Beiträge von Desi

    Kapitel 44: Der Luxusboy

    Nach dem Tanzen führte die TuFiTa unter der Anleitung von Co-Trainerin Christina ein paar Turnübungen zur Kräftigung der Muskulatur durch.
    Christina trug ihren auberginefarbenen Turnanzug, der im Hallendeckenlicht glänzte. Ingo fühlte sich von dem Glanz angezogen, was zum Glück aber von Lisas Attraktivität übertroffen wurde. Und von der Anziehung ihres Samtturnanzugs mit den Glitzerärmeln.

    Christina nahm sich Nereida als Turnpartnerin. Beata stand daneben, erklärte den anderen die Übung.
    Beide stellten sich mit einem Meter Abstand gegenüber auf, beugten sich ein wenig vor. Nur ihre Handteller und Finger hatten miteinander Kontakt, damit sie nicht umfielen. Ihre Körper blieben von Füßen bis Schultern gestreckt wie ein Brett, die Füße blieben die ganze Zeit fest auf dem Boden stehen.
    Nun hatten beide die Aufgabe, den einen Arm nach vorne, gleichzeitig den anderen Arm nach hinten zu bewegen, ohne umzufallen.

    Als Verschärfung hielten beide die Arme und Hände still, so dass sie von der Seite wie zwei aneinander gelehnte Bretter aussahen.

    Sehr grazil machten das die beiden.
    "Und immer schön lächeln", rief Dirk kühl grinsend, aber es war doch eher herablassend gemeint. Christina und Nereida lächelten auch.

    Aber viele, unter anderem Beata, erkannten sein überhebliches, selbstgefälliges Getue, was ihnen sichtlich zuwider war.

    "Ja, lächeln ist wichtig", bestätigte Beata. "Komm mal her, Dirk, wir machen es den anderen auch mal vor. Wir wollen dich lächeln sehen."

    Nun lächelten alle, bis auf Dirk.
    "Muss das sein? Das sieht mir nach einer billigen Pillepalle-Übung aus. Da passiert doch nichts."

    Beata war leicht verärgert, sie zeigte es aber nicht direkt.
    "Pillepalle? Billig? Passiert nichts? Komm mal her, ke-re-bru, diese Übung ist kein Ponyhof", erwiderte sie; ein Plan keimte in ihr. Wer sie und ihre Trainingsmethoden hochmütig abwertete oder sonstwie in Frage stellte, musste sich auf was gefasst machen. Da drang die Tabea in ihr deutlich in den Vordergrund.

    Die andern lachten, applaudierten, als er näher kam.

    Mehr unwillig als begeistert kam er in seiner Luxusleggings auf Beata zu, stellte sich vor einen Meter vor sie. Beide beugten sich vor, ihre Hände berührten einander. Von ihm unbemerkt vergrößerte sie den Abstand voneinander ein wenig, was die Übung schwieriger gestaltete.
    Nun könnte man meinen, dass die kleinere Trainerin vor dem Hünen einknicken würde, aber nichts derlei geschah. Noch lächelte er, begann aber schon zu keuchen.
    Beata hielt dagegen, als wenn nichts wäre; mehr noch, sie war sogar noch imstande, ruhig zu sprechen: "Halten, schön halten, weiter immer schön halten bei dieser 'billigen' Übung. Und stets lächeln, Dirk, wie du eben sagtest."

    Sie verlängerte den Hebelarm, indem sie noch ein wenig mehr zurücktrat. Sein Gesicht verzerrte sich, was man beim besten Willen nicht mehr als Lächeln interpretieren konnte, sehr zur Freude von Silvia, Marion, Femke und Ute.
    "Ist doch bloß Pillepalle, also lächle", meinte sie sarkastisch. Sie war überzeugt, dass ihm hier nicht mit Harmoniesprache beizukommen war.

    Silvia nahm es wohlwollend zur Kenntnis. Sie sowie Marion, Ute und Femke genossen diesen Moment, wie fast die ganze TuFiTa.

    Dirks nun aufkommende finstere abwertende Gedanken drehten sich um Frauen und waren keinesfalls nett. Die R-Wi-a Beata bekam alles mit. Daher verschärfte sie die Übung noch ein wenig mehr.
    Sie ging natürlich nicht direkt auf seine Gedanken ein, hatte aber einen Rat parat. Mit immer noch ruhiger Stimme sprach sie:
    "Am Tag, als du in die TuFiTa kamst, sagtest du, du wolltest fit werden. Betrachte diese Übung hier als eine Methode auf deinem Weg dahin. Übe weiter. Und vergiss nicht zu lächeln. Besonders nicht bei billigen Pillepalle-Übungen wie dieser."

    Er stöhnte, konnte nicht mehr, brach die Übung ab, grummelte etwas Unverständliches in seinen nicht vorhandenen Bart und wandte sich von ihr ab.
    Die anderen feixten und grinsten, "Bea-Bea-Bea"-Rufe erklangen.

    "Danke. Damit ihr mal seht, wie es auch anders gehen kann, mache ich dieselbe Übung noch mal, mit einem trainierten Partner. Komm mal her, Fabian!"

    Fabian, seines Zeichens Rudertrainer, kam auf sie zu, grinste.

    "Schaut her", forderte sie die TuFiTa auf.

    Beata und Fabian stellten sich noch etwas weiter voneinander auf als vorher Beata mit Dirk. Und siehe da, die beiden konnten es mit Bravour.

    Fabian hörte nicht auf zu lächeln, genau wie Beata.

    "Na Bea, noch weiter voneinander weg?" schlug er nach einer halben Minute vor.

    Sie nickte. Die TuFiTa staunte, als die beiden noch ein wenig den Abstand vergrößerten. Dirk litt bereits, auch wenn er das nur ansehen musste.


    Gunda machte große Augen. Wie elektrisiert beobachtete sie Beata und den muskulösen Ruderer. Ihre Bewunderung stieg von Sekunde zu Sekunde. Und Fabians geringere Körpergröße schien ihr immer nebensächlicher zu sein.
    Beide vergrößerten den Abstand noch mehr.

    Eine Minute später später musste Beata doch leise zugeben:
    "O.K. Fabi, lass gut sein, ich konnte mich davon überzeugen, dass es doch noch kräftigere Leute als mich gibt. Ihr Ruderer habt die größere Armkraft."

    Er wollte sie aber nicht im schlechten Licht stehen lassen, flüsterte ihr zu.
    "Das mag sein, dafür kann ich keinen Handstand turnen, im Gegensatz zu dir, Bea."

    Da lächelte Beata wieder. "Auch das können wir ändern."

    Er schubste sie in den senkrechten Stand, wo sie verschnaufte. Die beiden bekamen großen Applaus.

    "Nun seid ihr dran. Abstand voneinander allerhöchstens halb so viel wie bei Fabian und mir eben. Eher höchstens einen Meter wie bei mir und Dirk."
    Und zu Gunda gewandt mit einem verschmitzten Unterton: "Gundi, sei dir sicher, Fabian wird dich halten und nicht fallen lassen."

    Gunda errötete, lächelte Beata und dann Fabian an. Die TuFiTa begann, die Übung nachzuturnen.

    Fabian und Gunda machten es ebenfalls nach. Sie fühlte sich nun sicher, lächelte ihn an.
    Er zwinkerte zurück. Lange schauten sie einander an, spürten ein wohliges Gefühl.
    Einen Moment passte sie nicht auf, hörte sie auf zu drücken, da fiel sie ihm entgegen!
    Er reagierte blitzschnell und fing sie auf, bevor sie ganz umfallen konnte.
    Gunda ließ es geschehen. Sie fühlte sich da zum ersten Mal seit langem (von Nereidas Tröstungen mal abgesehen) so richtig geborgen, in Fabians Armen.

    Fabian spürte den Stoff von Gundas weichem Turnanzug. So schön.

    Und zum ersten Mal war es nicht Gunda, die die Umarmung zuerst lösen wollte.
    "Oh Entschuldigung, Fabi", sagte sie, als sie es merkte.

    Fabi? dachte er. Hatte sie eben wirklich 'Fabi' gesagt?
    Er glaubte zu träumen.

    "Alles in Ordnung. Macht nichts, Gunda", antwortete er so gefasst wie er konnte.
    "Möchtest du weiter mit mir turnen?"

    "Oh ja!"
    Und Dietmar? Der war komplett aus ihren Gedanken verschwunden.

    Dietmar bekam Fabians Frage mit. Die Kursänderung des Riesencontainerschiffs ist kurz vorm Abschluss auf die neue Zielpeilung, dachte er.

    "Oh Fabi, nenn mich Gundi, bitte", bat es.

    "Gerne, Gundi, alles klar", antwortete die Zielpeilung Foxtrot Alfa Bravo India Alfa November.

    Kurs liegt an, auf neue Zielpeilung, dachte Dietmar grinsend, und widmete sich gelassen und zufrieden wieder Laila und Ilka.

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    Dirk hatte mit Kerstin weniger Glück. Sie wich seinen Blicken öfter aus.
    Seinen großspurigen Kommentaren begegnete sie meist mit einsilbigen hastig herausgeschleuderten Worten, so dass kein wirkliches Gespräch entstand.
    Es ärgerte ihn, dass sie sich so zierte. Dass er daran großen Anteil hatte, kam ihn nicht in den Sinn.

    Das neue Dreierpärchen probierte eine Sonderform der Übung aus.
    Laila und Ilka standen nebeneinander, und Dietmar gegenüber von den beiden.
    Die Frauen streckten je eine Hand nach vorne aus, und Dietmar berührte sie mit seinen Händen.
    Mit ihrer freien Hand fassten sich Ilka und Laila gegenseitig an, ließen einen Jauchzer hören, und kicherten dabei.

    Andere grinsten auch.

    "Würde das Triumvirat mal ernster bei der Sache sein? Ist ja nicht auszuhalten."
    ermahnte der Luxusboy in seinem Ärger die LIDILDis.

    Ilka und Laila sowie die anderen wussten spontan erst mal nichts zu sagen.

    Dietmar trat auf den Plan.
    "Und würde Herr von und zu Wolkenheim-Butterfeld mal nachdenken, bevor er ein Fremdwort benutzt?"

    "Wie bitte?"

    "Triumvirat. Kommt aus dem Lateinischen und bedeutet 'Drei Männer'. Also ein Drei-Männer-Bund. Was nur für ein Drittel, also mich, hier zutrifft, aber nicht auf Ilka und Laila."

    Dem Luxusboy fiel dazu nichts ein. Dafür lachten Ilka, Laila, Silvia, Ute und Marion.

    Ilka freute sich, fügte hinzu: "Und wir brauchen keine Spaßbremsen, wir wollen nicht ernst bleiben. Das Leben ist schöner, wenn man Spaß hat."

    Einige applaudierten.

    "Genau", schaltete Bea sich ins Gespräch ein, "Dritte Stufe der Harmonie."

    Oh Mann, Tabea kann echt nicht ohne ihren Esoterik-Krams leben, dachte Silvia kurzfristig.

    Dirk wollte was sagen, als Ute fröhlich antwortete:
    "Es ist gut, Spaß zu haben. Es müssen ja nicht alle so bierernst durchs Leben schreiten wie du."

    "Denn das wirkt sich auf deine Umgebung aus", fügte Laila hinzu.

    "Und glaube ja nicht, dass du bei Kerstin landen wirst, so, wie du dich hier benimmst", kam es düster und direkt von Marion.

    "Das kannst du gar nicht beurteilen. Frag sie doch selbst."

    Währenddessen wandte sich Kerstin von Dirk ab und trat hinter Marion und Ute.

    Marion blickte ihn ernst an. "Ich brauche sie gar nicht erst zu fragen, das erkennt man auch so."

    "Glasklar zu sehen", bestätigte Ute.

    "Danke Marion und Ute", wisperte Kerstin den beiden zu.

    "Gern geschehen", raunten die zurück.

    Christina ging dazwischen.
    "Nun behaltet eure Meinungsverschiedenheiten mal für euch und klärt das nach Ende unserer Stunde. Und du Dirk, suche dir jemand anderes für die nächste Übung aus. Wir machen gleich mit der nächsten Kräftigungsübung weiter."

    Er machte sich grummelnd auf die Suche. Aber irgendwie war keiner bereit dazu...

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    Unvermutet ging die Tür auf. Annika vom Vereinsvorstand trat herein, sah sichtlich grimmig aus.
    "Bea, Christina, habt ihr mal ganz kurz Zeit?"
    Die Trainerin und die Co-Trainerin wandten sich ihr zu, die drei sprachen für einen Moment leise miteinander.

    "Kommt alle kurz mal her", rief Beata die TuFiTa zu sich, sprach dann, als alle da waren, zu Annika. "Bitte, Annika."

    "Danke. Hallo liebe TuFiTa, entschuldigt bitte, dass ich störe. Es gibt einen unschönen Anlass.
    Wer von euch parkt seinen Wagen auf dem Behindertenparkplatz bei der Halle?"

    Niemand antwortete.

    Annika versuchte es anders:
    "Hm... oder wisst ihr, wem der silberfarbene Mercedes mit dem Kennzeichen DAW-WB 45 gehört?"

    Einen Moment lang sagte wieder niemand etwas.

    Silvia, Ute, Marion und Femke begannen zu grinsen.

    Nun kriegt er endlich sein Fett weg, dafür werde ich sorgen, dachte Silvia zynisch lächelnd.
    Sie antwortete also laut und deutlich: "Ich weiß es genau, Annika."

    Eine Person begann, sich unwohl zu fühlen.

    Ute, grinsend: "Ich auch."

    Femke: "Und ich auch."

    Marion: "Dito."

    "Und wer ist es?" fragte Annika die vier.

    Silvia, Ute, Femke und Marion zeigten synchron mit ausgestreckter Hand auf einen groß gewachsenen Mann in Luxuskleidung.

    Femke antwortete süffisant, jedes Wort klar betonend: "Der da ist es. Der Fahrer des Benz ist Dirk Albrecht Wilhelm von Wolkenheim-Butterfeld."
    Die vier Frauen und Kerstin kosteten diesen Moment genüsslich aus.

    Mit einem Blick, der dicke Stahlwände mühelos hätte durchbohren können, fragte Annika Dirk: "Gehört Ihnen der Wagen?"

    Dutzende Gedanken gingen durch Dirks Schädel.
    Leugnen, Abstreiten? Oder doch zugeben? Verflixt, jetzt haben diese dummen blöden Trullas das gemerkt.
    Er fand keine Entscheidung und blieb vorerst stumm.

    Beata konzentrierte sich auf ihn, las seine Gedanken, erkannte, dass die vier Frauen Recht hatten.

    Ernst fuhr Annika fort: "Wenn ja, entfernen Sie schleunigst Ihr Fahrzeug, andernfalls werden wir rechtliche Maßnahmen ergreifen."

    "Welche wären das?" fragte Ute interessiert.

    "Ein Bußgeld von derzeit 35 Euro meine ich, oder Abschleppen. Das wird dann noch teurer."

    Beata schaute den Parksünder besorgt an: "Tue, was Annika sagt. Fahr deinen Wagen weg, Dirk. Bewahre die Harmonie. Mach keinen Ärger mehr."

    Dirk nickte kaum wahrnehmbar, zögerte aber.

    Annika, weniger verständnisvoll als Beata, sah ihn durchdringend an.
    "Hey Sie, ich gebe Ihnen zehn Minuten, Ihr Fahrzeug zu entfernen, andernfalls passiert das, was ich eben angedroht habe. Und im Wiederholungsfalle gibt es kein Pardon mehr."
    Sie schaute auf die Uhr. "Zeit läuft!"

    Unter dem Gejohle der anderen lief er los.
    "Mach keinen Ärger mehr, wie Beata sagt! Hau ab, wie Annika sagt!", rief Marion laut hinterher.

    "..und komm am besten nie wieder!" ergänzte Kerstin, nicht minder laut. Einige applaudierten ihr.

    Er verschwand eilig wie ein geprügelter Hund in die Umkleidekabine, Annika begab sich langsam zum Parkplatz und wartete dort.

