Damals im Sportunterricht in der Schule

  • Wie war es bei euch in der Schule was habt Ihr und eure Klassenkammeraden an Sport Sachen getragen ?


    Bei mir war es meist ein T-Shirt mit einer Nylon Sporthose für die Jungs wir hatten getrennten Unterricht was die Mädels an hatten kann ich gar nicht mehr so sagen weils so lange her ist und wie gesagt auch getrennter Sport Unterricht.

    Ich glaube aber noch so wage mich daran zu erinnern das die Mädels auch eine normale Nylon Sporthose getragen haben und selten einen Gymnastikanzug.

  • Das kommt bei mir auf die Jahrgangsstufe an.

    Einiges biografisches hatte ich ja bereits in Geschichten und meinem Sammelband und auch bei der Vorstellung geschrieben.


    In Kürze: Kindergarten und Grundschule - kurze, matte Stoffhosen und eine Art Feinripp-Unterhemd. Dazu Gymnastikschläppchen (Feste Turnschuhe waren sinnigerweise nicht gestattet).

    Mädels in Strumpfhosen und ähnlichen Hemdchen.


    Weiterführende Schule, Klassen 5 und 6 - Einheitslook, blaue Seidenstoff-Turnhosen (war damals "der Renner") und immer noch Feinripp-Unterhemd, diesmal in Gelb.

    Die Mädels in mattschwarzer Gymnastikhose und weißem T-Shirt. Turnschuhe nach Wahl, aber keine die auch Draußen getragen wurden. Unterricht Geschlechtsgetrennt.


    Ab 7. Klasse keinerlei Vorschriften, allerdings durften die Sachen nicht zu weit (labberig) sein. Bei den Jungs blieb es bei Turnhosen, denn Radler hatten ihren Siegeszug noch nicht angetreten. Ansonsten T-Shirts.

    Der Unterricht der Mädels wies andere Schwerpunkte, wie Jazzdance, Aerobic, Gymnastik auf. Deshalb war deren Kleidung von sich aus interessanter (und vor allem auch anschaulicher für pubertierende Jungs). In der Halle trugen alle Mädels Gymnastikanzüge, meist schlicht aber auch einige glänzend farbige wie wir sie Heutzutage favorisieren. Dazu Gymnastikhosen/Leggings, der Zeit entsprechend auch mit Legwarmers kombiniert. Leider nur selten Schläppchen, außer bei den beiden Ballettmädels, die immer ihrem Hobby entsprechend gekleidet waren.


    Erst im letzten Schuljahr wurde die Mädchenkleidung weiter und schlabbriger - was schade war, da sie jetzt erst richtig gut in den engeren Anzügen ausgesehen hätten.

  • Also zur Grundschulzeit hatten die Lycrasachen noch nicht ihren Weg in jedermanns und -fraus Kleiderschrank gefunden. Ich kann mich auch nicht mehr so gut an die Zeit erinnern, weiß aber noch, dass ich und einige andere diese glänzenden Sprintershorts hatten. (Ich glaube, zu dieser Zeit hatten selbst Profifußballer solche Hosen an). Sonst gab es Jogginghosen, oft in hellgrau oder beige, aus BW. Bei Mädchen waren mitunter schon so Gymnastikhosen zu sehen, meist in schwarz, aber aus einem seltsamen, leicht kratzenden Synthetikmaterial, was definitiv nicht glänzte.


