Beiträge von Desi

    Kapitel 29: TuFiTa 2 nach Dornbirn oder: Die kleinen Frösche

    Mittwoch Abend.

    Aus Ingos Sicht.

    Es war Mittwoch, 18 Uhr.
    Wer würde kommen?
    Neugierig betrat ich den Umkleideraum, erspähte Dietmar und Fabian. Leider auch Dirk, den Luxusboy.
    Fabian unterhielt sich mit Dietmar über Leggings.
    Diesmal war der Dirk schon zurückhaltender, hatte ich den Eindruck.

    Als ich die Halle betrat, war es schon fast wieder wie früher. Kein Massenandrang wie letzten Mittwoch, denn inklusive der Trainerinnen waren wir 23 Personen.

    Ich merkte auch, dass Silvia wieder fröhlicher war, im Gegensatz zur vorigen TuFiTa.

    Allerdings nur bis zu dem Moment, wo Beata uns alle begrüßte. Sie trug den Vereinsturnanzug in den rot-weißen Farben.
    Sie sagte ohne groß nachzudenken nämlich: "R-Wi-alo liebe Hami. Freut mich, dass ihr alle wieder da seid."

    Silvia in ihrem grünen Turnanzug konnte sich das nicht bieten lassen, schritt lauthals ein:

    "Halt, halt, Tabea, dies ist die TuFiTa. Zu deiner Information - es ist Mittwoch, nicht Montag.

    Einen guten Morgen wünscht dir deine Silvia. Hast du gut geschlafen?"

    Woraufhin alle lachten, auch Bea.
    "Entschuldige bitte liebe Silvia. Du hast Recht. Ich war noch so vereinnahmt von Montag. Also noch mal. Herzlich willkommen zur TuFiTa."

    Daraufhin kam von allen Applaus, auch von Silvia. "So muss das sein", sagte diese grinsend.

    "Ich freue mich aber auch am Mittwoch, dass ihr alle wieder da seid. Und Herzlich willkommen an unsere neuen zehn Mitstreiterinnen."

    "Acht Mitstreiterinnen, und zwei Mitstreiter, wenn ich bitten darf", wurde sie von dem Luxusboy korrigiert.
    Irritiert wurde Dirk von den Rest angestarrt. Aber nicht von Fabian.

    "Wenn schon, dann sieben neue Mitstreiterinnen und drei neue Mitstreiter. Du, Dietmar und ich", warf Fabian ein, "Zählen können ist wohl auch nicht deine Stärke."

    Prompt hatte Fabian die Lacher auf seiner Seite. Der Luxusboy schaute grimmig. Dazu passte seine graue Leggings von dem italienischen Luxus-Hersteller, die ihm ein wenig Oberlehrer-Status verlieh.

    "Ihr neuen sieben Mitstreiterinnen, macht euch mal lautstark bemerkbar!" rief Ute.
    Prompt jubelten Agnetha, Laila, Ilka, Sandra, Fiona, Franziska und Emma.

    Wir anderen 13, Nereida, Oksana, Femke, Silvia, Kerstin, Marion, Christina, Ute, Julia, Gunda, Lisa, Beata und ich, klatschten Beifall.

    Bea lächelte. "Gut. Mit nun 23 Personen ist unsere 18-Uhr-Gruppe zwar gewachsen, aber noch überschaubar. Lasst uns nun im großen Kreis warm laufen. Wir bilden drei Gruppen. Die Schnellen kommen hinter mir."

    "Die mittleren hinter mir", rief Christina und winkte.

    Oksana ergänzte: "Und diejenigen, die viel oder schnelles Laufen nicht gewöhnt sind, schließen sich bitte mir an."

    Nereida erklärte: "Falls ihr euch der verkehrten Gruppe angeschlossen habt, Wechseln zwischen den Gruppen ist immer möglich. Es hat nichts mit Schwäche zu tun, macht euch nichts vor, hört lieber auf euren Körperzustand als auf euren Ehrgeiz. Wechseln ist immer akzeptabel. Lästern von anderen diesbezüglich ist unanständig und ist zu unterlassen. Es soll schließlich harmonisch zugehen."
    Zufälligerweise schaute sie gerade Silvia an, die verärgert guckte.

    Harmonisch? Nun bin ich wohl doch noch in so einer Harmunde gelandet, oh nee, ey, dachte Silvia.

    Nereida bekam es mit, sagte aber nichts.

    Beata gab dann das Kommando: "Und los!"
    Ihr folgten sieben Teilnehmer: Silvia in Grün, Marion im kombinierten blauen Glattlycra-/Samtturnanzug, Ute in ihrem königsblau uni Modell, Lisa in ihrem schwarzen Turnanzug mit den Glitzerärmeln, Fiona in blauen Leggings und einen schwarzen ärmellosen Turnbody, Beatas Kollegin Emma in einem purpurfarbenen Turnanzug, und Fabian, welcher wieder seine dunkelrote Leggings trug.

    In Oksanas Gruppe der Langsamen fanden sich Gunda im Nereida-III-Turnanzug, Sandra mit ihrem Pfundsmädel-T-Shirt, und zu meiner Überraschung Franziska, welche wie letztes Mal wieder ihren weinrotem langärmeligen Turnanzug über blauer Caprileggings trug.

    Ich lief in Christinas Gruppe, der die meisten folgten. Angenehm überrascht musste ich feststellen, wie sich anscheinend Dietmars und Ilkas Beziehung intensiviert hatte. Was die beiden seit letztem Mittwoch trieben, habe ich ja nicht mitbekommen. Sie schienen nicht voneinander zu weichen, unser neues Paar in Rosa. Einer Person aus der Gruppe der Langsamen schien das zu missfallen.

    Beim Tanzen fragte Nereida in die Runde:
    "Bislang haben wir ja immer die Tänze vorgegeben, was wir auch weiter tun werden. Aber vielleicht fällt euch ja ein Tanz ein, den ihr gerne mal tanzen wollt. Am besten ein Gruppentanz für alle."

    So wollte Nereida die Gruppenharmonie stärken und das Verbundenheitsgefühl. Aber zweitens war sie selber auch erpicht auf neue Tänze.

    "Ja ich weiß, neuer Tanz", strahlte Agnetha.
    Sie trug diesmal einen grün gemusterten Turnanzug, aber nicht ohne dass auch dort schwedisch blau-gelbe Farbbänder, die einander umschlangen, vorkamen.

    "Erzähl, Agnetha", lächelte die Tanzfee.

    Die blonde Schwedin begann:
    "Ihr kennt vielleicht das Midsommarfest, mitten im Sommer. Das ist ein großes Ereignis für uns in Schweden. Wir tanzen da alle, jung und alt. Ich freue mich, wenn ihr mitmacht. Und es ist lustig."

    "Klar, Agnetha, fang an", lächelte Beata. Wir anderen waren ebenfalls gespannt.

    "Ich singe zuerst das Lied 'Små grodorna'. Singt mit!"
    Agnetha intonierte die schwedische Volksweise stimmgewaltig und klatschte dabei, wir klatschten mit, sangen irgendetwas, was so ähnlich klang, ohne den Text zu verstehen. Außer vielleicht Quak-Quak-Quak.

    Das war beim alleinigen Singen schon lustig und kam auch gut an. Ein simples schwedisches Gute-Laune-Lied. Selbst Gunda wirkte fröhlich.

    "Und nun der Tanz. Wir tanzen ... herum die ... äh... midsommarstång."

    "...um den Maibaum herum?", schlug Fabian vor. Wörtlich hieß es: Mittsommerstange.

    "Genau", strahlte sie, "alle im großen Kreis."

    Wir formierten uns, jeder fasste seine beiden Nachbarn an. Meine waren Lisa und Gunda, neben Gunda dann Fabian, Christina, Dirk, Kerstin, Agnetha. Ilka und Dietmar standen neben Lisa.
    "Los geht's", rief Agnetha, und wir drehten uns alle um die Kreismitte, während sie sang: "Små grodorna, små grodorna, är lustiga att se" (zweimal).