    Der Luxusboy zog sich im Rekordtempo um, eilte zu seinem Wagen.
    Dort musste er von anderen anwesenden Vereinsmitgliedern weitere wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen.
    Dass es fotografisch und filmisch dokumentiert wurde, nahm er gar nicht mehr wahr.
    Zornig verließ er den Sportplatz, und kurz darauf Obertupfingen.

    Beim nächsten Mal werden die mich kennen lernen, besonders Kerstin und Marion, dachte er verärgert.

    "Neun Minuten 40 Sekunden", sagte Annika mit Blick auf ihre Uhr, als er den Parkplatz verließ.
    "Glück gehabt."

    Kapitel 43: TuFiTa 3 oder Die Kursänderung

    Mittwoch Abend.

    Fabian war als erster in der Umkleide, hatte seine Leggings an, als Dietmar erschien.
    Dirk, der Luxusboy, war schon in der Halle. Er legte wenig Wert darauf, Dietmar in pinken Klamotten zu sehen. Und noch weniger, mit ihm reden zu müssen. Deshalb beeilte er sich immer, in die Halle zu kommen. Dietmar störte das nicht, im Gegenteil.

    Die beiden begrüßten einander, sprachen über ihr kurzes Treffen am Sonntag im Park.

    Fabian ließ es keine Ruhe.
    "Darf ich dich mal was im Vertrauen fragen, Dietmar?"

    "Ja, klar, Fabian, schieß los."

    "Was ist eigentlich mit dir und Gunda, ist da was?"

    "Mit Gunda? Nein, da ist nichts, gar nichts. Sie ist meine Arbeitskollegin, mehr nicht. Wieso fragst du?"

    "Am Sonntag war ich ja, wie du weißt, mit meinem Kanu in der Kanutenbucht, hatte Gunda mitgenommen. Da merkte ich, dass Gunda, eben noch fröhlich, auf einmal wie versteinert da saß, als sie dich da im Park sah."

    "Anscheinend himmelt sie mich an, aber da ist nichts. Von mir kommt da nichts, ich habe keine Gefühle für sie. Mein Privatleben ist zugegebenerweise ein wenig kompliziert, aber Gunda kommt nicht darin vor. Sie hat mich wohl mit Ilka zusammen gesehen, als ich mit Ilka bei euch Kanuten vorbei ging. Gunda scheint das nicht kapieren oder akzeptieren zu wollen, dass Ilka nun mit mir geht. Das ist schon alles.

    Hast du denn was mit Gunda?"

    Fabian schluckte. "Ich glaube, ich habe mich in sie verguckt."

    Dietmar lächelte, zog seine rosa Sport-Leggings an.
    "Herzlichen Glückwunsch, Fabian, das höre ich gern. Wirklich. Wenn du sie erobern kannst, nimm sie, nimm sie auf der Stelle, ich bin froh über deine Äußerung, bin voll auf deiner Seite; Gunda ist aber alles andere als leicht zu nehmen."

    "Das habe ich gemerkt. Weißt du, wie sie tickt?"

    "Sie ist eine, die sich auf eine Sache oder auf eine Liebe versteifen kann, und ist nur schwer davon abzubringen, selbst wenn alles dagegen spricht. Siehe ihre Anhimmelei für mich.
    Gunda verhält sich im übertragenen Sinne wie ein Riesencontainerschiff. Bis so ein Koloss den Kurs geändert hat, kann es recht lange dauern.
    Du kannst dich natürlich an sie direkt wenden und mit ihr sprechen; oder wenn sie dir unnahbar erscheint oder es dir schwer fällt, dann an Personen, denen sie vertraut. Vielleicht haben die eine Idee."

    "Da fällt mir Ingo ein, der ist doch ihr Bruder."

    "Das stimmt, allerdings würde ich ihn nicht fragen, er scheint mir zu wenig Einfluss auf sie zu haben. Frag lieber eine Frau."

    "Welche Frau denn?"

    "Sie kann gut mit Lisa, Ingos Verlobte, das ist die eine mit den blauen Augen.
    Und sie scheint auch Vertrauen zu Nereida zu haben, eine der Trainerinnen.
    Das ist die mit den schwarzen Augen, die meist den schwarzen Turnanzug mit dem Strassdekolleté trägt, die Schwester von Beata. Nereida ist die etwa 30-jährige mit dem unerschütterlichen Optimismus, die ständig Tänzelnde, die sich meist mit Leuten umgibt. Sie erscheint mir aber ehrlich gesagt manchmal ein wenig übersinnlich, verrückt und abgedreht. Allerdings scheint sie eine große Menschenkenntnis zu haben. Frag doch Nereida."

    "Ah ja, vielen Dank, ich weiß wieder, wen du meinst."

    "Und nochmal für dich zur Beruhigung: Ich empfinde nichts für Gunda, die Bahn ist frei, von meiner Warte aus."

    "Danke. Danke, dass du so offen mit mir gesprochen hast."

    "Nichts zu danken. Übrigens, Fabian, ich werde in der Halle gleich was tun, um deine Chancen auf Gunda zu erhöhen. Und gleichzeitig meine Chancen zu vermindern. Davon sollten wir beide profitieren."

    "Darauf bin ich mal gespannt."

    "Ich auch. Erschrick nicht, wenn es dir etwas drastisch erscheinen wird, aber anders wird sie das wohl nicht mehr lernen.
    Wenn du es dann schaffst, von Gundas Radar erfasst zu werden, hast du meinen vollen Respekt! Mach ihr Komplimente, vielleicht klappt das. Viel Erfolg."

    "Danke."

    Beide verließen den Umkleideraum und betraten die Halle.



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    Die Gruppe stand locker im Raum, die Mitglieder plauderten noch miteinander, bevor es los ging.

    Dietmar umarmte nacheinander Ilka und Laila, ohne Aufsehen zu erregen. Die drei freuten sich, (wieder) zusammen zu sein.
    Sie hatten sich am Vorabend bei Ilka noch überlegt, wie sie der TuFiTa ihre neue partnerschaftliche Situation darstellen wollten. Dietmar erklärte Laila und Ilka sein Vorhaben bezüglich Fabian.
    Die beiden nickten, grinsten und stellten sich links und rechts von ihm hin.

    Er dachte grinsend: So, wie versprochen werde ich, werden wir nun etwas tun, ein deutliches Zeichen setzen, um es allen zu zeigen. Um SIE dauerhaft von mir abzubringen. Und um für Fabian den Weg frei zu machen.

    "Gunda!" rief er laut.
    Damit erreichte er, dass er nicht nur die Aufmerksamkeit von Gunda, sondern auch vom Rest der TuFiTa bekam, und alle zu ihm, zu Laila und zu Ilka schauten.
    Seine Freundinnen drehten sich zu ihm hin und küssten ihn von links und rechts mehrere Sekunden lang auf die Wange. Dabei umarmte er beide. Wie gebannt schauten die TuFiTas zu ihnen.
    Dann küsste er erst Ilka, dann Laila für ein paar Sekunden frontal auf den Mund, ging einen Schritt zurück.
    Zuletzt küssten einander Ilka und Laila kurz, aber leidenschaftlich.
    Die drei schauten anschließend wieder in die Menge und riefen: "Wir sind dreisam. Wir sind LIDILD!"

    Applaus brauste auf; Silvia, Ute, Femke und Marion johlten.

    "Ey, nobel, Dietmar, gleich zwei! Man gönnt sich ja sonst nichts!", strahlte Silvia.

    Ute griente: "Sauber, ihr habt einen doppelten, ach was, einen dreifachen Hauptgewinn eingefahren! Ihr Glückspilze der Woche!"

    Marion spürte das enge Band zwischen den dreien: "Hut ab! Deutlicher geht's nicht! Mit euch ist das Dreieck nun salonfähig!"

    Spontan ging Silvia auf die drei zu und beglückwünschte sie. Ute, Femke und Marion taten es ihr nach.
    Auch die meisten anderen von der TuFiTa waren zwar überrascht, aber dennoch begeistert.

    Bis auf Gunda. Die stand da wie betäubt, dachte:
    Dieser gemeine Kerl! Hat sogar zwei Flammen! Eine Dreierliebschaft! Und so einem Windhund bin ich nachgerannt, ich Dödel! Der ist bei mir unten durch, für alle Zeiten! Mich so bloßzustellen vor der ganzen Gruppe!
    Oh je, morgen in der Firma sehe ich ihn ja wieder, würg! Ach, da rede ich mit ihm nur noch über Dienstliches. Das hat er nun davon!
    Und was soll ich von Laila und Ilka halten? Hm. Laila war ja ganz in Ordnung, bei der Harmunde hatte sie sich sympathisch verhalten; aber Ilka? Heimtückisches rosa Weibsbild, pah! Womöglich hat diese Trulla die beiden anderen verführt! Ich werde mich künftig nicht mehr mit ihr abgeben und sie einfach ignorieren.


    Zumindest Dietmars Ziel dieser Aktion war erreicht: Er war von diesem Zeitpunkt an von Gunda als potentieller Liebhaber definitiv gestrichen, in ihrer Gunst stark gefallen.

    Nereida und Beata freuten sich auch für die drei. Ihre Freude war aber verhalten, spürten sie doch deutlich die Unharmonie von besonders Dietmar und Ilka gegenüber Gunda.

    Dirk der Luxusboy schaute auch ein wenig sparsam. Dieser Dietmar hatte gleich zwei abgegriffen?
    Er hatte ja immerhin eine gefunden, namens Kerstin. Die brauchte er nur ein wenig zu beackern, dann würde sie ihm schon folgen.
    Was ihm entging war, dass Kerstin immer weniger Lust auf seine schmierige Art hatte und nur widerwillig mit ihm turnte oder tanzte.

    Die Aufmerksamkeit auf Dietmar, Ilka und Laila flaute wieder ab, Christina, Oksana und Beata besprachen noch schnell den Plan für die Stunde.

    Gunda ging derweil frustriert hin zur Turnfee.
    "Du Nereida, ich fand das jetzt echt blöd von Dietmar."

    "Ja, es war nicht schön von ihm, so vorgeführt zu werden. Das gehört sich nicht. Darum habe ich auch nicht applaudiert.
    Denke aber an meine Worte, ich hatte dir schon mal empfohlen, von Dietmar und Ilka abzusehen. Und, wie ich schon vorgestern bei der Harmunde sagte, du findest einen Weg aus deinen Sorgen. Du bist Gunda Modina, denke an deinen R-Wi-Namen, Gunda die Mutige."

    Gunda seufzte.
    "Du hast ja Recht."

    Nereida nahm Gunda in den Arm. Währenddessen lauschte sie angestrengt.
    "Dein Glück ist nicht mehr weit entfernt, ich spüre es gerade ganz deutlich."

    "Woher weißt du das?"

    "Ich bin eine R-Wi-a, eine Fee, ke-re-da-da. Ich nehme meine Umwelt mit mehreren Sinnen wahr."

    Weil Gunda noch nicht überzeugt schien, schob Nereida hinterher:
    "Kopf hoch, ich zähle auf dich, liebe Gunda Modina. Du wirst deinen mutigen Weg gehen. Und der wird gut sein. Denke positiv.
    Wenn du mich nun bitte entschuldigen würdest."



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    'Mein Privatleben ist ein wenig kompliziert.'
    Fabian musste grinsen, als ihm Dietmars Satz wieder in den Sinn kam. Er fand es zwar nicht schön von Dietmar, Gunda so zu brüskieren.
    Allerdings musste er im Stillen zugeben, dass Dietmar ihm damit zu mehr Chancen auf die stämmige Turnerin in ihrem blauen Turnanzug verhalf. Heimlich zwinkerte er Dietmar zu, der es erwiderte.

    Nun wollte er sich die von Dietmar empfohlene Unterstützung holen.
    Fabian hatte vergessen, wer von den Turnerinnen Lisa war, aber an die Beschreibung von Nereida erinnerte er sich noch gut.

    Wie von Dietmar vermutet, war die Turnfee wieder in ihrem Markenzeichen, dem schwarzen Nereida-III, unterwegs. Sie tänzelte hier und da, plauderte mit den Leuten, war unabkömmlich, alle wollten was von ihr, wie es schien. Er sah, dass Gunda mit ihr sprach, die recht niedergeschlagen aussah. Sollte er einfach mal zu den beiden hin gehen? Ach nein. Er wollte nicht stören. Lieber warten, bis Nereida Zeit hat.
    Fabian war sich unsicher, wie er an Nereida herankommen sollte. Da war er eher schüchtern. Vielleicht doch eher mit Lisa sprechen? Aber wer war noch mal Lisa? Blauäugige gab es hier mehrere...

    Ohne jegliche Hoffnung auf Erhörung schaute er resignierend die Turnfee aus fünf Metern Entfernung an, als sie mit Gunda sprach, sie umarmte und er dachte an sie: Nereida, komm doch bitte mal und hilf mir.

    Etwas Seltsames geschah.
    Kaum hatte er das gedacht, bat Nereida Gunda um Entschuldigung, wandte sich von ihr weg. Nereida schaute ihn an, ging zu ihm hin und lächelte. "Hallo Fabian, schön, dass du da bist. Wie geht's dir?"

    Seine Kinnlade fiel ihm herunter. Er war höchst verblüfft, konnte anfangs nichts sagen. Seine Gedanken liefen auf Hochtouren.
    Er dachte: War das ein Zufall? Woher wusste sie, dass ich an sie gedacht hatte? War sie wirklich übersinnlich? Was soll ich denn nun sagen? Sollte ich ihr einfach so gestehen, dass ich in Gunda verliebt bin? Sollte ich sie fragen, wie ich es wohl anstellen könnte, an Gundas Herz heranzukommen?

    Er konnte nicht wissen, dass Nereida eine R-Wi-a war, sie seinen gedanklichen Ruf gehört hatte und nun alle seine Gedanken las.

    Sie wiederum dachte: Oh wie schön! Vor kurzem erst habe ich mit Gundi über die Liebe gesprochen, und nun ist jemand da für sie! Hatte ich doch Recht gehabt, als ich letzten Mittwoch Gundi und Fabian zusammen habe turnen sehen, und Fabian sie öfter angeguckt hatte. Fabian ist verliebt in sie, das habe ich doch damals schon gespürt!

    Schade, dass ich nicht letztens schon seine Gedanken lesen konnte, da ich von anderen Sachen abgelenkt war.

    Er dachte daran, dass er ja sagen sollte, wie es ihm ginge. "Hallo Nereida, danke. Mir geht es, ja, ähm..."

    "Komm mal mit, Fabian", forderte sie ihn auf. Sie führte ihn ein paar Meter von den anderen weg.
    "Du hast was auf dem Herzen, ich spüre das."

    "Es ist so schwierig." Er konnte irgendwie nicht darüber reden, dachte alles mögliche. Konnte er ihr vertrauen? Wie sollte er beginnen?

    Nereida bekam alles mit. Sie wusste somit Bescheid, bevor er von seinem Anliegen auch nur ein einziges Wort gesagt hatte.
    "Du kannst frei über alles sprechen. Ich helfe dir."

    Ihr mitfühlender Blick gab ihm Mut. Fabian fasste sich ein Herz, er beugte sich zu ihr hin, sprach hastig im Flüsterton:

    "Nereida, ich habe ein Problem. Ich bin verliebt. Sie ist auch hier. Sie beachtet mich nicht. Ich weiß nicht, wie an sie heranzukommen ist. Ich habe schon so viel probiert."

    "Beata wird euch gleich den neuen Zweiertanz beibringen, ich helfe ihr dabei. Gehe jetzt zu deiner Angebeteten, fordere sie auf, mit dir zu tanzen. Denke positiv. Sage dir: Ich werde mit ihr tanzen. Alles weitere liegt in deinen Händen. Keine Angst, das klappt schon. Immer schön positiv denken."

    Die Turnfee lächelte ihn aufmunternd an, wandte sich dann ihrer Schwester zu.

    Dietmar muss Recht haben, sie erscheint mir nun auch übersinnlich, dachte Fabian erstaunt.



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    "Nereida und ich bringen euch nun einen neuen Tanz bei. Es ist ein Zweiertanz, es tun sich immer zwei zusammen", rief Beata laut.

