Beiträge von niki

    Die Inspiration für die 10 Lycra-Gebote habe ich (teilweise abgeändert) aus der Werbung eines bekannten Sportmode-Herstellers genommen. Leider gibt es keine besseren Bilder.


    Der Lycra Song ist übrigens angelehnt an die beiden Songs "Hier kommt die Maus" und "Wadde hadde dudde da" von Stefan Raab.


    Ich könnte mir vorstellen, dass Herr Raab noch nicht mal abgeneigt wäre, den Song in den entsprechenden Outfits zu interpretieren und so Werbung für Lycra (Invista) zu machen, weil er seine Liebe zu Lycra schon oft unter Beweis gestellt hat. Ein bisschen Spaß muss sein :)

    Danke, dass euch das Thema und die Geschichte gefällt. Ich bedauere, dass ich lange nichts mehr Neues geschrieben habe. Ich bin schon länger nicht mehr in der Stimmung dazu, aber ich hoffe bald wieder. Ideen, die Geschichte weiter zu spinnen, hätte ich noch viele.

    Auf zu neuen Ufern! Was für eine illustre Gesellschaft an Bord der LyCruise... Prädikat: Besonders lesenswert! Alleine schon die Idee, alle Lycrafans auf einen Dampfer zu verfrachten, wo sie ihrer Leidenschaft und ihren Gefühlen freien Lauf lassen können, finde ich sehr lobenswert.


    Nachdem ich angefangen habe, Deine neue Geschichte zu lesen, kann ich gar nicht mehr aufhören. Ich finde es faszinierend, wie Du mit jeder Deiner Geschichten den Leser gekonnt fesselst und ihn auf eine Reise mitnimmst, die vor Spannung und Lycra nur so knistert.


    Und dass selbst Peter (wohlgemerkt nicht der aus Gaia), sondern der aus "Ein tierisches Paar", sich auf der LyCruise befindet und seinen Lycra-Song zum Besten gibt und Du noch viele weitere liebenswerte Charaktere aus anderen Geschichten dieses Forums mit an Bord holst, zeigt, wieviel Leidenschaft und Liebe Du in Deine Geschichten einfließen lässt.

    Hallo liebe Lycra-Verrückten! Diese Methode des kreativen Geschichtenschreibens habe ich selber mal nebenbei in einem Kurs erfahren.


    Habt ihr euch auch schon mal gefragt, wie man schnell eine phantasievolle oder lustige Geschichte erfinden kann? Es ist ganz einfach: Überlegt euch 3 Gegenstände, die euch möglichst spontan einfallen. Alternativ könnt ihr auch rausgehen und einen Spaziergang machen. Sammelt dabei 3 Gegenstände ein, die auf dem Weg oder in der Gegend rumliegen. Das können z.B. weggeworferne Gegenstände sein, die euch aus irgendeinem Grund ansprechen. Es können auch sehr kleine Dinge sein.


    Aus diesen 3 Gegenständen konstruiert ihr nun eine phantasievolle Geschichte. Die 3 Gegenstände müssen also in der Geschichte vorkommen und ihr baut diese in die Geschichte ein. Das Thema der Geschichte steht euch frei zur Wahl. Hier wäre es natürlich das Lycra-Thema.


    Ein Beispiel von mir (bisher mit 2 Teilen) findet ihr hier:

    Ein tierisches Paar


    Eine zweite Kurz-Geschichte von mir ist diese. Es kommen darin vor:

    • eine kaputte Kuckucksuhr
    • eine Kartoffel
    • ein Plastiklöffel


    Ich muss zugeben, der Einstieg ist nicht immer leicht. Aber wenn man erstmal etwas geschrieben hat, entwickelt sich die Geschichte meist wie von selbst. Ich habe, bevor und während ich eine Geschichte schreibe, eigentlich nie genau einen Plan, wie sich die Geschichte entwickeln soll. Darum lasse ich mich selber überraschen, was mir so einfällt und welche Wendungen die Geschichte nimmt.

    Kuckuck!

    Viola hatte eine Schwarzwälder Kuckucksuhr in der Hand und betrat einen urig wirkenden Uhrenladen mit dem lustig klingenden Namen "Ding Dong". Sie hatte die Kuckucksuhr von ihren Großeltern mitgenommen, um sie reparieren zu lassen. Das Uhrengeschäft war ein sehr wunderlicher Ort, denn hier tickten, bewegten sich und liefen permanent alle mögliche Uhren. Viola beugte sich nach vorne und betrachtete etwas näher eine kleine Spieluhr, die sich in einem offen stehenden Kästchen befand. Diese Spieluhr zeigte ein tanzendes junges Paar.


    "Hallo, was kann ich für Sie tun?", fragte sie ein etwa 30-jähriger Mann. Noch ehe Viola sich umdrehen konnte, musste er unweigerlich auf ihren attraktiven schwarz-glänzenden Leggings-Hintern schauen. Viola hatte heute ein äußerst knappes T-Shirt an. Etwas erschrocken drehte sich die 25-jährige um und erblickte einen gut aussehenden, freundlich wirkenden jungen Mann. "Ähm, ich würde gerne diese Kuckucksuhr reparieren lassen. Sie ist von meinen Großeltern und irgendwie klemmt sie. Jedenfalls kommt der Kuckuck nicht mehr raus." "Ich schaue mal nach.", sagte der Mann und legte die Kuckucksuhr auf den Tisch neber der Kasse, um sie sogleich aufzuschrauben. "Kein Wunder, dass sie nicht mehr funktioniert.", stellte er relativ schnell fest, nachdem er sich das Innere angeschaut hatte und fuhr fort: "Da ist eine Feder rausgesprungen. Das ist eine Kleinigkeit."


    Im Nullkommanichts war die Kuckucksuhr wieder repariert, zusammengebaut und Viola glücklich darüber, dass der Kuckuck wieder aus seinem Türchen flog, nachdem er die Uhr getestet hatte. "Vielen Dank. Meine Großeltern werden sich bestimmt sehr freuen, dass der Kuckuck wieder fliegt. Was kostet eigentlich diese schöne Spieluhr dort?", fragte Viola und deutete auf das tanzende Paar. "Oh, die ist leider unverkäuflich, aber ich kann Ihnen gerne weitere Spieluhren zeigen, die wir verkaufen, falls Sie Interesse haben."


    Viola ließ sich weitere Spieluhren zeigen und der Verkäufer ließ auch das tanzende junge Paar laufen, nachdem er dieses aufgezogen hatte, aber keine Spieluhr faszinierte sie so sehr wie dieses tanzende Paar. Also bezahlte sie die Reparatur für die Kuckucksuhr, bedankte sich herzlich und verließ den Uhrenladen, während dort fast gleichzeitig alle Uhren anfingen, zu dingen und zu dongen. Der Verkäufer blickte der schlanken, attraktiven jungen Frau nachdenklich nach: "Schade, dass ich sie nicht angesprochen habe. Sie sah so süß aus in ihrer Leggings. Vielleicht ist sie noch Single und wäre nicht abgeneigt gewesen."


    Nachdem Viola die Kuckucksuhr zu ihren Großeltern gebracht hatte und diese sich sehr über den wieder funktionierenden Kuckuck gefreut hatten, schwang sie sich an diesem herrlich warmen Sommermorgen auf ihren Drahtesel und fuhr zur Uni. Heute würde es etwas länger werden, denn nach den Philosophie-Vorlesungen musste sie noch einige Bücher in der Bibliothek studieren.


    Am Abend fuhr sie gegen 18 Uhr wieder von der Uni zurück zu ihrer kleinen Studentenwohnung. Unterwegs begegnete sie zufällig dem netten Herrn aus dem Uhrenladen, der ebenfalls auf einem Fahrrad unterwegs war und in die entgegen gesetzte Richtung wie Viola nach Hause fuhr. Sie dachte sich, dass er noch attraktiver aussah als im Laden, da er sich nun in einer lila glänzenden Radlerhose und einem weißen Nike T-Shirt sportlich betätigte.


    "Einen schönen guten Abend!", strahlte der Mann sie an, während er anhielt. "Einen wunderschönen guten Abend!", antwortete Viola, während sie ebenfalls anhielt. Der Mann fragte sie: "Eigentlich ist es mir peinlich, Sie zu fragen, aber ich frage trotzdem, ob Sie vielleicht Zeit und Lust hätten, an diesem wunderschönen Abend mit mir ein Eis essen zu gehen. Ich lade Sie selbstverstänlich gerne dazu ein. Ich heiße übrigens Ulf."


    Viola konnte nicht Nein sagen, da sie sehr angetan war von dem netten gutaussehenden jungen Mann. Und da sie zur Zeit solo war, hatte sie Lust, jemand Neuen kennen zu lernen. Also fuhren sie gemeinsam nebeneinander in die Stadtmitte zu einer kleinen Eisdiele mit dem Namen "Ice Heaven". Viola wollte gerade von ihrem Fahrrad absteigen, da fiel ihr eine dicke Beule in seiner lilafarbenen Lycra-Radlerhose auf und fragte ihn, was das sei. "Oh, das ist nur meine Emergency Potato. Für den kleinen Hunger zwischendurch.", erklärte Ulf, fasste sich hinten in die Radlerhose und zog zu Viola's Verwunderung eine mittelgroße Kartoffel aus dem Hinterteil. "Ich wusste nicht, wohin damit und in meiner kleinen Bauchtasche war kein Platz mehr. Ich habe sie heute mitgenommen, nachdem ich sie gestern im Geschäft liegen gelassen habe."


    Beide mussten darüber herzlich lachen, bestellten zwei große Eisbecher und genossen das leckere Eis mit himmelsblauen Plastiklöffeln. Der schöne Abend dauerte noch etwas länger, während sie sich angeregt unterhielten. Am Ende beschlossen sie, sich wieder zu treffen.


    Eine Woche später hatte Ulf Viola zu sich nach Hause eingeladen. Es machte "Ding Dong" an der Tür und Viola überraschte Ulf mit einer sexy aussehenden lila Glanzleggings. Während Ulf die Tür öffnete, begrüßte sie ihn: "Kuckuck, da bin ich!" Ulf lachte herzlich: "Komm' rein, Viola. Hast Du Lust auf Bratkartoffeln?" Auf dem Esstisch stand die Spieluhr des tanzenden jungen Paares, das darauf wartete, in Bewegung gesetzt zu werden und die Melodie der Liebe zu spielen...