    "Anhalten!" gebot sie.
    Wir schauten in die Kreismitte, machten nach, was Agnetha uns vormachte, steckten die Daumen in unsere Ohren, wedelten mit den anderen Fingern, fassten dann hinter unser Gesäß und wedelten mit allen Fingern, während sie sang: "Ej öron, ej öron, ej svansar hava de."
    Einige mussten stark grinsen.

    Aber dann drehten wir uns wieder zu unserem rechten Nebenmann/-frau, hüpften hintereinander im großen Kreis und riefen: "Kou ack ack ack, kou ack ack ack, kou ack ack ack ack ack" (zweimal). Ilka wie auch Ute bekamen fast einen Lachanfall. Selbst Gunda musste lauthals kichern.

    "Und wieder von vorn! Små grodorna!" rief die blonde Schwedin.

    Wir machten das ein paar Mal, und es brachte eine Menge Spaß.
    Irgendwann blieb Agnetha stehen und rief laut: "Danke euch für Mitmachen!"

    "Ganz toll Agnetha", jubelte Nereida und kam auf sie zu, umarmte sie.
    Die anderen applaudierten auch frenetisch.

    Nur nicht der Luxusboy. Der war sehr verhalten mit seiner Beifallsbekundung, und fragte, als es ruhiger wurde: "Ähem, eine Frage, was haben wir da eigentlich gesungen? Auf Deutsch bitte."

    Agnetha grinste ihn an.
    "Ich versuche zu übersetzen. Also:
    Kleine Frösche, kleine Frösche sind lustig an zu sehen. Keine Ohren, keine Ohren, keine Schwänze haben sie.
    Danach kommt das Quak-Quak-Quak Froschquaken. Und alles von vorn. Dieses Lied ist sehr populär in Schweden, und alle, auch die Erwachsenen, singen lustig mit."

    "Aha", entgegnete Dirk bloß, blieb dann still. Man sah ihm aber an, dass der Text und der Tanz weit unter seinem Niveau liegen musste.
    Was für ein Muffelkopf, dachten viele über ihn.

    Lisa meinte zu Agnetha: "Das hat Spaß gebracht, können wir das noch mal machen?"
    Andere stimmten mit ein.

    Die blonde Schwedin war begeistert: "Ja, machen wir!"
    Wir formierten uns wieder.
    "Es gibt noch eine zweite Strophe, die singen wir nun:
    Små grisarna, små grisarna, är lustiga att se. Båd' öron, båd' öron och svansar hava de!
    Heißt auf Deutsch:
    Kleine Schweine, kleine Schweine sind lustig an zu sehen. Sowohl Ohren, sowohl Ohren als auch Schwänze haben sie."

    Und wieder ging es rund um den imaginären Maibaum. Und statt Quaken war nun Grunzen angesagt.

    Als wir uns nach dem Tanzen und Lachen beruhigt hatten, rief Ute:
    "Ey Leute, ich finde, wir müssten nun unseren Gruppennamen erweitern."

    "Wieso denn erweitern?"

    Ute erklärte: "Da wir nun auch singen, müssen wir ein 'Si' hinten anfügen: Tu Fi Ta Si."

    Alles war am Lachen.

    Wir machten weiter mit einem Tanz, nun von Oksana. Da tanzten immer zwei zusammen.

    Der Luxusboy kam Kerstin näher. Anfangs fühlte sie sich noch geschmeichelt, aber je mehr sie mit ihm tanzte, umso mehr unwohler fühlte sie sich.

    Gunda hielt sich von Ilka und Dietmar fern, beachtete sie nicht. Sie versuchte es zumindest. Zufällig geriet sie an Fabian. Sie tanzte zwar mit ihm, dachte sich aber nichts dabei.
    Kurz vorm Ende des Tanzes strauchelte Gunda, da packte Fabian sie fest an, so dass sie nicht fiel. Sie war ganz erstaunt von seinem Reflex.
    "Oh danke."

    "Gern geschehen. Du warst wohl abgelenkt."

    "Ja", sagte sie.
    Und zwar von den zwei anderen, dachte sie. Ich muss echt mal dieses Ilka-Dietmar-Trauma überwinden.

    Vielleicht sollte ich mal ein paar Mal nicht zur TuFiTa kommen. Was mache ich denn dann als Ersatz?

    Dann kann ich ja gleich in Fabians Paddelgruppe eintreten...

    Als hätte er ihre Gedanken gelesen, schaute er sie an und fragte:
    "Und, Gunda, hast du mal nachgedacht, willst du mal bei meiner Paddelgruppe mitmachen?"
    Allerdings war Fabian nicht von R-Wi, konnte keine Gedanken lesen. Es kam ihn gerade in den Sinn.

    Sie errötete, zögerte.
    Fabian hatte wieder mit einer schroffen Ablehnung gerechnet, war nun erstaunt. Kein Widerstand, keine Abweisung.

    "Tja, könnte ich ja einmal probieren. Nur damit du Ruhe gibst! Aber ich bin blutige Anfängerin."

    "Ich freue mich, wenn du kommst. Keine Sorge, du wirst nicht überfordert. Komm doch mal am Sonntag, elf Uhr zum Bootshaus. Ich verspreche dir, ich gebe auf dich acht."

    "Na gut. Aber nur ein Mal."

    Fabian zwinkerte ihr zu, sagte nichts.

    Zum Schluss machten wir Dehnübungen.
    Beata animierte Lisa und mich, doch mal die Dehnübung vorzuführen. Genau die Dehnübung, bei der es bei Lisa und mir damals 'gefunkt' hatte.
    Wir beide folgten Beatas Aufforderung, und es prickelte noch immer, mit meinen Händen über Lisas Turnanzug hinüberzustreifen. Nur standen wir nun unter der Beobachtung von 21 Leuten und konnten leider nicht 'tiefer gehen'. Nach einer Weile richteten wir uns auf.

    Die anderen hatten genau hingeguckt, und machten sich daran, es uns nach zu tun.
    Wir hatten die Chance, sie zu beobachten.
    Lisa und ich grinsten. Bei Dietmar und Ilka waren wir uns beide ziemlich sicher, dass zwei Leute, die zufällig zu einer gemeinsamen Gymnastikübung zusammen kamen, nie solche ausgiebig intensiven Körperbefühlungen wie die beiden wagen würden.


    Gunda übte allerdings mit Sandra zusammen. Da beide etwa gleich gelenkig waren, also nicht so gelenkig, hielt sich der Frust über das Nicht-so-gut-Können der Übung in Grenzen.
    Die beiden Gymnastiklehrerinnen Beata und Emma machten es formvollendet nach. Wir staunten.

    Am Ende der Turnstunde verteilte Beata die Vereins-Beitrittsformulare für die Neuen.
    Zu ihrem Erstaunen füllten fast alle Neuen die Formulare an Ort und Stelle aus.
    Bis auf zwei.
    Fabian nicht, weil er ja bereits Mitglied im Verein war, in der Rudersparte.
    Und der Luxusboy auch nicht. Er nahm aber sein Formular mit.

    Beata war zufrieden. Sie mochte alle Neuen aus der 18-Uhr-Gruppe, freute sich darauf, dass sie auch künftig wiederkommen.

    Die zweite Gruppe eine Stunde später lief auch gut, nur merkte Beata, dass einige am Ende der Stunde die Formulare gar nicht erst mitnahmen.

    Die Anzahl der Teilnehmer der zweiten Gruppe wird sich wohl künftig verringern, schloss sie richtig.

    Klar bekommt Xenia ein wenig mehr zu tun.

    Vielleicht schicke ich sie ja mal auf die Borealis? *frechgrins*


    Mittwoch Abend, TuFiTa-Abend. Diesmal Star des Abends ist die Schwedin Agnetha.

    Viel Spaß mit Kapitel 29.

    Ich habe hin- und herüberlegt, wie würdige ich bloß dieses Lycra- und Klangfeuerwerk, von dir abgebrannt?
    Die Dschungel-Show mit Nasrin, Mia, Aitana und den Furries?
    Die perfekte Visualisierung und das Neuarrangement von Nigel Stanfords klasse Video?

    Ich habe es geschafft, es auf drei Worte zu reduzieren:
    Einfach nur genial.

    Danke Martin für deine wegbereitende Aktion für uns. Ich finde das enorm klasse von dir!


