Bluse zum Teil aus Allys Leggings gezogen wurde, und drückte die Hauptkommissarin mit dem Rücken gegen die Tür.


    „Aufhören! Sie tun mir weh. Lassen Sie mich los,“ zischte Ally Trish an. Trish keuchte schwer und bewegte sich immer näher an Ally heran bis ihr Gesicht keine 10 Zentimeter von Allys entfernt war. Beide Frauen starrten einander in die Augen – Trish ins Allys kalte grüne Augen und Ally in Trishs aufgerissene, zitternde Augen, die gegen eine kurz vor dem Ausbrechen stehende Flut von Tränen ankämpften.


    “Denken Sie nicht, dass ich nicht mitkriege, was Sie im Schilde führen! Sie halten mich für den Maulwurf. Ich wollte Ihnen eigentlich vertrauen, aber ich weiß immer noch nicht, ob ich das kann,” flüsterte Trish mit zitternder Stimme und riss dann Allys Bluse auf, sodass die Knöpfe auf den Boden prasselten. Trish sah an Ally herunter und erblickte einen schwarz glänzenden, mit einem Stehkragen versehenen Lycra-Body mit dunkelgrün abgesteppten dünnen schwarzen Neopren-Segmenten an den Flanken und einem etwa 15 cm langen und von Allys Busen leicht auseinander gezogenen, vertikalen Schlitz unterhalb des Stehkragens.


    “Ich wusste es! Ich habe den schwarzen Stehkragen unter Ihrer Bluse gesehen, als sie aus dem Auto gestiegen sind. Und dann nochmal bei CACHE. Und dann waren Sie stets so distanziert und haben mich auch noch getazert. Sie sind nur eine fügsame Drohne. Sie sind Teil des Ganzen! Wer hat Sie geschickt?!” schrie Trish sie an, ließ sie aber auch los und trat einen Schritt zurück.


    Doch Ally legte nur ihre makellose Stirn in Falten, streckte ihre Arme aus und bevor Trish reagieren konnte, ergriff sie ihren Kopf, zog ihn zu sich heran und begann sie innig zu küssen. Trish war zuerst vollkommen verblüfft, aber erwiderte ihren Kuss dann umso heftiger. Ally massierte sogar Trishs feste gummierte Po-Backen und Trish ließ ihre Hand langsam über das glänzende Material gleiten, das Allys Oberkörper bedeckte. Nach einem Moment ließen beide von einander ab und atmeten tief durch.


    “Würde eine Drohne das tun?” fragte Ally und zum ersten Mal schien sie wirklich zu lächeln.


    “Vielleicht Teil der Programmierung. Lass’ mich nochmal nachsehen,” murmelte Trish, trat auf Ally zu und küsste sie nochmals. Die Blondine erwiderte den Kuss gerne, stöhnte leise und rieb ihren Oberschenkel zwischen Trishs, sodass Kunstleder und Latex gegeneinander um die Wette quietschten. Dann ließ Trish sie wieder los: “OK. Aber warum der Lycra-Body?! Ich hoffe nur, dass er auf der Innenseite nicht silbern ist.”


    “Nein, ist er nicht. Hier!” sagte Ally, griff in den vertikalen Schlitz und drehte den dicken Stoff zwischen den Brüsten von innen nach außen. Trish schaute sich das Gewebe an und warf auch einen schnellen Blick in das Innere des Bodys. Dann beruhigte sie sich zunehmend und lehnte sich gegen eine Liege, während Ally sich den Mantel und die ruinierte Bluse auszog.


    “Ich mag einfach nur enge Klamotten. Wie du. Sie umarmen meinen ganzen Körper. Den ganzen Tag. Und das brauche ich, sogar sehr. Vor ein paar Jahren hatte ich meinem Partner während einer Razzia nicht genug Deckung gegeben. Er wurde schwer verwundet. Ich wurde dann versetzt, verliebte mich dort auch noch in meinen neuen Partner und vor zwei Jahren war ich schon wieder dafür verantwortlich, dass er im Dienst verletzt wurde. Er verließ mich, ich wurde depressiv, machte weitere Fehler. Schließlich wurde ich zur DA versetzt ... aus der Schusslinie genommen, ‘durfte’ allein ermitteln, habe mich nur auf meine Arbeit konzentriert. Aber letztlich merkte ich, dass es die enge Kleidung war, die ich zum Sport trug, die mir irgendwie dabei half, wieder auf Spur zu kommen,” erklärte Ally.


