TIPPS UND HINWEISE ZUM STORYSCHREIBEN

  • Hallo Gleichgesinnte,


    es erfreut mich, dass in letzter Zeit einige neue Storyschreiber dazugestoßen sind. Diese im Vergleich zu Fotos eher stiefmütterliche Abteilung mit wenig Stammlesern, kann Zuwachs gut gebrauchen. Jeder, der relativ Neu an diese Sache herangeht, steht vor ähnlichen Herausforderungen. Gute Ideen sind zuhauf vorhanden, aber es fehlt die Routine diese leserlich aufzubereiten.

    In einigen Beiträgen gibt es bereits einige Tipps der Autoren, die etwas Hilfestellung leisten können.

    Folgender Aufsatz entstammt dem zweiten Band meiner "Entarteten Schriften". Ich habe es nur wenig ergänzt übernommen, auch wenn dadurch möglicherweise zuvor gepostete Dinge wiederholt werden.

    Jeder Autor entwickelt mit der Zeit einen eigenen Stil, was natürlich begrüßenswert ist. Jedoch mangelt es "Jungschreibern" oft an grundlegenden handwerklichen Fertigkeiten. Die folgenden Tipps können helfen eine gute Storyidee erfolgreicher umzusetzen. Und mehr Erfolg und Zuspruch spornt wiederum die Entwicklung des Autors an.

    Jeder, der eine interessante Idee hat sollte sich nicht scheuen diese nieder zu schreiben. Und wenn die größten Fehler vermieden werden, wird die Story umso besser ankommen.






    Kreatives Schreiben


    Wer bin ich, mir anzumaßen andere über das Schreiben von Fetischgeschichten belehren zu wollen? Andererseits überkommt mich beim Lesen der plumpen Machwerke bezahlter, gewerbsmäßiger Fetischautoren oft der Gedanke, dass dort rein kommerzielle Gründe verantwortlich sein müssen, um mit derart minderwertigem Geschreibsel an die Öffentlichkeit zu treten.


    Wie dem auch sei, als "Einäugiger unter Blinden" wird man immer wieder mal nach Tipps gefragt. Doch alles abdeckende Antworten gibt es leider nicht. Wenn jemand fragt ob Er (oder Sie) selbst auch mal schreiben sollte, antworte ich meistens mit "Warum nicht?" Das Einfachste ist nämlich, es mal auszuprobieren und selbstkritisch zu bewerten was dabei herauskommt. Nicht jeder taugt zum Autor, aber es gibt viele andere Möglichkeiten sich kreativ auszudrücken.


    Wer dennoch damit liebäugelt mal selbst etwas zu Papier, oder heutzutage eher zu Datenträger zu bringen, sollte sich zuerst einige wichtige Fragen beantworten: Habe ich die Fähigkeit Sachverhalte und Handlungsfolgen so in Worte zu fassen, dass ein Anderer versteht was gemeint ist? Kann ich beispielsweise einen Ortsfremden trotz komplizierter Wegbeschreibung an sein Ziel bringen? Besitze ich genügend Phantasie um Gedankenkonstrukte plausibel wirken zu lassen?


    Generell von Vorteil ist, wenn man öfter liest. Dabei muss es sich keineswegs um Weltliteratur handeln, aber zumindest um bekanntere Autoren. Dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Textstruktur, Satzbau und Wortwahl dem entsprechen was allgemein ansprechend empfunden wird. Vor allem sollte man sich nicht ausschließlich einem Schriftsteller widmen, um von mehr Variation des Handwerks profitieren zu können.

    Danach benötigt man ein Thema, welches für mindestens drei weitere Personen außer einem selbst interessant sein sollte. Dann kann man auch schon loslegen.


    Für Erstlingswerke bieten sich kurze und lineare Beschreibungen mit nicht allzu viel Handlung an. Ein wenig Atmosphäre drum herum (Wo findet es statt, wie sieht es dort aus, welche Tageszeit herrscht?) Die Beschreibung der handelnden Personen, sowie deren Intention (Wer handelt, wie sieht die Person aus, was verbindet sie mit der Handlung, was fühlen die Handelnden?)