    Zum Turnanzug: Ich finde, dir steht der Milano Chevron. Bestimmt genauso gut wie der brit. Turnerin Beth Tweddle auf der Milano-Seite.


    An mir selber mag ich keine hellen Farben wie Weiß, Gelb, Rosa oder Neon- oder Silbertöne.

    Wenn sie in geringem Anteil bei farbigen Anzügen auftreten, dann schon eher.

    nein, ich kenne Hirogato nicht. Sieht aber glänzend aus! Preise realistisch (zzgl. Porto und Zoll).

    Und wer mit Bitcoin bezahlt, bekommt 10 % Rabatt (nein, ich habe keine Kryptowährungen)

    Kapitel 28: Viele Aufträge für die "Rasende Nähnadel"

    Mittwoch Spätnachmittag.

    Xenia war verblüfft. Sie sah einem jungen Mann hinterher, der gut gelaunt kurz vor Ladenschluss die "Rasende Nähnadel", das Geschäft, wo sie arbeitete, verlassen hatte. Er hatte kurz vorher bei ihr eine Leggings bestellt, rot wie die ihrige.


    Ihre Kollegin Gesche kam, verriegelte die Ladentür.
    "Was ist denn, Xeni? Du siehst so nachdenklich aus."


    "Ich rufe mal alle zusammen, Gesche. Das müssen alle hören."

    Wenig später waren sie bei der Geschäftsleiterin Elke im Büro.
    Xenia begann ihren Kolleginnen Elke, Gesche und Katrina von ihrem Erlebnis zu erzählen.
    Katrinas Bruder Roland in seiner Funktion als Rechtsbeistand der "Rasenden Nähnadel" hatte heute seine wöchentliche Besprechung mit Elke gehabt und hörte nun auch Xenia zu.

    "Hey alle, ich habe mal unser Auftragsbuch mitgebracht, damit ihr mir glaubt."

    "Mach es nicht so spannend, Xeni", lachte Elke, "was steht denn im Buch?"

    "Ich hatte heute sechs Kunden, die bei mir eine rote Leggings bestellt haben. Und gestern waren es fünf. Eben kurz vor Schluss wollte noch einer eine Leggings angefertigt haben. Der siebte heute."

    Katrina grinste. "Naja, seit dem Tag, an dem du vor der halben Welt mit deiner Turngruppe getanzt hast und die Leute heiß auf rote Leggings gemacht hast, ist das ja kein Wunder. Die haben dich wohl wiedererkannt."

    "Gute Werbung von dir, Xeni", sagte Gesche mit einem Schmunzeln im Gesicht.

    "Und vergiss nicht deine abendlichen Auftritte bei den bislang zwei Harmunden in Kassel, Xenia-ke-re-ses", grinste Roland.

    Katrina stupste sie an. "Genau, erinnerst du dich noch an gestern Abend, dass dich einer nach den Leggings fragte?"

    "Ja sicher erinnere ich mich; ihr habt alle Recht, und du Roli sowieso - aber das hätte ich mir ja selber nie träumen lassen! Ich hatte letzte Woche Montag drei Ballen roten Lycrastoff geordert, die Dienstag Nachmittag auch schon kamen. Nun, ein paar Tage später, habe ich den letzten Ballen angebrochen, sicherheitshalber heute morgen habe ich fünf neue rote Ballen bestellt! Irgendwann muss ich Überstunden machen."

    Elke nickte. "Ja, das ist wahrhaftig ein Phänomen. Xeni, du hast eine Marktlücke entdeckt und eine Nachfrage angestoßen. Es wird nicht zu vermeiden sein, dass wir personell aufstocken müssen. Es nützt dir ja nichts, und wird dich auf Dauer nicht zufrieden stellen, wenn du täglich von acht bis acht nur noch Leggings zusammen nähst."

    "Könnte auf Dauer ein wenig einseitig werden, gebe ich zu. Aber ich freue mich ja, Elke, dass alle eine Leggings 'made by Xeni' haben wollen."

    Gesche, geschäftstüchtig, meinte: "Xeni, du musst den Leuten nicht einfach nur eine rote Leggings verkaufen. Du musst ihnen was Exklusives bieten. Und dafür kannst du dann auch einen höheren Preis nehmen."

    "Daran habe ich auch schon gedacht. Etwas besonderes. Was meine Leggings von anderen unterscheidet."

    Roland meldete sich zu Wort. "Xeni, da wäre es sehr hilfreich, wenn du dir eine Marke ausdenkst, die deine neuen Leggings ziert. Die kann man nämlich schützen. Nachahmer werden dann rechtlich in die Schranken gewiesen. Ich als Rechtsanwalt weiß, wovon ich spreche."

    "Gute Idee Roli, nur was?"

    "Etwas, was zu dir passt. Worin du dich wiederfindest."

    Xenia versank in dumpfes Brüten über das Thema, auch die anderen gerieten ins Nachdenken.
    Verschiedene Vorschläge von ihr und den anderen kamen auf, wurden verworfen oder weitergesponnen.

    Es verdichtete sich aber in die Richtung, dass die Worte 'Xenia' und 'rot' in irgendeiner Art und Weise in dem Markennamen vorkommen sollten.
    In die engere Auswahl kamen 'Rot-X' und 'Red-X'. Roland prüfte die Begriffe, die aber als Marke leider schon vergeben waren.

    Xenia kam auf 'Red Xeni', worauf sie sich dann einigten, wobei das 'Red' senkrecht und 'Xeni' waagerecht geschrieben war, mit dem einen 'e' als gemeinsamen Buchstaben, mit roten Buchstaben auf schwarzem Hintergrund.

    An Elkes Rechner werkelten die fünf herum, bis ein annehmbares Logo entstand.
    Mit der einen computergesteuerten Nähmaschine wurde das Ergebnis gleich in die Tat umgesetzt.
    Alle waren begeistert. Gut gelaunt klatschten die fünf ihren Plan ab.

    Roland bekam eine Kopie der Datei und ein Stoffmuster.
    Er wurde beauftragt, die rechtlichen Schritte für den Markenschutz zu unternehmen.

    Xenia fragte in die Runde, wer von den Kolleginnen Lust hatte, mal wieder schwimmen zu gehen.
    Sie schlug das Freibad in Uminghausen vor.
    Gesche und Katrina gingen auf ihren Vorschlag ein, Elke und Roland waren nicht so sehr fürs Freibad zu haben.
    So beschloss sie mit Gesche und Katrina den Plan umzusetzen.

    Abends machte es sich Xenia auf ihrem Sofa bequem, dachte ans Freibad. Sie rief ihren Bruder Arnold an. Er war ganz aufgeschlossen für ihren Vorschlag, schwimmen zu gehen. Seine Frau und Tochter hatten auch Lust, mit zu kommen.

    Weiterhin hatte sie noch eine Idee für den Polterabend von Lisa und Ingo.
    Arnold war davon begeistert, steuerte einige Einfälle hinzu, die wiederum Xenia gefielen.
    Für dieses Projekt wollte sie auch noch Bernd mit ins Boot holen.

    Xenia kicherte spitzbübisch in sich hinein, rieb sich die Hände, als sie über ihren Plan nachdachte.

    Hallo niki, vielen Dank, dass du die Geschichte von Mona und Peter wieder veröffentlichst.

    Deine Geschichte hat zweierlei: Sie macht Lust aufs Lesen, was die beiden wohl alles erleben werden, sie ist aber auch ein wenig nachdenklich, wegen der doch etwas düsteren Zukunftsaussichten von Gaia City und der Restriktionen.

    Nichtsdestotrotz, mach weiter, ich lese gern mit.

    Das mit der Kommunikationspsychologie kam erst ziemlich spät ins Kap. 27 hinein.
    Das Konzept der Vier Ebenen gibt es tatsächlich.
    So könnte Gundas Satz auf vier Weisen zu deuten sein.
    Allerdings bewegt sich Gunda nicht Richtung Depression, sondern Richtung Resignation.
    Abwarten, was die TuFiTa am Mittwoch bringt.