    "Darum nennt man es auch Zweiertanz und nicht etwa Dreiertanz", alberte Ute.

    "Stimmt. Weißt du, ich plädiere mal für einen Dreiertanz, Ute", schlug Dietmar ihr vor. Laila und Ilka waren auch dafür.

    "Ja, wahrhaftig, wo ihr drei das sagt. Würde für euch ja bestens passen. Müssen wir mal Bea vorschlagen."

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    Fabian steuerte mit seinem nicht gerade üppig ausgestatteten Selbstvertrauen wie in Trance direkt auf Gunda zu.
    Ich soll positiv denken. Ich will mit ihr tanzen. Das wird klappen, redete er sich ein.

    Wieder geschah etwas Seltsames. Gunda suchte sich keinen anderen aus. Sie ließ Ingo, Dietmar, Dirk den Luxusboy und die ganzen Frauen links liegen, hielt Ausschau und sah aus, als käme sie ihm entgegen!

    Er lächelte sie an, nahm all seinen Mut zusammen: "Möchtest du zusammen mit mir tanzen, Gunda?"

    "Ja", antwortete diese schüchtern, leicht verwundert. Hatte sie doch dasselbe auch vorgehabt zu fragen. Ja, sie hatte es fest vorgehabt. Irgendwas in ihr gebot ihr, das zu tun.

    Der Tanz an sich ging recht einfach und war schnell zu lernen.
    "Du tanzt gut, Gunda", brachte er hervor, um irgendetwas Nettes zu sagen und um sie auf sich aufmerksam zu machen.

    "Echt? Gut tanzen, ich? Ich tue mich damit immer schwer, das kann ich nicht."

    Fabian wollte sie aufmuntern, da trat sie ihn prompt und unbeabsichtigt auf seinen Fuß.
    "Au", rief er.

    "Oh entschuldige bitte, das wollte ich nicht."
    Verschämt schob sie hinterher:
    "Aber das ist der schmerzhafte Beweis für meinen vorigen Satz. Tut mir leid, Fabian."

    Vielleicht ist Gunda wirklich eher für ein Kanu geeignet statt als Tänzerin, dachte er anfangs, verwarf den Gedanken aber schnell.

    "Schon gut, Gunda, das kann passieren. Ich glaube daran, dass du gut tanzen kannst. Glaub du es auch. Wir beide können das. Wir beide müssen positiv denken", versuchte er sie zu ermuntern. Es klang zwar ein wenig hölzern, wie von einem Schüler, der eins zu eins die Worte seines Lehrers wiederholt, aber das nahm Gunda ihm nicht krumm.


    Sie dachte: Komisch, Fabians Antwort habe ich doch kürzlich erst gehört. Wo bloß? Ach ja, von Nereida eben, und bei der Harmunde vorgestern!

    Fabian wiederholte den Satz, fast wie ein Echo. "Wir beide können das. Wenn wir positiv denken, klappt das."

    Er hat Recht, dann gebe ich mal mein Bestes, dachte sie und nickte.

    Bei dem Tanz gehörte es dazu, den Partner mit einer Hand am Rücken zu halten.
    Ein schönes Gefühl, meine Hand auf deinem Turnanzug, Gunda. Ich habe mich sehr gefreut, mit dir zu tanzen. Wir können das, dachte er.

    Gunda schaffte es wirklich, ihren Tanzpartner nicht mehr zu treten, indem sie sich auf ihn konzentrierte, und es klappte auch.
    Dietmar war nun komplett aus ihrer Wahrnehmung verschwunden, obwohl er mit Ilka sogar gelegentlich direkt an den beiden vorbei tanzte.

    Sie dachte: Fabian ist ein guter Tänzer, es macht mir Spaß, mit ihm zu tanzen.

    Auch gehörte es bei dem Tanz dazu, den Partner oder die Partnerin anzugucken.
    Fabian sah wieder in Gundas schöne braune Augen, und lächelte sie an.
    Diese Augen waren das, wonach er sich inzwischen verzehrte. Und ebenso nach dem kribbelnden Gefühl der Berührung auf ihrem Turnanzug.

    Ein neuer Umstand trat ein:
    Sie wich seinem Blick nicht mehr aus, sondern sah ihn an, direkt in die Augen, und lächelte zum ersten Mal zurück!

    In der Ferne freuten sich die galaktischen Schwestern Nereida und Beata, als sie Fabian und Gunda derart tanzen sahen.

    Und Dietmar dachte amüsiert: Das Riesencontainerschiff hat anscheinend den Kurs geändert.

    Tut mir leid Martin für dein Misserlebnis mit diesem Kauf.


    Solche Ereignisse sollten uns lehren, wachsam zu bleiben, aufzupassen beim Kauf.

    Der Turnanzug Haleona kostet neu ca. 130 bis 150 Euro.

    Wenn er nur 55 Euro kosten soll, ist das schon ein Anhaltspunkt, genauer hinzusehen.


    Außerdem würde ich von zweifelhaften Zahlungsdiensten (wie den von dir erwähnten) Abstand nehmen.


    Gruß

    Desi

    Bitte schreibt eure Beiträge / Kommentare in unserem Forum / Galerie auf Deutsch oder Englisch.

    Danke.


    Please do write your articles, contributions, comments to our board / gallery in German or English.

    Thank you.

    Vielen vielen Dank ihr drei.

    Ich war gespannt auf eure Reaktion. Geht ja schon zur Sache. Ja, ich hatte schon befürchtet, dass es etwas zu viel sein könnte. ist ja eigentlich "bloß" Petting. Aber sehr gefühlvoll. Mir war es wichtig, dass alles einvernehmlich abläuft.

    Ja, das hat mir auch Spaß gemacht zu schreiben.

    Und ja, jeder der drei kommt mal zu seinem/ihrem Recht.

    Und noch mal ja, auch ich hätte gerne einen Platz auf dem Kuschelsofa gehabt, mit einem Chilihappen im Mund verwöhnt werden...

    Lieben Gruß

    Desi


    P.S.: Das Newton-Fraktal kann man sich ansehen auf der Wikipedia-Seite. Klickt aufs Bild: https://en.wikipedia.org/wiki/Newton_fractal

    Die Idee dahinter: Drei friedliche Mächte auf einem imaginären Kontinent vereinbaren, dass es keine reine Grenze nur zwischen zwei Mächten geben darf, es muss immer einen Außenposten der dritten Macht dazwischen geben, und so fort. Dies lässt sich immer weiter ins Allerkleinste verfeinern und hat nie ein Ende - ein Fraktal eben.

    Wo also Ilka und Dietmar sind, ist immer auch Laila. Ein fester Dreierbund.

    Kapitel 42: Das Dreieck

    Ilka stellte sich erneut in Positur, wie ein Showmaster, der einen Stargast ankündigt:
    "So meine geliebten zwei LIDILDis, nun möchte ich, euer Feuer, euch beide zu einem gemütlichen gefühlvollen Abend einladen."

    "Darum auch dein großes ausgezogenes Sofa", bemerkte Dietmar.

    "Klar, ich hatte doch sehr auf euer Wohlwollen gehofft.
    Und ich habe Rosa und Blau kombiniert, damit du, Lai, auch Freude hast."

    "Ach wie nett. Ich freue mich, Illi."

    Ilka zwinkerte ihr zu. Sie entzündete ein paar weitere Kerzen im Raum, dimmte das andere Licht, so dass es ein gemütliches Ambiente ergab.
    Die Gerüche der Duftlampe sorgten für weiteres Wohlbefinden.
    "Herrlich, Illi, so fühle ich mich wohl!"

    "Alles zu deiner Zufriedenheit, Lai!"

    Ilka hatte vorhin die Heizung hochgedreht, unbemerkt von den anderen.
    "Ich ziehe mal meine Bluse aus, es ist sehr warm hier bei dir", lächelte Laila.

    Bluse ausziehen? dachte Dietmar. Dann sehe ich ja wieder Lailas todschicken Turnanzug!
    Es kam ihm auch ein weiterer Gedanke in den Sinn.
    "Illi, eine Bitte habe ich: Darf ich mal deinen rosa Badeanzug tragen?" fragte er.

    "Klar, Didi! Warte, ich hole ihn dir!".
    Sie verschwand. Dietmar sah ihr hinterher.
    Sie sah echt lecker aus, in ihrem rosa Turnanzug, Ballettstrumpfhose und den kleinen schwarzen Ballettschuhen. Eine echt süße Maus, dachte er.

    Daraufhin entledigte sich Laila des besagten Kleidungsstücks.
    Zum Vorschein kam ihr Turnanzug, welchen sie damals in der Praxis trug.

    Dietmar war schon wieder begeistert. Was für ein abgefahrenes Teil!
    "Stark, Lai! Sehr schönes Muster, auch mit dem Strass, gefällt mir."

    "Danke Didi, er gehört auch zu meinen Lieblings-Turnanzügen."

    Er fuhr mit seiner ausgestreckten Hand langsam auf sie zu.
    "Darf ich mal...?"

    Laila nickte.
    Er fuhr mit einer Hand einmal sachte und langsam über einen Ärmel ihres Anzugs. "Echt ein super Gefühl, Lai!"
    Als er so leicht drüber strich, ging ein wohliges Schaudern durch ihren ganzen Körper.

    Laila war sichtlich angetan. "Oh ja, zweimal ja. Der hautenge Stoff zum einen, und dein zärtliches Streicheln zum anderen."

    "Das würde ich auch gerne mal fühlen."

    "Das kannst du doch gleich, warte mal kurz auf Illi mit dem Badeanzug..."

    Kaum hatte sie das gesagt, kehrte Ilka zurück, ihren rosa Badeanzug in den Händen. "Klasse, dein neuer Turnanzug, Lai! So Didi, bitte sehr."

    Dietmar zog sein Shirt aus, so dass er nur noch in seinen blauen Leggings da stand; und voller Vorfreude nahm er den Anzug, roch daran. Obwohl der Badeanzug gewaschen war, nahm er dennoch Ilkas Geruch wahr! Oder kam es daher, dass Ilka direkt neben ihm stand?
    Vorsichtig stieg er in den Anzug. Laila und Ilka halfen ihm beim Anziehen. Wie das kribbelte!
    Eng umschloss der Badeanzug seinen Oberkörper. Fast schon zu eng zwischen Schritt und den Schulterträgern. Aber das machte ihm nichts aus.
    Herrlich, ich trage Ilkas rosa Badeanzug, dachte er angeregt.
    "Sauber, das wollte ich immer schon mal gerne! Ein irres Gefühl, und eine irre tolle Farbe!"

    Die Frauen lobten ihn. Besonders Ilka, da sie nicht nur auf hauteng, sondern auch auf Rosa stand.

    "Lasst uns doch setzen und ganz einfach für uns da sein. Ich wünsche uns allen ganz tolle Gefühle. Oh, wie ich mich freue!", strahlte Ilka.

    "Und keine Panik, Illi-Schatz, alles ist jetzt in Ordnung, wir sind für dich da, entspann dich", munterte Laila sie auf.

    "Genau. Bis jetzt hast du uns verwöhnt, und nun verwöhnen wir dich, Illi", fügte Dietmar hinzu.
    Ilka nickte beiden voller Vorfreude zu.

    Es war für alle eine ganz neue Erfahrung. Zu zweit hat man ja eine ungefähre Vorstellung, wie man vorgeht, aber zu dritt war es doch wieder anders. Dementsprechend geruhsam ging es voran.

    Zuerst legten sie sich nebeneinander auf das ausgezogene Sofa mit der einladenden Decke. Ilka lag zwischen ihnen, auf dem Rücken.
    Dietmar und Laila lagen auf der Seite, Ilka zugewandt, und arbeiteten sich langsam tastend an ihrer Gastgeberin entlang. Diese liebte es sehr, gleich doppelt angemacht zu werden.

    Das derart angerührte Lycragewebe gab die Empfindungen direkt und unmittelbar an Ilkas Lustzentrum weiter. Sie seufzte verzückt.
    Dietmar richtete sich auf, strich sachte über ihre bestrumpften Beine, Ilka atmete schneller. Als er sich dann an ihre Füße heranmachte, mit ihren zu engen Ballettschuhen, stieß sie aus: "Didi, Didi, mehr!"
    Laila streichelte Ilka unterdessen weiter an ihrem Turnanzug am Oberkörper, immer weiter zu den besonders sensiblen Bereichen, um kurz vorher inne zu halten.
    "Lai, geh dichter ran, bitte!" bettelte Ilka, "Didi, mehr!"
    Laila und Dietmar grinsten einander an, erfüllten nur sehr sehr langsam Ilkas Wunsch.
    Dietmar zog ihr die Schuhe aus, massierte sanft ihre Füße. Er steigerte langsam die Intensität. Sie lächelte verzückt.
    Laila regte mit ihrer einen Hand Ilkas Oberkörper weiter an, legte ihre andere Hand flach auf Ilkas Schritt und bewegte abwechselnd Fingerspitzen und Handballen auf und ab. Ilka spürte Lailas Hand deutlich durch den Lycrastoff, fühlte eine Feuchte aufkommen und atmete schneller, heftiger.
    Dietmar packte Ilkas Füße fester an, knetete sie fast. Ihr Gesicht zeigte ihre Ekstase deutlich an, bettelte um mehr.
    Als sie die flehende Ilka schließlich 'voll im Griff' hatten, zitterte die am ganzen Körper, zog ihre Beine an, bäumte sich auf. Sie atmete stoßweise, verkrampfte sich, zuckte, verharrte im Zustand maximaler Erregung, um nach wenigen Sekunden befreit laut ein langgestrecktes "Jaaaaaaa" auszustoßen und ermattet nieder zu sinken.

    Tränen traten aus ihren Augäpfeln, sie war völlig fertig. Aber alle Anspannungen und Ungewissheiten der letzten beiden Tage waren nun dabei, endgültig von ihr zu weichen.
    Dietmar und Laila legten sich neben sie, trösteten sie, küssten sie, legten einfach nur ihre Hände auf die noch leicht zitternde Ilka, welche sich immer weiter entspannen konnte.
    "Alles ist gut, mein Sternchen", flüsterte Laila ihr liebevoll ins Ohr.
    Da fühlte sich Ilka so geborgen, geliebt und unendlich glücklich.
    Fünf Minuten lagen sie so da.

    Hiernach fühlte Ilka sich wieder frisch. "Ich danke euch vielmals!"
    Auf einmal wurde sie vom Leben erfüllt, und sie stürzte sich auf Dietmar, bedachte ihn mit innigen Küssen.
    Sie löste das Haarband, was ihren Pferdeschwanz zusammen hielt; ihre lange Mähne hing nun herunter.

    Laila lag auf der Decke, trug nur ihre pinken Leggings und darüber den dunkelblau gemusterten langärmligen Turnanzug.
    Die anderen beiden wurden auf sie aufmerksam. Ilka stieg behände über sie hinweg, so dass nun Laila in der Mitte lag. Auch wurde Laila mit Ilkas Küssen übersät.
    Die beiden wendeten sich Laila zu, geruhsam erstmal.
    Ilka war hier federführend, wusste sie doch schon, was Laila gerne mochte. Dietmar guckte aufmerksam Ilka zu und unterstützte sie. Er wusste ja aber auch schon selber, dass sehr langsame kreisförmige Bewegungen mit den Fingerspitzen auf Lailas Turnanzug sie in Wallung brachten, und machte genau das. Ilka strich auch langsam Lailas Schenkel entlang in Richtung Schritt, hielt aber stets vorher an.
    Dietmar kümmerte sich um ihre Arme und ihren Oberkörper, stimulierte sie sachte, allerdings ohne Lailas Zwillingshügel anzutasten, während Ilka die Seiten und die Beine anregte.
    "Illi, Didi, mehr, näher!", verlangte sie. Auch hier sorgte eine Verzögerungstaktik und Betteln für eine langsame Steigerung von Lailas Erregung. Auf ihren Zwillingshügeln wuchsen nun zwei Gipfelkreuze, durch den Turnanzug klar erkennbar. Dietmar hütete sich, diese zu berühren.