    Sie seufzte und fuhr dann offen und endlich auch mal mit einem Ausdruck von Emotionen fort, denn gegenüber Trish, die dieselben Vorlieben hatte, konnte sie sich nun anscheinend eine Bürde von der Seele reden: “Naja, das enge Material schmeichelt meinem Körper, massiert unentwegt meine Haut, gibt mir einfach ein gutes Gefühl. Und es ist meine Rüstung. Es schützt mich vor den ganzen bösen Dingen da draußen, vor der Gewalt, vor der Verlogenheit, vor dem Stress ... und es sieht einfach geil aus.”


    “Auf jeden Fall! Also, Sie ... Du bist keine Drohne? Du bist auf meiner Seite?” fragte Trish zögerlich und schämte sich – wieder einmal – für ihr ungestümes Verhalten.


    “Natürlich, Trish. Ich bin von der DA, ich bin ‘ne Gute. Also zieh bitte aus meiner Distanziertheit keine falschen Schlüsse. Ich habe nur die letzten Monate nicht viel mit anderen Menschen geredet – außer wenn ich gegen sie ermittelt habe. Nach monatelangem Aktenwälzen ist das hier mein erster Einsatz im Außendienst. Und ich will allen zeigen, dass ich es noch drauf habe. Ich ... ich will es einfach nicht schon wieder vermurksen.”


    Trish sah zu Ally rüber, wie sie mit ihrem schwarzen glänzenden Body, schwarzen Kunstleder-Leggings und dem breiten Gürtel mit Marke, Waffe und Tazer vor ihr stand. Ihr runder Busen wurde von dem Body betont, während die leicht diagonalen Neopreneinsätze an den Seiten ihre Taille optisch verschmälerten. Ihre langen blonden Haare fielen leicht über ihre schwarzen Schultern und bildeten den perfekten Kontrast. Ally lächelte sogar Trish entgegen und ging einen Schritt auf sie zu, sodass sie nun im Schein einer hellen Untersuchungslampe stand, der ihre Haare und ihren Oberkörper nur so glitzern ließ. Trishs Kinnlade klappte herunter. Eigentlich hätten nun nur noch eine leichte Windbrise und etwas Hintergrundmusik gefehlt und Trish hätte sich vergessen. Ally war eine der schönsten Frauen, die sie in letzter Zeit gesehen hatte, und dazu trug sie auch noch aus den gleichen Gründen wie sie selbst gerne enge glänzende Klamotten. Diese Frau musste einfach auf ihrer Seite sein – trotz Trishs unüberlegten Bezichtigungen.


    “Es tut mir leid,” sagte Ally und gab Trish einen kurzen Danke-fürs-Zuhören-Kuss. “Es ist unklug und verstößt gegen die Vorschriften, einen anderen Beamten zu küssen. Aber ich musste dich davon überzeugen, dass du mir vertrauen kannst. Und deshalb sind wir auch in diesem Raum. Hier können wir offener reden als da draußen.”


    “Ich verstehe immer noch nicht. Hältst du mich jetzt für den Maulwurf oder nicht?”” zuckte Trish mit den Schultern.


    “Ich habe da eine Vermutung und will sicher gehen. Und hier sind wir sicher. Das ist ein altmodischer Röntgenraum. Die Wände haben Einlagen aus Blei, sodass – als man noch herkömmlich röntgte – keine Strahlung austreten konnte.


    “Und auch keine Funkwellen,” folgerte Trish. “Jetzt verstehe ich. Du denkst Nora hat nicht nur diese Limitierungen installiert, sondern auch ... naja ... Spyware? Und deswegen warst du auch so distanziert die ganze Zeit. Damit die denken, dass du keinen Plan davon hast? Damit die denken, dass du auf deren Seite bist?”