    Klar kommen beim zweiten Mal erheblich weniger Leute. Die Harmunden sollen auch nur langsam Fuß fassen. Vielleicht haben sie ja im späterer Zukunft mehr Zulauf... dann, wenn Nereida, Lisa, Silvia und Co die 90 Jahre überschritten haben oder so. ;-)

    Die Harmoniedusche ist ein Bestandteil einer Harmunde auf R-Wi und wird dort praktiziert. Nur nennen sie es dort anders, die R-Wi-i kennen ja kein Wasser und keine Dusche. Muss mal Nereida fragen, habe den Begriff vergessen.

    Marion und Co lästern noch weiter, bis... ja, was Einschneidendes passiert. Das entsprechende Kapitel ist schon fertig geschrieben.

    Agnetha gibt sich weltoffen, aber auch sehr patriotisch. Die schwedischen Nationalfarben Gelb und Blau werden immer irgendwie auf ihrem Turnanzug auftauchen.

    Wenn du eine Harmunde besuchst, Lycwolf, kannst du ja mal berichten, wie es da war.

    Zu Conni und zu Xenia: In nicht all zu ferner Zukunft gibt es von den beiden wieder was zu lesen.

    Was ich mich freue zu verraten ist: Beim nächsten Kapitel spielt Xenia eine zentrale Rolle.

    Vielen Dank Lycwolf für deine neuen Episoden von der Borealis.

    Ich muss einfach mal sagen, ich bin ein stiller Fan von Rubina. Wie sie mit Dirk umgeht. Wie sie ihn nicht nachdenken lässt. Hoffentlich bleibt das noch lange genug so.

    Tobias und Rainer, zwei Freunde auf dem Weg zu einander. Ihren Weg voller Auf und Ab zu verfolgen bereitet großes Vergnügen.

    Sybille und Norman stehen für den stillen, aber nicht minder intensiven Lycra-Genuss zu zweit.

    Auch sind deine Seitenverweise auf Charaktere anderer Lycra-Geschichten recht reizvoll.
    Der Peter, der da auf die Bühne genötigt wird, könnte doch der aus "Gaia" sein, von niki. Vielleicht kommt Mona ja auch noch.

    Danke auch für die Erwähnung der kleinen Abordnung von der TuFiTa. Das freut mich, wenn die (stets namenlosen) Frauen für Freude und Bewegung sorgen. Und nicht zuletzt sorgen sie für Harmonie, was ja die Zentralvokabel aus "Nereida" ist.

    Kapitel 27: Zweite Harmunde

    Montag Morgen.

    Dietmar tippte schon an seinem Rechner herum, als Gunda ihr gemeinsames Büro betrat.
    "Hey Gunda, guten Morgen. Hattest du ein schönes Wochenende?"

    Die Antwort fiel ihr nicht leicht. Sie atmete tief durch. Schließlich sagte sie bestimmt:
    "Guten Morgen, Dietmar. Ich war bei einer Person, die mich sehr mag."

    Mit dieser einen Aussage schickte Gunda ihm gleich vier mögliche Deutungen zu, gemäß dem Vier-Seiten-Modell aus der Kommunikationspsychologie.
    Sachaspekt: "Ich war bei einer Person, die mich sehr mag."
    Selbstaussage: "Ich fühle mich nicht geliebt."
    Beziehungsaspekt: "Diese Person, bei der ich war, war leider nicht Du!"
    Appell: "Liebe mich gefälligst!"

    Dietmar dachte nicht über die vier pragmatischen Mehrdeutigkeiten nach, die Gunda damit ausdrückte. Oder er ignorierte sie. Oder war es halt männliche Unbekümmertheit?

    Er verstand nur den Sachaspekt.
    "Das trifft sich ja gut. Dann war es bei dir ja so wie bei mir auch."

    Gunda gab stillschweigend auf.
    "Was war denn bei dir passiert?"

    "Ich hatte einen netten Sonntag mit einer interessanten Frau. Da könnte bestimmt mehr daraus werden. Und was hast du gemacht?"

    Durch seine Gegenfrage wurde sie von einer Nachfrage abgebracht und hatte auch keine Lust mehr.
    "Ich war Rad fahren und habe mich dann mit einer lieben Freundin zum Plaudern getroffen."

    "Das ist doch auch schön", meinte er lächelnd.

    "Ja", schob sie hinterher.
    Er hatte es also zugegeben. Er war also drauf und dran, mit dieser Ilka zu gehen. Sie atmete abermals tief durch.
    Na, wie gut, dass sie am Vortag noch bei Nereida war und dass die sie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hatte, in ihrer liebenswürdigen Art.
    Darum schwieg Gunda, anstatt Dietmar mit unüberlegten und womöglich unfairen, vorwurfsvollen Fragen zu traktieren.

    Der ging gleich zum Tagesgeschäft über und berichtete von Gundas letzter Woche geschriebenen Unterprogrammroutine, die er gerade erfolgreich in das Hauptprogramm eingebunden hatte.

    Die Routine funktionierte ausgezeichnet. Er lobte seine Kollegin dafür.
    Das tröstete Gunda ein wenig, und sie lächelte.
    Wenigstens das klappt, dachte sie.

    ---------------

    Montag Abend.

    Nereida und Beata waren sich unsicher, ob wieder so viele Leute zur Harmunde kommen würden wie letzten Montag.
    Denn da mussten sie in die Turnhalle ausweichen, die zwar mehr Platz bot, aber auch nüchtern und ungemütlich wirkte.

    Diesmal schien es anders zu sein als letzten Montag. Viel weniger Leute schienen kommen zu wollen. Der Vereinsparkplatz war nicht überfüllt, bestenfalls zu zwei Dritteln voll. In der Zufahrtsstraße gab es kein Chaos durch Wildparker.

    So schmückten die galaktischen Schwestern im Vereinsheim wieder den Saal, unterstützt von fast allen von der Stamm-TuFiTa.
    Es wirkte alles viel einladender, wärmer und gemütlicher als vergangenen Montag in der Turnhalle mit kalter Deckenbeleuchtung.

    Neugierig geworden, war diesmal auch Marion gekommen. Silvia fehlte weiterhin. Das war ihr alles sehr suspekt.
    Von den neuen TuFiTa-Mitgliedern kamen Agnetha, Emma, Franziska und Laila.


    Lisa trug diesmal ihren Heiler-Turnanzug über roten Leggings, welche von ihrer Schwester Xenia genäht worden war.
    Der Heiler-Turnanzug zeigte quasi das Emblem oder das Logo der Harmunde, zwei konzentrische goldene Kreis auf lila Hintergrund.
    Sie wurde auch von vielen dafür bewundert. Zum Beispiel von ihrer Kollegin und Heilpraktikerin Barbara Schönfeld, die auf Lisas Geheiß neugierig geworden und heute zum ersten Mal mitgekommen war.


    Nereida und Beata trugen, wie auch letzten Montag, die roten Leggings, und darüber den schwarzen langärmeligen Turnanzug mit Tülleinsatz und Strasssteinen.
    Die an der Harmunde teilnehmenden TuFiTa-Mitglieder und -Neumitglieder waren alle mit Leggings bekleidet. Die Frauen trugen meist Turnanzüge, teils langärmelig, teils ärmellos. Sie sahen sehr sportlich aus.

    Schätzungsweise achtzig Interessierte, Hami genannt, bevölkerten den Saal. Diese Anzahl wurde noch als sehr angenehm empfunden.
    Am Oberkörper waren die neuen Hami noch zurückhaltend, da herrschten noch größtenteils Baumwoll-Oberteile vor. Es war aber zu beobachten, dass einige der Hami zumindest eine Glanzleggings trugen.
    Einige von den neuen weiblichen Hami erzählten aber, dass sie sich bereits Turnanzüge bestellt hatten, allerdings wurden sie vom Hersteller auf 10 bis 14 Tage Lieferfrist vertröstet, wegen der unerwartet großen Nachfrage.

    Gunda freute sich, dass Ilka nicht da war. Die hätte ihr den Abend nicht leicht gemacht.
    Wobei die gleichzeitige Abwesenheit von Dietmar nicht gerade zu ihrer Beruhigung beitrug. Naja, beide waren letzten Montag auch nicht da.
    Hoffentlich treffen die sich nicht an diesem Montag Abend!
    Ja, sie konnte irgendwie nicht aus ihrer Haut.