    "Lai, dreh dich auf die Seite, mit dem Rücken zu mir!" kommandierte Ilka, was Laila rasch befolgte.
    Nun strich Ilka mit kreiselnden Bewegungen Lailas Rücken und Beine entlang, ließ aber die Rundungen der Sitzfläche aus.
    Ihre Haare kitzelten sanft Lailas frei liegende Hautpartien und regten die auf der Seite liegende Medizinerin weiter an.
    Die Augen weit geöffnet, atmete Laila rascher, hektischer.

    Dietmar strich aber am Fuße ihrer beiden Hügel entlang, weiterhin aber, ohne die Gipfelkreuze zu berühren.

    Laila bettelte darum, kräftig angepackt zu werden, was beide längere Zeit schweigend ablehnten.
    Als sie schon fast weichgekocht war, griffen Ilka und Dietmar endlich zu. Ilka krallte sich kräftig in Lailas untere Gesäß-Rundungen, Dietmar näherte sich mit seinem Mund dem einen Gipfelkreuz unter ihrem Turnanzug, lutschte und saugte im Wechsel mal fest daran, mal fest am anderen Gipfelkreuz und packte dabei kräftig ihre oberen Hügel an.
    Laila geriet vollends in Ekstase. Sie ließ ein Stöhnen hören, lächelte entzückt, kniff ihre Knie zusammen, zuckte mehrmals, atmete in rhythmischen Stößen, bis sie erschöpft locker ließ und die beiden ihre Griffe lösten. Sie drehte sich auf den Rücken und atmete schnell, aber glücklich.

    Die drei lagen nebeneinander, Ilka und Dietmar berührten Laila sachte in ihrer Mitte, die entzückt wisperte: "Oh, war das schön. So schön!"
    Laila bekam ebenfalls eine kleine Ruhepause, in der sie von den anderen beiden sachte gehalten wurde.
    Sie bedankte sich mit Küssen bei ihren Liebsten.
    Als sie Dietmar küsste, war es fast um ihn geschehen. Meine Güte! Wie Laila küssen konnte! Nur ging es doch recht schnell wieder vorbei.

    Und Dietmar fand sich nun in der Mitte zwischen den beiden Frauen wieder.
    Dietmar kam die neue Erweiterung seiner Beziehung nicht ungelegen. Nicht nur Ilka, sondern auch die Ärztin Laila übte auch eine nicht zu vernachlässigende Anziehungskraft auf ihn aus. Ihre größeren Zwillingshügel, ihre Souveränität, ihre Küsse. Wohingegen Ilka mit ihrer gespielt schüchternen Keckheit, ihren langen Haaren und ihrer Vorliebe für Rosa punktete.

    Er lag auf dem Rücken, spürte angenehm das Eingepacktsein in Ilkas Badeanzug.
    Ilka beugte sich über Dietmar. Ihre lange Haare kitzelten nun Dietmars Oberkörper und seine unbedeckten Arme. Es regte ihn an. Die beiden Frauen begannen ihn zu verwöhnen, indem sie ihm leicht den Körper massierten, Laila seine blauen Leggings und Ilka den rosa Badeanzug.
    Das machte ihn kräftig an. Besonders wenn sie auf die Stelle hinarbeiteten, wo die Beine am Rumpf angrenzten. Nur leider hörten sie vorher immer wieder auf, was ihn schier verrückt machte.
    "Didi, mein Süßer, koste mal!" Ilka lächelte keck, wedelte mit einem kleinen Spieß mit einem kleinen Appetithäppchen dran vor seinem Gesicht herum. Ein Chilihappen!
    "Illi, bitte gib ihn mir!" bettelte er.
    Sie versagte ihm aber seinen Wunsch. So strich er mit der einen Hand sachte über ihren Oberkörper, um sie gnädig zu stimmen und zur Übergabe zu bewegen.
    Ilka passte aber einen Moment nicht auf, als plötzlich der Happen von dem kleinen Spieß verschwand!
    Zu ihrer Überraschung hatte Laila ihn gemopst! Die grinste nur breit, mit dem Happen zwischen ihren Zähnen, und näherte sich nun Dietmars Gesicht.
    Ehe er wusste, wie es ihm geschah, küsste sie ihn und schob ihm das Stückchen von Neptuns Rachenputzer in seinen Mund.
    Die Chilischoten verrichteten alsbald ihre Wirkung in seinem Gaumen, Dietmar flammte auf.
    Die Lycraleggings, Ilkas Badeanzug, und nun die Chillies brachte ihn kräftig in Fahrt.
    Laila und Ilka verstärkten ihre Massagen.
    Laila fuhr fort nun, Dietmar zu küssen, während Ilka seinen elften Finger anregte, dessen Länge nun den Maximumwert erreichte. Dietmar merkte dessen Widerstand gegen das Lycra, begann zu zucken. Ilkas Haare kitzelten ihn anregend. Immer heftiger wurde Lailas Zungenspiel, immer intensiver Ilkas Streicheleinheiten, bis er hastig atmend und zuckend sich aufbäumte und sich die Spannung in mehreren Stößen entlud.

    Ermattet, aber zufrieden sank er auf die Liege.
    "Illi und Lai, meine Liebsten, das war das Beste, was ich je erlebt hatte! Ich fühle mich so unglaublich wohl."

    Die beiden Frauen lächelten. Er küsste Ilka, und auch noch mal Laila. Letztere ein wenig länger, was aber nicht weiter auffiel.

    Nach einer kurzen Ruhepause dankte er Ilka für ihre Leihgabe, den rosa Badeanzug.
    "Illi, deine Badeanzüge tragen sich echt gut. Ein tolles Körpergefühl. Schade, dass ich keinen eigenen habe."

    "Didi, dann sollten wir mit dir mal einen kaufen gehen, nicht wahr, Lai?"

    "Ohne Frage! Das machen wir. LIDILD macht es", grinste Laila.
    Die anderen lachten.

    Die drei erhoben sich, steckten die benutzte Kleidung in Ilkas Waschmaschine, und hüpften dann unter Ilkas Dusche. Auch dies war außer der Körperreinigung noch mal eine willkommene Gelegenheit der ausgiebigen gegenseitigen taktilen Kontaktaufnahme, was die drei richtig genossen.
    Das Einseifen und besonders das Einseifen der empfindlichen Zonen sorgte für weiteres Glück unter ihnen. Das herrlich warme Wasser führte zu einem weiteren Aufheizen der drei. Sogar das gegenseitige Abtrocknen war mit Spaß verbunden.

    Ilka, Dietmar und Laila zogen sich neue Kleidung an. Dietmar trug Ilkas anderen Badeanzug, den mit Farbübergang Dunkelblau-Rosa, Ilka hatte ihren schwarzen Badeanzug mit Rosa-Blumenmuster an, und Laila zog nun zu Ilkas Freude ihren neuen Lumira-Turnanzug an, den Ilka für sie aufbewahrt hatte. Sie wurde von beiden für ihr neues Teil tüchtig gelobt.


    Die drei saßen einträchtig auf dem Sofa zusammen.
    "Ihr habt mir den schönsten Tag seit langem beschert, Lai und Didi, ich danke euch, dass ihr zu mir gehalten habt", bekannte Ilka freimütig.
    Die beiden nickten. Wortlos wurde sie von den beiden in den Arm genommen, eine Minute lang saßen sie schweigend da.

    "Diese Dreisamkeit scheint für uns ein guter Weg zu sein", stellte Laila fest, "lasst uns stets einander beistehen."

    "Und lasst uns unser spezielles Band gegen Außenstehende verteidigen", meinte Dietmar.

    "Und lasst uns unsere Leidenschaft weiter zusammen leben", freute sich Ilka.

    Die drei fassten einander wieder mit ihren linken Armen an, und sagten feierlich: "Ja, das wollen wir."

    Als Ausklang dieses aufregenden Abends lagen sie auf Ilkas Sofa, mit Ilka in der Mitte, und sprachen leise miteinander.

    Die drei richteten auf ihren Smartphones bei einer Messenger-App die Gruppe LIDILD ein, so dass eine abgeschickte Nachricht von der einen auf den Endgeräten der jeweils anderen beiden erschien.
    Dietmar wählte als Grafik für LIDILD ein Newton-Fraktal als Erkennungsbild aus, beziehungsweise die Julia-Menge f(z)=z-(p(z)/p'(z)), mit p(z)=z³-1. Die stand mathematisch stellvertretend für die neue Dreieckbeziehung.

    Alle verabredeten sich zu einem weiteren Treffen. Reichlich erfüllt vom Abend verabschiedeten sich Laila und Dietmar von einer hoch zufriedenen und überglücklichen Ilka.

    Danke toby, Lycwolf und Martin!
    Kap. 41 war mir wichtig. Ilka hatte sich auf etwas eingelassen, hoch gepokert und viel Glück gehabt.
    Dass es geklappt hat, ist auch mir zuzuschreiben, jaja. 'Nereida' ist ja ein Märchen, was ich da schreibe.
    Harmonie, eine Sehnsucht meinerseits eben...

    Es ist in großen Teilen eine heile Welt... wo es aber auch Schatten und Verzweiflung gibt.
    Zwei Anspielungen habe ich in Kap. 41 verbreitet. Den guten Moby hat Lycwolf ja gefunden.
    Nach Lisa ist Ilka schon der zweite Moby-Fan.
    Der rot-weiß-rot lackierte Leuchtturm, dessen Gleichtakt-Licht mit 6 Sekunden Wiederkehr leuchtet, ist kein anderer als der Kieler Leuchtturm...
    Und ich mag das Spielen mit Wörtern, die R-Wi-Sprache, und hier die Sache mit LIDILD.
    Dass nun sowohl ILD als auch Ilka/Ilon(k)a/Helena "Feuer" bedeuten, passte wie die Faust aufs Auge.
    So konnte ich Ilka mit Stolz sagen lassen: "Nun dann, liebe LIDILDis: Ich brenne für euch, hier steht euer Feuer!"

    Lieber Toby, du fragst nun mit Recht nach der Spielwiese. Meine Antwort:
    Kap. 41 ist nicht vollständig. Da es zu groß wurde, gibt es Kap. 42, die unmittelbare Fortsetzung zu Kap. 41.
    Es wird einen unscheinbaren Titel haben, aber das hatte Kap. 23 auch...

    Kapitel 41: Ilkas Herzklopfen

    Dienstag.

    Nachts konnte Ilka kaum schlafen, dachte immerzu an Dietmar und an Laila. Sie wühlte sich hin und her, ertappte sich dabei, wie sie Lailas neuen Turnanzug hielt wie einen geliebten Teddybären.
    Dutzend Male war sie kurz davor, ihn mal anzuprobieren, traute sich aber nicht.
    Sie machte Atemmeditationen, schlug leicht eine Klangschale an, um sich zu beruhigen.
    Es half nur bedingt.
    Auch wusste sie nichts von Turn- und Tanzfeen, die kommen, wenn man sie in der Not ruft...

    Sie hatte Montag und Dienstag nur im Hinterbüro an organisatorischen Dingen gearbeitet, konnte nicht im Verkaufsraum sein.
    Zum Glück kam Dietmar nicht persönlich in den Laden, wo sie arbeitete. Nur eine Textnachricht von ihm kam am frühen Montag Morgen:
    "Kopf hoch, liebe Illi, das stehen wir gemeinsam durch. Liebe Grüße, dein Didi."

    "Danke Didi. Bis Dienstag Abend dann. Deine Illi", konnte sie immerhin als Antwort texten.

    Über eine Kundin hatte sie sich gefreut. Die sammelte Figuren im maritimen Stil und deren Wünsche wurde von Ilka auch prompt erfüllt.
    Ilka meinte sie zu kennen, bis es sich herausstellte, dass die Kundin Julia von der TuFiTa war!
    Beide tauschten sich intensiv über das Thema Meer aus, was beide liebten.

    ---------------

    Die Sonne stand am Dienstag schon recht tief, als Ilka ihr Wohnzimmer fertig umgeräumt, Staub gesaugt und gelüftet hatte. Sie hatte heute Nachmittag frei, und Saraswati blieb im Laden als Verkäuferin.

    Dann schmückte sie ihr Wohnzimmer. Sie hatte einen Blick für das Schöne, Originelle, sie war nicht umsonst in einem Laden beschäftigt, der Wohnaccessoires und Trödelkram anbot. Auch stellte sie an verschiedenen Stellen Kerzen auf.
    An die Zimmerdecke hatte sie ein ausgebreitetes Fischernetz befestigt, woran viele maritime Objekte hingen, wie Fische, Seesterne, Quallen, Seehunde, Taucher, Meerjungfrauen, alle aus verschiedenen Materialien. Neben der Wand stand ein rot-weiß-rot lackierter Leuchtturm, dessen Gleichtakt-Licht mit 6 Sekunden Wiederkehr leuchtete, in den Sektoren Weiß, Rot und Grün.

    Ilka trug dabei ihren rosa Turnanzug, darunter eine weiße blickdichte Ballettstrumpfhose mit für sie etwas zu kleinen Ballettschuhen aus schwarzem weichem Leder. Sie hatte ihr Haar zum Knoten gesteckt, mit einem rosa Haarband natürlich.
    Erst wollte sie noch ein Tutu anziehen, dachte an ihre Kindheit, verwarf den Gedanken aber.

    Sie hatte als Kind vier Jahre Ballettunterricht genommen, sollte dann in eine andere weiter führende Schule, woraus aber nichts wurde. Fünf Wochen lang hatten sie es probiert. Es bedeutete zweimal pro Woche eine lange Pendelei.
    Auch Pläne, Ilka durch ein Internat die Pendelei zu ersparen, wurden nach kurzer Zeit fallen gelassen. Die zusätzlichen Kosten konnten ihre Eltern auf Dauer nicht tragen. Außerdem entwickelte sie ein starkes Heimweh.
    Aber den Tanz hatte Ilka nie ganz aufgegeben, hatte ein kurzes Intermezzo bei der Rhythmischen Sportgymnastik, was ihr irgendwann nicht mehr gefiel, wechselte zu einer Mädchentanzgruppe. Aber die anregende hautenge Kleidung, besonders wenn es in Rosa war, hielt sie stets im Bann. Wie auch an diesem Tag.

    Für die Gäste hatte sie ein paar Appetithäppchen vorbereitet, kleine Leckereien auf Spieße, die stellte sie nett arrangiert auf den Wohnzimmertisch. Auch hier führte sie konsequent das maritime Ambiente fort, mit kleinen Schälchen in Fischform und einem Kerzenleuchter als Seestern, die auf einer Tischdecke standen, auf welcher der Meeresboden abgebildet war.

    Ein paar ruhige Stücke spielten auf ihrer Anlage. Für den Abend entschied sie sich für Instrumentalstücke im Ambientstil. Sie mochte den einen Musiker aus den USA und seine sanften Melodien, Klangwelten, jedes Stück so um die 20 Minuten lang. Der Musiker hatte seinen Spitznamen, unter dem er seine Musik veröffentlichte, nach einem Roman seines Ur-Ur-Großonkels Herman Melville erhalten.

    Alles sah so nett dekoriert aus, alles ließ auf einen entspannenden Abend schließen. Tief in ihr drin war sie aber mächtig aufgeregt. Denn diese eine Sache nagte doch recht vehement an ihr.

    Es klingelte an der Tür. Es war fünf vor sieben Uhr abends. Sie atmete tief durch, drückte die Klinke herunter.
    Laila!

    "Schön, dass du gekommen bist, meine Liebe. Habe mich total gefreut."

    "War doch selbstverständlich. Ich freue mich auch. Du siehst toll aus, Illi", antwortete Laila und umarmte sie herzlich.

    "Danke Lai, du auch. Zum Anbeißen. Komm doch in mein Wohnzimmer."

    Sie folgte Ilka, sah deren großes Sofa, umgeklappt zu einer großen Liege.
    Hah, eine Kuschelwiese, wie nett, dachte sie.

    Ilka warf einen Blick auf die Kleidung ihrer Freundin.
    "Du hast ja wieder deinen tollen Turnanzug unter deiner Bluse an. Und ich glaube es kaum, du trägst pinkfarbene Leggings?"

    "Ja, Illi, extra für dich."

    "Oh Lai, wie freue ich mich darüber!"

