Wie man schnell eine kreative Lycra-Kurzgeschichte schreibt

  • Hallo liebe Lycra-Verrückten! Diese Methode des kreativen Geschichtenschreibens habe ich selber mal nebenbei in einem Kurs erfahren.


    Habt ihr euch auch schon mal gefragt, wie man schnell eine phantasievolle oder lustige Geschichte erfinden kann? Es ist ganz einfach: Überlegt euch 3 Gegenstände, die euch möglichst spontan einfallen. Alternativ könnt ihr auch rausgehen und einen Spaziergang machen. Sammelt dabei 3 Gegenstände ein, die auf dem Weg oder in der Gegend rumliegen. Das können z.B. weggeworferne Gegenstände sein, die euch aus irgendeinem Grund ansprechen. Es können auch sehr kleine Dinge sein. Aber bitte nichts außer Müll mitnehmen!


    Aus diesen 3 Gegenständen konstruiert ihr nun eine phantasievolle Geschichte. Die 3 Gegenstände müssen also in der Geschichte vorkommen und ihr baut diese in die Geschichte ein. Das Thema der Geschichte steht euch frei zur Wahl. Hier wäre es natürlich das Lycra-Thema.


    Ich habe mir mal 3 Gegenstände ausgedacht:

    • ein Plastikbecher mit Wasser
    • eine Visitenkarte des Autohauses "Schrottmann"
    • ein Flyer der Diskothek "Der letzte Schrei"


    Hier ist meine Geschichte als Beispiel. Ihr könnt es selber mal ausprobieren. Ich bin gespannt auf eure kreativen Lycra-Geschichten mit euren 3 Gegenständen.


    Der Junggesellen-Abschied

    Peter hatte die Schnauze voll. "Scheiß Dreckskarre!", sagte er wütend, während der Motor wieder mal nicht ansprang. Warum hatte er ausgerechnet den Gebrauchtwagen bei einem Autohaus mit dem Namen "Schrottmann" gekauft? So blieb ihm nichts anderes übrig, als die 2 Kilometer in seinem hautengen pinkfarbenen Lycra-Ganzanzug, der ohne Kopfhaube war, durch die Stadt zu laufen. Er wollte sich mit seinen beiden Freunden treffen, denn sie wollten heute abend seinen Junggesellen-Abschied feiern. Seine Freunde hatten den Ganzanzug extra für diesen Anlass für ihn besorgt. Etwas unwohl und nackt kam er sich schon in diesem hautengen Anzug vor, aber irgendwie fand er es auch flauschig. Wie die Leute wohl reagieren würden? Aber Peter dachte nicht länger darüber nach und machte sich auf den Weg.


    Als er durch den Park lief, gab es schon einige spöttische Bemerkungen von Leuten, so sagte ein unsympathischer Rocker zu ihm: "Kauf Dir mal was Richtiges zum Anziehen, Du Homo-Fürst!" Andere machten ihm aber auch kleine Komplimente, so eine junge Frau: "Gewagt, aber oho! Ich würde mich das nicht trauen." Peter brachte nur mühevoll ein Lächeln heraus und beschleunigte sein Tempo. Plötzlich landete von oben Taubenscheiße auf dem Brustbereich seines Lycra-Anzuges. "Oh nein, jetzt habe ich auch noch Taubenscheiße auf meinem Anzug. Verdammtes Mistvieh! Was soll ich jetzt machen?" Doch zufällig fand Peter einen Plastikbecher mit Wasser am Wegesrand und wusch sich die Taubenscheiße heraus. "So, jetzt aber schnell zum Treffpunkt."


    Glücklicherweise machte niemand mehr eine Bemerkung über sein Outfit, aber die meisten Leute schauten trotzdem komisch, da es nicht alltäglich war, einen Mann in einem pinkfarbenen Ganzanzug zu sehen. Von Weitem schon sah Peter seine Freunde vor der Diskothek stehen. Sie hatten genau wie er pinkfarbene Ganzanzüge an. Als er endlich da war, begrüßten sie ihn: "Der Anzug steht Dir super, Peter!", wackelten mit dem Hinterteil und tanzten um ihn herum.