    In etwa mit meinem Wechsel auf die weiterführende Schule, 1989, brachen die Dämme, nicht nur in Berlin, sondern auch was den Siegeszug von Lycra im Alltag anbetraf. Im Sommer 1990 wurde ich zum ersten Mal auf Lycra aufmerksam, als ich im Sportunterricht an einer Mitschülerin eine fliederfarbene Radlerhose sah. Ich hatte bis dahin nicht bewusst auf die Kleidung meiner Mitmenschen geachtet - weil ich grade mal 11 Jahre war und meine Interessen anderweitig lagen. Das änderte sich dann aber schlagartig. Ich war regelrecht "geflasht" von diesem Glanz. Vielleicht wurde das ganze verstärkt dadurch, dass ich mich zum ersten Mal nennenwert verliebt hatte - in ebendieses Mädchen. Ich kann heute nicht mehr sagen, ob ich diese enge, glänzende Hose deswegen so toll fand, weil ich in das Mädchen verknallt war, oder vielleicht umgekehrt, ich sie nur deswegen toll fand, weil sie diese Hose trug. Ich vermute mal, das Ganze hat sich gegeseitig verstärkt. Fortan schenkte ich auch den übrigen Mitschülerinnen und Mitschülern mehr Aufmerksamkeit. In den kommenden zwei Jahren, bis etwa 1993 hatten die Mädchen beim Sport eigentlich bis auf extrem seltene Ausnahmen immer Radler oder Leggings an. Erst fast nur glänzenden, in allen nur erdenklichen Farben, von uni schwarz bis hin zu neon-bunten Mustern. Je älter die Mädchen wurden und je stärker diese Modewelle bereits wieder am abebben war, desto mehr matte Baumwollleggings und Radler ersetzten die glänzenden. Zum Ende der Mittelstufe, Mitte der 90er, hatten nur noch die Hälfte der Mädchen (nunmehr um die 16 Jahre alt) matte Leggings oder Radler in dezenten Farben, die andere Hälfte weiter geschnittene Hosen. In der Oberstufe hatten tatsächlich in der Zeit bis 1998 sogar einige wieder glänzende Hosen, ich erinnere mich an eine dunkelblaue und eine schwarze Radler, eine tief-violette Leggings und eine schwarz-neonbunt gemusterte Leggings aus Lycra. Deneben noch einige matte Baumwollvertreter dieser Zunft. Das war aber auch auf einer anderen Schule als zuvor, und es waren andere Leute.


    Ich selbst hatte in den frühen 90ern zwei Radlerhosen, eine glänzende in schwarz, mit einem hellgrünen Streifen auf der einen Außenseite, einem violetten auf der anderen Seite, der im Bereich des Beins nach vorne zog und breiter wurde. Dann noch eine türkisgrüne aus BW. Beides noch von meinen Eltern ausgesucht. Ab Mitter der 90er habe ich dann meine ersten heimlichen Einkaufstouren zu einem bekannten Discounter unternommen, um mir den Grundstock meiner Sammlung aufzubauen.


    Die frühen 90er waren also für mich ein Eldorado im Schulsport. Bis zur 7. Klasse hatten wir noch gemeinsam mit dem Mädchen Sport, und es war eine Augenweide, diese Vielzahl an Lycra vorgeführt zu bekommen. Von den anderen Jungs hatte, soweit ich das noch weiß, nur einer regelmäßig Lycra an. Eine Radlerhose in schwarz mit bunt gemusterten Seiten, die er sowohl als Sporthose in der Halle trug, als auch als Badehose im Schwimmuntericht.


    Ach ja, was würde ich nicht alles für eine Zeitmaschine tun ...

  • Die frühen 90er waren also für mich ein Eldorado im Schulsport.

    Wir sind wohl offensichtlich gleich alt. :)


    Ich erinnere mich genau so an meine Schulsport-Zeit wie du, fast alle Mädchen trugen zum Sport glänzende Leggings oder Radlerhosen. Bei den Jungs war auch nicht so verbreitet, in meiner Klasse waren es nur zwei oder drei, die mit Radlerhosen Sport trieben. Und ich natürlich. :)


    Beliebt waren glänzende Radlerhosen vor allem aber bei den Klassenstufen eine oder zwei unter meiner. Da hielt sich der Trend bis in die späten 90er, auch als Badehose oder allgemein im Alltag. In meiner Alterstufe verschwanden die Radler und Leggings aus Lycra bei Jungs und Mädels so mit 15/16. Die meisten Mädchen stiegen auf Baumwolle um, bei den Jungs wurde alles schlabbrig. Dies war noch zu einer Zeit, als Lycra durchaus noch Trend war und man sah es noch viel im Alltag.


    Ich hatte zu der Zeit auch einige Radlerhosen, eine schwarze und eine rote von Adidas für die Sport, zwei wirklich sehr bunte zum Schwimmen und dazu noch eine "gute" von Reebok, die war recht teuer und meine Mutter wollte nicht, dass sie beim Sport Schaden nimmt. :) Die habe ich heute noch.


