• Hallo, Freunde anschmiegsamer Körperumhüllungen.

    Auch wenn einige noch mit der Storysammlung beschäftigt sind, kommt was Neues von mir. Wirklich eine Kurzgeschichte, sozusagen eine Miniatur.
    Neue Liebe, neues Glück. Alles noch frisch und dann die Frage der Fragen. Wie bringt man es dem Partner bei?
    Gute Unterhaltung.






    NEUANFANG



    Kurzgeschichte von lycwolf




    "Komm doch heute Abend zu mir", hat sie am Telefon gesagt. "Ich koche für uns. Bring´ du noch was zu trinken mit. Knutschi!"

    Zugegeben, das Nachwort wirkt etwas infantil für unsere Generation. Aber so ist sie eben. Direkt, kurz und knapp und mit einer ansteckenden Kindlichkeit. Bei ihr wirkt das jedoch nicht aufgesetzt oder kitschig, sondern irgendwie passend.
    Seit zwei Wochen kennen wir uns jetzt. Es war ziemlich schnell gegangen, viel zu schnell für meine Begriffe. Aber komischerweise fühle ich mich sauwohl dabei.

    Wurde auch mal wieder Zeit. Jede noch so erregende Lycrakleidung kann auf Dauer nicht die Berührung einer menschlichen Partnerin ersetzen. (Obwohl einige Outfits dem erschreckend nahe kommen).
    Dass sie uns ein Abendessen zubereiten möchte, wirkt zwar schon ziemlich alltäglich. Nichtsdestotrotz liegt in dieser Hommage an klassische Rollen für mich etwas anheimelndes. Etwas, das in mir Wohlgefühle auslöst. Und wer weiß, vielleicht bleibt es später auch nicht nur beim Kuscheln?

    Ich werd´ mich mal auf den Weg zu ihr machen und noch "was zu trinken" besorgen. Da sie nicht genauer spezifiziert hat was sie kocht, werde ich am besten beides mitbringen. Weiß und Rot. Ob sie eventuell an andere Getränke gedacht haben mag? Dann hätte sie sich genauer ausdrücken müssen.


    Getreu dem Motto: "Eine Mahlzeit ohne Wein nennt man Frühstück", stehe ich vor dem Flaschenregal und lasse während meiner Auswahl nochmal die Silvesternacht Revue passieren.
    Ich war ohne bestimmte Vorstellungen zu der groß angelegten Fete im Nachbarort gegangen. Wollte halt nur nicht alleine ins neue Jahr rutschen und dort würde ich auf viele Bekannte treffen.
    Und auf eine bis Dato Unbekannte.

    Entspannte Stimmung unter den vielen Gästen. Noch knapp eine Stunde bis Mitternacht. Bis man mit allen die man kennt ein kleines Schwätzchen gehalten hat, vergeht die Zeit fast unbemerkt. Das Timing passte perfekt. Ich war nur leicht angesäuselt, was mich weniger schüchtern in eine Konversation mit einer Fremden gehen lässt.

    "Sekt?", fragte ich als sie dazu trat während ich gerade dabei war mir am improvisierten Buffet einen Grauburgunder nachzuschenken, welchen der Vorstand des Sportvereins gestiftet hatte.

    "Lieber ´nen Wein", entgegnete sie.

    "Weiß oder Rot?"

    "Das was du da hast. Sieht ja ganz gut aus."

    Diese kurvenreiche dunkelhaarige verblüffte mich mit ihrer Direktheit. Doch gerade das war es, was unsere nachfolgende Unterhaltung bis zum Neujahrsmorgen so ungezwungen und komplikationsfrei machte. Wir waren sofort auf einer Linie und sprachen nach kürzester Zeit über persönliche Details, welche man für gewöhnlich nicht jeder frischen Bekanntschaft offenbart.
    Ihr mädchenhaftes Gesicht mit dem überbreiten Grinsen und die Lachfältchen um die Augen zogen mich in ihren Bann. Zudem hatte alles was sie von sich gab Hand und Fuß. Vielfältige Interessen und ein solides Maß an Bildung wirken fast aphrodisierend auf mich. Dazu noch die Statur mit ausgesprochen weiblichen Attributen an genau den richtigen Stellen.

    In Lycra müsste sie umwerfend aussehen, dachte ich ein bisschen wehmütig beim Blick auf ihren gewöhnlichen "Casual-Style" mit Jeans die nicht mal Skintight waren. Hätte sie die häufig im Winter anzutreffenden Leggings getragen, wäre es wohl um meine Coolness geschehen gewesen.
    Nun gut, man darf auch nicht zu viel verlangen. Wenn das hier was werden sollte, dann könnte ich wohl auf das Lycra-Sahnehäubchen verzichten.
    Ich strengte mich also an einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen und anscheinend war ich damit erfolgreich. Jedenfalls bleib es in der Neujahrsnacht nicht ausschließlich beim Reden und wir kamen uns in der ersten Woche des neuen Jahrs sukzessive näher.