    Im zweiten Teil der Geschichte (in der Peter das Lycra-Lied von Niki singt) kommen vor:

    • eine Visitenkarte einer Firma
    • ein Buch mit dem Titel "Lycra for Dummies"
    • eine Stoffrolle mit 200 Metern Lycra

    Ein tierisches Paar Teil 2: Eine zarte Versuchung

    "Guten Morgen, Freddy. Hast Du auch so gut geschlafen wie ich?", fragte Peter seinen Hamster, der aufgeregt in Peter's Zimmer herumsauste, während Peter gähnte und sich streckte. Heute war ein wunderschöner, sehr milder Frühlingstag an diesem Samstag Morgen und Peter wollte endlich mal seinen schwarzen Ganzanzug bei einer kleinen Radtour anziehen. Allerdings würde er sich ein T-Shirt drüberziehen, damit er sich nicht ganz schutzlos fühlte. Er hatte lange gebraucht, um sich zu diesem Schritt zu überwinden. Aber irgendwann ist immer das erste Mal.


    Während er Freddy fütterte, erinnerte sich Peter an einen Song aus dem Buch "Lycra for Dummies". Diesen Song hatte ein gewisser Niki geschrieben. Als Peter anfing, den Song anzustimmen und in seinem schwarzen Ganzanzug durchs Zimmer zu tanzen, war Freddy auf einmal ganz ruhig, spitzte die Ohren und hörte gebannt zu:



    Ich erzähl' euch 'ne Geschichte

    über Lycra und die geht so:


    Es geht hier um einen Stoff,

    mit dem hat man keinen Zoff.

    Dieser Stoff ist der Hit,

    denn Lycra macht jede Bewegung mit.


    Ja-Ja, Lycra macht jede Bewegung mit!


    Lycra-Kleidung ist elastisch,

    zieh' sie an und werd' gymnastisch.

    Ob in Leggings, Radler oder Badehose,

    dein Body glänzt damit in jeder Pose.


    Ja-Ja, dein Body glänzt damit in jeder Pose!


    Die Freiheit der Bewegung ist oberstes Gesetz,

    drum ignorier' der Leute spöttisches Geschwätz.

    Und merke: Ein bisschen bunter macht munter,

    drum zeig' Farbe und trag' Lycra nicht nur drunter.


    Ja-Ja, trag' Lycra nicht nur drunter!


    Spür' die Enge und die Glätte der Haut,

    die zweite Haut, die so gut ausschaut.

    Der Ganzanzug liebt den Körper, drum wähle

    die zweite Haut. Sie streichelt deine Seele.


    Ja-Ja, sie streichelt deine Seele!


    Hörst Du den Lockruf der glänzenden Radlerhose?

    Sie braucht Dich, denn ohne Figur ist sie lose.

    Zieh' sie an und und spür den Stretch, Na-Na-Na-Na-Na-Na.

    Sind wir nicht alle ein bisschen Lycra-La-La-La-La-La-La?


    Ja-Ja, spür den Stretch, Na-Na-Na-Na-Na-Na.

    Ja-Ja, wir sind Lycra-La-La-La-La-La-La!



    "Na, hat Dir meine kleine Show gefallen Freddy?", fragte Peter seinen Hamster, aber dieser hatte sich in seine Ecke zurückgezogen und beschlossen, ein Nickerchen zu machen. "Na dann bis später Freddy!", sagte Peter und nachdem er sich für die Fahrradtour bereit gemacht hatte, schwang er sich auf sein Fahrrad und fuhr los. Über seinen schwarzen Ganzanzug hatte er sich ein weißes Nike T-Shirt angezogen, so dass es so aussah, als ob nur seine Beine und Arme in Lycra gehüllt waren.


    Der Weg, auf dem er fuhr, führte ein Stück bergauf. Oben auf der Höhe angekommen, lag wunderschön gelegen eine herrlich saftig grüne Wiese, auf der zu dieser Jahreszeit normalerweise Kühe grasten. Normalerweise, denn was Peter dort erblickte, verblüffte ihn: Die Kühe, eine Herde von 15 Tieren, waren alle fast komplett bis auf den Kopf und den Schwanz in lilanes Lycra gehüllt. "Sowas sieht man nicht alle Tage!", rief Peter überrascht und zückte sein Smartphone, welches er aus seiner Bauchtasche holte und machte einen Schnappschuss von den Lycra-Kühen. Dann zog er sein T-Shirt aus und machte noch ein paar Selfies von sich und den Kühen, die aus Neugier zu ihm an den Zaun gekommen waren und anfingen zu muhen. Peter streichelte einige von ihnen über ihre Lycra-Anzüge, machte einige Grimassen und ließ die Zunge wie die Kühe raushängen. "Ich seid echt eine hübsche Damengruppe. Habt ihr heute Turnunterricht?", fragte Peter die Kuhgruppe, welche daraufhin wieder zu muhen anfing.


    "Nein, die Kühe haben heute einen kleinen Auftritt für einen Werbespot.", sagte eine junge blonde Bäuerin, die einen Milcheimer in der Hand hielt. Sie war etwa Mitte 20 und fast genauso alt wie Peter. Peter senkte sein Smartphone und dachte sich überrascht: "Wow, sie sieht umwerfend aus und sie trägt eine weiße Glanzleggings." Die Bäuerin musterte Peter in seinem schwarzen Ganzanzug ausgiebig und fragte ihn: "Gehörst Du zur Produktionsfirma?" "Nein, ich äh, ich bin immer so unterwegs.", antwortete Peter etwas verlegen, wobei das nicht ganz stimmte. Natürlich nahm ihm die Bäuerin das nicht ab und sie sagte: "Wenn Du mich fragst, steht Dir der Anzug. Die Kühe scheinen die Anzüge auch zu mögen. Ist mal was ganz Neues für sie und es hält die Fliegen etwas von ihnen ab." "Ja, so ist das bei uns Menschen wahrscheinlich auch. Das Lycra ist wie eine zweite Haut, die den Körper eng umschließt und ihn schützt. Und man hat trotzdem volle Bewegungsfreiheit.", erwiderte Peter.


    "Ich bin übrigens die Hanna", sagte die Bäuerin, "und ich ziehe auch ganz gerne Leggings an. Die sind so schön anschmiegsam und bequem." "Und ich heiße Peter.", erwiderte dieser. "Wir haben für die Kühe 200 Meter Lycrastoff gebraucht. Die Änzüge sind alle maßgeschneidert. Naja, eigentlich haben die Kühe fast alle die selben Maße.", erkärte Hanna und Peter fragte sie daraufhin: "Und wie steigen die Kühe in die Lycra-Anzüge? Das stelle ich mir schwierig vor." "Das ist tatsächlich etwas schwieriger als bei Menschen und die Kühe helfen ja nicht mit beim Anziehen. Wir ziehen den Anzug von Vorne über ihren Kopf und über den Rücken nach hinten. Für den Bauch gibt es dann einen Reissverschluss und dann noch 4 Reissverschlüsse für die Beine.", erklärte Hanna. "Und wie fühlen sich die Kühe in den Anzügen?", fragte Peter. "Sie lieben sie.", lachte Hanna und fuhr fort: "Da kommt die Produktionsfirma. Nachher kommt auch noch ein Fotograf, der ein paar Aufnahmen für ein Kunstprojekt machen will.


    Ein großer schwarzer Kastenwagen mit der Aufschrift "LyPro Media" kam angefahren. Diese Firma hatte sich auf Video-Produktionen mit Lycra für Werbung und Fernsehen spezialisiert. Aus dem Wagen stiegen 3 Männer aus, einer war der Produktionsleiter bzw. Regisseur und die beiden anderen die Kameramänner. Sie begrüßten Hanna und wunderten sich über Peter und seinen Anzug und fragten ihn: "Na, willst Du bei unserem Film mitmachen? Bist Du schon mal auf einer Kuh geritten?" "Äh nein, kann man das überhaupt?", antwortete Peter. "Und ob. Das sind übrigens spezielle Kühe, die können über kleine Hinternisse springen und sogar galoppieren.", erwiderte der Regisseur.


    Hanna zog ihre schwarze Jacke zur Verwunderung Peters aus und präsentierte sich in einem weißen Ganzanzug: "Tadaa, das ist mein alter Voltigieranzug. Sitzt immer noch gut." Jetzt verstand Peter, dass Hanna im Werbespot mitspielte. Der Werbefilm war für eine Schokoladenfirma geplant und Hanna sollte verschiedene artistische Kunststücke auf und mit den Kühen machen. Sie hatte seit ihrer Kindheit voltigiert und konnte alle Tricks und Kunststücke. Peter fand Hanna noch süßer als zuvor. Der Voltigieranzug brachte ihre schlanke weibliche Form noch besser zum Ausdruck, als er es erahnt hätte.


    Sie machte sich unterdessen für den Dreh warm und begann mit einigen Dehnübungen, während das Drehteam die besten Standorte für die Kameras aussuchte. Es gab insgesamt 3 Kameras, zwei wurden von den beiden Kameramännern bedient und eine zeigte eine Gesamtansicht. Als das Drehteam zurück kam, fragten sie Peter noch mal, ob er nicht Lust hätte, bei dem Spot mitzuspielen. "Uns ist die Idee erst jetzt gekommen, aber Du würdest in Deinem Anzug perfekt zum Werbespot passen. Wir müssen allerdings der Schokofirma noch die Genehmigung dafür kriegen. Du musst eigentlich nichts großartiges machen, nur ein wenig auf einer Kuh reiten und ein paar Sätze sagen. Da kann nichts passieren. Und 2000 Euro gibt es obendrauf. Wie ist eigentlich Dein Name und was sagst Du dazu? Hast Du Interesse?"


    Peter überlegte einen Moment lang, dann antwortete er: "Klar, warum eigentlich nicht? Ich bin übrigens Peter." Er konnte das Geld gut gebrauchen, denn davon könnte er sich ein neues, besseres Fahrrad kaufen und auch einen neuen Ganzanzug. Also erklärte der Regisseur, der übrigens Jochen hieß und sich und seine beiden Mitarbeiter Manfred und Norbert vorstellte, Peter genau, was er zu tun hatte.


    Ursprünglich war geplant, dass Hanna, die fesche Bäuerin im weißen Ganzanzug, eine Kuh melken sollte (das Euter war natürlich nicht in Lycra verhüllt), die Kuh dann aber bockig wurde und den Milcheimer umschmiss. Hanna sollte dann einige artistische Kunststücke auf der Kuh machen und auf der Kuh davon galoppieren. Danach fiel sie lachend ins Gras und eine andere Kuh sollte ihr einen Korb mit Schokolade bringen. Schliesslich sollte sie die Schokolade nehmen und genüsslich in die Kamera sagen: "Für meine Kühe tue ich alles. Die schönste Versuchung seit es Schokolade gibt."