    Dann gingen sie in die Diskothek "Der letzte Schrei", um Peter's Junggesellenabschied zu feiern. Es war wirklich der letzte Schrei, denn die drei Lycra-Flamingos zogen an diesem Abend die ganze Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Während die drei Flamingos auf der Tanzfläche zur Musik tanzten, betrat plötzlich ein flauschiger Riesenhamster die Tanzfläche und trat Peter in seine Kronjuwelen, der daraufhin schrie und bewusstlos wurde.


    Etwas benommen wachte Peter auf und erkannte im Halbdunkel seinen flauschigen Hamster Freddy, der es sich auf seinem Ganzanzug gemütlich gemacht hatte. Peter fühlte etwas Feuchtes auf seiner Brust: Freddy hatte ihn angepinkelt, während er im Bett lag und in seinem schwarzen Ganzanzug schlief. "Wie schön, dass ich morgen nicht heirate und dass mein Auto einwandfrei läuft, Freddy, aber ich frage mich, ob ich mich morgen mal im Ganzanzug raustrauen soll. Was meinst Du, Freddy?" Freddy fiepte wie zur Bestätigung, und das war ein gutes Zeichen.

  • Ich schätze, ich sollte auch mal einen Kurs in kreativem Schreiben belegen. Was du nämlich aus den drei Begriffen gezaubert hast hat Hand und Fuß und ist aller Ehren wert. Natürlich ließe sich aus dem Setting noch mehr machen, aber es war ja auch nur ein Beispiel und "In der Kürze liegt die Würze".


    Würde sich sogar für einen kleinen Wettbewerb eignen:

    Einer gibt drei Worte, Gegenstände oder was immer vor und wer mitmacht, sollte diese auf unterhaltsame Art in eine kurze Story mit Lycra-Hintergrund einarbeiten. Länge etwa doppelt so lang wie das Beispiel.

  • Dann gibt es von mir noch eine zweite Kurz-Geschichte. Diesmal kommen darin vor:

    • eine kaputte Kuckucksuhr
    • eine Kartoffel
    • ein Plastiklöffel

    Ich muss zugeben, der Einstieg ist nicht immer leicht. Aber wenn man erstmal etwas geschrieben hat, entwickelt sich die Geschichte meist wie von selbst. Ich habe, bevor und während ich eine Geschichte schreibe, eigentlich nie genau einen Plan, wie sich die Geschichte entwickeln soll. Darum lasse ich mich selber überraschen, was mir so einfällt und welche Wendungen die Geschichte nimmt.

    Kuckuck!

    Viola hatte eine Schwarzwälder Kuckucksuhr in der Hand und betrat einen urig wirkenden Uhrenladen mit dem lustig klingenden Namen "Ding Dong". Sie hatte die Kuckucksuhr von ihren Großeltern mitgenommen, um sie reparieren zu lassen. Das Uhrengeschäft war ein sehr wunderlicher Ort, denn hier tickten, bewegten sich und liefen permanent alle mögliche Uhren. Viola beugte sich nach vorne und betrachtete etwas näher eine kleine Spieluhr, die sich in einem offen stehenden Kästchen befand. Diese Spieluhr zeigte ein tanzendes junges Paar.