    Wichtig ist zu Beginn das Interesse der Leser zu erwecken (schwerer als man denkt), danach dem Leser Stück für Stück die nötigen Informationen zukommen lassen (es darf nicht langweilig werden, aber auch nicht alles auf einmal verraten) und zum Schluss einen Höhepunkt, der die Geschichte auflöst (ebenso gut eine überraschende und unvermutete Wendung).


    Die klassische Erzählform ist die des unabhängigen Betrachters. Diese gibt alle Geschehnisse wie eine Reportage in der Vergangenheitsform wieder. Die Weiterentwicklung davon ist, die Geschichte aus der Sicht einer handelnden Person zu erzählen. Verhalten und Gedanken anderer werden also als Vermutungen und logische Schlüsse der Hauptperson erzählt. Auch dies geschieht in Vergangenheitsform.

    Gerade für richtige Kurzgeschichten eignet sich auch die "Ich"- Erzählform. Der Schreiber ist mit seinem Hauptdarsteller oder dem Beobachter identisch und der Leser erlebt die Handlung live durch seine Augen. Hier ist die Gegenwartsform unabdingbar.


    Das bringt uns auch schon zu einem der Stolpersteine für Anfänger: Nicht willkürlich zwischen Vergangenheits- und Gegenwartsform abwechseln. (Es sei denn ein Abschnitt innerhalb der Geschichte verlangt danach.)

    Weitere unabdingbare Handwerkliche Grundlagen sind Rechtschreibung und Interpunktion. Hier können Zusatzfunktionen der Schreib-Software zwar Hilfestellung geben, doch darf man Rechtschreibkorrekturen nicht blind vertrauen. Computer sind nämlich "strunzdumm", nur machen sie die Fehler eben in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Gewisse orthografische Fähigkeiten sind also von Vorteil. Gelegentlich bietet auch das Internet brauchbare Tipps, doch auch hier ist Vorsicht angesagt.


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    Unklare oder holprige Passagen werden einem oft deutlicher, wenn man sich den Text laut vorliest.

    Überhaupt sollte man nie direkt nach dem Schreiben veröffentlichen. Der noch gestern hervorragende Gedankengang, kann sich nämlich mit frischem Geist als plump und stockend formuliert herausstellen. Ganz zu schweigen von sonstigen Fehlern, von denen man bei jedem neuen Durchlesen wieder welche findet. Der Leser dankt sorgfältiger Korrektur mit gesteigertem Lesevergnügen. (Die menschliche "Festplatte" ist nämlich in ihrer Kapazität begrenzt. Ist man gezwungen während des Lesens im Geiste Fehler zu korrigieren, fehlt Speicherkapazität um das gelesene verarbeiten zu können).


    Des Weiteren sollte man zu häufige Wortwiederholungen vermeiden. Zwar ist es stilistisch manchmal notwendig in nachfolgenden Sätzen das selbe Wort zu verwenden, doch meist macht der Gebrauch von Synonymen den Text lockerer und flüssiger. Ob nun mit Wörterbuch, Internet oder Software, auch bei Synonymen benötigt man einen mindestgebildeten Verstand um das jeweils Sinnvollste auszuwählen.


    Es bietet sich an, den Text mittels Absätzen zu strukturieren. Spätestens wenn ein Handlungsabschnitt abgeschlossen ist, oder Beschreibungen von allgemeinen zu speziellen Dingen wechseln. (Gerade die Umgebung beschrieben, dann die Gedankengänge des Protagonisten erzählt. Oder einen Block mit Konversation vom Rest abgrenzen.)


    Wörtliche Rede flüssig und vor allem die Story unterstützend einbringen ist sauschwer. Es reicht nicht "sie sagte", oder "er fragte" und dann Doppelpunkt und Anführungszeichen. (Damit kam zwar Johannes Mario Simmel oft aus, aber der konnte sich darauf berufen, dass er Millionen damit verdiente).