    Jochen, der Regisseur, hatte mit der Schokoladenfirma gesprochen und sie hatten ihr Einverständnis für den alternativen Werbespot gegeben. Allerdings sollten beide Varianten gedreht werden. Nach der neuen Idee sollte Hanna erst die Kuh melken, dann sollte Peter auf einer Kuh angetrabt kommen und sie fragen, ob er ihr helfen soll. Dann wird Hanna's dressierte Kuh wegen der anderen Kuh bockig, wirft den Milcheimer um und Hanna muss einige artistische Kunststücke auf der Kuh machen. Anschließend würden Hanna und Peter im Gras liegen, während ihnen eine Kuh einen Korb mit Schokolade brachte und sie diese zusammen genüsslich verzehren. Dann sollte Peter verliebt zu den umherstehenden Kühen sagen: "Ene mene muh, wer von euch Süßen ist die feschste Kuh?" Und Hanna sollte lächelnd in die Kamera sagen: "Die schönste Farbe ist Lila seit es Schokolade gibt." Am Ende sah man dann im Film Hanna und Peter gemeinsam auf ihren beiden Kühen und Hand in Hand davonreiten.


    So drehte das Team beide Varianten und es gab viele lustige Situationen, wo manches nicht so klappte, wie es sollte, vielleicht weil die Kühe etwas nervös waren wegen den vielen Leuten um sie herum und weil einiges schief ging. Die Kuh namens Emma, die die Hauptrolle hatte, wollte einfach nicht den Eimer umwerfen, es war ja ihre eigene Milch und es wäre schade drum gewesen. Peter rutschte mehrmals fast von seiner Kuh herunter, weil es so glatt darauf war, besonders wenn man selber noch einen Ganzanzug trug. Und Emma unterbrach den Dreh immer wieder, weil sie so aufgeregt war, worauf Hanna zu ihr sagte: "Ene mene muh, Emma gib mal Ruh!" Und Emma beruhigte sich, wenn sie Hanna's Stimme hörte. Jochen, Manfred und Norbert waren sehr zufrieden mit den beiden Drehs und lobten Hanna und Peter, da sie noch keine schauspielerischen Erfahrungen hatten. Und sie hatten alle einen riesigen Spaß am Dreh.


    Nach 2 Stunden hatten sie den ersten Dreh abgeschlossen. Hanna's Mutter schaute zwischendurch mal vorbei und brachte belegte Brötchen für alle mit. Nach der kleinen Stärkung wurde die zweite Variante gedreht und es dauerte nochmals 2 Stunden. Peter fühlte sich pudelwohl in seinem Ganzanzug und er war sogar etwas stolz auf sich. Aber vor allem hatte er es seinem Hamster Freddy zu verdanken, der ihn letzte Nacht ermuntert hatte, sich doch bitte mal im Ganzanzug rauszutrauen. Sonst hätte er auch nicht Hanna kennen gelernt, nichts von dem Dreh mitbekommen und sich nicht einfach mal so 2000 Euro verdient.


    Später kam noch ein Fotograf vorbei, der für eine Austellung, die "Tiere sind wie Menschen" hieß, diese in ungewöhnlichen Situationen, hier eben in Lycra, fotografierte. Am Ende des Tages und nachdem noch etwas gefeiert wurde, versprachen Hanna und Peter sich wiederzusehen, nachdem Peter ihr von seiner Lycra Leidenschaft erzählt hatte und auch Hanna ihm einiges über sich und ihr Verhältnis zu Lycra erzählt hatte. Jochen, der Regisseur überreichte Peter und Hanna am Ende die Visitenkarte seiner Firma: "Falls wir euch mal wieder brauchen, Hanna und Peter. Ihr wart klasse!" Das ganze Team verabschiedete sich und so ging ein wunderschöner Frühlingstag zu Ende. Seinem Hamster Freddy erzählte Peter natürlich am selben Abend die ganze Geschichte vom Dreh, aber Freddy hatte keine Ahnung, was lila Kühe waren.


    Ein paar Tage später kam Hanna bei Peter vorbei. Sie hatte wieder die weiße Glanz-Leggings, genauer gesagt, den Voltigieranzug an und hatte ein kleines Geschenk dabei. "Ene mene muh, wer von uns beiden ist die schönste Lycra-Kuh?", begrüßte Hanna ihn und gab ihm das Geschenk. Peter hatte heute einen lilanen Ganzanzug an und packte das Geschenk gespannt aus. Es war ein süßer kleiner lilaner Lycra-Anzug für seinen Hamster Freddy. "Danke Hanna, Du bist die zarteste Versuchung seit es Lycra gibt!" Und er gab ihr einen Kuss und dann mussten beide lachen. Dann zeigte Peter Hanna die beiden vorläufig zusammengeschnittenen Videos des Werbespots, welche Jochen ihm geschickt hatte. Sie waren jeweils etwa 30 Sekunden lang und wieder mussten beide sehr lachen, als sie die Kühe und sich sahen. Und als Peter Freddy den lilanen Ganzanzug anzog, freute sich auch dieser wie ein großer Riesenhamster, denn nun war er der feschste Hamster in der Stadt.

    Diese Geschichte ist aus einer Idee zum kreativen Schreiben von Kurzgeschichten entstanden, bei der man sich vor dem Schreiben 3 Gegenstände spontan ausdenkt oder die einem bei einem Spaziergang ins Auge springen. So entwickelt sich fast wie von selbst eine Geschichte, in der die 3 Gegenstände vorkommen.


    Im ersten Teil der Geschichte kommen vor:

    • ein Plastikbecher mit Wasser
    • eine Visitenkarte des Autohauses "Schrottmann"
    • ein Flyer der Diskothek "Der letzte Schrei"

    Ein tierisches Paar Teil 1: Der Junggesellen-Abschied

    Peter hatte die Schnauze voll. "Scheiß Dreckskarre!", sagte er wütend, während der Motor wieder mal nicht ansprang. Warum hatte er ausgerechnet den Gebrauchtwagen bei einem Autohaus mit dem Namen "Schrottmann" gekauft? So blieb ihm nichts anderes übrig, als die 2 Kilometer in seinem hautengen pinkfarbenen Lycra-Ganzanzug, der ohne Kopfhaube war, durch die Stadt zu laufen. Er wollte sich mit seinen beiden Freunden treffen, denn sie wollten heute abend seinen Junggesellen-Abschied feiern. Seine Freunde hatten den Ganzanzug extra für diesen Anlass für ihn besorgt. Etwas unwohl und nackt kam er sich schon in diesem hautengen Anzug vor, aber irgendwie fand er es auch flauschig. Wie die Leute wohl reagieren würden? Aber Peter dachte nicht länger darüber nach und machte sich auf den Weg.


    Als er durch den Park lief, gab es schon einige spöttische Bemerkungen von Leuten, so sagte ein unsympathischer Rocker zu ihm: "Kauf Dir mal was Richtiges zum Anziehen, Du Homo-Fürst!" Andere machten ihm aber auch kleine Komplimente, so eine junge Frau: "Gewagt, aber oho! Ich würde mich das nicht trauen." Peter brachte nur mühevoll ein Lächeln heraus und beschleunigte sein Tempo. Plötzlich landete von oben Taubenscheiße auf dem Brustbereich seines Lycra-Anzuges. "Oh nein, jetzt habe ich auch noch Taubenscheiße auf meinem Anzug. Verdammtes Mistvieh! Was soll ich jetzt machen?" Doch zufällig fand Peter einen Plastikbecher mit Wasser am Wegesrand und wusch sich die Taubenscheiße heraus. "So, jetzt aber schnell zum Treffpunkt."


    Glücklicherweise machte niemand mehr eine Bemerkung über sein Outfit, aber die meisten Leute schauten trotzdem komisch, da es nicht alltäglich war, einen Mann in einem pinkfarbenen Ganzanzug zu sehen. Von Weitem schon sah Peter seine Freunde vor der Diskothek stehen. Sie hatten genau wie er pinkfarbene Ganzanzüge an. Als er endlich da war, begrüßten sie ihn: "Der Anzug steht Dir super, Peter!", wackelten mit dem Hinterteil und tanzten um ihn herum.


    Dann gingen sie in die Diskothek "Der letzte Schrei", um Peter's Junggesellenabschied zu feiern. Es war wirklich der letzte Schrei, denn die drei Lycra-Flamingos zogen an diesem Abend die ganze Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Während die drei Flamingos auf der Tanzfläche zur Musik tanzten, betrat plötzlich ein flauschiger Riesenhamster die Tanzfläche und trat Peter in seine Kronjuwelen, der daraufhin schrie und bewusstlos wurde.


    Etwas benommen wachte Peter auf und erkannte im Halbdunkel seinen flauschigen Hamster Freddy, der es sich auf seinem Ganzanzug gemütlich gemacht hatte. Peter fühlte etwas Feuchtes auf seiner Brust: Freddy hatte ihn angepinkelt, während er im Bett lag und in seinem schwarzen Ganzanzug schlief. "Wie schön, dass ich morgen nicht heirate und dass mein Auto einwandfrei läuft, Freddy, aber ich frage mich, ob ich mich morgen mal im Ganzanzug raustrauen soll. Was meinst Du, Freddy?" Freddy fiepte wie zur Bestätigung, und das war ein gutes Zeichen.

    Im ersten Teil der Geschichte, "Der Sketch", ging es ja schon lustig zu.

    Im zweiten Teil schreibe ich von der grandiosen Eröffnung der Lycra-Boutique. Schade, dass ihr nicht dabei gewesen seid, aber lest selbst...

    Die Lycra-Boutique Teil 2: Die Eröffnung

    Erik, Sandra und Tom hatten die ganze Woche vor der Eröffnung noch sehr viel zu tun gehabt mit dem Einrichten und Dekorieren der Lycra-Boutique. Erik hatte sich um die ganzen formellen Angelegenheiten gekümmert. Nun war alles fertig eingerichtet und bereit für die Eröffnung. Da das Lycra-Trio bereits ein eingespieltes Team war, waren sie voller Optimismus. Und was die Kunden betraf, so zeigte sich, dass es in Wuppertal anscheinend viele Lycra-begeisterte Sportler, Leggings-liebende Frauen und vor allem viele männliche Lycra-Fetischisten gab.



    Erik hatte 500 Gutscheine drucken lassen und diese in Wuppertal und in der Umgebung verteilt. Einen Teil davon hatte er zudem in umliegenden Geschäften auslegen lassen. Manchmal hatte er sich auch einfach in der Fußgängerzone oder im Park auf eine Bank gesetzt und die Leute beobachtet. Dabei schrieb er auf, wie viele Frauen mit Leggings in der Stunde vorbeispazierten oder wie viele Jogger er in Lycra sah, welche Farbe die Leggings oder die Lycrahose hatte oder welche Marke es war, wenn es eine bekannte war.


    Auf der Rückseite des Gutscheins hatte das Lycra-Trio 10 Lycra-Gebote verfasst, die für jeden Lycra-Fan gelten sollten. Sandra hatte in einem alten Katalog eines Turnanzug-Herstellers einige dieser Slogans gefunden. Besonders die Aussage "Die Freiheit der Bewegung ist oberstes Gesetz" war für sie die Wichtigste. In Lycra fühlte sie sich frei wie ein Vogel.