    Ingo tat seine Schwester leid. Er machte zwei Übungen mit ihr. Sie war dann auch besser gelaunt.

    Der Ablauf richtete sich im Großen und Ganzen nach der vorigen Harmunde.

    Laila und Agnetha machten zusammen eine Partnerübung. Es sah schon urig aus, wenn die großgewachsene Schwedin und die ein wenig kleinere Ärztin miteinander die Tanzübung durchführten. Agnetha trug hier einen Turnanzug, in einem Muster aus blauen und gelben gefüllten Dreiecken auf schwarzem Grund, wieder sehr patriotisch gefärbt. Laila hatte einen dunkelblauen kurzärmeligen Turnanzug gewählt, mit einer in Wellenform dunkel- zu hellblau gefärbter Glanzleggings.

    Neu im Programm war diesmal die Dusche der Harmonie.
    Dazu meldete sich eine Hami freiwillig, die sich in die Mitte stellte. Es war Franziska, die Bäckerin.
    Lisa zog sich ein blickdichtes schwarzes T-Shirt über ihren Turnanzug. War ihr kalt?

    Alle anderen wurden aufgefordert, fest an die Hami in der Mitte zu denken, positive Gedanken zu übermitteln, also die Hami in der Mitte damit zu 'duschen'. Etwa fünf Minuten sollte es dauern.
    Beata stellte in Aussicht, dass die Hami in der Mitte vielleicht ja ein paar von den Gedanken der Umstehenden vernimmt.

    Franziska schloss ihre Augen, während die anderen an sie dachten.

    Es war ganz nett, wenn man sich vorstellt, dass alle anderen positiv über einen denken, dachte sie.
    Sie hörte natürlich nichts, stellte es sich aber vor. Sie wartete gespannt auf eine Eingebung, eine Stimme.
    Ihr war trotzdem wohlig zumute, in ihren blauen Caprileggings, die sie auch schon in der TuFiTa trug. Statt dem weinroten Turnanzug trug sie nun einen dunkelblauen einfarbigen Turnanzug mit Viertelärmel.

    Auf einmal meinte sie aber wirklich eine Stimme zu hören. Eine Stimme, die nur in ihrem Kopf kreiste, eine Stimme, die nicht im ganzen Saal mit seiner raumfüllenden Akustik zu hören war. Eine Stimme, die sie meinte schon mal gehört zu haben. Es war aber nicht die Stimme von Beata oder Nereida. Leise, fast flüsternd hörte sie sich an.


    Voll erstaunt vernahm sie:
    "Liebe Franziska, sei unbesorgt.
    Fühle dich geliebt.
    Fühle dich umarmt.
    Fühle dich getragen, unterstützt.
    Die Kraft der Harmonie, des Friedens und der Liebe möge auf dich kommen,
    dich stärken.
    Liebe Franziska, möchtest du diese Kraft, diese Energie erhalten?
    Du kannst ablehnen, wenn du es nicht willst, es soll nicht zu deinem Nachteil sein.
    Möchtest du aber diese Energie erhalten, so denke: Ja, ich möchte.
    "

    Franziska war verblüfft. Sie öffnete die Augen, schaute rasch um sich, sah die anderen an, die hatten alle die Augen geschlossen.
    Schnell machte sie die Augen wieder zu, war neugierig und dachte: Ja, ich möchte.
    Kaum hatte sie zugestimmt, als eine Wärme in ihr aufstieg. Sie atmete ruhig und gleichmäßig.
    Sie spürte ein Kribbeln im Körper, was sich angenehm anfühlte. Sie spürte die Energie, etwa eine Minute lang.

    Fühle dich gestärkt, Franziska-ke-re-ses, für deine bestehenden und neuen Aufgaben. Ich lasse dich jetzt unbehelligt und verabschiede mich von dir, hauduh, flüsterte die Stimme wieder.
    Danke und hauduh, dachte Franziska.

    Kurz darauf begann Beata zu sprechen, erst leise, dann wieder laut.
    "Liebe Hami, ihr könnt die Augen wieder öffnen.
    Ich danke euch für die lieben Gedanken für unsere Hami Franziska."

    Der jungen Frau in der Mitte zugewandt, sprach sie:
    "Hey Franziska, du schaust ja richtig glücklich aus."

    "Ja, Bea, ich habe etwas Unglaubliches erlebt."

    Alle waren neugierig.

    "Es sprach wirklich eine Stimme zu mir!"

    Die galaktischen Schwestern strahlten. Nereida meinte: "Franziska, du hast die Stimme der Harmonie gehört!"

    Marion dachte nur: Stimme der Harmonie, pah! Die eigene Stimme der Fantasie hat sie gehört. Sie hat sich das bloß eingebildet.
    Mann, ist das esoterisch hier...
    Dann fiel ihr das Erlebnis von Dornbirn ein, als sie mit Femke und Silvia heimlich über Nereida lästerte und daraufhin von einer unbekannten Stimme zurecht gewiesen wurde. Sie hatte keine Lust auf eine Wiederholung und schwieg grummelnd.

    Ute war damals bei der Zurechtweisung nicht dabei gewesen. Sie flüsterte zu Marion:

    "Stimme der Harmonie gehört? Dabei habe ICH doch gar nichts gesagt",

    wonach Marion sich stark bemühen musste, keinen Lachanfall zu bekommen.

    Nereida fuhr fort: "Magst du uns erzählen, was sie gesagt hat?"

    Franziska berichtete mit leuchtenden Augen, was sie in Gedanken gehört hat.
    Sie bekam viel Applaus und Zuspruch von den anderen, nur Marion und Ute veralberten das Ganze. Zum Glück waren Nereida und Beata von den anderen Hami abgelenkt und hörten sie nicht.

    "Vielleicht ist das ein Zeichen für dich, Franziska. Etwas zu tun, was du vorhast, aber dich nicht traust", sprach Nereida zu ihr.

    "Ja, vielleicht sollte ich doch noch eine Ausbildung zur Gymnastiklehrerin absolvieren."

    "Ich werde dir dabei helfen, und Emma auch", versprach Beata. Emma nickte.

    "Ich denke drüber nach."

    Nereida begann dann mit dem Zitieren der Bekenntnis der Harmonie, wo alle mitsprachen. Hier grinsten Ute und Marion leise.

    Beata verkündete zum Schluss:
    "Eine wichtige Sache habe ich letzten Montag vergessen zu erzählen: Eure Teilnahme hier an der Harmunde ist absolut freiwillig. Niemand sollte gezwungenermaßen herkommen. Und das zweite: Sollte es jemanden von euch hier nicht mehr gefallen, steht es ihm oder ihr selbstverständlich frei, von weiteren Harmunden fern zu bleiben. Nereida und ich würden das zwar bedauern, aber das ist dann eben so."

    Obwohl Ute das Programm durch ihre Albereien gelegentlich auflockerte, fand Marion die Harmunde aber trotzdem reichlich abgehoben und sie beschloss, künftig fern zu bleiben. Sie würde von ihren heutigen Erlebnissen Silvia berichten.

    Ute fand die Harmunde witzig und spaßig. So'n bischen Gymnastik machen, komische Wörter sprechen und ein paar Esoterik-Schoten abziehen. Und sich auf Kosten der anderen lustig machen. Sie wollte auch weiterhin ihren Spaß haben und freute sich schon auf die nächste Harmunde.

    Auch Lisas Kollegin Barbara war von der Harmunde angetan, freute sich über das herzliche Miteinander.


    Nach der Harmunde trafen sich Beata, Nereida, Lisa und Julia zum kurzen Gespräch unter acht Augen.

    "Das Experiment ist geglückt", frohlockte Beata.

    Julia bestätigte es. "Ja, Franziska hat meine Gedankenübertragung an sie korrekt empfangen. Und ich muss dir danken, Nereida."

    "Das hatte ich ja versprochen, Julia-ke-re-ses, dass ich dir den Text vorsage.
    Und dass ich dir, Lisa, das Stichwort gab."