    “Ganz genau. Und wir werden schon gleich wissen, ob ich Recht habe,” sagte Ally, suchte ein Kabel, steckte es in einen CT-Rechner und gab Trish das andere Ende. Trish zog ihren durchlöcherten Pulli hoch, öffnete ihre Schnittstelle, setzte sich auf die Liege und verband sich mit dem Rechner. Sie wollte Ally noch fragen, ob sie denn überhaupt wusste, was sie da tat, aber Trish verdrehte sogleich ihre Augen, setzte sich aufrecht und sah starr geradeaus. LEDs in ihrer Schnittstelle begannen zu blinken.


    “Öffne-System-steuer-ung. Bitte-per-sönlichen-Zugangs-code-eingeben,“ sagte sie in einem mechanisch-abgehackten Tonfall. Ally grinste, denn sie kannte den Code aus Trishs Akte. Sie setzte sich an den Rechner und gab den Code ein.


    „Zu-gang-gewährt. Öffne-Grund-ein-stellungen,“ sagte Trish völlig emotionslos und Ally suchte nach den vor vier Tagen vorgenommenen Änderungen. Sie fand diese schließlich und sah sich die Programmierung genauer an. Dann schüttelte sie langsam den Kopf, gab ein paar Befehle ein und drückte Enter. Trish blinzelte ein paar Mal und wiederholte dann ein paar Sekunden lang „Sichere-Ein-stellungen... sichere-Ein-stellungen...“.


    „Ich hoffe, du weißt, was du da... Oh, hast du etwas gefunden?“ fragte Trish, als sich Ally ausloggte und das Kabel aus ihrer Schnittstelle zog.


    „Ja, tatsächlich Spyware. Wie ich vermutet hatte. Sie greift nicht auf deinen Datenspeicher oder deine Programmierung zu, denn sonst würde sie dir auffallen. Aber alles, was du gesehen und gehört hast in den letzten vier Tagen wurde aus deinem Arbeitsspeicher an zwei Server übermittelt, an einen im Polizeipräsidium ... genutzt vom Chef, von Former oder von Nora ... und an einen externen.


    „Also war ich der Maulwurf!“ hielt Trish enttäuscht fest und riss dann die Augen auf, als ihr ihr kleines anregendes Rollenspiel mit dem Inspektor am Sonntagmorgen einfiel.


    „Ja, und du bist es immer noch. Ich habe nur die Limitierungen gelöscht, habe aber die Spyware nicht angetastet. Denn wir wollen ja nicht, dass die wissen, dass wir sie gefunden haben, oder?“


    “Auf keinen Fall. Aber in dem Moment, in dem wir diesen Raum verlassen, wird unsere Entdeckung doch ohnehin übermittelt.”


    “Ja, und deswegen möchte ich, dass du alles, was in diesem Raum passiert ist, aus deinem Arbeitsspeicher in einen verschlüsselten Ordner verschiebst, der sich nur dann öffnet, wenn ich – und wirklich nur ich – die Worte “Wach auf!” zu dir sage. Um den Rest kümmere ich mich. Ich informiere nur schnell Frank und dann mach das bitte,” erklärte Ally und rief den Inspektor in seinem Zimmer über die Hausleitung an.


    Eine Minute später legte sie auf, zog sich den Mantel wieder über und knöpfte ihn bis oben zu. Dann kam sie zu Trish zurück, die ihren Pulli wieder herunter gerollt hatte: “Alles klar. Frank weiß Bescheid und spielt mit. Also bitte verschlüssele die Daten jetzt, Trish. Vertrau’ mir ... bitte.”


    “Das tue ich, aber vorher...” lächelte Trish nur, ging auf Ally zu und gab ihr einen langen Kuss. Dann konzentrierte sie sich für einen Moment, blinzelte zweimal und sah wieder zu Ally.


    „Ich verstehe immer noch nicht, Ally. Was soll das? Was wollen wir hier?“ protestierte Trish ...


    ...