    Erik trug fast immer eine Laufhose oder Leggings, meist glänzend. Ob daheim, in der Freizeit, beim Sport oder bei der Arbeit - für ihn war es das Normalste der Welt, als Mann eine Leggings zu tragen - so selbstverständlich wie die Mehrheit auf der Welt Jeans trägt. Leggings waren zudem bequem, leicht und anschmiegsam, zugleich aber auch prickelnd und aufregend für ihn. Es kamen ihm 100 positive Eigenschaften in den Sinn, wenn er an Lycra dachte. Ein Tag ohne Leggings wäre für ihn kein guter Tag. Mit Leggings ging alles viel leichter und er fühlte sich voller Energie, sobald er in eine glänzende Leggings schlüpfte und das stretchige Material auf seiner Haut spürte. Lycra schien magische Kräfte zu haben!


    Erik hatte seit seiner Jugend eine Liebe zu Lycra entwickelt. Er war damals im Leichtathletik-Verein und alle trugen als Vereinsbekleidung eine knallrote glänzende Laufhose oder Radler und ein weißes Shirt mit dem Vereinslogo. Den Mädels sah er beim Sport gerne etwas länger hinterher und er hoffte, dass er bei den Mädels bei den verschiedenen Disziplinen ebenso Eindruck machen würde, aber keines der Mädels interessierte sich leider beim Sport für ihn und auch privat wurde nichts daraus.


    In Gedanken dachte er daran, während er 30 der Nike Leggings am Kleiderständer aufhängte, wie er zum ersten Mal Sandra begegnet war. Tom und er gingen beide auf die selbe Schule und sie hatten sich, als sie 17 waren, in einem Fitness-Studio angemeldet, natürlich nicht nur, um dort Sport zu machen, sondern um Mädels in Lycra zu sehen und kennen zu lernen.


    So standen sie damals, Erik in einer lila Glanzradler und Tom in einer schwarzen Glanzradler, vor dem Aerobic-Raum, den man durch eine lange Glasfront einsehen konnte und drückten sich die Nasen an der Scheibe platt. Während die Mädels in ihren hautengen Lycra-Aerobicanzügen, Leggings mit Stringbodies oder Radlerhosen sich rhytmisch zur Musik bewegten und schwitzten, genossen Erik und Tom die Show. Es war Erotik pur und Erik und Tom hatten noch nie so viele Mädels und junge Frauen in Lycra auf einmal gesehen.


    Es war Tom, der Erik dazu überredet hatte, sich mit ihm im Fitness-Studio anzumelden und vielleicht hätte Erik Sandra so nie kennen gelernt. Darum waren Erik und Tom noch immer gute Freunde und Kollegen. Während die beiden sich also die Nase an der Scheibe plattdrückten, machte es plötzlich Klatsch! Klatsch! auf den Hintern der beiden. Sie drehten sich erschrocken um und was Erik erblickte, verschlag ihm die Sprache. Er war wie elektrisiert. "Na, genug gespannt?", sagte eine bildhübsche blonde 16-jährige Lycra-Maus, die eine glänzende schwarze Capri-Leggings trug, zu den beiden verdutzten 17-jährigen. "Ähhhhh wir, wir wollten nur mal schauen, ob der Kurs etwas für, für uns ist." stammelte Erik. "Ja genau, wir sind neu hier", nickte Tom und fragte: "Ist der Kurs was für fesche Jungs wie uns?" "Aber sicher", sagte die Turnmaus, "und das richtige Outfit habt ihr ja schon mal an." Und sie schüttelte ihren Kopf: "Typisch Jungs. Wollen immer nur glotzen. Aber wir könnten ein paar fitte Jungs wie euch noch gut bei uns gebrauchen. Hier ist gerade Zickenalarm. Habt ihr Lust? Ich bin ügrigens Sandra und wie heißt ihr?"


    So lernten sich Erik und Sandra also das erste Mal kennen und es war Liebe auf den ersten Blick zwischen beiden. Sandra fand Erik ebenfalls attraktiv und irgendwie süß in seiner lila Glanzradler, wie sie ihm Jahre später einmal sagte. Sie ging auf eine andere Schule und turnte im Verein. Am liebsten trug sie glänzende schwarze Leggings, nicht nur beim Turnen, auch in der Freizeit und daheim. Sie konnte sich keine bequemere Kleidung vorstellen. Leggings waren für sie zur zweiten Haut geworden.


    Tom hingegen stand nicht nur auf Lycra, sondern seit seiner Jugend auch auf Lackbekleidung, da ihm dies mehr Kick als Lycra gab. Seit der ersten Begegnung traf sich das Lycra-Trio regelmäßig. Erik und Tom besuchten zusammen mit Sandra weiterhin den Aerobic-Kurs. Mit der Zeit gab es sogar immer mehr männlichen Zulauf, der sich an der Scheibe die Nase plattdrückte und auch mitmachen wollte, so dass das Fitness-Studio das Zuschauen bald untersagte, weil es die Gruppe ablenkte. Erik besuchte zudem die Turnstunden, Wettbewerbe und Feste, bei denen Sandra anwesend war und bewunderte ihren in schwarzes Lycra verhüllten sportlichen Körper. Und Sandra war immer bei Erik's Leichtathletik-Wettbewerben anwesend und feuerte ihn an. So wurden Erik und Sandra allmählich ein Paar und sie entdeckten neben der Liebe zu Lycra noch eine tiefere Liebe zueinander.


    Erik musste schmunzeln, als er Sandra sah, wie sie mehrere lila Glanzradler aufhängte: "Genau so eine Glanzradler hab' ich damals getragen, als wir uns das erste Mal begegnet sind, weißt Du noch, Turnmäuschen?" "Als wäre es gestern gewesen, Erik. Ich kriege heute noch Albträume, wenn ich daran denke, dass ihr beiden eure Nasen an der Scheibe plattgedrückt habt und die anderen Mädels angeglotzt habt statt mich. Dabei stand ich fast die ganze Zeit hinter euch und habe mich köstlich amüsiert. Zwei schüchterne Teenager in knackig engen Lycra-Radlerhosen. Da konnte ich einfach nicht anders und musste euch mit einem Klatsch auf den Boden der Tatsachen zurückholen, bevor ihr die ganze Scheibe vollgesabbert hättet.


    "So, wir sind so gut wie fertig. Morgen kann die Boutique eröffnen.", sagte Tom und musste grinsen: "Hoffentlich rennen die uns Morgen nicht die Bude ein."


    Die Boutique eröffnete am Freitag pünktlich um 8 Uhr. Auf 80 Quadratmeter Fläche präsentierten sie den Kunden über 500 verschiedene Bekleidungs-Artikel. Im Lager war als Nachschub auch noch viel Bekleidung. Sie hatten auch extra viele Sonderangebote gemacht, so z.B. die 90er Jahre Nike Leggings, die sie für jeweils 40 Euro anboten. Mit Gutschein konnte jeder Kunde sogar 10 Euro sparen. Zudem gab es gratis Snacks und Getränke. Der erste Kunde, der die Boutique betrat, war ein älterer, aber fitter Herr, bestimmt an die 60, der begeisterter Triathlet war und nach einem neuen Triathlon-Anzug suchte und meinte "Da haben Sie aber eine schöne Auswahl an Sportkleidung. Ich gehe viel lieber in Geschäfte und lasse mich gut beraten, bevor ich etwas Falsches im Internet kaufe und mich ärgere."


    "Wir drei haben früher in einem Sportladen gearbeitet, aber dann beschlossen uns selbstständig zu machen. Die gute Beratung und die Zufriedenheit der Kunden ist unser wichtigstes Anliegen.", sagte Tom zu dem älteren Herrn und zeigte ihm verschiedene Modelle, während er ihm die Eigenschaften erklärte.


    Wenig später kam ein Ehepaar, das nach Radsport-Bekleidung für längere Radtouren suchte und Erik verstand es gut, sie zu beraten und den ersten Verkauf anzuleiern. Der ältere Herr war ebenfalls glücklich über einen neuen Triathlon-Anzug, den er vorher natürlich in einer der drei Umkleiden anprobierte.


    Nacheinander kamen weitere Kunden und viele Frauen, die sich nach Leggings umschauten. Nicht alle kauften etwas. Die meisten waren einfach neugierig, was es alles in der Lycra-Boutique zu entdecken gab. Einige Lycra-Liebhaber freuten sich sogar sehr über die 90er Jahre Nike Leggings, probierten verschiedene an. Einige kauften sogar mehrere.


    Gegen Mittag kündigte sich eine Überraschung an. Ein gewisser Thommy war "zufällig" mit seiner Frau in Wuppertal unterwegs und hatte "zufällig" von der Lycra-Boutique gehört. Eigentlich war es Tom, der ihn kannte und ihn eingeladen hatte, mal in Wuppertal vorbeizuschauen. Natürlich hatte Tom Erik und Sandra nichts verraten. Es sollte ja eine Überraschung werden. Und es hatte sogar genau zum Eröffnungstermin geklappt.


    Vor der Lycra-Boutique hatte sich eine große Menschenmenge versammelt, die Thommy schon von Weitem gesehen hatten und ein Foto mit ihm machen wollten. Mit Thommy wurde es in der Boutique schlagartig voll, der alle Anwesenden begrüßte: "Ja grüß Gott liebe Leute! Na das nenn' ich mal einen schicken Laden. Habt ihr auch ein neues Beinkleid für mich und meine werte Gattin? Wir sind nur wegen euch gekommen. Ich habe gehört hier ist jemand, der etwas wettet und zwar ist das der Inhaber, und der heißt Erik Lindemann und ist 44 Jahre. Mensch Erik, noch keine 66, aber schon eine Lycra-Boutique in Wuppertal. Loriot wäre stolz auf dich! Und wenn das hier der Papst sehen könnte. Halleluja!"


    Erik war vor Freude aus dem Häuschen. Nun konnte er seine Wette, mit der er es nicht ins Fernsehen geschafft hatte, doch noch zeigen, wenn auch vor kleinerem Publikum. Tom holte aus dem Lager schnell eine Kiste mit 100 verschiedenen Leggings, die er gestern, als er allein war, schnell zusammengesucht hatte. Eine passende Augenbinde für Erik hatte er auch, nämlich eine Lycra-Gesichtshaube, die blickdicht war und die nur ein Loch für die Nasenlöcher frei hatte. Hoffentlich passte sie Erik, sonst musste er improvisieren, doch sie passte und Erik konnte nichts mehr sehen, als er sie über den Kopf zog.


    "Erik Lindemann wettet, dass er 5 von 100 verschiedenen Leggings blind nur durch Ertasten und Erriechen erkennen kann. Der Wetteinsatz ist übrigens: Wenn Erik gewinnt, muss ich eine Runde im Ganzanzug durch Wuppertal laufen, wenn er verliert, dann er.", erklärte Thommy die Wette, während er wieder zu alter Höchstform auflief und sich wie in alten Showzeiten fühlte. Sandra und die anwesenden Zuschauer waren hellauf begeistert, filmten und machten Fotos. "Erik, bist Du bereit?", fragte Thommy und startete die Wette: "Dann Top, die Wette gilt. Und bitte Ruhe im Laden, liebe Gäste."