    "Es war mir eine Freude, meine positive Energie an Franziska zu schicken", lächelte Lisa, "aber mir fiel gerade noch rechtzeitig vor der 'Dusche' das Leuchten meines Heiler-Turnanzugs ein und ich musste ein schwarzes T-Shirt drüber ziehen. Das wird aber in Zukunft auffallen, wenn ich das vor jeder 'Dusche' tue."

    "Und auch, dass ich mit ihr sprach", meinte Julia, "denn eure Stimmen, Nereida und Beata, hätte sie ja erkannt. Ich spreche ja nur wenig, aber irgendwann, wenn ich mal mit ihr rede, wird sie meine Stimme und mich erkennen."

    Die galaktischen Schwestern nickten.
    "Ihr habt beide Recht", sagte Beata, "dies wird ein einmaliger Vorgang bleiben. Oder wir müssten eine andere R-Wi-a als 'Stimme' engagieren."


    -----------------

    Dienstag Abend.

    Auch in Kassel fand wieder eine Harmunde statt. Hier kamen genau wie in Obertupfingen weniger Leute als vor 7 Tagen, etwa 80 wurden gezählt.
    Die Geschwister Xenia und Arnold führten mit ihrem Vater Leo und Tante Sweliana durch das Programm.
    Natürlich trugen die vier wieder je eine Leggings und einen Turnanzug Marke Nereida-3.

    Conni war wieder unter den Zuschauern.
    Sie hatte sogar die roten Leggings und den schwarzen Nereida-3-Turnanzug an; die Kleidungsstücke, die ihr Sweliana vorigen Mittwoch getanzt hatte.
    Sie musste unbedingt Theo mitteilen, wie begeistert sie von der Harmunde war, und dass er es sich doch mal überlegen sollte, auch mitzukommen.
    Ihrer Freundin Celine würde sie von der Harmunde auch weiterhin nichts erzählen, um ihre Freundschaft nicht zu gefährden.
    Sweliana sah Conni in Turnanzug und Leggings und freute sich.

    Auch Xenias Arbeitskollegin Katrina und ihr Bruder Roland waren unter den Zuschauern. Zusammen mit Conni verbrachten sie eine schöne Zeit.
    Einer von den Gästen fragte Xenia nach einer roten Leggings, worüber sie sich natürlich freute.

    Sweliana teilte den Anwesenden mit, dass sich auch in anderen Städten ebenfalls Gruppen gegründet haben, die in dieser Woche noch ihre ersten Harmunden abhalten, unter anderem in Köln, Magdeburg, Reutlingen, Kiel und Kaiserslautern. Weitere sollen folgen.


    Ja, es ist von dir richtig beschrieben, Gundas kindlicher Trotz. Also möchte die Patin Nereida (30) ihr Patenkind Gunda (43) auf den richtigen Weg führen.
    "Die Liebe kommt zu dir, wenn du es am wenigsten erwartest" ist ein Satz, der mir mal über den Weg lief und sich auch für mich bewahrheitete.
    Im nächsten Kapitel ist es Montag, Bürotag, wo alle wieder arbeiten müssen. Da sehen wir weiter.

    So richtig konnte er sich nicht auf die Klamotten konzentrieren, denn sein Geist versuchte in der üblichen Manier diverse Informationen in ein sinnvolles Bild zu ordnen. IT-Nerd, kaum eigene Lycrakleidung, Robin, geübt im Umgang mit Autovermietungen, alleine auf dem Schiff,.....

    So langsam müsste Dirk hellhörig werden. Und Rubina wähnt sich in Sicherheit.

    Auch was das mit der Aufführung von Aitana und Co werden soll. Beides spannend.

    Kapitel 26: Gunda bei Nereida

    Gunda dachte schon längst nicht mehr an Fabian, als sie auf dem Weg war. Aber seine Nachricht von Dietmar und Ilka kreiste ständig in ihrem Schädel.

    Sie fuhr einfach weg. Weg von der Tupfe. Weg von dem Ort dieser Nachricht.
    Am liebsten irgendwohin hin und sich verkriechen. Schade, dass Altidantsa Sweliana nicht mehr da war. Die hätte sie bestimmt unter ihre Fittiche genommen.
    Irgendwann erreichte sie den Marktplatz. Da kamen ihr Nereida und Oksana in den Sinn. Die waren doch auch immer verständnisvoll. Vielleicht hören die ihr ja zu und stellen sich auf ihre Seite. Sie brauchte einfach ein paar Verbündete.
    So stellte sie ihr Fahrrad vor deren Haus ab und drückte den Klingelknopf.
    Hoffentlich sind sie da, dachte Gunda traurig.

    "Wer ist da?" hörte sie die blechern klingende Stimme von Nereida aus der Sprechanlage.

    "Gunda."

    "Oh Gundi, komm herauf", hörte sie.

    Gunda öffnete nach dem Summen die Tür, ging die Treppe hoch, Nereida öffnete ihr. Oksana war nicht da, wollte noch etwas besorgen.

    "Hey Gundi, schön, dass du da bist!"
    Die Turnfee tänzelte ein wenig, so wie es ihre Art der Begrüßung war.

    "Hallo Nereida", kam es kraftlos von Gunda.

    "Was ist denn mit dir los, du siehst ja aus wie ein Häuflein Elend."
    Diese für uns wohlbekannte Redewendung hatte sie erst vor ein paar Stunden von Oksana gelernt und nun zum ersten Mal angewendet.
    Nereida verstand zwar die deutsche Sprache, aber mit Redewendungen stand sie regelmäßig auf dem Schlauch.

    "Es geht mir nicht gut, Nereida. Hilf mir bitte. Du bist doch meine R-Wi-Patin, meine Ama."

    Nereida musste innerlich der verzweifelten Person zustimmen. Eine Patin auf R-Wi ist, wie auf der Erde, eine Ersatzmutter oder -vater. Nur wurde das auf R-Wi viel intensiver praktiziert als auf der Erde. Nereidas Beschützerinstinkt wurde geweckt. Sie schaute ihre da-da, also ihr Patenkind an und zog sie in die Wohnung, hin ins Wohnzimmer.
    "Komm mit, Gundi-ke-re-da-da; lasst dich erstmal umarmen."

    Gunda ließ es geschehen. Tränen kullerten ihre Wangen hinab.
    Sie sank auf das Sofa, Nereida setzte sich neben sie.
    Die Turnfee sagte nichts, dachte nichts. Sie umarmte erneut ihre traurige Besucherin und konzentrierte sich auf deren Gedanken.
    So konnte sie Gundas Gefühlslage anhand der Gedanken entschlüsseln, ohne dass ein Wort gesagt wurde.

    "Magst du erzählen, was dich bedrückt?" fragte sie dennoch.

    "Nereida, er hat mich betrogen. Dieser hinterträchtige unharmonische Schuft!"

    "Schuft?"
    Nereida kannte das Wort nicht. Ihre schnelle Nachfrage war ihr im Nachhinein ein wenig unangenehm. Es müsste ein negatives Wort sein.
    Gunda sah drüber hinweg.
    "Na, dieser Übeltäter! Fiesling! Kaltherziger Unharmonisator! Der hat mich betrogen!"

    "Wen meinst du?"

    "Dietmar, mein Arbeitskollege! Mit dieser ... rosa Ilka."
    Gunda fiel es schwer, die zwei nicht wüst zu beschimpfen. Den Namen 'Ilka' sprach sie aber so aus, als ob es was total Ekliges wäre.

    Nereida las fortwährend Gundas Gedanken, nahm sie zur Kenntnis, kommentierte sie jedoch nicht.
    "Woher weißt du das, dass er dich betrogen hat?"

    So langsam taute Gunda auf. Sie erzählte schweren Herzens, was Fabian ihr berichtet hatte.

    Nereida wies sie darauf hin, dass es allerdings sehr wenig Informationen waren, wie dann auch Gunda eingestehen musste.
    Dietmar und Ilka sollen laut Fabian gesagt haben, sie wollten sich einen schönen Nachmittag machen.
    Mehr hatte er nicht von den beiden gehört.

    Nereida klärte Gunda auf, dass das, was dann passiert war, als unsicher zu betrachten sein musste, und Vermutungen sind reine Spekulation.