    Laila trug wieder denselben Turnanzug, den sie einst anhatte, als Dietmar und Ilka bei ihr in der Praxis waren.
    Darunter diesmal aber Leggings in Pink statt in Blau, was eigentlich ihre Lieblingsfarbe war.

    Die beiden Frauen setzten sich auf die Liege, plauderten miteinander und bewunderten ihre Kleidung.

    ---------------

    Erneut ging die Türglocke. Diesmal war es Dietmar.

    "Hey Didi, super, dass du da bist", umarmte sie ihn.

    Er war erleichtert, dass es ihr wohl wieder besser ging. Ein wenig Sorgen hatte er sich schon gemacht.
    "Klar, darauf habe ich mich schon den ganzen Tag gefreut."

    Dietmar trug blaue Leggings, darüber ein rosa T-Shirt. Er deutete darauf:
    "Natürlich für dich, Illi."

    "Sauber, Didi, tolle Klamotten, ich mag dich!"

    "Und ich dich auch, Illi meine Süße."

    Sie umarmten einander. Ilka führte ihn ins Wohnzimmer.

    Laila und Dietmar begrüßten einander freundlich. Sie kannten sich ja untereinander von der TuFiTa, und auch von jenem Sonntag, als Laila Dietmars geschundenen Rücken wieder einrenkte.

    "Illi, ich habe dir was mitgebracht."

    "Oh Didi, was denn?"

    "Hier, in der Packung, mach es mal auf."

    Ilka hielt schließlich ein Fläschchen Lavendelöl in Händen.
    "Oh, danke! Darf ich es gleich anwenden?"

    Laila und Dietmar hatten nichts dagegen. Ilka zündete eine Duftlampe an, gab Wasser in die Schale und zwei Tropfen des Öls.
    Ein angenehmer Geruch breitete sich im Raum aus.

    Die drei setzten sich an den Tisch.
    "Nehmt doch was von den Appetithäppchen. Habe ich für euch zubereitet."
    Gerne bedienten sich Dietmar und Laila davon.
    "Was für eine entzückende Dekoration!"
    Laila war begeistert.

    "Ich habe ein Faible für alles, was mit dem Meer zu tun hat", schwärmte Ilka.

    "Nimm doch mal einen von Neptuns Rachenputzer", bot sie Dietmar einen der Appetithäppchen an.
    Als er davon kostete, merkte er, dass Ilka ihn mit Chili gewürzt hatte. Sein Lieblingsgewürz. Das machte ihn wach, und zweitens scharf.

    "Ey, voll scharf, im doppelten Sinne! Illi, der Happen hat es in sich, Chili-scharf! Neptuns Rachenputzer, muss ich mir merken. Heiß!"
    Ilka nahm es begeistert auf.

    Die drei plauderten ein wenig.


    Ilka war etwas unruhig. Sie hatte ja was vor, ihren großen Gang.
    Sie begann ein wenig zögerlich: "Laila und Dietmar, ich habe euch beide eingeladen, denn ich möchte euch beiden etwas sehr Wichtiges sagen."

    Die beiden schauten auf, wunderten sich, hörten aufmerksam zu.

    "Seitdem ich euch beide kenne, hat sich in mir was verändert. Ich habe die jüngsten zwei Tage viel nachgedacht. Besonders über vergangenen Sonntag, an der Tupfe. Und ich muss euch was gestehen."

    "Was denn, Illi?"

    Ilka wand sich ein bisschen. Mit ihrem Anliegen direkt heraus zu kommen schien ihr ein wenig schwer zu fallen.
    Wie in Trance schien die folgenden Sätze aus ihr zu entweichen:

    "Liebe Lai, lieber Didi, ich habe jeden von euch so lieb gewonnen, dass ich ohne sie und ohne ihn nicht mehr gehen kann.
    Jeder von euch trägt 50 Prozent zu meiner Erfüllung bei. Zusammen also 100 Prozent.
    Auf gut deutsch: Ich liebe euch beide. Ich liebe dich, Lai. Ich liebe dich, Didi. Ich bin bi.
    Bitte haltet weiter zu mir, das wünsche ich mir so sehr. Denn ich habe große Angst, dass es mich sonst zerreißt.
    So, nun ist es gesagt."

    Für ein paar Sekunden war es sehr still im Raum. Alle mussten mit der neuen Situation lernen umzugehen.
    Ilka schaute ängstlich, flehentlich, dachte:
    Kommt nun ein Donnerwetter?
    Wird einer oder werden beide aufstehen und enttäuscht gehen? Wird einer oder werden beide mir eine Szene machen?


    "Also darum warst du so verschreckt, vorgestern beim Abschied. Sei sicher, ich wäre der Letzte, der dich deswegen zerreißen würde, Illi."

    "Danke Didi", stieß sie hervor.

    Laila sah Ilka verständnisvoll an und sprach: "Um Himmels Willen, liebe Illi, zerbrich dir bitte nicht darüber den Kopf! Klar halte ich weiter zu dir! Einst war ich davon ausgegangen, dass ihr zwei befreundet seid, als ihr zu meinem Tisch im Eiscafé gekommen wart. Ein wenig verrucht war das Ganze schon, als ich mit dir, Ilka, im Nebenzimmer meiner Praxis diese, ja, intime Begegnung hatte. Aber ich hatte es genossen. Ich habe auch gedacht, wie das wohl mit uns weitergehen könnte. Aber als Konkurrentin zu Dietmar habe ich mich nicht gesehen. Eher als Ergänzung."

    "Danke Lai", sagte Ilka schwach.

    Dietmar dachte ein wenig nach, meinte dann mit ruhiger Stimme: "Ein wenig habe ich daran auch schon gedacht, als ich auf der Liege in Lailas Praxis lag und ihr beide im Nebenzimmer wart. Eure Lautäußerungen, die ich hörte, könnten darauf schließen. Und - es war wirklich so."

    "Dann hast du es ja doch mitbekommen."

    Dietmar nickte bedächtig. "Ja, Illi. Ich hielt es für ein Abenteuer zwischen euch beiden und dachte mir nichts dabei. Wisst ihr, ich habe noch nicht mal Eifersucht gefühlt. Ich bedauerte sogar ein wenig, dass ich euch nicht zugucken konnte. Denn Laila, du hattest mir ja geboten, still liegen zu bleiben. Ich kann euch nicht böse sein. Und übrigens, Laila, du und dein Turnanzug waren auch anregend für mich. Ein echt scharfes Teil an einer hübschen Frau."

    Beide Frauen hoben erstaunt die Augenbrauen angesichts Dietmars positiven Bekenntnisses zu ihrer intimen Begegnung. Von Lailas Attraktivität auf Dietmar ganz zu schweigen.

    Und Ilka registrierte zu ihrer Erleichterung, dass die beiden weder entrüstet oder sauer aufeinander reagierten, oder auf Ilka.
    "Ich danke euch! Danke, dass ihr so gelassen reagiert. Ich möchte euch beide um Entschuldigung bitten, und jedem von euch gleichzeitig meine Liebe gestehen. Ihr beide und eure Lycrasachen machen mich total an."

    "Entschuldigung sofort gewährt, Illi. Das mit den Lycrasachen kann ich zu 100 Prozent unterschreiben", bekräftigte Dietmar, "und dich, Illi, habe ich auch lieb gewonnen."

    "Das geht mir genauso wie dir, Dietmar. Liebe Illi, auch ich fühle mich zu dir hingezogen. Aber wie wollen wir denn nun in der Zukunft verfahren?" fragte Laila zögerlich. "Immerhin finde ich es toll, dass wir drei hier reinen Tisch machen."

    "Das finde ich auch gut, dass wir das klären", bestätigte Dietmar.

    "Darum hatte ich euch beide gebeten zu kommen. Ich weiß, dass diese Lage nicht einfach ist. Ich würde mich freuen, wenn wir drei heute eine Lösung fänden."

    "Oh, nicht einfach", grübelte Laila.

    Da kam Dietmar ein Einfall, er lächelte vergnügt:
    "Wieso, ist doch ganz einfach. Hey Illi, das ist doch genau die Lösung. Du hast sie eben selber genannt: Wir drei."

    Er wandte sich an die Ärztin in ihrem blauen Turnanzug:
    "Laila, wenn Ilka zu 50 Prozent auf dich und genauso auf mich steht, warum machen wir alle dann nicht einfach ein Dreieck auf? Wir teilen unsere Lycraleidenschaft und Sympathien durch drei."

    "Dietmar, du meinst, wir sollten... zu dritt...?"

    Er lächelte und nickte. Ilkas Augen leuchteten. "Meine Hoffnung", sagte sie leise.

    Zum Glück waren weder Dietmar noch Ilka konservativ auf eine reine Zwei-Personen-Beziehung eingestellt. Laila zögerte aber noch ein wenig.
    "Aber wir drei sind dann doch gleichberechtigt, oder?"

    Die beiden anderen nickten.

    Laila dachte nach. Auch wenn die Idee aberwitzig war, könnte das eine Lösung für das immer leicht mitschwingende schlechte Gefühl sein, etwas heimlich zu tun, wenn es da noch eine dritte Person gibt. Dass Dietmar auch auf sie und ihr glänzendes Äußeres stand, vereinfachte die Sache.
    "Gut, probieren wir es. Es ist natürlich schwieriger, aber durchaus zu schaffen.
    Dann lasst uns vereinbaren, dass zwei von uns keine Geheimnisse gegenüber der oder dem Dritten in unserer Runde haben. Außer wenn der Dritte von den anderen beiden beschenkt werden soll, zu Geburtstagen und so."

    "Einverstanden", bestätigte Dietmar.

    "Dafür bin ich auch", stimmte Ilka zu.

    "Lasst uns das besiegeln."

    Laila schlug ein Verfahren vor, was bei Dietmar und Ilka Anklang fand.
    Alle standen auf, griffen mit ihrer linken Hand den linken Unterarm des Nebenstehenden, so dass jeder jeden anfasste und diese geometrische Figur zwischen ihren Armen von oben gesehen ein Dreieck ergab. Ilka sprach vor, Dietmar und Laila wiederholten es.

    "So bin ich ab heute euer beider Didi", lächelte Dietmar.

    "Ich bin Lai für euch. Deine Lai, Illi, und deine Lai, Didi."

    "Liebe Lai, lieber Didi, dann bin ich für euch beide ab jetzt eure Illi", strahlte Ilka.

    Die drei lächelten einander an.

    "Und du, arme Illi, hast in den vergangenen Tagen so unter diesem Druck gelitten, also lass dich mal von uns so richtig umarmen", ging Laila lächelnd auf die Frau in Rosa zu. Dietmar tat es ihr gleich.
    Beide küssten die noch leicht zitternde Ilka, die sich so mehr und mehr entspannen konnte.

    "Oh, das tut so gut, ihr wisst gar nicht, wie erleichtert ich nun bin."

    "Wir kriegen das gemeinsam gebacken. Auch wenn wir keine Bäcker sind, wie Franziska", machte Dietmar ihr Mut.
    Die beiden anderen lachten, stimmten dem zu.

    Er fuhr fort: "Ich finde, wir brauchen noch einen gemeinsamen Spitznamen für uns drei. Nach den drei Anfangsbuchstaben unserer Vornamen sind wir: D, I, L, oder L, I, D."

    "DILLID kommt gut", meinte Ilka, "darin steckt auch mein kompletter Spitzname."

    Laila dachte nach. "Oder LIDILD, das gefällt mir noch besser", schlug sie vor.

    "LIDILD? Warum? Was bedeutet das?" fragte Ilka neugierig.

    "Hm, 'LID' könnte für Augenlid stehen, oder für das niederländische 'lid', was Mitglied bedeutet. Aber 'ILD' sagt mir nichts", rätselte Dietmar.

    Die Ärztin erklärte: "Mit Fremdsprachen liegst du schon mal nicht schlecht, Didi, nur ich denke an eine andere. In 'LIDILD' stecken die zwei skandinavischen Wörter 'lid' für Vertrauen und 'ild' für Feuer. Wir brennen füreinander und wir haben Vertrauen zueinander."

    Ilka strahlte. "Ey Lai, das ist ja eine tolle Abkürzung für uns. Trickreich! Das nehmen wir."

    "Gefällt mir auch, Lai", grinste Dietmar.

    Laila lächelte. "Und übrigens, wusstest du, Illi, was dein Vorname Ilka bedeutet?"

    Ilka schüttelte den Kopf.

    "Ilka oder auch Ilonka ist eine Verkürzung von Ilona, der ungarischen Version von Helena, und Helena bedeutet: Fackel, Feuer."

    "Ist nicht wahr, Lai!"

    "Doch. Auch darin steckt 'ild', also 'Feuer'."

    Ilka strahlte die beiden an. "Nun dann, liebe LIDILDis: Ich brenne für euch, hier steht euer Feuer!"

    Alle lachten.

    Danke Martin, Lycwolf und toby!

    Tja, ich hätte Kapitel 40 an dieser einen Stelle aufhören lassen können, mich aber dagegen entschieden.
    Wäre dann zu kurz geworden.
    Aber es kommen noch Kapitel, wo ich an grausamster Stelle die Fortsetzung aufs nächste Kapitel verschiebe...
    Immerhin kam ja mal wieder das Wort Kessi im Text vor...
    Die Sache mit der Firma "Red Xeni" habe ich erst 4 Tage vor Veröffentlichung mit in Kap. 40 reingenommen.
    Die Idee mit Xenias Firma geisterte durch meinen Kopf mehr vage. Damit ist es auch konkreter geworden.
    Ebenso mit Connis temporärer Einbindung bei "Red Xeni".
    Zum Auebad: Ich war nie da. Für die Beschreibung habe ich mir alle möglichen Bilddateien vom Bad angesehen.
    Firma Schletterando: Komplette Erfindung meinerseits. Nicht googlebar.
    Bernds Badeanzug ist derselbe, den er damals in Xenias Begleitung im Auebad trug.
    Weiterhin spricht Theo von Conni nur als "Lycrafreundin", nicht als seine Freundin.

    In den nächsten Kapiteln verlassen wir Theo und Conni, und es geht nach Obertupfingen.
    In Kap. 41 wird Ilka eine Rolle spielen.

    Kapitel 40: Theos Erlebnisse in Kassel

    Dienstag Nachmittag.

    Theo war hoch zufrieden. Seine heutige Arbeit bei dem mittelständischen Betrieb Schletterando GmbH an der Fulda lief glatt durch. Endlich mal welche, die das Thema Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz vollständig ernst nahmen und sich im Vorfeld gut darauf vorbereitet hatten. Als Fachkraft für Arbeitssicherheit und als freiberuflicher Gefährdungsbeurteiler prüfte er Anlagen und Geräte in Fabriken nach gültigen Gesetzen und Vorschriften, ließ sich am laufenden Prozess die Bedienung der Maschinen und die Schutzausrüstung der Bediener zeigen.
    Er protokollierte alle seine Beobachtungen, aus denen er dann seinen Bericht erstellen wollte.
    Seine Arbeit diente dazu, die Schwachstellen aufzudecken und Gefährdungen für die Beschäftigten zu minimieren.
    Heute erkannte er schon schnell, dass er für Schletterando nur marginale Maßnahmen zur Verbesserung der Situation vorzuschlagen brauchte.

    Daher war er um 13 Uhr bereits fertig mit seiner Arbeit, zwei Stunden eher als geplant. Den Rest des Tages hatte er frei.
    Er nahm noch in der Kantine des Betriebs eine Mahlzeit ein.
    Seinen Plan für den Feierabend konnte er nun frei von Hetze angehen. Erst um halb acht hatte er einen weiteren Termin.

    So stand er nun eine Stunde später vorm Auebad, dem Gebäude mit der hellbraunen Außenfassade und dem geschwungenen Hallendach.

    Hm... sollte er es tun?
    Theo zögerte für einen Moment. Aber nur kurz. Seine Entscheidung war gefallen.
    Er dachte an Connis Satz, den Badeanzug betreffend, den sie ihm mal geliehen hatte:
    'Den musst du aber auch mal zu Wasser lassen. Längere Phasen von Trockenheit ist er nicht gewöhnt.'
    Außerdem regnete es, und er wollte nicht durchnässt enden.