    Tom mischte die Leggings im Karton einmal durch und ließ Thommy eine Leggings auswählen. Es war eine rosa Leggings mit schicken neonfarbene grünen Seitenstreifen. Erik ließ seine Finger über das glatte Material gleiten und er ertastete genau alle Details und roch genüßlich an der Leggings, was bei einigen Zuschauern ein amüsiertes Lachen auslöste, weil das Erriechen so ungewohnt aussah. "Na wenn das kein Jahrgang 2010 ist. Die ist von Topsport, Modell Lisa. Ich glaube die Farbe ist rosa, mit Seitenstreifen."


    Tom nickte und Thommy schaute nach: "Richtig, Erik." Thommy suchte nacheinander 3 weitere Leggings aus, die Erik ebenfalls richtig erkannte. Bei der fünften war er sich nicht sicher: "Ich glaube die ist von Nike, Jahrgang 1996. Die Farbe ist rot." Thommy sagte: "Leider nicht ganz richtig, Erik. Sie ist zwar von Nike, aber aus dem Jahr 1998 und lila. Aber weißt Du was, wir laufen einfach gemeinsam eine Runde durch Wuppertal. Was hälst Du von 1 Kilometer? Bin ja nicht mehr der Jüngste." Erik zog sich die Haube vom Kopf: "Aber klar doch! Will noch jemand mitlaufen?"


    Es fanden sich tatsächlich einige, die sich nicht den Spaß nehmen wollten und zusammen mit Erik und Thommy durch Wuppertal laufen wollten, während immer mehr Passanten auf die ganze Aktion aufmerksam wurden. Sogar die Presse hatte Wind davon bekommen und war schon vor Ort. Auch der Bürgermeister ließ es sich nicht nehmen, Thommy und seine Frau auf ein Essen einzuladen und beide in das Goldene Buch der Stadt eintragen zu lassen.


    Nachdem Erik in einem blauen glänzenden Ganzanzug ohne Kopfteil und Thommy in einem roten ganze 500 Meter unter viel Applaus der Passanten die Straße hin und die selbe Strecke wieder zurück gegangen waren, während sie von Passanten fotografiert wurden, kehrten sie wieder zur Lycra-Boutique zurück. Thommy gab vielen Kunden noch Autogramme und es wurde mit Plastikbechern und etwas Alkohol auf die Lycra-Boutique angestoßen. Der Vorat an Snacks und Getränken wurde schnell knapp, so dass Tom für Nachschub sorgen musste. Es gab sogar viele Kunden, vor allem Frauen, die in Ekstase waren, und die extra eine Leggings kauften und von Thommy ein Autogramm auf die Leggings haben wollten. "Aber nicht, dass die Morgen überall auf Ebay auftauchen, Mädels." sagte Thommy und spaßte: "Sonst könnte ich ja glatt meine eigene Leggings-Kollektion dort anbieten."


    Erik, Sandra und Tom waren mehr als zufrieden. Sie waren in Lycra-Partylaune. Die Aktion mit Thommy war vollends gelungen und hatte die Kasse der Lycra-Boutique schon am ersten Tag ordentlich klingeln lassen und ihr Geschäft in der Stadt und darüber hinaus bekannt gemacht, wie sie in den sozialen Medien mitverfolgten. Ein eigener Webauftritt fehlte natürlich noch, vielleicht sogar mit kleinem Versandhandel?


    Am nächsten Tag schlug Erik freudig die Zeitung auf. In einem kleinen Artikel wurde über die Wette und den Besuch von Thommy berichtet. Als Überschrift stand dort: "Wuppertal im Lycra-Wettfieber dank Thommy" und der Artikel zeigte ein Bild von Erik und Thommy in ihren Ganzanzügen vor der Lycra-Boutique und den applaudiernden Kunden.

    Als die Lycra-Boutique noch eine Idee war, haben Erik, Sandra und Tom eine kleine Umfrage zum Thema Lycra in Wuppertal gemacht mit über 500 Teilnehmern. Die Auswertung hat ergeben, dass Wuppertal außergewöhnlich Lycra-begeistert ist.


    Der erste Teil der Geschichte spielt, wie manche sicher bemerkt haben dürften, auf den legendären Loriot-Sketch "Der Lottogewinner" aus dem Jahr 1976 an.


    Loriot fand ich schon immer genial und ich wollte den Sketch gerne in eine Lycra-Geschichte einbinden. Vielleicht ist der Papst ja auch Lycra-Feti... Man weiß es nicht. Ich bin selber gespannt, wie die Geschichte weitergeht und lasse mich überraschen.


    Für alle, die den Klassiker nicht kennen, hier der legendäre Sketch:


    Die Lycra-Boutique Teil 1: Der Sketch

    "Guten Tag, ich heiße Lindemann und ich möchte gerne eine Boutique als Gewerbe anmelden.", sagte der sportlich gekleidete Mitt-Vierziger, der eine glänzende graue Laufhose und ein weißes Nike T-Shirt trug zum Sachbearbeiter im Gewerbeamt, der die Stirn runzelte und lachend antwortete: "Lassen Sie mich raten. Sie haben im Lotto gewonnen und möchten eine Herren-Boutique hier in Wuppertal eröffnen? Ja, das kennen wir. Das haben schon viele versucht und die sind alle wieder pleite gegangen mit ihrer Herren-Boutique."


    "Nein, ich habe leider noch nicht groß im Lotto gewonnen und es ist auch keine gewöhnliche Boutique, die ich anmelden möchte. Ich heiße Erik Lindemann. Ja genau, Lindemann, wie im Loriot Sketch. Die Leute hier in Wuppertal haben mich schon oft gefragt, wann ich endlich eine Boutique eröffne. Meine Kollegen im Sport-Fachhandel haben mir schon oft ausgefüllte Lottoscheine geschenkt, aber bisher hat es nie mit den richtigen Zahlen geklappt. Vielleicht habe ich einfach den falschen Vornamen oder ich bin noch keine 66 Jahre. Auf jeden Fall habe ich eine tolle Geschäftsidee. Da die Wirtschaftslage gerade nicht so gut ist, haben 2 meiner Kollegen und ich leider den Arbeitsplatz verloren, aber wir haben ein eigenes Geschäftskonzept erarbeitet, wir wollen uns ausschließlich auf Fitness- und Fetischbekleidung spezialisieren."


    "So So, Fetischbekleidung?", grinste der Sachbearbeiter Erik an, der ebenfalls grinsen musste: "Es wird eine Lycra-Boutique bzw. LyBo. Das wird der Name sein. Wir sind vom Erfolg überzeugt, da es in Wuppertal viele Fetisch- und Sportbegeisterte gibt, wie wir herausgefunden haben. Wir haben dazu über 500 Leute im Voraus anonym befragt und die Mehrheit war überwiegend postiv und fand diese Idee gut."


    "Hier, dann füllen Sie bitte diese Formulare aus Herr Lindemann. Ich bin übrigens Anreas und ich bin auch sportbegeistert, naja wenn es meine Freizeit erlaubt, laufe ich gerne."


    Erik füllte die Formulare aus und reichte sie Andreas herüber, der die Angaben überprüfte und dann Kopien anfertigte. "Muss alles seine Ordnung haben.", sagte Andreas, "Bürokratie in Deutschland ist eben das A und O." "Wem sagen Sie das", erwiderte Erik, "bei uns im Sport-Einzelhandel hatten wir auch viel Papierkram zu erledigen. Alles muss eben genau dokumentiert werden." seufzte Erik. "Ja, so ist das eben hier in Deutschland. In den USA gibt es längst nicht so viel Bürokratie, aber dort machen viel mehr kleine Betriebe wieder zu, wenn das Geschäft nicht brummt. Aber die Amerikaner lassen sich nicht unterkriegen und machen eben mit etwas anderem weiter."


    "Besuchen Sie uns doch bitte bei LyBo. Wir eröffnen am Freitag den 1. März. Hier ist unsere Visitenkarte.", verabschiedete sich Erik und gab Andreas die Karte." "Das Finanzamt erhält eine Mitteilung von uns. Viel Erfolg und alles Gute, Herr Lindemann!", wünschte Andreas und drückte Erik herzlich die Hand, "Meine Frau und ich schauen gerne mal bei Ihnen vorbei."


    Erik war zufrieden, als er das Gewerbeamt verließ. Bisher hatte alles wie am Schnürchen geklappt und er war sehr zuversichtlich, dass seine Geschäftsidee funktionieren würde. In Gedanken, was er noch alles zu regeln hatte, stieg er ins Auto und fuhr zur Lycra-Boutique zurück, wo seine beiden Kollegen mit Auspacken, Kontrolle, Sortieren und Aufhängen der neu eingetroffenen Ware beschäftigt waren.


    "Hallo Erik, hat alles mit der Anmeldung geklappt?", fragte Sandra. "Ja, alles paletti.", antwortete Erik, "Sehr nett, der Mann vom Gewerbeamt. Ich habe ihn eingeladen, uns bald zu besuchen." "Wir haben heute übrigens die Lieferung mit den 100 Nike Leggings bekommen.", strahlte Tom Erik an, "Die sind noch Original aus den 90ern in Neonfarben und Colorblock-Optik. Alles Restbestände. Wir haben sie zu einem günstigen Preis bekommen. Das ist wirklich erstklassige Qualität, wie es sie heute kaum noch gibt. Die können wir noch zu einem guten Preis verkaufen und es gibt viele Liebhaber, die solche Laufhosen einfach toll finden."


    Erik, Sandra und Tom kannten sich schon seit der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann für Sportartikel und alle 3 verband schon immer die Leidenschaft zu enganliegendem Lycra-Material, weshalb sie Spezialisten dafür waren und die Kunden gut beraten und überzeugen konnten. Leider hatte das Sportgeschäft, wo sie fast 20 Jahre zusammen gearbeitet hatten, ihnen Ende des letzten Jahres gekündigt, weil das Geschäft mit Sportbekleidung nicht mehr so gut lief und weil die Kunden immer mehr im Internet bestellten, als in den Geschäften zu kaufen.


    Erik, der 44 war, fand sich schon seit seiner Jugend zu Lycrabekleidung hingezogen und trug wann immer es ging Leggings, Laufhosen oder im Sommer auch Radlerhosen. In der Lycra-Boutique würde er aber trotzdem seriös wirken wollen und normale Laufbekleidung tragen, obwohl es ja auch Fetisch-Kleidung zu kaufen geben würde.