    Ich verstaue die Flaschen bruchsicher im Auto und beim Verlassen des Parkplatzes wird mir zum ersten Mal klar, wie sehr diese Frau bereits mein Leben bestimmt und auch umgekrempelt hat.
    Der fast schon klischeehafte Wesenszug weiblicher Mitmenschen ihren Partner nach eigenem Gusto umzugestalten, hat mir zumindest bislang nicht geschadet.
    Während der längeren Partnerlosen Zeit hatte ich mich zugegebenermaßen etwas gehen lassen. Mal wieder zum Friseur und auch den Bart ein wenig stutzen waren nicht ihre schlechtesten Ideen.

    Aber natürlich lasse ich mich von ihr nicht völlig "Auf Links" ziehen, nur weil ich sie süß finde. Offenbar will sie jetzt auch noch meinen Kleidungsstil beeinflussen. Zumindest hat sie am Telefon erwähnt, dass sie "... auch noch was neues zum Anziehen ..." für mich hätte. Bei so etwas bin ich ja ziemlich eigen.
    Aber OK, vielleicht passt es ja zu meinem konservativen Stil. Schließlich trägt sie ja selbst auch nichts abgefahrenes, also wird´s schon nicht so schlimm werden.

    Zum Sport hat sie mich übrigens auch wieder gebracht. Wobei, Schwimmen empfand ich noch nie als Bürde. Jedenfalls nicht so wie andere Sportarten. Zwar hätte Joggen den Vorteil Laufhosen in der bevorzugten Anfassqualität tragen zu können, doch das Herumgerenne liegt mir so gar nicht.
    Dafür konnte ich im Hallenbad ihre formidable Figur in einem zwar einfachen, aber nichts desto trotz hervorragend an ihr aussehenden Badeanzug bewundern. Dunkelgrau mit regenbogenfarbigen Einfassnähten und einigen derselben Farbtupfer als Diagonalstreifen über dem Torso. Den Rücken freilassend, schmiegte sich dieses Lycratextil faltenfrei an ihren üppigen, aber dennoch wohlgeformten Körper.
    Und mir gab der Schwimmausflug Gelegenheit mal wieder was aus meinem Lieblingsmaterial in der Öffentlichkeit zu tragen. Mit schwarzen, radlerartigen Jammers ist man im Chlorwasserbecken immer korrekt gekleidet. Den Bauch musste ich zwar ein wenig einziehen, aber zumindest gab es keine negativen Kommentare ihrerseits.

    Im Wasser war sie schnell wie ein Pfeil. Muss wohl an ihrer Stromlinienfigur liegen. Jedenfalls hatte sie mich ganz schön angetrieben. Eigentlich wollte ich da schon mit meiner Vorliebe für Lycrakleidung herausrücken, denn die Gelegenheit erschien günstig. Wo wir doch bereits so viel voneinander wussten und uns sogar unverblümt unsere "Problemzonen" zeigten. Selbst eine Umarmung im Wasser, mit Küsschen und beiläufigen Badeanzug streicheln war drin. Erst Recht im Warmwasser-Entspannungsbecken. Doch dann überkamen mich wieder Zweifel. Könnte mein Fetisch unsere frische Beziehung möglicherweise gefährden, jetzt wo es gerade so schön war? Jedenfalls ließ ich die Sache erstmal ruhen.


    Klar, denke ich jetzt und biege an der Ampel in Richtung des Nachbarorts ab. Feige bin ich mal wieder gewesen. Je mehr ich darüber sinniere, desto mehr hasse ich mich für meine stets präsenten Ausreden. Dass es noch zu früh sei. Dass ich es ihr langsam beibringen wolle, und so weiter.
    Dabei gibt es den "richtigen" Zeitpunkt für so etwas gar nicht. Entweder sie toleriert es, oder eben nicht. Und je früher ich sie darauf anspreche, desto kürzer ist die Dauer der Ungewissheit. Schließlich hatte ich mehr als einmal in anderen Beziehungen so lange gezögert, bis das Thema letzten Endes unangesprochen zu Grabe getragen wurde.

    Nein. Diesmal mache ich den gleichen Fehler nicht. Heute Abend spreche ich sie direkt darauf an. Sofort nach dem Abendessen, oder besser noch vorher, gleich wenn ich über die Schwelle trete.
    Hey, ich bin doch ein cooler Typ, also werde ich den Tagesordnungspunkt "besondere Vorlieben" einfach ganz locker ansprechen. Ist ja nicht gerade so, als sei es mein Hobby Frauenleichen zu zersägen und in der Kühltruhe aufzubewahren, oder?

    So positiv aufgeladen biege ich in den Ortsteil ein, der größtenteils aus zwei ellenlangen Talstraßen besteht.
    "Was aber", flüstert das pessimistische Teufelchen auf meiner Schulter, "wenn es doch nicht der richtige Zeitpunkt ist?"
    Und schon wieder kratzt die Unsicherheit an meinem Selbstbewusstsein. Dass das auch immer so kompliziert sein muss!