    Als Badehosen habe ich Radlerhosen bis fast in die 2000er getragen, das war lange in Mode.

  • In meiner Grundschulzeit - Ende der 80er - bin ich quasi mit der Lycra-Leidenschaft infiziert worden. Ich kann mich an Sportstunden erinnern in denen 9 von 11 Mädels (die damals noch mit uns Jungs gemeinsam Sport hatten) in schwarzen Glanzleggings teilnahmen. Besonders eine Stunde, als ich - dank der Mädels, die in ihren glänzenden Leggings in der prallen Sonne am seitlichen Geländer herumturnten - den Start zum 50m Lauf verpennt habe, ist mir bis heute in Erinnerung ;-)


    Damals konnte ich mir noch überhaupt keinen Reim drauf machen, weshalb mich das Material und die Leggings so faszinierten. Ich habe auch mit ein paar Kumpels drüber gesprochen, die meine Leidenschaft hierfür aber nur so am Rande verstehen konnten....


    Bei uns Jungs sah man vereinzelt auch Lycra, überwiegend in Form von bunten Glanzradlerhosen, manchmal auch Uni-Farbene. Seltener jedoch in der Schule sondern oft eher privat. Ein Klassenkamerad trug sie wohl regelmäßig beim Fußballspielen drunter, wie er mal erzählte. In der 7. oder 8. Klasse auf einer weiterführenden Schule hatte er dann eines Tages seine normale Sporthose vergessen und musste zwangsläufig in der schwarzen Glanzradler am Sportunterricht teilnehmen. Hinzu kam noch, dass unser Lehrer die "Markierungsbändel" zur Kennzeichnung der Manschaften in der Halle vergessen hatte und so kurzhand beschlossen wurde, dass eine Manschaft ihrer T-Shirts zum Fußballspielen ausziehen sollte. Es war natürlich die Manschaft in der mein Klassenkamerade war... dies war ein Erlebnis, dass mich damals sehr verwirrte und bis heute in Erinnerung blieb.


    Ähnlich erging es einer Klassenkameradin in der 10. Klasse. Damals hatte wir aus stundenplantechnischen Gründen eine gemeinsame Sportstunde mit den Mädels, in der wir stets Volleyball spielten. Meine Klassenkameradin hatte ebenfalls ihre Sporthose vergessen und suchte panisch nach einer Alternative. Alles was sie fand war eine pinke Glanzleggings einer anderen Mitschülerin, die diese offenbar schon seit Ewigkeiten mit sich in der Sporttasche herumtrug. Zwangsläufig musste sie die Glanzleggings anziehen und am Sportunterricht so teilnehmen. In dieser Stunde kam ich definitiv im doppelten Sinne zum Schwitzen, insbesondere da man im Volleyball ja zwangsläufig mal gebückt steht und da sie auch noch häufiger vor mir stand ;-)

  • Besonders eine Stunde, als ich - dank der Mädels, die in ihren glänzenden Leggings in der prallen Sonne am seitlichen Geländer herumturnten - den Start zum 50m Lauf verpennt habe, ist mir bis heute in Erinnerung ;-)

    Ich habe auch definitiv besser Erinnerungen an Lycra-Stoff-Momente in der Schule, als an den Unterrichtsstoff.


    Ich habe 97 Abi gemacht, was der Satz des Pythagoras ist oder wie man auf Französisch einen halbwegs graden Satz bildet, ist komplett aus dem Gehirn gelöscht, aber an den Moment, als das erste Mädchen bei uns in der Klasse eine Glanzradler trug, kann ich mich noch genau erinnern. :)


    Bei den Mädchen war es Sonja (da ist sogar der Name nach 30 Jahren noch da. :) ), die zum Sport ein schwarze Radlerhose anhatte. Das Gefühl, das in mir hochkam, wenn ich ein Mädchen in Lycra sah, kannte ich schon, denen war ich auf der Straße oder im TV schon begegnet, aber ich hatte noch nie jemandem in Lycra gesehen, den ich kannte.