    Sandra mit ihren 43 Jahren war eine bildhübsche blonde Lycra-Maus, die am liebsten glänzende schwarze Caprileggings anhatte und seit ihrer Kindheit geturnt hatte und immer noch gerne turnte. Erik und Sandra waren seit ihrer gemeinsamen Ausbildung (eigentlich schon Jahre früher) ein Paar, aber geheiratet hatten sie noch nicht. Manchmal nannte er sie spaßeshalber Turnmaus oder Lycra-Sandy.


    Der letzte im Bunde des Lycra-Trios war Tom, ebenfalls 44. Er stand auf Fetisch- und Lackbekleidung, die er aber meist nur privat trug.


    So hatten alle 3 ihr Spezialgebiet und sie hatten die LyBo Lycra-Boutique in monatelanger Anstrengung größtenteils in Eigenarbeit und mit großer Sorgfalt liebevoll eingerichtet. Es gab einerseits Lycra-Sportbekleidung von den großen bekannten Marken, dann Turnbekleidung und schließlich Fetischbekleidung, die in einem abgetrennten Bereich war.


    Erik kümmerte sich um den Karton mit den Nike Leggings und packte eine der Leggings aus. Sie war stahlblau und hatte das typische Nike-Logo. Er ließ seine Finger über den glänzenden Stoff gleiten und roch an ihr. "Das ist ein echter 96er Jahrgang, eindeutig. Ich habe mich ja mal bei Wetten Dass beworben, aber meine Wette wurde leider abgelehnt. Ich könnte 100 neue Leggings nur durch Ertasten und daran Riechen blind erkennen.", lachte Erik herzlich, "Aber die Leute beim ZDF, denen war das wohl zu unanständig. Aber den Typ, der 80 Hundefutter-Dosen am Geschmack erkennen konnte, den haben sie natürlich genommen.", schüttelte Erik sich wie ein Hund.


    "Ja, die Welt war schon immer verrückt", erwiderte Sandra, die gerade einige Turnanzüge an der Stange aufhängte und sang fröhlich "Sind wir nicht alle ein bisschen Lycra-Lalalalala?"


    Erik hatte sich inzwischen die stahlblaue Nike Leggings angezogen und alberte mit Tom herum, der ihn interviewte und mit dem Handy filmte.


    "So Herr Lindemann, dann erzählen Sie bitte mal. Und Action!", gab Tom das Kommando.


    "Ich heiße Erik Lindemann, bin Lycra-Fetischist und 44 Jahre alt. Ich kann 100 Leggings nur durch Ertasten und Riechen blind erkennen. Mit meinen beiden super Kollegen habe ich eine Lycra-Boutique in Wuppertal eröffnet und besuche an Ostern den Papst in Vatikan, um eine Audienz zu bekommen."


    "Aus Aus, das war nicht richtig.", stoppte Tom ihn. "Nochmal Herr Lindemann. Und nicht nervös werden."


    "Ich bin blind, bin seit 44 Jahren Lycra-Papst und kann 100 Kollegen nur durch Ertasten und Riechen erkennen. Nee, das stimmt nicht."


    "Also, ich bin Lindemann, will in 44 Jahren Papst werden und ähh, ich kann 100 Leggings ertasten. Mit dem Papst möchte ich an Ostern in Wuppertal meine Lycra-Boutique eröffnen und meine super Kollegen im Vatikan besuchen."


    "Herr Lindemann, konzentrieren Sie sich doch bitte!", ermahnte Tom.


    "Ich bin 44, Lycra-Fetischist und will 100 Leggings. Nein, das stimmt auch nicht.", sagte Erik und Tom genervt "So, können wir dann bitte, Herr Lindemann?"


    "Ich heiße Erik. Ich heiße Erik. Ach verdammt wie heiße ich?", schlug sich Erik genervt auf sein Lycra-Knie.


    "Sie heißen Erik Lindemann. So, und nun nochmal bitte!", seufzte Tom.


    "Also, ich heiße Erik Lindemann, bin Lycra-Fetischist und fahre seit 44 Jahren in den Vatikan. Dort eröffne ich an Ostern mit meinen beiden super Kollegen eine Lycra-Boutique, gebe dem Papst eine Audienz und lasse ihn 100 Leggings durch Ertasten und Riechen blind erkennen."


    "Danke Herr Lindemann, das war perfekt!", strahlte Tom.


    "Ihr zwei seid mir ja Spaßvögel!", prustete Sandra, die das ganze auch mit ihrem Handy aufgenommen hatte und sich vor Lachen kaum noch halten konnte. "Das wird DER Werbespot für unsere Lycra-Boutique, oder was meint ihr?"


    Beide nickten, brachen ebenfalls in Gelächter aus, hoben Sandra wie in einer Akrobatik-Nummer gemeinsam in die Luft und riefen einstimmig: "Ein Hoch auf die Lycra-Boutique!"

    Gaia City oder "Die Abenteuer von Mona und Peter" Teil 2: Die Karte

    Peter hatte ein ziemliches Tempo drauf und Mona hatte Mühe, Peter einzuholen, darum rief sie Peter keuchend zu: "Mach mal etwas langsamer, Peter. Ich, ich komme kaum hinter hinterher."


    Darauf reduzierte Peter sein Tempo und blieb schließlich ganz stehen. Völlig außer Atem kam Mona viele Sekunden später bei Peter an. Sie befanden sich auf dem großen Platz in der Mitte von Gaia 5, auf dem sie sich am Nachmittag getroffen hatten.


    "Ich fühle mich durch die Leggings so viel schneller. Schnell wie ein Pfeil. Darf ich mich vorstellen? Ich bin Peter Spandex, der schnellste Pfeil auf Rollschuhen. Damit gewinne ich jeden Wettkampf.", sagte Peter voller Euphorie zu Mona. Peter zeigte auf das Logo seiner Nike Leggings und fuhr fort: "Siehst du das Logo hier auf meiner Leggings, Mona? Mike hat mir erklärt, dass das Logo einen Flügel der Siegesgöttin Nike darstellt. Es wurde auch Swoosh genannt.", sagte Peter stolz.


    "Sehr interessant Peter, aber du bist einfach zu schnell für mich. Aber keine Sorge, ich werde noch genauso schnell wie du.", erwiderte Mona.


    "Das hoffe ich doch, Mona Lycra.", antwortete Peter und strich Mona mit der Hand über ihren Leggings-Hintern, während er ganz nah vor ihr stand und ihr tief in ihre blauen Augen blickte. "Weißt du, eigentlich sind wir doch ein tolles Team. Das sind wir doch, oder?", fragte Peter.


    "Das waren wir doch schon immer. Seit wir uns das erste Mal als Kinder in der Schule begegnet sind. Ich mochte dich schon immer sehr, Peter, und seit meine Mutter vor einem Jahr gestorben ist, bist du neben meinem Vater, der leider nie Zeit für mich hat, die wichtigste Person in meinem Leben geworden.", sagte Mona etwas wehmütig zu Peter.


    "Das weiß ich doch, liebe Mona, und du bist das Liebste, was ich habe. Meine Eltern haben leider auch kaum Zeit für mich, seit sie ständig im Labor sind, und versuchen, Gaia zu retten. Solange Gaia noch lebt, sollten wir die Zeit nutzen und zusammen noch viele schöne Stunden miteinander verbringen. Wer weiß, wieviel Zeit uns noch bleibt.", entgegnete Peter besorgt.


    "Irgendetwas müssen Sie doch tun können, damit wir hier weiter überleben können. Wo sollen wir sonst hin? Etwa unter die Erde?", fragte Mona Peter.


    Doch Peter wusste darauf keine Antwort und zog Mona stattdessen ganz fest an sich. Es fühlte sich gut an und es gab beiden Geborgenheit.


    "Weißt du was? Vielleicht sollten wir mal die Leggings tauschen. Vielleicht bist du ja in meiner blauen Nike Leggings schneller als in deiner rosa Dupont Leggings, obwohl sie sehr schicke neonfarbene grüne Seitenstreifen hat.", schlug Peter Mona vor.


    "Aber nicht hier mitten auf dem Platz, Peter.", erwiderte Mona und erschrak: "Ach du meine Güte, wir haben wohl völlig vergessen, dass es schon nach 18 Uhr ist. Was, wenn uns jemand hier sieht?"


    "Und wenn schon, sie werden uns deswegen wohl nicht gleich bestrafen. Es ist nur eine Warnung.", beruhigte Peter Mona.


    "Na gut, dann fahren wir wieder zurück zur Wohnung.", sagte Mona, "Aber diesmal bitte nicht so schnell."


    In diesem Moment sahen sie Bürgermeister Schmitt gerade in seiner trotteligen Art aus dem Restaurant am Platz kommen. Zum Glück hatte er sie aber noch nicht gesehen. Also packte Peter Mona fest an der Hand und die beiden rollten schnell wie ein Pfeil Hand in Hand durch die Straßen davon.


    "Puh, das war knapp.", sagte Peter völlig außer Atem, als sie das Wohngebäude erreicht hatten.


    Nachdem sie mit dem Aufzug in den dritten Stock gefahren waren, sich wieder in Monas Zimmer befanden und sie die Rollschuhe ausgezogen hatten, war Mona voller Spannung, was sich wohl noch alles in der Tasche mit den Lycrasachen befinden würde. Aber zuerst wollten sie die Leggings tauschen.


    "Weißt du was Peter? Wir müssen uns nicht immer voreinander verstecken. Wir haben doch keine Geheimnisse und als Du mir vorhin gesagt hast, dass Du mich liebst, hast Du das ausgesprochen, was ich die ganzen Jahre ebenfalls immer gedacht habe.", sagte Mona, während sie Peter tief in seine braunen Augen blickte.


    Peter drückte Mona darauf ganz fest an sich. Beide waren erregt und es knisterte zwischen ihnen. Dann begann Peter, Monas Leggings langsam auszuziehen und sie tat das gleiche bei ihm. Sie zogen sich gegenseitig die Leggings des anderen an. Monas rosafarbene Leggings mit den neonfarbenen grünen Seitenstreifen war noch enger als die blaue Nike Leggings, die Peter zuvor getragen hatte und Mona hatte Mühe, sie ihm über die Ferse zu ziehen, aber schließlich schaffte sie es doch. Dagegen hatte Peter keine Probleme, Mona die Nike Leggings anzuziehen, da sie sehr schlank war. Peter war zwar auch schlank, aber dennoch etwas kräftiger gebaut als Mona.


    "Es fühlt sich noch enger an als die Nike Leggings.", musste Peter feststellen und sagte, während er durch das Zimmer tanzte "Ich kann mir gut vorstellen, dass man die Leggings früher nicht nur zum Sport und in der Freizeit getragen hat. Die Enge der Leggings löst einfach wunderschöne Gefühle in einem aus. Vielleicht haben viele Menschen deswegen Leggings und enge Kleidung gerne getragen."


    "Bestimmt.", sagte Mona, "Es ist einfach ein tolles Gefühl, eine zweite Haut zu spüren, die so glatt, so anschmiegsam, so dehnbar, so leicht, so weich, so körperbetont, so eng, so prickelnd, so angenehm, so schön glänzt und die einem Geborgenheit gibt. Ich könnte 100 Worte dafür finden."