    In diesem speziellen Fall wusste Nereida aber schon viel mehr, als Gundas Sätze und Gedanken ihr an Informationen vermittelten. Saß sie doch selber vor drei Stunden mit Beata, Oksana und Laila im Eiscafé, als Ilka und Dietmar zu ihrem Tisch kamen. Ihre Beziehungsantenne hatte ihr unmissverständlich mitgeteilt, dass die beiden einander doch recht sympathisch waren. Nereida freute sich sogar darüber.
    Sie behielt das aber für sich, damit Gunda sich nicht noch mehr ärgerte.

    Gunda sah ein, dass sie so nicht weiterkam. Ihr kam ein anderer Vorschlag in den Sinn.
    "Nereida, kannst du denn mal bitte Dietmar so umstimmen, dass er diese Ilka fallen lässt und mich begehrt?"

    Nereidas Lächeln wich kurzzeitig einem Entsetzen. Auf R-Wi wäre Gundas Forderung mit größtem Befremden aufgenommen wurden. Diese Bitte um Manipulation war ein krasser Verstoß gegen die Harmonielehre.
    Nereida war zwar in der Lage, anderen Personen im sichtbaren Umkreis ihre Gedanken per Gedankenübertragung einzuflüstern (das wusste Gunda nicht), durfte das aber offiziell nur, um die Harmonie der betreffenden Person zu stärken. Wenn gleichzeitig anderer Leute Harmonien damit gestört würden, wäre es ihr untersagt.
    Sie fing sich wieder, sah Gunda freundlich, aber bestimmt an und antwortete:
    "Liebe Gunda, was du da von mir verlangst, ist - diplomatisch ausgedrückt - äußerst unharmonisch gegenüber den beiden. Das tue ich einfach nicht, es widerstrebt dem Gedanken der Harmonie zutiefst."

    "Mir gegenüber ist sein Verhalten aber ebenso total unharmonisch! Was soll ich denn tun?"

    Nereida strich sanft über Gundas Schulter. Sie fühlte zweierlei - Gundas Schmerz und Gundas weichen Turnanzug, ließ sich von zweiterem aber nicht ablenken.
    "Ich spüre deine Enttäuschung und es tut mir auch leid für dich. Aber lasse deinen Frust doch nicht an Dietmar oder Ilka aus. Halte dein Herz offen für jemand anderes. Und habe Geduld mit dir. Liebe kann man nicht erzwingen.

    Du bist übrigens nicht allein damit. Ich war auch jahrelang ohne einen Geliebten oder einer Geliebten. Tinaxana Beata zum Beispiel ist immer noch allein. Und in der TuFiTa gibt es noch etliche andere Frauen ohne Partner oder Partnerin."

    "Wirklich? Woher weißt du das?"

    "Ja, ich weiß es, denn ich bin eine R-Wi-a. Oder eine Fee, wie ihr Menschen sagt. Eine Tanzfee und Turnfee."

    Nereida merkte, dass Gunda noch nicht überzeugt war und versuchte sie aufzumuntern.
    "Gundi, die Liebe kommt zu dir, wenn du es am wenigsten erwartest."

    "Und in der Zwischenzeit, was soll ich da machen, ke-re-ama?"

    Nereida lächelte und streckte einladend ihre Hand aus. "Tanze ein wenig mit mir. Deinen schönen Turnanzug hast du ja schon an. Komm Gundi-ke-re-da-da."

    Ihr entwaffnendes Lächeln brachte Gunda dazu, aufzustehen.
    Gemeinsam tanzte sie mit der Turnfee. Nereida hatte es geschafft, sie aufzuheitern.

    Gunda dankte ihr für ihre Anteilnahme, fuhr eine halbe Stunde später zurück nach Hause, mit Nereidas Zusage, wenn es Gunda wieder schlecht ginge, würde sie ihr wieder Beistand geben.

    Danke Nereida, du bist eine echte Fee, dachte sie beim Abschied.

    Die Turnfee vernahm es und zwinkerte aufmunternd mit den Augen.

    Sauber Lycwolf!
    Jedesmal, wenn ich denke, das kann man nicht steigern, belehrst du mich eines Besseren.
    Kap. 4.2 heizt kräftig ein. Verboten gut.
    Und deine Sprache, poetisch-blumig. Kleine Kostproben gefällig? Bitte schön:
    "auf dem zentralen Hügel ihres Südkontinents"
    "als er den festen Höhenmarken einen Besuch abstattete"
    "um wieviel größer der Schwanenhals unter Sibylles Manipulationen noch werden konnte"


    Da gerät die Tatsache, dass ich zu Beginn von Kap. 4.2 tatsächlich Peer Gynts "Morgenstimmung hörte, vollends zur Nebensache.

    Danke Lycwolf.
    Gunda ist schon recht festgefahren in ihrem Denken. Wird Zeit, dass sich das mal ändert. Was wird passieren?
    Ob das auch so nach ihrem Gusto sein wird? Siehe Kapitel 26, noch vor dem 10.10.19.

    Wer hätte das gedacht, dass es so ausgehen würde, mit Dirk und Rubina. Und mit Tobias und Rainer. Atemberaubend.
    Als Ruhepol immer gut geeignet die Episoden mit Sybille und Norman.
    Zwischendurch erfährt man immer irgendwas über Land und Leute.
    Allerdings erscheint mir die Kapitänin ein wenig zu strikt, befehligt sie doch ein Kreuzfahrtschiff, wo es nicht allzu auf Zeit ankommt, und keine Linienfähre.
    Schöne Schilderung. Bin gerne weiter dabei.

    Kapitel 25: Fabians Nachricht

    Sonntag Nachmittag

    Gunda fuhr mit dem Rad spazieren.
    Sie tat es nicht freiwillig, wurde dazu von Ingo und Lisa aufgefordert. Die legten ihr nahe, mal die Stube zu verlassen, um auf andere Gedanken zu kommen. Was sie Gunda nicht verrieten war, dass sie auf Gundas Gejammere zeitweise auch keine Lust mehr hatten.

    Zum Radfahren trug Gunda den dunkelblauen Turnanzug, den ihr Nereida mal getanzt hatte. Der war weich und anschmiegsam, das, was sie gern mochte. Sie hatte Gefallen daran gefunden, den Turnanzug zu tragen; etwas, was noch vor einem halben Jahr für sie undenkbar schien.


    Darüber hatte sie eine schwarze Leggings an, am Kopf das rot-weiße TuFiTa-Stirnband. Sie sah eigentlich recht sportlich aus, allerdings könnte man sie anhand ihrer Kleidung eher einer Gymnastikgruppe zuordnen als dem Radsport.
    Wobei - ihre zusätzlichen Pfunde konnte man schon gut erkennen, dem Turnanzug sei Dank. Sie hatte aber damit gelernt umzugehen, wurde in der TuFiTa freundlich aufgenommen. Nicht mal Silvia lästerte über sie. Nun war auch noch Sandra, ihre Arbeitskollegin, mit in die Gruppe gekommen, die noch stärker bei schick war.

    Das ganze Training in der TuFiTa aber machte aus Gunda noch lange keine Top-Athletin.
    Keuchend mühte sie sich ab. Obertupfingen war alles andere als eine ebene Stadt am Meer; dort gab es viele Hügel, wo sie außer Puste kam. Gruntenhausen, wo sie früher wohnte, lag in einem sehr breiten Tal mit kaum Steigungen.

    Sie fuhr hinab zur Tupfe, konnte sich ein wenig erholen, während sie bergab rollte. Am Fluss lag ein Bootshaus des TSV Obertupfingen und es befanden sich dort ein paar Kanufahrer, die ihre rot-weiß-lackierten Boote an Land zogen. Rot-Weiß waren die Vereinsfarben des TSV.
    Auch Fabian befand sich unter den Sportlern.

    Neugierig näherte sie sich den Aktiven.
    Da wurde sie von Fabian lächelnd erkannt, als er gerade mit einem Kameraden sein Kanu an Land gezogen hatte.
    "Hey Gunda, schön dich zu sehen, wie geht's dir?"