    Auf Klassenfahrt in einen Zoo oder so, da war dann da auch ein Junge aus einer anderen Kindergruppe, die mit unserer Schule oder Klasse nix zu tun hatte, der trug dunkelblaue Radlerhosen mit weißen Punkten und Streifen. Das war auch sehr faszinieren, denn natürlich war mir bewusst, dass wenn er das tragen kann, ich das auch kann!

    Ich muss zugeben, es hat mich damals - obwohl ja Mode - ein bisschen Überwindung gekostet, meine Mutter nach einer Radlerhose zu fragen. Irgendwie war da ja eine noch nicht einordnebare, erregende Komponente dabei. :) Ich habe dann nach einer neuen Badehose gefragt und im Sportladen hingen in der Schwimmmodeabteilung auch die Radlerhosen, so dass ich dann einfach gesagt habe, dass ich eine lange haben möchte. Natürlich hatte damit meine Mutter kein Problem, warum auch, und so hatte ich meine erste Radlerhose, die ich dann an Schwimmbadtagen direkt zu Hause anzog und bald auch an Tagen, an dem ich nicht im Schwimmbar war. Ab dann war das Outfit etabliert und meine Mutter kaufte beim Klamotteneinkauf auch immer Radlerhosen mit. Das sah man dann ja auch öfter bei Jungs.


    Ich erinnere mich auch gut, dass es ewig brauchte, bis ich mich beim Einkaufen entscheiden konnte. Ich hätte logischerweise gerne alle mitgenommen. Auch fragte meine Mutter bei einem Einkauf mal, wie viele Radlerhose ich den bräuchte, zuhause waren ja noch einige. :)

  • Das ist ja echt lustig, wie sehr sich die Erlebnisse aus der Schulzeit ähneln. Ich fühle mich gerade total in diese Zeit, wo alles begann, zurückversetzt. In meiner Grundschulzeit in den 80ern war Lycra noch kein Thema für mich. Erst mit Beginn der Pubertät, Anfang der 90er, interessierten mich die Mädels in Lycra.


    In meiner Klasse hatten Anfang der 90er die meisten Mädchen beim Sport Leggings oder Radlerhosen an wie es damals üblich war, davon zur Hälfte auch glänzende. Für 2 Mädels schwärmte ich besonders. Eine hatte fast immer eine glänzende schwarze Caprileggings an, die andere eine glänzende Leggings oder Radlerhose. Da habe nicht nur ich gerne etwas länger hingeschaut. Denn es gab in unserer Klasse einige Jungs, die keinen Hehl daraus machten, dass sie die Mädels beim Sport in Lycra "sexy" fanden. Sie sagten das auch direkt so zu den Mädels, die daraufhin loskicherten und sich über diese Jungs, die Glanzradler unter weiten T-Shirts trugen, lustig machten. Naja sowas passiert eben in der Pubertät, wenn die Hormone verrückt spielen...


    Ich trug damals außer den Badehosen, die mir meine Mutter gekauft hatte, noch kein Lycra, hätte mir aber gerne eine Glanzradler gewünscht, wie sie einige Jungs in meiner Klasse beim Sport trugen. Also musste ich mir selber eine Glanzradler kaufen. Ich war beim Einkaufen total nervös, weil es mir wie etwas Verbotenes vorkam. Bis ich mich für eine Radlerhose entschied, verging eine Ewigkeit. Ich ließ die verschiedenen Modelle und Materialen immer wieder durch die Finger gleiten. Die Lycrasachen hatten alle einen speziellen Geruch und ich vermute, dass die Mitarbeiter diese aus Hygienegründen eingesprüht hatten.


    Ab Mitte der 90er trugen die Mädels bei uns im Sportunterricht leider weniger Lycrasachen, nur ein Mädel trug meist noch eine schwarze Glanzradler. Die 90er waren lycramäßig schon eine geile Zeit und wer sie als Kind oder Jugendlicher damals miterlebt hat und vom Lycrafieber infiziert wurde, wird sich immer wieder gerne daran zurück erinnern. Vor allem gab es damals noch richtig tolle Farben, die auch die Lebensfreude der damaligen Zeit ausgedrückt haben, wo heute fast nur noch schwarz, grau und dunkle unauffällige Farben bevorzugt werden.