    Heute sollte es also geschehen. Alleine ohne Conni in ein öffentliches Schwimmbad, in ihrem Badeanzug.
    Er betrat das Bad, löste eine Eintrittskarte, begab sich in eine Umkleidekabine.

    Ein wenig Bammel hatte er ja doch. Er nahm sich Connis dunkelblauen Badeanzug mit dem mehrfarbigen maritimen Muster und versuchte seine Füße da richtig durchzustecken. Beim ersten Mal gelang es ihm nicht, da die Rückenträger ihm einen Streich spielten; also noch mal von vorn. Gut, dass er in einer Kabine saß, wo niemand zuschaute. Der zweite Versuch saß dann. Zufrieden zog er den Badeanzug hoch.


    Er probierte, ein Selfie zu schießen, aber die Kabine war zu eng, so dass entweder nur sein Gesicht mit Oberkörper oder nur sein Badeanzug komplett aufs Bild kam. Und in der Halle ging das nicht, denn da klebte alle naselang ein Fotografieren-verboten-Piktogramm an den Wänden.
    Er wollte doch zu gern einen Beweis für Conni haben, dass er im Auebad gewesen war. So waren es nur zwei Halbbilder in einer nichts sagenden Kabine, die in jedem Bad der Welt stehen könnte...
    Theo seufzte.

    Aber immerhin steckte er in Connis Badeanzug. Dies war Connis Badeanzug, jawohl. Das Bewusstsein, dass er nun in dem Badeanzug seiner Lycrafreundin steckte, ließ ihn wohlig erschaudern. Er fuhr mit seinen Fingern über den Badeanzug, spürte, wie es kribbelte. Dieses Gefühl ließ er etwa eine Minute auf sich wirken.

    Er öffnete die Tür, verstaute seine Sachen im Schrank. Mit der Flasche Duschgel in der einen und einem Handtuch in der anderen Hand marschierte er die Schränke entlang. Ein Mann kam ihm entgegen, aber keine Reaktion. Theos Selbstvertrauen stieg.


    Im Duschraum war keiner drin, was auch gut war. Er zog den Badeanzug aus und reinigte seinen Körper, spülte auch den Badeanzug aus.
    Den nun nassen Badeanzug richtig anzuziehen und zu richten erforderte noch mal seine ganze Aufmerksamkeit. Aber auch das schaffte er mit Bravour.


    Nun aber, der Gang hinaus in die große Öffentlichkeit. Ein wenig mulmig war ihm schon zumute, aber was hatte Conni im Freibad zu ihm gesagt?
    'Dich kennt doch hier keiner.'
    Und wenn schon, wer sollte mir denn hier begegnen?, dachte Theo. An die Leute der Schletterando GmbH dachte er nicht.

    Theo öffnete die Tür, fand sich in der Halle mit dem großen 50-Meter-Becken und den acht Bahnen wieder.
    Echt riesig, dachte er.
    Nachdem er Duschgel und Handtuch in eine kleine Ablage deponiert hatte, stieg er in das große Becken.
    Dabei strömte das Wasser zwischen seinen Körper und den Badeanzug. Wieder umfing ihn das anregende Gefühl des engen nassen Eingepacktseins im Badeanzug, was er von dem Freibadbesuch noch gut in Erinnerung hatte.

    Theo schwamm los, bei jeder Bewegung spürte er den Badeanzug vom Schritt bis zu den Schultern. Wenn Conni ihn doch jetzt sehen könnte!
    Seine Gedanken gingen auf die Wanderschaft, nach Conni. Er dachte an sie, an ihren Badeanzug und den schwarzen Turnanzug, wie elegant sie darin aussah. Was für eine Aufwertung Frauen doch erfahren, wenn sie einen Turnanzug oder Badeanzug tragen.
    Wie diese Hochglanzkleidung ihren Figuren schmeichelt, das Tüpfelchen aufs i setzt. Für Conni galt das erst recht.
    Warum war sie jetzt nicht hier? Ach Conni...

    Da, plötzlich, eine Wand! Er konnte gerade noch anhalten. Von ihm unbemerkt war er auf einmal an der gegenüberliegenden Seite angekommen!
    Er musste schmunzeln.
    Bei seiner Arbeit ging es darum, Gefährdungen zu ermitteln, um Schaden von den Bedienern fern zu halten, und nun war er selber fahrlässig, passte nicht auf, träumte beim Schwimmen.
    Naja, dies war ja was ganz anderes, argumentierte er leidenschaftlich gegen sein inneres Sicherheits-Ich. Beim Sinnieren über Frauen in Badeanzügen oder Turnanzügen durfte man schon mal abschweifen.

    Theo schwamm noch einige Bahnen, er sah durch die großen Seitenscheiben, wie es draußen heftig regnete. Und nicht zu knapp.
    Gut, dass ich jetzt nicht draußen bin, ich würde ja total nass werden, witzelte er.

    Als er 1000 Meter voll hatte, stieg er aus dem Wasser, überlegte, was er nun machen wollte, schaute dabei auf den Boden.
    Er bekam nicht mit, dass er beobachtet und erkannt wurde.

    "Hey, hallo Theo! Du hier?" hörte er auf einmal eine Stimme vor sich.


    ------------------


    Theo blickte überrascht auf. Die Stimme kannte er doch.
    Vor 30 Minuten dachte er noch, wer sollte ihm hier begegnen?

    Nun sah er sich zwei Männern gegenüber. Erneut war er überrascht, denn beide Männer trugen wie er einen Badeanzug!
    Den einen Mann kannte er. Er trug einen schwarzen Badeanzug, mit dicken farbig ausgefüllten Kreisen.
    Da fiel der Groschen.


    "Arnold! Du auch hier?"

    "Genau, Theo! Freut mich, dich wieder zu sehen!"

    "Mich auch."

    Die beiden schüttelten die Hände.

    "Was verschlägt dich ins Auebad?" fragte Arnold.

    "Ich hatte beruflich in der Stadt zu tun, hatte zeitig Feierabend und wollte mal hier schwimmen gehen."

    "Ah ja, passt ja gut."

    Arnold wies auf den Mann neben sich.

    "Übrigens, darf ich euch miteinander bekannt machen: Dies ist Theo, ein Freund von mir; das ist Bernd, Xenias Freund."

    "Freut mich, dich kennen zu lernen, Bernd."

    "Ganz meinerseits, Theo."

    "Du hast ja auch einen Badeanzug an."

    Bernd trug einen Badeanzug mit Marineblau als Grundfarbe, mit drei aufgenähten umlaufenden breiten Streifen in den Farben Rot-Gelb-Grün.
    "Ja, Xenia hatte mich darauf gebracht. Ich wollte mit ihr einmal schwimmen gehen, hatte meine Badehose nicht dabei. Sie half mir aus - mit diesem Badeanzug. War ganz geckig. Und genau in diesem Schwimmbad trafen Xenia und ich vor einiger Zeit auf Arnold."

    Arnold grinste. "Wohl wahr. Ja, so wie es aussieht, wird dieses Schwimmbad allmählich dafür bekannt sein, ein Ort ungewöhnlicher Treffen zu werden."

    Theo und Bernd lachten mit.

    "Und du Theo? Wie kommst du zu deinem Badeanzug?" fragte Bernd neugierig.

    "Den hatte mir Conni ausgeliehen, eine gute Freundin von mir."

    "Einfach so?"

    Theo grinste.
    "Ich hatte das schon immer mal vorgehabt. Ich war mit Conni eines Tages im Freibad Uminghausen, dort sah ich einen Mann im Badeanzug. Das hat meinen Plan beflügelt. Ich erzählte ihr davon. Sie forcierte meine Idee, es gab kein Zurück mehr. Conni gab mir ihren zweiten Badeanzug, ich zog ihn an, also den, den ich jetzt gerade anhabe. Es war mein erstes Mal im Badeanzug im öffentlichen Bad! Ich war ganz schön aufgeregt. Das Schwimmen dann war total locker. Und es kam sogar dann zu einem Gespräch mit dem anderen Mann im Badeanzug."

    Arnold grinste, führte Theos Bericht weiter.
    "Und der Mann im Badeanzug, den Theo sah, war ich. So lernte ich ihn kennen, und Conni."

    "Ach so war das. Tolle Geschichte", lächelte Bernd.

    Theo fiel was ein. "Gut, dass ich euch treffe, vor allem dich, Arnold."

    "Wieso?"

    "Damit ich ein paar Zeugen habe, wenn ich Conni heute von meinem Schwimmgang erzähle."

    "Ach, sie wird dir schon glauben. Aber wenn nicht, kannst du uns gerne hinzuziehen."

    "Klar, tun wir", bekräftigte Bernd.

    Die drei Männer zogen ins kleine Becken, ließen es sich gut gehen bei den Massagedüsen, plauderten munter miteinander weiter, bis sie gegen 17 Uhr das Bad verließen.

    ------------------


    Bernd fuhr nach dem Schwimmen zu Xenia in 'ihre' Boutique, Arnold lud Theo zu sich nach Hause ein. Da gab es für Theo ein Wiedersehen mit Ulla und Josephine.
    Sie setzten sich an den gedeckten Tisch, es gab Abendbrot mit Aufschnitt und Käse.
    An Dienstagen wurde bei den Ellbredes abends kein warmes Essen gekocht, da es ja noch zur Harmunde ging.

    Theo staunte nicht schlecht, als Arnold ihn den Karton mit den ehemaligen Turnanzügen und Badeanzügen seiner Schwestern zeigte. Interessiert stöberte er mit Arnold durch die alten Turnanzüge, die ihn an seine Klassenkameradinnen erinnerten.

    ------------------



    Um kurz nach sieben fuhren sie alle zum Vereinshaus, wo die Harmunde stattfinden sollte, zum Vorbereitungstreffen der Leitung.
    Xenia, Bernd und Conni waren schon da, begrüßten die Nachzügler.
    Sie freuten sich, dass Theo auch gekommen war, sein erstes Mal bei einer Harmunde.
    Conni und Theo umarmten einander herzlich.
    "Hallo Conni, schön dich zu sehen!"

    "Hey Theo, ja, ich freue mich, dass du heute Abend gekommen bist!"

    Besonders begeistert war er davon, dass Conni den schwarzen Turnanzug Nereida-III über den roten Leggings trug, genau wie auch Xenia.
    "Du siehst darin toll aus, so mag ich dich noch lieber."

    "Danke sehr, Theo, für dein Kompliment. Ich mag diese Kleidung aber auch selber sehr gerne!"

    "Das finde ich auch, Conni! Hey Theo, alte Socke, Mr. Pink Leggings, willkommen!", bekräftigte die rothaarige Xenia Connis Ausspruch.

    Kurze Zeit später fand er sich für einen kleinen Augenblick in Xenias Armen wieder. Wenn sie jemanden begrüßte, dann richtig.

    Auch Xenias Kollegin Katrina und ein Mann waren gekommen. Theo kannte Katrina ja vom Freibad Uminghausen.
    Der Mann war ihr Bruder Roland, den Theo nun auch kennen lernte.

    Nach ein wenig Plausch rief Xenia alle zusammen: "Alle mal herhören. Theo, ich habe Neuigkeiten, vor allem betrifft es Conni. Sie weiß es schon. Nur du nicht."

    "Was ist denn mit Conni?"

    Xenia holte tief Luft, verkündete stolz:
    "Ich baue ja derzeit das Red-Xeni-Projekt auf, also die Fertigung von Leggings in meinem Stil. Ab nächsten Monat wird Red Xeni in der Nachbarstraße neue größere Räume beziehen, mit Platz für 8 Arbeitskräfte, ausbaufähig bis 12. Kurzfristig haben wir im Haus nebenan drei Räume gemietet. Da werden wir die neuen Arbeitskräfte schon mal anlernen. Die Räume werden bereits hergerichtet, ab nächsten Montag soll es dort losgehen. Ich hatte Anzeigen geschaltet für Leute mit Schneider-Kenntnissen, die teils nächsten Montag, teils aber erst zum nächsten Monatsbeginn anfangen können. Ich erwarte sechs neue Schneiderinnen.

    Und nun kommt es: Conni hat sich bereit erklärt, zwei Monate lang mir zu helfen. Sie hatte mir im Freibad verraten, dass sie seit kurzem arbeitslos ist, und in zwei Monaten erst ihre nächste Stelle antritt. Conni kann mit einer Nähmaschine umgehen und gut nähen, sie war vergangenen Freitag bei mir und hat mal zur Probe gearbeitet, ich war begeistert. Wir stellen Conni für diese zwei Monate ein. Ich lerne sie diese Woche an, wie man eine perfekte Leggings schneidert. Sie und ich werden dann die Neuen anlernen und selber produktiv tätig sein.

    Die Firma Red Xeni mitsamt allen Rechten gehört mir, die Firma wird aber kaufmännisch von meiner Chefin und Schneidermeisterin Elke geleitet, da ich keine Meisterin bin, und in Rechtsfragen unterstützt uns Roland, unser Anwalt. Elke und Roland haben mir erfolgreich geholfen, staatliche Förderungen zu beantragen, damit ich nicht gleich wieder pleite bin. Danke Roli übrigens!"

    Roland nickte freundlich. "Gern geschehen, Xeni."

    "Das sind ja tolle Nachrichten, Xenia!" rief Theo.

    Xenia reckte die Faust nach oben, rief laut: "Jo! Es geht endlich los!

    Übrigens: Conni wird nicht bei der 'Rasenden Nähnadel', sondern direkt bei Red Xeni eingestellt, sie ist also neben mir und Elke als Führungspersonal die allererste Arbeitnehmerin meiner neuen Firma."

    Conni jubelte. Die anderen freuten sich auch.

    Theo, nicht minder begeistert: "Herzlichen Glückwunsch Conni, mit dir wird Red Xeni also aufgebaut!"

    "Ja, danke Theo. Ich freue mich total!"

    "Sag mal Xenia, wieviel Leggings werden denn täglich bestellt?" fragte er.

    "Vor einer Woche waren es noch 12 am Tag. Gestern waren es 20, heute 22. Tendenz weiter steigend. Wird Zeit, dass wir dieser Nachfrage, dieser Herausforderung nun etwas Handfestes entgegenstellen können.
    Somit werden auch Katrina und Gesche langfristig entlastet, können sich wieder ihrer eigentlichen Arbeit widmen."

    Katrina feixte: "Wird ja mal Zeit. Ich träume nachts schon von roten Leggings."

    Alle lachten.

    "Und wo wohnt Conni denn während der zwei Monate?" fragte Theo.

    Arnold meldete sich: "Ulla, Josephine und ich haben uns bereit erklärt, sie in unserem Haus für zwei Monate wohnen zu lassen, in unserem Gästezimmer."
    Ulla und Josephine nickten.

    "Da brauche ich nicht pendeln, drei Kilometer schaffe ich auch mit dem Rad oder dem Bus. Und auch zur Harmunde ist es ein Katzensprung", strahlte Conni.

    "Wir hatten zuerst an Xenias Wohnung gedacht, doch ihre Wohnung und ihr Bett ist zu klein", schmunzelte Arnold.

    Xenia grinste. "Das würde auf ein Extremkuscheln hinauslaufen, vor allem dann, wenn Börni auch mal bei mir übernachtet. Ich habe zwar noch ein Sofa, aber für mehr als eine Woche könnte ich es guten Gewissens niemanden anbieten. Da ist Nollis Gästebett erheblich komfortabler."

    Gut gelaunt sprachen sie noch über die neue Situation. Es herrschte eine positive Atmosphäre.

    Aus dem Nachbarraum nahm Theo auf einmal ein grelles Licht wahr, die Tür war nur angelehnt.
    "Sagt mal, brennt es nebenan etwa?" fragte er alarmiert.

    Was er nicht wusste war, dass dort gerade Sweliana und Leo auftauchten, und Theo durch die halb geöffnete Tür den Lichtschein ihres Verschiebetanzes gesehen hatte.

    Arnold wiegelte ab. "Nein, nein. Es wird nur die Lichtanlage getestet", zimmerte er sich rasch eine Ausrede heran.
    Theo wunderte sich über Arnolds Antwort. Aber da verschwand bereits das grelle Licht, die Tür öffnete sich ganz, und die Senioren Sweliana und Leo betraten durch die Tür den Raum.