    "Hallo, was kann ich für Sie tun?", fragte sie ein etwa 30-jähriger Mann. Noch ehe Viola sich umdrehen konnte, musste er unweigerlich auf ihren attraktiven schwarz-glänzenden Leggings-Hintern schauen. Viola hatte heute ein äußerst knappes T-Shirt an. Etwas erschrocken drehte sich die 25-jährige um und erblickte einen gut aussehenden, freundlich wirkenden jungen Mann. "Ähm, ich würde gerne diese Kuckucksuhr reparieren lassen. Sie ist von meinen Großeltern und irgendwie klemmt sie. Jedenfalls kommt der Kuckuck nicht mehr raus." "Ich schaue mal nach.", sagte der Mann und legte die Kuckucksuhr auf den Tisch neber der Kasse, um sie sogleich aufzuschrauben. "Kein Wunder, dass sie nicht mehr funktioniert.", stellte er relativ schnell fest, nachdem er sich das Innere angeschaut hatte und fuhr fort: "Da ist eine Feder rausgesprungen. Das ist eine Kleinigkeit."


    Im Nullkommanichts war die Kuckucksuhr wieder repariert, zusammengebaut und Viola glücklich darüber, dass der Kuckuck wieder aus seinem Türchen flog, nachdem er die Uhr getestet hatte. "Vielen Dank. Meine Großeltern werden sich bestimmt sehr freuen, dass der Kuckuck wieder fliegt. Was kostet eigentlich diese schöne Spieluhr dort?", fragte Viola und deutete auf das tanzende Paar. "Oh, die ist leider unverkäuflich, aber ich kann Ihnen gerne weitere Spieluhren zeigen, die wir verkaufen, falls Sie Interesse haben."


    Viola ließ sich weitere Spieluhren zeigen und der Verkäufer ließ auch das tanzende junge Paar laufen, nachdem er dieses aufgezogen hatte, aber keine Spieluhr faszinierte sie so sehr wie dieses tanzende Paar. Also bezahlte sie die Reparatur für die Kuckucksuhr, bedankte sich herzlich und verließ den Uhrenladen, während dort fast gleichzeitig alle Uhren anfingen, zu dingen und zu dongen. Der Verkäufer blickte der schlanken, attraktiven jungen Frau nachdenklich nach: "Schade, dass ich sie nicht angesprochen habe. Sie sah so süß aus in ihrer Leggings. Vielleicht ist sie noch Single und wäre nicht abgeneigt gewesen."


    Nachdem Viola die Kuckucksuhr zu ihren Großeltern gebracht hatte und diese sich sehr über den wieder funktionierenden Kuckuck gefreut hatten, schwang sie sich an diesem herrlich warmen Sommermorgen auf ihren Drahtesel und fuhr zur Uni. Heute würde es etwas länger werden, denn nach den Philosophie-Vorlesungen musste sie noch einige Bücher in der Bibliothek studieren.


    Am Abend fuhr sie gegen 18 Uhr wieder von der Uni zurück zu ihrer kleinen Studentenwohnung. Unterwegs begegnete sie zufällig dem netten Herrn aus dem Uhrenladen, der ebenfalls auf einem Fahrrad unterwegs war und in die entgegen gesetzte Richtung wie Viola nach Hause fuhr. Sie dachte sich, dass er noch attraktiver aussah als im Laden, da er sich nun in einer lila glänzenden Radlerhose und einem weißen Nike T-Shirt sportlich betätigte.


    "Einen schönen guten Abend!", strahlte der Mann sie an, während er anhielt. "Einen wunderschönen guten Abend!", antwortete Viola, während sie ebenfalls anhielt. Der Mann fragte sie: "Eigentlich ist es mir peinlich, Sie zu fragen, aber ich frage trotzdem, ob Sie vielleicht Zeit und Lust hätten, an diesem wunderschönen Abend mit mir ein Eis essen zu gehen. Ich lade Sie selbstverstänlich gerne dazu ein. Ich heiße übrigens Ulf."