  • Ich trug damals außer den Badehosen, die mir meine Mutter gekauft hatte, noch kein Lycra, hätte mir aber gerne eine Glanzradler gewünscht, wie sie einige Jungs in meiner Klasse beim Sport trugen. Also musste ich mir selber eine Glanzradler kaufen.


    Dazu fehlte mir stets der Mut, irgendwie hatte ich auch Angst davor, dass irgendjemand mitbekommen könnte, dass ich eine Lycraleidenschaft habe. Auffällig wäre es nämlich schon gewesen, wenn ich plötzlich eine Radler gekauft hätte, obwohl ich mich sonst für Kleidung praktisch nicht wirklich interessierte. Daher "konnte" bzw. wollte ich es auch vor meiner Mutter nicht zugegeben, dass ich gerne eine Radler hätte.


    Heimlich kaufen war auch keine sichere Lösung. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und selbst in der nächsten Stadt kannte man sich. Ein Supermarkt hatte auch eine kleine Textilabteilung, wo es Radler gab, allerdings begegnete man praktisch immer irgendwelchen Bekannten. Und so träumte ich jahrelang davon endlich einmal eine Radler anzuprobieren oder gar zu besitzen. Das Anprobieren gelang mir dann auch ein paar Mal heimlich bei Kumpels. Meine erste eigene Radler und Leggings habe ich dann allerdings erst mit 20 gekauft. Das Gefühl beim ersten Anprobieren der Leggings übertraf meine (jahrelangen und hohen) Erwartungen nochmals um ein Vielfaches. - Aber das ist eine Story für sich.

  • Ich kann Dich gut verstehen, ich war damals auch sehr verlegen. Auch wenn ich damals mitten in der Pubertät war, hatte ich den festen Entschluss, mir endlich eine Radlerhose zu kaufen. Meine Mutter hatte mir zwar etwas gekauft, das den Namen "Radlerhose" trug, aber absolut keine war. Es war eine gelbe, weite Baumwoll-Shorts, die ich dann manchmal beim Sport trug. Ich war damals zwar enttäuscht, als sie mir sagte, sie habe mir eine Radlerhose gekauft, habe meine Enttäuschung darüber aber nie gesagt.


    Also habe ich etwas später den Entschluss gefasst "Jetzt oder Nie!" und das dann auch durchgezogen. Angst, dass Bekannte oder Freunde mich beim kauf sehen, hatte ich nicht. Daran habe ich gar nicht gedacht. Es kam mir zwar wie etwas Verbotenes vor, eine Glanzradler zu kaufen, weil man auf Lycra steht (und nicht weil man es für den Sport braucht). Es war auch so etwas wie eine Mutprobe für mich.


    An dem Tag, an dem ich die Radlerhose gekauft habe, bin ich nach der Schule direkt ins Kaufhaus in der Stadt gegangen. Ich war ziemlich nervös und hoffte, dass man mir nichts ansah, während ich mit der Rolltreppe ins Untergeschoss zur Sportabteilung fuhr. Ich steuerte auf die Abteilung mit den Gymnastik- und Lycrasachen zu und habe ewig lange verschiedene Modelle und Stoffe durch meine Finger gleiten lassen, habe mir intensiv alle Kleiderständer und Größen angeschaut, bis ich mich für eine schwarze Ervy Glanzradler der Größe M entschied für damals 25 Mark. Dann schnurstracks zur Kasse. Ich war leicht errötet, vor mir nur 1 Kunde. Die verkäuferin war freundlich und lächelte mich beim Bezahlen an. Mir fiel ein Stein vom Herzen und habe die Radlerhose zu Hause gleich ausprobiert und ausgiebig genossen. Im Sportunterricht habe ich sie allerdings nicht getragen.


    Einen Freund von mir habe ich zu dieser Zeit mal beim Lycrakauf begleitet. Seine Mutter hatte ihm gesagt, dass er sich eine neue Badehose kaufen sollte und er war wohl auch etwas unsicher, aber ich habe ihm nichts von meiner Lycra-Leidenschaft erzählt, was wäre gewesen wenn?