    Die beiden Ankömmlinge grüßten die Anwesenden. Josephine war von ihrer Großtante Sweliana begeistert, wie auch umgekehrt.

    Theo fiel beinahe die Kinnlade herunter, als er Sweliana sah. Die Frau mochte zwar an die siebzig Jahre alt sein, sah aber noch blendend aus, viel jünger. Und sie trug über roten Leggings einen lila Turnanzug mit zwei konzentrischen goldenen Kreisen, passend zu der Farbgebung des lila-goldenen Logos der Harmunde, eigentlich die Farbgebung des Turnanzugs, den offiziell die Heiler auf R-Wi trugen.

    Ihre langen roten Haare - was für eine intensive Farbe, noch stärker als bei Xenia - hatte sie mit einem goldenen Haarband zusammengebunden. Ihre Füße steckten in schwarzen Ballerinas. Einfach genial. Was für eine Ausstrahlung!
    Leo trug einen Ganzanzug aus dunkelblau glänzendem Stoff, nur Füße, Hände und Kopf waren unbedeckt. Auch er sah nicht wie ein Endsechziger aus.

    Er überlegte wo er die beiden schon mal gesehen hatte. Die Frau kam auf ihn zu.
    Theo grüßte sie. "Schönen guten Tag. Sie sehen klasse aus."

    "Vielen Dank! Ich bin Sweliana Ellbrede, die Tante von Xenia und Arnold. Du kannst mich ruhig duzen."

    "Angenehm, ich heiße Theo. Ich weiß nicht genau, aber ich kenne dich von irgendwoher. Deinen Namen habe ich schon mal gehört."

    "Du wirst mich bei der Übertragung der Gymnaestrada aus Dornbirn gesehen und gehört haben. Ich habe dort eine Rede gehalten."

    Theo ging ein Licht auf. Ja, das war sie. Die wunderbare Dame mit der ergreifenden Rede.
    "Ja, jetzt erinnere ich mich, das war sehr bewegend für mich."

    Wie gut sie noch drauf ist, so energetisch, so schwungvoll, Hut ab, dachte er.
    Und wie toll sie aussieht. Damals wie auch jetzt hier. Ihr lila Turnanzug mit den goldenen Kreisen sieht ja echt edel aus.

    Die R-Wi-a Altidantsa Sweliana bekam alles mit, was Theo dachte, und freute sich.

    Theo erzählte in Kurzform von seiner drei Minuten Live-Übertragung in den Alpen, den traurigen Abbruch wegen Strommangels, ohne Kessi namentlich zu erwähnen, aber auch von Conni, die er einen Tag danach kennen lernte, und wie sie sich anfreundeten.

    Sie lächelte und freute sich. Sie bedauerte den Abbruch, freute sich aber über die Harmonie zwischen Conni und Theo.

    Zum Schluss ihres Gesprächs schwieg Theo. Sweliana begann wieder, seine Gedanken zu lesen. Er dachte daran, Sweliana nach Kessi zu fragen, ob sie Näheres über Kessi wüsste. Schließlich war sie ja auch bei der Gymnaestrada in Dornbirn dabei. Er hielt aber still.

    Altidantsa Sweliana, die Oberste Bewahrerin der Harmonie, las seine Gedanken, musste sich aber eingestehen, dass sie keine Kessi kannte. Fast wollte sie ihn fragen, wer denn Kessi sei, als sie erkannte, dass sie damit ihr Gedankenlesen verraten hätte.

    So schwieg sie, wenn auch ein wenig deprimiert, weil sie ihm nicht helfen konnte.

    "Svea-ke-re-ama, wollen wir noch mal kurz besprechen, wie der heutige Abend ablaufen soll?", fragte Xenia ihre Tante laut, so dass Sweliana den Gedanken an Kessi verdrängte und sich ihrer Nichte zuwandte.

    So plauderte Theo dann mit Conni, während Sweliana, Leo, Arnold und Xenia den Ablauf besprachen.
    Er gestand ihr, dass er am Nachmittag in ihrem Badeanzug schwimmen war, und das genoss. Sie freute sich darüber.
    Theo berichtete von seinen Erlebnissen beim Schwimmen.
    Sie kringelte sich vor Lachen, als sie erfuhr, dass er dort Arnold im Badeanzug ein zweites Mal traf.

    Viertel vor acht wurde die Tür geöffnet und die Hami kamen herein. Theo wunderte sich über den Andrang, schätzte die Hereinkommenden auf gut 100 Personen.

    Die Harmunde empfand er als sehr warmherzig. Der freundliche Umgang miteinander sprach ihn an. Nun konnte er auch das Vokabular der Harmoniesprache zuordnen, was er früher mal stückweise aufgeschnappt hatte.
    Swelianas Vortrag über positive Gedanken und ihre Kraft hatten was, ähnlich wie eine Predigt.
    Ein kleines bisschen erinnerte ihn das Ganze an eine Sekte, nur dass das hier ohne jeden religiösen Bezug auskam. Was ebenfalls gegen eine Sekte sprach, war die Offenheit der Leute, auch was kritische Nachfragen anging, so dass er nie den Eindruck hatte, in einem geheimen ominösen Zirkel gelandet zu sein. Alles war unverbindlich und freiwillig. Und die gymnastischen Übungen und die Tänze machten ihm Spaß.

    Weiterhin gefiel ihm Conni und ihr Turnanzug. Und Conni war natürlich begeistert, dass Theo gekommen war, aber auch, dass er seine pinke Leggings trug.

    Nach der Harmunde sprachen Conni und Theo miteinander. Irgendwie kamen sie wieder auf das Schwimmtreffen im Auebad.
    Arnold und Bernd traten hinzu, bestätigten Theos Bericht.

    Conni und Theo vereinbarten ein weiteres Treffen.
    Da sollte es konkret um den Kauf eines neuen Badeanzugs für Theo gehen.

    Danke Martin, lycwolf und toby für euer "Gefällt mir" :)

    Danke lycwolf für deinen umfassenden Kommentar und dein Lob.
    Ja genau, du hast ihn erkannt, der Humorist mit dem Pirol; der, der (anfangs) 'Wum' und 'Wendelin' seine Stimme lieh.

    Ute.

    Sie bildet einen Gegenpart zu den ja eigentlich braven, netten Harmunden, und nimmt das ganze auf den Arm.

    Ilka, Laila, Dietmar, Gunda.

    Zu denen kann ich sagen, dass es nicht nur Gunda alleine ist, die da leidet. Einiges, was Gunda mit ihrer Partnersuche erlebt, wird auch ein wenig gespeist aus meinem eigenen Leben, was ich da in Teilen offenbare. Es gibt ein reales Vorbild für Gunda. Mehr dazu in den Folgen 41 bis 43.

    Kessi.
    Stuttgart 21 soll 2025 in Betrieb gehen, und BER am 31.10.2020. Sofern dies Forum nicht durch weitere Auszeiten glänzt, solltet ihr wissen, wer Kessi ist, noch bevor offiziell ein Flugzeug auf BER landet oder startet...
    Fertig sind die fraglichen Folgen bereits, nur chronologisch sind sie noch nicht dran.

    Für Folge 40 richte ich meinen Blick kurz in die Welt von Theo, Conni und Co.
    Sie spielt am Dienstag Nachmittag bis Dienstag Abend.

    Kapitel 39: Dritte Harmunde


    Montag Morgen.

    Als Gunda aufwachte, merkte sie ungewohnte Schmerzen an Armen und Schultern. Ach, das war der Muskelkater vom Paddeln! Das war also doch zuviel Anstrengung. Naja, egal, das Paddeln fand ja sowieso nur ein einziges Mal statt. Abgehakt und vergessen.

    In der Firma arbeiteten Gunda und Dietmar wieder zusammen an denselben Projekt.
    Die beiden unterhielten sich übers Wochenende, und über ihr Treffen im Park.

    Dietmar erzählte freimütig von sich und Ilka. So erfuhr Gunda, dass die beiden nun wirklich zusammen waren.
    Sie hatte zwar noch Hoffnung gehabt, aber die schwand nun zusehend.
    Eine Zeitlang dachte sie daran, seine Zweitfreundin zu sein. Aber was für ein dämlicher Gedanke. So etwas kann doch gar nicht funktionieren. Außerdem wollte sie Dietmar ja ganz haben, und nicht mit dieser rosa Trulla teilen müssen.
    Wäre doch schön, wenn sie Dietmar bekäme, und Laila würde Ilka krallen... Aber nee, er muss ja auf Ilka stehen...
    Gunda seufzte.
    Dann musste sie eben jemand anderes finden. Nur wo sie suchen sollte, wusste sie noch nicht.
    Laut Nereida müsste die Liebe ja irgendwie von selbst kommen, wenn sie sie nicht erwartete. Na denn...

    Sie rief den Programmcode auf, den sie bearbeiten wollte. Allerdings war sie immer noch nicht ganz bei der Sache.
    Ihr Gedankenkarussell rund um Ilka und Laila wollte nicht aufhören sich zu drehen.
    Wie sollte sie ihre Beobachtung bewerten? Die zwei hauteng bekleideten Frauen Hand in Hand?
    Nur Freundinnen? Oder sogar Geliebte?

    Weiterhin fragte sie sich, ob es richtig wäre, Dietmar danach auszufragen. Oder ihn zu warnen, oder Laila zu warnen.
    Aber sie wollte keinen Ärger erzeugen. Beide mussten ja weiter bei der Arbeit miteinander klar kommen.
    Schweren Herzens hielt sie also still. Bis sie eine endgültige Antwort bekam, würde sie weiterhin Dietmar im Auge behalten, ihn überwachen.
    Aber warte mal. Am Abend zur Harmunde kommt doch Laila. Mal sehen, was da zu machen ist...

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    Montag Abend.

    Aus Ingos Sicht.

    Meine Schwester Gunda war so ungewöhnlich wortkarg heute, schon den ganzen Tag. Ich wollte sie fragen, aber unterließ es. Wenn sie 'ihre Tage' hatte, war sie oft so. Sie stöhnte ein wenig, muss wohl an ihrer ungewohnten Paddeltour gelegen haben.

    Meine Kollegin Sandra kam mit den Gehaltsabrechnungen herum. Sie freute sich schon auf die Harmunde, mochte die Atmosphäre dort. Ihr Mann, mein Skatbruder Torsten, hatte weiterhin keine Lust. Er soll gemeint haben, zu so einer Sekte wolle er nicht. Da könnte sie ihm auch nicht helfen.
    Sie holte eine große Tüte hervor, schenkte mir daraus einen Schokoladenmarienkäfer, da war ich angenehm überrascht, dankte ihr.
    Sandra zog weiter und verteilte mit den Gehaltsabrechnungen an alle Kollegen je einen dieser Schokoladenmarienkäfer.
    Manchmal kommt sie auf solche Ideen.

    Lisa und ich holten abends ihre Mutter und Tante ab. Gemeinsam zogen wir zum Vereinshaus.

    Das war auch ein schöner Aspekt der Harmunde, das breite Altersspektrum. Es waren Rentner dabei wie Lisas Mutter und Tante, dann Leute Mitte 40 wie Lisa und ich, und auch junge Erwachsene wie die 25-jährige Bäckereifachverkäuferin Franziska.
    Die erzählte uns, wie sehr sie die Harmoniedusche von letztem Mal beeindruckt hatte.

    Ute in ihrem königsblauen Turnanzug kam auch wieder, mit grinsendem Gesicht. Ich fragte sie, warum sie so grinste.
    Sie meinte, die Harmunden wären besser als alle Comedy der Welt. Und das einmal pro Woche live, und dazu kostenlos.
    Musste überlegen, was Ute an der Harmunde so witzig fand, mir fiel nichts ein.

    Steigern sich die Zuschauerzahlen wieder? Ich zählte die Anwesenden, neunzig Hami. Zehn mehr als vor einer Woche. Wenn das so weiter ginge, dann würde der Saal im Vereinsheim aus allen Nähten platzen, und wir müssten wieder in die Turnhalle, wo zwar alle hereinpassen, die aber ungemütlich und kalt wirkte.

    Beata hieß uns alle willkommen zur Harmunde. "R-Wi-alo!" rief sie.
    Sie trug den rot-weißen Vereinsturnanzug, strahlte wie die Sonne. Sie sah wirklich glücklich aus.
    Wir antworteten mit demselben Gruß. Dann sollten wir uns untereinander begrüßen.

    Ute hatte wieder einen ihrer drolligen Einfälle: "R-Wi-al-di Femke-ke-re-ses", begrüßte sie ihre Turnpartnerin.
    Die Niederländerin in ihrem rot-glänzenden Turnanzug musste lachen. "R-Wi-al-di... hahaha... ach nee, das heißt R-Wi-li-dl Ute-ke-re-ses", antwortete sie.
    Ute musste sich gehörig zusammenreißen, um nicht laut loszulachen. Sie kicherte und konterte mit: "R-Wi-re-we ke-re-ses"
    woraufhin Femke lachend antwortete: "R-Wi-top-kauf ke-re-Ute", Ute dann "R-Wi-e-de-ka Femke" erwiderte...
    Fast hätten die beiden sich weggeschmissen vor Lachen, wenn Beata sie nicht ermahnt hätte: "Hey Ute-ke-re-ses und Femke-ke-re-ses, übertreibt es man nicht."

    Beata schaffte es, meine Anfangssorgen der steigenden Teilnehmerzahlen zu zerstreuen.
    "Freut euch, wir bekommen demnächst eine eigene Wirkungsstätte für unsere Harmunden.
    Somit brauchen wir nicht mehr den TSV um Räumlichkeiten anzubetteln.
    Dann haben wir was Eigenes."

    "Was eigenes, ja. Als Frau benötigt man das. Dann sind wir eigenständig. Dann haben wir das Blödeldiplom", verquirlte Ute grinsend Beatas Aussagen mit dem Jodelsketch einen bekannten deutschen Humoristen.
    Netterweise bekam es außer mir nur Femke es mit. "Ute, hör auf, ich mach mir sonst gleich in meinen Turnanzug!", forderte sie lachend.

    Franziska in schwarzen Caprileggings und einem weinroten langärmeligen Turnanzug meldete sich.
    "Wo sind die denn, die neuen Räume?" fragte sie neugierig.

    Beata nannte uns den Ort. Eine Halle einer stillgelegten Fabrik in Obertupfingen, umgewidmet zu einem Haus der Harmonie.
    Gekauft von einem Mann, der an die Harmoniebewegung glaubte und weit reichenden Einfluss hatte.
    Mit Platz bis zu 200 Hami inklusive Umkleideräume. Die Umbauarbeiten seien in vollem Gang.

    Jubelnd nahmen wir die Nachricht auf. Nächstes Mal sollte es dort bereit stattfinden.

    Wir machten auch diesmal wieder die Partnerübungen.

    Ich übte zusammen mit meiner Lisa. Sie trug wieder ihren schwarzen Samtturnanzug mit den Glitzerärmeln. Der fühlte sich so gut an, so flauschig bequem. Den hatte ich nämlich auch schon mal angehabt.
    Als ich in Lisas blaue Augen schaute, schmolz ich fast dahin.

    Unweit von uns turnten Ute und Femke die Übungen nach. Keine Ahnung warum, aber die beiden waren meistens am Kichern. Die haben wohl mal wieder einen ernst gemeinten Spruch oder Anweisung von Beata oder Nereida veralbert. Das meinte Ute vorhin wohl mit 'besser als alle Comedy der Welt'...

    Gunda in ihrem einfarbig blauen Turnanzug übte mit Laila zusammen, die auch einen blauen Anzug trug. Nur Lailas war um Längen hübscher, mit auffälligem Muster, recht filigran gearbeitet. Stufenloser Übergang der Blautöne, Strasssteine. Die Ärmel aus dunkelblauem Tüll. Hut ab!
    In den mal herein zu schlüpfen wäre auch einmal eine Maßnahme, nur um zu wissen, wie er sich anfühlte...