    Ich vertage meine Gedanken, denn die Parklücke ist verdammt eng.
    Mit den beiden Weinflaschen in den Händen, besteige ich die lange Außentreppe des Hanggrundstücks. Das verschafft mir noch etwas Zeit um eine Entscheidung zu fällen. Allerdings ändert sich meine Meinung darüber, ihr gegenüber meinen Fetisch preiszugeben mit jeder Stufe die nach oben führt.

    Ach was! Gleich offen damit heraus, das ist doch das Beste. Einfach sagen: "Du, ich muss dir was gestehen ..."
    Oder etwas indirekter: "Wie stehst du eigentlich zu unkonventionellen Vorlieben ...?"
    Auch nicht so der Bringer. Vielleicht warte ich einfach ab wovon sie so spricht und flechte dann mein Anliegen geschickt ein?
    Ach, das ist doch nur wieder ein Ausweichen meinerseits. Warum mache ich mir so einen Kopf darüber? Ist doch nichts schlimmes. Nur ein liebenswerter Tick, wie ich finde.

    Naja, in der Vergangenheit bin ich ja gelegentlich damit angeeckt. Diese Neigung ist mir schon wichtig, aber andererseits möchte ich aber rein deswegen auch nicht auf eine gute Partnerschaft verzichten. Schließlich ist es nur ein einzelner Aspekt meiner persönlichen Interessen und eigentlich nicht Wert unser junges Glück zu gefährden. Dagegen könnte man natürlich argumentieren, wie alt ich noch werden soll, bis ich endlich frei zu dem stehe was mir gut tut?


    Unter dem geräumigen Vordach streife ich meine Schuhe an der "Willkommen"-Matte ab und drücke nervös die Klingel. Mit einem Kribbeln in den Eingeweiden, als hätte ich gerade drei Weißbier auf Ex hinter mir. Gleich wird die Tür aufgehen und bis dahin muss ich mich entschieden haben. Mir wird ganz flau und am liebsten würde ich umkehren.

    Die Haustür öffnet sich und ein Spalt einladend warmen Lichts fällt auf den kalten, grauen Waschbetonboden. Während des Aufschwingens steht mein Entschluss fest: Ohne Zögern, direkt heraus damit!

    "Du, ich muss dir was gestehen", höre ich meine schon vorhin zurecht gelegte Einleitung, noch ehe die Tür vollkommen offen ist.

    Wie ein seltsames Echo, tönt mir im selben Moment der gleiche Spruch in einer anderen Stimme entgegen.
    In ihrer Stimme.
    Sie steht gegenüber in der offenen Haustür und blickt zu mir empor. Die wasserblauen Augen strahlen unter dem mädchenhaften Pony hervor. Ihre knuddelig kurvige Statur wird betont durch die Lichtreflexe eines Ganzanzugs in Neongrün schimmerndem Lycra. Wie ein wahrgewordener Traum.
    Zum formen weiterer Worte ist mein Gehirn gerade nicht in der Lage.

    Mit der rechten Hand hält sie mir etwas entgegen, das ähnlich schimmert wie ihr Dress, nur in Dunkelrot.

    "Hier" sagt sie, direkt wie immer. "Ich hab´ auch einen für dich."

  • Ah, sehr schön - ein Traum für jeden Lycraliebhaber. (Ich hoffe, dass die Geschichte autobiografisch ist. ;))

    Und die Geschichte ist auch super geschrieben, arbeitet mit Rückblenden auf den entscheidenden Moment hin, der dann nur noch weniger Worte bedarf, um umfassend geschildert zu werden. :thumbup:

  • Hallo Lycwolf, dankeschön für deine Eintrittskarte ins Kopfkino eines frisch verliebten Lycrafans.
    Du hast das ausführlich und treffend formuliert niedergeschrieben, was jedem von uns durch den Kopf geht, der von Amors Pfeilen getroffen wurde.


    Dass es nun so kam, wie du es beschrieben hast, ist natürlich ein absoluter Wunschtraum, wie Catsuit78 schreibt.
    Aber nichts ist unmöglich, auch ein Volltreffer nicht.
    Dein Protagonist hatte ja schon die Gelegenheit, seine Angebetete beim Schwimmen kennen zu lernen. Vielleicht ein Vorteil, um sie einzuschätzen.


    Mit der Vorliebe direkt heraus zu kommen, kann ein guter Einstieg sein.
    Zum Beispiel bei mir habe ich es meiner Freundin nach drei Wochen geschildert.
    Nach dem Motto "Ich möchte dir mal was zeigen" habe ich an ihrem Rechner die Internetseite vom Männerbadeanzugforum aufgerufen und ihr ein Foto von mir und den anderem vom BA-Treffen gezeigt.

  • Danke für die Kommentare

    Catsuit78

    Ich hätte es auch gerne, dass es autobiografisch ist - aber leider nur Kopfkino

    Desi

    ... und ich hoffe nach deiner Offenbarung wart ihr dann zusammen?

    Mittlerweile bin ich auch der Ansicht, wenn man jemanden neues kennen lernt, ziemlich zeitnah damit heraus zu rücken. Du hast es da vielleicht etwas einfacher, durch deine eigene BA-Seite. Aber generell bringt abwarten nichts.