    Ich habe mich, als Mutprobe in meiner Jugend, im Kaufhaus auch mal beraten lassen, welche Radlerhose für's Radfahren geeignet ist. Ich kann mich aber nicht mehr gut daran erinnern. Ich glaube der Verkäufer hat mir sogar den Unterschied zwischen Männer- und Frauenradlerhosen erklärt, den unterschiedlichen Schnitt und die Länge.


    In den 90ern habe ich so noch 10 weitere Radlerhosen, Badehosen und Leggings gekauft, aber der Kick beim Kaufen war nie wieder so groß wie beim ersten Mal.


    Es ist schon verwunderlich, wie manche wie selbstverständlich mit dem Kaufen und Tragen von Lycra in der Öffentlichkeit umgehen, und andere so verlegen sind. Es ist absolut nichts Schlimmes, wenn man bedenkt, welche "merkwürdigen" Fetische es alle gibt. Heute zurückblickend erscheinen mir meine damaligen Ängste und Unsicherheiten völlig lächerlich, aber in der Pubertät ist alles viel schwieriger, wenn man noch gefestigt ist und die Hormone verrückt spielen.

  • Da sich hier herausgestellt hat, dass nicht wenige von uns alterstechnich nahe beieinander sind, jetzt so Ende 30 bis ca. 40, wage ich mal die Behauptung, dass das Alter bei der Entwicklung dieses Fetischs schon eine bestimmte Rolle spielt. Will heißen, dass man als pubertierender Teenager empfänglicher für so etwas ist. Und da eben die ersten Jahre der 90er das goldene Lycrazeitalter waren, und man schon als Eremit auf einem einsamen Berg leben musste, um nicht tagtäglich mit Lycra in Sichtkontakt zu kommen, war die Wahrscheinlichkeit damals einfach ungleich höher, Lycra kenne und lieben zu lernen. Ich denke, fast alle aus unseren Jahrgängen (um 1980 rum geboren), sind in dieser Zeit Lycra-süchtig geworden.


    Jetzt wäre es mal interessant, zu sehen, wie es beispielsweise bei den älteren unter uns war. Lycra gab es immerhin auch schon früher, insbesondere in der Bademode oder der Turnmode. Vermutlich liegt genau deshalb bei dem einen oder anderen Ü-40er der Fokus auf ebendiesen Bade- und Gymnastikanzügen, während Leggings und Radlerhosen erst an zweiter Stelle kommen.


    Und bei den deutlich jüngeren? Gibt es hier Mitglieder, die ihre Jugend erst im 21. Jahrhundert verbracht haben. Es wäre mal interessant zu sehen, wie da so der Schulsport ausgesehen hat und welche ersten Kontakte ihr mit Lycra hattet.


    Ausgehend von meiner Theorie dürften heutzutage wesentlich weniger junge Menschen neu mit der Lycra-Leidenschaft infiziert werden, als das noch in den 90ern der Fall war. Wie denkt ihr darüber?

  • Ausgehend von meiner Theorie dürften heutzutage wesentlich weniger junge Menschen neu mit der Lycra-Leidenschaft infiziert werden, als das noch in den 90ern der Fall war. Wie denkt ihr darüber?

    Ich kann dir absolut zustimmen und denke auch, dass das Alter eine wichtige Rolle spielt. - Wenn ich in den 80ern/90ern niemals Mädels/Frauen in Lycra gesehen hätte, wäre ich vermutlich nie darauf aufmerksam geworden. Ausgangspunkt waren damals wohl auch Aerobic-Videos oder die typischen Versandhauskataloge auf denen seitenlang diverse Lycra-Kombinationen vom Body über Leggings bis zum Ganzanzug zu sehen waren. Als das Ganze dann noch in meiner Realität - also im Schulsport - ankam, war es um mich "passiert". All diese Reize sind heute größtenteils verschwunden. Wobei mittlerweile immerhin die Leggings zurück sind, allerdings nur sehr sehr selten aus dem typischen 80/20er Glanzlycra. Dennoch habe ich schon hin- und wieder im Netz Kommentare gelesen, wonach es durchaus auch neue User gibt, die daran gefallen finden. In den Jahren 1997-2007 sah es dagegen äusserst trostlos aus. Das dadurch irgendwie der "Nachwuchs" auf der Strecke bleibt, könnte ich mir durchaus vorstellen. Auf der anderen Seite muss man auch sagen, dass für viele Leute aus dieser Generation das Thema "Internetforen" auch gar keine große Rolle mehr spielt. Sie bewegen sich eher in den sozialen Netzwerken und kennen die "Forenlandschaften" in denen wir uns (noch) austauschen, oft gar nicht wirklich. - Von den Newsgroups der 90er ganz zu schweigen.... Bei älteren Leuten dürfte es ähnlich sein.