    Viola konnte nicht Nein sagen, da sie sehr angetan war von dem netten gutaussehenden jungen Mann. Und da sie zur Zeit solo war, hatte sie Lust, jemand Neuen kennen zu lernen. Also fuhren sie gemeinsam nebeneinander in die Stadtmitte zu einer kleinen Eisdiele mit dem Namen "Ice Heaven". Viola wollte gerade von ihrem Fahrrad absteigen, da fiel ihr eine dicke Beule in seiner lilafarbenen Lycra-Radlerhose auf und fragte ihn, was das sei. "Oh, das ist nur meine Emergency Potato. Für den kleinen Hunger zwischendurch.", erklärte Ulf, fasste sich hinten in die Radlerhose und zog zu Viola's Verwunderung eine mittelgroße Kartoffel aus dem Hinterteil. "Ich wusste nicht, wohin damit und in meiner kleinen Bauchtasche war kein Platz mehr. Ich habe sie heute mitgenommen, nachdem ich sie gestern im Geschäft liegen gelassen habe."


    Beide mussten darüber herzlich lachen, bestellten zwei große Eisbecher und genossen das leckere Eis mit himmelsblauen Plastiklöffeln. Der schöne Abend dauerte noch etwas länger, während sie sich angeregt unterhielten. Am Ende beschlossen sie, sich wieder zu treffen.


    Eine Woche später hatte Ulf Viola zu sich nach Hause eingeladen. Es machte "Ding Dong" an der Tür und Viola überraschte Ulf mit einer sexy aussehenden lila Glanzleggings. Während Ulf die Tür öffnete, begrüßte sie ihn: "Kuckuck, da bin ich!" Ulf lachte herzlich: "Komm' rein, Viola. Hast Du Lust auf Bratkartoffeln?" Auf dem Esstisch stand die Spieluhr des tanzenden jungen Paares, das darauf wartete, in Bewegung gesetzt zu werden und die Melodie der Liebe zu spielen...

  • Ich habe nicht genau auf die Uhr geschaut, aber etwa eine Stunde für die erste Geschichte. Bei der zweiten etwas länger. Manchmal habe ich aber auch eine Blockade und da fällt mir nichts mehr Gutes ein. Viel Zeit vergeht dann noch mal damit, Sätze umzuformulieren, zu lange Sätze in mehrere aufzuteilen, Rechtschreibfehler zu korrigieren und Logik- oder Plausibilitätsfehler zu beseitigen. Und am Ende entdecke ich trotzdem noch Fehler, auch wenn ich meine eigene Geschichte während des Schreibprozesses immer und immer wieder durchgelesen habe.


    Für die Geschichten mit mehreren Teilen brauche ich nochmal länger, bestimmt 4 Stunden pro Teil. Und je komplexer eine Geschichte wird, je mehr Charaktere, Orte, Zeitebenen man hat, desto unübersichtlicher wird sie für den Autor selber. Ich denke so wie es lycwolf und Desi gemacht haben ist es am besten, für jeden Charakter eine kurze Beschreibung zu machen, damit man selber nicht mit den Charakteren durcheinander kommt.


    Da ich auch nur ein Amateur-Schreiber bin, bin ich nicht so geübt. Aber selbst professionelle Autoren brauchen für ihre Bücher manchmal ziemlich lange, aber das ist ja noch mal eine andere Liga. Sie haben zudem Unterstützung durch Lektoren vom Verlag, die mit dem Autor von der Idee bis zum fertigen Druck zusammenarbeiten und das Manuskript auf Schreib- und Logikfehler überprüfen und, so denke ich, Verbesserungsvorschläge bezüglich der Formulierung und der Handlung machen, um den Text spannender für den Leser zu machen, damit sich das Buch besser verkäuft.

  • Also.... GUT finde ich diese/deine Ideen, was du wie es umgesetzt hast. Von Wörtern, die nichts miteinander zu tun haben in eine tolle Geschichte verwandeln, das hat was - nämlich Potenzial ;) .


    Ich muss schmunzeln, wenn ich "Emergency Potato" lese. Seltsam, denn wer hat SOWAS in seiner Radlerhose gebunkert :D ?!


    Naja, jedenfalls hast du zwei Likes bekommen.