    "Hallo Fabian. Mir geht es gut", beschönigte sie ihr aktuelles Wohlbefinden. Wobei sie sich eingestehen musste, dass das Radfahren die düsteren Gedanken für längere Zeit verdrängt hatten, und ihre Antwort doch ein wenig die Wahrheit einfing.

    Er gesellte sich zu ihr, in seinen schwarzen Leggings, die ein wenig wie Laufhosen aussahen.
    "Freut mich. Du bist ja auch aktiv."

    "Ja, ich bin mit dem Rad unterwegs, um mich fit zu halten", log sie.

    Sie hatte nicht viel für Radfahren übrig, fuhr nur selten im hügeligen Obertupfingen. Dass Ingo und Lisa dahinter standen, verschwieg sie.

    Ebenso ihre verringerte Ausdauer. Ohne das Turnen bei der TuFiTa, dachte sie, würde sie wohl noch viel schneller schlapp machen.

    "Das freut mich zu hören. Komm doch auch mal zu uns, Paddeln macht Spaß und hält auch fit."

    "Och nö, ich komme höchstens 100 Meter weit, dann sind meine Arme lahm."

    "Das ist alles Übungssache. Anfangs paddelst du ja auch langsamer. Außerdem bist du ja nicht allein im Kanu.

    Wir paddeln fast immer zu zweit, ein anderer ist also stets dabei und hilft dir."

    Gunda wollte es nicht, suchte weiter nach Ausreden.
    "Ich weiß nicht, wo Backbord und Steuerbord ist, kann es mir nicht merken."

    Fabian lachte. "Das musst du fürs Kanufahren auch nicht unbedingt wissen. Wir sind hier ja nicht beim Segeln.

    Wenn du es dir aber merken willst, versuche es mal mit dieser Eselsbrücke:

    Steuerbord ist rechts. Das Wort Steuer endet auf den Buchstaben 'r', 'r' wie rechts."

    Fabians Worte 'r' wie rechts hallten in ihr wider. 'R-Wi rechts' verstand Gunda und musste kurz grinsen.
    Sie hatte aber weiterhin keine Lust zum Paddeln. Es fielen ihr jedoch keine guten Argumente mehr ein.
    "Ich glaube, ich bleibe lieber auf dem Festland. Da kann man nicht im Wasser ertrinken."

    Fabian merkte, dass Gunda keine Lust hatte, musste aber grinsen.

    "Ach Gunda. Dann solltest du lieber nie wieder Rad fahren, das ist extrem gefährlich, weißt du das?

    Denn da kannst du ja stürzen oder sogar überfahren werden!"

    Gunda merkte, dass er erfolgreich ihre Argumentation ad absurdum führte.
    "Ja, ja, du hast ja Recht."

    Fabian versuchte sie zu motivieren.
    "Du scheinst einen kraftvollen Körper zu haben. Deine Kraft muss nur geweckt werden."

    "Ich bin nicht kräftig. Woran glaubst du das zu sehen?"

    "An deinem blauen eng anliegenden Turnanzug, der deinen Körper umhüllt. Du machst keinen untrainierten Eindruck."

    Sie zog erstaunt die Augenbrauen hoch. "Echt?"

    "Ja. Ich habe dich bei der TuFiTa gesehen, und du hast bei den Übungen nicht schlapp gemacht.

    Übrigens, dein blauer Turnanzug gefällt mir. Du hattest ihn ja bei der TuFiTa schon angehabt."

    Sie war ein wenig irritiert. Er wusste noch von ihrem Turnanzug?!
    "Danke! Das weißt du noch?"

    "Ja klar. Ich habe doch mit dir zusammen geturnt und dich dabei angesehen. Weißt du das nicht mehr?"

    Sie dachte nach. Erst nach einiger Zeit erinnerte sie sich an ihn. Ja, das stimmte sogar! Sie turnte zwar mit Fabian zusammen, hatte auch ihren blauen Turnanzug an, aber sie sah nur zu Dietmar. Ihren Turnpartner hatte sie komplett ausgeblendet. Oder einfach drüber hinweggesehen. Fabian war ja kleiner als sie.
    "Doch, doch. Das stimmt", gab sie zu.

    "Du bist kräftig, und ich finde, du solltest mal mit uns mitpaddeln. Gib dir mal einen Ruck."

    "Aber das ist doch langweilig. Immer nur uninteressante Bäume und Büsche am Ufer."

    "Da irrst du. Obertupfingen hat auch schöne Ecken, vom Wasser aus betrachtet. Die Mühle, die Beethovenbrücke, der Friedensplatz und die Kirche, nebenan das Eiscafé Thomsen mit seinem großen Biergarten mit den vielen Leuten, direkt am Fluss. Einmaliger Ausblick."

    "Und hast du denn da heute irgendetwas besonderes gesehen?" fragte sie eher lustlos.

    "Ja, am Eiscafé Thomsen. Sogar zwei Leute, die du kennst."

    "Wen denn?"

    "Dietmar und Ilka, von der TuFiTa."

    Als Fabian diese Namen erwähnte, dachte Gunda, sie träfe ein heftiger Schlag.
    Ihre schlechte Laune meldete sich prompt wieder. Emotionslos, aber neugierig fragte sie:
    "Was haben die gemacht?"

    "Die beiden hatten mich gesehen und winkten. Wir haben dann miteinander aus der Ferne gesprochen, ganz kurz allerdings.

    Beide saßen im Eiscafé zusammen an einem Tisch. Sie sagten, sie wollten sich einen schönen Nachmittag machen.

    Ich konnte noch zum Abschied sagen, genießt den schönen Sonntag, dann war ich mit den anderen Paddlern auch schon vorbei gefahren."

    Dietmar, also ihr Dietmar, und diese blöde Ilka saßen zusammen an einem Tisch! Und dann wollten die sich auch noch einen schönen Nachmittag machen?!
    Gunda war entsetzt. Gut, dass sie da nicht anwesend war. Auf diese Begegnung hätte sie liebend gern verzichten können. Also noch ein weiterer Grund, nicht zu paddeln.

    "Na gut, dann will ich mal wieder weiter. Tschüss", beendete sie kurzerhand das Gespräch.

    "Ja, tschüss Gunda, machs gut. Bis zum nächsten Mittwoch in der TuFiTa. Vielleicht kommst du eines Tages ja mal mit zum Paddeln."

    Sie erwiderte nichts, dachte nur 'Bloß nicht', drehte sich um und fuhr geladen davon.
    Ihr Gesicht lag in Zornesfalten. Na warte Dietmar, wenn ich dich morgen in der Firma sehe, dann garantiere ich für nichts mehr!

    Fabian sah ihr hinterher.
    Sie muss wohl nicht gut auf die zwei zu sprechen sein. Vielleicht Eifersucht?, kombinierte er richtig.

    Ach Gunda. Wenn er an sie dachte, fühlte er sich ein wenig zu ihr hinzugezogen; ihm wurde erneut klar, dass er sie mochte. Dasselbe Gefühl hatte er schon am Mittwoch Abend in der TuFiTa gehabt. Und ihr blauer Turnanzug fühlte sich auch gut an.

    Sein Versuch, sie heute zu überreden, mal mit ihm und den anderen zusammen Kanu zu fahren, war leider gescheitert.
    Oder lag es im Endeffekt vielleicht daran, dass er fast zehn Zentimeter kleiner als Gunda war, und alle seine guten Argumente wegen seiner geringeren Körpergröße an Gunda abprallten?
    Dass er ihr einfach zu klein war, um bemerkt oder für voll genommen zu werden?

    Schade eigentlich, dass sie so ist, wie sie ist, seufzte er.
    Naja, irgendwann finde ich meine Richtige, und Gunda ihren Richtigen, dachte er, und wandte sich wieder seinen Kameraden zu.

    Oh, ich habe mich ein wenig verspätet, musste mit einigen Widrigkeiten kämpfen, aber noch heute gibt es was Neues aus Staffel 2.


    Die Kapitel Nerdbecher, Dr Lycra, Nebenzimmer und Bei Ilka spielen alle am Sonntag.

    Das folgende Kapitel 25, Fabians Nachricht, ebenso.


    Viel Spaß damit.