    Zwei Themen, die viele ältere User unglaublich faszinierend finden sind bspw. Kurze (Adidas) Glanzsporthosen oder aber auch "echte" Nylons. Beides sind Themen, die mich selbst fast gar nicht ansprechen, vermutlich, weil ich einfach nicht aus jener Zeit stamme und beides nur von Bildern kenne. Und so könnte es manch 20 jährigem User von heute in Sachen Lycra gehen.







  • Gemessen an der regen Teilnahme, hat Badeanzugchris mit diesem Thema ziemlich ins Schwarze getroffen.

    Sehr oft scheinen die Ursprünge für unsere "Veranlagung" in vorpubertärer bzw. pubertärer Zeit in der Schule zu liegen.

    Dazu kommt natürlich, dass für viele hier dies in die Zeit der 80er Lycra/Aerobic Welle fiel.

    Ich wage mal die Aussage, dass unter denen, die derzeit zwischen 40 und 50 sind die Neigung zu jenen Materialien weiter verbreitet ist als bei jüngeren und älteren (Wobei natürlich Ausnahmen die Regel bestätigen).

  • .....Sehr oft scheinen die Ursprünge für unsere "Veranlagung" in vorpubertärer bzw. pubertärer Zeit in der Schule zu liegen.

    Dazu kommt natürlich, dass für viele hier dies in die Zeit der 80er Lycra/Aerobic Welle fiel.

    ....

    Volltreffer, ich als 1964'er Jahrgang war in den späten 70'er und den frühen 80'er in der Pupertät, gerade als Lycra und Airobic Hochkonjunktur hatten.

    Das hat mich immenz geprägt, was meine sexuellen Neigungen angeht: enganliegendes Lycra, Stringbodys mit hohen Beinausschnitten, wilde Haarmähnen usw. später kam dann der New Wave und Punk, da wird man's gewöhnt aufzufallen.

    Das hat sich also bis heute bei mir gehalten, gegen den Mainstream anzgehen und einfach anders zu sein, in Lycra.


    Zum Kernthema des Fadens, kann ich nur soviel zu sagen, dass die Mädels in meiner Schule auch Leggings trugen, aber leider meist matte.

    Auch ich verliebte mich in eine solche Leggingträgerin. An Gymnastikanzüge kann ich mich allerdings nicht erinnern, auch wenn wir getrennt, aber in der gleichen Halle unterichtet wurden.

    Wir Kerle trugen kurze Sporthosen, die heute als Retro, oder Vintage-look Sporthose noch immer vereinzelt gehandelt werden.


    Gruß Wolpertinger

  • Ich möchte mich schon mal bei allen Bedanken, da habe ich wohl mit dem Thema die richtige Wahl getroffen.


    Vielleicht ermutigt das noch dem einen oder anderen zu erzählen wie es bei Ihm früher war.


    Gedanklich könnte man das Thema noch ausweiten nicht nur auf den Schulsport bezogen.

    Ich überlege mir mal was.

  • An Mädels in Glanzleggings oder -radlern kann ich mich (leider) nicht wirklich erinnern - entweder waren da so wenige oder die das getragen haben, waren nicht attraktiv genug... Ein Mitschüler ist mir in Erinnerung geblieben, der hatte eine weinrote Radlerhose im Sport, der war aber auch im Turnverein. Aber was toll war, waren die Mädels aus der RSG (rhythmische Sportgymnastik)...