    Die Einleitungen wörtlicher Rede sollten zum einen Abwechslungsreich sein, zum andern auch dem "gesagten" entsprechen und es bekräftigen. (Neben "fragte" und "sagte" ruhig auch mal "entgegnete", "sprach", "erwiderte", "folgerte" etc, benutzen). Diese Einleitungen eignen sich hervorragend um bei einer Konversation Stimmungen und Gefühle zu transportieren ("... sie entgegnete erbost ..."). Oft ist es besser die Rede direkt zu beginnen und die eigentliche erklärende Einleitung nachfolgen zu lassen. (..."Du kannst mich mal", antwortete sie genervt.) Bei ständig abwechselnden Zwiegesprächen macht es Sinn auf die nachfolgende oder vorgeschobene Personenzuordnung zu verzichten.


    Anstatt auf kürzestem Wege zu erzählen, kann man gelegentlich auch die Situation mit der Umgebung und der Gefühle der Hauptperson verbinden. Variante 1: Er ging durch den Matsch.

    Variante 2: Er war stinksauer im Dunkeln durch den von Fahrzeugen zerwühlten Morast waten zu müssen, der ihm mittlerweile bis zu den Knöcheln stand.


    Gerade in der Fetischliteratur stößt man recht schnell an die Notwendigkeit expliziter Sprache. Das ist manchmal unabdingbar um dem zu erzählenden den nötigen Nachdruck zu verleihen. Will man aber auf breiterer Basis im Internet publizieren, sieht man sich sehr schnell Restriktionen der Gesetzgebung gegenüber. Hier kann es nie schaden, die "Sache" mittels Vergleichen und Analogien zu umschreiben. Fast immer werten süffisante Umschreibungen, deren tatsächlichen Aussagen erst im Gehirn des Lesers entstehen, solche Fetischstories auf.

    Auch anderweitig bieten indirekte Formulierungen oft eine interessante Alternative. So wird aus ...sein Schnäuzer war seitlich gestutzt, beispielsweise ... er trug seinen Schnurrbart in einem Stil, der seit dem dritten Reich mit einem deutschen Diktator österreichischer Herkunft assoziiert wird.


    Abschließend sollte man klären: "Für wen schreibe ich? Wer ist mein Publikum und was erwartet es?"

    Die Thematik der Geschichte sollte schon im Interesse der potenziellen Leser liegen. Natürlich soll man nicht ausschließlich dem Leser "nach dem Ohr" schreiben. Schließlich stellen eigene Phantasie und Vorstellungen den Hauptteil des Schreibens dar. Andererseits ist es wenig Zielführend über Strumpffetisch zu schreiben, wenn man in einer Gemeinschaft von Nudisten veröffentlicht. Trotzdem schadet es aber nie, auch mal andere artverwandte Aspekte mit einfließen zu lassen, so lange die Hauptrichtung dem erwarteten entspricht.


    Es gäbe noch jede Menge weiterer Tipps, doch letztendlich würden diese ganze Bände füllen. Abschließend kann ich jeden Interessierten nur noch einmal ermutigen es einfach mal zu versuchen. Auch wenn es zunächst holprig ist, so wächst man doch mit seiner Entwicklung. Fehler und andere Unzulänglichkeiten erkennen, analysieren und korrigieren. Sich Schritt für Schritt zu verbessern. (Es braucht halt schon einen langen Atem).


    Auf die wichtigste Autoreneigenschaft sei zum Schluss noch hingewiesen. Eine hohe Frustrationstoleranz! Die ausgefeiltesten Formulierungen werden stets gegen schnöde Fotografien verlieren. Man wird es nie allen Recht machen können und negative Kritik ist immer häufiger als positive. Und es ist nicht immer leicht berechtigte Kritik von hirnlosem Abqualifizieren zu unterscheiden und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.


    Viel Spaß beim Schreiben.