    "Mir kommen auch viele Worte in den Sinn", sagte Peter, "z.B. kühlend wenn es warm ist, vielleicht sogar wärmend wenn es kühl ist, gemütlich und bequem, fein, sich anpassend, geheimnisvoll, aufregend, elektrisierend, atmungsaktiv, aber auch irgendwie beklemmend und rutschig. Es ist kein Wunder, wenn diese Kleidung beim Tragen eine unglaubliche Gefühlsexplosion in einem auslöst."


    "Weisst Du was, Mona?", sagte Peter, der der Tasche nahm und sie über Monas Bett ausleerte, "Wir probieren die anderen Sachen auch noch an. Ich bin gespannt, ob sie genauso prickelnd sind."


    "Das hier ist übrigens eine Capri-Leggings.", zeigte Peter diese Mona und gab ihr eine schwarze glänzende Hose, "Sie geht nur kurz bis übers Knie. Mike hat mir die Namen aller Kleidungsstücke genannt."


    Mona zog sich die Capri über die Nike Leggings, worüber sich Peter wunderte. "Man zieht sie einzeln an, nicht übereinander. Glaube ich jedenfalls."


    "Ich weiss, ich will mal sehen, wie viele Sachen ich übereinander anziehen kann.", sagte Mona herausfordernd.


    "Gut, aber dann machen wir einen Wettbewerb! Wer kann am meisten übereinander anziehen?", entgegnete Peter kämpferisch.


    Mona begann sich nacheinander, während ihr Peter ihr dabei half und die Namen erklärte, eine Radlerhose, dann noch eine Radlerhose, dann eine Leggings, dann wieder eine Radlerhose, dann zwei Badehosen, dann noch drei Leggings und schließlich noch fünf Radlerhosen überzog, bis es zu eng wurde.


    "Jetzt weiss ich wie man sich fühlt wenn man auf einmal 10 Kilo schwerer ist. Ich fühle mich an den Beinen wie eingegipst.", musste Mona laut lachen, während sie durch's Zimmer torkelte.


    "Das sind aber keine 10 Kilo, liebes Moppelchen. Und du bist ja noch nicht mal komplett eingegipst wie eine Mumie. Es gibt auch noch Ganzanzüge bzw. Zentais, da ist der ganze Körper umhüllt. Aber jetzt bin ich dran mit Einpacken.", sagte Peter.


    Daraufhin begann Peter eifrig, sich über die rosa Leggings nacheinander 4 Badehosen, 3 Radlerhosen, 2 Leggings und noch 4 Badehosen überzuziehen, bis auch er sich zu eingeengt fühlte. Zum Spaß stiess er Monas Lycra-Hintern mit seinem dicken Lycra-Hintern an und tanzte um sie herum, aber er fiel fast hin und beide konnten sich vor Lachen kaum noch halten.


    "Mehr geht nicht. Du hast gewonnen Mona.", stellt Peter fest, "Ich habe 14 und Du hast 16 Teile. Das Auspacken wird wohl schwieriger werden."


    Doch das war es nicht und nach wenigen Minuten waren beide wieder befreit und standen in Unterwäsche im Zimmer.


    "Die Lycra-Kleidung hat man früher auch direkt auf der Haut getragen.", erklärte Peter Mona, die wissen wollte "Ohne Unterwäsche, also nackt?"


    "Ja, z.B. beim Schwimmen gab es Badehosen, Badeanzüge und Bikinis, für das Radfahren gab es Radhosen, die ein Popo-Polster hatten, damit man dort nicht wundscheuert. Oder beim Turnen hat den den Body bzw. den Gymnastikanzug oft ohne Unterwäsche getragen.", erzählte Peter.


    "Das ist ja interessant. Warum gibt es heute diese Kleidung nicht mehr? Wo sie doch so viel mehr Bewegungsfreiheit bietet als normale Hosen, die nur schwer und unbequem sind? Ich fühle mich durch die Leggings so frei und leicht wie ein Vogel. Warum tragen die Menschen keine Lycra Bekleidung mehr?", fragte Mona.


    "Naja, früher war es den Leuten vielleicht eher peinlich oder sie schämten sich, körperbetonte Kleidung zu tragen, weil man dann eben zuviel von seinem Körper zeigt.", sagte Peter.


    "Ich finde die Kleidung herrlich.", sagte Mona und zog sich die rosa Leggings wieder an, "Vielleicht sollte ich die Leggings mal morgen in der Schule tragen. Was wohl die Anderen dazu sagen werden?"


    "Und ich dann die blaue Nike Leggings.", kicherte Peter und stellte sich vor, wie er vor seinen Mitschülern sagte: "Hallo liebe Leute, hier sind Mona Lycra und Peter Spandex."


    Peter wollte die Lycra Sachen wieder in die Tasche legen, da fiel ihm eine Karte auf, die auf dem Taschenboden lag.



    "Schau mal, eine Karte einer Lycra-Boutique. Mike hat mir erzählt, dass sein Vater häufig Kleidung in so einer Boutique gekauft hat und von dem tollen Laden geschwärmt hat. Es sieht aus wie eine Gutscheinkarte zur Eröffnung des Ladens, die nicht eingelöst wurde. Und schau mal, da sind auch Nike Leggings drauf abgebildet.", deutete Peter auf die Karte.


    Er gab Mona die Karte, die daraufhin fragte: "Wo lag eigentlich Wuppertal?"


    "Ich glaube in Westdeutschland, im Ruhrgebiet.", antwortete Peter.


    "Ich finde es herrlich, dass es mal Läden gab, wo man nur Lycra Sachen kaufen konnte. Es muss schön gewesen sein, die Leute zu beraten und die Sachen zu verkaufen. Wenn ich mit der Schule fertig bin, würde ich auch gerne in so einem Laden arbeiten. Nur leider scheint es bis auf die Tasche kein Lycra mehr zu geben.", seufzte Mona.


    Sie drehte die Karte herum und staunte über das, was sie las: "Die Zehn Lycra-Gebote." Und sie las nacheinander die 10 Gebote vor, wobei Peter immerzu nickte.



    "Diese Gebote sollten auch in Gaia gelten. Besonders die Freiheit der Bewegung sollte das oberste Gesetz sein, auch wenn der Platz in Gaia nur begrenzt ist.", sagte Peter.


    Mona stimmte dem zu und las, was unten auf der Karte stand: "Wir lieben Lycra." Sie nickte: "Ja, das tun wir auch, nicht wahr, Peter? Ich frage mich, wer Erik, Sandra und Tom wohl waren. Sie kannten sich mit Lycra offensichtlich gut aus und haben Lycra wohl genauso gerne und mit Liebe getragen. So wie wir."

    Als Orientierungshilfe (für mich selber und die Leser) habe ich eine Übersichtskarte der 5 Städte Gaias und eine Stadtkarte von Gaia 5 erstellt.




    Einige meiner Inspirationen, wie sich die Menschen die Zukunft teilweise schon vor 100 Jahren vorgestellt haben, fand ich in Bildern und auch aus dystopischen Science-Fiction-Filmen.


    Die folgenden Bilder sind aus alten Wissenschafts-Magazinen und Science-Fiction Büchern aus den 50ern bis 80ern, die ich mal im Internet gefunden habe, die die Welt von Morgen zeigen. Einiges davon ist Realität geworden, vieles davon ist aus heutiger Sicht aber absurd.







    Mich fasziniert als Science-Fiction-Fan vor allem der dystopische Ort in einer Kuppelwelt. Die Bewohner sind alle Gefangene und können sich nur sehr begrenzt bewegen. Und wenn Mona und Peter zusätzlich in Lycra-Klamotten stecken, verstärkt sich für den Betrachter das Gefangensein und das beklemmende Gefühl noch mal (aber Mona und Peter empfinden das nicht so).


    Gleichzeitig, und um mit der beklemmenden und bedrohlichen Situation fertig zu werden, machen Mona und Peter auch immer kleine Späße.


    Die letzten beiden Bilder zeigen das Stadtmodell des Film "Flucht ins 23. Jahrhundert", der mich anscheinend unterbewusst inspiriert hat.




    Ich habe den Film vor langer Zeit mal gesehen, aber bei der Idee zur Geschichte gar nicht daran gedacht. Erst jetzt habe ich bemerkt, dass bestimmte Elemente aus dem Film komischerweise in meiner Geschichte auftauchen. Peter ist z.B. (wie Logan 5) ein Getriebener, wenn auch auf Rollschuhen. Oder z.B. die Bahn, die die Kuppeln miteinander verbinden. Oder dass ich ausgerechnet Gaia 5 als Ort ausgewählt habe, was an Logan 5 erinnert.


    Sicher haben mich auch einige andere Science-Fiction-Filme inspiriert, die mich irgendwann mal sehr beeindruckt haben, darum fahren Mona und Peter am liebsten auf Rollschuhen. Ich bin aber z.B. auch Star Trek Fan, und da hat die Besatzung ja auch eher enganliegende Kleidung an. Nur spielt die Geschichte hier auf der Erde und die Bewohner müssen sich nicht mit anderen Spezies auseinandersetzen, sondern einen Ausweg aus der immer bedrohlicher werdenden Welt finden.

    Diese Geschichte, welche ich bis auf die beiden ersten Kapitel noch nicht weiter geschrieben habe, ist eine eher dystopische, aber romantische, lustige und auch spannende Geschichte, die in der nahen Zukunft spielt und von zwei jungen Teenagern, Mona und Peter, handelt, die ihre erste Liebe und natürlich den stretchigsten Stoff der Welt entdecken...

    Gaia City oder "Die Abenteuer von Mona und Peter" Teil 1: Das Geschenk

    Wir schreiben das Jahr 2043. Nach jahrzehntelangen Kriegen und einer globalen Umweltkatastrophe ist die Erde so gut wie unbewohnbar geworden und die verbliebenen Menschen leben abgeschottet von der Umwelt in isolierten Kuppeln, die sie vor der tödlichen Strahlung und dem Ozon schützen. Zu dieser Zeit arbeiten Wissenschaftler schon an Lösungen, die Erde wieder außerhalb der Kuppeln bewohnbar zu machen und das Ozonloch zu stopfen. Mona und Peter, die beiden Hauptcharaktere, gehen noch zur Schule und sind beide 16 Jahre alt. Im Laufe der Geschichte verlieben sich die beiden ineinander und erleben das eine oder andere Abenteuer in einer Welt, die immer bedrohlicher zu werden scheint...


    "Peter, hast du das schon gelesen? Wieder so ein neues Verbot... Allen Bewohnern von Gaia 5 ist es untersagt, vor 8 und nach 18 Uhr auf den öffentlichen Plätzen und Wegen Rollschuh zu laufen. Bürgermeister Schmitt", rief Mona völlig außer sich zu Peter, der gerade etwas nachdenklich zu dem düsteren Himmel außerhalb der Kuppel aufblickte.