    Dass Gunda das Miteinander-Üben ausgerechnet mit Laila forciert hatte, wusste ich nicht.
    Ich wusste ebenso wenig, was Gunda am Sonntag alles erlebt hatte. Sie war recht wortkarg in ihrem Bericht über die Paddeltour mit Fabian. Als ich sie fragte, wie das mit Fabian war, sagte sie bloß: Ach, ganz ok.

    Ich müsste ihn am Mittwoch vor der TuFiTa mal nach seiner Version des Treffens fragen... wenn ich das nicht wieder vergesse oder als Gerätewart nicht dazu komme. Er könnte doch auch ein Kandidat für meine auf Partnersuche wandelnde Schwester sein. Vielleicht hatte sie mir auch nicht alles erzählt, oder wollte es nicht.

    Als Gunda an Laila geriet, dachte sie wieder an Laila und Ilka, wie die händchenhaltend im Park spazierten. Und nun übte sie mit Laila persönlich! Wenn das Ilka wüsste... hihi. Aber immerhin trug Laila auch einen Turnanzug in Blautönen wie sie, das war ja wenigstens etwas.

    Laila wiederum war komplett ahnungslos in Bezug auf das, was Gunda über sie wusste.
    Sie war unvoreingenommen und lächelte vergnügt. Laila hatte glaube ich noch nie schlechte Laune, ich hatte sie immer strahlend in Erinnerung.
    Gunda lächelte sehr verhalten, zu finster waren ihre Gedanken.

    Es lag Gunda auf der Zunge, sie zu fragen: 'Laila, weißt du eigentlich, dass 'deine' Ilka dich betrügt?'
    Was würde dann passieren, wenn sie es täte? Gunda spielte in Gedanken mehrere Szenarien durch. So wie es ein anständiger Schachspieler tat. Für jedes Szenario überlegte sie sich eine passende gepfefferte Antwort. Laila hätte keine Chance.
    Sie lächelte nun auch deutlicher, aber eher hämisch.
    Nun hatte sie eine Entscheidung gefällt. Ja, sie würde es jetzt gleich tun. Harmonie hin oder her, vollkommen egal.
    Sie konnte auch ein echtes Miststück sein...

    Immerhin würde sie sie ja warnen, was die andere womöglich blauäugig übersehen hatte. Laila könnte, ja müsste ihr sogar dankbar sein.
    Gunda öffnete also ihren Mund, begann zu sprechen: "Laila, w..."

    "Vielen Dank liebe Hami für euer harmonisches Üben, ich hatte mir mal verschiedene Hami dabei angeschaut und bin begeistert", sprach Beata laut, übertönte damit Gundas düsteren Satzbeginn, so dass die erschreckt aufhörte zu sprechen.

    Während sie sprach, ging Beata durch die Menge und kam Gunda und Laila immer näher.

    "Bedankt euch jetzt bei eurer, eurem Hami fürs Üben und sagt ihr oder ihm, was euch dabei ganz besonders gefallen hat."
    Zufällig kam sie auf Gunda und Laila, wählte die beiden aus, dass sie laut sagen sollten, was ihnen am anderen gefallen hatte.

    Laila meinte laut: "Also meine Gunda-ke-re-ses hat immer nett mitgemacht, ich fand sie friedvoll und harmonisch!"

    Gunda war irritiert. Wurde ihr Verhalten wirklich so nett empfunden?

    "Oh, das freut mich, Laila-ke-re-ses! Ihr Hami, findet ihr nicht auch?" fragte Beata beschwingt in die Runde.

    Die anderen Hami applaudierten, Laila und Gunda wurden von Beata unvermutet umarmt. "Schau, Gundi-ke-re-ses, wie harmonisch Laila von dir denkt."
    Das irritierte sie erneut, sie fühlte sich ein wenig peinlich berührt. Ihr eigentliches Vorhaben mit Laila schien ihr zu entgleiten.

    "Und dir, Gundi-ke-re-ses, was hat dir an Laila und dem Üben mit ihr gefallen? Was ist dir in Erinnerung geblieben?" fragte Beata mit Nachdruck.

    Gundas finsteres Gedankenkonstrukt, ins Wanken geraten, stürzte endgültig in sich zusammen.
    Beata hatte es mit ihrer Umarmung für Gunda und durch ihre direkten Fragen zerstört.
    Gunda spürte deutlich Beatas Autorität.
    Und sie wusste, dass alles, was sie dachte, würde die R-Wi-a Beata mitkriegen.

    Zum Glück hatte Beata Gundas vorherige finstere Gedanken nicht mitbekommen. Ihre Absicht war, Gunda einfach nur ein paar positive Gedanken zu übermitteln, wusste sie doch von Gundas Suche nach einem Freund.

    So wichen alle schlechten Gedanken aus Gunda, sie sah erst Laila, dann Beata an und sagte frei heraus, was ihr einfiel: "Sie trägt einen hübschen Turnanzug."

    Die meisten schmunzelten, Beata ebenso. Laila lachte. Von Ferne hörte man auch Femke und Ute lachen.

    "Das ist allerdings auch ein hervorstechendes Merkmal, und ich muss Gunda Recht geben", sagte Laila erfreut, drehte sich daraufhin einmal um sich, stellte sich kurz in Pose.

    Das war nicht ganz das, was Beata hören wollte. Sie hakte nach: "Gunda, ich meinte, wie sie sich dir gegenüber verhalten hatte."

    Gunda versuchte sich an die letzten Minuten an Lailas Verhalten zu erinnern, stammelte:
    "Ja... also... äh... Laila war... äh... war sehr... äh... vergnügt, ja."

    "Sehr schön, Gundi-ke-re-ses!"
    Beata strahlte, umarmte Gunda erneut. Auch Laila freute sich. Gunda wurde davon ein wenig angesteckt.

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    "Wir wechseln alle für unsere nächste Übung den, die Hami. Verabschiedet euch zuerst, stellt euch dann wieder einander vor", gebot Beata. Sie ging zurück, sprach dann mit Nereida über den weiteren Programmablauf.

    Gunda landete bei Sandra, Laila übte mit Lisa, Femke schloss sich Kerstin an, Ute fand sich bei Agnetha wieder, meine Übungspartnerin war Oksana.

    "R-Wi-al-di, Agnetha-ke-re-ses", grüßte Ute, ohne eine Miene zu verziehen.

    "R-Wi-al-di, Ute-ke-re-ses, äh, huch, das klingt aber ein wenig anders als bei Beata", wunderte sich die blonde Schwedin.

    "Ach, das geht klar, bedeutet dasselbe", flunkerte die blaubeturnanzugte Floristin schmunzelnd.

    Agnetha grinste.

    "Du Agnetha, wie hieß noch mal dein Tanz von der TuFiTa? Mit dem Ku-wack-wack-wack?" fragte Ute neugierig.

    "Der Tanz ist 'Små grodorna', Ute."

    "DAS müssten wir hier mal vorschlagen."

    Und Femke von nebenan meinte: "Genau. Mal den Laden aufmischen hier."

    "Macht ihr mit? Wir wünschen uns Agnethas schwedischen Tanz", beackerte Ute die anderen von der TuFiTa.

    Die Stimmung war gemischt, aber dennoch positiv.

    Ute bekam Oberwasser.
    "Beata-ke-re-ses!" rief sie laut.

    Die drehte sich überrascht um, ihre Schwester auch. "Hey Ute-ke-re-ses, was gibt es?"

    "Wir haben eine Idee für einen total harmonischen Tanz!"

    Beata war stets auf alles gefasst, wenn es von Ute, Femke, Marion oder Silvia kam.
    Sie kannte ihre Pappenheimerinnen.
    Dennoch ging sie darauf ein: "Woran habt ihr gedacht?"

    "Wir dachten an..." begann Ute.

    "...Små grodorna!" riefen sie.

    Beata fasste sich mit der Hand an ihre Stirn, schaute nach unten, schloss die Augen.
    Oh je, alles, aber nur das nicht, dachte sie.

    Sie wollte gerade aufblicken und dankend ablehnen, als jemand schneller war und ihren Plan torpedierte.

    Ihre eigene Schwester stand da mit leuchtenden Augen.
    "Oh, ein toller Vorschlag, Ute! Das bauen wir ein, nicht wahr, ke-re-ses?"

    Beata seufzte. Sie dachte an ihre Schwester:
    Oh Nereida, willst du das wirklich?

    Ja, ke-re-Tinaxana-Beata, das ist lustig. Komm, mach mit!

    Beata gab überrumpelt nach: "Na gut, machen wir!"

    Ute und Femke waren begeistert von Nereidas Reaktion und dem Sieg über Beata.
    "Nereida, Nereida, Nereida-ke-re-ses", riefen sie die Turnfee anfeuernd. Nereida strahlte.

    So kam es, dass Agnetha und die anderen von der TuFiTa diesen Tanz gegen Beatas Bedenken in der Harmunde vorführten.
    Erst war die Mehrheit verhalten, dann machte sich gute Laune breit, und alle konnten sich am schwedischen Tanz erfreuen.

    Agnetha freute sich sehr, dass der Tanz aus ihrem Land gut ankam.

    Nach dem Tanz wies Beata auf ihre Schwester.
    "Der Gedankenanstoß kommt heute von Nereida."

    Die Turnfee strahlte.
    "Ja, liebe Hami, und er hat mit Gedanken zu tun.
    Alles was ihr tut, lasst, sagt oder verschweigt, beginnt mit Gedanken.
    Unterschiedliche Gedanken beschäftigen uns.
    Ihr Hami, für die nächste Minute schweigt mal und beobachtet eure Gedanken, nehmt sie bewusst wahr, was fühlt ihr dabei?"

    Ein Rascheln, was irgendwann verstummte, hallte noch in der Halle nach.

    Ich schweife dauernd ab und die Gedanken entgleiten mir, dachte ich.

    Auf was für Gedanken Nereida wohl hinauswill, und ob sie uns nun allen zuhört?, fragte sich Lisa.

    Ich fühle gerade eine Müdigkeit aufkommen, geht's gleich weiter, Nereida?, dachte Ute gelangweilt.

    Nereida hörte uns nicht, unterbrach die Stille:
    "So, ihr habt nun euren Gedanken zugehört. Haben sie euch ermutigt, unterhalten, oder bedrängt, beängstigt?
    Behaltet die Antworten für euch.

    Worauf ich hinaus will: Es gibt ja die positiven und negativen Gedanken.
    Die positiven bauen euch auf, die negativen ziehen euch hinab.

    Lasst die negativen Gedanken sausen, nehmt ihnen ihre Macht.
    Woher kommen sie?
    Einen destruktiven Gedanken hast du ein einziges Mal gedacht, und er hat sich festgesetzt. Wozu?
    Brecht aus diesem lähmenden Kreis aus.
    Lasst es nicht zu, dass sie euch ständig vereinnehmen, bei dauernder Wiederholung.

    Wie kann sich dein Leben denn toll und positiv entwickeln, wenn du oftmals schlecht über dich und die anderen denkst?"

    Bei ihrem letzten Satz schaute Nereida zufällig gerade Gunda an.

    Die fühlte sich von dem Blick der Turnfee eiskalt durchbohrt und ertappt von Nereidas Aussage, auch in Bezug auf ihr versuchtes Intrigenspiel gegenüber Laila.
    Es tut mir leid, ich will von nun an netter denken, dachte Gunda verschämt.

    "Konzentriert euch lieber auf die positiven Gedanken.
    Jeder von euch denkt mal die nächste Minute daran, was hast du heute positiv gedacht?"

    Wir versanken in Schweigen.

    "Teile es deinem Hami mit", gebot Nereida uns.

    "Ich hatte mich schon den ganzen Tag über auf heute Abend gefreut", sagte ich zu Oksana.

    Sie strahlte. "Ging mir auch so. Ich dachte daran, wie schön mein Leben als Tänzerin ist."

    Sandra sagte zu Gunda: "Ich dachte, wie überrascht die Kollegen wohl reagieren würden, wenn ich allen eine Kleinigkeit schenke?"

    "Oh ja, Sandra, das fand ich voll nett von dir, wirklich! Ich dachte, wie schön, jemand macht mir einfach so eine Freude, womit habe ich das verdient, deine leckere Überraschung?"

    Sandra freute sich.

    Nereida erhob ihre Stimme.
    "Was hat dir heute ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert, mal abseits von der Harmunde?"
    Sie ging herum, zu verschiedenen Hami.

    "Als eine Kundin mir mitteilte, wie sehr sich deren Mutter über den von mir gebundenen Blumenstrauß gefreut hatte", meinte Ute.

    "Oh toll, Ute-ke-re-ses!"

    "Als meine Tochter mir mittags zum Besuch einen Blumenstrauß mitbrachte", erzählte Lisas Mutter.

    "Wie schön, Regina-ke-re-ses!"
    Lisa strahlte. Ute auch. Hatte sie den Strauß doch von Ute bekommen und es ihr nach dem Besuch bei der Mutter mitgeteilt...

    "Als ich morgens einen kleinen Liebesbrief von meinem Liebsten vorfand und las", lächelte Lisa.

    "Ich freue mich für dich, Lisa."

    Da fühlte ich mich besonders wohl, ja, ich hatte Lisa ein paar Zeilen geschrieben. Zu wenig hatte ich das in der Vergangenheit gemacht, und ich fühlte, dass es an der Zeit war.


    "Als Sandra mir heute früh einen Schokoladenmarienkäfer schenkte", gestand Gunda.

    "Auch eine schöne Situation, liebe Gunda und liebe Sandra", lächelte Nereida.

    "Also: Schenk deinem Hami neben dir ein Lächeln
    als Antwort bekommst du auch eins."

    Nereida wartete eine Minute, fuhr dann fort:
    "Lächele, denke positiv.
    Lobe dich, ermuntere dich:
    Ich habe die Erlaubnis, dies oder das zu tun.
    Ich bin einmalig.
    Ich muss niemanden nachahmen müssen, denn ich und mein Wohlbefinden sind mir wichtig.
    Ich werde einen Weg hinaus aus meinen Sorgen finden. Das möchte ich. Und das kann ich."

    Hier schaute Nereida zufällig wieder Gunda an.
    Die antwortete erschreckt in Gedanken:
    Nereida, ich soll einen Weg aus meinen Sorgen finden? Das soll ich können?

    Nereida dachte zurück: Na klar, Gundi, das kannst du. Du versuchst es jedenfalls. Auch wenn dein Weg in Schlangenlinien verläuft, bringt er dich Schritt für Schritt dennoch ans Ziel. Entdecke dein Potential.

    Danke ke-re-ama, dachte Gunda schon etwas mutiger.

    Nereida freute sich.

    Wir sprachen danach alle das Bekenntnis der Harmonie.

    Die Turnfee sprach dann zu allen:
    "Ein Vorschlag für euch:
    Schreibt täglich auf ein Blatt Papier, was euch heute Schönes passiert ist, und lest es beizeiten. Lasst die positiven Gedanken überwiegen. Formuliert den Text so, dass das Wort 'nicht' eben nicht darin vorkommt."

    Damit endete die Harmunde.

    Danke lycwolf!
    Danke für dein Lob. Die vergangenen (und kommenden) Folgen sind alle aufeinander abgestimmt und feingeschliffen.
    Du hast Recht mit Douglas Adams und meiner kleinen Anspielung auf den "Anhalter durch die Galaxis".
    Ja, es sind schon zwei süße Paare entstanden. Verwicklungen, ja, die kommen auch noch.

    Gunda, ja. Sie ist schon zu bedauern. Oder auch nicht, je nach Standpunkt.
    Sie will da auch noch reinfunken.
    Ob es ihr gelingt, erfahrt ihr in Kapitel 39, die dritte Harmunde, was ich noch zu Weihnachten veröffentlichen möchte.

    Hier übrigens eine wichtige Ankündigung, eine kleine Rechenaufgabe, zur Feier des Tages:

    111 Kapitel aus Staffel Eins plus 39 Kapitel aus Staffel Zwei ergeben 150 Kapitel gesamt.
    Insofern ist es ein Jubiläum. Und auch schön, dass es zu Weihnachten passiert.
    Feiert ein wenig mit mir Nereidas 150. Kapitel.