    "Unmöglich, sie wollen uns wohl jeden Spaß verbieten.", antwortete Peter zu Mona. "Schau mal, was Mike ausgegraben hat. Das hat er von seinem Vater, der leider kürzlich verstorben ist, geerbt.", sagte Peter zu Mona.


    "Heh, was ist das denn?", rief Mona, die mit ihren Rollschuhen auf Peter zugerollt kam. "Es glänzt so schön, zeig mal her Peter."


    Peter gab ihr das glänzende Stück Stoff. "Fühlt sich ganz glatt und weich an. Wozu zieht man das an und wie nennt man das?", fragte Mona.


    Peter antwortete: "Das ist eine Leggings und man zog das früher wohl hauptsächlich zum Sport oder auch als normale Kleidung an."


    Mona betrachtete die Leggings näher, die rosa war und neonfarbene grüne Seitenstreifen hatte, und fasste mit der Hand von unten in das Hosenbein.


    "Und wie soll man das Teil über den Kopf ziehen?", fragte sie Peter, der darauf laut losprusten musste.


    "Das zieht man nicht über den Kopf, Dummerchen.", sagte Peter ihr.


    "Haha, reingelegt, ich weiß ich bin doch nicht blöd, Peter. Ich finde die Hose, äh ich meine Leggings nur komisch, weil der Stoff so dünn ist. Ob man da nicht drin friert?", sagte Mona.


    "Probier sie doch aus, Mona, vielleicht passt sie dir sogar. Mike hat noch ganz viele Kleidungsstücke von seinem vater, die auch alle so glänzen. Er sagt sie wären schon über 50 Jahre alt. Er will sie nicht mehr und hat mich gefragt, ob ich sie gebrauchen könnte."


    "Ach, jetzt hör aber auf Peter. Obwohl, hmm zum Sport trägt man die? Vielleicht wäre ich dann beim Rollschuh Fahren noch schneller. Weisst du was? Wir gehen zu mir nach Hause, und ich probier sie mal an.", sagte Mona leise zu Peter.


    "OK, wir gehen zu Dir. Ich gehe aber noch mal kurz bei Mike vorbei und frage ihn nach den anderen Leggings, vielleicht schenkt er mir ja noch ein paar weitere. Ich könnte so eine auch für das Rollschuhlaufen gebrauchen.", verabschiedete sich Peter zu Mona, während er pfeifend auf seinen Rollschuhen davon sauste.


    Eine halbe Stunde später war Peter bei Mona und hatte einen riesigen Stapel an glänzenden Kleidungsstücken in einer großen Tasche mitgebracht.


    "Mike hat mir fast alles mitgegeben. Sein Vater hatte eine riesige Sammlung an glänzenden Hosen und Anzügen und war ein bekanntler Sportler in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Damals und in den 80ern trugen die Menschen solche Kleidung noch ganz selbstverständlich. Aber danach und als die großen Kriege der 20er Jahre begannen, geriet es immer mehr in Vergessenheit, so dass heute eigentlich niemand mehr diese Kleidung kennt.", erklärte Peter noch etwas außer Atem zu Mona, die sich gerade im Bad die glänzende rosa Leggings angezogen hatte.


    "Tadaa! Und, wie seh ich aus Peter? Die Leggings passt mir perfekt, sie passt sich wunderbar meiner Figur an, ist zwar ziemlich eng, aber sehr dehnbar, drückt nicht und fühlt sich so glatt und sanft an. Ich fühle mich einfach super darin. So leicht, als wäre ich ein Vogel und könnte gleich davonfliegen.", sagte Mona etwas nachdenklich zu Peter während sie etwas traurig wurde.


    "Hervorragend! Toll, so stellst du bestimmt bald einen neuen Rekord auf bei den Meisterschaften.", antwortete Peter.


    "Tja, und dabei gibt es gar keine Vögel mehr, aber ich weiß wie sie aussehen, welche Stimmen sie machen und wie schnell sie fliegen können. Der Film neulich im Bio Unterricht, weisst du noch Peter. Ich wäre auch gerne so schnell wie ein Vogel und vor allem frei. Hier drin bist du nur gefangen. Und jetzt will dieser Schmitt uns auch noch das Rollschuhlaufen vermiesen. Weisst du noch, wie wir letztes Jahr zusammen nach Mitternacht die lange Rampe zum Kraftwerk runtergesaust sind? Ich wette, die Erwachsenen haben früher auch jede Menge Unsinn gemacht, und dabei sind wir ja fast schon Erwachsene.", sagte Mona zu Peter während sie sich die langen blonden Haare kämmte.


    "Ich weiß Mona, aber du hättest damals lieber die Knie- und Armschoner angezogen. Wegen solcher Unfälle gibt es wohl immer mehr Verbote. Aus Sorge um uns. Weil jedes Leben hier kostbar ist und man die Bewohner schützen will", antwortete Peter ihr, "Aber du siehst echt gut aus, auch das T-Shirt passt perfekt dazu. Sehr sportlich, Monalisa."


    "Nenn mich bitte nicht Monalisa, Peter. Das ist zwar mein richtiger Name, aber meine Mutter hat mich immer nur Mona genannt. Du weißt, ich vermisse sie sehr.", sagte Mona traurig.


    "Entschuldige, das wollte ich nicht. Schau mal, hier in der Hose steht SPANDEX und Nike drin, stand das in deiner Leggings auch drin?", fragte Peter Mona.


    "In meiner Leggings stand drin: LYCRA only by Dupont und eine 36. Vielleicht ist Lycra ja der Hersteller.", antwortete Mona.


    "Ich finde Lycra und Spandex ziemlich coole Namen. Weisst Du was Mona, ab sofort heißt du jetzt LycRamona, nein. Oder wie wäre es mit Lycra Moni? Oder Mona Lycra?", fragte Peter.


    "Eigentlich wäre ich für Mona Lycra, obwohl das fast wie Monalisa klingt, aber den Namen kennen nur wenige außer dir. Na gut, Mona Lycra ist startklar für das nächste Abenteuer. Und was ist mit dir, Peter Spandex?", lachte Mona.


    "Peter Spandex? Ich habe die Leggings doch noch gar nicht angezogen.", antwortete Peter.


    "Dann aber los, Peter. Wir wollen doch noch eine Runde im neuen Outfit laufen, mal sehen was die Leute dazu sagen.", sagte Mona.


    Peter zog eine stahlblaue Leggings aus der Tasche und verschwand damit im Bad, während Mona neugierig in der Tasche nach weiteren glänzenden Kleidungsstücken stöberte. Fünf Minuten später standen Peter und Mona beide in glänzenden Leggings und auf Rollschuhen bereit.


    "Puh, die Leggings ist wirklich ganz schön eng, Mona. Ich fand es aber irgendwie prickelnd, in den glatten und kühlen Stoff hinein zu gleiten. Passt sich wirklich perfekt an und ist so federleicht im Vergleich zu den schweren Hosen an, die wir tragen müssen.", sagte Peter.


    Mona klatschte Peter mit der Hand auf den Hintern. "Aua, wofür war das?", fragte Peter.


    "Ich glaube der Vater von deinem Freund Mike stand auf die Sachen, so viele Hosen und Anzüge wie der hatte, bestimmt an die 50. Auch ganz kurze und mittellange. Und alle glänzend. Komisch, dass das heute niemand mehr trägt, wo sie doch viel leichter als unsere schweren Hosen sind.", antwortete Mona.


    "Weisst du was? Schließ mal deine Augen, Mona.", sagte Peter. Mona schloss ihre Augen. "Und was jetzt?", fragte Mona.


    Peter stand ganz dicht vor ihr. Seine Leggingsbeine berührten Monas Leggingsbeine und er war leicht erregt.


    "Ich wollte dir das schon lange sagen Mona, und vielleicht denkst du das selbe... Ich bin verliebt in dich, Mona.", sagte Peter zu Mona und dann küsste er Mona. Und sie öffnete ihre Augen und hielt ihn ganz fest an sich gedrückt.


    "Ich weiß, Peter, und ich bin froh dass du es mir endlich gesagt hast, sonst hätte ich es dir morgen gesagt. Seit dem Tod meiner Mutter fühle ich so einsam wie noch nie in meinem Leben zuvor.", erwiderte Mona traurig und fühlte sich zugleich von einer Geborgenheit umschlossen, die sie lange nicht mehr gespürt hatte.


    So standen sie noch mehrere Minuten wie verzaubert da und hielten sich einander fest, während der Zeiger der Uhr im Zimmer langsam auf die 18 voranschritt.


    "Jetzt aber los, Peter Spandex, wir wollten doch noch eine oder zwei Runden im neuen Outfit drehen.", sagte Mona zu Peter. "Abfahrbereit, Mona Lycra?", fragte Peter.


    "Abfahrbereit!", antwortete Mona und rollte aus der Wohnung, während Peter die Haustür schloss und Mona hastig hinterher rollte.


    Es wurde langsam dunkel in Gaia City und die Beleuchtung sprang an, doch Mona und Peter hatten vor lauter Freude die Zeit völlig vergessen...


    Fortsetzung folgt...

    Hallo Lycwolf,


    da bin ich aber sehr gespannt, wie Du das Lied in Deine Geschichte eingebaut hast. :)


    Ich finde es immer witzig, wenn Autoren Bezug auf andere Geschichten nehmen oder Anspielungen darauf machen, das mache ich mit meinen Geschichten auch.


    Ich stelle meine bisherigen Geschichten noch mal zum Nachlesen neu ein und auch den Lycra-Song aus dem Buch "Lycra for Dummies" (welcher ein gewisser Niki geschrieben hat).

    Um den Unterschied zwischen Polyester und Polyamid und deren Vor- und Nachteile zu verdeutlichen, hier 2 Artikel:


    https://www.erima.de/de/news-p…n-polyester-und-polyamid/


    Zitat

    Polyamid ist dabei im Vergleich zu Polyester jedoch noch einmal dehnbarer und elastischer.


    https://www.sunny-dessous.de/m…-polyester-der-vergleich/


    Ein Nachteil von Polyamid ist z.B.


    Zitat

    Nylon ist vor allem anfällig gegenüber dem Einfall von UV-Licht. Ganz anders als Polyester bleicht es dann schnell aus.


    Ich mag trotzdem lieber die klassische 80/20 Polyamid/Lycra Mischung statt Polyester. Was bevorzugt ihr?

    Schöne Muster (erinnert mich an die guten 90er), aber auch ein stolzer Preis. Wenn jede Leggings wirklich "selber handgemacht" und nicht billig in China für wenige Euro hergestellt sind, kann ich den Preis sogar verstehen, auch wegen der Exklusivität. Aber ob da wirklich 30-35 Euro an Arbeitskosten pro Leggings drin stecken?